Was bedeutet die Abkürzung ATH ausgeschrieben? Bedeutung, Erklärung, Definition


Die Abkürzung „ATH“ hat verschiedene Bedeutungen:

ATH: Bitcoin, Kryptowährungen, All-Time High, Allzeithoch

Die Abkürzung „ATH“ bedeutet im Kontext von Aktien, Börse, Bitcoin und Kryptowährungen „All-Time High“, also auf deutsch „Allzeithoch“.

Ein Allzeithoch ist ein Kennwert für den höchsten Wert den eine Aktie oder Kryptowährungen jemals erzielt hat.

Bitcoin: All-Time-High, ATH, Allzeithoch

Der Bitcoin erreichte im Dezember 2020 sein ATH. Dies geschah in Folge des 2020 Halvings und dem zunehmenden Interesse großer Investoren und Firmen. (Das vorherige Allzeithoch des Bitcoin war im Dezember 2017. Es dauerte also gut drei Jahre und ein Halving bis der alte Rekordwert gebrochen wurde.)

Wie nachhaltig das Allzeithoch vom Bitcoin ist, wird die Zukunft zeigen. Auch wird die Zukunft zeigen, wann der Bitcoin eines neues ATH erreicht. Denn der Bitcoin erlebte viele Schwankungen, Einbrüche und Aufstiege.

Was ist ein All-Time-High, ATH, Allzeithoch?

Ein „All-Time High“ bzw. „Allzeithoch“ ist der historisch höchste Stand den eine Aktie, Währung oder ein Kurs jemals erreicht hat.

Ein Allzeithoch entsteht, wenn eine Aktie oder eine Kryptowährung stark an Wert gewinnt. Dies geschieht z.B., wenn viele verschiedene Anleger sich für die Aktie oder Kryptowährung interessieren. Auch Medienberichte können dafür sorgen, dass erst das Interesse an einer Aktie oder Kryptowährung steigt und dann der Wert.

Das Gegenteil vom All-Time-High, ATH und Allzeithoch ist: All-Time Low, ATL, Allzeittief.

Ein Synonym für Allzeithoch ist: Rekordhoch.

Siehe auch:

Weitere Bedeutung von ATH: Abkürzung

„ATH“ ist ein anderer Name für Allylthioharnstoff.

ATH ist ein Anbieter von Shisha-Produkten. ATH steht hier für „Adalya Tobacco Hookah“.

ATH war die Abkürzung für „August-Thyssen-Hütte“. August-Thyssen-Hütte war der Vorgängername von ThyssenKrupp.

„Ath“ ist eine Stadt in Belgien in der Region Wallonien.

Das Albrecht-Thaer Gymnasium benutzt die Abkürzung „ATh“.

„ATH“ ist der IATA-Code des Flughafen Athen Eleftherios Venizelos bei Athen, Griechenland.

Ich fühle mich wie … – Liste schlechter Analogien und schiefer Vergleiche, Witze, Sprüche


Eine Sammlung falscher, unangemessener und sehr sehr schiefer Analogien und Vergleiche zur Selbstüberhöhung:

  • Ich fühle mich wie Abraham Lincoln. Ich finde Sklaverei doof.
  • Ich fühle mich wie Anne Frank. Ich darf meinen Geburtstag nicht in meinem Zimmer feiern.
  • Ich fühle mich wie Anne Frank. Ich schreibe Tagebuch.
  • Ich fühle mich wie Doktor House. Ich habe meinen Kopfschmerzen mit einer Ibuprofen selbst geheilt.
  • Ich fühle mich wie Edward Snowden. Ich habe WhatsApp deinstalliert und habe den Cookie-Abfragen alle Cookies abgelehnt.
  • Ich fühle mich wie ein Bootsflüchtling, weil ich schon mal auf dem Mittelmeer Boot gefahren bin.
  • Ich fühle mich wie ein Virologe, weil ich Mund-Nasen-Schutz bewusst trage.
  • Ich fühle mich wie Ghandi. Seit heute morgen habe ich nichts gegessen.
  • Ich fühle mich wie ein Widerstandskämpfer, weil ich auf Telegram bin.
  • Ich fühle mich wie eine Intensivkrankenschwester, weil ich gestern im Supermarkt einen Mund-Nasen-Schutz getragen habe.
  • Ich fühle mich wie im Widerstand. Mir gefällt nicht was meine Regierung macht.
  • Ich fühle mich wie Jesus. Mir folgen 12 Leute Jünger auf Twitter.
  • Ich fühle mich wie Marcel Reich-Ranicki. Ich habe ein Buch kritisiert.
  • Ich fühle mich wie Martin Luther King. Ich hatte schon mal einen Traum.
  • Ich fühle mich wie Muhammad Ali. Ich habe meinen Wehrdienst verweigert.
  • Ich fühle mich wie Mutter Theresa. Ich habe gestern etwas Geld gespendet.
  • Ich fühle mich wie Nelson Mandela, weil ich seit drei Tagen in Heimquarantäne bin.
  • Ich fühle mich wie Rosa Parks. Ich bin im Bus sitzen geblieben als eine Frau nach meinen Sitzplatz gefragt hat.
  • Ich fühle mich wie Rosa Parks. Ich will nicht aufstehen.
  • Ich fühle mich wie Rosa Parks. Ich saß im Bus ganz vorne.
  • Ich fühle mich wie Willy Brandt. Ich habe schon mal gekniet.

Anmerkung: Die hier genannten Sprüche spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wieder.

Lustige Analogien und schiefe Vergleiche: „Ich fühle mich wie…“

  • Ich fühle mich wie Albert Einstein. Ich bin in der Schule schon mal sitzen geblieben.
  • Ich fühle mich wie Albert Einstein. Ich hab ein Selfie gemacht und dabei die Zunge rausgestreckt.
  • Ich fühle mich wie Bill Gates. Ich habe Fenster.
  • Ich fühle mich wie Che Guevara, weil ich einen Bart habe.
  • Ich fühle mich wie Christo. Ich habe ein Geschenk verpackt.
  • Ich fühle mich wie Christoph Kolumbus. Ich habe bei Amazon etwas* entdeckt. (*Externer Link zu Amazon und Provisionslink.)
  • Ich fühle mich wie Cro. Ich hab die ganze Zeit Maske getragen.
  • Ich fühle mich wie Darth Vader. Ich trage eine Maske.
  • Ich fühle mich wie David Hasselhoff. Ich habe Oberkörperfrei im Liegen einen Hamburger gegessen.
  • Ich fühle mich wie der Crazy Frog, weil ich Motorrad fahre und die Geräusche kann.
  • Ich fühle mich wie der YouTube-Algorithmus. Ich hab einem Freund ein Video empfohlen.
  • Ich fühle mich wie Elon Musik. Ich lasse gerne Raketen steigen. (Oder auch nicht, siehe: Böllerverbot)
  • Ich fühle mich wie ein Arzt. Ich habe den Splitter selbst entfernt ohne zu weinen.
  • Ich fühle mich wie ein Astronaut, weil ich den Mond am Himmel gesehen habe.
  • Ich fühle mich wie ein Astronaut, weil ich weiß was das Akronym „NASA“ bedeutet.
  • Ich fühle mich wie ein Außerirdischer. Ich bin einfach nicht von dieser Welt.
  • Ich fühle mich wie ein Autor. Ich habe auf Facebook einen Kommentar geschrieben.
  • Ich fühle mich wie ein Berliner. Auf meinem Grundstück ist ne Mauer.
  • Ich fühle mich wie ein Historiker. Ich weiß etwas über Geschichte.
  • Ich fühle mich wie ein Influencer, weil ich schon mal ein Video bei YouTube hochgeladen habe.
  • Ich fühle mich wie ein Wissenschafter, weil ich eine Theorie habe.
  • Ich fühle mich wie ein Veteran. Ich habe mich eine Verletzung vom Brot schneiden.
  • Ich fühle mich wie eine Backware. Ich bin Berliner.
  • Ich fühle mich wie eine Pizza Margherita. Ich hab nichts drauf.
  • Ich fühle mich wie ein Sternekoch. Ich habe Blaubeeren UND Nüße in mein Müsli gemacht.
  • Ich fühle mich wie Gordon Ramsey, weil ich vorhin Pfannkuchen gemacht habe.
  • Ich fühle mich wie Gott. Ich hab einen weißen Bart.
  • Ich fühle mich wie Gott. Sonntags mach ich nichts.
  • Ich fühle mich wie Harald Juhnke, weil ich keine Termine und leicht einen sitzen habe.
  • Ich fühle mich wie Harry Potter. Meine Eltern sind für mich wie gestorben.
  • Ich fühle mich wie Homer Simpson. Ich habe einen Bart.
  • Ich fühle mich wie Isaac Newton. Mir ist gestern ein Apfel herunter gefallen.
  • Ich fühle mich wie James Bond. Mein Chef nennt mich öfters Doppelnull.
  • Ich fühle mich wie Jane Godall. Ich liebe Hunde, Katzen, Affen und andere Tiere.
  • Ich fühle mich wie Jesus. Ich bin aufgekreuzt.
  • Ich fühle mich wie Jesus. Ich habe Brot gegessen.
  • Ich fühle mich wie Jesus. Ich habs im Kreuz.
  • Ich fühle mich wie Jesus. Ich wurde aufs Kreuz gelegt.
  • Ich fühle mich wie Jesus. Meine Freundin nagelt mich immer auf Aussagen fest.
  • Ich fühle mich wie Jesus. Mein Vater ist Zimmermann / arbeitet mit Holz.
  • Ich fühle mich wie Jesus, weil mir das Kreuz weh tut.
  • Ich fühle mich wie Josef von Nazaret. Ich ziehe das Kind eines anderen groß.
  • Ich fühle mich wie Karl Marx, weil ich den Kommunismus gut finde.
  • Ich fühle mich wie König Artus. Ich habe beim Frühstück das Messer aus der kalten Butter gezogen.
  • Ich fühle mich wie Luciano Pavarotti, weil ich mir den Daumen in der Tür eingeklemmt und beim Schreien das hohe C getroffen habe.
  • Ich fühle mich wie Marco Reus, weil ich aus Dortmund komme.
  • Ich fühle mich wie Michael Jackson. Ich habe unter der Dusche gesungen.
  • Ich fühle mich wie Napoleon, weil ich klein bin.
  • Ich fühle mich wie Neil Armstrong. Ich war schon ganz oben.
  • Ich fühle mich wie Picasso. Ich hab ein Bild gemalt.
  • Ich fühle mich wie Queen Elizabeth, weil ich so winken kann wie sie.
  • Ich fühle mich wie Reinhold Messner. Ich habe den Aufstieg in meine Wohnung geschafft.
  • Ich fühle mich wie Robinson Crusoe. Ich bin seit Stunden allein in meinem Zimmer.
  • Ich fühle mich wie Sauron. Meine Auge ist rot und brennt.
  • Ich fühle mich wie Thor, weil ich einen Hammer habe.
  • Ich fühle mich wie Walter Ulbricht, weil ich keine Absicht habe eine Mauer zu bauen.
  • Ich fühle mich wie Voldemort. Meine Eltern haben meine Nase geklaut.
Was bedeutet „Quotenmann“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als „Quotenmann“ wird ein Mann bezeichnet, der eine Stelle, Position oder Anstellung aufgrund einer Quotenregelung (Quote) erhalten hat. In dem Kontext hat ein Mann eine Stelle aufgrund seines Geschlechtes erhalten.

Was bedeutet „Quotenmann“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Ausdruck „Quotenmann“ hat eine scherzhafte Konnotation. Befindet ein Mann sich nur in weiblicher Gesellschaft, so wird scherzhaft davon gesprochen, dass er eine Quote erfüllt. Auch wirds teils scherzhaft gesagt, dass ein Mann ein „Quotenmann“ sei, wenn er einen Männer-untypischen Beruf ausübt.

Der Ausdruck „Quotenmann“ kann aber auch als Kritik an der Gesellschaft interpretiert werden. Denn ein Mann könnte nämlich eine Stelle nicht aufgrund seiner Fähigkeiten bekommen haben, sondern aufgrund der Tatsache, dass er ein Mann ist. (Man würde nicht davon sprechen, dass ein Mann ein Quotenmann ist, weil er eine Stelle aufgrund seines Geschlechtes erhalten hat.)

Der Ausdruck „Quotenmann“ ist eine Analogie zum verbreiteten und etablierten Begriff „Quotenfrau“.

Aus dem Begriff „Quotenmann“ folgen weitere Begriffsbildungen wie z.B. „Männerquote“. Dies kann beliebig auf andere Gruppen übertragen werden und dient damit als Abwertung für Frauen-Gleichstellungsmaßnahmen. (Beliebige andere Gruppen können sein: „Ossi-Quote“, „Migranten-Quote“, „Bayern-Quote“, usw.)

Übrigens Günther Jauch erhielt im Jahr 2001 den Preis „Quotenmann des Jahres“. Der Preis hat keinen Kontext bezüglich Gleichstellungsmaßnahmen, sondern honorierte, dass Günther Jauch ein Quotenmacher ist und für den Erfolg der Show „Wer wird Millionär?“ sorgte.

Siehe: Was ist das Paritätsgesetz?

Gibt es reale Quotenmänner / Männerquoten?

Der Redaktion von BedeutungOnline.de sind reale Männerquoten oder Quotenmänner unbekannt. Über hilfreiche Kommentare würden wir uns daher freuen und den Beitrag dann aktualisieren.

Bisher scheint der Begriff „Männerquote“ nämlich nur rein semantisch als Wort zu existieren und nur im Dienste der Debatte um den Begriff Frauenquote zustehen.

Stern „Ich bin eine Quotenfrau“: Quotenmann Reaktion

Der Ausdruck „Quotenmann“ ist eine Reaktion auf die Stern-Kampagne „Ich bin eine Quotenfrau“. Die Kampagne verfolgte das Ziel dem Begriff „Quotenfrau“ eine positive Konnotierung zugeben.

In den sozialen Medien (insbesonere Twitter) teilten Männer Erfahrungen, warum sie ein Quotenmann sind. Insbesondere thematisierten die Männer damit Strukturen der Gesellschaft und Arbeitswelt, die Männer bevorzugen.

Beispiele:

  • Bevorzugung von Männern in der Arbeitswelt für manche Stellen
  • Bevorzugung von Männern, weil Frauen in Mutterschutz sind
  • Karrierechancen für Männer in der Arbeitswelt, weil Frauen wegen Mutterschutz abwesend waren

Männer kritisieren aber auch die Politik und Rechtssprechung in Deutschland, wenn es um das Sorgerecht für gemeinsame Kinder geht.

Kritik am Begriff  „Quotenmann“

Anstatt zu kritisieren, dass zu wenig Männer oder Frauen eine Stelle erhalten haben oder ein Geschlecht bevorzugt wird, kann auch gefragt werden, ob sich zu wenige Männer oder Frauen auf eine Stelle bewerben. Dieser Gedanke könnte in die Richtung weitergehen, dass gefragt wie eine Stelle für Männer oder Frauen attraktiver wird.

Sonstiges zu Quotenmann

„Der Quotenmann“ ist ein Roman von Anna Dünnebier. Der Roman wurde 1993 veröffentlicht. Thema des Romans ist ein männlicher Beamter, der sich in eine Frau verwandelt, um eine Beförderung zu erhalten. Er wird zur Quotenfrau. Jedoch erlebt er da so einige unerwartete Überraschungen.

Weitere Bedeutung Quotenmann

Kommentar der Redaktion: Eine Männerquote für bestimmte Berufe könnte eine gute Idee sein. So wäre eine Männerquote für Kindererziehungsberufe (Erzieher, Lehrer, Grundschullehrer), für Kinderhilfe, Jugendhilfe und Pflegeberufe eine Überlegung wert.

Wie funktioniert Homeschooling? Erklärung, Bedeutung, Definition


„Homeschooling“ ist die englische Bezeichnung für Heimunterricht.

Hoomschooling ist in Deutschland eigentlich verboten.

Beim Homeschooling bzw. Heimunterricht sind die Eltern für die Teil-Schulausbildung ihrer Kinder verantwortlich. Es liegt in der Verantwortung der Eltern einen Arbeitsplatz und Stundenplan für das Kind einzurichten.

Was ist Homeschooling? Bedeutung, Definition, Erklärung

Ein Kind hat dann das Recht, nicht nur aus gesundheitlichen Gründen zu Hause zu lernen. In einigen Ländern ist es gar nicht so schwer das zu arrangieren. Unterricht, Pausen, Hausaufgaben, die strenge Stimme des Lehrers. Ohne all das sind Schuljahre kaum vorstellbar. Aber moderne Eltern entscheiden sich zunehmend für Outschooling oder Lernen außerhalb der Schulmauern. Es gibt keine offiziellen Statistiken zum Homeschooling. Das Kind kann die Schule ganztägig oder nur halbtags besuchen. Und außerhalb der Institution gibt es in manchen Ländern die Bildung als Form der Familienerziehung und Selbstbildung.

Wenn ein Kind eine Ausbildung in einer Organisation erhält – ob Vollzeit oder Teilzeit -, ist die Schule zusammen mit den Eltern für es verantwortlich. Und wenn die Option außerhalb der Institution gewählt wird, liegen alle Verpflichtungen nur bei der Familie.
Der Begriff Homeschooling umfasst alle Formen, in denen ein Kind zumindest einen Teil der Zeit außerhalb der Schule lernt.

Fernstudium

Das Kind geht nicht in die Einrichtung und arbeitet selbständig – mit Hilfe von Online-Ressourcen oder Privatlehrern. Darüber hinaus ist es als Schüler der Schule aufgeführt. Dies bedeutet, dass die Eltern den Lehrplan genau befolgen müssen. Sie können das auf der Grundlage der Bildungsstandards entwickelte Programm nicht ändern oder eine Klasse überspringen. Und die Lehrbücher, die von der Bibliothek bereitgestellt werden, sollten genutzt werden.

Die Zertifizierung erfolgt planmäßig, in der Schule oder per Fernzugriff. Einige Leute verwechseln Fernunterricht mit der Selbstbildung.
Im ersten Fall erhält das Kind selbst Wissen, und die Schule kontrolliert und führt es. Im zweiten Fall muss das Kind vieles selbst machen. Dies ist nur möglich, wenn der Schüler schwer krank oder körperlich nicht in der Lage ist, am Unterricht teilzunehmen.

Teilzeitausbildung

Das Kind kommt nur zu einem Teil des Unterrichts, nach Wahl der Eltern. Den Rest der Zeit lernt es zu Hause. Für den Schüler wird ein individueller Lehrplan erstellt, dabei darf er beispielsweise drei Tage die Woche zur Schule gehen oder nur bei einem bestimmten Fach anwesend sein. Die Zertifizierung muss im Unterricht mit anderen Kindern erfolgen.
Wenn ein Kind schwer krank ist, können die Lehrer es manchmal selbst besuchen. Diese Option wird als Heimunterricht bezeichnet, wird jedoch selten praktiziert und nicht als separate Bildungsform betrachtet.

Die Familienerziehung

Die Familie bringt das Kind nicht zur Schule und unterrichtet es alleine.
Eltern wählen das Programm. Sie entscheiden unabhängig darüber, welche Lehrmittel und Online-Ressourcen das Kind benutzen soll. Sie können es in einem Bildungszentrum oder in einer alternativen Schule (Montessori, Waldorf usw.) einschreiben oder Tutoren einstellen. Die Zertifizierung kann persönlich, in der Schule oder per Fernzugriff erfolgen. Unschooling kann als eine Art Familienerziehung angesehen werden. In dieser Form der Erziehung ist das Kind nicht an die Schule gebunden und folgt nicht dem Programm, auch nicht von den Eltern. Das Kind liest Bücher, die für es interessant sind, studiert die Welt um sich herum und beschäftigt sich mit Kreativität.

In einigen Ländern werden bei der Wahl dieser Form höchstwahrscheinlich Schwierigkeiten auftreten.

In der Praxis könnten die Vormundschaftsbehörden jedoch an Familien interessiert sein, die ihre Kinder nicht zur Schule geschickt haben. Darüber hinaus ist es für solche Schüler schwierig, die Abschlusszertifizierung zu bestehen.

Homeschooling: Die Selbstbildung

Das Kind lernt selbst, ohne die Teilnahme der Schule oder der Eltern. Für wen ist das Homeschooling geeignet? Es kann viele Gründe geben, sich für die Heimschule zu entscheiden. Hier sind einige davon: Der Schüler kann nicht nachkommen, das Programm ist zu schwer oder es ist im Gegenteil zu leicht.

Das Kind hat vielleicht große Schwierigkeiten, mit Gleichaltrigen zu kommunizieren. Oder es ist nur ein schüchterner Schüler, der es viel bequemer hat, alleine zu lernen.

Das Kind hat Mobbing erlebt und will nicht mehr zur Schule gehen. Es ist professionell an Sport oder Kreativität engagiert.

Der Schüler lebt dort, wo es keine Schulen gibt. Die Familie reist viel und bleibt nicht lange an einem Ort. Die Eltern haben ihre eigene Vorstellung davon, wie und was das Kind lernen soll. Und es stimmt nicht mit der Position der Schule überein.

Hoomschooling: Wer sollte besser nicht zu Hause unterrichten?

Homeschooling kann wie eine Idylle erscheinen. In Wirklichkeit ist dieses Format jedoch nicht für jeden geeignet. Hier sind einige Gründe, dies zu unterlassen:

Das Kind braucht tägliche Kommunikation mit Gleichaltrigen, es langweilt sich zu Hause. Es toleriert keine Isolation. Der Schüler ist sehr unorganisiert und ohne ständige strenge Kontrolle entspannt er sich schnell und weigert sich, etwas zu tun. Beide Elternteile arbeiten viel, sie haben keine Zeit, mit dem Kind zu lernen – schließlich müssen sie mit der Familienerziehung alle Funktionen eines Lehrers übernehmen. Es sei denn, sie sind natürlich bereit, eine große Summe für alternative Schulen oder Privatstunden zu zahlen. Der Familie fehlen die Kraft, Geduld und Lehrfähigkeiten, um den Bildungsprozess zu Hause aufzubauen.

Eltern haben finanzielle Schwierigkeiten. Heimunterricht ist teurer als Schulunterricht, insbesondere wenn es um Familienerziehung geht. Das Kind hat nicht die richtigen Bedingungen, um außerhalb der Schule zu lernen. Zum Beispiel ein kleiner Wohnraum, viele Brüder und Schwestern unterschiedlichen Alters, es ist laut und unruhig zu Hause.

In einigen Ländern geht man so vor:

Die Eltern informieren die Schulverwaltung. Es ist notwendig, einen Antrag zu stellen, wenn das Kind auf eine Teilzeitausbildung umsteigt. Es ist besser, dies vor Beginn des Schuljahres zu tun – damit der Direktor Zeit hat, sich vorzubereiten, Änderungen vorzunehmen und das Bildungsministerium über die Entscheidung zu informieren. Fernstudenten sind leider nicht überall willkommen. Für die Einrichtung bedeutet dies zusätzliche Schwierigkeiten, denn wenn der Schüler die Zertifizierung nicht besteht, werden die Lehrer und der Direktor verantwortlich gemacht.

Homeschooling: Situation in Deutschland, EU und USA

In einigen Staaten ist Homeschooling erlaubt. Zum Beispiel in Amerika. Es war jedoch nicht immer so. Homeschooling wurde dort erst seit 1993 legal, sogar in allen Bundesstaaten.

In Deutschland sieht es damit ganz anders aus – Homeschooling ist hier seit 1919 verboten.

In der Europäischen Union zählt Deutschland zu den wenigen Ländern, in denen eine Schulpflicht existiert und nicht nur die allgemeine Bildungspflicht. Die Kinder müssen hier unbedingt in eine Schule gehen.

Die Vollzeitschulpflicht gehört zur Ländersache. Sie dauert neun oder zehn Jahre. Danach spricht man in Deutschland noch von einer Berufsschulpflicht, die meistens bis zu dem 18. Lebensjahr folgt.

Die Eltern (oder Kinder) dürfen gegen die Schulpflicht nicht verstoßen. Homeschooling ist auf keinen Fall in Deutschland praktizierbar. Wer eine Schulverweigerung begeht, muss natürlich mit bestimmten Konsequenzen rechnen. Kommt es doch zu dem Verstoß gegen die Schulpflicht, ist die Angelegenheit als ordnungswidrig anzusehen und der Schuldige muss Bußgeld zahlen. Aber so manche Bundesländer (z.B. Saarland, Hamburg, Hessen) reagieren in solchen Fällen mit einer strafrechtlichen Verfolgung. Es werden Freiheitsstrafen verhängt, die bis zu sechs Monaten dauern.

Einschränkung für die freie Entwicklung befürchtet

Nicht alle Eltern in Deutschland sind mit der Schulpflicht zufrieden. Sie möchten sich von dem Einfluss des Staates befreien, weil eine Einschränkung für die freie Entwicklung befürchtet wird. Außerdem sind sie der Meinung, dass das Kind schon bald seine Freude am Lernen verliert.
Es gibt noch viele andere Punkte, warum die Eltern in Deutschland auch gerne Homeschooling praktiziert hätten. Oft sind es religiöse, ethische oder pädagogische Gründe. Die Kritiker des Heimunterrichts haben aber ihre Argumente. Sie sind der Ansicht, dass durch das Homeschooling eine Parallelgesellschaft entsteht. Die Kinder bekommen keine Chance, mit Gleichaltrigen zu diskutieren, mit Andersdenkenden die Meinung auszutauschen.

Was bedeutet Leerdenker, Nichtdenker? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als Leerdenker oder Nichtdenker werden Menschen bezeichnet, die nicht denken bzw. nicht nachdenken bevor sie etwas sagen. Leerdenker oder Nichtdenker geben Blödsinn, Schwachsinn und Unsinn von sich.

Die Ausdrücke „Leerdenker“ und „Nichtdenker“ sind abwertende Spottbezeichnungen.

Das Wort „Leerdenker“ ist eine scherzhafte Spottbezeichnung für die Querdenker-Bewegung. Der Ausdruck verbreitete sich nach dem wirre, inhaltlich-fragwürdige und seltsame Redebeiträge von Querdenker-Redner bekannt wurden. (Mitte November 2020 trendete der Begriff und Hashtag #Leerdenker auf Twitter.)

Leerdenker / Nichtdenker: Bedeutung, Definition, Erklärung

Ein Leerdenker oder Nichtdenker zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • schlechtes oder falsches Faktenwissen
  • Informationen stammen aus schlechten Quellen bzw. es wird nicht zwischen seriösen und unseriösen Quellen unterschieden. (Informationen und Quellen werden danach bewertet, ob sie in das Weltbild passen.)
  • Keine Unterscheidung von Wissen, Glauben und persönlichen Beobachtungen
  • Persönliche Überzeugung wird als Grundlage für Wissen genommen
  • Realität wird verzerrt wahrgenommen und wiedergegeben (Siehe: schwurbeln)
  • Realität wird nach persönlichen Gefühlen interpretiert
  • Historische Fakten und Personen werden verzerrt und/oder falsch interpretiert, was zu falschen Analogien führen kann
  • einseitige Wahrnehmung von Fakten, Informationen und Beobachtungen
  • Neigung zu Verschwörungserzählungen
  • Neigung dem Weltbild widersprechende oder widersprüchliche Fakten abzulehnen (Siehe: Faktenresistenz)
  • Kritikunfähigkeit / Beratungsresistenz
  • Egozentrik
  • Opfer-Mentalität; man erleidet die Realität
  • Verharmlosung / pietätlose Vergleiche
  • Geschichtsvergessenheit (Wenig Faktenwissen über historische Ereignisse)
  • Geschichtsrelativierung / Geschichtsrevisionismus
  • mangelnde politische Bildung
  • ethische Orientierungslosigkeit
  • Verbreitung von Falschinformationen und Fake News
  • Glaube daran unterdrückt zu werden, obwohl Versammlungsfreiheit und Meinungsfreiheit möglich sind und von der Polizei geschützt wird.

Weitere Bedeutung von Nichtdenker

„Endlich Nichtdenker“ ist ein Buch von Hannes Stein. Es wurde 2004 herausgebracht. Die scherzhafte Kernaussage des Buchs ist „Wer weniger denkt, ist glücklicher.“

Was bedeutet „Oaschloch“? Bedeutung, Defintion, Erklärung


„Oaschloch“ ist die bayerische und österreichische Dialektvariante des Wortes „Arschloch“. Insbesondere in der österreichischen und Wiener Schimpfkultur ist das Wort „Oaschloch“ fest verankert.

Bekannte Sprüche mit Oaschloch sind:

  • Heast, Oaschloch!
  • Schleich di, Du Oaschloch! (bedeutet auf hochdeutsch: „Hau ab, du Arschloch!“)

Hinweis: Die richtige Schreibweise ist ohne „r“: „Oaschloch“. „Oarschloch“ ist falsch.

Schleich di, Du Oaschloch! Bedeutung, Defintion, Erklärung

Der Ausruf „Schleich di, Du Oaschloch!“ erlangte Berühmtheit als ein Augenzeuge bei dem islamistischen Terroranschlag in Wien am 2. November 2020 jenen Satz dem Attentäter nachrief. (Vier Menschen verloren an dem Tag ihr Leben. 22 Menschen wurden verletzt.)

Auf einem Handyvideo wurde der Ausruf aufgezeichnet. Ganz eindeutig ist der Satz nicht zu hören, aber das Wort „Oaschloch“ ist eindeutig hörbar.

Der Ausruf „Schleich di, Du Oaschloch!“ verbreitete sich in den sozialen Medien viral und wurde zu einem Spruch, der die Stimmung in Wien, wiedergab. Der Spruch wurde zu einem Symbol für den Zusammenhalt in Wien und für eine gemeinsame Haltung gegen den Terror und Furcht. Der Spruch steht für Widerstand und Solidarität. Er steht dafür, dass sich die Österreicher und Wiener nicht teilen lassen wollen.

Kanzler Kurz sagte zu dem Attentat, dass es nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen oder zwischen Österreichern und Migranten gehe, sondern um einen Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei.

Der Spruch „Schleich di, Du Oaschloch!“ drückt Wut, Hoffnungslosigkeit, Trauer, Trotz und den Willen, sich nicht unterkriegen zulassen aus.

„Schleich di, Du Oaschloch!“: Verbreitung und Bedeutung

Das Wort „Oaschloch“ trendete auf Twitter. Auf Twitter dankten viele dem „Balkonrufer“ für seinen Mut. Viele Medien verglichen den Spruch „Schleich di, Du Oaschloch!“ mit Sätzen „Je Suis Charlie“ oder „Pray for London“.

Die Wirkung vom Satz „Schleich di, Du Oaschloch!“ ist auch, dass der Name vom Täter nicht verbreitet wurde. Das Wort „Oaschloch“ ersetzte den Namen des Täters. Damit wird dem Täter der Märtyrer-Status nicht gegönnt.

Der Ausruf „Schleich di, Du Oaschloch!“ wurde vielfältig verbreitet:

  • „Schleich di, Du Oaschloch!“ stand auf dem Titelbild der deutschen Tageszeitung taz.
  • „Schleich di, Du Oaschloch!“ wurde in großen Buchstaben an den Wiener Nachthimmel geschrieben.
  • Die Zeitungen Zeit, Berliner Zeitung, Der Standard, Kurier und andere berichteten über den Spruch.
  • Weltweit verbreitete sich der Spruch ebenfalls.
  • Ein Browser-Plugin wurde veröffentlicht, dass den Namen des Täters durch das Wort „Oaschloch“ ersetzt.
  • Auf Amazon* werde Buttons, T-Shirts, Beutel und andere Bekleidungsstücke mit dem Aufdruck „Schleich di, Du Oaschloch!“* angeboten. Siehe hier* (*Externer Link zu Amazon und Provisionslink)

Bei Google erreichten die Suchanfragen nach dem Wort „Oaschloch“ im November 2020 ihren historisch höchsten Stand.

Kritik: „Schleich di, Du Oaschloch!“

Das Wort „Oaschloch“ kann auch als verharmlosend gewertet werden. Denn ein Oaschloch ist auch jemand, der seine Frau betrügt oder andere schlägt. Den Attentäter mit solchen Oaschlechcha gleichzusetzen, ist falsch.

Weitere Bedeutung Oaschloch

Der Plural von Oaschloch ist „Oaschlechcha“.

„Oaschloch“ ist ein österreichischer Kurzfilm aus dem Jahr 2017. Regie führte David Weinand.

Was ist Kreislaufwirtschaft (Circular Economy)? Bedeutung, Definition, Erklärung


Kreislaufwirtschaft ist ein nachhaltiges Wirtschaftssystem mit dem angestrebt wird, dass Rohstoffe und Produkte möglichst lange genutzt werden.

Die englische Bezeichnung für Kreislaufwirtschaft ist „Circular Economy“.

Was ist Kreislaufwirtschaft (Circular Economy)? Geschichte, Bedeutung, Definition, Erklärung

Als historischer Pionier einer sog. zirkulierenden Ökonomie gilt der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Kenneth Ewart Boulding (1910-1993), der bereits im Jahr 1966 das Bewusstsein für die Gegensätze zwischen offenen und geschlossenen Ökonomien samt deren jeweils grundlegend unterschiedlichem Umgang mit Ressourcen schärfte. Der eigentliche Ausdruck „circular economy“ für Kreislaufwirtschaft als ein Wirtschaftssystem, welches auf die Verhinderung und Beseitigung von Verschwendung sowie kontinuierliche Nutzung von Ressourcen abzielt, stammt von dem britischen Umweltökonomen David W. Pearce (1941-2005), der 1989 darauf hinwies, dass sich zum damaligen Zeitpunkt eine traditionelle Wirtschaft mit offenem Ende ohne jegliche Tendenz zum Recycling entwickelt hatte, was sich in der Behandlung der Umwelt als Abfallreservoir niederschlug. Auf diesem Ansatz aufbauend entwickelten weitere namhafte Wirtschaftswissenschaftler wie in erster Linie Tim Jackson sowie Walter R. Stahel und Bill Rees in den frühen 1990er-Jahren unter Einbeziehung und Berücksichtigung theoretischer Grundlagen und Ideen wie „Cradle to Cradle“, industrieller Ökologie, Leistungsökonomie, regenerativem Design, Biomimikry und „Blue Economy“ das Konzept einer Kreislaufwirtschaft, welche als „circular economy“ die industrielle Produktion langfristig weg von einem extraktiven linearen System hin zu einer eher zirkulären Wirtschaft verlagern würde.

Die Vordenker der Kreislaufwirtschaft erkannten bereits früh die Zukunftsthemen

Maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Konzepts einer Kreislaufwirtschaft hatte und hat der Schweizer Unternehmens- und Wirtschaftsberater sowie Gründer und Leiter der Non-Profit-Organisation „Institut für Produktdauer-Forschung“ in Genf, Walter R. Stahel, der seit 2012 auch Vollmitglied des „Club of Rome“ ist. Schon 1976 verfasste Stahel einen in Fachwelt und Politik viel beachteten Forschungsbericht für die Europäische Kommission mit dem Titel „The Potential for Substitute Manpower for Energy“, in welchem er die Idee einer Kreislaufwirtschaft und deren Auswirkungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Einsparung von Ressourcen und Abfallvermeidung detailliert und kenntnisreich skizzierte. Einer breiten Öffentlichkeit wurde der Bericht in Form des 1982 mit dem Titel „Jobs für morgen: Das Potenzial für die Substitution von Energie durch Arbeitskraft“ erschienenen Buchs bekannt. Im selben Jahr wurde Stahel mit dem dritten Platz im Mitchell-Wettbewerb für nachhaltigere Geschäftsmodelle bedacht.

Als besonders gelungen, glaubwürdig und pragmatisch wurden seine Lösungsansätze für die Verlängerung der Lebensdauer sowie Wiederverwendung von Gütern und Produkten und die Vermeidung von Abfall gelobt. Auch die Betonung der zukünftig steigenden Bedeutung von Dienstleistungen anstelle von Produkten und die Lokalisierung wirtschaftlicher Aktivität vor Ort wurde als theoretisch wie praktisch wertvoll anerkannt.

Heute ist das Konzept „circular economy“ auch in den Chefetagen angekommen

Stahel sowie die weiteren genannten Ökonomen, Forscher und Wissenschaftler legten mit ihren Arbeiten dabei gewissermaßen den Grundstein für die in den 1980er- und 1990er-Jahre international kontinuierlich an Beachtung und Relevanz gewinnende Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsbewegung. In den späten 1990er-Jahren entwickelte darüber hinaus der deutsche Chemiker und Verfahrenstechniker Michael Braungart gemeinsam mit dem US-amerikanischen Architekten, Autor und Designer William McDonough das Cradle-to-Cradle- oder Wiege-zu-Wiege-Prinzip als Ansatz für eine konsequente Kreislaufwirtschaft mit dem Ziel der Ökoeffektivität. In diesem Konstrukt werden Produkte als biologische oder technische Nährstoffe betrachtet, die möglichst lange oder dauerhaft in biologischen bzw. technischen Kreisläufen gehalten oder zurückgeführt werden.

Konkrete Umsetzungen des Konzepts der Kreislaufwirtschaft waren oder sind der chinesische Fünfjahresplan von 2006, die EU-Abfallrahmenrichtlinie von 2008 und das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) in Deutschland von 2012. Im Jahr 2013 zeigte der von der „Ellen MacArthur Foundation“ in Auftrag gegebene sowie von der Unternehmensberatung „McKinsey“ entwickelte Bericht „Towards the Circular Economy“ außerdem die wirtschaftlich und geschäftlich wichtigsten Gründe für einen noch beschleunigten Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft in der EU auf. Demzufolge liegen die Vorteile eines restaurativ und zirkulär funktionierenden Modells in den Bereichen Produktentwicklung, Wiederaufarbeitung und Sanierung und könnten Nettomaterialkosteneinsparungen von bis zu 630 Milliarden Dollar pro Jahr erzielen.

Neue Medien und Technologien sind Schlüsselfaktoren für die Kreislaufwirtschaft

Bei einer internationalen Studie zu den institutionellen Barrieren und Triebkräften für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft in verschiedenen Regionen weltweit von 2018 wurden der US-amerikanische Computerhersteller „Dell“ als erstes Unternehmen, das für Kunden kostenloses Recycling anbot und Computer aus wieder gewonnenen Materialien auf den Markt brachte sowie „Republic Services“ als zweitgrößtes Abfallmanagementunternehmen der USA als zwei der privatwirtschaftlichen Wegbereiter der „circular economy“ untersucht und mit als zukunftsweisend gewürdigt. Die meisten Beobachter, Experten und Kenner schätzen heute Digitalisierung, Datenökonomie und digitale Technologien wie „Big Data“, „Blockchain“ und Künstliche Intelligenz als die Schlüsselfaktoren für den weiteren Ausbau einer weitgehend zirkulären Ökonomie und intelligenten Kreislaufwirtschaft ein. Gerade im Zusammenhang mit der europäischen Klimapolitik und dem 2019 vorgestellten Konzept eines „European Green Deal“ zur Reduzierung der Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null bis zum Jahr 2050 in der EU werden der Verbindung von digitalen Technologien mit nachhaltigem Ressourcenmanagement große Bedeutung beigemessen. Unterstützend wirkt hierbei auch das EU-Förderprogramm „Horizont 2020“ für Forschung und Innovation, dessen Projekt CICERONE sich strategisch mit dem Einsatz digitaler Technologien für die Kreislaufwirtschaft insbesondere in den Bereichen Abfallwirtschaft, industrielle Symbiose und Rückverfolgbarkeit von Produkten beschäftigt.

Die globale Erwärmung ist eventuell nur durch mehr Kreislaufwirtschaft zu stoppen

Zum jetzigen Zeitpunkt ist natürlich noch nicht einzuschätzen, ob und inwiefern dermaßen ehrgeizige Ziele in Hinsicht auf die Kombination von digital unterstützter Kreislaufwirtschaft und Klimapolitik tatsächlich komplett oder auch nur partiell erreicht werden könnten. Fest steht jedoch bereits heute, dass das Ende der Ära des billigen Öls und billiger Materialien in der industriellen Produktion weltweit schon in wenigen Jahrzehnten bevorsteht und der Übergang zu einer deutlich stärker regenerativ und zirkulär arbeitenden Wirtschaft letztlich unausweichlich und unverzichtbar ist. Vordenker und Befürworter einer global kohärenten Kreislaufwirtschaft verweisen somit häufig und auch völlig zu Recht auf die effektiven und positiven Auswirkungen, welche umfassende Strategien einer Kreislaufwirtschaft bereits in kurzer Zeit auf die angestrebte sowie dringend notwendige Emissionsreduzierung auf der ganzen Welt hätten. Da ebenfalls aktuell schon wissenschaftlicher Konsens ist, dass das im Dezember 2015 von damals 196 Ländern in Paris unterzeichnete Übereinkommen zur Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen mit dem Ziel des globalen Klimaschutzes in dieser Form nicht ausreichen wird, um die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, erscheint eine möglichst weltweit noch intensiver betriebene Kreislaufwirtschaft geradezu als „alternativlos“. Dabei sollten die hiermit verbundenen Methoden und Mechanismen im Rahmen von „circular economy“ nicht nur auf sicherlich sinnvolle, aber alleine eben nicht ausreichende neue Herangehensweisen in der Abfallwirtschaft beschränkt bleiben. Auch in der lokalen Fertigung von Gütern und Produkten aus wiederverwerteten Kunststoffabfällen sowie einer langfristigen Umgestaltung von Lieferketten könnten als potenziell disruptiv („ersetzend“) eingestufte Technologien wie beispielsweise 3-D-Druck, Fotovoltaik sowie Solar- und Windkraftanlagen der Kreislaufwirtschaft zum globalen Durchbruch verhelfen.

Womöglich sind Thermodynamik und Konsumverhalten bedeutende Hindernisse

Natürlich sind die graduell unterschiedlichen Konzepte der Kreislaufwirtschaft auch schon lange Gegenstand mehr oder weniger berechtigter kritischer Einwände, welche etwa auf die prinzipiellen Grenzen durch die physikalischen Gesetze der Thermodynamik beruhen, denen zufolge der vollständig reversible Kreisprozess in einer idealen Kreislaufwirtschaft schon aus Gründen der in spontanen Prozessen unvermeidbaren Zunahme an Entropie in dieser Form nicht oder nur mit dem Einsatz sehr großer Mengen an Energie umzusetzen wäre. Ebenso bereits in Publikationen und Stellungnahmen zur Thematik kritisiert wurden die tendenzielle Vernachlässigung sozialer Aspekte, da eventuell zu schnelle Förderungen und Durchsetzungen einer umfassenden Kreislaufwirtschaft durch Preispolitik wie höhere Steuern und Subventionen zwar grundsätzlich zu einem besser an die Natur angepassten, weil nachhaltigem Wirtschaftsmodell, aber wohl auch zumindest mittelfristig zu einem für die Mehrheit der Bevölkerung übermäßig belastendem Anstieg der Lebenshaltungskosten führen würden.

Da bislang noch viele der tatsächlichen Kosten einer linearen Wirtschaft in Bezug auf die Schäden für Gesellschaft und Umwelt gewissermaßen „verschleiert“ werden und sich somit viele Konsumenten gar nicht bewusst sind, dass sie für zahlreiche Produkte im Grunde genommen deutlich höhere Preise bezahlen müssten, wenn alle Faktoren der Nutzung natürlicher Ressourcen berücksichtigt werden würden, ist anzunehmen, dass die allgemeine Akzeptanz der zunächst wohl höheren Kosten einer zirkulären Wirtschaft vor allem auch für Endverbraucher nur recht schwierig zu erreichen wäre.

Aller Anfang ist schwer, aber auch vielversprechend: Ansätze zirkulärer Ökonomie

Auch wenn eine komplett ohne Abfall und Überschuss funktionierende Kreislaufwirtschaft aller Wahrscheinlichkeit nach aus den oben genannten Gründen nicht erreicht werden kann, gibt es doch bereits heute zahlreiche effektive und anerkannte Anwendungen des Konzepts einer zumindest graduellen Einsparung und Schonung von Ressourcen in vielen Industriebereichen. Ein Beispiel ist die aktuell noch häufig für ihre schlechte Umweltbilanz kritisierte Textilwirtschaft, deren Prinzip „Fast Fashion“ zu sehr hohen Konsumraten, einer „Wegwerfmentalität“ und damit zu Ressourcenverschwendung und Umweltschäden führt. Hier könnten jedoch Recycling, Sammlung und Wiederaufbereitung von Kleidung schnell deutliche Veränderungen und Verbesserungen veranlassen. Auch zirkuläre Initiativen wie Rücknahmeprogramme und Verleihfirmen für Bekleidung gewinnen sowohl in der EU als auch den USA seit einiger Zeit immer mehr an Bedeutung.

Das Baugewerbe als einer der weltweit größten Abfallverursacher könnte durch an Zielsetzungen der Kreislaufwirtschaft orientierte Prozesse ebenfalls deutlich mehr Ressourcen als heute einsparen. So würde die Verwendung von natürlich vorkommenden und abbaubaren Baumaterialien wie Lehm, Erde und Holz sowie der Einsatz vorgefertigter und modularer Konstruktionselemente nachweislich viel Abfall sowie Staub und Lärm reduzieren. In der Automobil- bzw. zukünftig hauptsächlich Elektrofahrzeugindustrie könnte verstärktes Fahrzeugrecycling etwa in Form spezieller Demontageroboter und alternative Eigentumsmodelle wie Öko-Leasing ebenso zu begrüßenswerten Ergebnissen führen.

Angesichts stichhaltiger Prognosen zur weiteren Zunahme des globalen Güterverkehrs wäre auch eine Umgestaltung der Logistikbranche nach den Prinzipien einer Kreislaufwirtschaft denkbar. Potenzial wird hier speziell bei der Routen- und Versandoptimierung zum Beispiel durch vorausbezahlte Etiketten, intelligente Verpackungen und Rücknahmeoptionen gesehen. Zirkuläre Ansätze in der Landwirtschaft bestehen zurzeit bei der besseren energetischen Nutzung und Wiederverwendung von Abfall sowie Schließung des Futter-Düngerkreislaufs.

Was ist das Umwandlungsverbot? Bedeutung, Definition, Erklärung


Das Umwandlungsverbot verbietet in Regionen oder Stadtteilen mit angespannter Wohnungslage die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen zum Zwecke des Verkaufs. Dieses Verbot wurde am 4. November 2020 in eine Gesetzesvorlage aufgenommen, welcher der Bundestag mit Stand vom 11. November erst noch zustimmen muss, um dann über das Gesetz abzustimmen.

Was ist die Umwandlung? Umwandlungsverbot, Bedeutung, Definition, Erklärung

Sie macht eine Mietwohnung zur Eigentumswohnung. Der Besitzer kann die Wohnung umwidmen, muss aber (meistens) einem in der Wohnung lebenden Mieter ein Vorkaufsrecht einräumen. Die Umwandlung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. So müssen beispielsweise Wohnungen in Mehrfamilienhäusern so voneinander getrennt sein, dass einzelne Einheiten in Eigentum umgewandelt werden, andere unter Umständen auch Mietwohnungen bleiben können. Für diese säuberliche Trennung der Wohneinheiten stellt das Bauamt eine Abgeschlossenheitsbescheinigung aus. Das Grundbuchamt verlangt einen Aufteilungsplan.

Es geht auch darum, dass künftige Eigentümer und gegebenenfalls noch vorhandene Mieter die Gemeinschaftsräume adäquat nutzen können. Kurz und gut: Die Umwandlung war schon immer mit Hürden verbunden, die besonders hoch bei der Umwandlung von Sozialwohnungen sind. Nun soll sie aber unter bestimmten Umständen ganz verboten werden. Sie birgt Gefahren für die Mieter. Einige von ihnen möchten die Wohnung vielleicht nicht kaufen und müssen dann mit der Kündigung rechnen. Zwar gilt eine Kündigungssperrfrist von drei Jahren, doch auch das ist für viele Mieter unkomfortabel bis unzumutbar. Zudem erlischt ihr Vorkaufsrecht, wenn der Vermieter an einen Verwandten verkauft.

Dass die Umwandlung problematisch sein kann, beweisen Sonderregelungen in einigen Bundesländern. So hat Hessen die Kündigungssperrfrist in einigen Kommunen auf bis zu acht Jahre verlängert.

Woher kommt das aktuelle Umwandlungsverbot?

Dieses hat das Bundeskabinett in seinen Entwurf für das neue Baulandmobilisierungsgesetz aufgenommen. Es soll nur bis Ende 2025 und nur für bestimmte Mietwohnungen gelten. Auch ist es nicht die einzige Neuerung in diesem Gesetz.

Unter anderem wurde auch die Baugebietskategorie „Dörfliches Wohngebiet“ neu geschaffen. Sie hat zwar mit dem Umwandlungsverbot nichts zu tun, doch die Kenntnis weiterer Bestandteile des Gesetzes ist wichtig, weil sie zur Verhandlungsmasse wurden: Die Koalitionäre konnten sich nämlich nicht so ohne Weiteres auf den Gesetzesentwurf und vor allem nicht auf das Umwandlungsverbot einigen. Ob es überhaupt den Bundestag passiert, wissen wir heute (am 11.11.2020) noch nicht. Es wurde darum erbittert gerungen, weil die Immobilienwirtschaft die Umwandlung von Wohnungen für sehr wichtig hält. Ihr stehen weite Teile der Union nahe.

Die SPD will wiederum die Mieter viel stärker schützen. Sie hatte daher einen strengen Genehmigungsvorbehalt für die Wohnungsumwandlung in den ersten Gesetzesentwurf schreiben lassen. Kabinettsmitglieder und Abgeordnete der CDU protestierten stark dagegen, woraufhin die erste Passage mit dem Umwandlungsverbot ersatzlos gestrichen wurde. Daraufhin verweigerte die SPD insgesamt die Zustimmung zur Novelle des BauGB. Also passte das federführende Ministerium für Inneres, Bau und Heimat unter Horst Seehofer (CSU) den Entwurf erneut an. Es wurde ein Genehmigungsvorbehalt (= mögliches Umwandlungsverbot) für bestimmte Gebiete in den Gesetzesentwurf aufgenommen.

Wo wird das Umwandlungsverbot gelten?

Wenn das Gesetz beschlossen wird, enthält es einen § 250 BauGB, der eine Umwandlungsbremse formuliert. Demnach können Kommunen oder Länder die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen in denjenigen Gebieten untersagen, in denen es einen angespannten Wohnungsmarkt gibt. Die betreffende Definition ist recht weit gefasst. Sie besagt mehr oder weniger pauschal, dass es für bestimmte Einkommensgruppen einen Mangel an Mietwohnungen aufgrund zu hoher Mieten gibt. Die betreffenden Regionen sollen die Landesregierungen im Einzelfall durch Rechtsverordnung bestimmen.

Die Frist für ein Umwandlungsverbot endet vorläufig stets spätestens am 31.12.2025, doch Kritiker des Gesetzes befürchten, dass man sie verlängern könnte. Der Termin 31.12.2025 wurde vergleichsweise willkürlich nach zähen Verhandlungen gewählt. Im ersten Entwurf war noch vorgesehen gewesen, dass die betreffenden Gebiete stets für eine bis zu fünfjährige Dauer bestimmt werden können. Selbst wenn man das Gesetz auf einen Geltungszeitraum bis Ende 2025 beschränkt hätte, hätte es somit für einige Gebiete bis 2030 ein Umwandlungsverbot geben können. Nun aber verkürzt sich der Zeitraum immer mehr: Wenn ein Gebiet im Jahr 2024 zu einer Zone mit angespannter Wohnungslage erklärt wird, gilt (nach derzeitiger Gesetzesvorlage) das Umwandlungsverbot nur noch für ein (vielleicht reichliches) Jahr.

Streit um das Umwandlungsverbot

Das Innenressort hatte im Zuge der Ausarbeitung des Gesetzesentwurfes erklärt, dass es bei Anhörung von Ländern und Verbänden erhebliche Differenzen bezüglich des Ausgestaltungswillens feststellen musste. Die Bundejustizministerin Christine Lambrecht (SPD) forderte am 1. Oktober 2020 im Bundestag von der Union, höhere Hürden für die Umwandlung in Eigentumswohnungen zu schaffen. Mit dem jüngsten Entwurf ist Lamprecht zufrieden. Er kam zustande, indem andere Gesetzespassagen an die Intentionen von Interessengruppen angepasst wurden. So wurde ein „Baugebot mit Ausnahmen“ geschaffen, welches das Bauen am Ortsrand künftig leichter macht. Kommunen können nach den Intentionen des Gesetzesentwurfes Grundstückseigentümer zum Bauen auf freien Flächen verpflichten, wenn dringender Wohnbedarf besteht. Wiederum sind hierfür Ausnahmen zugelassen, die sich vor allem auf den Eigenbedarf der Besitzer (auch zum Zwecke der Altersvorsorge) beziehen.

Das Baugebot hatte es schon gegeben, es würde aber mit dem neuen Gesetz ausgeweitet. Horst Seehofer hatte damit eine Empfehlung der sogenannten Baulandkommission aus dem Jahr 2019 umgesetzt. Diese ist mit Vertretern aller Ebenen – Bund, Länder, Kommunen, Wohnungswirtschaft – besetzt. Aus diesem Kreis kamen auch schon früher Anregungen zum Umwandlungsverbot.

Welche Chancen hat das Umwandlungsverbot im Bundestag?

Es wäre nicht ungewöhnlich, dass die Parlamentarier nach der Debatte um das neue Baulandmobilisierungsgesetz dieses nochmals zur Überarbeitung in die Ressorts schicken.

Die Fronten der Befürworter und Gegner eines Umwandlungsverbots stehen sich nach wie vor relativ unversöhnlich gegenüber. So ist der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion Dr. Jan-Marco Luczak (CDU) ein strikter Gegner dieser Gesetzespassage. Er geht davon aus, dass nur durch die Möglichkeit der Umwandlung genug Wohneigentum für die Altersvorsorge der heutigen jungen Berufstätigen geschaffen werden kann.

Dass ein Umwandlungsverbot den Wohnungsmarkt entspannt, glaubt er nicht. Vielmehr würde es nur die vorhandenen Eigentumswohnungen verteuern. Luczak glaubt an eine „Zementierung des Mieterdaseins“, wenn sich das Umwandlungsverbot großflächig durchsetzt. Er plädiert für die Förderung des Wohnungskaufs durch die bisherigen Mieter. Ihm stehen Vertreter der SPD, der Linken und der Grünen gegenüber, die auf unbezahlbare Mieten in vielen deutschen Metropolen verweisen. Daher sind zum Gesetzesentwurf noch viele Debatten zu erwarten. Es ist mit Stand Mitte November 2020 keinesfalls ausgemacht, dass ein Umwandlungsverbot kommt.

Was bedeutet Pflexit? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Pflexit ist der Exit von Pflegekräften aus ihrem Beruf. Unterschieden werden der Pflexit aus persönlichen Gründen und der systembedingte Pflexit.

Der persönliche Pflexit: Bedeutung, Definition, Erklärung

Beim persönlichen Pflexit steigen Pflegekräfte aus verschiedenen persönlichen Gründen aus ihrem Beruf aus. Diese persönlichen Gründe werden natürlich auch durch die Arbeitsbedingungen verursacht, doch insgesamt gibt es äußerst vielschichtig Ursachen.

Die mit der Thematik befasste wissenschaftliche identifziert als Rahmenbedingungen für einen persönlichen Pflexit sind:

  • zunehmende Arbeitsverdichtung
  • hohe physische und psychische Belastung im Beruf
  • schlechte (bzw. nicht angemessene) Bezahlung
  • mangelnde Anerkennung sowohl durch den Arbeitgeber als auch durch die Öffentlichkeit
  • sehr strapaziöse Schichteinteilungen
  • zu wenig Freizeit

Besonders die Belastungen bei gleichzeitig fehlende Anerkennung lassen Pflegekräfte schnell „innerlich kündigen“. Sie fühlen sich mit ihrem Arbeitgeber nicht mehr verbunden und leisten fortan nur noch Dienst nach Vorschrift. Darin liegen Gefahren für die Organisation und die zu versorgenden Patienten oder Bewohner eines Alten- und Pflegeheims. Eine mangelnde innere Einstellung lässt in diesem Beruf schnell die Qualität sinken. Natürlich trifft das mehr oder weniger stark auch auf andere Berufe zu, weshalb die allgemeine Betriebswirtschaftslehre den Begriff des Commitments formuliert, also der inneren Bindung an eine Aufgabe, die zu einem entsprechenden Engagement führt.

Angestellte mit hohem Commitment und Engagement sind kreativ, produktiv und effizient. In sozialen Berufen sind sie ihren Klienten stark zugewandt. Sie bemühen sich zudem in rein arbeitstechnischer Hinsicht von allein und unaufgefordert um höchste Qualität. Hierfür benötigen sie sehr dringend die verdiente Anerkennung und außerdem die richtigen Rahmenbedingungen. Zu diesen gehören unter anderem folgende Punkte:

  • Arbeitgeber müssen Arbeitnehmer ausreichend informieren.
  • Die Arbeitstätigkeit soll attraktiv und angemessen gestaltet werden.
  • Von Abteilungsleitern wird ein kooperatives Führungsverhalten erwartet.
  • Arbeitnehmer müssen sich entwickeln können.
  • Wo es geht, sollten Unternehmen das persönliche Wohlbefinden ihrer Beschäftigten fördern.
  • Die Arbeitsaufgaben und das Umfeld müssen sinnvoll organisiert sein.
  • Die Bezahlung muss als gerecht empfunden werden.

Das kollegiale Umfeld trägt ebenfalls sehr stark zu einem optimalen Arbeitsklima bei. Allerdings haben die Arbeitgeber auf die persönlichen Beziehungen ihrer Angestellten untereinander nur begrenzten Einfluss. Sie sind jedoch immerhin gesetzlich dazu verpflichtet, Mobbing zu unterbinden. Zur Herstellung eines herzlichen Klimas sind sie nicht verpflichtet, das wäre womöglich auch etwas zu viel verlangt. Man kann sich aber darum bemühen. So sollte etwa eine Firma niemals die Weihnachtsfeier ausfallen lassen.

Als entscheidender für den persönlichen Pflexit gelten aber Rahmenbedingungen wie die Arbeitszeiten und -aufgaben sowie die Bezahlung. Diese Rahmenbedingungen hängen von Tarifverträgen und politischen Entscheidungen ab. Führungskräfte sollten sie in ihrem Kompetenzbereich so optimal wie möglich gestalten. Dass suboptimale Rahmenbedingungen den Krankenstand in der Berufsgruppe erhöhen, ist durch Zahlen belegt. Besonders die psychischen Erkrankungen weisen darauf hin, dass die Belastungen bisweilen unerträglich sind.

Manche Pflegekräfte opfern sich bis zu ihrer Belastungsgrenze und darüber hinaus auf, bis sie schließlich zusammenbrechen. Dies geschieht aus Verantwortungsgefühl gegenüber den Patienten, den eigenen Kollegen und dem Arbeitgeber heraus. Zum Teil ist die Aufopferung schierer Not geschuldet: Wenn Teams unterbesetzt sind, wagen es viele Pflegerinnen und Pfleger nicht, Überstunden abzulehnen oder sich gar krankschreiben zu lassen, obwohl sie die Auszeit bräuchten. Doch ein kompletter Zusammenbruch hat einen viel längeren Ausfall und manchmal sogar die Berufsunfähigkeit zur Folge. Es gilt daher, optimalere Rahmenbedingungen zu schaffen. Vor allem die Arbeitsverdichtung aufgrund mangelhaft besetzter Teams gilt als sehr prekär. Sie verursacht enormen Stress und zusätzlich starke körperliche Belastungen, die zu Erkrankungen des Bewegungsapparates führen.

Die Politik kann nur gegensteuern, indem sie Geld in die Hand nimmt und Pflegepersonal so gut bezahlt, dass sich genügend AnwärterInnen für den Beruf finden. Die derzeitigen Angehörigen der Berufsgruppe sind aufgerufen, sich nötigenfalls ausreichend zu schonen. Das bedeutet, dass sie Arbeitsaufgaben ablehnen müssen, die absehbar zu einer physischen und/oder psychischen Überforderung führen. So sollten sie es ablehnen, einen zu schweren Patienten allein aus dem Bett zu heben oder wochenlange Überstunden zu schieben.

System-Pflexit: Bedeutung, Definition, Erklärung

Dieser Pflexit wird durch Experten in der Zukunft erwartet. Er dürfte unter Umständen allein die Pflege in Kliniken und Krankenhäusern, aber nicht die gesamte Branche betreffen. Der Hintergrund ergibt sich hier durch das Abrechnungssystem der Pflege in Kliniken und Krankenhäusern. Aktuell erfolgt die Abrechnung der pflegerischen Tätigkeiten über DRGs. DRGs sind Diagnosis Related Groups für voll- und teilstationäre Leistungen in Kliniken und Krankenhäusern. Die gesetzliche Grundlage schafft der § 17b KHG (Krankenhausfinanzierungsgesetz). Die Neufassung dieses Gesetzes gilt seit dem 01.01.2020.

DRGs gruppieren ihrem Namen entsprechend Fälle ein, in welche verschiedene Parameter einfließen. Aus diesen Parametern errechnet sich ein Fallwert, der zur entsprechenden Vergütung führt. Es gab die DRGs schon vor 2020, ihnen wurde aber eine neue Pflegeerlösabrechnung hinzugefügt. Die Intention bestand darin, die Pflegekosten realistischer darzustellen. Seit 2020 errechnet sich nun die Vergütung aus der Multiplikation der drei Faktoren

  • Bewertungsrelation,
  • Verweildauer und
  • individueller Pflegeentgeltwert.

Letzterer bildet die Relation zwischen Pflegekosten und Pflege-Daymix ab. Sollte der Erlös die Pflegekosten nicht decken können, müssen sie ausgeglichen werden. Die Mehrkosten werden damit zu 100 % durch die Kassen übernommen, damit eine vollständige Selbstkostendeckung der Krankenhäuser gewährleistet wird. Das war das Ziel der Neufassung des KHG, denn zuvor hatten Krankenhäuser im Pflegebereich bisweilen Defizite erwirtschaftet.

Die an sich gute Intention des Gesetzes soll jedoch nicht richtig funktionieren. Sie gliedert die Pflegepersonalkosten aus, die zuvor in den DRG-Fallpauschalen enthalten waren. Das schafft nach der Meinung von Fachleuten der GKV Fehlanreize: Die Kliniken verlassen sich nun darauf, dass ihre Defizite im Pflegebereich stets vollständig ausgeglichen werden, was in einigen Fällen zu Unwirtschaftlichkeit und Intransparenz führt. Für die Pflegekräfte bedeutet das System unter Umständen, dass sie berufsfremde Tätigkeiten ausführen müssen, weil die Neufassung der KHG nicht genau definiert, was eigentlich zur Pflege gehört. Dieser Umstand wiederum könnte mittelfristig einen systembedingten Pflexit auslösen. Ob dieser stattfindet und wie groß sein Ausmaß sein könnte, lässt sich mit Stand November 2020 noch nicht vollständig einschätzen, weil das neue KHG noch jung ist. Doch schon jetzt sind Fälle bekannt, in denen Pflegerinnen und Pfleger zur Bettenaufbereitung und Zimmerreinigung eingesetzt werden: Den Aufwand erhält das Krankenhaus ja auf jeden Fall erstattet (den für eine Reinigungsfirma hingegen nicht unbedingt). Die Gefahr des System-Pflexits ist daher sehr real.

Wer hat das Glücksspiel erfunden? Geschichte, Erklärung


Ob nun die Chinesen oder die Ägypter die Erfinder des Glücksspiels waren, ist ungewiss. Unbestritten ist jedoch, dass sich seit Jahrtausenden nur wenige Menschen weltweit seiner Faszination entziehen konnten. Das zumindest berichten zahlreiche Aufzeichnungen aus der Antike.

Die Römer wetteten bei den beliebten Gladiatorenkämpfen und setzten oft ihre gesamte Habe ein. Das Würfelspiel soll aus China stammen. Doch Funde aus den Pharaonengräbern lassen den Rückschluss zu, dass die alten Ägypter ebenfalls dem Glücksspiel frönten und dafür Brettspiele benutzten. Zunächst spielte man rituell zu Ehren der Götter. Mit der Zeit verblasste der religiöse Grundgedanke. Spielen wurde zum Zeitvertreib. Üblich waren Jagdwetten. Auch Frauen galten als beliebte Wetteinsätze.

Zu Homers Zeiten liebten die Griechen Sportwetten und das Spiel mit weißen und schwarzen Spielsteinen. Jeder zockte, was das Zeug hielt. Nicht selten verwetteten die Spieler Haus und Hof.

Im Mittelalter galten bestimmte Arten des Glücksspiels als unmoralisch

Im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert begann die Obrigkeit zwischen Unterhaltungs-Spielen und moralisch verwerflichem Zocken zu unterscheiden. Dennoch wurde selten hart durchgegriffen. Zu saftig waren die Steuereinnahmen, die dank der Veranstalter in die Kassen gelangten. Zu jener Zeit entstanden die ersten Klassenunterschiede zwischen den Spielern. Die Oberklasse traf sich nun in Spielhäusern, während das einfache Volk in Wirtshäusern zockte.

Das erste echte Casino entstand im siebzehnten Jahrhundert in Venedig

Jeder Besucher, der genügend Monetas in der Tasche hatte, wurde in das neue Spielhaus eingelassen. Zur Wahrung der Anonymität dienten Gesichtsmasken und Dreispitze. Zur gleichen Zeit soll ein französischer Mathematiker auf der Suche nach dem Perpetuum Mobile das Spiel entwickelt haben, das noch heute als Symbol für die Casinos weltweit gilt: das Roulette. Es soll laut Überlieferung zum ersten Mal in Venedig gespielt worden sein. Von dort aus begann der Siegeszug der Casinos durch ganz Europa. Das elegante Casino von Venedig besteht noch heute. Hier treffen sich Glücksspieler aus aller Welt und frönen ihrer Leidenschaft, vor allem während der Karnevalszeit.

Das Glücksspiel im digitalen Zeitalter

Heute laden zahlreiche Online Casinos zum Spielen ein. Sie entstanden in den neunziger Jahren und werden ständig beliebter, vor allem bei Europäern. Viele dieser virtuellen Spielbanken mit festen Spielregeln und einer bestimmten Etikette sind EU lizenziert. Wer auf der Suche nach dem besten Online Casino Deutschland ist, wird schnell fündig.

Leider gilt für das Online-Glücksspiel nicht nur der Spaßfaktor. Es gibt auch Schattenseiten, gerade in Bezug auf viele junge Leute. In China beispielsweise plant die Regierung einschränkende Maßnahmen für Jugendliche unter 18 Jahren, um die Spielsucht vieler Teenager zu unterbinden. Sie sollen tagsüber nur noch stundenweise spielen dürfen. Zwischen 22 und 8 Uhr sollen Online-Casinos für sie ganz gesperrt sein.

Wie sinnvoll sind solche staatlichen Einschränkungen?

Im Zeitalter des Internets gibt es für alles einen Weg. Wer unbedingt spielen will, wird sich zu helfen wissen. Wäre es nicht vernünftiger, die jungen Leute rechtzeitig aufzuklären und so an die Online-Angebote heranzuführen, dass sie gar nicht erst in Gefahr geraten, spielsüchtig zu werden?

Was ist Haltungsjournalismus? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als Haltungsjournalismus wird ein Journalismus bezeichnet bei dem ein Journalist objektive Fakten mit seiner subjektiven Meinung vermischt.

Was ist Haltungsjournalismus? Bedeutung, Definition, Erklärung

Beim Haltungsjournalismus werden die journalistischen Darstellungsformen „Bericht“ und „Kommentar“ miteinander vermischt. Während ein Bericht (Berichterstattung) objektiv und neutral sein sollte, darf ein Kommentar subjektiv sein und als Inhalt die Meinung des Journalisten haben. Bei einem Bericht sollte gesagt werden, was ist. Bei einem Kommentar darf das was ist, bewertet werden.

Für sauberen Journalismus gilt, dass ein Kommentar als Kommentar gekennzeichnet wird, damit Leser oder Zuschauer erkennen, dass sie gerade die Meinung eines Journalisten aufnehmen. Der sich äußerende Journalist wird meist mit Namen und Bild neben seinem Kommentar gezeigt.

Haltungsjournalismus: Kritik, Bedeutung, Erklärung

Wird Journalismus als Haltungsjournalismus kritisiert, so wird kritisiert, dass ein Journalist seine subjektive Meinung als objektive Berichterstattung verkauft, ohne dies dem Leser, Zuschauer oder Zuhörer kenntlich zu machen. Damit kann dem Journalisten vergeworfen werden, dass er täuscht und eigentlich kein Journalist ist, sondern vielmehr Aktivist. Ferner führt dies dazu, dass das Vertrauen in Journalisten und journalistische Produkte sinkt.

Weiterhin dient der Ausdruck „Haltungsjournalismus“ als Vorwurf, dass ein Journalist Fakten subjektiv interpretiert und uminterpretiert, so dass sie einer Mehrheitsmeinung oder anderen Journalisten gefallen.

Beim Haltungsjournalismus verliert ein Journalist seine Unabhängigkeit, Überparteilichkeit und Objektivität. Er beginnt die Welt in gut und schlecht einzuordnen. Hierbei macht er sich selbst zum Maßstab. Davon profitieren die einen, benachteiligt werden andere.

Haltungsjournalismus wird auch als Meinungsmache bezeichnet.

Beim Thema „Haltungsjournalismus“ stellen sich verschiedene Fragen:

  • Können Journalisten immer völlig neutral sein?
  • Müssen Journalisten immer neutral berichten?
  • Sind Journalisten bei ihrer Berichterstattung bestimmten Werten verpflichtet?
  • Wo hört Berichterstattung auf, wo fängt eine Meinung an?

Anmerkung der Redaktion: Totale Neutralität und 100 Prozent Objektivität kann es nie geben. Denn Sprache an sich ist immer einseitig und subjektiv. (Beispiel: Für die einen sind manche Menschen Terroristen. Für andere sind sie Freiheitskämpfer.) Es kann aber Journalismus geben, der versucht unaufgefragt, vielseitig und sachlich Ereignisse darzustellen. Es kann Journalismus geben bei dem sich ein Journalist nicht mit einer Sache gemein macht, sondern kritisch bleibt.

Jedoch gilt grundsätzlich, dass die Einseitigkeit beim Journalismus schon bei der Themenauswahl anfängt. Da Sendezeit und Textplatz begrenzt ist, muss eben entschieden werden, welche Themen bearbeitet und wie sie präsentiert werden.

Haltungsjournalismus: Fazit und Bedeutung

Fazit: Haltungsjournalismus sollte als Haltungsjournalismus gekennzeichnet werden. Neben dem Haltungsjournalismus sollte auch ein Journalismus angeboten werden, der objektiv und sachlich bericht, sowie die journalistische Darstellungsform „Bericht“ wirklich einhält. Beide Angebote sollten gemacht werden, damit unterschiedliche Sichtweisen möglich sind. Was Leser, Zuschauer oder Zuhörer am Ende wahrnehmen, bleibt diesen überlassen.

Was bedeutet „lautes Schweigen“? Bedeutung, Definiton, Erklärung


Vom „lauten Schweigen“ wird gesprochen, wenn eine Person, Gruppe oder Gruppierung sich noch nicht zu einem Sachverhalt geäußert hat, während sie bei anderen Sachverhalten sehr schnell ihre Meinungen äußert.

Was bedeutet „lautes Schweigen“? Bedeutung, Definiton, Erklärung

„Lautes Schweigen“ ist ein Oxymoron (widersprechende Begriffe werden miteinander kombiniert). Denn lautes Schweigen kann es nicht geben.

„Lautes Schweigen“ beschreibt eine auffällige Verhaltensweise. Denn während eine Person, Gruppe oder Gruppierung bei einem Ereignis der Kategorie x sehr schnell ihre Meinung äußert, behält sie bei einem Ereignis der Kategorie y ihre Meinung für sich. Erst, wenn andere (z.B. Journalisten) bemerken, dass die Person, Gruppe oder Gruppierung noch nichts zu einem Ereignis der Kategorie y gesagt wird, wird dies kommentiert und hier kann  das Schweigen als „lautes Schweigen“ bezeichnet werden. Hier schließen sich Fragen an: Warum äußert sich die sich sonst so schnell äußerende Person, Gruppe oder Gruppierung nicht? Gibt es hier ein Thema oder eine Thematik, die nicht angefasst werden soll?

Die Antwort ist: ja, solch eine Thematik gibt es. Sie ist der Person, Gruppe oder Gruppierung unangenehm, weil hier auf einmal eigene Fehler, Ungereimtheiten oder Schwachstellen thematisiert werden könnten und dies soll vermieden werden. Statt Fehler in den eigenen Reihen zu suchen, sollen die Fehler lieber in fremden Reihen außerhalb gesucht werden.

Somit kann „lautes Schweigen“ auch eine Vermeidungsstrategie darstellen. Hier gilt, dass Betroffene lieber gar nichts sagen, als etwas falsches oder etwas, dass ihnen falsch ausgelegt werden könnte.

Satt „lautes Schweigen“ wird auch „beredtes Schweigen“ gesagt.

Weitere Bedeutung von „lautes Schweigen“

„lautes schweigen: gedichte“ ist ein Taschenbuch von Jenny Schon. Es wurde 2018 veröffentlicht.

„Lautes Schweigen“ ist ein Taschenbuch von Kathrin Ramm. Es wurde 2016 veröffentlicht.

„Lautes Schweigen“ ist ein Kurzfilm von Viktoria Gurtovaj.

Weitere Oxymorone wie lautes Schweigen

  • alter Knabe
  • bittere Süße
  • bürgerlicher Adel
  • feste Luft
  • Fleischkäse
  • freiwilliges Pflichtfach
  • junger Greis
  • nervöses Kaltblut (Kaltblüter sind sonst ruhig und ausgeglichen)
  • schwarze Milch (Schwarzer Schwan)
  • schwarzer Schimmel (Pferd)
  • unreine Jungfrau
Warum Freitag Freutag ist: Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Freitag wird auch Freutag genannt. Warum ist das so? Hier gibts die Erklärung:

Freutag: „Freitag ab eins, macht jeder seins“

Der Freitag ist für viele der letzte Arbeitstag der Woche. Er endet meist sogar früher als die anderen Arbeitstagen. Während nämlich viele Arbeitnehmer Montag bis Donnerstag frühsten erst ab dem späten Nachmittag Feierabend machen (dürfen), können sie Freitag schon ab dem späten Mittag oder dem frühen Nachmittag in den Feierabend gehen. Hier wird dann gerne gesagt: „Freitag ab eins, macht jeder seins.“ (Mit „eins“ ist 13 Uhr gemeint.)

Der Freitag (Freutag) steht im Kontrast zu den anderen Wochentagen. Während am Montag die Arbeitswoche und damit der Stress beginnt, stellt der Freitag das Ende für viele Arbeitnehmer dar. (Der Mittwoch ist für einige sogar das Bergfest.) Der Stress ist an Dienstagen meistens am höchsten. An Freitagen ist der Stress meistens am niedrigsten. Denn die meisten wissen, an einem Freitag passiert eh nicht mehr viel. Große Projekte werden jetzt nicht mehr angefangen. Wichtige Entscheidungen werden nicht mehr getroffen. Gedanklich sind eh schon viele im Wochenende.

Am Freutag freuen sich viele auf ihr wohlverdientes Wochenende. Der Freitag ist mit Vorfreude auf das Wochenende verbunden.

In den sozialen Medien teilen einige ihre Vorfreude unter dem Hashtag #Freutag. Andere verwenden den Hashtag #FreuDichFreitag.

Siehe auch: Was bedeutet Vizefreitag?

Warum Freitag „Freutag“ genannt wird: Bedeutung, Erklärung, Herkunft

Ist der Freitag rum, beginnt das Wochenende. Nun gibt es Erholung, Spaß und Freude statt Arbeiten, Schuften und Malochen. Der Wecker klingelt nicht, es darf ausgeschlafen werden. An einem Wochenende darf man vieles und muss meistens gar nichts. (Einige merken sogar, dass sie an Wochenenden andere Menschen werden. Manche verspüren sogar FridayMotivation.)

Man hat am Wochenende Zeit für sich, für die Freundin oder Frau, für den Freund oder den Mann, für die Freunde, für die Kinder, für den Garten, für das eigene Hobby, für Fußball und für den Hund. Man darf genießen, schlemmen und feiern. Am Wochenende darf man lange wach sein, weggehen und Spaß haben. Der Sonntag dient dann der Erholung. Am Wochenende darf man sein, wer man ist und wie man ist.

Fazit: Der Freutag ist der letzte Arbeitstag der Woche. Danach beginnt das Wochenende und mit diesem die Entspannung. Anders ausgedrückt: Am Freutag werden die Einhörner gesattelt und es wirds in Tak-Tuka-Land geritten.

Übrigens: Manche machen sich am Freutag ein Freubier auf. 😉

Siehe auch: Was bedeutet TGIF?

Weitere Bedeutung von Freutag

„Freutag“ ist auch eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen freudigen Tag bzw. einen Tag an dem es Grund für große Freude gab. Dieser Tag muss nicht zwangsläufig ein Freitag sein.

Was ist hybrider Unterricht / Hybrid-Unterricht? Bedeutung, Definition, Erklärung


Hybrid-Unterricht bzw. hybrider Unterricht ist eine Mischung aus Präsenz- und Fern- bzw. Onlineunterricht.

Was ist hybrider Unterricht / Hybrid-Unterricht? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Unterricht findet bei Hybrid-Unterricht wie gewohnt in Präsenzform und als Frontalunterricht für einige Schüler statt. Zusätzlich findet eine Live-Übertragung des Unterrichts per Webcam statt, auf welche Schüler von Zuhause aus Zugriff haben.

Hybrid-Unterricht bzw. hybrider Unterricht wurde in Deutschland wegen der Coronakrise teilweise erlaubt und eingeführt. Denn in der Coronasituation durften nicht alle Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen bzw. nahmen nicht alle Schüler am Unterricht teil. Gründe hierfür waren unter anderem Heimquarantäne, Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln oder persönliche Entscheidung der Eltern. Damit die Schüler trotzdem am Schulunterricht teilnehmen konnten und keine Inhalte verpassen, wurde eben die digitale Teilnahme am Unterricht per Livestream ermöglicht und eingeführt.

Vor der Coronakrise fand auch schon hybrider Unterricht statt. Dieser wurde für Schüler ermöglicht, die weit entfernt von einer Schule leben. Dies können z.B. Schüler sein, die auf dem Land weit entfernt von der nächsten Stadt oder auf einer Insel leben. (Dieses Problem ist in Deutschland kaum verbreitet, aber in großen weitläufigen Ländern wie der USA, Australien oder Russland Realität. Auch polynesische Inselstaaten stehen vor solchen Herausforderungen.)

Die Vorteile des hybriden Unterrichts sind:

  • Schüler verpassen keine Unterrichtsinhalte
  • Schüler verpassen keine Vorbereitung auf Prüfungen oder Klausuren
  • Schüler nehmen wie geplant an Prüfungen teil

Was ist das hybride Klassenzimmer / die hybride Schule? Bedeutung, Definition, Erklärung

Während der Coronakrise wurde der Hybrid-Unterricht unter anderem wie folgt umgesetzt: Um Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, wurde eine Klasse in zwei oder mehrere Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erschien zum Präsenzunterricht in der Schule. Im Klassenraum mussten die Schüler mit Abstand zu einander sitzen. Die andere Gruppe musste von Zuhause oder aus einem anderen Klassenzimmer eine Live-Übertragung des Unterrichts per Webcam sehen.

Für den hybriden Unterricht gibt es drei verschiedene Szenarien:

  • Einige Schüler sind im Klassenzimmer anwesend und einige Schüler schauen per Webcam von Zuhause aus zu. Es findet Frontalunterricht ohne Diskussion statt.
  • Einige Schüler sind in einem Klassenzimmer anwesend. Andere Schüler werden auf andere Klassenzimmer aufgeteilt. Hier sehen sie eine Live-Übertragung des Unterrichts. Die Schüler, die die Live-Übertragung sehen, werden ggf. durch Lehrpersonal beaufsichtigt.
  • Alle Schüler sind im privaten Zuhause und schauen der Live-Übertragung des Lehrpersonals zu.

Statt „Hybrid-Unterricht“ oder „hybrider Unterricht“ werden auch folgende Begriffe benutzt: „hybrides Klassenzimmer“, „Hybridklassenzimmer“ („Hybrid-Klassenzimmer“), „hybride Schule“, „Hybrid-Schule“ („Hybridschule“) und „hybrides Lernen“.

Hybrider Unterricht / Hybridunterricht: Herausforderungen:

Der Hybrid-Unterricht stellt verschiedene Herausforderungen an Schulen, Schüler und Lehrer.

Technik und Kenntnisse: Schulen benötigen eine Webcam für den Hybridunterricht. Der Unterricht in hybrider Form ist nur möglich, wenn Lehrer die Webcam und die Übertragungssoftware bedienen können – hierfür sind digitale Kompetenzen nötig. Whiteboards (interaktive Tafel) und Beamer helfen bei der Präsentation des Unterrichtsstoff.

Auch für Schüler gilt, dass sie die entsprechende Hard- und Software benötigen. Ein Laptop und eine gute Internetverbindung sind notwendig, um am Unterricht teilzunehmen.

Digitale Kompetenzen: Lehrer und Schüler müssen wissen, wie für den hybriden Unterricht Dateien mit- und untereinander austauschen. Sie müssen wissen, welche Dateiformate gängig sind und wie der Datenaustausch funktioniert.

Form der Inhalte: Beim Hybridunterricht müssen Lehrer ihre Inhalte anders präsentieren. Dies kann über PowerPoint-Präsentation erfolgen. Dafür müssen Lehrer ihre Lehrinhalte neuaufbereiten und teils in moderne Medien übertragen.

Beziehung, Kontrolle und Vertrauen: Sind Schüler per Webcam von Zuhause aus zugeschaltet, so können Lehrer nicht kontrollieren, was die Schüler genau machen. Lehrer müssen diesen Kindern vertrauen.

Generell gilt, dass die virtuelle Beziehung zu Schüler sich anders gestaltet, als eine Präsenz-Beziehung. Allgemein entwickelt sich die virtuelle Lehrer-Schüler-Beziehung anders.

Bei Klausuren oder Prüfungen stellt der hybride Unterricht eine große Herausforderung dar. Denn bei physisch-abwesenden Schüler kann kaum oder schwer überprüft werden, ob diese schummeln.

Interaktion und Diskussion: Bei hybridem Unterricht gestaltet sich eine Diskussion schwierig, wenn schlecht moderiert wird. Auch Wortmeldungen können untergehen, wenn Lehrer die Konferenzsoftware falsch benutzen. Damit Wortmeldungen von nicht-physisch anwesenden Schülern stattfinden, muss auf diese Schüler besonders geachtet werden.

Motivation: Wie motiviert Schüler einer Live-Übertragung zuschauen, ist schwer zusagen. Für Schüler, die von Zuhause aus dem Unterricht per Webcam folgen, gilt dass sie mehr Eigenverantwortung tragen.

Anpassung: Lehrer und Schüler müssen sich an Hybridunterricht anpassen. Denn der hybrider Unterricht verändert die Stundenpläne und Unterrichtsumgebung.

Hybrider Unterricht / Hybridunterricht: Weitere Bedeutung

Der hybride Unterricht ist aus der Erwachsenenbildung und von Universitäten sowie Hochschulen bekannt. Hier werden an einigen Universitäten, Hochschulen und Bildungseinrichtungen Veranstaltungen per Live-Stream übertragen und sogar aufgezeichnet. Gerade die Aufzeichnung bietet den Vorteil, dass Unterrichtseinheiten wiederholt angeschaut werden können oder Unterrichtseinheiten, die verpasst wurden, können nachgeschaut werden.

Das griechische Wort „hybrid“ bedeutet auf deutsch „gebündelt“ oder „gekreuzt“. Als Hybrid wird etwas bezeichnet bei dem eine Vermischung von zwei oder mehreren Dingen stattfindet.

Beispiel: Hybrid-Auto: Hybridautos haben einen Elektro- und Verbrennungsmotor. Je nach Situation und Anforderung kann der eine Motor angeschaltet oder hinzugeschaltet und der andere kann ausgeschaltet werden.

Was ist die Generation C (Gen C)? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Ausdruck „Generation C“ (Gen C) hat drei Bedeutungen:

  • „Generation C“ ist eine Bezeichnung für Menschen, die mit den sozialen Medien aufgewachsen sind und an ihnen aktiv als Content Creator teilnehmen.
  • „Generation C“ ist eine Bezeichnung für Menschen, deren Leben durch das Coronavirus und die staatlichen Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen stark beeinflusst und beschränkt.
  • „Generation C“ ist eine Bezeichnung für Menschen, die in der Krise (engl. Crisis) und dem Eindruck von Chaos aufwuchsen.

Was ist die Generation C (Gen C)? Coronavirus (Covid-19), Bedeutung, Erklärung

Das „C“ in „Generation C“ kann für „Coronavirus“ stehen.  Als  „Generation Coronavirus“ können hier drei Gruppen von Menschen bezeichnet werden:

  • Kinder, die nach dem 1. Januar 2020 geboren wurden. Sie wurden in die Pandemie geboren. Ihre Kindheit wird vom Virus und den neuen Verhaltensregeln beeinflusst. Sie werden in einer Zeit des Abstands sozialisiert.
  • Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren, deren Schulalltag und außerschulische Aktivitäten durch die staatlichen Pandemieeindämmungsmaßnahmen verändern, reduziert und verlangsamt wurden.
  • Menschen zwischen 16 und 25 Jahren (Teenager bis Studenten), deren Leben und Lebensplan durch die staatlichen Pandemieeindämmungsmaßnahmen gehörig durcheinandergebracht wurde. (Siehe: Social Distancing, Abstand halten, Kontaktverbot)

Für junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren stellt die Pandemie eine Reihe von Verboten und Einschränkungen dar. Während vorherige Generationen feiern und sich kennenlernen konnten, gilt für die Generation C, dass sie aufs Feiern und Leute kennenlernen verzichten muss. Generation C muss sich in Heimisolation und Abstand üben. Dies kann verschiedene Auswirkungen auf die soziale Kompetenz der Generation C haben.

Für noch jüngere Menschen zwischen 10 bis 16 Jahren stellt die Coronakrise eine große Umstellung dar. Auch für sie gelten Abstandsregelungen, teils sogar Heimunterricht und der Schulalltag ändert sich. Während allgemein der beschleunigte Schulalltag vieler Kinder bemängelt wurde, sorgt das Coronavirus nun dafür, dass auf die Bremse gedrückt wird.

Staatliche Pandemieeindämmungsmaßnahmen können auch zu Heimunterricht führen. Hiervon profitieren Kinder, deren Eltern engagiert sind. Kinder, deren Eltern sich nicht für die Bildung ihrer Kinder engagieren, werden abgehängt bzw. erleiden Nachteile.

Für Kinder, die in der Coronavirus geboren und aufwuchsen, kann gemutmaßt werden, dass diese eine sehr enge Beziehung zu ihren Eltern aufbauen werden. Teils kann dies auch dazu führen, dass diese Kinder Muttersöhnchen werden. Allerdings kann auch das Gegenteil eintreten. Junge Erwachsene, die in der Krise die Heimisolation meistern, können lernen, dass sie gut alleine klar kommen. (Anmerkung: Dies sind alles nur Annahmen. Sie sind nicht wissenschaftlich bestätigt.)

Was ist die Generation C (Gen C)? Generation Content, Creator, Community, Connection, Bedeutung, Erklärung

Als Generation C werden auch Menschen bezeichnet, die aktiv in den sozialen Medien mitmachen. Sie sind Content Creator, betreiben Content Curation und sind Teil einer Community. Menschen der Generation C sind immer conntected (mit dem Internet, einem sozialen Netzwerk, ihren Freunden und anderen Menschen).

Menschen der Generation C nehmen auf Instagram, TikTok oder YouTube als Content Creator teil. (Im Alltag werden diese Menschen „Influencer“ genannt. Aus Sicht der Plattformen sind diese Menschen „Inhalte-Ersteller“, auf englisch „Content Creator“.) Sie veröffentlichen Videos und Bilder. Sie haben Clickbaiting im Blut. Menschen der Generation C bauen sich Communities auf und erreichen teils Millionen Menschen.

Für Menschen der Generation C gilt, dass sie immer vernetzt sind und auch vernetzt denken. Die Generation C interagiert mit der Welt digital. Die Generation C sind Digital Natives des Internets. (Keine Digital Immigrants.)

Das „C“ in „Generation C“ steht für: Content, Creator, Curation, Community, Connection, Connected (Das „C“ kann aber auch für „Consumer“, auf deutsch Verbraucher stehen.)

Was ist die Generation C (Gen C)? Crisis, Chaos, Bedeutung, Definition, Erklärung

Das „C“ in Generation C kann aber auch für „Crisis“ oder „Chaos“ stehen. (Das englische Wort „Crisis“ bedeutet auf deutsch Krise.)

Damit ist die Generation C eine Generation, die mit vielen Krisen aufgewachsen ist. Bei all den Krisen kann schnell der Eindruck entstehen, dass die Welt in Chaos versinkt. (Dieser Eindruck scheint auch zustimmen, denn das Gegenteil von Chaos ist Ordnung und in Ordnung ist diese Welt nicht.)

Eine starke Gruppe der Generation C ist Fridays for Future (FFF).

Von den Zahlen her stimmt dies:

  • Die Weltfinanzkrise von 2007 bis 2009 erschütterte viele Menschen.
  • 2015 und 2016 war die Flüchtlingskrise ein Thema, dass viele Menschen beschäftigt hat.
  • Seit 2018 ist die Klimakrise ein dominantes Thema.
  • Seit 2020 ist die Coronakrise gesellschaftsbestimmend.

Weitere Bedeutung von Generation C (Gen C)

Der Ausdruck „Generation C“ stellt eine Antwort auf die Frage dar: Welchen Namen hat die Generation nach der Generation Z? Eigentlich hätte die Generation nach der Generation Z – im Rahmen einer gewissen Logik – auch „Generation A“ oder „Generation 1“ heißen können. Doch irgendwie hat sich kein Begriff verbreitet.

Warum „A“? Denn A kommt nach X, Y und Z.

Zur Generation Z zählen Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden.
Zur Generation Y zählen Menschen, die zwischen 1980 und 1994 geboren wurden.
Zur Generation X zählen Menschen, die zwischen ca. 1960 und 1980 geboren wurden.
Vor der Generation X gab es die Baby-Boomer, auch Boomer genannt, die zwischen 1945 und Ende der 1950er Jahre geboren wurden.

Was bedeutet Meinungskorridor? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Ausdruck „Meinungskorridor“ ist eine Metapher mit dem Meinungen in zwei Kategorien unterschieden werden. Meinungen innerhalb des Meinungskorridor gelten als akzeptabel bzw. akzeptiert. Meinungen außerhalb des Meinungskorridors sind nicht akzeptabel bzw. akzeptiert.

Was bedeutet Meinungskorridor? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Meinungskorridor ändert sich von Gruppe zu Gruppe.

Beispiele: Anhänger linker oder liberaler Parteien haben einen anderen Meinungskorridor als Anhänger rechter oder konservativer Parteien. Anhänger der öffentlich-rechtlichen Medien haben einen anderen Meinungskorridor als Anhänger alternativer Medien. Orthodoxe haben einen anderen Meinungskorridor als Liberale.

Themen, die je nach Meinungskorridor stark unterschiedlich bewertet sind, unter anderem:

  • Abtreibungen / Werbung für Abtreibungen
  • Zuwanderungen / Aufnahme von Flüchtlingen
  • Todesstrafe
  • Gleichstellung
  • Energiewende / Aufgabe fossiler Energieträger

Wird eine Meinung als außerhalb des (eigenen) Meinungskorridors bewertet, so wird diese Meinung meist als unmoralisch oder falsch bewertet und entwertet.

Ferner sorgt ein Meinungskorridor für Gruppenzugehörigkeit. Denn wer Teil einer Gruppe sein will, muss sich innerhalb des Meinungskorridor der Gruppe bewegen. Je nach Gruppe gestaltet sich der Umgang mit abweichenden Meinungen anders. Abweichende Meinungen können zugelassen und diskutiert werden, abweichende Meinungen können aber auch zur Ausgrenzung führen.

Der Meinungskorridor findet innerhalb der Meinungsfreiheit statt und stellt eine Verengung der Meinungsfreiheit dar. Die äußere Grenze der Meinungsfreiheit bilden die Gesetze, die bestimmte Äußerungen verbieten. (In Deutschland wären dies z.B. Gesetze gegen Hetze oder Gesetze gegen Holocaustleugnung.)

Gewinnt ein Meinungskorridor die mediale Überhand so führt dies dazu, dass bestimmte Themen nicht mehr oder nur noch einseitig thematisiert werden. Meist wird dies von Menschen, deren Meinung sich außerhalb dieses Meinungskorridors befindet, als Einschränkung der Meinungsfreiheit bewertet. („Man darf dann nicht mehr alles sagen“.)

Der Begriff Meinungskorridor stammt vom schwedischen Professor Henrik Oscarsson (Universität Göteborg). Das deutsche Wort „Meinungskorridor“ ist eine Eindeutschung des schwedischen Wortes „Asiktskorridor“. In Norwegen wird zum „Meinungskorridor“ auch „Meningskorridor“ gesagt.

Probleme bei der Verwendung von Meinungskorridoren

Ein Korridor umschreibt einen räumlich begrenzten Bereich oder Weg. In ihm kann sich ein Mensch oder ein Tier bewegen oder geführt werden. Bezieht man die Bezeichnung Korridor auf die Meinungen und Gedanken, dann werden die zugrunde liegenden Strukturen meistens im Vorfeld von einer Gruppe definiert. Der einzelne, der zu dieser Gruppierung zählt, darf zwar seine Überzeugung formulieren, muss sich jedoch den wesentlichen Prinzipien seiner Kollegen unterordnen.

Das Problem des Meinungskorridors betrifft somit die Eingrenzung der Meinungsfreiheit. Sie gehört im Rahmen des Grundgesetzes zu den höchsten Gütern, die jedem Menschen innerhalb einer Demokratie zustehen.

Meinungskorridore fördern vor allem extreme Gruppen innerhalb einer Gesellschaft. Sie lassen nur die von ihnen formulierten Argumente zu und bekämpfen jeden, der von ihrer Meinung abweicht. Sie verwenden das Internet zur freien und ungefilterten Verbreitung ihrer Ansichten.

In Schweden gab es nach der Einführung des Begriffs Meinungskorridor verschiedene Untersuchungen. Dabei kamen die Forscher zu folgenden Ergebnissen. Die Korridore führen dazu, dass Menschen während einer Debatte ihre Überzeugung nur bedingt äußern, wenn sie mit Personen anderer sozialer und politischer Gruppen diskutieren.

Was bedeutet „postfossil“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Postfossil“ bedeutet, dass auf fossile Brennstoffe, Rohstoffe und Energieträger verzichtet wird.

Konkret bedeutet das Wort „postfossil“ „Zeit nach den fossilen Energieträgern“. (Das lateinisch „post“ bedeutet „nach“.)

Fossile Brennstoffe sind kohlenstoffhaltige Brennstoffe und Energieträger aus längst vergangenen Erdzeitaltern. Konkret sind fossile Brennstoffe Kohle, Erdöl und Erdgas. Bei ihrer Verbrennung wird CO2 freigesetzt.

Ein Synonym zu postfossil ist CO2-frei.

Was bedeutet „postfossil“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Über „postfossil“ wird unter anderem in folgenden Kontexten gesprochen:

  • CO2-Ausstoß reduzieren und vermeiden
  • Weg vom Verbrennungsmotor (Verkehrswende)
  • Energiegewinnung sauberer machen (Energiewende)
  • Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Postfossile Energiegewinnung und -versorgung bedeutet, dass statt Kohle- und Erdgaskraftwerken Strom und Energie durch Solar- und Windenergie gewonnen werden soll. Damit kann Energie sauberer gewonnen werden und der CO2-Ausstoß kann reduziert werden.

Für den postfossilien Verkehr und die postfossile Mobilität gilt, dass der Verbrennungsmotor zu Gunsten sauberer Technologien aufgegeben werden soll.

Ferner wird auch vom postfossilen Kapitalismus gesprochen. Damit ist ein Kapitalismus gemeint, der nicht auf Erdöl, Erdgas und Kohle aufbaut, aber trotzdem Wachstum ermöglicht.

Beim Thema „postfossil“ geht es aber auch um Ersatzstoffe, so z.B. Stoffe die Erdöl als Rohstoff ersetzen.

„Postfossil“ steht aber auch dafür, dass die industrielle Wachstumsgesellschaft sich weiterentwickelt und das Zusammenleben (und wirtschaften) neugedacht werden kann.

Anlasse für das Thema „postfossil“

Es gibt zwei Anlässe für das Thema „postfossil“:

  • Umweltverschmutzung durch fossile Energieträger
  • Endlichkeit der fossilen Energieträger und Suche nach Ersatz und Alternativen
Wahl: Warum wird in den USA am Dienstag gewählt? Erklärung


Der US-amerikanische Kongress hat 1845 festgelegt, dass die Präsidentschaftswahl immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet. Dies hat besondere Gründe. Mehr darüber erfährst du im Beitrag.

Warum wird immer Dienstag in den USA gewählt?

1845 waren die USA noch ein Agrarland. Das bedeutet, dass viele Menschen Bauern und Landarbeiter waren und auf dem Land lebten. Zusätzlich waren die USA riesengroß, so dass eine Wahl gut organisiert werden musste. Wahllokale gab es nur in den Städten.

Bei der Frage, an welchem Wochentag gewählt werden sollte, ging die US-amerikanische Regierung nach dem Ausschlussverfahren vor.

An einem Sonntag konnte nicht gewählt werden, da dies der Tag des Herren ist. Christliche US-Amerikaner nehmen diesen Tag sehr ernst.

An einem Samstag konnte auch nicht gewählt werden, da jeden Samstag Markttag war. Der Markttag war für Bauern sehr wichtig, denn er garantierte ihre Einnahmen. Für die Menschen war der Markttag ebenfalls wichtig, denn hier konnten sie sich mit Lebensmitteln versorgen.

An einem Freitag war ebenfalls keine Zeit für die Wahl, denn hier bereiteten sich die Menschen auf den Markt vor.

Der Donnerstag wurde als Wahltag ausgeschlossen, da die ehemaligen Herren der USA, Großbritannien, an einem Donnerstag ihr Parlament wählten. Da die USA die Briten damals hassten, lehnten sie ihre Tradition ab.

Jetzt blieben noch der Montag, Dienstag und Mittwoch über.

Warum finden die Wahlen in den USA an einem Dienstag statt? Erklärung

Die US-Regierung ging davon aus, dass einige Wähler mindestens einen Reisetag brauchten, um ihr Wahlbüro zu erreichen. Da Montag eh in den USA ein klassischer Reisetag war, wurde der Dienstag als Tag erkoren an dem die Wahlen in den USA stattfinden sollen. Denn so konnte garantiert werden, dass jeder Mann und jede Frau am Montag zum Wahllokal anreisen, am Dienstag wählen und spätestens am Mittwoch abreisen könnte, ohne den Markt oder die Messe zu verpassen.

Wer es wegen schlechtem Wetter nicht schaffte an einem Montag anzureisen, hatte immer noch den Dienstag. Damit war sichergestellt, dass es für jeden eine reale Chance gibt zu wählen.

1845 gab es noch keine Autos. Die Menschen reisten mit Pferdewagen oder Kutschen. Diese waren dementsprechend langsam und es dauert Stunden, um von a nach b zukommen.

Übrigens: Die erste Wahl, die am Dienstag nach dem ersten November-Montag stattfand, war die 16. Wahl des Präsidenten der USA. Diese Wahl fand am 7. November 1848 statt.

USA-Wahl: Warum wird nicht am 1. November gewählt?

In den USA war der 1. November ein christlicher Feiertag. Am 1. November wurde und wird Allerheiligen gefeiert. Damit durfte die Wahl nicht am 1. November stattfinden. Die US-Regierung beschloss, dass die Wahl immer am Dienstag nach dem ersten November-Montag stattfindet.

USA-Wahl: Warum wird im November gewählt?

Die US-Regierung entschied sich für den November als Wahlmonat, da dies der bäuerlichen Bevölkerung am leichtesten fiel. Denn für alle Bauern, Landarbeiter und Farmer galt, dass sie ihre Ernte im November eingefahren und sich auf den Winter vorbereitet hatten. Auf den Farmen standen somit keine größeren Arbeiten an. Gleichzeitig war das Herbstwetter noch relativ wild. Erst wenige Wochen später – im Winter – musste mit Schneestürmen gerechnet werden.

Im Winter wären einige Menschen eingeschneit worden. Dies hätte bedeutet, dass sie es nicht zum nächsten Wahllokal geschafft hätten. Deswegen sollte die Wahl nicht zwischen Ende November und Ende März stattfinden.

Im Frühjahr und Sommer waren die Bauern und Landarbeiten dann auf und mit ihren Feldern beschäftigt. Weswegen eine Wahl im Frühjahr oder Sommer ebenso ungünstig gewesen wäre.

US-Wahl: Wie war es vor 1845?

Vor 1845 gab es keinen einheitlichen Wahltag.

Beispiele:

Die Wahl 1844 fand vom 1. November bis 4. Dezember 1844 statt.
Die Wahl 1840 fand zwischend em 30. Oktober und 2. Dezember 1840 statt.

Was bedeutet Votepocalypse / Wahlapokalypse? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der englische Ausdruck „Votepocalypse“ und der deutsche Ausdruck „Wahlapokalypse“ sind Übertreibungen. Werden sie im Kontext des Wortes „Apokalypse“ interpretiert, so bedeuten „Votepocalypse“ und „Wahlapokalypse“ dass die Welt nach einer politischen Wahl untergehen wird.

Was bedeutet Votepocalypse / Wahlapokalypse? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Ausdruck „Wahlapokalypse“ kann aber auch so interpretiert werden, dass ein Wahlergebnis dazu führt bzw. führen wird, dass die bisherige Welt enden wird. In diesem Sinne endet die bisher bekannte Welt und wird durch eine neue Welt ersetzt. Die Normalität ändert sich. (Siehe auch: Neue Normalität)

Für jemanden kann das Ergebnis einer Wahl eine „Wahlapokalypse“ („Votepocalypse“) sein, wenn ein nicht-gemochter Kandidat gewonnen oder eine Partei, die abgelehnt wird, viele Stimmen erhalten hat. Hier kann jemand seine Art zu leben bedroht sehen, denn der nicht-gemochte Kandidat oder die abgelehnte Partei können das politische und gesellschaftliche Klima verändern.

Aus gesellschaftlicher Perspektive kann das Ergebnis einer Wahl eine „Wahlapokalypse“ sein, wenn viele Menschen gegen das Wahlergebnis beginnen zu demonstrieren und zu protestieren, was auch in Ausschreitungen oder Krawall münden kann. Ausschreitungen und Krawall sind von Gewalt gegen Polizisten, Brandstiftung, Zerstörung und Plünderungen von Läden sowie Geschäften begleitet. Diese Taten führen dazu, dass die allgemeine Sicherheit sinkt und das Wohlstand vernichtet werden.

Votepocalypse / Wahlapokalypse: Bedeutung, Beispiele, Erklärung

Für Parteien kann eine Wahl eine Wahlapokalypse sein, wenn sie viele Stimmen verlieren oder so wenige Stimmen erhalten, dass sie aus einem Parlament gewählt werden/werden. (In Deutschland hat die Partei dann die 5-Prozent-Hürde nicht geschafft. Beispiel: Bei der Bundestagswahl 2013 flog die FDP aus dem deutschen Bundestag. Sie war seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Bundestag vertreten.)

Für Unternehmen und die Wirtschaft kann eine Wahl zu einer Wahlapokalypse werden, wenn eine neue Regierung ihre Wirtschaftspolitik ändert. Dies führt dazu, dass sich Gleichgewichte, Vorteile und Nachteile auf dem nationalen und/oder internationalen Markt verschieben. An der Börse macht sich eine Wahlapokalypse durch das Absinken der Kurse bemerkbar.

Nachbarländer können eine Wahl als „Wahlapokalypse“ bewerten, wenn sie glauben, dass die neue Regierung ihre Außen- und/oder Handelspolitik ihnen gegenüber ändern wird.

Ferner kann eine Wahl eine Wahlapokalypse sein, wenn ein nicht-gemochter Kandidat oder eine abgelehnte Partei nicht abgewählt wurde und weiterregieren darf.

„Votepocalypse“ ist ein Kofferwort aus den Worten „Vote“ und „apocalypse“. Die deutsche Übersetzung ist ein zusammengesetztes Substantiv, dass sich aus den Worten „Wahl“ und „Apokalypse“ zusammensetzt.

Was ist Virtue Signalling? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als „Virtue Signalling“ wird ein Verhalten bezeichnet mit welchem jemand öffentlich die eigene Tugendhaftigkeit darstellen möchte und zeigen möchte, wie moralisch gut (und moralisch überlegen) die Person doch ist.

In Kürze: Beim „Virtue Signalling“ möchte jemand zeigen, dass er oder sie ein moralisch guter Mensch.

Eine deutsche Übersetzung für „Virtue Signalling“ kann z.B. „Tugendprahlerei“ sein.

Was bedeutet Virtue Signalling auf deutsch? Übersetzung, Bedeutung

Für die Wortkonstruktion „Virtue Signalling“ gibt es noch keine einheitliche deutsche Übersetzung. Das englische Wort „Virtue“ bedeutet „Tugend“ oder auch „Tugendhaftigkeit“. „Signaling“ kommt dagegen vom englischen Verb „to signal“ und lässt sich im Deutschen übersetzen mit „signalisieren“, „aufzeigen“ oder auch „zur Schau stellen“.

Würde man beide Worte zusammen übersetzten, würde „Virtue Signalling“ also so viel wie „Das Aufzeigen von Tugenden“ heißen. Aus Ermangelung besserer Übersetzungen wird es manchmal als „Tugendprahlerei“ oder „Tugendsignalisierung“ übersetzt.

Die Bezeichnung „Virtue Signalling“ ist im deutschen Sprachraum noch nicht allzu gebräuchlich. Im englischen Sprachraum ist sie seit Anfang der 2000er Jahre verbreitet. Richtig populär wurde die Bezeichnung allerdings erst 2015 durch den britischen Journalisten James Bartholomew.

In der deutschen Sprache sind beide Schreibweisen „Virtue Signalling“ und „Virtue Signalling“ verbreitet. Die korrekte englische Schreibweise ist „Virtue Signalling“ (mit doppel L).

Was ist Virtue Signalling? Bedeutung, Definition, Erklärung

“Virtue Signalling” bezeichnet ein Verhalten, bei dem Menschen einen bestimmten moralischen Standpunkt darstellen, weil sie dafür Aufmerksamkeit und Anerkennung haben möchten, auch wenn sie nicht tatsächlich hinter dem Standpunkt stehen. Als Beispiel dafür werden gerne Youtuber und Instagram-Nutzer genommen, die sich auf aktuelle soziale oder politische Trends stürzen. Nach den Ausschreitungen in Amerika haben diese Nutzer ihre Profilbilder kurzzeitig zu “Black Lives Matter” geändert, weil sie dadurch mehr Klicks erzielen wollten. Tatsächlich vertreten die Nutzer aber die Dinge nicht, für die sie sich beim “Virtue Signalling” starkmachen. Sie folgen lediglich dem aktuellen Trend.

Wo ist “Virtue Signalling” eher verbreitet?

Der Begriff des “Virtue Signalling” wird hauptsächlich in englischen Medien verwendet. Amerikanische Konservative nutzen den Begriff verstärkt, wenn sie liberale und linke Politiker kritisieren wollen. So werfen die Republikaner beispielsweise den Demokraten öfter “Virtue Signalling” vor, weil sie der Meinung sind, dass die Darstellung der Vertretung der Volksinteressen von Demokraten nur ein Vorwand ist.

Andere Personen wie der dänische Autor Bjørn Lomborg nutzen den Begriff dagegen für individuelle Gruppen von Personen. Für Lomborg betreiben alle Vegetarier “Virtue Signalling”, weil sie damit prahlen, dass sie kein Fleisch essen.

Der Begriff „Virtue Signalling“ in der Kritik

Viele Autoren und Journalisten kritisieren den Begriff “Virtue Signalling” als eine bequeme Art der Anklage. Man würde dadurch automatisch vermitteln, dass eine Person, die “Virtue Signalling” betreibt, von der aktuellen Situation keine Ahnung hat. Dabei würde man sich selbst als aufgeklärt und informiert darstellen.

Der Philosophieprofessor Neil Levy bezeichnet diese Art der Kritik allerdings auch als “Virtue Signalling”. Indem man Kritik an dem Verhalten äußert, würde man sich selbst gleichzeitig als besser und erhabener darstellen.

Virtue Signalling: Vergleichbare Begriffe im Deutschen

“Virtue Signalling” ist ein Begriff, den hauptsächlich Journalisten und Reporter verwenden. Er ist nicht so griffig und schwer zu interpretieren. Für die Erklärung der Bezeichnung werden darum oft andere Begriffe verwendet, die auch ein breites Publikum leichter verstehen könnte. Dabei fällt oft die Bezeichnung “Political Correctness”, die sich als “Politisch korrektes Verhalten” übersetzen lässt und prinzipiell das gleiche wie “Virtue Signalling” aussagt. Bei der “Political Correctness” verhalten sich Menschen nach bestimmten politischen oder sozialen Vorgaben und stellen das auch zur Schau.

Im deutschen Sprachraum ist dagegen der Begriff “Scheinheiligkeit” am ehesten geeignet, um “Virtue Signalling” zu beschreiben. Denn auch bei der Scheinheiligkeit gibt man ein bestimmtes Verhalten vor, ohne es wirklich aus Überzeugung zu betreiben.

Mindestlohn 2021: Höhe Brutto und Netto


Der gesetzliche Mindestlohn beträgt in Deutschland vom 1. Januar 2021 bis zum 30. Juni 2021 9,60 Euro brutto pro Stunde. Zum 1. Juli 2021 wird der Mindestlohn auf 9,82 Euro brutto pro Stunde erhöht.

Der Mindestlohn von 9,82 Euro brutto pro Stunde gilt vom 1. Juli 2021 bis zum 30. Juni 2022. Ab dem 1. Juli 2022 gilt ein Mindestlohn von 10,45 Euro brutto pro Stunde.

Die Mindestlohnhöhen und -zeiträume beschloss das Bundeskabinett am 28. Oktober 2020.

Wie viel ist Mindestlohn 2021 gestiegen?

Der gesetzliche Mindestlohn betrug im Jahr 2020 9,35 Euro brutto pro Stunde. Der neue Mindestlohn von 9,60 Euro brutto pro Stunde, der in der ersten Hälfe des Jahres 2021 gilt, stellt eine Steigerung um 0,25 Euro brutto pro Stunde bzw. 2,67 Prozent dar.

Die Steigerung des Mindestlohns (für die zweite Hälfte des Jahres 2021) von 9,60 auf 9,82 Euro brutto pro Stunde stellt eine Steigerung von 0,22 Euro brutto pro Stunde dar bzw. von 2,29 Prozent.

Steigt der Mindestlohn von 9,82 auf 10,45 Euro brutto pro Stunde (ab dem 1. Juli 2022) so steigt der Mindestlohn pro Stunde um 0,63 Euro bzw. 6,42 Prozent.

Mindestlohn im Monat – brutto und netto

Das Mindestlohn-Brutto-Gehalt beträgt in Deutschland zwischen dem 1. Januar und 30. Juni 2021 1.664 Euro brutto bei einem Mindestlohn von 9,60 Euro brutto pro Stunde. (Zum Vergleich das Mindestlohn-Brutto-Gehalt betrug im Jahr 2020 1.621 Euro brutto. Damit steigt der Mindestlohn um 43 Euro brutto pro Monat.)

Das Mindestlohn-Brutto-Gehalt beträgt in Deutschland zwischen dem 1. Juli 2021 und 30. Juni 2022 1.702 Euro brutto bei einem Mindestlohn von 9,82 Euro brutto pro Stunde. (Damit steigt der monatliche Mindestlohn im Vergleich zum vorherigen Zeitraum um 38 Euro brutto.)

Das Mindestlohn-Brutto-Gehalt beträgt in Deutschland ab dem 1. Juli 2022 1.811 Euro brutto bei einem Mindestlohn von 10,45 Euro brutto pro Stunde. (Damit steigt der monatliche Mindestlohn im Vergleich zum vorherigen Zeitraum um 109 Euro brutto an.)

Achtung: Im hier gelisteten Mindestlohn fehlen Einmalzahlungen, Sonderzahlungen, Sondergelder, Zuschläge und Zahlungen für Überstunden oder Sondernschichten.

Wie wird der Brutto-Mindestlohn pro Monat errechnet?

Der Brutto-Mindestlohn pro Monat wird mit dem Durchschnittswert von 173,33 Arbeitsstunden pro Monat errechnet. Dieser Durchschnittswert wurde ermittelt, da nicht alle Monate gleich viele Arbeitstage haben und die Anzahl der monatlichen Arbeitstage variiert. (Hier werden Feiertage und Urlaube berücksichtigt.)

Mindestlohn: Wie hoch ist das Netto?

Vom Brutto-Mindestlohn werden Steuern, Versicherungen und Abgaben abgezogen. (Bsp.: Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Einkommensteuer, eventuell Kirchensteuer)

Die Abgaben sind höchst individuell. Sie unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Sie unterscheiden sich nach der aktuellen Lebenssituation. Ob jemand Kinder hat und/oder verheiratet ist, spielt hier eine Rolle. Denn bestimmte Lebensverhältnisse bieten bestimmte Frebeträge. Daher kann ein einheitlicher Netto-Mindestlohn explizit geäußert werden.

Aber eine Netto-Mindestlohn-Spanne kann definiert werden. Diese beträgt bei einem Mindeststundenlohn von 9,60 rund 1.140 bis 1.340 Euro Netto. Bei einem Mindeststundenlohn von 9,82 Euro brutto kann der Netto-Monatslohn rund 1.160 bis 1.360 betragen. Beim Mindeststundenlohn von 10,45 Euro (brutto) kann der Netto-Mindestlohn im Monat 1.210 bis 1.410 Euro betragen. (Diese Zahlungen sind nur Schätzungen. Wenn Sie Ihr Netto ganz genau wissen wollen, so werfen Sie einen Blick auf Ihre Lohnabrechnung!)

Für wen gilt der gesetzliche Mindestlohn nicht?

Für folgende Personengruppen gilt der gesetzliche Mindestlohn NICHT:

  • Jugendliche unter 18 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung
  • Auszubildende – egal wie alt
  • Langzeitarbeitslose – in den ersten sechs Monaten einer neuen Beschäftigung gilt der Mindestlohn nicht
  • Teilnehmer an einer Arbeitsförderungsmaßnahme
  • Praktikanten, die ein Pflichtpraktikum absolvieren
  • Prakitkanten deren Praktikum kürzer als drei Monate ist
  • Personen, die freiwilligen Dienst leisten
  • Jugendliche, die an einer Einstiegsqualifizierung oder Berufsbildungvorbereitung teilnehmen
  • Ehrenamtliche
  • Menschen mit Behinderungen in einem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis

Entwicklung: Mindestlohn in Deutschland

  • 2015: 8,50 Euro pro Stunde brutto – 1473 Euro pro Monat brutto
  • 2016: 8,50 Euro pro Stunde brutto – 1473 Euro pro Monat brutto
  • 2017: 8,84 Euro pro Stunde brutto – 1532 Euro pro Monat brutto
  • 2018: 8,84 Euro pro Stunde brutto – 1532 Euro pro Monat brutto
  • 2019: 9,19 Euro pro Stunde brutto – 1593 Euro pro Monat brutto
  • 2020: 9,35 Euro pro Stunde brutto – 1621 Euro pro Monat brutto
  • 2021 1. Hälfte: 9,60 Euro pro Stunde brutto – 1664 Euro pro Monat brutto
  • 2021 2. Häfte: 9,82 Euro pro Stunde brutto – 1702 Euro pro Monat brutto
  • 2022 1. Häfte: 9,82 Euro pro Stunde brutto – 1702 Euro pro Monat brutto
  • 2022 2. Hälfte: 10,45  Euro pro Stunde brutto – 1811 Euro pro Monat brutto

Übrigens: Der Durchschnittsstundenlohn liegt in Deutschland bei 19,76 Euro pro Stunde brutto.

Wer entscheidet über den Mindestlohn?

In Deutschland gibt die Mindestlohnkommission eine Empfehlung an die Bundesregierung für die Anpassung des gesetzlichen Mindestlohns. Dieser Empfehlung kann die Bundesregierung folgen, muss es aber nicht. (Bisher ist die Bundesregierung dieser Empfehlung gefolgt.)

Der deutsche Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ist der Empfehlung der Mindestlohnkommission für die Mindestlohnhöhen in den Jahren 2021 und 2022 gefolgt.

In der Mindestlohnkommission sitzen drei Arbeitgebervertreter, drei Gewerkschafter, ein Vorsitzender (oder eine Vorsitzende) und zwei wissenschaftlische Berater ohne Stimmrecht.

Die Mindestlohnkommission orientiert ihre Empfehlungen an Lohnentwicklung in Deutschland, an der Entwicklung der Tariflöhne und am Tarifindex.

Würfelarmin: Wie und warum Armin Laschet den Spottnamen erhielt


Der CDU-Politiker Armin Laschet wurde auch scherzhaft „Würfelarmin“ genannt. Diesen Spottnamen erhielt er im Jahr 2015 nach dem öffentlich wurde, dass er Klausurnoten „rekonstruierte“, weil Klausuren verloren gegangen waren.

Würfelarmin: Wie und warum Armin Laschet den Spottnamen erhielt

Armin Laschet war im Jahr 2014 Lehrbeauftragter an der RWTH Aachen. Er leitete ein einwöchiges Blockseminar zum Thema „Europa in der Berliner Politik“ im Masterstudiengang für Europastudien. In diesem Seminar schrieben seine Studenten Klausuren, die verloren gingen. Armin Laschet erklärte später, dass die Klausuren auf dem Postweg verloren gegangen sein sollen. Armin Laschets genaue Formulierung war „auf dem Postweg abhandengekommen“.

Als Reaktion auf die verlorenen Klausuren „rekonstruierte“ Armin Laschet die Noten für die Studenten. Nach eigenen Aussagen hatten Armin Laschet und seine Co-Korrektorin zu jeder Klausur Notizen angefertigt. Diese Notizen sollen dann die Grundlage für Notenvergabe gebildet haben. Jedoch bewertete Armin Laschet auch Studenten, die die Klausur gar nicht mitgeschrieben hatten und ein Student, der die Klausur mitgeschrieben haben soll, erhielt keine Note. Dieser Umstand führte letztlich dazu, dass seine Notenvergabe und sein Versuch die verlorenen Klausuren zu verschleiern aufflog. In Folge war Armin Laschets akademische Glaubwürdigkeit erschüttet und er musste von seiner Lehrtätigkeit zurücktreten.

Böse Zungen sprachen davon, dass Armin Laschet die Noten gewürfelt haben soll.

Gegenüber Welt teilte die RWTH mit, dass keine Seminar- und Klausur-Teilnehmerliste vorliegt und so nicht festgestellt werden kann, wie viele Studenten am Seminar und an der Klausur teilgenommen haben.

Die vergebenen Noten in der Klausur wurden annuliert.

Was bedeutet CoviDDR / DDR 2.0? Bedeutung, Definition, Erklärung


„CoviDDR“ ist ein politisches Schlagwort und ein Kofferwort, dass sich aus den Worten „Covid-19“ und „DDR“ zusammensetzt.

„DDR 2.0“ ist ein weiteres politisches Schlagwort.

Beide politischen Begriffen „CoviDDR“ und „DDR 2.0“ kritisieren totalitäre und freiheitsbeschränkende Tendenzen.

Was bedeutet „CoviDDR“ / DDR 2.0? Bedeutung, Definition, Erklärung

Das Wort „CoviDDR“ kann im Kontext seiner Ursprungsbegriffe (Covid-19 und DDR) so interpretiert werden, dass die politische Reaktion (der deutschen Bundesregierung) auf die Anwesenheit und Bedrohungslage durch das Coronavirus (Covid-19) dazu führt, dass Freiheits- und Bürgerrechte im Namen der Sicherheit eingeschränkt werden – und dies einige an die Zustände in der DDR erinnert. In der DDR gab es nur eingeschränkte Bürger- und Freiheitsrechte. (Während der Coronakrise wurden unter anderem das Versammlungsrecht, die Reisefreiheit und die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Auch wird der staatliche Zwang zum Maskentragen kritisiert.)

Das Wort „CoviDDR“ kann auch so interpretiert werden, dass in der Coronakrise Organe des Rechtsstaat teilweise ihre Kontrollfunktionen verlieren, nicht erfüllen oder übergangen werden, so dass die Regierung – ohne Parlament, Widerspruch oder Opposition – regieren kann – wie in der DDR. (Hier muss angemerkt werden, dass die Judikative in Deutschland freiheitseinschränkende Verordnungen der Regierung teilweise aufgehoben hat. Siehe: Beherbergungsverbot – In einer Dikatatur wäre dies nicht geschehen.)

Auch kann in der Coronakrise der Umgang mit Widerspruch, Uneindeutigkeiten, Demonstranten und Gegnern der staatlichen Eindämmungsmaßnahmen kritisiert werden. Gegner und Kritiker der staatlichen Eindämmungsmaßnahmen (werden durch die Medien) als „Covidioten“ verunglimpft oder als „Maskenmuffel“ bezeichnet. (In einer Diktatur ist die Verunglimpfung von Kritikern, Gegner und Demonstranten auch üblich, jedoch hört es da nicht auf. In einer Diktatur werden Kritiker, Gegner und Demonstranten auch inhaftiert oder „weggesperrt“. Im demokratischen Rechtsstaat, der Deutschland ist, schützt die Polizei das Demonstrationsrecht von Gegner und Kritikern der Regierung.)

Auch erinnert in der Coronakrise die Aufforderung so mancher Politiker, dass Nachbarn und Menschen Verstöße gegen die Pandamie-Eindämmungsmaßnahmen melden sollen, an Denunziantentum wie es eben in einer Dikatur üblich ist. Hierbei wird das Ziel verfolgt, Abweichler zu erkennen, zu bestrafen und wieder dazuzubringen sich an die staatlich verordneten Regeln zu halten.

Siehe auch: Was bedeutet Plandemie? Was ist eine Virokratie?

Was bedeutet „DDR 2.0“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Auch das politische Schlagwort „DDR 2.0“ geht in die gleiche Richtung wie „CoviDDR“. Das Wort „DDR 2.0“ kann so verstanden werden, dass die heutige (2020) Situation der wegen dem Coronavirus eingeschränkten Bürger- und Freiheitsrechte in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) an die eingeschränkten Bürgerrechte der DDR erinnert.

Der Ausdruck „DDR 2.0“ kann breiter interpretiert werden. So kann z.B. die Cancel Culture ein Hinweis darauf sein, dass der Meinungskorridor sich verengt und damit der Meinungspluralismus verschwindet. Dies führt dazu, dass manche Meinung (moralisch) entwertet, bekämpft und nicht mehr gehört bzw. diskutiert werden. Dies erinnert an eine Diktatur, in der es erwünschte und unerwünschte Meinungen gibt.

Fazit: CoviDDR / DDR 2.0

Ja, Freiheits- und Bürgerrechte wurden während der Coronakrise eingeschränkt. Dass dies teils sehr leichtfertig geschah, ist zu kritieren. Jedoch funktioniert die Judikative in Deutschland. Klagen dürfen eingereicht werden und deutsche Gerichte haben im Jahr 2020 wiederholt bewiesen, dass sie im Sinne des Grundgesetz (und der Freiheit) entscheiden.

Die eigene Meinung darf weiterhin geäußert werden. Es erfolgt keine staatliche Zensur. Nur, wer seine Meinung äußert, muss den Gegenwind von anderen aushalten.

Dass Demonstrationen gegen die staatlichen Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen im Jahr 2020 stattfanden, ist ein Beleg dafür, dass der Rechtsstaat funktioniert. In einer Diktatur wären Gegendemonstrationen nie zugelassen wurden. Hier in Deutschland schützt die Polizei das Versammlungs- und Demonstrationsrecht von Kritikern bis Gegnern der Regierung.

Was ist Ambiguitätstoleranz? Bedeutung, Definition, Erklärung


Ambiguitätstoleranz bedeutet, dass Menschen mehrdeutige oder widersprüchliche Aussagen, Handlungen und Informationen aushalten.

Was ist Ambiguitätstoleranz? Bedeutung, Definition, Erklärung

Ambiguitätstoleranz wird auch „Individuelle Toleranz oder „Intoleranz gegenüber Ambiguität“ genannt.

Individuelle Toleranz oder „Intoleranz gegenüber Ambiguität“ ist ein psychologisches Konstrukt zur Beschreibung der Beziehungen, die Personen zu zwei- oder mehrdeutigen Reizen und Ereignissen haben.

Menschen mit Ambiguitätstoleranz betrachten derartige Reize eher auf neutrale, offene und tolerante Weise, während Menschen mit Ambiguitätsintoleranz diese eher als Bedrohung einschätzen und empfinden. Speziell angesichts der heutzutage oft und vielfach konstatierten sowie auch beklagten Vielschichtigkeit und Unübersichtlichkeit aller möglichen Lebensbereiche wird das Konzept der Ambiguitätstoleranz bzw. Intoleranz häufig genutzt, um den stark unterschiedlichen bis konträren Umgang von Menschen etwa mit persönlichen Schicksalsschlägen, riskanten politischen Entwicklungen und Ereignissen sowie auch Naturkatastrophen besser zu verstehen.

Erste Studien zur Ambiguitätstoleranz

Als maßgebliche Pionierin und Forscherin zum Themenkomplex Toleranz und Intoleranz gegenüber Ambiguität gilt die österreichisch-amerikanische Psychologin und Analytikerin Else Frenkel-Brunswik (1908-1958), die den Begriff Ambiguitätstoleranz erstmals 1949 im Zusammenhang mit ihren Studien zu Ethnozentrismus bei Kindern in die wissenschaftliche Debatte eingeführt hat.

Mit ihren damaligen, nicht zuletzt vom Eindruck des Rassenwahns der Nazis in Deutschland inspirierten Studien wollte sie herausfinden, ob und in welchem Ausmaß Kinder mit ethnischen oder rassistischen Vorurteilen generell Ambiguität im Sinne von Mehrdeutigkeit sowie zweideutige Reize oder Situationen stärker ablehnen als ihre Altersgenossen ohne bzw. weniger Vorurteilen. Sie untersuchte dabei Kinder, die in einem Test viele oder wenige Vorurteile zeigten, und studierte dann deren Reaktionen auf eine definitiv zweideutig interpretierbare Figur in Form einer Scheibe. Als Hypothese wurde von denjenigen Kindern mit vielen Vorurteile erwartet, dass sie länger bräuchten, um auf diese Form zu reagieren und dass sie ihre Reaktion und Perspektive danach vermutlich weniger wahrscheinlich ändern würden.

Die öffentliche Rezeption und Reaktion von Elde Frenkel-Brunswiks Erkenntnissen, denen zufolge tatsächlich eine solche Verbindung zwischen der individuellen Ambiguitätstoleranz bzw. Intoleranz mit der akzeptierenden oder ablehnenden und autoritären sowie negativen Einstellung gegenüber Ethnozentrismus und fremden Kulturen existiert, erfolgt und erfolgt bis heute ähnlich „ambivalent“ wie die Mechanik der Ambiguitätstoleranz selbst. Zum einen wurde und wird der These im Zusammenhang mit den Feldern Politik und Psychologie bei Autoritarismus, Dichotomie und „Schwarz-Weiß-Denken“ Erkenntnisgewinn zugestanden. In der Forschung zur Ambiguitätstoleranz bzw. Intoleranz bei autoritären Persönlichkeiten vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren versuchten Wissenschaftler eine bessere und genauere Definition dessen zu erlangen, was eine autoritäre Persönlichkeit im Einzelnen und charakteristisch in der Summe ihrer speziellen Eigenschaften eigentlich ausmacht. So neigen derartige Persönlichkeiten zum Bedürfnis nach Sicherheit, zur Notwendigkeit der konträren Kategorisierung und Unfähigkeit, gute und schlechte Eigenschaften in derselben Person gleichzeitig und als gleichwertig zu akzeptieren. Darüber hinaus zeigen sich häufig Ablehnung des Andersartigen, Neuen, Innovativen, Ungewöhnlichen und Unbekannten bei Bevorzugung von Vertrautem und die Beibehaltung frühzeitiger und endgültiger Lösungen.

Ambiguitätstoleranz zeigt sich sowohl in der Eigensicht als auch der Einschätzung anderer

Ebenso werden sozial unerwünschte Eigenschaften wie aggressiv, ängstlich und autoritär, dogmatisch, engstirnig und ethnisch voreingenommen, streng bestrafend sowie starr und unkreativ als Anzeichen individueller Intoleranz gegenüber Ambiguität und Mehrdeutigkeit klassifiziert. Im Gegensatz dazu zeichnen sich Menschen mit Ambiguitätstoleranz generell durch größere Aufgeschlossenheit, Flexibilität und Neugierde sowie Ausgeglichenheit und die Fähigkeit aus, gegensätzliche, widersprüchliche und/oder auf den ersten Blick unklare Eigenschaften, Informationen sowie Situationen sowohl einfacher, besser und schneller zu ertragen sowie zu verstehen, als auch derartige Umstände weniger zu fürchten oder sogar herbei zu sehnen. Vereinfacht lässt sich Ambiguitätstoleranz also auch als belastbare und stabile Persönlichkeitseigenschaft werten, die ein gefestigtes Verhältnis zwischen eigenen und fremden Rollenerwartungen sowie Rollenentwürfen für sich gefunden hat und somit auch Rollenkonflikte in sich selbst sowie bei anderen graduell tolerieren kann. Eine solche Eigenschaft ist jedoch niemals absolut. D.h. ein Individuum mit Ambiguitätstoleranz ist sich seiner eigenen wie auch den Widersprüchen bei anderen zwar weitgehend bewusst und kann mit diesen bis zu einem gewissen, jeweils unterschiedlich gelagerten Punkt auch gut leben, ohne sich unwohl zu fühlen, toleriert deshalb aber nicht auch automatisch sämtliche Gegensätzlichkeiten in seinem persönlichen Umfeld und seiner Lebenswirklichkeit.

Ambiguitätstoleranz: Spätere Studien konzentrierten sich auf Berufe, Begabungen und Befähigungen

Genauso wenig ist individuelle Ambiguitätstoleranz bzw. Intoleranz bei Menschen total und jeweils in „Reinkultur“ vorhanden, man ist vielmehr gegenüber anderen Personen sowie in bestimmten Situationen in Abhängigkeit von der restlichen eigenen Persönlichkeitsstruktur mehr oder weniger tolerant bzw. intolerant in Bezug auf Ambiguität und Mehrdeutigkeit. In der psychologischen Forschung wird das ursprüngliche, oftmals als zu simpel kritisierte Konzept der Ambiguitätstoleranz bzw. Intoleranz heutzutage auch deutlich differenzierter als früher betrachtet. Somit liegt der aktuelle Schwerpunkt auch nicht mehr ausschließlich bei der Konzentration auf die Wesensmerkmale autoritärer Persönlichkeiten, sondern eher bei der Beurteilung bestimmter, auch beruflicher Begabungen und Befähigungen, die mit der jeweiligen Ausprägung von Ambiguitätstoleranz bzw. Intoleranz einhergehen können.

Im Bereich Persönlichkeitspsychologie hat 1980 eine in den USA viel beachtete Studie zur Ambiguitätstoleranz bei Studenten recht unterschiedlicher Fachrichtungen gezeigt, dass Kunststudenten eine höhere Ambiguitätstoleranz als Wirtschaftsstudenten aufwiesen, was als Korrelation oder sogar Kausalzusammenhang zwischen dieser und Kreativität gewertet wurde.

Toleranz oder Intoleranz gegenüber Ambiguität und Mehrdeutigkeit zeigt sich früh

Im Rahmen von Langzeitstudien im Bereich der Entwicklungspsychologie von weiblichen und männlichen Kindern und Jugendlichen stellten Forscher schon Ende der 1970er-Jahre fest, dass männliche Probanden mit Intoleranz gegenüber Ambiguität und Mehrdeutigkeit im Alter zwischen ca. 4 bis 5 Jahren auch mit 7 Jahren messbar ängstlicher und kognitiv weniger effektiv waren sowie stärker an Strukturen hingen, als weibliche Probanden, die zuvor vergleichbare Werte bei Ambiguitätstoleranz bzw. Intoleranz gezeigt hatten. Ob und inwiefern solche Erkenntnisse sich in das mittlerweile als gesichert geltende Bild von der relativ schnelleren kognitiven Entwicklung von Mädchen im Vergleich zu Jungen einfügen, bleibt aber bislang noch unklar und bedarf weiterer Untersuchungen. Im Rahmen der Sozialpsychologie wurde und wird das Konzept der Ambiguitätstoleranz bzw. Intoleranz genutzt, um generell Beziehungen zu sich selbst und anderen zu erforschen. Thematische Schwerpunkte in diesem Bereich sind vor allem die jeweilige Interaktion mit der eigenen und fremden ethnischen oder rassischen Identität, der partnerschaftlichen und ehelichen Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit sowie dem Umgang mit Schwangerschaft bei Frauen.

Hohe Ambiguitätsintoleranz kann mitunter auch Depressionen nach sich ziehen

Bei Studien zur psychischen Gesundheit hat sich wiederum gezeigt, dass eine individuell stark ausgeprägte Ambiguitätsintoleranz die Erstgenannte langfristig mitunter maßgeblich beeinträchtigen kann. Eine intensive diesbezügliche Intoleranz kann somit als Art kognitive Schwachstelle dienen, die in Verbindung mit belastenden Lebensereignissen aller Art und negativem Grübeln zu Depressionen führen kann. Menschen mit Ambiguitätsintoleranz neigen häufig dazu, die Welt als fest gefügt, konkret und unveränderlich zu betrachten und diese Sichtweise störenden Ereignisse vorschnell ablehnend und abwertend sowie für ihre eigene Situation als übertrieben negativ einzustufen. Solche lediglich vermeintlich sicheren Einschätzungen betreffs der generellen Negativität unvorhergesehener Ereignisse kann auch als Anzeichen und Vorhersage für Depressionen klassifiziert

Was bedeutet Genderwahnsinn / Gendergaga? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Genderwahnsinn“ und „Gendergaga“ sind abwertende Bezeichnungen für Geschlechtergleichstellungsideen und -maßnahmen, die als falsch, unsachlich oder übertrieben empfunden werden.

Durch die Verbindung des Begriffs „Gender“ mit den Begriffen „Wahnsinn“ und „Gaga“ sollen Gender-Maßnahmen als verrückt, sinnlos, seltsam, wirr und jenseits der Normalität, Vernunft oder Realität dargestellt (geframt) werden. (Siehe auch: Framing)

Was bedeutet Genderwahnsinn / Gendergaga? Bedeutung, Definition, Erklärung

Als „Genderwahnsinn“ und „Gendergaga“ sollen unter anderem folgende Ideen, Maßnahmen und Initiativen als nutzlos, falsch und übertrieben gekennzeichnet werden:

  • Sprachliche Reformen für die Ansprache verschiedener Personen (Siehe: Gendersternchen, jemensch)
  • Sprachliche Reformen für mehr Geschlechtergerechtigkeit
  • Sprachliche Reformen für eine inklusive und/oder geschlechtsneutrale Sprache
  • Sprachverbote und neue Sprachregeln (Siehe: Sprachpolizei)
  • Bemühungen für mehr Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung aller Geschlechter
  • Gender-Aufklärung für Kinder
  • Gender Pay Gap
  • Gender-Wissenschaften (Gender-Studies)
  • Gleichstellungs- und Gender-Forschungs-Projekte
  • Kritik an Rollenbildern und Stereotypen
  • Erkennen von Diskriminierungen (Ableismus, Colorismus, Rassismus, Alltagsrassismus,…)
  • Quotenregelungen für Frauen und/oder Minderheiten (z.B. Parität)
  • Gesetzesentwürfe im Femininum
  • Maßnahmen wie gegenderte Ampelfiguren und Gender-neutrale Toiletten

Die Ausdrücke „Genderwahnsinn“ und „Gendergaga“ werden in konservativen und rechten Kreisen verwendet.

Wahre Vorwürfe? Genderwahnsinn und Gendergaga

Mit den Ausdrücken „Genderwahnsinn“ und „Gendergaga“ werden Geschlechter- und Diskriminierungs-Debatten als abgehoben, weltfremd und fern der Lebensrealitäten kritisiert und dargestellt.

Maßnahmen für mehr Geschlechtergerechtigkeit oder eine geschlechterneutrale sowie inklusive Sprache werden als Zwang dargestellt und kritisiert, sowie wird (und wurde) wiederholt kritisiert, dass eine Geschlechter-sensitive Begriffe die Sprache verunstalten würde. (Sprachpolizei)

Der generelle Vorwurf an das Gender-Mainstreaming ist, dass versucht würde Geschlechter abzuschaffen und die Grenzen zwischen den Geschlechtern zu verwischen, so dass nicht mehr zwischen Mann und Frau unterschieden werden könnte.

Auch wird das Gender-Mainstreaming von Kritikern und Gegner als nutzlos, teuer und Verschwendung von Ressourcen bezeichnet.

Genderwahn und Genderideologie (Gender-Ideologie)

Weitere synonyme Ausdrücke sind: Genderwahn und Genderideologie (Gender-Ideologie)

Der Ausdruck „Gender-Ideologie“ kann im Sinne des Wortes „Ideologie“ so verstanden werden, dass die herrschende Klasse versucht die Bevölkerung und Gesellschaft nach den Ansichten der Gender-Lehre zu gestalten und zu formen.

Der Ausdruck „Genderwahn“ kann im Sinne des Wortes „Wahn“ so verstanden werden, dass versucht wird – wie im Wahn – ein Weltbild zu verbreiten, dass auf falschen Fakten aufbaut. Der Wahn steht insbesondere dafür, dass sich jemand von seinem Vorhaben nicht abbringen lässt und keine Zweifel daran zulässt.

Weitere Bedeutung von Gendergaga und Genderwahnsinn

„GenderGaga“ ist ein Buch von Birgit Kelle. Es wurde 2015 veröffentlicht.

2020 fiel der AfD-Politiker Gunnar Lindemann auf, als er sich über das vermeintlich gegenderte Wort „Fahrspurende“ auf Twitter beschwerte. Sein Tweet löste heftige Reaktionen. (Anmerkung der Redaktion: Lindemann hatte das Wort Fahrspurende (Ende der Fahrspur) falsch verstanden. Er hatte als Fahrspurende (Personen, die aktiv eine Fahrspur nutzen) verstanden.)

Was ist ein Gabenzaun? Bedeutung, Definition, Erklärung


An einen Gabenzaun hängen Menschen Lebensmittel- und andere Sachspenden für Bedürftige. Sie können sich dort mit dem für sie Nötigsten versorgen. Oft handelt es sich um Obdachlose, aber auch bei Menschen mit einem geringen Einkommen sind diese Spenden sehr willkommen. In der Zeit der Corona-Pandemie entstanden in Deutschland zahlreiche Gabenzäune. Der Ursprung liegt in Hamburg, wo es einen solchen Zaun schon seit einigen Jahren gibt.

Was ist ein Gabenzaun? Bedeutung, Definition, Erklärung

Auf dem Vorplatz des Hamburger Hauptbahnhofes steht eine Mauer, welche etwas höher als bis zu den Knien geht. Ideal also, um sich hinsetzen zu können. Aus Sicht der Bahn und der Stadtbezirksverwaltung war die Nutzung offenbar ein Problem. Nicht wenige vermuteten, dass der eigentliche Anstoß war, wer sich da ausruhte. Es waren vor allem Obdachlose, welche die Chance zur Pause gern annahmen. Das missfiel einigen so, dass in Hamburg-Mitte ein Zaun entstand, um die ungebetenen Gäste zu vertreiben. Die empörte wiederum einige Hamburger Bürger so, dass sie eine Gegenmaßnahme planten. Sie knoteten Spenden für Obdachlose an den Zaun und forderten auf Zetteln Passanten auf, Gleiches zu tun. Neben der Hilfe für die Bedürftigen hatte diese Aktion auch eine symbolische Bedeutung. Bürger holten sich einen Teil des öffentlichen Raumes zurück.

Die Aktion fand Gleichgesinnte und wurde zu einer Attraktion, die über soziale und klassische Medien große Aufmerksamkeit erfuhr. Inzwischen entstand der Hamburger Gabenzaun e. V. Der Verein erhält Spenden aus Deutschland und aus dem Ausland. Der Zaun gilt als niederschwelliges Angebot für Obdachlose, sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Neben Lebensmitteln stellen die Spender Kleidung, Hygieneartikel, Hundefutter und andere nützliche Dinge zur Verfügung.

Inzwischen hat der Hamburger Gabenzaun viele Nachahmer gefunden. Allein in Hamburg gibt es inzwischen mindestens sechs weitere Zäune, welche die Bedürftigen mit dem Nötigsten versorgen. Besonders während der Corona-Pandemie wurde die Idee in vielen deutschen Städten adaptiert.

Gabenzäune und Covid-19

Die Krise zeigt, dass Menschen in Zeiten der Krise bereit sind, in Not geratenen zu helfen. In Zeiten von Lockdowns und anderen Beschränkungen wegen des Coronavirus ändert sich auch einiges am Hamburger Gabenzaun. Nachdem er zunächst verboten wurde, gibt es inzwischen an die Betreiber die Auflage, keinen Menschenansammlungen entstehen zu lassen. Die Hilfe funktioniert aber wieder.

Der Zaun wird aber nicht nur genutzt, um Spenden anzubringen oder abzuholen. Häufig kommen Spender und Bedürftige ins Gespräch. Soziale Kontakte sind für Menschen ohne zu Hause oft ebenso wichtig wie die Versorgung mit dem Nötigsten. Der Hamburger Gabenzaun e. V. entwickelte ein Konzept, welches den Sinn des Gabenzaunes sichert. Es ist ein Zaun, der nicht trennen, sondern verbinden soll.

Während der Pandemie entstanden in vielen Städten Gabenzäune. Sie sind sehr wichtig, weil sich das Leben Obdachloser seit dem Beginn der Krise deutlich verschärft hat. Besonders schlimm war die Zeit, in der das gesellschaftliche Leben komplett heruntergefahren wurde. Auch Tafeln und andere Einrichtungen schlossen plötzlich. Obdachlose blieben mit ihren Sorgen komplett allein. Die hatten keine Möglichkeiten mehr, zu duschen oder eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen. Auch der geschützte Schlafplatz in einer Notunterkunft war plötzlich verschlossen. In Fußgängerzonen gab es niemanden mehr, den Bedürftige anbetteln konnten und es wurden keine Pfandflaschen mehr zurückgelassen.

Hilfe als Projekt auf privater Ebene kann sehr effektiv sein, wenn einige Dinge beachtet werden. Keinen oder nur einen geringen Nutzen bringt es Obdachlosen, wenn Spender, ihren Kleiderschrank ausmisten. Spenden erfüllen ihren Zweck, wenn sie für die Bedürftigen nutzbar sind. Anzüge oder High Heels helfen da wenig. Damenbekleidung wird allgemein selten benötigt, denn die große Mehrheit der Menschen ohne Wohnung ist männlich. Bei den Lebensmitteln sollte auf Haltbarkeit geachtet werden. Konserven sind besser als lose Frischware, die möglicherweise am Zaun verdirbt. Bei der Größe der Verpackungen sollte berücksichtigt werden, dass sich Wohnungslose nicht bevorraten können. Kleine Verpackungseinheiten sind also besser. Auch Tiernahrung und -zubehör ist willkommen. Hygienartikel sollten verschlossen sein. Kerzen, Taschenlampen, Dosenöffner oder Schlafutensilien sind weitere Dinge, welche den Bedürftigen im Leben auf der Straße helfen.

Kritik am Gabenzaun

Der Gabenzaun hat nicht nur Befürworter. Die Kritiker geben zu bedenken, dass sich in den Spenden häufig auch Lebensmittel befinden, die bei einer Unterbrechung der Kühlkette verderben. Auch die Frage, wie ein Obdachloser frisches Obst oder Gemüse waschen soll, ist berechtigt. Kleidung sollte natürlich gewaschen sein. Problematisch ist, wenn der Bedürftige von außen nicht erkennen kann, was der Beutel enthält. Hier hat der Hamburger Gabenzaun e. V. einen guten Tipp:. Im Beutel sollte sich ein von außen lesbarer Zettel befinden, auf dem steht, um was für ein Kleidungsstück es sich handelt. Auch die Angabe der Größe hilft, dass sich wirklich ein potenzieller Träger dafür interessiert.

An den meisten Gabenzäunen finden Spender Hinweise, wie sie am besten helfen. Werden die Hinweise befolgt, hilft es Menschen direkt. Obdachlose äußern sich sehr dankbar über die Spenden. Vor allem kirchliche Hilfsorganisationen bemängeln allerdings, dass die Hilfsangebote Wohnungslosen nicht helfen, aus ihrer Notsituation zu kommen. Keine eigene Wohnung zu haben bedeute, keinen privaten Rückzugsraum zu besitzen. Sie erinnern deshalb daran, neben Sachspenden am Zaun auch die Arbeit von Hilfsorganisationen zu unterstützen. Diese engagieren sich dafür, dass in Not Geratene wieder eine Perspektive für ein selbstbestimmtes Leben erhalten.

Einordnung: Gabenzäune

Die Gabenzäune lassen sich als Sonderform in die „Umsonstläden“ einordnen. Zu diesen zählen auch Giveboxen, die es schon seit fast zehn Jahren gibt. Sie sind öffentlich zugängliche Häuschen, in denen Spenden angeboten werden.

Umsonstläden sind Läden, in denen neue und gebrauchte Produkte zur kostenlosen Mitnahme angeboten werden. Der Betrieb erfolgt normalerweise privat und ist sozial oder politisch motiviert. Im Gegensatz zu Tafeln oder Kleiderkammern wird die soziale Bedürftigkeit nicht überprüft. Besucher des Ladens können Artikel abgeben und dafür auch andere Waren aus dem Sortiment wieder mitnehmen. Die meisten Läden erwarten neue oder gut erhaltene Gebrauchsgegenstände. Auch lang haltbare Lebensmittel sind erlaubt. Sperrige Gegenstände oder Hilfe in Form von kostenlosen Dienstleistungen können über „Schwarze Bretter“ geboten werden. Die Finanzierung der Läden erfolgt meist über Spenden. Umsonstläden gibt es im deutschsprachigen Raum vor allem in größeren Städten.

Die Motivation zu Umsonstläden reicht von Kapitalismuskritik bis zu karitativen Überlegungen. Außerdem wird in den Projekten ein Beitrag zur Nachhaltigkeit durch das Schonen von Ressourcen gesehen.

Was bedeutet Sachzwang? Bedeutung, Definition, Erklärung


Ein Sachzwang ist ein Umstand und eine Notwendigkeit, die dazu führt, dass ein Entscheidungsfeld eingeschränkt wird. Ein Sachzwang führt dazu, dass eine Entscheidung anhand der geänderten Sachlage – und nicht nach den Wünschen einer Person – getroffen werden muss.

Sachzwänge sind oft Erklärungen, warum Entscheidungen auf bestimmte Arten und Weisen getroffen werden.

Was bedeutet Sachzwang? Bedeutung, Definition, Erklärung

Es gibt sie ganz sicher. Hier einige Beispiele:

  • #1: Ein Kleinunternehmer hat schon länger eine bestimmte Investition geplant. Einen Kredit erhält er dafür nicht, also spart er das Geld an. Als er die Investition tätigen will, wird eine unerwartete Steuernachzahlung fällig. Nun muss er hierfür das ersparte Geld verwenden. Die Investition ist aufgrund des Sachzwangs zu verschieben.
  • #2: Eine Lehrerin wollte mit ihrer Klasse ein Schulfest organisieren. Die Vorbereitungen hierfür liefen seit dem Schuljahresbeginn 2019/2020. Das Fest sollte im April 2020 stattfinden. Wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie musste es ausfallen. Die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen fallen in die Kategorie der Sachzwänge.
  • #3: Der Bürgermeister einer kleinen Kommune wollte die Straßenbeleuchtung erneuern. Bei den Haushaltsberatungen stellte sich aber heraus, dass es einen Investitionsstau bei der Straßenerneuerung gibt. Freie Mittel müssen zunächst hierfür verwendet werden. Wegen des Sachzwangs muss die Straßenbeleuchtung warten.

Darüber hinaus gibt es viele vermeintliche Sachzwänge, die mangels Flexibilität oder einfach aus Bequemlichkeit vorgeschoben werden, um Projekte nicht durchzuführen. Das wäre der Fall, wenn

  • #1 der Kleinunternehmer eigentlich doch einen Kredit bekommen könnte, sich aber kaum darum bemüht hat,
  • #2 die Lehrerin das Schulfest mit verändertem Konzept und verschobenem Termin ins Freie verlegen könnte oder
  • #3 der Bürgermeister durch eine Umschichtung von Mitteln und eine Anpassung der Rahmenbedingungen für die Straßenbeleuchtung und die Straßenerneuerung (beides eine Nummer kleiner + zusätzliche kleine Kreditaufnahme) doch beide Projekte parallel durchführen könnte.

Weil es zur Eingrenzung von Handlungsoptionen durch tatsächliche oder vermeintliche Sachzwänge sehr oft Alternativen gibt, ist das grundsätzliche Problem des Sachzwangs hoch umstritten. Philosophen befassen sich damit. Schon länger kritisieren sie, dass aus einem formulierten Faktum ein scheinbar unumstößlicher Handlungszwang abgeleitet wird: „Es regnet, daher muss ich unbedingt den Schirm mitnehmen. Er behindert mich anschließend den ganzen Tag über, doch der Sachzwang (des Regens) lässt mir keine Wahl.“ – Ist es wirklich so? Vielleicht hätte wegen eines leichten Regens am Morgen die Regenjacke genügt.

Warum formulieren wir den Sachzwang? Erklärung, Bedeutung

Psychologisch gesehen erzeugt ein Sachzwang die Tendenz zur freiwilligen Einschränkung unserer Handlungsmöglichkeiten. Dabei können Sachzwänge wie beschrieben wirklich durch materielle Situationsdetails bzw. soziale oder finanzielle Umstände entstehen. Sie schränken auch in der Tat die individuelle Entscheidungsfreiheit ein. Das wiederum bedeutet, dass der Anteil von individuell zu verantwortenden Handlungsvarianten zugunsten des Einflusses von objektiven Situationsbedingungen vermindert wird. Sachzwänge drängen das Individuum eher zu einer bestimmten Handlungsweise, die es selbst so nicht geplant hatte. Dennoch gilt der Sachzwang als kritische Kategorie. Es ist von Fall zu Fall stets schwer auszumachen, ob ein tatsächlicher Sachzwang herrscht oder ob er nur unaufrichtig behauptet wird, um nicht alle Handlungsoptionen ausschöpfen zu müssen. Wir ziehen wiederum die oben genannten Beispiele heran:

  • #1: Der Kleinunternehmer hatte sich in einer früheren Phase bei zwei bis drei Banken um einen Kredit bemüht und ihn nicht erhalten. Daraufhin stand für ihn fest: Ich bekomme keine Kredite, künftig muss ich für Investitionen sparen. Er könnte jedoch nochmals hartnäckig sehr viele Banken befragen bzw. einen Kreditvermittler einschalten, vielleicht hätte er Erfolg. Der Sachzwang macht die Sache schwerer, aber nicht unmöglich.
  • #2: Die Lehrerin könnte mit viel Kraft ihr Schulfest umorganisieren. Der Erfolg ist aber sehr ungewiss. Vielleicht ist es effizienter, wenn sie sich dem Sachzwang beugt.
  • #3: Auch beim Bürgermeister ist es eine Frage der Effizienz, ob er dem vermeintlichen oder tatsächlichen Sachzwang nachgibt oder mühselig alle anderen Handlungsoptionen prüfen lässt. Allerdings erwartet man von ihm in seiner Position (anders als vom Kleinunternehmer), dass er dicke Bretter bohrt und sich die entsprechende Mühe macht.

Sachzwänge und die Moral

Als sehr kritisch gilt das Vorschieben von vermeintlichen Sachzwängen, wenn es mit dem Abwälzen von moralischer Verantwortung verbunden wird. In diesem Punkt gilt: Je geringer die moralische Verantwortung für ein Handeln erscheint, desto größer ist die Versuchung, einen Sachzwang als Begründung für die unterlassene Handlung vorzuschieben:

  • #1: Der Kleinunternehmer ist nur sich selbst gegenüber verantwortlich. Die aufgeschobene Investition kann sein Geschäft langfristig am schnellen Wachstum hindern, doch a) weiß er das nur selbst und b) geht sein dadurch schrumpfender Gewinn nur ihn selbst etwas an. Bestenfalls seine Familie könnte darunter leiden, dass er weniger als gewünscht verdient. Doch diese weiß nichts vom Zusammenhang zwischen aufgeschobener Investition und gebremstem Wachstum. Die Versuchung ist daher groß, einen Sachzwang vorzuschieben. Gegen die Steuerforderung des Finanzamts kann man halt nichts machen.
  • #2: Die Lehrerin sieht sich in einer sehr großen moralischen Verantwortung. Zudem wird ihr Verhalten von sehr vielen Menschen beobachtet, nämlich den SchülerInnen, deren Familien, den übrigen Klassen und dem Kollegium. Vielleicht hat sich sogar schon die lokale Presse für das Schulfest unter Corona-Bedingungen interessiert. Es ist für die Lehrerin daher moralisch sehr schwer, sich dem Sachzwang zu beugen. Dabei hätte sie durchaus das Recht dazu.
  • #3: Der Kommunalpolitiker weiß sehr viele Argumente, um die moralische Verantwortung von sich zu schieben. Er muss aber damit rechnen, dass die Opposition im Stadtparlament kritische Fragen stellt und somit als moralische Instanz fungiert. Das ist ihre politische Aufgabe. Möglicherweise schafft sie es, dass der Bürgermeister nicht einfach vermeintlichen Sachzwängen nachgibt.

Es erschließt sich, dass Sachzwänge genauestens beurteilt werden sollten. Die Argumentation mit ihnen, um Handlungen bzw. ihre Unterlassung zu begründen, dürfte stets kritisch betrachtet werden. Wo es wie in unserem Fall #1 kaum eine kritische Instanz gibt, sollte die betreffende Person (der Kleinunternehmer) auf die eigene kritische Stimme in seinem Inneren hören.

Fazit: Was bedeutet Sachzwang? Bedeutung, Definition, Erklärung

Es gibt objektive Sachzwänge, doch fast immer gibt es auch Handlungsalternativen. Äußere Einflüsse können unsere Handlungsfreiheit objektiv begrenzen, allerdings sollten wir wegen der moralischen Verantwortung für unser Handeln stets alle Alternativen prüfen, bevor wir uns dem Sachzwang beugen. Diesen zu leugnen gilt andererseits als irrational. Das wäre die Haltung: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“ So einfach ist es leider nicht.

Was bedeutet Überbietungswettbewerb? Was ist das? Bedeutung, Definition, Erklärung


Bei einem Überbietungswettbewerb bemühen sich zwei oder mehr Konkurrenten, durch immer bessere Angebote einen Vorteil zu erringen.

Überbietungswettbewerbe  sind bei Weitem nicht auf die Wirtschaft begrenzt. Gerade in der Demokratie gibt es häufig Zeichen von Überbietungswettbewerben bei politischen Entscheidungen. Politiker versuchen sich durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen oder Ankündigungen einen Vorteil für die nächste Wahl. Dabei werden negative Effekte kaum beachtet, was letztendlich auch für den Sieger den Nutzen des Wettbewerbs infrage stellen kann.

Was bedeutet Überbietungswettbewerb? Was ist das? Bedeutung, Definition, Erklärung

Das Verb „überbieten“ kann positiv aber auch negativ besetzt sein. So kann es im Sport bedeuten, einen Rekord zu überbieten. Wenn jemand etwas besser kann als ein Konkurrent, überbietet er diesen. Außerdem können Angebote überboten werden. Dies passiert, bei Geboten zu öffentlichen Ausschreibungen oder bei Auktionen.

Eher negativ besetzt ist das Wort, wenn es im Zusammenhang einer Eskalation verwendet wird. Dies kann passieren, wenn Politik restriktive Entscheidungen trifft. Ein Beispiel wäre die Verschärfung von Sanktionen. Damit kann sich die Lage für eine bestimmte Personengruppe verschlechtern.

Das Wort „Überbietungswettbewerb“ findet man vor allem in der Wirtschaft und in der Politik. Es beschreibt eine Situation, bei der Wettbewerb oft über das Maß der Vernunft hinaus betrieben wird. Im Wettbewerb um den ersten Platz werden Angebote oder Lösungsverschläge unterbreitet, die vor allem den Konkurrenten ausstechen sollen. Die Auswirkungen werden oft nicht oder nur unzureichend beachtet. Dabei können die negativen Wirkungen den Anbieter selbst oder Unbeteiligte treffen.

Bedeutung: Überbietungswettbewerb in der Coronakrise

In der Coronakrise nutzten Politiker den Begriff häufig. Während der Lockerungen nach der ersten Pandemie-Welle mahnten Politiker immer wieder andere Kollegen vor einem Überbietungswettbewerb. Sehr häufig warnte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder davor. Ihm gingen die Lockerungen der Coronabeschränkungen in anderen Ländern zu schnell. Dabei kritisierte er besonders Nordrhein-Westfalen und damit den dortigen Ministerpräsidenten Armin Laschet, der sich Hoffnungen auf den CDU-Vorsitz macht. Politische Beobachter sahen darin Söders Versuch, sich in der Frage nach dem nächsten Bundeskanzlerkandidaten der Union zu profilieren. Söder begründete seine Kritik mit den verhältnismäßig hohen Infektionszahlen, die Nordrhein-Westfalen aufwies.

Einen Überbietungswettbewerb bei den Lockerungen warfen sich aber nicht nur Politiker vor. Auch Sozialverbände mahnten dazu maßzuhalten. So wurde Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow kritisiert, weil er Verbote komplett aufheben und stattdessen auf Empfehlungen setzen wollte. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste sah im Verzicht auf bindende Vorschriften eine Gefahr für besonders gefährdet Gruppen. Der Verband sah die Gefahr, dass diese Opfer politischen Kalküls werden.

Als im Herbst 2020 angesichts steigender Infektionszahlen wieder zusätzliche Beschränkungen eingeführt werden mussten, warnten verschiedene politische Lager vor einem „Überbeitungswettbewerb“. FDP-Stimmen fürchteten neuen Schaden für die Wirtschaft. Die AfD versuchte eine zunehmende Müdigkeit der Bevölkerung aufzugreifen, weiterhin die strengen Regeln zu befolgen. Selbst der SPD-Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach fand, dass die Landesregierungen mit Beherbergungsverboten über das Ziel hinausschossen. Diese Sicht teilten inzwischen einige Gerichte, die auch Sperrstunden wieder aufhoben.

Hier zeigt sich ein Problem eines Überbietungswettbewerbs. In der guten Absicht, die Sorgen der Bevölkerung des eigenen Landes ernstzunehmen und sie bestmöglich zu schützen, schossen einige Regierungen über das Ziel hinaus. Was in guter Absicht geschah, kann so schnell in einen Vertrauensverlust umschlagen, weil Grundrechtseingriffe willkürlich erscheinen. Weitere Überbietungswettbewerbe in der Politik sind im Wahlkampf zu beobachten, etwa wenn Parteien großzügige Sozialleistungen oder Steuersenkungen versprechen. Oft fallen diese dann mit Verweis auf die Haushaltszwänge kleiner aus, was der Glaubwürdigkeit in Politik und Demokratie schadet.

Überbietungswettbewerb: Der Einsatz des Begriffs zum Bremsen von Engagement

Ein Überbietungswettbewerb kann also recht schnell in ein unerwünschtes, negatives Ergebnis münden, weshalb der Begriff gern als Warnung genutzt wird. Dabei fällt auf, dass die Mahner oft jene sind, die selbst einen Nachteil aus den Plänen erwarten.

So kritisierte Harald Christ im Jahr 2019 die SPD für einen „Überbietungswettbewerb der Umverteilung“ und trat als SPD-Mittelstandsbeauftragter zurück. Arbeitgeberverbände warnen so vor allzu großen Versprechen in der Rentendebatte. Dies tat beispielsweise der damalige Präsident des Arbeitgeberverbandes, Dr. Dieter Hundt. Die Arbeitgeber fürchten höhere Sozialversicherungskosten.

In Wien überbot sich die Stadtregierung nach Ansicht der Autolobby bei „Verkehrsminiaturlösungen“, zu denen beispielsweise ein Schwimmbad auf einer Verkehrsinsel gehörte. Als die EU-Kommission ankündigte, das Klimaziel für 2030 zu verschärfen, mahnten CDU-Politiker mit Blick auf die Wirtschaft vor einem Überbietungswettbewerb.

Überbietungswettbewerb: Phänomen in der Wirtschaft

Die Wirtschaft verwendet das Phänomen gern auch mal selbst. Dies geschieht beispielsweise, wenn es darum geht, die Konkurrenz bei einem Auftrag auszuschalten. Leidtragende sind in diesem Fall nicht selten Arbeitnehmer oder Lieferanten.

Arbeitnehmer können aber auch profitieren. Auf dem Arbeitsmarkt kann es zu Überbietungswettbewerben von Unternehmen kommen, wenn Fachkräfte rar sind. Dann gilt es für die Unternehmen mit hohen Gehaltsangeboten, zusätzlichen Bonuszahlungen und Benefits den Preis für die Arbeit hochzutreiben. Auf der anderen Seite steht der Unterbietungswettbewerb, der einsetzt, wenn es auf dem Arbeitsmarkt ein Überangebot an Arbeitskräften gibt. Dann sind Arbeitnehmer bereit ihre Arbeit zu einem niedrigeren Lohn anzubieten. Sie unterbieten sich gegenseitig.

Ein eindrucksvolles Beispiel, wie das gegenseitige Überbieten Sozialgefüge und Wettbewerb zerstören kann, sieht man in Ostdeutschland. Hier verkauft die Treuhand-Nachfolgerin BVVG Ackerflächen ehemaliger ostdeutscher LPGs. Das Ausschreibungsverfahren sieht vor, dass das Höchstgebot den Zuschlag erhält. Die Bodenpreise im Osten sind entsprechend der Nachfrage deutlich gestiegen. Den Zuschlag erhalten meist große Agrarbetriebe aus dem Westen, während die einheimischen Bauern leer ausgehen, bemängeln Bauernvertreter. Bodenspekulanten, die auf weitere Steigerungen der Bodenpreise spekulieren, sorgen ebenfalls dafür, dass kleinere regionale Betriebe selten zum Zug kommen. Damit können dörfliche Strukturen zerstört werden.

Überbietungswettbewerb im Sport

Der Kampf um Rekorde ist nicht gemeint, aber auch der Sport zeigt, wie Überbietungswettbewerbe den eigentlichen Wettbewerb gefährden. Sehr deutlich wird dies im Fußball, wo inzwischen astronomische Gehälter für Superstars gezahlt werden. Doch wie erwirtschaften Clubs diese enormen Summen? Außerhalb Deutschlands verschuldeten sich Vereine früher und trieben so die Preise der Fußballstars immer höher. Inzwischen hat die UEFA diese Praxis mit einem Reglement zum Financial Fairplay beendet. Diese Notbremse war nötig, weil die beteiligten Clubs im Kampf um die Superstars ihr eigenes wirtschaftliches Überleben riskierten.

Vereine investieren noch heute oft in Spieler in der Hoffnung, dass diese ihnen einen sportlichen Erfolg in einem Wettbewerb garantieren. Tritt der Erfolg nicht ein und verletzt sich der Spieler vielleicht, kann dies existenzielle Auswirkungen auf den Club haben. In diesem Fall verleitet der Überbietungswettbewerb zu einem unverhältnismäßig hohen wirtschaftlichen Risiko.

Was ist Cocooning? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als „Cocooning“ wird die Tendenz bezeichnet, sich ins häusliche Privatleben zurückzuziehen und die Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit zu meiden.

Den Trend und Begriff „Cocooning“ gibt es seit den 1980er Jahren.

Das Wort „Cocooning“ bedeutet auf detusch „einspinnen“ oder „verpuppen“.

Wortherkunft: Woher kommt das Wort Cocooning?

Cocooning ist das Verpuppen von Insekten, deren Larven spinnen um sich einen Kokon. In diesem überleben sie geschützt, bis sie zum Imago herangewachsen sind.

Der Begriff des Cocoonings eignet sich daher als Metapher für die Abschirmung von Menschen gegen Einflüsse ihrer Umwelt. Er wurde zuerst durch die US-Trendforscherin Faith Popcorn nach 1980 verwendet, doch das betreffende Lebensgefühl hatte man schon vorher thematisiert. Man nannte es in den USA „Cosy home“.

Was ist Cocooning genau? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der deutsche Soziologe Holger Rust ernannte Mitte der 1990er-Jahre Cocooning zum erfolgreichsten Begriff der populären Publizistik. Als Ursache hierfür machte er die unübersichtliche und oft als bedrohlich empfundene Welt mit ihren modernen Krisen aus. Damit lag er prinzipiell richtig: Nach den Terroranschlägen vom 11.09.2001 und auch nach der Finanzkrise 2008/2009 verstärkte sich die Tendenz zum Cocooning. Seit 2020 nimmt Cocooning durch Corona stark zu. Die Wirtschaft und Handel reagieren darauf: Sie bieten viele Produkte an, die das Cocooning unterstützen.

Der Rückzug in das Private, in das was man kennt, in die Komfortzone und in das Vertraute, kann helfen mit einer immer komplexeren und komplizierter werdenen Welt fertig zu werden. Allerdings schützt Cocooning nicht vor der Auseinandersetzung mit der veränderten Welt und neuen Werten. Cocooning zögert das Auseinandersetzen heraus, weil es dafür sorgt, dass jemand Konflikte erstmal vermeidet.

Cocooning kann – ganz positiv – als Strategie zur Erholung betrachtet werden. Wer sich im Privaten erholt, kann sich nach dem Ende der Erholungszeit wieder mit der Welt beschäftigen. Hierbei geht es um den Ausgleich: Wenn die Welt da draußen komplex, kompliziert und schwierig ist, so ist es äußerst erholsam in das einfache, gewohnte und vertraute Heim sich zurückzuziehen.

Siehe auch: Was ist Cottagecore?

Ist Cocooning sinnvoll?

Offenbar schon. So ermittelte der Bayerische Rundfunk nach 2010 unter dem Stichwort Cocooning ein starkes Zurückziehen in die häusliche Umgebung und das Einigeln mitsamt Home-Service, der durch die Online-Wirtschaft unterstützt werde. Den betreffenden Personen sei die Welt draußen deutlich stressig, zu kompliziert und manchmal auch zu uninteressant geworden. Eine Alternative dazu sei der kleine, überschaubare Lebenskreis der eigenen Wohnung, der schützend wirke wie ein Kokon. Das Cocooning kanalisiere sogar mehrere Trendströmungen:

  • Die Menschen wollen immer seltener Neuland entdecken.
  • Sie engen bewusst ihren eigenen Verantwortungshorizont ein.
  • Gegenüber der Gesellschaft werden sie gleichgültiger.

Diese Phänomene wirken zwar von außen betrachtet negativ, für die sich einigelnden Menschen jedoch bringen sie eine große Entlastung. In Zeiten von Corona entlasten sie sogar die gesamte Gesellschaft, weil es durch Cocooning weniger Kontakte gibt. Daher ist das Einigeln – ein anderer Ausdruck für das Phänomen – durchaus sinnvoll. Diesen Begriff gibt es ja schon sehr lange, er bedeutet „sich zurückziehen“ und meint traditionell das Ausweichen gegenüber jeder Form von Konflikt oder Streit. Auch Igel rollen sich bei Gefahr ein und werden dann zum unangreifbaren Stachelball.

Cocooning in der Praxis

Im heimischen Kokon lässt es sich mit Duftkerzen, Mermaid Plaids und Schaumbädern durchaus sehr angenehm leben. Dabei geht es durchaus nicht darum, ein Dasein wie ein Einsiedler zu führen. Nur verlagert sich das soziale Leben in die Wohnung. Es ist nicht unbedingt nötig, sich mit Freunden in einer Bar zu treffen: Man kann sie einfach einladen und daheim einen Koch- oder Spieleabend veranstalten. Dieser Trend freut die Möbelhersteller und die Anbieter von Wohnaccessoires. Für einen Spieleabend ist schließlich eine Wohnlandschaft erforderlich, weshalb riesige Couchgarnituren, große Tische und kuschelige Sessel immer stärker nachgefragt werden.

Cocooning lässt sich natürlich auch mit kleinem Budget durchführen. Ein kuschelige Decke, Duftkerzen und das duftende Schaumbad können schon genügen. Wichtig ist allein die Gemütlichkeit, die sich durch einen minimalistischen Einrichtungsstil nicht erreichen lässt. Daher sind Kissen und Dekorationen sehr wichtig, Strick ist sehr angesagt. Auch Jumbo Knits (XXL-Wolldecken) lieben Menschen daheim sehr, auch wenn sie etwas teurer sind. Mit kleinem Budget greifen Frauen selbst zur Stricknadel und schaffen sich ihren heimischen Kokon.

Was ist blinder Aktionismus? Bedeutung, Definition, Erklärung


Blinder Aktionismus ist ein sehr betriebsames, allerdings unreflektiertes und damit auch zielloses Handeln. Es fehlt das Konzept, daher stellen sich auch keine Erfolge ein.

In der Regel soll mit blindem Aktionismus die eigene Untätigkeit, Unfähigkeit oder Unterforderung verschleiert werden. Projekte werden zwar diskutiert und oft sogar begonnen, finden aber kein erfolgreiches Ende.

„Blinder Aktionismus“ findet statt, damit jemand sagen kann, dass er oder sie überhaupt etwas getan hat. (Was wohl in den Augen des blinden Aktionisten besse als nichts ist.)

Was ist blinder Aktionismus? Bedeutung, Definition, Erklärung

Zuerst wurde der Ausdruck „blinder Aktionismus“ in den 1960er-Jahren für das Handeln von Politikern und politischen Gruppen als Bezeichnung verwendet. Heute kennzeichnet man damit auch das Handeln von Managern.

Den Politikern wurde zuerst vorgeworfen, dass sie zwar mit Meinungsäußerungen zu verschiedensten politischen Fragen auffallen und dazu oft Arbeitsgruppen gründen oder Untersuchungen durchführen lassen, aber nicht praktisch und zielgerichtet an der Lösung der Probleme arbeiten.

Politische Gruppen führen oft unorganisierte Aktionen durch, mit denen sie zwar Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse erreichen wollen, die aber so wenig konkrete Ziele formulieren, dass die ganze Aktion verpufft. Wahrscheinlich prägte für solche Aktionen erstmals Theodor W. Adorno Ende der 1960er-Jahre den Begriff „blinder Aktionismus“. Er stellte fest, dass dahinter jede Menge Anarchismus steckt, also ein Auflehnen gegen alles und jeden, aber kein konstruktives Konzept.

Bedeutung: „Blinder Aktionismus“

Nachdem man festgestellt hatte, dass es „blinden Aktionismus“ gibt, übernahm man den Begriff auch in diejenigen Bereiche, die nichts mit Politik, aber viel mit Aktion zu tun haben. In Wirtschaftsunternehmen (und auch in Behörden) wird sehr viel agiert, aber nicht immer führen diese Aktionen zum Erfolg. Die Hintergründe liegen auf der Hand: Es gibt im Berufsleben Phasen mit viel Druck, in denen die Beteiligten einfach handeln wollen, um diesen Druck loszuwerden. Die Probleme drängen, „man muss etwas tun“. Die Einsicht, dass Abwarten sinnvoller sein könnte, fällt unglaublich schwer. Das führt dann zu blindem Aktionismus.

Wichtig ist zu wissen: Die Aktion selbst ist nicht unbedingt falsch. Sie darf nur nicht blind verlaufen. Wer eine Situation analysiert und dabei zu einem plausiblen Ergebnis kommt, agiert anschließend nicht blind, sondern sehenden Auges.

Beispiel: Es ist ein neuer Konkurrent auf den Plan getreten, der dem eigenen Unternehmen Marktanteile abjagt. Der Manager beschließt daher spontan: „Wir erhöhen den Ausstoß und senken gleichzeitig die Preise! Wir überschwemmen den Markt, das bricht unserem Konkurrenten das Genick.“ Das wäre leider blinder Aktionismus, der auf einen ruinösen Wettbewerb hinausläuft und daher möglicherweise diesem Manager das Genick bricht. Eine maßvolle Reaktion wäre vielmehr, nach eingehender Analyse das eigene Portfolio zu diversifizieren. Das verlangt auch viel Aktion, aber diese verläuft nicht blind.

Psychologie: Blinder Aktionismus aus psychologischer Sicht

Aus psychologischer Sicht verleitet uns jede Stresssituation zu einem der beiden Handlungsmuster „Flucht“ oder „Angriff“. Das stammt aus der Urgeschichte der Menschheit.

Im Wirtschaftsleben greifen die Akteure meistens an, wie es der so eben beschriebene Manager in seinem blinden Aktionismus plant. Fliehen würde bedeuten, den betreffenden Markt aufzugeben, was selten geschieht.

Allerdings sind diese beiden simplen Handlungsmuster im modernen komplexen Wirtschaftsgeschehen selten ausreichend, um eine neue, schwierige Situation zu bewältigen. Sie werden nur deshalb ausgelöst, weil in extremen Stresssituationen kein Mensch mehr klar denken kann. Der Manager redet sich zwar ein, eine zielgerichtete und durchdachte Aktion zu starten, doch dieser Glaube ist nichts weiter als eine rationalisierende Abwehrreaktion gegen seinen Stress. Im Grunde schlägt er einfach um sich. Das ist ein kennzeichnendes Merkmal von blindem Aktionismus: Hauptsache Aktion, analysieren können wir später.

Praktische Konsequenzen von blindem Aktionismus

In der Politik führt blinder Aktionismus zu nicht sehr sinnvollen Gesetzen und beispielsweise auf kommunaler Ebene oft zu sinnlosen, überteuerten Bauprojekten. Der Bund der Steuerzahler listet dann die Geldverschwendung durch solche Aktionen auf.

In Wirtschaftsunternehmen sind die Folgen nicht minder prekär: Es wird zum Beispiel für viel Geld technisches Equipment angeschafft, das aber nicht richtig passt und dann teuer nachgebessert werden muss. Der oben beschriebene Manager erhöht vielleicht wirklich den Produktionsausstoß und verkauft anschließend zu Dumpingpreisen, was nicht den Konkurrenten, sondern die eigene Firma in die Pleite treibt. Auch widersprüchliche Anweisungen an die Belegschaft sind eine Folge von blindem Aktionismus. Sie richten konkreten Schaden in der Produktion an und demotivieren überdies sehr stark die MitarbeiterInnen. Leider reflektieren blinde Aktionisten selten über ihr Tun, im schlimmsten Fall rechtfertigen sie es ideologisch.

Hierfür liefert die Geschichte einige wirklich entsetzliche Beispiele wie etwa den „Großen Sprung nach vorn“ und die „Kulturrevolution“ in der Volksrepublik China ab Ende der 1950er-Jahre. Damals befahl der „Große Vorsitzende“ (Partei- und Staatschef) Mao Tse-tung zunächst eine Industrialisierung mit der Brechstange, die zur Aufgabe von bewährten landwirtschaftlichen Strukturen führte und dadurch eine Hungersnot auslöste. Während der anschließenden Kulturrevolution wurden vermeintliche Abweichler ausgemerzt. Beides zusammen führte wahrscheinlich zu rund 50 Millionen Toten.

Wie kommt es in modernen Wirtschaftsunternehmen zu blindem Aktionismus?

Man geht davon aus, dass eine zu große Machtfülle von Managern zunächst deren Betriebsblindheit fördert und in Stresssituationen dann auch blinden Aktionismus auslöst. Wahrscheinlich liegt das daran, dass diese Manager selbst nicht mehr genau wissen, warum sie so viel Macht besitzen und so hohe Bezüge erhalten. Beides erscheint ihnen oft wie ein unverdientes Glück, das sie aber um keinen Preis missen möchten. Wenn es gefährdet wird, geraten sie unter einen unerhörten Druck – und bekämpfen ihn mit blindem Aktionismus. Nicht selten leiten sie damit ihren Karriereknick ein.

Was sind Superforecaster? Was ist Superforecasting? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Superforecaster“ sind gewöhnliche Menschen, die besonders gute Vorhersagen und Prognosen treffen können.

Die Idee hinter Superforecasting ist, dass manche Menschen Vorhersagen besser beherrschen – sogar bessere Prognosen abgeben, als Experten auf ihrem gewählten Gebiet. Superforecaster können also Personen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens sein. Bei den Prognosen ist es egal, ob es um Markt-, Börsen-, Wetter- oder Aktienprognosen handelt.

Wie funktioniert Superforecasting? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der amerikanische Psychologe Philip Tetlock hat das Good Judgement Project im Rahmen eines Wettbewerbs der US-Regierung entwickelt, um bessere Vorhersage- / Prognosemöglichkeiten zu finden.

Er betrachtete Tausende von Vorhersagen von Experten und stellte fest, dass sie nicht besser waren, als wenn sie zufällige Ergebnisse ausgewählt hätten. Er bat daraufhin Tausende von Menschen, Zahlen für die Chancen einer Reihe von Ereignissen zu ermitteln, beispielsweise für einen Atomtest Nordkoreas in den nächsten drei Monaten. Einige Monate später wählte er den erfolgreichsten der Prognostiker oder auch „Forecaster“ aus und stellte in späteren Übungen fest, dass die Person weiterhin bessere Vorhersagen machte als diejenigen der Geheimdienste, die Zugang zu geheimen Informationen hatten.

Was ist das Geheimnis beim Superforecasting? Erklärung

Superforecaster berechnen die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert und passen diese dann an, wenn sich die Umstände ändern. Als einer von ihnen die Chancen untersuchte, dass Nordkorea einen Atomtest durchführt, war der Ausgangspunkt, dass das Land im Durchschnitt alle 30 Monate Tests durchgeführt hatte – was darauf hindeutet, dass in den nächsten drei Monaten ein Test mit 10 Prozent Wahrscheinlichkeit stattfinden würde. Diese Zahl wurde dann auf 20 Prozent verdoppelt, weil Nordkorea mit der Durchführung von Tests gedroht hatte.

Superforecaster sollen besonders gut darin sein, ihre persönlichen Meinungen aus den Berechnungen herauszuhalten, sie handeln also nicht emotional. Der andere wichtige Teil der Methode besteht darin, die von einer Reihe von Superforecastern geschätzten Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und zu mitteln, um ein Endergebnis zu erhalten.

Ist Superforecasting sicher und erfolgreich?

Beispiel Brexit und die Wahl von Donald Trump

Superforecasters haben den Brexit nicht genau vorhergesagt und die Wahrscheinlichkeit auf 23% geschätzt. Ihre vorhergesagte Zahl war einige Monate zuvor höher gewesen, aber sie hatten die Wahrscheinlichkeit nach unten korrigiert.

Die Superforecaster haben jedoch offenbar gemeinsam den Erfolg von Donald Trump bei den Vorwahlen im Jahr 2016 vorhergesagt. Die Erfolge anderer Anwendungen der Superforecasting sind schwerer zu erkennen.

Die Idee könnte in Bereichen von Finanzen bis zu Wohltätigkeitsorganisationen nützlich sein, die herausfinden wollen, wie sie z.B. Gelder oder Hilfen verteilen sollen. Experten meinen, dass Superforecasting nicht mit einem bestimmten politischen Standpunkt verbunden sein sollte, da die Regierungen dann zu abhängig von diesen Vorhersagen oder Prognosen abhängig werden.

Fähigkeiten von Superforecastern

Ein Superforecaster hat vier Schlüsseleigenschaften:

  • Ein Superforecaster ist intelligent, aber kein Genie.
  • Ein Superforecaster ist ein Rätsellöser und denkt analytisch.
  • Ein Superforecaster geht mit Ideen pragmatisch um.
  • Ein Superforecaster ist bereit seine Meinung zu ändern, wenn sich die Informationslage ändert.

Diese Merkmale beschreiben einen Analysten teilweise, aber was noch wichtiger ist, sie helfen dabei, einen Analysten von einem Journalisten zu unterscheiden. Zusätzlich zu den allgemeinen Merkmalen eines Superforecasters helfen drei weitere Fähigkeiten:

  • Langjährige und detaillierte Kenntnisse einiger Branchen.
  • Kontakte zu anderen Unternehmen in der jeweiligen Branche, um wichtige Trends zu verstehen, sodass nicht nur eine Punktprognose erstellt wird (z. B. werden die Ölpreise in drei Monaten höher sein), sondern auch strukturelle Veränderungen vorhersagt werden können.
  • Kommunikationsfähigkeiten, um Ideen mitzuteilen.
Was ist der Akzelerationismus (Accelerationism)? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff Akzelerationismus bezieht sich auf Eigenschaften des wirtschaftlichen Kapitalismus. Er leitet sich vom englischen Wort «acceleration» ab, das „Beschleunigung“ bedeutet.

Was ist der Akzelerationismus (Accelerationism)? Bedeutung, Definition, Erklärung

Akzelerationismus soll ausdrücken, dass der Kapitalismus ein eigenständig ablaufender Prozess ist, der sich unaufhörlich aus sich selbst heraus beschleunigt. Einerseits breitet er sich geografisch als globalisierter Kapitalismus aus. Andererseits erfasst er alle menschlichen Lebensbereiche.

Das heißt: Er bleibt nicht allein auf die wirtschaftliche Sphäre begrenzt. Mit der Zeit vereinnahmt er ebenso die sozialen, kulturellen, politischen und technologischen Entwicklungen der Menschheit.

Oft wird der Akzelerationismus für eine eigenständige politische, philosophische oder sozialwirtschaftliche Theorie gehalten. Doch das ist nicht ganz zutreffend. Die Bedeutung des Begriffes lässt sich am besten erfassen, wenn man ihn als Beschreibung auffasst, welche strukturelle Macht der Kapitalismus hat. Aus dieser Verständnisweise ergeben sich viele Fragen. Die wichtigste lautet: Wird der Kapitalismus langfristig die sozialen und humanitären Eigenschaften der menschlichen Gesellschaften zerstören? Oder lässt sich das verhindern? Wenn ja: Wie?

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Akzelerationismus findet vor allem in Philosophie, Ökonomie, Kultur-, Medien- und Sozialwissenschaften statt. Politisch hat er Einfluss auf linke und extrem rechte Strömungen.

Zu den wichtigsten Denkern des Akzelerationismus zählen u.a. Nick Land, Nick Srnicek, Alex William, Armen Avanessian und Patricia MacCormack.

Geschichte und Ursprung: Wie ist der Akzelerationismus entstanden?

Die Entstehung des Begriffs Akzelerationismus und die daran geknüpften Auseinandersetzungen beginnen ab dem Jahr 1995. Zu diesem Zeitpunkt gründete sich in Großbritannien an der Universität von Warwick eine kulturwissenschaftliche Forschungsgruppe mit dem Namen Cybernetic Culture Research Unit (Ccru) unter der Leitung von Sadie Plant. Als Plant 1997 ihre wissenschaftliche Anstellung aufgab, übernahm ihr Kollege Nick Land die Leitung dieser nun inoffiziell bestehenden Forschungseinheit. Sie löste sich 2003 endgültig auf.

Nick Land wurde zu einer treibenden Kraft bei der Herausbildung des Akzelerationismus, indem er sich dabei auf Karl Marx, den Poststrukturalisten Gille Deleuze und den Philosophen Jean Baudrillar bezog, aber auch Einflüsse aus der Kybernetik, dem Rave und dem Okkultismus als methodische Elemente in die Forschungsgruppe einfließen ließ. Auf Nick Land beziehen sich vor allem die politisch rechten Fundamentalisten im Zusammenhang mit dem Akzelerationismus. Nick Land veröffentlichte unter anderem 2017 seine akzelerationalistische Schrift: „A quick and dirty Introduction to Accelerationism.“

Die in politisch linken Kreisen einflussreiche Strömung des Akzelerationismus stammt ebenfalls aus Großbritannien – und zwar aus London. Hier promovierte der Kanadier Nick Srnicek 2013 an der London School of Economics. Im gleichen Jahr veröffentlichte er zusammen mit Alex William das „Beschleunigungsmanifest für eine akzerlerationistische Politik“. Die Thesen in diesem Manifest werden heutzutage oft für die eigentliche Theorie und Praxis des Akzelerationismus gehalten.

Das akzelerationistische Beschleunigungsmanifest von Srnicek und William

Inhaltlich richtet sich das „Beschleunigungsmanifest für eine akzelerationistische Politik“ von Nick Srnicek und Alex William gegen eine neoliberale Wirtschaftspolitik und prangert die Finanzmärkte, aber auch die Umweltzerstörungen in Bezug auf das Weltklima an. Um den zerstörerischen Kräften des Kapitalismus entgegenzusteuern, seien mehrere Vorgehensweisen zu wählen.

Zunächst einmal müsse jeder Einzelne die unabwendbare Beschleunigung des kapitalistischen Prozesses akzeptieren. Alle Tendenzen nach Entschleunigung des Lebensstils oder Sehnsucht nach einer Arbeitswelt ohne Entfremdungserlebnisse seien letztlich sentimental. Es handele sich dabei um eine rückwärtsgewandte Sicht, die in keiner Form den kapitalistischen Prozess aufhalten dürfte.

In ähnlicher Weise gelte das auch für Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Institutionen, die Interessen der Arbeitnehmer vertreten. Sie würden macht- und wirkungslos bleiben, solange sie ideologisch an den Konzepten des 20. Jahrhunderts festhalten. Methoden wie Streik, Demonstrationen und Proteste könnten keine langfristig einflussreichen Veränderungen erzielen.

Eine neue akzelerationistische Politik könne sich nur etablieren, wenn methodisch die Vorgehensweise der neoliberalen Kräfte nach dem 2. Weltkrieg übernommen würde.

Hier beziehen sich Srnicek und William auf die Mont-Pelerin-Gesellschaft, die es geschafft hat, ein Netzwerk aus Politik und einflussreichen Institutionen zu schaffen, um die neoliberalen Ziele in der Gesellschaft zu verbreiten. Nach diesem Vorbild müsste auch die moderne akzelerationistische Politik vorgehen.

Zitat: „Die meisten globalen Plattformen sind auf kapitalistische Sozialbeziehungen zugeschnitten, aber das ist keine unvermeidliche Notwendigkeit. Die materiellen Plattformen von Produktion, Finanzwesen, Logistik und Konsum können und müssen zu postkapitalistischen Zwecken neu programmiert und umformatiert werden.“

Srnicek und William glauben daran, dass Digitalisierung, Technologie und Finanzwelt Hand in Hand damit gehen können, die sich ebenfalls stets beschleunigenden sozialen Errungenschaften der menschlichen Kultur zu bewahren und zu erhalten.

Bedeutung: Akzelerationismus bei Nick Land und die politisch rechten Strömungen

Nick Land vertritt eine andere Position als Nick Srnicek und Alex William. Er setzt voraus, dass der Mensch mit seinen sozialen und humanitären Bestrebungen ein Hemmschuh für den Kapitalismus ist. Er widerspricht deshalb der marxistischen Theorie, dass am Ende des kapitalistischen Prozesses diese Wirtschaftsform in eine Selbstzerstörung hinein driften wird. Ganz im Gegenteil wird der Kapitalismus seiner Ansicht nach die Menschheit selbst aus seinen Prozessen aussortieren. Künstliche Intelligenz und technische Maschinen könnten ohne menschliche Beteiligung die kapitalistische Produktion aufrecht erhalten.

Diese negative Sicht zieht radikale Vertreter rechter Politik an – Neonazis, Rassisten, rechte Extremisten. Sie schlussfolgern im Wesentlichen, dass die kapitalistischen Errungenschaften in Finanzwelt, Technik und Digitalisierung ein Beweis für eine angebliche „Höherentwicklung“ der sogenannten „weißen Rasse“ seien. Diese Sicht und die zerstörerische Gewalt des Kapitalismus legitimierten dann letztendlich scheinbar die Tötung von Menschen.

Ein Beispiel für diese gewaltbereite Auslegung des Akzelerationismus ist Brenton Harrison Tarrant – der Attentäter von Christchurch. Bevor er 2019 in der neuseeländischen Moschee 51 Menschen beim Gebet erschoss, veröffentlichte er ein eigenes Manifest mit dem Titel: „Destabilization and Accelerationism: tactics“. Im Jahr 2019 erfolgten noch weitere terroristische Attentate, die auf eine gewaltbereite Auslegung des Akzelerationismus zurückgehen. Dazu gehören beispielsweise die Erschießung von 23 Menschen in einem Walmart-Supermarkt in Texas oder die Schüsse in einer kalifornischen Synagoge.

Aus diesen Gründen ist der Akzelerationismus ein Begriff, der in unterschiedlichen politischen Bewegungen eine produktive oder auch sehr gefährliche Rolle spielt.

Die beiden wichtigsten Manifeste des Akzelerationismus sind:

  • Nick Srnicek und Alex William: „Beschleunigungsmanifest für eine akzelerationistische Politik“ aus dem Jahr 2013.
  • Nick Land: „A quick and dirty introduction to Accelerationism“ aus dem Jahr 2017.
Was ist ein Demiboy? Was ist ein Demigirl? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist ein Demiboy? Bedeutung, Definition, Erklärung

Wer sich selbst als Demiboy bezeichnet, fühlt sich zumindest halb oder zum überwiegenden Teil als Mann. In der Regel sind Demiboys mit männlichen Geschlechtsteilen und mit einem männlichen Körper geboren.

Was ist ein Demigirl? Bedeutung, Definition, Erklärung

Dasselbe gilt für Demigirls. Sie fühlen und erkennen sich selbst als weiblich – jedoch nicht zu einhundert Prozent. „Demigirls“ sind in der Regel mit weiblichen Geschlechtsteilen in einem weiblichen Körper geboren.

Auf Deutsch heißen die Begriffe Demimann und Demifrau. „Demi“ ist eine griechische Vorsilbe für „halb“.

Was bedeutet „Demigender“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Im Alltag bedeutet das, dass sich Demigender-Menschen nicht mehr voll mit den alten Geschlechterbildern identifizieren können. So kann ein Demimann (Demiboy) trotz männlicher Erscheinung, Hobbys und weiblicher Partnerin plötzlich Lust bekommen, Lippenstift auszuprobieren.
Eine Demifrau (Demigirl) dagegen kann ein äußerst feminines Erscheinungsbild haben und einzelne sehr männliche Verhaltensweisen zeigen.

Demiboy, Demigirl: Die neuen Geschlechter / Gender

Seit etwa einem Jahrzehnt nehmen die neuen Geschlechter rasant zu. Erst waren es schwule, lesbische und Trans-Menschen, die in die Gesellschaft integriert wurden (und werden). Nun kommen neue Geschlechteridentitäten hinzu. Es scheint eine weltweite Entwicklung im Gange zu sein, in deren Zug die alten Geschlechterstigmata zunehmend Auflösung finden.

Insgesamt ist diese Entwicklung begrüßenswert, da sie das endgültige Ende des seit Jahrhunderten tobenden Geschlechterkampfes bedeuten könnte. Denn starre Einteilungen in „Mann“ und „Frau“ haben in der Vergangenheit zur Ausgrenzung und Abwertung von Menschen geführt, die eben nicht diesen Einteilungen entsprachen.

Wie sich Menschen identifizieren:

Menschen identifizieren sich, die eigene Persönlichkeit oder den Körper über Wahrnehmungsmuster. Das sind psychologische Effekte, die innerhalb der menschlichen Existenz normal sind. Die großen Psychotherapeuten Sigmund Freund und C.G. Jung nannten solche Muster auch Archetypen oder kollektive Identifikationsmuster.

Die Sichtweise, was und wie ein Mann oder eine Frau ist, kann über Jahrhunderte weitergegeben werden, ohne dass dies einer tatsächlichen „Wahrheit“ entsprechen würde. Viel mehr ist es ein Muster, das nach Belieben verändert werden kann, wenn die Menschen ihm nicht mehr folgen.

So haben sich beispielsweise geschlechtsbezogene Muster etabliert, die der freien Entfaltung des Menschen heute im Wege stehen (Frauen sind schwach, Männer weinen nicht usw.).

Bei den neuen Geschlechtern geht die Identifikations-Variation noch viel weiter. Sie können in manchen Spielarten selbst das biologische Geschlecht nicht mehr eindeutig wahrnehmen und zuordnen. Das muss aber nicht zwangsläufig die Ablehnung der Geschlechtlichkeit (bzw. der Geschlechtsorgane) bedeuten. Vielmehr werden alte psychologische Bewertungsmuster nicht mehr unterstützt.

Nonbinärer Genderidentitäten: Demiboy, Demigirl: Bedeutung, Definition, Erklärung

Die derzeit neu entstehenden Geschlechteridentitäten fasst man als „nicht-binär“ (Non-binary) zusammen. Das bedeutet, dass sich Angehörige nicht eindeutig als Mann oder Frau verstehen.

Ganz ähnliche Begriffe sind Transgender und Queergender.

Transgender bezeichnet in der Regel Menschen, die sich nicht dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht eindeutig zugehörig fühlen (können sich in der Folge aber als Mann oder Frau wahrnehmen „Trans-Menschen“).

Queergender sind Menschengruppen, die sich keiner Gruppe wirklich zuordnen wollen. Menschen, die eine Mischung aus mehreren der neuen Geschlechter verkörpern, bezeichnen sich ebenfalls bevorzugt als Queergender.

Im Vergleich zu anderen neuen Geschlechtsmodellen fühlen sich Demiboys und Demigirls überwiegend männlich beziehungsweise weiblich.

Weitere Ausprägungen der neuen Geschlechter sind:

Bigender – beidgeschlechtlich

In diese Gruppe fallen die bisexuellen Menschen. Sie fühlen sich in der Regel ihrem Geburtsgeschlecht weitestgehend zugehörig. Als Sexual- und Lebenspartner lieben sie Männer als auch Frauen.

Trigender – dreigeschlechtlich

Trigender sehen sich selbst als Mann, als Frau sowie als drittes Geschlecht. Sie lehnen keine der drei Möglichkeiten ab und verkörpern alle in einer Person.

Pangender – allgeschlechtlich

Pansexuelle Menschen definieren sich als Lebewesen außerhalb jeglicher Geschlechterrollen. Sie sehen sich als Menschen, ohne das Bedürfnis eine Geschlechterzugehörigkeit zu definieren. Pansexuelle Frauen lieben Männer als auch Frauen sowie alle Arten der nonbinären Geschlechtlichkeit. Für Pansexuelle steht der Mensch im Vordergrund und so prägten sie auch den heute schon recht verbreiteten Begriff „Lieblingsmensch“ für den Partner.

Genderfluid – fließendes Geschlecht

Diese Menschen bewegen sich fließend zwischen den Geschlechterrollen hin und her. Sie können sich als bigender, trigender, pansexuell, männlich, weiblich usw. wahrnehmen. Sie haben keine Probleme mit den Geschlechterdefinitionen und leben flexibel die bevorzugten Stile aus.

Agender bzw. genderneutral – ungeschlechtlich

Die ungeschlechtlichen Menschen empfinden sich innerlich keinem Geschlecht zugehörig. Im Gegensatz zu den Pangendern, die geschlechterübergreifend agieren, empfinden sich Agender geschlechtsleer.

Das dritte Geschlecht ist offiziell

Auf die enorme Welle der neuen Geschlechtsidentifikation musste schließlich auch die Staatsgewalt reagieren. Seit Ende 2018 gibt es im deutschen Recht das dritte Geschlecht. Abgekürzt wird es mit „divers“.

Eltern und erwachsene Menschen haben nun die Möglichkeit sich offiziell als „weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig“ registrieren zu lassen. Das bedeutet, dass das Geschlecht in der Geburtsurkunde standesamtlich auch später noch geändert werden kann.

Siehe auch: Was bedeutet „m/w/d“ in Stellenanzeigen?

Wie lautet die richtige Ansprache für einen Angehörigen des dritten Geschlechts?

Momentan wird das dritte Geschlecht offiziell noch mit dem augenscheinlichen Geschlecht angesprochen. Eine dritte Höflichkeitsformel gibt es derzeit nicht.

Der deutsche Rat für Rechtschreibung ist allerdings schon mit dem Auffinden einer solchen geschlechtsneutralen oder geschlechterübergreifenden Anrede beauftragt.
Momentan beobachten die Hüter und Erschaffer unserer Sprache die weitere Entwicklung.

Von offizieller Seite wird empfohlen, im Zweifelsfall einfach nachzufragen: „Wie darf ich Sie denn Ansprechen?“, wäre die geschickte Lösung beim Zusammentreffen mit einem Angehörigen der nonbinären Geschlechter.

Im Falle der Demiboys und Demigirls dürfte die Ansprache mit Herr und Frau kein Problem darstellen. Wie bereits erwähnt, fühlen sich beide größtenteils dem körperlichen Geschlecht zugehörig.

Was ist ein Flickenteppich? Bedeutung, Definition, Erklärung


Flickenteppiche unterscheiden sich von wertvolleren Teppichen durch ihre billigere und inkonstante Form. Sie bestehen aus einer Vielzahl von Versatzstücken, die zusammengenäht wurden.

Was ist ein Flickenteppich? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Flickenteppich steht auch als Synonym, wenn man einen uneinheitlichen Zustand beschreibt. So gelten in den Ländern unterschiedliche rechtliche Regelungen. Diese können sich auf die Corona-Krise und den Datenschutz beziehen.

Außerdem kann es sich im übertragenen Sinn um einen solchen Teppich handeln, wenn es im Gesamtbild unterschiedliche Lücken gibt, die entweder bewusst oder unabsichtlich geduldet werden. In den meisten Fällen deuten sie auf Nachteile hin, die auszugleichen und nicht zu tolerieren sind. Hier von ist die Einführung der flächendeckenden E-Mobilität betroffen. Auch das lückenhafte Lernen für Prüfungen kann man als Flickenteppich bezeichnen. Man umschreibt auf diese Weise ferner die noch ausstehende Erkundung eines Landes oder Kontinents.

Die DSGVO beendete den Flickenteppich im europäischen Datenschutz
Jede natürliche Person hat das Recht auf den Schutz ihrer persönlichen Daten. Bis Mai 2018 galten in den Ländern der Europäischen Union jeweils unterschiedliche Gesetze und Verordnungen, die vereinheitlicht werden mussten. Diesen Normungen tragt die europäische Datenschutzgrundverordnung Rechnung, die bis zum Stichtag in das nationale Recht jedes EU-Staates integriert wurde. Die DSGVO wird dann durch das betreffende nationale Datenschutzgesetz flankiert.

Die neue Verordnung sieht bei Verstößen hohe Strafen vor, die europaweit einheitlich sind und von den betreffenden Staaten durchgesetzt werden können. Eine Beschwerde erfolgt entweder durch eine Behörde oder einen Beschwerdeführer. Die Entscheidungen werden bundes- und europaeinheitlich gefällt. Außerdem müssen Unternehmen heute unter bestimmten Voraussetzungen einen Datenschutzbeauftragten benennen.

Dabei kann es sich aus praktischen Erwägungen heraus um einen externen Berater handeln, der gleichzeitig mehrere Unternehmen oder Behörden betreut. Seine umfassenden Fachkenntnisse und Erfahrungen kommen so allen Auftraggebern zugute.

Der Flickenteppich in der Geschichte der U.S.A.

Auch aus der Geschichte sind Flickenteppiche hinreichend bekannt. Ein gutes Beispiel bieten die U.S.A.

Als Columbus und die ihm folgenden Entdecker auf den Inseln in der Karibik und auf dem nordamerikanischen Festland landeten, erkundeten sie nur die von ihnen errichteten Kolonien an der Ostküste. Die Spanier drangen zwar über Südamerika bis ins heutige New Mexiko und Kalifornien vor. Die dazwischenliegenden Gebiete bildeten jedoch einen Flickenteppich. Mit jeder erfolgreichen Expedition ins Landesinnere und der damit verbundenen Vermessung wurden weitere Abschnitte dieses Teppichs zu bekannten Territorien. Um 1700 waren so noch viele Gebiete im Landesinneren unbekannt. Gegen 1900 gab es auf der Landkarte der Vereinigten Staaten von Amerika keine unbekannten Stellen mehr.

Siehe auch: Was bedeutet „E Pluribus Unum“?

Beseitigung des Flickenteppichs bei Einführung neuer Technologien

Innovationen sind die Motoren einer florierenden Wirtschaft. Neue Techniken, die sich auch schonend auf die Umwelt auswirken könnten, betreffen beispielsweise den vermehrten Einsatz von E-Fahrzeugen. Viele Menschen überlegen sich diese Anschaffungen. Es gibt jedoch mehrere Haken. Herkömmliche Fahrzeuge können an allen Tankstellen weltweit mit Treibstoff versorgt werden. Das E-Auto wird hingegen mit elektrischem Strom betrieben, der aus einem internen Akku stammt. Um diesen Akku aufzuladen, muss der Halter eine Ladestation anfahren. Für eine Strecke von mehreren Hundert oder tausend Kilometern benötigt er jedoch mehrere Lademöglichkeiten, da der Akku sich im Laufe der Fahrt entleert. Außerdem reicht der geladene Strom nur für eine bestimmte und begrenzte Strecke.
Der Nutzer muss sich darauf verlassen können, dass er sein Fahrzeug flächendeckend aufladen kann. Da nicht jedes Gebiet mit einer ausreichenden Anzahl von Stationen ausgestattet wird, gibt es hier heute meistens noch einen Flickenteppich.

Wie Flickenteppiche Karriere be- und verhindern können?

Jeder Mensch lernt für sein Leben. Dazu besucht er die Schule, die Berufsschulen oder die Universität. Er kann auch während seiner praktischen Ausbildung und in der beruflichen Praxis diesen Lernprozess fortsetzen. Es gibt jedoch ein wesentliches Problem. Ein Sprichwort besagt: “Nichts ist gefährlicher als ein Halbwissen!“

Bei der Vermittlung und Aufnahme des Stoffes muss der Lernende alle wesentlichen Einzelheiten erfassen und abwägen. Gegebenenfalls greift er zeitnah auf Materialien und Quellen zurück, die sich im Rahmen des sich stetig erweiternden Informationsflusses schnell ändern können.

Eine Studentin oder ein Student besucht die Vorlesungen im Fachbereich Steuern. Der Professor oder Privatdozent vermittelt während der Veranstaltungen die grundliegenden Kenntnisse im Einkommens-, Körperschafts- und Umsatzsteuerrecht. Hierzu gibt er ausführliche Quellen bekannt, mit denen sich die Zuhörer während ihrer Vorbereitungen beschäftigen sollten. Sonst haben sie keine Chance, eine gute bis sehr gute Prüfung zu schreiben. Ohne diese Ergebnisse können sie auch keine adäquate Stelle nach ihrer Ausbildung wahrnehmen.

Der Student lässt es leider bei seinen Vorbereitungen auf einen Flickenteppich ankommen. Er lernt nur die Fakten, die sich mit der Einkommensteuer befassen und ignoriert einige vom Professor vorgeschlagene Quellen. Während der Prüfung werden jedoch auch Kenntnisse im Körperschafts- und Umsatzsteuerrecht benötigt, die der Student nicht kennt. Da der Kandidat die Verbindung zwischen den Aufgabenstellungen und den benötigten Rechtsquellen und Paragraphen nicht herstellen kann, erreicht er nicht die für eine gute Note erforderliche Punktzahl. Seine nur befriedigenden Leistungen schränken im Anschluss die Berufswahl und Verdienstmöglichkeiten ein.

Flickenteppiche erschweren einheitliche gesundheitspolitische Regelungen

Es erinnert an die Kleinstaatlichkeit, die in Deutschland im 19. Jahrhundert üblich war. Damals hatten beispielsweise Baden, Bayern und Preußen ihr eigenes Herrschaftssystem. Einen Staat wie die Bundesrepublik gab es noch nicht. Doch auch die Bundesrepublik besteht aus mehreren Bundesländern, die beispielsweise im Gesundheitswesen eigene Entscheidungen treffen können. Bei problematischen Entscheidungen haben die Ministerpräsidenten der Länder im Bundesrat das letzte Wort, sofern sie nicht an die Anweisungen der Bundeskanzlerin in Berlin gebunden sind.

Seit einem dreiviertel Jahr beherrscht der Corona-Virus fast alle Staaten der Erde. Jeder Staat von ihnen trifft geeignete Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus über die Landesgrenzen zu verhindern. Dazu zählen die Quarantäne, das Verbot von Versammlungen und die Maskenpflicht.

Während in einigen Bundesländern beispielsweise ganze Städte unter Quarantäne gestellt und Ausgangssperren verhängt werden, handhaben einige Länder diese Vorschriften in Abhängigkeit zu den Möglichkeiten härter oder lockerer. Diese unterschiedlichen Optionen deuten auf einen Fleckenteppich hin, bei dem jedes Bundesland im Rahmen seines Handlungsspielraumes andere gesundheitspolitische Entscheidungen trifft.

Weitere Bedeutung: Teppich, Flickenteppich

Der Teppich ist eine Textilie, die in erster Linie für die Bedeckung eines Bodens oder einer Wand eingesetzt wird. Im späten Mittelalter dienten sie zur Darstellung von geschichtlichen Abläufen. So fasst der Wandteppich von Bayeux die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer 1066 zusammen. Später dienten sie in erster Linie zur Schonung von Parkettböden oder Verschönerung von Innenräumen. Im Orient hängen sie hingegen auch oft an den Wänden, um das Ambiente des Wohnraumes zu betonen.

Was ist eine Bompel (Bodenampel)? Bedeutung, Definition, Erklärung


Eine Bompel ist eine Ampel, die im Boden angebracht wurde. Sie wurde für Smartphone- und Handynutzer angebracht, damit diese bei der Nutzung ihrer Geräte auf Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden.

Was ist eine Bompel (Bodenampel)? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Gedanke hinter der Bompel ist folgender: Wo gucken Smartphonenutzer beim Nutzen ihres Gerätes hin? Sie gucken nach unten. Gewöhnliche Ampeln sind nicht am Boden angebracht, sondern „oben“ an Masten und Pfählen. Die Folge ist: Smartphonenutzer sehen Ampelsignale nicht und werden damit zur Gefahr für den Straßenverkehr und für sich selbst. Die Lösung: Also muss die Ampel „unten“ sein, damit sie gesehen wird.

Die Bompel leuchtet nicht nur rot, gelb oder grün. Sie kann auch weiß (oder in anderen Farben) blinken. Dies erregt die Aufmerksamkeit von Menschen, die in Smartphone vertieft sind. (Sogenannte „Smombies„!)

Bompel ist die Abkürzung für Bodenampel.

Bedeutung, Definition, Erklärung der Bompel (Bodenampel)

Im Jahr 2016 wurde ein Pilotprojekt gestartet, um v. a. Handynutzer zusätzlich mit Leuchten auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Man hörte man zum ersten Mal das Wort Bompel. Es ist eine Zusammensetzung aus Boden und Ampel. Hierunter muss man sich in den Boden eingesetzte Leuchten vorstellen, die Passanten bei gefährlichen Übergängen zusätzlich zu einer normalen, bereits vorhandenen Lichtzeichenanlage vor einer Gefährdung warnen, z. B. bei der Überquerung von Tramgleisen. In den Straßenbelag vor einem möglichen Gefahrenpunkt eingelassene LED-Leuchten oder Leuchtstreifen geben durch Blinken ein optisches Signal, wenn eine vermeintliche Gefahr bevorsteht.

Da viele Handynutzer auch während des Gehens und auch beim Radfahren in ihr Smartphone vertieft sind und nach unten blicken, war die Idee, sie durch die Bompeln mit einem extra Warnsignal neben bereits vorhandenen Piktogrammen oder Markierungen zur Vorsicht zu ermahnen. Unfälle sollten mit diesem zusätzlichen Warnelement auf dem Boden durch blinkende Signale direkt in Richtung des nach unten sehenden Handynutzers verhindert werden. Die Idee dahinter klingt plausibel. So ein in das Handy versunkener Mitbürger soll mit dem ihn anstrahlenden Licht ein nahendes Unglück leichter erkennen und seine Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Dinge in der aktuellen Situation richten können.

Wie Statistiken zeigten, blickt nahezu jeder fünfte Handynutzer während des Gehens auf sein Handy. Besonders aufs Handy glotzende Radfahrer bilden eine enorme Gefahr für den Straßenverkehr. Die Gefahren, die hiervon ausgehen, liegen auf der Hand. So ist die gute Absicht der Installation von Bompeln sicherlich zu befürworten.

Durch diese Maßnahmen kann das gedankenverlorene Verhalten einiger uneinsichtiger und unvorsichtiger Handynutzer vielleicht auch andere Passanten schützen. Man denke nur an eine plötzlich abbremsende Straßenbahn.

Die Stadt Augsburg war hier Vorreiter und hat an einigen markanten Stellen Bompeln angebracht. Einige andere Städte folgten, aber der erwünschte Effekt des Projektes bzgl. Abschreckung oder Wirksamkeit der Bompeln hielt sich in Grenzen. Die Absicht der Bompeln ist nachvollziehbar, aber das „Volk“ muss da mitziehen und durch Einsicht und entsprechendes Verhalten so für den Erfolg sorgen. Das hat sich leider nicht so herausgestellt, wenngleich in einigen Städten bei Verkehrssituationen mit hohem Gefährdungspotenzial die Anzahl der gravierenden Unfälle zurückgegangen ist.

Akzeptanz der Bompel

Es zeigte sich im Laufe der Zeit, dass die Handynutzer sich davon nicht unbedingt beeindrucken ließen. Sie richteten nach wie vor ihre Konzentration auch beim Passieren eines Gefahrenbereichs, wie z. B. das Überqueren von Straßenbahnschienen oder bei Kreuzungen eher auf das Smartphone, als auf den umgebenden Verkehr zu achten. Die ursprünglich geplante Risikominimierung fand quasi nicht statt.

Da die Wirksamkeit der Bompeln nicht den gewünschten Effekt brachte, wurde das Projekt in den Städten nach und nach eingestellt oder zumindest keine neuen Aktivitäten in dieser Richtung in Angriff genommen.

Alternativen zur Bompel

Akustische Signale zeigten sich parallel oder nach der Erprobungsphase als effektiver. Auch eine Anpassung von Rot-Zeiten von Ampeln hat ergeben, dass auch der intensiv auf sein Handy blickende Mensch doch ab und zu mal auf die bereits vorhandene Ampel blickt. Eine sehr vielversprechende Alternative wäre eine direkte Mitteilung auf das Handy, wenn man sich einem Gefahrenbereich nähert. Hierdurch bekäme der Handynutzer direkt und im Idealfall augenblicklich auf sein Smartphone einen entsprechenden Hinweis und einem möglichen Unfall könnte so präventiv vorgebeugt werden. Doch das ist aktuell noch Zukunftsmusik.

Was ist Digital Fitness? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als „Digital Fitness“ wird die Fitness und Anpassungsfähigkeit eines Menschen im Bezug auf die technologisch-digitale Entwicklung verstanden.

Ein digital fitter Mensch setzt sich stets mit neuen technologischen Geräten und Anwendungen (Apps) auseinander. Ein digital fitter Mensch will Geräte und Software (App) beherrschen, also richtig benutzen können.

Was ist Digital Fitness? Bedeutung, Definition, Erklärung

Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Neben den hoch qualifizierten Technikern benötigen die Unternehmen jeweils eine auf die digitalen Medien eingeschworene Belegschaft. Sie trägt maßgeblich zum positiven Ergebnis des Auftraggebers bei. Hier muss der einzelne Mitarbeiter sowohl die in der Firma verwendete Hard- als auch Software beherrschen. Außerdem kennt er sich mit den mobilen Geräten und dem Internet aus.

Einige Firmen setzen bereits zahlreiche innovative Digital-Fitness Apps ein. Mit ihnen kann das digitale Lernen auch in der Freizeit erfolgen. Da alle Beteiligten um die große Bedeutung des Themas in Bezug auf ihren Arbeitsplatz wissen, bringen sie sich mit ihren Ideen bei der Verbesserung der Geschäftsprozesse ein. Um so kundennäher die Anwendungen präsentiert werden, desto öfter rufen die Kunden die Website des betreffenden Unternehmens auf, um die angebotenen Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Im Mittelpunkt steht die Lernagilität. Sie beschreibt die Befähigung eines Menschen, sich neuen Verfahren und Techniken zu widmen. Bei diesen Techniken beteiligen sich die Mitarbeiter sowohl an der Neugestaltung der Abläufe als auch an der Planung eigenverantwortlicher Entscheidungen.

Digitale Fitness im individuellen betrieblichen Rahmen

Jedes Unternehmen kann unterschiedliche Geschäftsmodelle und vielfältige innovative Strategien in die betrieblichen Geschäftsabläufe integrieren. Die Geschäftsleitung überlegt zusammen mit den Digitalisierungscoachs und verantwortlichen Leitern, welche Abteilung und Mitarbeiter für eine Schulung infrage kommen.

Dabei kommt es auf zwei Faktoren an. Zum einen geht es um den Grad der digitalen Anpassung, zum anderen um die vorgesehenen Entwicklungsziele. Der gewünschte Lernprozess wird außerdem durch die menschlichen Beziehungen innerhalb der Lerngruppen vervollständigt.

Doch mit welchen Unterlagen erfolgt die digitale Fitness? Neben gedruckten Materialien gehören das E-Learning sowie die Tutorials zu den bevorzugten Optionen.

Die Leistung eines einzelnen Mitarbeiters steigert seine digitale Fitness. Teams arbeiten besonders effektiv, da sich so verschiedene Teilnehmer in ihren Lernbestrebungen sinnvoll ergänzen. Das gilt vor allem für größere Einsatzgebiete, die innerhalb eines Konzerns firmenübergreifend abgearbeitet werden können.

Per Telefon- und Videokonferenzen tauschen die Teammitglieder ihre digitalen Kenntnisse aus. Das Ergebnis lässt sich mit den Digitalisierungslotsen optimieren. In diesem Zusammenhang setzt die Firmenleitung auf spezielle Center und deren Coaches.

Wer führt das digitale Fitnessprogramm durch?

Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter gerne von Spezialisten in der digitalen Fitness schulen. Die Auftragnehmer haben für die Aufgaben spezielle Lotsen arrangiert, die sich auf jeder Ebene des digitalen Fortschritts auskennen.
Doch welche Kenntnisse muss der ideale Kandidat mitbringen?

Grundsätzlich kommt der zukünftige Lotse aus der Praxis, da er schon während seiner Vorbereitung auf die eigenen beruflichen Erfahrungen zurückgreifen kann. So treffen die Mitarbeiter des beauftragenden Unternehmens auf die Experten für digitale Transformationen.

Genauso wichtig ist die richtige Augenhöhe. Wer mit Unternehmern, Vorgesetzten und Mitarbeitern interagiert, muss den richtigen Ton und die angemessenen Worte wählen. So kommt es zum partnerschaftlichen Austausch, der jedem den Spielraum zum aktiven Lernen gibt. Außerdem sollte der Digitalisierungslotse seine Leistungen authentisch vermitteln. Dazu zählt die hundertprozentige Identifikation mit den Zielen des Kunden.

Deshalb ist meistens ein erfolgreich abgeschlossenes Universitäts- oder Fachhochschulstudium mit der passenden beruflichen Praxis der richtige Einstieg.

Neben Informatikern, Psychologen und Betriebswirten können auch andere Fachrichtungen vertreten sein.

Neben den hoch qualifizierten Mitarbeitern verfügt das Center für digitale Fitness über die aktuelle Hard- und Software sowie verschiedene Internetoptionen.

Welche Angebote bieten die Center für digitale Fitness?

Die digitalen Lotsen bieten eine Vielzahl von Veranstaltungen an, die sie mit den Zielen ihre Auftraggeber abstimmen. Den Anfang macht meistens der digitale Führerschein für Digital Basics. Wenn der Vorgesetzte die theoretische und praktische Prüfung erfolgreich bestanden hat, verfügt er über die Grundlagen, die er für die aufbauenden digitalen Tools benötigt. Mit ihnen trainiert der Teilnehmer den aktiven Einsatz, der sich auch auf unternehmensspezifische Kriterien beziehen kann. Der Auftraggeber bespricht im Vorfeld der Übungen mit dem Kursleiter, welche Maßnahmen in welchem Umfang Teil des Trainings werden sollen. Im Anschluss folgen Übungen, die sich auf die Führungsrolle konzentrieren. Nun geht es um das agile Management, das primär bei der Durchführung von Projekten zum Einsatz kommt.

Neben dem digitalen Training können Podcasts eingesetzt werden. In der Wissensbibliothek stehen außerdem zahlreiche aktuelle Informationsdateien und Downloads zum Abruf bereit. Registrierte Teilnehmer müssen sich hierfür nur mit ihrem Kennwort in der Cloud einwählen. Solange der Vertrag mit dem Anbieter läuft, steht der unlimitierte Abruf bereit. Wer an den Stellungnahmen anderer interessiert ist, darf die Blog-Nachrichten lesen und verwerten. Dazu kommen Vorlagen und Checklisten mit nützlichen Tools. Schulungen, die der digitalen Fitness dienen, können auch als Online-Seminare gebucht werden.

Das Phasenmodell für digitale Fitness?

Jedes Unternehmen, das durch das Center für digitale Fitness seine Mitarbeiter auf den nächsten Einsatz vorbereitet, setzt auf das Mehrphasenmodell.

Der Digitalisierungslotse lädt den Auftraggeber und seine Mitarbeiter zu einem interaktiven Workshop ein. Innerhalb dieser Veranstaltung kann sich jeder Beteiligte äußern, seine Wünsche formulieren und Fragen beantworten.

Während der Veranstaltung werden sowohl das Zielbild des Auftrages als auch der zu wählende Fahrplan definiert.

In kleinen Gruppen geht es in die Pilot-Phase. Die ausgewählten Anwender des Auftraggebers testen die Vorschläge, die vom Auftragnehmer zuvor konzipiert werden.

Beim viralen Roll-Out werden die Inhalte des Projektes innerhalb des Unternehmens getestet. Den Vorgang begleiten die Digitalisierungslotsen, die gleichzeitig auf die Sonderwünsche des Kunden eingehen.

Im letzten Schritt folgt die Etablierung, bei der die digitale Transformation im Unternehmen abgeschlossen wird. In dieser Phase werden die Mitarbeiter mit allen digitalen Medien endgültig vertraut gemacht.

Digitale Fitness am Beispiel des Bankwesens

Das Bankwesen gehört zu den ältesten Geschäftszweigen. Im Rahmen der digitalen Revolution entwickeln sich die damit verbundenen Sparten relativ schnell. Das gilt sowohl für den Privat- als auch für den Gewerbekundenmarkt.

Meistens wickeln die Kunden ihre Bankgeschäfte über die digitalen Medien wie den Computer, das Tablet oder Smartphone ab. Dabei sollten sie sich jedoch eine Reihe von wesentlichen Fragen stellen. Dazu kommen FinTechs, die sich parallel zur traditionellen Bank entwickeln. Diese Konkurrenz bietet viele Möglichkeiten an, deren Lösungswege sich über spezielle Apps problemlos regeln lassen.

Aus diesen Gründen werden die Fach- und Vertriebsberater der Kreditinstitute speziell in diesen Teildisziplinen geschult.

Super-Apps im Rahmen der digitalen Fitness

Einen neuen Trend stellen die Super-Apps dar. Sie werden beispielsweise in Asien programmiert und bieten wesentliche Neuerungen. Mit nur einer App lassen sich einheitliche oder vergleichbare Funktionen in Amazon, Facebook oder Whatsapp einheitlich steuern.

Da nicht jeder Anwender sofort alle Funktionen beherrscht, bieten die Spezialisten Kurse an. In diesen werden sowohl private Anwender als auch Unternehmen in der betreffenden Software geschult.

Was bedeutet „Kollateralnutzen“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Unter dem Begriff „Kollateralnutzen“ versteht man eine ungeplante mit positiven Nebeneffekten behaftete Handlung, welche meist auf etwas gänzlich anderes abzielt oder ursprünglich von negativer Natur ist.

Was bedeutet „Kollateralnutzen“? Bedeutung, Definition, Erklärung

In Zeiten in denen das Internet immer stärker ausgebaut wurde und nach und nach weiterverbreitet war, wurde das illegale Herunterladen von Filmen, Softwaren sowie Musik immer beliebter. Dies wurde durch die ersten angebotenen Flatrates noch verstärkt. Der damit verbundene Nutzungsdruck sorgte dafür, dass der Breitbandausbau rasant von statten ging. Folglich würde dies bedeuten, dass das illegale Downloaden von Filmen, Musik sowie Softwaren maßgeblich dazu beigetragen hat, dass wir heute die digitale Infrastruktur haben, die wir kennen.

Dies war jedoch zu keiner Zeit Absicht und nicht geplant. Als „Kollateralnutzen“ wird dieses Phänomen heute bezeichnet. So ruft der Mensch immer wieder durch Zufall positive Nebeneffekte durch sein Handeln hervor. Da es sich hierbei jedoch eher um einen Zufall handelt, war das nicht die erste Intention des Menschen. Oft kommt es vor, dass dem Tun des Menschen ursprünglich eine schädliche oder negative Absicht zu Grunde liegt.

Ein weiteres Beispiel für einen „Kollateralnutzen“ sind die Rodungen von Wäldern. Insbesondere die, welche im Mittelalter stattgefunden haben. Damals rodeten die Menschen die Wälder, damit neue Jagdgebiete für den Adel geschafft werden können. Dieses Vorgehen und dieses Verhalten war schädlicher Natur, denn die Rodung von Wäldern ist nicht besonders umweltfreundlich. Es handelt sich hierbei jedoch um einen „Kollateralnutzen“, denn aufgrund dieses Verhaltens können wir noch heute große Grünanlagen und Grünflächen in der Landschaft bestaunen. Dieser „Kollateralnutzen“ ist beispielsweise auch bei den Naturreservaten rund um Tschernobyl sowie in den demilitarisierten Gebieten zwischen Süd- und Nordkorea zu bestaunen.

Jedoch können nicht nur negative Absichten oder ein schädliches Verhalten, welches zu einem späteren Zeitpunkt etwas Positives zum Vorschein brachte, als „Kollateralnutzen“ bezeichnet werden. Als Gegenbeispiel haben wir das heute bekannte Potenzmittel „Viagra“, welches ursprünglich als Medikament für Herzerkrankungen entwickelt wurde.

Kollateralnutzen: Das Richtige wird oftmals aus den falschen Gründen getan

Ein weiteres aktuelles Beispiel für einen „Kollateralnutzen“ ist der Veganismus-Trend. Heute zu Tage entscheiden sich immer mehr Menschen für eine vegane Ernährung und einen veganen Lebensstil. Viele von ihnen haben sich jedoch im Vorfeld weder intensiv mit den politischen Gründen noch mit den ethnischen Gründen auseinandergesetzt. Oftmals steigen Menschen auf eine vegane Ernährungsweise aufgrund des Life-Styles, des Bedürfnisses sowie des Dranges nach einer kulinarischen Abwechslung oder aber aufgrund von gesundheitlichen Aspekten.

Wenn wir die Gründe, warum sich jemand vegan ernährt, mal außer Acht lassen, können wir trotzdem sagen, dass diese Menschen Tiere schützen. Oftmals ist das gar nicht ihre erste Intention, doch gerade deswegen haben wir auch hier einen „Kollateralnutzen“. So handelt es sich bei dem Wohl sowie dem Schutz der Tiere um einen „Kollateralnutzen“, welcher durch die sogenannten Life-Style-Veganern ausgelöst wird.

Erklärung und Bedeutung: Handelt es sich bei einem „Kollateralnutzen“ um ein Abfallprodukt des Menschen?

Die Begrifflichkeit des „Kollateralnutzens“ sorgt zusätzlich dafür, dass die Perspektive zurecht gerückt wird und man erkennt, dass die meist in höchsten Tönen gelobten vorangegangenen Errungenschaften der Menschheit oftmals nur zufällige Abfallprodukte waren. Häufig waren diese gar nicht gewollt oder erwünscht, doch ihre Entstehung wird schulterzuckend und kommentarlos akzeptiert.

Eine zusätzliche Interpretationsmöglichkeit des „Kollateralnutzens“ ist die des „Glück im Unglück“. Beispielsweise verläuft sich jemand und entdeckt aufgrund des Verlaufens neue Plätze, wie Restaurants, Cafés, kleine Boutiquen oder einen Park. Mit dem Phänomen des „Kollateralnutzens“ sind zudem Unbeabsichtigte Folgen, Spin-Offs sowie Serendipität verwandt.

Was bedeuten die Begriffe „Sinti*zze“ und „Rom*nja“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als Sinti*zze und Rom*nja bezeichnen sich Angehörige einer ethnischen Minderheit. Sie sind besser bekannt als Sinti und Roma. Bei den Endungen handelt es sich um die angehängten weiblichen Formen. Die weibliche Form von Sinti ist, in der Mehrzahl Sintizze, die weibliche Form von Roma in der Mehrzahl Romnja. Häufig wird auch nur der Überbegriff Roma verwendet.

Was bedeuten die Begriffe „Sinti*zze“ und „Rom*nja“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Diese Bezeichnung wurde in den 1970er Jahren von der „International Romani Union“ etabliert. Sie löste im Deutschen den Begriff „Zigeuner“ ab, der als Beleidigung empfunden wurde. Da sich aber ein Teil der Gemeinschaft selbst als Sinti*zze bezeichnet, werden in Deutschland und Österreich Rom*nja und Sinti*zze gemeinsam genannt. Tatsächlich handelt es sich nicht um eine einheitliche Ethnie, sondern um mehrere Gruppen internationaler Herkunft. Aus diesem Grund wird unter den Volksgruppen der Sinti*zze und Rom*nja immer wieder diskutiert, ob diese Überbegriffe überhaupt angebracht sind. Konkret bedeutet das Wort Rom Mann, die Bedeutung und Herkunft des Wortes Sinto ist hingegen nicht so klar. Eine These ist, dass es von der Region Sindh in Indien abgeleitet wurde und somit die Herkunft der Volksgruppe beschreibt.

Herkunft, Geschichte und Kultur: „Sinti*zze“ und „Rom*nja“

Die Vorfahren der heutigen Sinti*zze und Rom*nja kommen aus Indien und Pakistan. Von dort kamen sie zunächst über Armenien, im Mittelalter dann über den Balkan nach Europa. Das haben mehrere Sprachstudien ergeben. Das – häufig romantisierte – Nomadenleben führten diese Volksgruppen nicht freiwillig. Sie waren dazu gezwungen, da sie überall als fremd angesehen und wieder verstrieben wurden. Im späten Mittelalter galten die Sinti*zze in Europa als vogelfrei und mussten deshalb mit den fahrenden Völkern unterwegs sein, da sie kein Haus besitzen durften.

Die schlimmste Verfolgung und Vernichtung erlebten die Sinti*zze und Rom*nja während der Zeit des Nationalsozialismus. Sie wurden deportiert, zu Sklavenarbeit gezwungen und ermordet. Ungefähr 70 Prozent von ihnen überlebten den Nationalsozialismus nicht. Es dauerte lange, bis der Völkermord in Deutschland und Österreich wirklich zur Kenntnis genommen wurde. Das EU-Parlament erklärte den 2. August zum Gedenktag an die Ermordung der Sinti*zze und Rom*nja. In Österreich wird dieser Gedenktag aber immer noch nicht offiziell begangen.

Aufgrund der großräumigen Verteilung der Sinti*zze und Rom*nja gibt es keine einheitliche Kultur. Je nach Aufenthaltsort waren die Volksgruppen anderen kulturellen Einflüssen ausgesetzt. Was alle eint, ist der hohe Stellenwert der Familie. Der bekannteste Ausdruck der Kultur ist die Musik, die ihrerseits wiederum europäische Musiker und Komponisten beeinflusst hat. Aber auch das Erzählen von Geschichten hat lange Tradition bei den Sinti*zze und Rom*nja, die auch eigene Volksmärchen entwickelt haben.

Die aktuelle Situation: „Sinti*zze“ und „Rom*nja“

Obwohl Sinti*zze und Rom*nja in Deutschland und Österreich als Minderheit anerkannt sind, werden sie immer noch mit Diskriminierungen konfrontiert. In den Medien werden Bilder von armen Außenseitern gezeichnet, die in verwahrlostem Zustand leben und zu Kriminalität neigen. Dadurch wird eine Integration in die Gesellschaft schwierig, vielen Sinti*zze und Rom*nja ist es nicht möglich, einen Bildungsabschluss oder einen Arbeitsplatz zu bekommen.

In einigen Ländern Europas ist die Situation noch schwieriger. Sinti*zze und Rom*nja wohnen dort in Ghettos, müssen eigene Schulen besuchen oder gehen gar nicht zur Schule. Die EU forderte bereits 2009 von den Mitgliedsstaaten, die Integration der Sinti*zze und Rom*nja zu verbessern, die Umsetzung geht aber nur langsam voran.

Neben den abwertenden, gibt es auch positive, romantisierende Vorurteile und Klischees, die aber genauso wenig richtig sind, wie die negativen. Sinti*zze und Rom*nja werden auch immer noch als fahrendes Volk gesehen, obwohl nur noch vier Prozent mit Wohnwägen unterwegs sind. All die Klischees, positive wie negative, tragen dazu bei, dass diese Bevölkerungsgruppen nach wie vor von vielen als Außenseiter betrachtet werden.

Ist die Reichskriegsflagge verboten? Verbot, Erklärung

Diskussion über ein deutschlandweites Verbot der Reichskriegsflagge

Ende September 2020 plädiert der Innenminister Seehofer dafür, dass alle Bundesländer ein einheitliches Vorgehen bei einem Verbot der Reichskriegsflagge anstreben sollen. Er möchte, dass das öffentliche Zeigen der Reichskriegsflagge nach Möglichkeit unterbunden wird. Darüber soll auf der Konferenz der Innenminister Dezember 2020 beraten werden. Das zeigt wie komplex die rechtliche Lage im Moment ist.

Was ist die Reichskriegsflagge?

Unter der Reichskriegsflagge versteht man die Flagge des deutschen Militärs von 1871-1945. Im Verlauf dieses Zeitraums wurden zahlreiche verschiedene Varianten verwendet. Im Moment gelten für diese Varianten noch unterschiedliche Rechtslagen, wobei es jeweils nicht um den Besitz, sondern um das öffentliche Vorzeigen geht.

Reichskriegsflagge Verbot: Ursprüngliche und bis jetzt geltende Rechtslage

Grundsätzlich ist das öffentliche Zeigen von Flaggen in der Bundesrepublik auch bei Versammlungen erlaubt. Adler, Wappen oder Hoheitszeichen dürfen allerdings nur von dazu autorisierten Personen geführt werden. Dieser Aspekt wurde in Bezug auf historische Flaggen noch nicht aufgegriffen und wurde noch von keinem Gericht zur Urteilsfindung herangezogen. Staatsflaggen dürfen auch nicht verändert werden. Bisher galt, dass die Reichsfahne grundsätzlich erlaubt war.

Noch 2005 hatte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg das Beschlagnahme der Reichsflagge durch die Behörden für rechtswidrig erklärt. Die Reichskriegsfahne durfte auch gezeigt werden, konnte aber bei Gefährdung der Sicherheit eingezogen werden konnte, sofern es sich um die im Kaiserreich und der Weimarer Republik verwendete Variante handelte. Das Zeigen der Variante, die die Nationalsozialisten verwendeten, stellt einen Straftatbestand dar.

Varianten mit unterschiedlicher rechtlicher Stellung

Die Reichsflagge

Die schwarz-weiß-rote Reichsflagge war die Flagge des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Kaiserreiches. Sie durfte bis jetzt ohne Einschränkungen gezeigt werden. Es kam aber schon zu Beschlagnahmungen und Verurteilungen wegen Störung des öffentlichen Friedens. Allerdings schränkt das Zeigen der Reichsflagge jetzt der Erlass für Bremen ein.

von 1871 bis 1935 verwendete Varianten

Die Reichskriegsflagge trägt ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund in der Mitte mit dem preußischen Adler, der nie durch den deutschen Adler ersetzt wurde. Im linken oberen Quadranten befindet sich die Farben der Reichsflagge und ein Deutsch-Ritter-Kreuz, das auf die Kreuzfahrer zurückgeht, und als sogenanntes Eisernes Kreuz als militärische Auszeichnung Verwendung fand. In der Weimarer Republik wollte man nach dem Ende des Kaiserreichs die Reichskriegsflagge zunächst völlig neu gestalten.

Als Kompromiss an das Militär, dessen Führung die demokratischen Werte der Weimarer Republik nicht immer teilte, wurde sie aber schließlich nur modifiziert. Laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz im Oktober 2018 und Moment noch so auf der offiziellen Seite des Bundesverfassungsschutzes stellt das Zeigen dieser Flagge nicht nur keine Straftat, sondern auch keine Ordnungswidrigkeit dar. Sie kann allerdings nach allgemeinem Polizeirecht sichergestellt werden, wenn sie zum Anlass der Gefährdung der öffentlichen Ordnung wird.

von 1935 bis 1945 verwendete Variante der Reichskriegsflagge

Die Reichskriegsflagge, die die Nationalsozialisten ab 1935 verwendeten, ist grundsätzlich verboten. Der weiße Grund wurde hier durch einen roten ersetzt und in der Mitte befindet sich ein Hakenkreuz. Deshalb stellt ihr öffentliches Zeigen einen Straftatbestand dar und kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Das Symbol des Hakenkreuzes darf nicht öffentlich gezeigt werden.

Geregelt ist das durch § 86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) oder des § 130 StGB (Volksverhetzung). Verboten ist dabei die öffentliche Zurschaustellung bzw. Zeigen, die Herstellung und die Einfuhr aus dem Ausland. Der reine Besitz ist nicht strafbar. Ausgenommen von der Strafbarkeit sind dabei ausnahmsweise anerkennenswerte Ziele, wie z. B. die Darstellung in Unterricht und Lehre. Wobei auch die Ausnahmen kompliziert sind. Die Abbildung des Hakenkreuzes und damit auch der Reichskriegsflagge in dieser Variante ist auf einem Buchumschlag ist bei wissenschaftlichen Büchern z. B. erlaubt, bei Trivialliteratur dagegen verboten.

Ist die Reichskriegsflagge verboten? Auslöser der neuen Rechtslagen

Der aktuelle Anlass für die Neuordnung der gesetzlichen Lage ist das auf Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zahlreiche ausländische und historische deutsche Flaggen gezeigt wurden, Unter den ausländischen waren dabei besonders häufig die türkische, russische und amerikanische zu sehen. Die historischen deutschen Flaggen gingen bis in die Zeit des Deutschen Bundes zurück. Für besonderes Aufsehen sorgte der Versuch in den Reichstag einzudringen, bei dem auch die Reichsflagge und die Reichskriegsflagge gezeigt worden sein sollen.

Gründe für ein Verbot der Reichskriegsflagge

Man geht davon aus, dass die Reichs- bzw. die Reichskriegsflagge als Erkennungszeichen bzw. als Ersatz für die verbotene Hakenkreuzflagge dient. Dabei steht insbesondere die Reichskriegsflagge wegen ihres Bezuges zur imperialistischen Vergangenheit Deutschlands im Fokus. Sie ist eng mit dem Militär und damit auch mit den beiden Weltkriegen verbunden, die Deutschland als Angriffskrieg geführt hat. Schon in der Weimarer Republik (1919-1933) galt die Reichskriegsflagge als antidemokratisches Symbol.

Dass auch die bisher ohne Einschränkung erlaubte Reichsfahne verboten werden soll, liegt daran, dass der Verfassungsschutz zunehmend die sogenannten Reichsbürger im Konflikt mit der Demokratie sieht. Diese gehen davon aus, dass das deutsche Kaiserreich nie erloschen sei und dass entsprechend die Bundesrepublik auch keine rechtliche Legitimation besitze. Deutschland befinde sich noch im Krieg.

Je nach Ausprägung wird dabei keiner der Friedensverträge anerkannt, beginnend mit dem Versailler Vertrag bis zum 2-plus-4-Vertrag. Bezeichnend ist, dass damit auch der demokratische Vorläufer der Bundesrepublik die Weimarer Republik von einigen Vertretern der Szene nicht als legitim gesehen wird. Basierend auf dieser Theorie wird die gesamte Rechtsordnung der Bundesrepublik abgelehnt. Dies wird durch das öffentliche Zeigen der Reichsflagge bzw. der Reichskriegsflagge zum Ausdruck gebracht.

Reichskriegsflagge: Unterschiedliche Haltung der Bundesländer

Das Bundesland Bremen hat das öffentliche Zeigen der Reichskriegsflagge und auch der Reichsflagge im September 2020 verboten. Sie können eingezogen werden und ihr Führen kann mit einem Bußgeld von 1000 Euro belegt werden. Trotzdem kündigt der Innenminister Bremens an für eine Reichsflagge, gelte das nur bei konkreter Provokation. Geregelt wird das durch eine Ergänzung des Polizeigesetzes.

Brandenburg hält die geltende Regelung bezüglich der Reichskriegsflagge für ausreichend und plant im Moment keine Erweiterung auf die Reichsflagge. Reichskriegsflaggen können dort schon seit 20 Jahren aufgrund eines Erlasses eingezogen werden, und ein Bußgeld kann verhängt werden.

Nordrhein-Westfalen verbietet im Oktober 2020 das öffentliche Zeigen der Reichskriegsflagge per Erlass. Die SPD forderte zunächst auch die Reichsflagge mit einzuschließen. Dazu kam dann allerdings nicht.

Auch andere Bundesländer kündigen an, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Bis dahin gilt die ursprüngliche Rechtslage.
Ein Bundesgesetz könnte alle Regelungen kippen, denn grundsätzlich wäre hier eine Zuständigkeit des Bundes laut Grundgesetz möglich, und Bundesrecht stände dann über dem Landesrecht.

Ab wann ist man ein Gutverdiener, Spitzenverdiener, Besserverdiener, reich? Erklärung

Ab wann gehört man zu den Gutverdienern?

Das müssen Sie einnehmen, um zu den Gutverdienenden zu gehören
Anno 2020 ist man einkommensstärker als 90% der Bevölkerung hierzulande, wenn man als kinderloses Paar zusammen 5294€ netto monatlich verdient. Wer nicht in einer Partnerschaft lebt, muss hingegen 3529€ nach sämtlichen Steuern aufweisen können, um sich zu den oberen 10% zählen zu dürfen. Dies ergaben Studien des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Dass das Gesamteinkommen von Paaren summenmäßig geringer ist als das von alleinstehenden Personen, erklärt sich daraus, dass bei Ersteren viele Kosten geteilt werden.

Auch drei Jahrzehnte nach der deutschen Einheit ergeben sich jedoch signifikante Unterschiede zwischen Ost und West. So beziehen sich die eben aufgelisteten Werte vor allem auf das Lohnniveau in den alten Bundesländern. Wer stattdessen in Thüringen oder Brandenburg mehr als 2839€ netto im Monat zur Verfügung hat, gehört dort theoretisch zur Oberschicht. Die Begriffe Gutverdienend und Besserverdienend verfolgen im vorliegenden Kontext übrigens dasselbe Ziel.

Spitzenverdiener verdienen 180.000 Euro im Jahr oder 15.000 Euro im Monat

Das müssen Sie einnehmen, um zu den Spitzenverdienern zu gehören
Definitionsgemäß erfordert die Aufnahme in diese elitäre Gruppe ein Jahreseinkommen von knapp 180000€. Auf den Monat heruntergebrochen bedeutet dies also stolze 15000€. Nur die wenigsten Deutschen werden über solche finanziellen Ressourcen verfügen. Am häufigsten vertreten sind Spitzenverdiener unter Unternehmern. Wer solch einen monetären Spielraum ausnutzen möchte, muss in der Regel eine gute akademische Ausbildung abgeschlossen haben. Kaum ein Handwerker wird monatlich 15000€ netto auf der Kante haben. Jedoch sollte man auch hier niemals pauschal urteilen. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Das müssen Sie einnehmen, um reich zu sein: Ab wann ist man reich?

Prinzipiell kann man davon ausgehen, dass man bereits reich ist, wenn man zu den oberen zehn Prozent gehört. Natürlich stellen sich die meisten unter dem Begriff reich jedoch schnelle Autos und eine Yacht vor, anstatt lediglich 3529€ netto. Eine andere Herangehensweise besagt, dass reich ist, wer mindestens das Doppelte des nationalen Medians verdient.

Wussten Sie eigentlich, dass rund 55% der reichen Deutschen männlich sind? Oder 31% dieser Gruppe Single ist?

Ab wann gehört man zur Mittelschicht?

Die Mittelschicht betrifft den Großteil der Bürger, wenngleich oftmals beklagt wird, dass gerade ebenjene schrumpft und folglich die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht. Um in die Mittelschicht aufgenommen zu werden, benötigt man ein monatliches Einkommen von 1560€ bis 2920€ – netto für Alleinstehende gerechnet. Eine Familie mit vier Mitgliedern braucht ungefähr das Doppelte dieses Gehalts, um in der Mittelschicht klassifiziert zu werden. Zurzeit gehört die Hälfte der Deutschen zur Mittelschicht. In den letzten Jahren haben die Werte allerdings stark geschwankt. Dieser Trend dürfte in Zukunft noch an Kraft zunehmen.

Nicht das Einkommen ist das Entscheidende

Häufig wird darüber debattiert, wie viel man verdienen muss, um sozial aufsteigen zu können. Dabei wird aber außer Acht gelassen, dass nicht die Löhne alleine über Wohlstand entscheiden. Eine viel größere Bedeutung hat hier hingegen die Art und Weise wie das Einkommen angelegt wird. Hierin lässt sich auch ein Stück weit die größer werdende Lücke zwischen Arm und Reich erklären. Während der Unterschicht kein Geld zum Investieren bleibt, können die oberen zehn Prozent vom Zinseszinseffekt profitieren. Das lässt Vermögen weiter anwachsen. Die etwaigen Verluste treten im Angesicht zur Wertschöpfung meist nicht in Erscheinung.

Was ist ein Beherbergungsverbot? Bedeutung, Definition, Erklärung


Stand: 16. Oktober 2020

In Deutschland haben der Bund und die Länder am 7. Oktober 2020 gemeinsam ein Beherbergungsverbot für touristisch Reisende beschlossen, wenn diese aus einer Region mit vielen Covid-19-Infektionen (mehr als 50/100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage) kommen. Das Verbot lässt sich durch Vorlage eines aktuellen negativen Tests auf Coronaviren (maximal zwei Tage alt) umgehen.

Wo gilt das Beherbergungsverbot mit Stand 16.10.2020?

  • Rheinland-Pfalz
  • Sachsen-Anhalt
  • Sachsen
  • Hessen
  • Brandenburg
  • Saarland
  • Hamburg
  • Niedersachsen
  • Schleswig-Holstein

Das Beherbergungsverbot für Baden-Württemberg wurde am 15. Oktober 2020 gekippt. Es ist damit außer Vollzug gesetzt. Auch in Niedersachsen wurde das Beherbergungsverbot gekippt.

Auch in Sachsen gibt KEIN Beherbergungsverbot.

Das Beherbergungsverbot in Bayern endete am 16. Oktober 2020.

Gibt es bei Vorauszahlung das Geld zurück, wenn der Hotelbesuch wegen des Beherbergungsverbots nicht möglich ist?

Das hängt davon ab, ob es im Vertrag zwischen dem Reisenden und dem Hotel eine Stornierungsklausel gibt. Diese muss zugunsten des Kunden lauten, dass bei „höherer Gewalt“ die Stornierung jederzeit möglich ist. Dann bekommt der Kunde sein Geld zurück bzw. muss nichts zahlen, wenn er die Reise vor dem 7. Oktober 2020 gebucht hat. Er konnte schließlich bis zu diesem Zeitpunkt nichts von einem drohenden Beherberungsverbot wissen, das daher für ihn unter „höhere Gewalt“ fällt.

Beherbungsverbot: Wie wahrscheilich ist diese Stornierungsklausel?

Normalerweise gibt es solche Klauseln in vielen touristischen Verträgen (Flugbuchungen, Hotelübernachtungen), doch seit dem Ausbruch der Pandemie änderten viele Veranstalter und Hoteliers ihre Vertragsbedingungen. Möglicherweise haben sie einen früheren Passus dieser Art („höhere Gewalt“) gestrichen, vielleicht haben sie auch ausdrücklich die kostenlose kurzfristige Stornierung wegen neuer Coronaregelungen ausgeschlossen. Sie könnten ebenso auf einer Teilzahlung bestehen, denn warum sollen sie das ganze Risiko dieser höheren Gewalt allein tragen? Wenn gar keine dementsprechenden Klauseln zu finden sind, gibt es verschiedene juristische Blickwinkel auf die Frage einer Erstattung des Preises. Sollte das Beherbergungsverbot bedingungslos gelten, kann der Hotelier die Übernachtung nicht gestatten. Sie ist dann ebenso unmöglich wie beispielsweise bei einem schweren technischen Schaden im Hotel. Der Kunde bekommt in so einem Fall sein Geld zurück bzw. muss nichts zahlen. Da jedoch die aktuellen Regelungen das Beherbergungsverbot aufheben, wenn der Kunde einen negativen Corona-Test vorlegt, ist die Übernachtung nicht unmöglich, was den Hotelier nicht zur Erstattung der Vorauszahlung bzw. zum Gesamtverzicht zwingen kann.

Beherbungsverbot: Ist der Covid-19-Test für Reisende zumutbar?

Hier bewegen wir uns aktuell (Stand der Betrachtung: 11.10.2020) in einer rechtlichen Grauzone, denn es wurde bislang kein Streitfall von einem deutschen Gericht entschieden. Befragte Professoren für Zivilrecht vertreten derzeit zu dieser Frage unterschiedliche Standpunkte. Ganz grob lauten diese:

  • #1: Der Test ist zumutbar, daher muss ihn der Reisende durchführen lassen oder kostenpflichtig stornieren – möglicherweise sogar zu 100 % des Preises, wenn seine Anreise beispielsweise am 8. Oktober stattfand. Bei einer Stornierung nur 24 Stunden oder weniger vor Buchungsbeginn verlangen die meisten Hotels und Veranstalter den vollen Preis. Zwei Tage vorher sind es meistens 70 bis 80 %.
  • #2: Der Test ist absolut unzumutbar. Der Kunde wurde von „höherer Gewalt“ überrollt und muss daher nichts zahlen bzw. erhält seine Anzahlung komplett zurück. Auch wenn die höhere Gewalt nicht explizit in den Vertragsbedingungen steht, muss sie als Stornierungsgrund herhalten. Das ist eine Maximalposition, die sich so kaum durchsetzen dürfte. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass Gerichte im Einzelfall so zugunsten eines verhinderten Reisenden urteilen.
  • #3: Es ist vernünftig, dem Kunden entgegenzukommen, wenn er den Test partout nicht durchführen will und daher auf die Übernachtung verzichtet. Er muss anteilig etwas zahlen, aber nicht allzu viel – möglicherweise einen Betrag zwischen 30 und 70 % je nach Abstand zwischen Stornierung und Buchungsbeginn. Diese schwer auszuhandelnde Regelung könnte sich dennoch durchsetzen.

Gilt das Beherbergungsverbot im Inland auch für Geschäftsreisende?

Nein, ausdrücklich nicht. Lesen wir einfach nur den Anfang dieses Textes. Die genaue Formulierung des Beherbergungsverbots lautet, dass es für „touristisch Reisende“ gilt. Das wurde in den Medien auch so kommuniziert, ging aber oft unter. Geschäftsreisende sind also nicht betroffen. Sie dürfen daher auch ohne Testergebnis in einem Hotel übernachten, selbst wenn sie aus einem Risikogebiet kommen. Darauf weisen mehrere Verbände hin.

Beherbungsverbot: Haben die Hoteliers einen Anspruch auf Entschädigung durch den Staat?

Die Aussichten dafür sind nicht gut. Es gibt bislang keine ausdrückliche gesetzliche Regelung, welche Entschädigungen nach staatlichen Maßnahmen vorsehen, die wiederum dem Schutz der Bevölkerung dienen und auf klaren Rechtsgrundlagen – in diesem Fall dem Infektionsschutzgesetz – basieren. Das hat auch nichts mit der Corona-Pandemie zu tun. Solche Regelungen hätte man schon früher treffen können, denn derartige Szenarien waren schon immer denkbar. Da man die Regelungen nicht getroffen hat, möchte der Staat offenkundig nicht per Gesetz das Risiko auf sich nehmen, für diese Art von höherer Gewalt zahlen zu müssen. Es gibt schließlich auch Versicherungen für solcherlei Ausfälle. Allerdings ist anzumerken, dass sich schon einige Versicherer dagegen sperren, Hoteliers wegen Corona-Ausfällen zu entschädigen, obwohl die von ihnen vertriebenen Policen eigentlich auch solche Szenarien abdecken sollten. Was nun den Staat betrifft: Haftbar wäre er nach derzeitiger Rechtslage wohl nur, wenn er schuldhaft falsch seine Verbote verhängt hätte. Danach sieht es aber derzeit nicht aus.

Beherbungsverbot: Berühren solche Verbote nicht das Grundrecht auf Eigentum?

Diesen Gedanken gibt es, und in der Tat sind derzeit Verfahren anhängig, bei denen von Schließungen betroffene Gastwirte und Einzelhändler den Staat genau wegen dieses Grundrechts verklagen. Urteile wurden noch keine gefällt. Experten schätzen allerdings die Erfolgsaussichten der Kläger als gering ein. Der Staat hat das Recht, solche Maßnahmen durchzusetzen. Auch Versicherer schließen Entschädigungen bei Schäden durch höhere Gewalt aus. Die Pandemie trifft uns alle, niemand kommt ungeschoren davon. Natürlich können Reisende oder Hoteliers auch das Berherbungsverbot selbst juristisch angreifen. Es ist nicht auszuschließen, dass Gerichte diese spezielle Maßnahme untersagen. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben Gerichte immer wieder auch gegen staatliche Maßnahmen entschieden und diese damit korrigiert.

Beherbungsverbot: Sind freiwillige Entschädigungen durch den Staat denkbar?

Undenkbar ist nichts, bislang hat sich der Staat auch schon recht großzügig gezeigt. Doch mit aktuellem Stand lässt sich in dieser Hinsicht nichts prognostizieren.

Anwendung: Wie sieht das Beherbergungsverbot praktisch aus?

Ein sehr praktisches Beispiel lässt sich derzeit in Hotels und Pensionen des Bundeslandes Brandenburg finden. Dort sind aktuell die Berliner vom Beherbergungsverbot betroffen. Das ist für die Hauptstädter bitter: Das Brandenburger Umland ist für sie unmittelbares Naherholungsgebiet. Doch es hilft nichts: Sie dürfen weder in Hotels noch in Ferienwohnungen und nicht einmal auf die Campingplätze.

Was ist die Great Barrington Declaration? Inhalt, Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Great Barrington Declaration (Erklärung von Great Barrington) wurde am 4. Oktober 2020 in Great Barrington am American Institute for Economic Research verfasst. Die Erstunterzeichner befassen sich darin kritisch mit der globalen Reaktion auf die COVID-19-Pandemie.

Was ist die Great Barrington Declaration? Inhalt, Bedeutung, Definition, Erklärung

Das Autorengremium besteht aus international anerkannten Epidemiologen und Wissenschaftlern, die für den öffentlichen Gesundheitsbereich arbeiten. Sie äußern ernste Bedenken in Bezug auf die möglichen schädlichen Auswirkungen der vorherrschenden Strategien zur Eindämmung von COVID-19. Die aktuelle Politik, so der Tenor der Erklärung, werde die Gesundheit der Weltbevölkerung in physischer und psychischer Hinsicht mehr schädigen als das Virus selbst. Anstelle der verbreiteten Restriktionen bis hin zu Lockdowns empfehlen sie den Ansatz „Focused Protection“ (deutsch: fokussierter Schutz). Dieser solle dazu führen, dass Eindämmungsmaßnahmen nicht pauschal, sondern lokal sowie bezogen auf Situationen und auf Personengruppen angeordnet werden. Zu den gesundheitlichen Gefahren der aktuellen Lockdown-Politik zählen sie:

  • gesunkene Impfraten von Kindern
  • weniger Krebsvorsorgeuntersuchungen
  • schlechtere Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Verschlechterung der allgemeinen psychischen Verfassung

Aufgrund dieser Gefahren sei daher in den nächsten Jahren mit höherer Übersterblichkeit zu rechnen. Von dieser seien voraussichtlich eher junge und ökonomisch benachteiligte Personen betroffen. Neben den Gesundheitsgefahren durch die Coronapolitik zählen die Autoren auch wirtschaftliche Gefahren und schwerwiegende Risiken für die Bildung der nachwachsenden Generationen auf. Sie bezeichnen es als „schwerwiegende Ungerechtigkeit“, Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch zu verwehren.

Wie soll der fokussierte Schutz funktionieren?

Er soll statistische Risikoniveaus ermitteln und nach diesen einen jeweils abgestuften Maßnahmeplan in Kraft setzen, der dem tatsächlichen Risiko in einer Region oder Stadt, einer Personengruppe (Berufstätige, Pendler, Bewohner von Altenheimen, Schüler) und einer Situation (Schulbesuch, Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln, Arbeit in einem Risikobetrieb wie dem Schlachthof) entspricht. Der Fokus soll auf der Abschirmung von am stärksten gefährdeten Menschen in bestimmten Situationen und an bestimmten Orten liegen. Für die übrige Bevölkerung sollen weniger Einschränkungen gelten, um denjenigen, die durch COVID-19 nicht extrem gefährdet sind (selbst bei einer Erkrankung nicht), ein halbwegs normale Leben zu ermöglichen.

Coronavirus / Covid-19 Ziel: Herdenimmunität

Neben dem fokussierten Schutz in echten Gefahrenzonen und für wirklich gefährdete Personen geht das Autorengremium der Great Barrington Declaration davon aus, dass bei abgestuften und daher für weite Teile der Bevölkerung abgeschwächten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus auf relativ ungefährliche Weise relativ schnell eine Herdenimmunität entstehen könnte. Das schwedische Vorbild belege dies. In Schweden gab und gib es weitaus weniger restriktive Maßnahmen als in fast allen übrigen Staaten der Welt. Zwar gab es dort auch schon deutlich höhere Fallzahlen und in Relation zur Bevölkerungszahl eine relativ hohe Sterblichkeit, jedoch scheint ein weitaus größerer Teil der schwedischen Bevölkerung inzwischen die Virusinfektion erlitten und – viel wichtiger – mit der Folge einer Immunität glimpflich überstanden zu haben. Auch ganz Großbritannien und die kalifornische Stadt Santa Clara werden als Beispiele für eine mögliche Herdenimmunität zitiert. Hinter diesen Aussagen steckt durchaus Expertise. Die Hauptautoren sind Sunetra Gupta (Epidemiologin, Universität Oxford), Martin Kulldorff (Medizinprofessor und Biostatistiker, Harvard University) und Jay Bhattacharya (Serologe, Stanford University). Die Liste der Mitunterzeichner ist ähnlich prominent. Die Autoren führen Belege an, die eine mögliche Herdenimmunität für die drei Beispiele Schweden, Großbritannien und Santa Clara nahelegen. Sie berufen sich dabei auf Studien, an denen sie selbst federführend mitgewirkt haben.

Kritik an der Great Barrington Declaration

An der Great Barrington Declaration gibt es – wiederum aus der Fachwelt – starke Kritik. Deren Haupttenor lautet, dass die vorgeschlagene beschleunigte Herbeiführung der Herdenimmunität keine angemessene Strategie sei. Im Detail werden von den Kritikern diese Punkte geäußert:

  • Ob es überhaupt in den drei genannten Regionen (oder anderswo) schon eine Herdenimmunität (mindestens 75 % der Bevölkerung sind immun) gibt, ist unbewiesen. Hierfür müsste die gesamte Bevölkerung oder zumindest eine riesige repräsentative Gruppe getestet werden.
  • Man kennt noch nicht den Langzeitverlauf von COVID-19 (sogenanntes „Long Covid“). Damit ist der Langzeitverlauf der Pandemie, nicht derjenige bei einem einzelnen Patienten gemeint. Insbesondere weiß man nicht, wie lange eine Immunisierung aufgrund einer überstandenen Infektion oder einer Impfung anhält. Ohne dieses Wissen aber muss das absichtliche Herbeiführen einer Herdenimmunität als fahrlässig gelten.
  • Die weltweite Wissenschaftsgemeinschaft hält mehrheitlich die gegenwärtigen Maßnahmen gegen die Pandemie für angemessen. Sie drängt auf die bessere Durchsetzung von Restriktionen, nicht aber auf mehr Differenzierung.

Kritiker der Great Barrington Declaration sind unter anderem Robert Lechler, Präsident der British Academy of Medical Sciences, Prof. Martin McKee (London School of Hygiene & Tropical Medicine) und Prof. William Hanage (Epidemiologie, Harvard University). Letzterer befürchtet, dass bei der Durchführung der Great-Barrington-Vorschläge weltweit deutlich mehr Infektionen sowie in deren Folge mehr Krankenhausaufenthalte und auch mehr Todesfälle zu beklagen wären. Besonders die junge Bevölkerung sei bei so einem Szenario stark gefährdet.

Eine von jüngeren Bevölkerungsgruppen ausgehende Herdenimmunität war schon einmal zu Beginn der Pandemie etwa im Februar 2020 diskutiert worden. Damals hatte sich Prof. Christian Drosten (Virologe, Berliner Charité) schon kritisch dazu geäußert. Er hatte a) Zweifel an der Funktionsfähigkeit eines solchen Versuchs geäußert und b) zu bedenken gegeben, dass man die jungen Leute auch fragen müsse, ob sie sich denn infizieren lassen wollten, um mit ihrer vermeintlich stabileren Konstitution in der Gesamtbevölkerung eine Herdenimmunität einzuführen. Nachdem in den vergangenen Monaten sehr schwere Verläufe und Todesfälle bei jungen, zuvor kerngesunden Menschen bekannt geworden waren, galt dieser Gedanke inzwischen als obsolet. Die Great Barrington Declaration greift ihn dennoch wieder auf.

Great Barrington Declaration: Stellung des Autorengremiums

Die drei Hauptautoren der Great Barrington Declaration hatten sich schon in den von ihnen durchgeführten Studien, auf die sie sich jetzt berufen, kritisch gegenüber der allgemeinen Coronapolitik geäußert. Dafür waren sie wiederum auch kritisiert worden. So ein Streit unter Wissenschaftlern gilt aber als normal und fruchtbar. Allerdings fällt der Widerstand unter anders argumentierenden Fachleuten dieses Mal deutlich akzentuierter aus. So nannte Prof. Gregg Gonsalves (Epidemiologe, Yale University) die Vorschläge der Autoren „grotesk“ und eine Strategie zur „Keulung von Schwachen zugunsten der Herde“.

Allerdings hatten die Autoren der Erklärung von Great Barrington wohl offenbar genau das nicht im Sinn: Sie wollen ja die besonders gefährdeten Gruppen auch besonders schützen. Prof. Gonsalves argumentiert aber, dass knapp die Hälfte der US-Bevölkerung durch die Pandemie extrem gefährdet sei und daher die aktuell angeordneten Schutz- und Quarantänemaßnahmen alternativlos seien. Er verwies auch darauf, dass regelmäßig Spitzenwerte von Infektionsraten jüngerer Menschen mit dem Tod älterer Menschen korrelieren, man die Risikogruppen also nicht wie gewünscht auseinanderdividieren könne.

Wer sich selbst von der Erklärung ein Bild machen möchte, kann sie nachlesen:

Great Barrington Declaration (deutsche Übersetzung)

Great Barrington Declaration (Original)

Was ist der Utility Trend? Was ist Utility Style? Erklärung

Als „Utility Trend“ bzw. „Utility Style“ wird Mode bezeichnet, die auf Militär-Uniformen, Alltagskleidung und Gebrauchskleidung von Arbeitern basiert. Mode im Utility Style hat eine große Funktionalität.

Vor Jahren wurde Gebrauchskleidung für wirtschaftliche Zwecke eingeführt. Gebrauchskleidung wurde von Arbeitern als Teil ihrer Uniform getragen. Wenn Sie in den letzten Saisons der Mode gefolgt sind, wurde dieser vom Militär und von Arbeitern inspirierte Trend überall auf der Welt entdeckt. Jetzt wurden grundlegende Jacken, Westen, Hosen, Pullover, Hemden und Anzüge neu gestaltet, um die Funktionalität zu verbessern. Utility Wear ist leicht zu tragen und ein Trend, der sich 2020 lohnt.

Was ist der Utility Trend? Was ist Utility Style? Erklärung

Der Utility Trend nutzt Elemente aus den Uniformen der Handarbeit und interpretiert sie zu einem modernen Trend. Der größte Vorteil des Trends ist die Funktionalität. Das richtige Stück passt problemlos in Ihre Alltagskleidung. Egal, ob Sie überlegen, was Sie für eine Veranstaltung oder ein Festival anziehen möchten, dieser Trend hat Sie abgedeckt.

Von Arbeitskleidung inspirierte Kleidungsstücke werden ebengalls immer beliebter. Tauschen Sie Ihre einfachen T-Shirts und Jeans gegen moderne Gebrauchskleidung. Die erdige Farbpalette, die militärischen Untertöne und die Sanddünenfarben lösen knallige Farben auf dem Markt ab.

Kesselanzüge, Safarijacken, scharfe Kragen, lockere Silhouetten, Gürteltaschen und klobige Turnschuhe gehören zum Trend der Gebrauchskleidung. Die „It“ -Tasche von 2019 ist die Gürteltasche, die als Streetstyle-Trend der Popkultur-Ikonen begann. Die Gürteltasche aus den 80ern feiert dank Chanel, Louis Vuitton und anderen großen Modehäusern ein Designer-Comeback.

Warum hat der Utility-Trend / Utility-Style Zukunft? Erklärung, Bedeutung, Definition

Utility ist in diesem Frühjahr das große Schlagwort in der Herrenmode. Von kultigen japanischen Streetwear-Marken bis hin zu den Marktführern des italienischen Luxus treten alle auf. Die Stoffe werden leichter und widerstandsfähiger, die Anzahl und Größe der Taschen nimmt zu, und intelligente technische Details treten in den Vordergrund. Die Message hinter dem Utility Trend ist ganz klar: Es reicht nicht mehr aus, dass Ihre Kleidung nur noch gut aussieht. Sie müssen auch darauf achten, dass die Kleidung einen Nutzen hat.

Die Idee, dass Kleidung einen Zweck erfüllen sollte, der nicht nur gut aussieht, ist nicht neu. es geht der Mode selbst voraus. Seit unsere entfernten Vorfahren die isolierenden Eigenschaften von Wollmammuthaut entdeckt haben, haben wir uns mit Kleidung befasst, um auf die Herausforderungen unserer Umwelt zu reagieren. Sie sind im Wesentlichen funktionale Gegenstände. Welchen ästhetischen Wert sie auch haben, ist zweitrangig gegenüber der Verpflichtung, dass die Kleidungsstücke uns vor der Kälte schützen sollen. Das soll nicht heißen, dass wir auf die Ästhetik komplett verzichten müssen. Andererseits sollten wir Kleidung auch nicht als Mittel zur äußerlichen Selbstdarstellung betrachten. Für den Utility Trend muss die Form der Kleidung jedoch durch eine zugrunde liegende Funktion rationalisiert werden. Männer möchten gerne eine Stilwahl rechtfertigen können. Die funktionale Natur dieses Looks ist eine, die sie ihren Freunden sicher erklären können.

Funktion ist alles. So wie sich der Urmensch in Pelze gewickelt hat, um sich vor der Kälte zu schützen, so zieht der heutige „Utilitarist“ seine Kleidung an, um sich vor den Gefahren der Außenwelt zu schützen. In der Praxis bedeutet dies, eine Sichtweise auf den Stil anzunehmen, die von den spezifischen Anforderungen des modernen Stadtlebens geprägt ist. Beim Utility Trend werden Kleidungsstücke für andere Zwecke entwickelt, an die Bedürfnisse der Menschen angepasst und können vielseitig verwendet werden.

Mitbegründer dieser Bewegun ist ein gewisser Errolson Hugh, dessen Kultlabel Acronym eine Vision zeitgenössischer Streetwear präsentiert. Seine funktionalen Kleidungsstücke haben eine entscheidende Rolle dabei gespielt, diesen Look einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Fazit: Was ist der Utility Trend? Was ist Utility Style? Erklärung

Die Utility-Bewegung kann als subtile Weiterentwicklung des Outdoor-Trends angesehen werden, bei dem die wetterfesten Stoffe und die technische Konstruktion spezieller Outdoor-Ausrüstung in Kleidung verpackt wurden, die für eine in der Stadt lebende Kundschaft geeignet ist. Der Hauptunterschied? Während der Outdoor-Trend den Geist der Natur kanalisierte, ist dies ein Look, der in kaltem Beton und Stahl verwurzelt ist. Die Palette aus Schwarz, Olivgrün und Asphaltgrau ist so konzipiert, dass sie sich eher einfügt als auffällt.

Wie funktioniert die Capsule Wardrobe? Was ist das? Bedeutung, Definition, Erklärung

Weniger ist mehr: Das steckt hinter dem Trend „Capsule Wardrobe“

Nicht nur beim Einrichtungsstil liegt Minimalismus gerade stark im Trend. Auch in den Kleiderschrank hat er Einzug gehalten. In diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder der Name „Capsule Wardrobe“ Dabei wird der eigene Kleiderschrank auf nur noch 37 Kleiderstücke reduziert. Das Geheimnis des neuen Trends dabei ist es, die unterschiedlichen Kleidungsstücke unterschiedlich miteinander zu kombinieren. Das sieht nicht nur gut aus, sondern leistet auch einen Beitrag zum Umweltschutz. Geldbeutel und Nerven werden obendrauf auch noch geschützt. Aus guten Gründen erfreut sich der Trend immer größerer Beliebtheit auf der ganzen Welt.

Wie funktioniert die Capsule Wardrobe? Was ist das? Bedeutung, Definition, Erklärung

Susi Faux ist die Erfinderin der Capsule Wardrobe. Sie arbeitete in den 70er Jahren als Inhaberin eines eigenen Modegeschäfts in London. Die Idee der Modeexperten war es dabei, mehrere zeitlose Basics im Schrank zu haben und diese über die Saisons hinweg unterschiedlich zu kombinieren. Bekannt wurde die Idee der Londonerindank der amerikanischen Designerin Donna Karan, welche im Jahr 1985 eine 7-teilige Kollektion mit unterschiedlichen kombinierbaren Modestücken herausbrachte.

Worum es bei „Capsule Wardrobe“ geht: Wie es funktioniert

Das Ziel des umweltschonenden Trends ist es, mit so wenigen Kleidungsstücken auszukommen, wie möglich. Dabei gilt die Faustregel: 37 Teile je Jahreszeit. Inklusive sind dabei bereits Taschen und Schuhe. Behalten werden sollen nur Stücke, welche sich auf vielfältige Art und Weise kombinieren lassen. Gleichzeitig müssen sie Wohlgefühl vermitteln und gefallen. Manche Anhänger dieses Trends schaffen es sogar, mit nur 10 Kleidungsstücken auszukommen. Der Minimalismus ist auf dem Vormarsch.

Je nach Geschmack und Stil kann eine Capsule Wardrobe unterschiedlich gestaltet sein. Frauen beispielsweise, die eher casual unterwegs sind, können mit einer dunklen und einer hellen Jeans nichts falsch machen. Röcke und Stoffhosen sind eine gute Abwechslung, genauso wie ein schlichtes Kleid. Ein solches kann genauso wie Shirts oder Tops in jeder Jahreszeit beliebig kombiniert werden. Abgerundet wird die Capsule Wardrobe mit Pullover, Cardigans und lässigen Blusen. Hinsichtlich Schuhe reichen für die vier Jahreszeiten fünf Paar vollkommen aus. Mit Boots, warmen Winterschuhen, Sandalen, schicken Pumps und Sneakers macht niemand etwas falsch und ist für alle Anlässe gerüstet.

Im Kleiderschrank hängt immer nur das, was gerade auch Saison hat. Alles andere bleibt am besten im Karton, sodass deine Capsule Wardrobe alle drei Monate wieder angepasst und vielleicht auch um das eine oder andere Teil ergänzt wird.

„Capsule Wardrobe“: Zeit sparen mit einer kleinen Auswahl

Wenige Teile im Kleiderschrank bedeutet vor allen eins: Nerven, Energie und Zeit sparen. Quälende Fragen wie: „Was soll ich heute anziehen?“, gehören der Vergangenheit an. Die Entscheidung fällt umso leichter, je weniger Kleidungsstücke im Kleiderschrank sind. Außerdem bleibt ein sehr individueller und persönlicher Stil im Gedächtnis bei den Mitmenschen und Freunden. Gleichzeitig ist dieser Trend finanziell von Vorteil. Neuen Trends muss man damit nicht mehr hinterherrennen und von den Sales muss sich auch niemand mehr verführen lassen. Auch im Bereich Umweltschutz wird etwas Gutes geleistet: Wer sich dem massiven Konsum widersetzt spart Ressourcen und schützt die Umwelt.

So wird die eigene Capsule Wardrobe eingerichtet

Zu Beginn sollte sich überlegt werden, wie bei der eigenen Capsule Wardrobe vorgegangen werden soll. Wie viele Kleidungsstücke sollen im Kleiderschrank leiden und welche Stücke zählen dazu? Sportsachen, Socken und Unterwäsche müssen dabei in der Regel nicht mitgezählt werden. Dann geht es ans Ausmisten. Dabei sollte überlegt werden, welche Garderobe im Alltag vonnöten ist. Wie ist der eigene Freizeit-Look aus? Wie ist der Dresscode für die Uni und wie soll es am abends auf die Feier gehen? Am besten werden die benötigten Teile auf eine Liste geschrieben. Im Anschluss wird es ernst: Es geht ans Ausmisten. Dafür wird der Kleiderschrank erst einmal komplett bis auf das letzte Teil ausgeräumt. Dann werden die Klamotten nach und nach angesehen und ein Überblick darüber verschafft, welches Teil behalten werden soll und welches nicht. Die Frage, wie oft das Stück getragen wird und ob es überhaupt noch passt können dabei helfen.

Für das Aussortieren gibt es etwa das beliebte Marie-Kondo-Prinzip. Alles was dableiben soll, kommt in den Schrank zurück. Was nicht bleiben soll, kann sowohl verschenkt als auch verkauft oder gespendet werden. Wenn bei einem Kleidungsstück Unsicherheit herrscht, kann dieses auch in einen Karton und dann in den Schrank zurück, wenn es vermisst wird. Passiert das nicht, kommt es nach einigen Monaten weg. Im nächsten Schritt wird analysiert, was vom Ausmisten noch übrig ist. Welche Schnitte und Farben sollen es sein? Kann daraus ein Stil ausgemacht werden und was macht die eigene Garderobe aus? Ein Grundgerüst, die Basis sozusagen, an Kleidung ist dann vorhanden. Jetzt fehlt noch das Konzept. Es soll schließlich nach dem neuen Trend nicht einfach ausgemistet werden, sondern ein neuer Stil zum Kombinieren herauskommen. Dafür ist ein Farbkonzept wichtig.

Experten empfehlen dabei, zunächst eine Basisfarbe auszumachen. Das kann bei einem eher lockeren Kleidungsstil etwa ein dunkles blau sein. Hinzukommen dann zwei oder drei neutrale Farben, welche zu der Basisfarbe perfekt passen. In diesem Fall etwa grau, beige oder weiß.

Akzentfarben sorgen dann für den nötigen Pepp. Etwa ein kräftiges rot oder violett. Dazu eignen sich Accessoires wie Ketten, Ohrringe oder Schals und Taschen. Im Anschluss ist die neue Capsule Wardrobe fertig. Nun ist es wichtig, auch konsequent zu bleiben und den vielen Versuchungen beim Shoppen zu widerstehen.

Ein wichtiger Beitrag für mehr Nachhaltigkeit

Je weniger die eigene Garderobe an neuen Trends ausgerichtet wird, desto besser. Wenn dann doch einmal ein Kleidungsstück für einen einmaligen Anlass fehlt, bleibt immer noch die Möglichkeit, sich etwas zu leihen. Wenn etwas kaputtgeht, sollte es repariert werden und sich nur dann etwas Neues gekauft werden, um ein kaputtes Modestück zu ersetzen. Damit der Kleiderschrank lange hält, achten Käuferinnen und Käufer am besten auf hochwertige Kleidung. Somit leistet man als Trend-Nutzer etwas Gutes für die Umwelt und schließt sich nicht der Konsumgesellschaft an. Das war auch das Konzept der Erfinder aus England und Amerika. Eine Gegenbewegung zum Konsum hin zum Minimalismus im Kleiderschrank, der in der heutigen Zeit immer mehr Bedeutung bekommt und von einer immer größeren Gruppe an Menschen europaweit aufgenommen wird.

Was ist ein Femboy? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff Femboy ist ein Kunst- und Kofferwort, zusammengesetzt aus den beiden Silben „Fem“ und „Boy“. „Fem“ steht für das englische Wort Female, bedeutet als weiblich. Boy wiederum bezeichnet einen Jungen oder einen jungen Mann.

Was ist ein Femboy? Bedeutung, Definition, Erklärung

Im Wort Femboy vermischen sich also die weiblichen und männlichen Anteile einer Person. Der Begriff Femboy hat mittlerweile zwar Eingang in den deutschen Sprachgebrauch gefunden, ist aber noch längst nicht ubiquitär verbreitet, sondern wird vor allem von bestimmten Personengruppen in jüngerem Alter benutzt.

Biologisch gesehen, also rein von seiner geschlechtlichen Identität her, ist ein sogenannter Femboy ein Mann. Ein solcher Mann empfindet jedoch ganz bestimmte weibliche Verhaltensweisen als sehr anziehend für die eigene Persönlichkeit und versucht dies dann auch nach außen hin auszudrücken, beispielsweise im Kleidungsstil, durch die Verwendung von Parfums für Frauen oder durch eine weibliche Frisur. Ein Femboy präsentiert sich also gerne in der Öffentlichkeit oder gegenüber anderen Personen mit typisch femininen Zügen und Manieren.

Lebensstil: Wie FemBoys leben (Bedeutung, Erklärung)

Eine spezifische Altersgrenze lässt sich zwar nicht festmachen, es ist aber davon auszugehen, dass mit Femboys in der Regel jüngere Männer gemeint sind bis zu einer Altersgrenze von etwa 30 Jahren. Der Begriff Femboy entstand im Zuge einer vermehrten gesellschaftlichen Akzeptanz ganz unterschiedlicher geschlechtlicher Ausrichtungen und Identitäten.

Wird heute jemand als Femboy bezeichnet, so muss dies nicht unbedingt positiv sein, denn in der öffentlichen Wahrnehmung kann dies durchaus auch abfällig gemeint sein. Gerade in dieser abfälligen Art und Weise wird Femboys häufig unterstellt, sie seien schwul, was jedoch in den allermeisten Fällen überhaupt nicht der Fall ist. Es ist unbedingt auch nötig, den Femboy von anderen, ähnlichen Begrifflichkeiten abzugrenzen, auch wenn die Übergänge durchaus fließend sein können. So sollte der Femboy beispielsweise keineswegs mit sogenannten Crossdressern, Trans-Menschen oder Ladyboys verwechselt werden. Bei Crossdressern handelt es sich um Personen, welche gerne Kleidung des jeweils anderen Geschlechts tragen möchten. Crossdresser können deshalb sowohl Männer als auch Frauen sein.

Der Femboy in Kunst und Literatur

Trans-Menschen haben zwar in der Regel weibliche Züge an sich, sind von ihrer Körperstatur meist groß oder schmächtig und können dabei aber praktisch alle nur möglichen geschlechtlichen Identitäten haben. Der Begriff Femboy lässt ebenso einen Hinweis auf eine mögliche Geschlechtsidentität nicht zu. Männer aller geschlechtlicher Ausrichtungen können nach außen hin als Femboy erscheinen. Femboys sind nicht nur im realen Leben, also als echte Personen, zu finden, sondern auch in Kunst, Literatur oder Geschichte. Animes, Mangas oder Furry-Kunst sind allesamt künstliche Erschaffungen, welche sich dem sogenannten anthropomorphen Bereich zuordnen lassen.

Bedeutung und Erklärung: Was sind „Femboys“?

In all diesen Genres sind Femboys oft zu sehen und spielen daher in diesen künstlerischen Richtungen eine übergeordnete Rolle. Der Konsum dieser Kunst-Darstellungen erfolgt ebenfalls fast ausschließlich durch die jüngere Generation bis maximal 30 Jahre. Der Begriff Femboy hat aber nicht auch zuletzt durch das Internet eine ganz neue Verbreitung erfahren. Denn weltweit existieren immer mehr auf Femboys spezialisierte Communities und Foren, welche sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen und auseinandersetzen. Außerdem sind diese Foren auch ein Ort für Gleichgesinnte, um sich auszutauschen und neueste Trends zu erfahren. Werden Femboys über einen längeren Zeitraum begleitet und befragt, so kann immer wieder festgestellt werden, dass es sich dabei stets um eine vorübergehende Phase im Leben handelt. Sobald das 30. Lebensjahr also überschritten ist, wird diese spezielle Ausdrucksform als Femboy meist wieder abgelegt.

Was ist ein InstaWalk? Was ist das? Bedeutung, Definition, Erklärung


Ein InstaWalk bezeichnet einen fotografischen Spaziergang für die Foto-App Instagram. Menschen treffen sich, um an einem gewissen Ort Fotos zu machen. Doch dabei bleiben sie nicht stehen und nehmen Bilder von nur einem Gebäude oder Objekt auf, sondern gehen umher. Danach werden die Bilder auf dem sozialen Netzwerk veröffentlicht. Bei den Postings kann es sich um Landschaften, Sehenswürdigkeiten aber auch Gebäude oder Unternehmensinhalte handeln.

Was ist ein InstaWalk? Was ist das? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Begriff „InstaWalk“ setzt sich aus der Abkürzung von Instagram und dem englischen Wort „walk“ für Spaziergang zusammen.

Zu den häufigsten Orten für einen InstaWalk gehören Städte, Parks, Straßen oder andere öffentliche Plätze. Touristen und Gruppen begehen auch gerne eine fotografische Tour, um Eindrücke auf Instagram festzuhalten. Museen, Theater oder berühmte Kirchen eignen sich ebenfalls für einen InstaWalk.

Bedeutung: InstaWalk für Unternehmen

Unternehmen und Marken haben das Potenzial der Plattform für sich erkannt und platzieren Produkte und Services gekonnt im Social Web. Bei einem Instawalk können Firmen Fans auf eine Reise durch das Unternehmen mitnehmen und so Eindrücke hinter die Kulissen gewähren. Auf dem Gelände eines Unternehmens lassen sich Bilder einfangen und teilen. Geeignet wäre auch eine Neueröffnung eines Standortes. Doch auch Fotos aus dem Büro, der Kantine oder dem Archiv passen zu einem unternehmerischen Instawalk.

Wer geht auf einen InstaWalk? Erklärung

Instagrammer aus der lokalen Umgebung begeben sich auf einen fotografischen Rundgang, zum Beispiel durch das eigene Viertel oder durch einen anderen Stadtteil. Ihre Postings werden mit dem passenden Hashtag #Instawalk markiert. Der Spaß am Aufnehmen und Teilen der Bilder steht bei der Aktion im Fokus. Durch Filter können die Fotos noch bearbeitet werden. Instagrammern ist es bei einem Walk wichtig, individuelle Blickwinkel zu zeigen. Die Sehenswürdigkeit erscheint zum Beispiel aus der Sicht eines Einheimischen oder die Street Art der Straßen steht im Mittelpunkt. Durch InstaWalks können bekannte Orte auch ganz neu in Szene gesetzt werden.

In der Regel gibt es einen Organisator des Walks, der die anderen User einlädt. Dieser vergibt den Event-Hashtag und ruft die Community zu dem fotografischen Spaziergang auf.

Insta-Stammtische

Regelmäßige Instawalks finden dank regionalen Communities statt. So gibt es einen Insta-Stammtisch NRW oder auch Facebook-Gruppen, die solche Aktionen verfolgen. Dazu zählen der InstaWalk Ruhr oder die Instawalkers Düsseldorf.

Kamera oder Smartphone beim InstaWalk

Die meisten Instagrammer nehmen die Motive mit ihrem Smartphone auf. Die Kameras von iPhone oder Samsung Galaxy sind schon so gut, dass es kaum noch eine klassische Kamera bedarf. Allerdings gibt es auch User, die mit einer Spiegelreflex-Kamera ausgerüstet sind, um noch mehr Effekte in die Bilder zu zaubern.

Was ist das Besondere an einem InstaWalk? Bedeutung, Definition

Das Format zeigt, wie verschiedene Menschen Orte wahrnehmen. Ein Motiv wird bei einem InstaWalk auf diverse Art und Weise gezeigt, da für jeden andere Details wichtig sind. Die Umsetzung der Fotografien variiert. Durch InstaWalks wird auch bewusst Aufmerksamkeit für ein Thema oder einen Platz geschaffen.

Instagram ist für schöne Filter und Bilder in hochwertiger Auflösung bekannt. Mode, Food, Art und Travel sind die beliebtesten Kategorien. Mit passender Beschreibung und Schlagworten (Hashtags) versehen, erreichen die Postings interessierte User. Es kann geliked und kommentiert werden. Andere Nutzer können Accounts folgen.

Was ist Tchotchke? Bedeutung, Definition, Erklärung

Mehr ist mehr: Der neue Tchotchke-Style ist da!

Der Tchotchke-Style entwickelt sich gerade zum absoluten Einrichtungs-Trend des Jahres 2020. Seinen Ursprung findet die Bezeichnung in der jüdischen Kultur. Genauer gesagt von jüdischen New Yorkern, welche ihre liebsten Schmuckstücke genau so bezeichnen. Damals wie heute wird das Wort „tshotshke“ ausgesprochen.

Allgemein handelt es sich bei „Tchotchke“ um die kleinen dekorativen Elemente, die eigentlich eine rein ästhetische Funktion haben und keinen wirklichen Nutzen. Das können Skulpturen sein, genauso wie Vasen, Kerzen, Kissen, Bilderrahmen oder Dekorationsartikel aller Art. Im Grunde könnte man sagen, dass der Tchotchke-Stil das genaue Gegenteil von Minimalismus ist. Die Zeiten von einer kleinen Kerze im Regal sind vorbei, jetzt wird das Regal vollgepackt. Dank des neuen Einrichtungstrends ist alles erlaubt, dass sich kreuz und quer mit Souvenirs und Dekorationsartikel kombinieren lässt.

Der Deko-Trend „Tchotchke“ hat das Prinzip: Mehr ist mehr. Clean und langweilig geht es dabei definitiv nicht zu. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet die Bezeichnung übrigens so viel wie „sinnloses, kleines Irgendwas“.

Was ist Tchotchke? Bedeutung, Definition, Erklärung

Skulpturen, Kerzen, Vasen, Bilderrahmen oder Skulpturen. Alles, was Zuhause rumliegt oder beim letzten Urlaub gesammelt worden ist. Farblich aufeinander abgestimmt ergibt sich aus den verschiedenen Elementen ein einheitlicher Wohntrend. Es geht dabei um die Liebe zum Detail. Jede Ecke hält kleine Überraschungen bereit. Dabei ist alles, wirklich alles, erlaubt. Zu viel gibt es bei diesem Dekorations- und Einrichtungs-Trend nicht. Alles, das dekorativ ist, darf bleiben und miteinander kombiniert werden. Lieber die braune Kerze oder die dunkelblaue Kerze? Das ist kein Problem, denn sie dürfen beide bleiben. Gleiches gilt auch für alle anderen Dekorationselemente. Die Objekte werden dabei gruppiert und gestapelt.

Ganz gleich ob verschiedenen Bücher übereinander oder mehrere Vasen auf dem Tablett nebeneinander. Je voller des Tischs oder das Regal gedeckt sind, desto besser ist es. Solange noch Platz für die Kaffeetasse auf dem Wohnzimmertisch bleibt. Ohne Gemütlichkeit geht es aber auch nicht. Für besonders gemütliche Ecken sorgen Decken, Teppiche, Kunstfelle oder viele Kissen. Mit den kuscheligen Elementen wird das eingerichtete Eck ein gemütlicher Rückzugsort für den Abend zu zweit.

Minimalisten müssen tapfer sein: Tchotchke Bedeutung

Minimalisten müssen bei diesem neuen Trend die Zähne zusammenbeißen, denn bei ihnen dürften sich bei diesem neuen Dekorationstrend die Nackenhaare aufstellen. Gleichzeitig schafft der Tchotchke-Stil eine angenehme Gegenbewegung zum schlichten und kalten Einrichtungsstil.

Wichtig dabei ist, dass es beim jüdischen Trend aus Amerika nicht einfach darauf ankommt, möglichst viele Dekoelemente zusammenzuwürfeln und wild durcheinander zu mischen und dann ins Regal zu packen. Stattdessen wird geschaut, welche Elemente farblich zusammenpassen. Diese werden dann im besten Fall gestapelt oder nebeneinander platziert. Dabei muss es immer auch darum gehen, dass die Dekoration nicht den Eindruck oder das Gefühl von Chaos vermitteln. Vielmehr soll damit eine heimelige, angenehme und gemütliche Atmosphäre geschaffen werden. Das kann die ohnehin gemütliche Leseecke genauso betreffen wie das Büro, den Arbeitsplatz Zuhause oder das Wohnzimmer. Wer die passende Inspiration sucht, findet insbesondere auf Instagram und Pinterest eine ganze Reihe von Beispielen.

Tchotchke-Deko-Trend: Bedeutung

Die Bedeutung von Dekoration wird immer wieder stark unterschätzt. Dabei ist es mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, wie wichtig die Dekoration für unser Wohlbefinden ist. Wenn wir Zuhause sind, möchten wir nicht an weiße Wände starren, denn das schafft ein kühles Raumklima. Atmende Pflanzen, Bilder, Regale mit Dekorationen und Skulpturen machen aus einem kahlen Raum einen Ort zum Wohlfühlen. Das Gleiche gilt für den Arbeitsplatz. Nur wer sich auf der Arbeit wohlfühlt, ist auch motiviert zu arbeiten und wer arbeitet nicht gerne in einer gemütlichen Umgebung.

In Zeiten von Corona arbeiten immer mehr Menschen aus dem Homeoffice heraus. Gerade dann ist es entscheidend, dass der Arbeitsort Zuhause zu einem Ort des Wohlfühlens wird. Der Tchotchke-Stil kann dazu seinen Beitrag leisten und zudem ist er nachhaltig und praktisch. Alte Dekorationsstücke müsse nicht entsorgt werden oder im Keller verstauben. Sie finden eine neue Bedeutung in entsprechender Kombination. Gerade aufgepeppt mit echten Pflanzen wie Palmen oder kleinen Topfpflanzen wirkt der Dekotrend als Wohlfühlgarant. Ein Trend, der lange nicht mehr nur im jüdischen Bereich Amerikas geschätzt wird. In immer mehr Ländern Europas findet der Gegentrend zum Minimalismus immer mehr begeisterte Anhängerinnen und Anhänger.

Was ist „Freiwilligentourismus“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Freiwilligentourismus, international vor allem Voluntourism genannt, gehört zu den am schnellsten wachsenden Bereichen im globalen Tourismus. Diese Reiseform kombiniert, wie der Name schon andeutet, die touristischen Möglichkeiten einer Urlaubsreise mit den gemeinnützigen Aspekten der Freiwilligenarbeit.

Was ist „Freiwilligentourismus“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass viele junge Menschen nicht einfach nur Ferien im Ausland verbringen möchten, sondern in der Verknüpfung von Reise mit freiwilliger ehrenamtlicher Arbeit einen tieferen Sinn erkennen. Gemeinnützige Freiwilligendienste bieten entsprechende Programme bereits seit Jahren an, allerdings sind diese grundsätzlich so strukturiert, dass der Auslandsaufenthalt zumindest mehrere Wochen dauert und die Projektarbeit vor Ort hohe Priorität besitzt. Viele Menschen sind nicht bereit, soviel Zeit zu investieren und gleichzeitig auf touristische Annehmlichkeiten verzichten zu müssen. Diese Marktlücke haben kommerzielle Agenturen erkannt und bieten seit einigen Jahren Pakete an, die genau auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnitten sind.

So ist es beispielsweise möglich, einen Roadtrip durch Laos oder eine Safari in Südafrika zu buchen und anschließend für eine Woche ein lokales Umwelt- oder Sozialprojekt zu unterstützen. Alles ist wie eine Pauschalreise organisiert, neben den üblichen Urlaubskosten muss der Volontär allerdings noch Gebühren für sein gesellschaftliches Engagement entrichten. Der Vorteil einer solchen Reise ist jedoch, dass der Freiwillige nichts selbst planen muss, sondern die Agentur die Reise organisiert und alle Aspekte seines Einsatzes vorbereitet.

Welche Zielgruppen und Motive charakterisieren den Freiwilligentourismus? Erklärung, Bedeutung

Die Angebote im Freiwilligentourismus sollen insbesondere junge Erwachsene ansprechen. Bevozugte Zielgruppe der Agenturen sind die 25- bis 34-Jährigen, da sie bereits eine gewisse (Lebens-)Erfahrung mitbringen, tatsächlich sind es häufig Menschen in der Altersgrupe 18 bis 24, die, nicht selten von ihren Eltern alimentiert, an derartigen Reiseprojekten teilnehmen.

Der Wunsch, sofort nach dem Schulabschluss die Welt zu entdecken, steht oftmals im Vordergrund, gleichzeitig sind Konsumverzicht und Sinnhaftigkeit wesentliche Intentionen. Diese Einstellung entspricht dem Zeitgeist der Generation, mit Argumenten wie „etwas zurückgeben“, „positives bewirken“ oder „kulturell dazulernen“ begründen viele ihre persönliche Motivation. Der Freiwilligentourismus basiert somit grundsätzlich auf altruistischen Überlegungen, egoistische Beweggründe wie die Aufwertung des eigenen Lebenslaufes können allerdings ebenfalls eine Rolle spielen.

Über die tatsächlichen Beweggründe für eine Reiseentscheidung lässt sich grundsätzlich nur spekulieren, der hohe Frauenanteil im Freiwilligentourismus ist hingegen statistisch verifiziert. Auswertungen der Veranstalter haben ergeben, dass mehr als 60% der Reisenden in diesem Segment weiblich sind und über ein höheres Engagement und bessere Sprachkenntnisse verfügen.

Welche Ziele und welche Einsatzschwerpunkte existieren im Freiwilligentourismus? Bedeutung

Im Freiwilligenstourismus ist für die Auswahl geeigneter Destinationen entscheidend, ob im Rahmen der Reise soziale, kulturelle oder ökologische Aspekte im Vordergrund stehen. Planbarkeit und Sicherheit sind ebenfalls wichtige Einflussfaktoren, da im kommerziellen Volontourismus Reisen in Krisengebiete oder akut von Naturkatastrophen betroffene Regionen unüblich sind. Die touristische Attraktivität des Ziellandes und ein geringer Entwicklungsstand der Region sind für Agenturen allerdings weiterhin die maßgeblichen Kriterien. Viele Reisen führen deshalb auf den afrikanischen Kontinent oder nach Süd- und Südostasien, Destinationen in Lateinamerika und Osteuropa besitzen allerdings ebenfalls eine gewisse Bedeutung.

Die Einsatzsmöglichkeiten orientieren sich grundsätzlich an den Präferenzen der jungen Reisenden. Umwelt- und Entwicklungshilfeprojekte sind sehr beliebt und bieten den Veranstaltern langfristige und sichere Planungsmöglichkeiten, daneben ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen für viele Volontäre attraktiv. Die Teilnehmer werden in Schulen, Waisenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen eingesetzt und übernehmen überwiegend Betreuungs- und Bildungsaufgaben. Programme mit kulturellem Hintergrund bieten die Möglichkeit, Freiwillige an historischen Stätten beispielsweise als Guides einzusetzen, ein ähnliches Aufgabenspektrum erwartet die Reisenden bei internationalen Sportevents. Olympische Spiele und Weltmeisterschaften sind wichtige Großereignisse, bei denen Agenturen bis zu 40.000 Freiwillige vermitteln.

Welchen Nutzen hat Freiwilligentourismus?

Das wichtigste Ziel von Freiwilligentourismus ist es, Menschen und Organisationen in Entwicklungsländern dauerhaft und möglichst kostenneutral zu unterstützen. Junge Menschen erhalten gleichzeitig die Möglichkeit, andere Sprachen und Kulturen kennenzulernen und tragen durch ihr Engagement vor Ort zur Völkerverständigung bei.

Das setzt allerdings voraus, dass sich die Reiseveranstalter im Volontourismus streng an ethische Grundsätze halten und die Teilnehmer über genügend Erfahrung und Vorbereitung verfügen, um in ihrem Einsatzbereich vor Ort von Nutzen zu sein. Interessierte sollten deshalb bei der Auswahl eines Programmes nicht nur die touristische Attraktivität des Landes berücksichtigen, sondern insbesondere ihre eigenen Fähigkeiten und die Sinnhaftigkeit des Projektes hinterfragen.

Freiwilligentourismus hat eine gemeinnützige Komponente, ist aber in erster Linie ökonomisch attraktiv. Nutznießer sind vor allem die Agenturen, die zwischen 50 und 150 Euro pro Tag von den Teilnehmern verlangen, aber auch die eingebundenen Partner vor Ort und das jeweilige Land als touristische Destination profitieren finanziell.

Kritik: Was wird am Freiwilligentourismus kritisiert?

Am Freiwilligentourismus wird insbesondere seine kommerzielle Ausrichtung kritisiert. Anders als Hilfsorganisationen, bei denen die gemeinnützige Tätigkeit im Vordergrund steht, bieten professionelle Agenturen ihre Programme oftmals wie Ferienreisen an. Der touristische Aspekt steht im Vordergrund, der Einsatz als Volontär vor Ort ist nur ein Bestandteil des Pauschalangebotes. Die Ähnlichkeit zur Urlaubsreise spiegelt sich auch in der Dauer der Programme wieder, denn nur selten sind die Teilnehmer länger als drei Wochen unterwegs.

Die Kürze des Einsatzes vor Ort lässt auch keine intensive Vorbereitung der Teilnehmer zu. Nur jede fünfte Agentur lädt ihre Bewerber zu Vorstellungsgesprächen ein, in 20% der Fälle wird nicht einmal ein Lebenslauf von den Kandidaten verlangt. Im Gegensatz dazu verpflichtet die halbstaatliche Agentur „weltwärts“ ihre Teilnehmer zu einem mehrtägigen Seminarprogramm, das der intensiven Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung der Reise und der Tätigkeit im Zielland dient.

Viele Programme kommerzieller Anbieter sind zudem schlecht geplant und wirken sich auf die lokalen Projekte negativ aus. Die Verantwortlichen vor Ort werden oft nicht gefragt, wie viele Freiwillige sie für den Einsatz benötigen, zudem sind die Teilnehmer oft nicht ausreichend qualifiziert oder verfügen über sprachliche Defizite.

In einigen Ländern wird die Kommerzialisierung der Freiwilligenarbeit sogar zu einem gesellschaftlichen Problem. In Asien hat das Geschäft mit Touristen und Freiwilligendiensten in manchen Regionen die Gründung neuer Waisenhäuser erst angeregt, zum Teil wurden zu diesem Zweck sogar Kinder von ihren Eltern getrennt. In anderen Gegenden wirkt sich der Freiwilligentourismus wiederum negativ auf den lokalen Arbeitsmarkt aus, da durch das kostenlose Engagement europäischer Volontäre Arbeitnehmer aus ihren Berufen verdrängt worden sind.

Was bedeutet „Algokratie“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Algokratie“ bedeutet im Wortsinn „Herrschaft der Algorithmen“. Es handelt es sich dabei um ein Kunstwort, das vereinfacht dafür steht, dass eine Gesellschaft und dass Handeln von Menschen von Algorithmen bestimmt und optimiert wird.

Ferner steht die „Algokratie“ für den Sieg von Maschinen über den Menschen und dafür, dass in der weiteren Entwicklung der Menschheit Algorithmen, also eigentlich ganz einfache künstliche Intelligenzen sogar die Staatsgewalt übernehmen und die Menschen beherrschen könnten.

Was bedeutet „Algokratie“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Nach der wissenschaftlichen Definition ist ein Algorithmus einfach eine genau definierte Anweisung, wie ein ganz bestimmtes Problem zu lösen ist. Über 1000 Jahre lang waren Logarithmen in erster Linie Rechenregeln zur Lösung eines mathematisch darstellbaren Problems. Erst jetzt im Computer- und Internetzeitalter nehmen sie uns immer mehr das Suchen, das Entscheiden, ja sogar das Denken ab. Algorithmen analysieren die Milliarden von Datenspuren, die wir im Netz hinterlassen. Sie erkennen daran unsere Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen. So erschließen sich ihnen unsere Verhaltensmuster und sie können können daraus alles ableiten, was sie über uns wissen möchten. Natürlich hat das in der Praxis sehr viele Vorteile. Algorithmen können unsere Haushaltsgeräte steuern und besser Schach spielen als wir. Sie können uns genau passende Einkaufsvorschläge machen und uns den besten Weg von A nach B finden lassen. Sie können unsere Gesundheit überwachen, Krankheiten diagnostizieren und an der Börse Handel treiben. In naher Zukunft werden sie ungefragt unsere Kühlschränke füllen, unser Auto, Züge und Flugzeuge steuern und vieles andere. Das ist bequem, es spart uns Zeit, Mühe und Kraft, macht unser Leben leichter und angenehmer. Aber nur positiv betrachten kann man die Entwicklung trotzdem nicht.

Übrigens: 2020 wurde eine weitere Form der Herrschaft diskutiert: Kennen Sie Virokratie?

Algokratie: Gefahr, Möglichkeiten und Macht

Zum einen sind die Systeme, die unser Leben erleichtern auch angreifbar. Fehler bei der Programmierung, Hacker-Angriffe und Sabotage können dazu führen, dass sie nicht mehr so funktionieren wie sie sollten und das kann zu großen Schwierigkeiten und chaotischen Zuständen in allen Wirtschafts-und Lebensbereichen führen. Noch schlimmer aber ist es, dass die durch Algorithmen gesteuerten künstlichen Intelligenzen uns auch in bestimmte Richtungen drängen und manipulieren können. Es ist kein Zufall, dass wir bei jeder Internetrecherche immer zuerst auf die Seiten stoßen, bei denen die Meinung vertreten wird, die wir selbst zu einer Sache haben. Das schränkt eine objektive Information schon sehr stark ein und ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Daraus kann Stimmungsmache zum Beispiel durch Fake-News geschehen und es auch zu anderen sehr undurchsichtige Arten von Manipulation kommen. Dazu kommt die Gefahr, sozusagen ein „gläserner Mensch“ zu werden und oft auch nicht gerecht einschätzt zu werden.

Letztlich muss auch beachtet werden, dass die Algorithmen, die unser Leben gerade vereinfachen von Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht entwickelt werden. Diese Unternehmen haben kapitalistische Interessen und wollen Geld verdienen. Diese Interessen dürfen sie auch haben, aber eignen sich ihre Algorithmen dann als Basis für eine Demokratie?

Bedeutung Algokratie: Viele Fragen sind zu beantworten

Algorithmen bestimmen zum Beispiel unsere Kreditwürdigkeit und die Höhe der zu zahlenden Zinsen. Sie beeinflussen auch, ob wir einen Job gekommen oder einen Mietvertrag. Außerdem stellt sich auch die Frage, wie sich künstliche Intelligenzen in Systemen verhalten, die sie selbstständig steuern können. Handeln sie dann wirklich vernünftig oder rational? Können sie von programmierten Skripts abweichen, wenn die konkrete Situation das verlangt? Dazu kommt, dass es immer schwerer wird, zu erkennen wer hinter einem Programm steckt, wie der Algorithmus geschrieben wurde, welch Ziele er verfolgt, von welchen Annahmen er ausgeht und welche Filter er enthält.

Auch moralische Fragen stellen sich in einer Algokratie. Denn die Frage, ob ein Algorithmus gut oder schlecht ist, müssen Menschen beantworten. Nach welcher Ethik soll hier entschieden werden? Ist ein Algorithmus gut, wenn er das größte Glück für die größte Zahl (an Menschen) bringt? Was würde dann aus dem Minderheitschutz oder würde dieser einfach für das Glück der Mehrheit geopfert?

Auch muss gefragt werden, wer überwacht den Algorithmus? Sollte er sich selbst überwachen, sollten Techniker (Informatiker) oder Politiker den Algorithmus überwachen? Sollte ein Rat aus verschiedenen Menschen den Algorithmus überwachen? Und hier stellt sich letztlich wieder die Frage: Woher sollen wir wissen, ob diese Menschen gut sind und ob sie gute Entscheidungen treffen?

Auch muss gefragt werden, wer optimiert den Algorithmus und passt ihn an neue Situationen (Klimanotstand) an? Kann der Algorithmus sich selbst optimieren oder sollten dies Menschen machen? (Und wenn der Algorithmus sich selbst optimiert, woher weiß der Algorithmus, dass er sich in eine gute Richtung optimiert hat?)

Letztlich muss natürlich gefragt werden, welches Menschenbild liegt dem Algorithmus zu Grunde? Ist es ein Menschenbild in dem Menschen gelenkt, gestubst und geleitet werden sollen oder ist es Menschenbild in dem Menschen befähigt werden sollen selbst (kritisch) zu denken?

Leben wir vielleicht schon in der „Algokratie“, ohne es zu wissen?

Nein das tun wir nicht. Wir leben immer noch in einer funktionierenden Demokratie, aber wir müssen immer wachsam, selbstbestimmt und demokratisch mit Algorithmen umgehen. Wenn wir die Politik der Algorithmen einfach geschehen lassen und sie nicht gemeinsam kontrollieren und immer wieder verhandeln, würden wir uns ihr unterwerfen.

Was bedeutet „Regime Change“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der „Regime Change“ oder auf deutsch „Regimewechsel“ ist in vielen Ländern passiert. Unter einem Regime wird eine Regierung verstanden. Die Bezeichnung kommt aus der französischen Sprache und steht auch für ein Regelwerk. In der modernen Fassung wird das Regime jedoch weitestgehend negativ belegt. Man fasst darunter autoritäre Systeme und Diktaturen zusammen. Der Wechsel bezieht sich auf den Austausch. Hierbei werden Diktaturen oder autoritäre Systeme durch demokratische ersetzt. In einigen Fällen folgt jeweils auf eine Diktatur eine andere. Aus demokratischen Regierungsformen können jedoch auch Diktaturen entstehen.

Was bedeutet „Regime Change“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Wie der Wechsel vonstattengeht, hängt von den inneren Kräften des betreffenden Landes und meistens auch von ausländischen Staaten ab.

Beim Regimewechsel wird eine existierende Regierung durch eine andere ersetzt. Im Zentrum stehen der Verwaltungsapparat, das Militär und einzelne bürokratische Bereiche.

Auf welche Weise der Wechsel erfolgt, ist von den inneren Machtverhältnissen und Verbündeten des betroffenen Staates oder seines Gegners abhängig. Es kommen sowohl friedliche als auch militärische Maßnahmen in Betracht. Finanzielle Interessen innerhalb des für den Regimewechsel vorgesehenen Staates können ebenfalls zu Veränderungen beitragen. Die Entscheidungsträger wissen in diesem Fall, dass das alte Regime nicht mehr zukunftsorientiert arbeiten kann. Sie erkennen gleichzeitig das Potential des übernehmenden Staates und stützen den damit verbundenen Wechsel.

Der militärisch organisierte Regime Change aufgrund einer politischen Problematik

In einigen Ländern kommt es aufgrund politischer und finanzieller Gegensätzlichkeiten zu einem Regime Change, der mit militärischen Operationen verbunden ist. Unter normalen Bedingungen wären die Gegner sogar Freunde. Die Differenzen lassen sich leider nur ohne Kampf nicht lösen.

1773 waren die nordamerikanischen Kolonisten stark verärgert. Sie mussten hohe Steuern auf bestimmte Produkte zahlen. Außerdem fühlten sie sich von der britischen Krone nicht entsprechend respektiert. So kam es zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, der bis zur britischen Niederlage von Yorktown 1783 erbittert geführt wurde. Das Ergebnis waren die Vereinigten Staaten von Amerika, die das Regime der britischen Kolonialverwaltung ablösten. Aus einer parlamentarischen Monarchie wurde ein demokratischer Staat.

Was versteht man unter einer internen Regimeänderung? Regime Change, Bedeutung

Eine interne Regimeänderung kann sich innerhalb eines Staates ereignen. Ein gutes Beispiel ist der Ostblock. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit bildete sich unter der Führung Moskaus ein System von Satellitenstaaten. Diese wurden nach sozialistischen Vorbildern, die stark sowjetisch – als im Sinne Russlands (der UdSSR) geformt wurden. Diesem Zusammenschluss gehörte auch die DDR an. Die DDR war der Teil Deutschlands, der nach dem Zweiten Weltkrieg dem Machtbereich Russlands zugesprochen worden war.

1986 kam es zur Wende. Diese soll auch durch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl beeinflusst worden sein. Während einer Konferenz leitete der damalige Staatssekretär der UdSSR, Michael Gorbatschow, die Wende im Verhältnis der Oststaaten zu Moskau ein. Die ehemaligen Satellitenstaaten lösten sich in den folgenden Jahren zunehmend aus dem Einflussbereich Russlands. Ungarn lockerte beispielsweise 1989 die Grenzkontrollen, sodass Menschen leichter aus der DDR in die Botschaft der Bundesrepublik nach Budapest fliehen konnten. Im Herbst entfiel das Herrschaftsmonopol der meisten ehemaligen Ostblockstaaten, die durch den Eisernen Vorhang seit den 40er-Jahren vom kapitalistischen Westen abgeschottet waren. Dann folgte der Zusammenbruch des Ostblocks, dessen Staaten sich zunehmend dem Westen und der EU öffneten. Einige wurden Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Ein Regime Change mit militärischen Mitteln

In einigen Ländern kann eine Diktatur durch eine Kombination aus freien Wahlen und einem Putsch an die Macht kommen. Dieser Vorgang ereignete sich 1933 in Deutschland.

Die Nationalsozialisten, eine demokratiefeindliche Organisation, ergriff in diesem Jahr die Macht und wandelte das Land in eine menschenfeindliche Diktatur um. Im September 1939 begann der für diese Diktatur verantwortliche Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg. Die Auswirkungen waren verheerend. Zwischen 1939 und 1945 organisierten die U.S.A., Großbritannien und Russland eine Reihe von Offensiven, mit denen sie den notwendigen Regime Change in Deutschland durchsetzen konnten. Neben der ersten Front in Russland eröffneten die westlichen Alliierten in Frankreich eine zweite, mit deren Hilfe sie das NS-Regime bis Mai 1945 stürzten. Der damit verbundene Krieg kostete über 55 Millionen Menschenleben und verwüstete weitere Bereiche der Erde.

Deutschland wurde in vier Sektoren aufgeteilt. Während die Amerikaner, Engländer und Franzosen in den westlich orientierten Zonen jeweils das demokratische System einführten, kam es in den von den Russen dominierten deutschen Gebieten zu einer Diktatur. Diese sollte als DDR bis 1990 fortbestehen. Die DDR war durch spezielle Verträge an die UdSSR gebunden.

1949 wurde in den westlichen Zonen – unter maßgeblichem Einfluss des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer – die Bundesrepublik Deutschland aus der Taufe gehoben.

Der weitestgehend friedliche Regime Change in der DDR

1949 wurde die DDR parallel zur Bundesrepublik gegründet. Wer die DDR verlassen wollte, um in die Bundesrepublik umzuziehen, musste aus seiner Heimat fliehen. Die Grenztruppen der DDR hatten dabei den Auftrag auf den betreffenden Menschen zu schießen. Dazu kamen die in den folgenden Jahrzehnten ausgebauten Grenzanlagen, die kaum überwunden werden konnten. DDR-Flüchtlinge, deren Fluchtversuche scheiterten, erhielten hohe Haftstrafen. Ihre Kinder wurden in Kinderheime eingewiesen oder an regimetreue Familien zur Adoption weitergegeben.

Die DDR arbeitete im Sinne des Ostblocks und der UdSSR mit der Planwirtschaft. Dieses System schädigte die Wirtschaft und führte Ende der 80er-Jahre zu zahllosen Demonstrationen. Diese wurden indirekt durch den russischen Präsidenten Gorbatschow und den westdeutschen Kanzler Helmut Kohl unterstützt. Im November 1989 öffnete die DDR die Grenzen und erlaubte ihren Bürgern und den Staatsbürgern anderer Nationen die kontrollierte Ein- und Ausreise. Im folgenden Jahr bereiteten zahlreiche Politiker und Wirtschaftsführer die Eingliederung der DDR in die Bundesrepublik vor. 1990 wurde das ehemalige Staatsgebiet der DDR Teil der Bundesrepublik Deutschland. Der Tag der Einheit, der 3. Oktober, ist seitdem ein deutscher Nationalfeiertag.

Regime Change: Teilweise friedlicher Wechsel der Regierungsform in Südafrika

In Südafrika galt Jahrzehnte lang das Apartheidregime. Das System grenzte die farbige Bevölkerung aus und führte zur Gründung des ANC, des Afrikanischen Nationalkongresses. Dieser führte sowohl politische als auch paramilitärische Maßnahmen aus, um die Rechte der Farbigen zu schützen und auszubauen. Außerdem wurde die Republik Südafrikas von vielen westlichen Staaten mit einigen Embargos belegt, um die Staatsführung des Landes zur Abkehr von der Apartheid zu bewegen. 1990 entließ der Staat den Bürgerrechtler Nelson Mandela aus der Haft. Im gleichen Jahr hob die Regierung auch das ANC-Verbot auf. 1994 erzielte der ANC bei der ersten freien Wahl ein extrem starkes Ergebnis. Er war die stärkste Partei. Im gleichen Jahr wählten die Bürger Südafrikas Mandela zum ersten farbigen Staatspräsidenten der Republik Südafrika. Mit seiner Ernennung war die Apartheid – oder Ausgrenzung – vorbei. Für seine Versöhnungspolitik zwischen den Bürgern erhielt er den Friedensnobelpreis. Dieser wurde auch dem ehemaligen Präsidenten überreicht, der Mandela unterstützt hatte.

Der Regimewechsel innerhalb eines demokratischen Staates: Bedeutung, Definition, Erklärung

In vielen Staaten werden die Staatsoberhäupter im Rahmen einer freien und geheimen Wahl vom Volk oder über ein entsprechendes System gewählt. Trotzdem kann es zu einem Regimewechsel während einer Legislaturperiode kommen. Dieser Wechsel ist dann mit einer neuen Wahl verbunden, während die alte Regierung zurücktritt.
So wurde 1958 die Vierte Französische Republik durch die Fünfte abgelöst. Das Problem der Vierten Französischen Republik bestand in den unzähligen Regierungswechseln, die es in den zwanzig Jahren ihres Bestehens gab. Die neue Republik brachte neben einer stabilen Mehrheit auch die Rückkehr von Charles de Gaulle. Er wurde zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.

Was bedeutet „Beenager“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Beenager“ ist ein Neologismus beziehungsweise eine Verschachtelung aus den Begriffen „Best Ager“ und „Teenager“. Grundsätzlich bezeichnet man hiermit Menschen, die auch im Alter noch Trends folgen und sich wie junge Erwachsene verhalten.

Um verstehen zu können wie dieses Phänomen möglich ist und warum es immer mehr der sogenannten „Beenager“ gibt, muss vorerst abgeklärt werden, von welcher Personengruppe überhaupt die Rede ist: Es handelt sich hierbei um die Ü50-Generation.

Was bedeutet „Beenager“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Begriffe wie „Midlife Crisis“ waren schon in den vergangenen Jahrzehnten gängige Bezeichnungen für Personen, die sich ab einem gewissen Alter plötzlich anders verhielten. Sei es der Zwang, den aktuellen Modetrends auf Schritt und Tritt zu folgen, seinen Töchtern oder Söhnen nachzueifern oder hippe Anschaffungen wie zum Beispiel den Kauf eines Sportwagens zu tätigen – seit eh und je tun sich viele Menschen schwer, sich ihr Alter einzugestehen.

Ein rasanter Lebenswandel durch Diäten, Stil- und Charakterveränderungen: Sie alle sind offensichtliche Anzeichen einer gewissen Unzufriedenheit und eines Unwohlseins im eigenen Körper oder mit dem eigenen Leben. Fürchtet man das Altern seiner Selbst, bietet es sich an, sich an jenen Menschen zu orientieren, die die als perfekt oder besser empfundene Lebensweise führen – in diesem Fall also meist an der jungen Generation.

Ob nun die eigenen Kinder als Orientierung und Maßstäbe herangezogen wurden, oder ob das neue Verhalten durch schlichtes Beobachten und gewissermaßen Nacheifern entstand: Die alten „Beenagers“ übernahmen die jugendliche Sprache, jugendliches Ausgehverhalten sowie Kleidungstrends der jüngeren Generation. So simpel war es.

Bedeutung: „Beenager“ im Zeitalter von Facebook, Tinder und Co.

Durch den Aufschwung des Internets und das Großwerden der Social Media sowie Dating-Plattformen in den frühen 2010er Jahren, erreichte das sich-jung-Fühlen eine neue Dimension: Schon bald fand man neben Partyfotos, Selfies und sonstigen Posts von Jungspunden auch jene, aus der Generation ihrer Eltern.

Wo ist nun aber der Unterschied zwischen modernen Oldies und Beenagern?

Die klassischen Selfies und Postings von Müttern und Frauen im Alter von etwa 50 Jahren und aufwärts sollten jedem bekannt sein: Blumen, Fotos von Kindern und Haustieren oder ab und zu ein Bild vom Wandern oder Stadtbummel. Diese Bilder und Kategorie ist genau das, was die Beenager heutzutage meiden. Sie wollen keinesfalls in die Schublade der Normalos oder langweiligen Eltern gesteckt werden und konkurrieren daher oftmals mit Personen jüngerer Generationen.

Beenager, welche vor allem meist weiblich sind, werfen sich für jedes ihrer Postings in Schale: Sie schminken sich jugendlich, ziehen sich an, als wären sie der U30-Generation zugehörig und verwenden oftmals viele Filter wie beispielsweise von FaceTune, welche die Haut sowohl straffer als auch jünger wirken lassen können. Geschummelt wird außerdem gerne bei der Figur, da diese neben dem Gesicht und dem Hals, oftmals ein Indikator für das Alter einer Person sein kann.

Zudem unterziehen sich Beenager gerne diversen Schönheitskuren und gehen oftmals bis zur chirurgischen Korrektur. Brustvergrößerungen, Hautstraffungen, Po-Liftings und Botox – ein junges Erscheinungsbild kann hierbei auch sehr teuer werden!

Wo findet man Beenager heutzutage? Erklärung

Grundsätzlich findet man diese Personengruppe überall da, wo man auch Jugendliche finden würde. Ob dies nun auf Social Media bezogen ist, oder auf angesagte Clubs – sie sind der jungen Generation auf den Fersen.
Auch auf Plattformen wie TikTok, wo zu kurzen Audiofrequenzen getanzt, gewitzt oder schlichtweg die eigene Person präsentiert werden kann, sind die Beenager unterwegs. Dies ist die oftmalige Offensivität zu begründen, die durch das Aufzeigen der eigenen Schönheit oder Fitness entsteht. Dieses „Phänomen“ ist ganz simpel zu erklären: Wer sich um sich selbst sorgt und viele Stunden mit seinem Äußeren beschäftigt indem er Sport macht oder sich schminkt, möchte hierfür Komplimente bekommen und von anderen gesehen werden.

Wer ist ein typischer Beenager? Eigenschaften, Merkmale, Charakter

Bekannte Beenager sind meistens Stars, die aufgrund ihres Bekanntheitsgrads tagtäglich in den Medien zu sehen sind. Oftmals stecken hinter diesen Beenagern auch echte Teenies, die ihre Eltern ermutigen oder inspirieren, Trends zu folgen und somit auch eine gewisse Sympathie zu schaffen. Carmen Geiss, Natascha Ochsenknecht und viele mehr – sie alle sind nicht nur aufgrund ihres Star-Status auf allen möglichen Social Media Plattformen vertreten. Sie lieben ihr trendiges Dasein, kennen allerdings auch ihre Grenzen.

Negative Seiten eines Beenagers

Viele Beenager jedoch sprengen allermann Vorstellungsvermögen. Sie lassen sich komplett fallen, springen sozusagen in die Rolle eines Teenies und leben ihre Jugendsucht ohne Rücksicht auf Verluste aus. Abgesehen davon, dass eine zwangshafte Unzufriedenheit mit der eigenen Person einen immens negativen Einfluss auf die Psyche eines Menschen hat – sowohl (Ehe-)Partner als auch Kinder müssen mit der Entscheidung dieser Person leben können. Plötzlicher Charakterwandel, Rücksichtslosigkeit und Egoismus, all das, was man in erster Linie von Frühpubatierenden kennt, erwacht in diesem Fall in einer erwachsenen Person, welche oftmals Verantwortungsträger ist und welche von ihrem Umfeld bisher anders gesehen wurde.

Was ist „Niksen“? Bedeutung, Definition, Erklärung, Ursprung


Nicht einmal im Urlaub bleibt das Handy Zuhause. Ständig erreichbar sein und sich von der Schnelllebigkeit des Alltags treiben lasse. Dagegen haben die Holländer ein gutes Rezept: Niksen.

Was ist „Niksen“? Bedeutung, Definition, Erklärung, Ursprung

Bei „Niksen“ handelt es sich um ein Lebensgefühl, das sich dem gesellschaftlichen Druck in die Quere stellt und erlauben soll, auch einmal schlicht gar nicht zu tun. Gerade in der schnelllebigen Zeit, in den wir alle viele Möglichkeiten haben, liegt der Fokus oft in der Produktivität. Niemand möchte am Ende des Tages ins Bett gehen und sich selbst vorwerfen, heute nichts Sinnvolles getan zu haben, sondern kostbare Lebenszeit verschwendet zu haben. Trotzdem besteht bei vielen Menschen der Wunsch nach Atempausen und Erholung. Das verdeutlicht auch die Tatsache, dass diese Trends in der Vergangenheit zunehmen.

Schon das dänische Lebensgefühl „Hygge“ ließ den Fokus wieder auf die Gemütlichkeit richten und uns an Momente und Orte erinnern, an welchen wir uns geborgen und wohlfühlen. Ebenso das schwedische „Lagom“ und die damit verbundene Idee, das Leben durch bestimmtes Maßhalten wieder in den Ausgleich zu bringen.

Bedeutung Niksen: Die Kraft aus dem Nichtstun

Menschen sind immer und überall bestrebt, die freie Zeit, die sie haben, sinnvoll zu nutzen. Auf dem Weg mit dem Auto einen Podcast hören, ein Buch im Warteraum des Arztes lesen oder das Radio laufen lassen während dem Bügeln. Nichts ist schlimmer, als der Gedanke Zeit sinnvoll verstreichen zu lassen. Dabei haben wir verlernt, mit uns selbst allein zu sein und dem Kopf die Möglichkeit zu geben, einmal abzuschalten.

Wer nikst, der gibt Körper und Geist die Chance, sich zu regenerieren und schafft zudem mehr Platz für Kreativität und Gedanken. Diese Theorie klingt zunächst einmal logisch und leicht, in der Realität ist dies allerdings gar nicht so einfach. Einfach einmal eine Stunde die Seele baumeln lassen oder ohne Aufgabe aus dem Fenster sehen ist zunächst einmal sehr ungewohnt und die Zeit mag gar nicht vergehen. Nicht nur, dass wir uns das bewusste Durchatmen gar nicht erlauben möchten, schlimmer noch: Viele Menschen befürchten dann als Faulenzer betitelt und diskreditiert zu werden. Wenn Achtsamkeitsübungen und Meditationseinheiten in der breiten Gesellschaft akzeptiert sind, kann aber auch das Niksen eine Chance haben, Fuß zu fassen.

Erklärung: So gelingt das Niksen

Wie wird nun genikst? Wer allein bei dem Gedanken, sich eine Stunde am Tag Zeit für nichts zu nehmen, Bauchschmerzen bekommt, der kann auch etwas ruhiger starten. Dabei ist es hilfreich, sich bei den Kindern etwas abzuschauen. Kinder sehen die Schönheiten vor allem in den kleinen Dingen. Das kann ein unter Schmetterling sein oder ein Nachmittag auf einem Spielplatz. Kleinigkeiten lassen uns Menschen schon in frühen Jahren perfekt abschalten. Innere Ruhe kann auch dann erlangt werden, wenn die Momente des Alltags bewusster wahrgenommen werden. So kann sich also langsam und sicher an das Niksen herangetastet werden. Auf welche Art und Weise das Niksen stattfindet, ist dabei jedem selbst überlassen.

Die entspannte Muße

Wer starke Probleme damit hat, sich auf das Niksen einzulassen, kann sich an die Empfehlungen des Professors Rutt Veenhooven halten. Der niederländische Soziologe empfiehlt es, sich für einen bestimmten Zeitraum auf einen Stuhl zu setzen und aus dem Fenster zu sehen. Natürlich ohne den Computer, ohne das Handy oder eine andere Ablenkung. Laut dem Wissenschaftler sei es das Ziel, herauszufinden welche Entspannungsart am besten zu einem passt. Dabei gibt es keinen einheitlichen Ansatz für alle Menschen. Jeder muss nach dem Konzept selbst für sich herausfinden, was funktioniert und was nicht. Übrigens kann es auch eine halbautomatische Beschäftigung sein. Stricken zum Beispiel. Auch wenn dabei etwas „gemacht“ wird, dient eine solche Beschäftigung der Beruhigung. Langeweile führt zu Kreativität. Das sehen die Eltern von Kindern jede Sommerferien. Ebenso ist es nichts Neues, dass vielen Künstler, Wissenschaftlern oder Unternehmern die spannendsten und erfolgreichsten Ideen unter der Dusche kommen. Der Grund ist einfach: Im Ruhezustand schaltet das Hirn nicht komplett ab. Auch wenn wir vermeintlich gar nichts tun, verarbeitet das Gehirn die Informationen und kann dank der noch vorhandenen Rechenleistungen Probleme angehen, so Veenhoven.

Siehe auch:

Deshalb ist Niksen sinnvoll

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in denen wir stets erreichbar sein wollen oder sein müssen. Entspannung und Abschalten haben dabei oft keinen Platz mehr im Leben. Kein Wunder also, dass psychische Erkrankungen, Burnout-Fälle und stressbedingte Erkrankungen wie Migräne immer mehr zunehmen. Ein stressiger Beruf, ein stressiger Alltag, die ständige Berieselung von Medien und der Druck, immer und überall schnell erreichbar zu sein, machen unserem Geist und dem Körper zu schaffen. Unser Gehirn ist dabei täglich vielen Eindrücken ausgesetzt. Kommt es zwischendrin nicht zur Ruhe, kann es die Erlebnisse nicht richtig verarbeiten. Unser Gehirn leistet vom frühen Morgen, bis zum späten Abend und auch während des Schlafs Hochleistungen. Schon ein paar Minuten bewusste Ruhe oder Entspannungsübungen geben unserem Hochleistungsorgan die Chance, sich zu erholen und mit neuer Energie an die nächsten Herausforderungen zu gehen.

Was bedeutet „nichtbinär“ (non-binary, enby)? Bedeutung, Definition, Erklärung


Immer häufiger ist in den Medien von Menschen zu hören, die nichtbinär sind bzw. sich als solche bezeichnen. Diese Menschen bevorzugen den Verzicht von geschlechtsspezifischen Anreden wie Herr oder Frau und sind vielen Teilen der Welt noch unbekannt. Doch was genau beutetet es eigentlich, wenn jemand nichtbinär ist?

Was bedeutet „nichtbinär“ (non-binary, enby)? Bedeutung, Definition, Erklärung

In der Informatik ist das Wort „binär“ eines der wohl am meistens verwendeten Wörter, denn dort sind z. B. Zahlen binär, da der Computer nur die Zahl Null oder die Zahl Eins versteht. Binär beutetet grundsätzlich, dass es zwei Optionen für etwas gibt, z. B. nur zwei Zahlen, zwei Geschlechter oder zwei Wege. Bis vor einigen Jahrzehnten galt es noch als selbstverständlich, dass es bei den Geschlechtern ebenfalls nur eine binäre Einteilung geben kann: entweder ein Mensch ist weiblich oder männlich.

Ein Teil der Weltbevölkerung fühlt sich jedoch weder weiblich noch männlich und kann sich daher nicht in eine der beiden Kategorien einfinden: Diese Menschen werden als nichtbinär bezeichnet – für die trifft keine der beiden Optionen vollständig zu. Der Begriff „nichtbinär“ kann natürlich auf verschiedene Lebensbereiche angewendet werden – überall dort, wo es eben mehr als nur zwei Optionen gibt oder keine der beiden Optionen vollständig zutrifft. In der letzten Zeit hat der Begriff jedoch bei der Geschlechtsidentität an Wirkung gewonnen und wir daher meistens auch damit assoziiert.

Statt „nicht-binär“ kann auch „enby“ gesagt werden. Beide Ausdrücke bedeuten das gleiche und sind daher synonym.

Dabei steht nun die Geschlechtsidentität eines Menschen nicht in direkter Verbindung mit dem biologischen Geschlecht und damit auch den Geschlechtsmerkmalen, sondern nur rein mit dem Zugehörigkeitsgefühl zu diesen. Diese nichtbinär Identität wird in vielen Fällen besonders nach Außen ausgedrückt.

Welche nichtbinären Geschlechterrollen gibt es? Bedeutung, Erklärung

Menschen, die sich als nichtbinär bezeichnen, können trotzdem in einige Rollen klassifiziert werden, die sie etwas näher beschreiben sollen.
Transgender sind dabei Menschen, die im falschen Geschlecht geboren wurden, z. B. Frauen, die sich eigentlich als Mann fühlen. Mit Genderqueer bezeichnet man Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter eindeutig zuordnen möchten oder eine Kombination aus Mann und Frau einnehmen.

Menschen, die ihr Geschlecht mit der Zeit verändern werden, als Genderfluid bezeichnet, ähnlich wie Bigender. Wer sich als vollständig ungeschlechtlich fühlt, wird in der Regel als Agender bezeichnet.

Seit wann gibt es diesen Begriff „nicht-binär“ (non-binary)? Bedeutung

Der genaue Zeitpunkt der Entstehung dieses Begriffes lässt sich nur schwer festlegen, allerdings hat die starke Verbreitung des Begriffes im Jahre 2011 gestartet – unter anderem auch durch die immer stärkere Vernetzung und Verwendung des Internets zur Übertragung von Informationen.

Die rechtliche Anerkennung von nichtbinären Menschen wird in vielen Ländern der Welt sehr unterschiedlich gehandhabt, in einigen ist sie sogar vollständig verboten. Viele Formulare haben in letzter Zeit ein drittes Feld „divers“ bei der Auswahl des Geschlechtes erhalten.

Leider leiden viele Personen, die sich als nichtbinär bezeichnen immer noch an Diskrimineurng und an einer ungerechten Behandlung. Diese ist vor allem im jungen Alter zu spüren, kann sich jedoch auch noch im Berufsleben fortsetzen, viele der Menschen haben bereits Suizidgedanken hinter sich gebracht. Durch die womöglich falsche (aber eigentlich unabsichtliche) Klassifizierung durch die Umwelt leiden nichtbinäre Personen nicht selten an der Dysphorie, also an einem allgemeinen Unwohlsein aufgrund dieser falschen Klassifizierung.

Was ist „Digital Wellbeing“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Digital Wellbeing“ oder auch „Digitales Wohlbefinden“ ist eine Bewegung, die sich mit der Kontrolle der Zeit befasst, die wir vor mobilen Geräten, dem Internet und der Technologie im Allgemeinen verbringen.

Digital Wellbeing bedeutet, den potenziellen Schaden anzuerkennen, den eine übermäßige Abhängigkeit von Bildschirmen verursachen kann, ob es unsere Aufmerksamkeitsspanne verkürzt oder unsere Produktivität beeinträchtigt. (Siehe: Nomophobie)

Um diesen potenziellen Schaden zu begrenzen, zielt Digital Wellbeing darauf ab, die Kontrolle über die Nutzung unseres Smartphones zurückzugewinnen und nützliche Grenzen zu setzen, die Platz und Ausfallzeiten bieten. Die Technologie selbst ist sicherlich nicht schlecht, aber es ist wichtig, dass wir den potenziellen Schaden anerkennen und Strategien entwickeln, um dieses Risiko zu mindern.

Was ist „Digital Wellbeing“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Ein Blick auf blaue Bildschirme vor dem Schlafengehen kann das Cortisol erhöhen und das Melatonin abbauen, sodass wir nicht so tief wie möglich schlafen können. Dies kann sogar ein wesentlicher Faktor bei Schlaflosigkeit sein.

Eine einfache Lösung besteht darin, eine Grenzzeit für die Verwendung des Smartphones festzulegen, möglicherweise 30 Minuten bevor Sie ins Bett gehen. Dies gibt Ihrem Gehirn die Möglichkeit, sich zu erholen und ermöglicht es Ihnen, leichter in einen tieferen Schlaf zu fallen.

Digital Wellbeing: Blaulichtfilter aktivieren

Die Alternative zum einfachen Ausschalten des Telefons vor dem Schlafengehen besteht darin, in den Nachtmodus zu wechseln. Dieser Modus hat je nach Smartphone und Betriebssystem unterschiedliche Namen, funktioniert jedoch im Allgemeinen in allen Fällen gleich. Der Nachtmodus versetzt Ihren Bildschirm in einen etwas wärmeren Farbton und reduziert die Menge an blauem Licht von unseren Telefonen, wodurch die Auswirkungen auf das Gehirn auf subtile Weise verändert werden.

Digital Wellbeing: Aktivieren Sie Graustufen

Eine Strategie für Digital Wellbeing besteht darin, Graustufen zu aktivieren. Dies kann die Rückkopplungsschleife unserer Telefone verringern und die Dopamin-Produktion im Gehirn begrenzen. Dadurch sieht das Telefon auch weniger attraktiv aus, was wiederum bedeutet, dass wir es weniger wahrscheinlich verwenden möchten, es sei denn, wir haben etwas Wichtiges zu tun.

Bei den meisten Android-Handys können Sie über das Menü auf Graustufen umschalten.

Digital Wellbeing: Kein Smartphone nutzen

Eine weitere Möglichkeit und Strategie für Digital Wellbeing ist, dass Sie auf ein Smartphone verzichten und auf ein einfaches Telefon mit standardmäßigen Graustufen umsteigen. Allerdings ist dies in der heutigen Zeit eher weniger zu empfehlen, insbesondere, wenn Sie in einem Beruf arbeiten, in dem Sie ein Smartphone benötigen.

Notieren Sie sich die Zeit, die Sie am Smartphone verbringen. Auf diese Weise können Sie einen genauen Plan erstellen und die Zeit am Smartphone reduzieren und anpassen. Eine weitere Möglichkeit, die Nutzung zu reduzieren, ist das Löschen von Entertaining-Apps, in denen Sie viel Zeit am Tag verbringen. Ebenso wird empfohlen, die allgemeine Einschaltdauer und die Nutzung des Telefons im Auge zu behalten, um das digitale Wohlbefinden zu verbessern.

Digital Wellbing: Benachrichtigungen blockieren

Auch wenn Sie keine Apps löschen oder Ihre Nutzung einschränken, möchten Sie möglicherweise zumindest Benachrichtigungen deaktivieren. Auf diese Weise können Sie Unterbrechungen vermeiden und gleichzeitig entscheiden, wie oft Sie eine App nutzen möchten. Einige Leute finden auch, dass die Verwendung einer Smartwatch ein nützliches Werkzeug sein kann, um ihre Smartphones in der Tasche zu behalten.

Digital Wellbeing: Digitale Entwöhnung machen

Wenn das Reduzieren nicht ausreicht, benötigen Sie möglicherweise eine vollständige Entwöhnung. Dies kann bedeuten, dass Sie eine Woche oder länger auf den Einsatz von Technologie verzichten.

Siehe: Was ist ein Digitaler Detox?

Finden Sie Aktivitäten, um die Nutzung Ihres Smartphones auszugleichen

Was machen Sie mit dem Rest Ihrer Zeit, um den Auswirkungen der Nutzung Ihres Smartphones entgegenzuwirken? Lesen Sie z.B. ein Buch oder fangen Sie an, mehr Sport zu treiben.

Besser noch, lernen Sie Ihren Körper kennen und versuchen Sie es mit Meditation. Diese Praktiken helfen Ihnen, sich besser zu konzentrieren und sich bewusster zu werden, was Ihr Gehirn im Laufe des Tages tut. Meditation ist wirklich nichts Anderes als geübte Aufmerksamkeit und in vielerlei Hinsicht das perfekte Gegenmittel für unseren modernen Lebensstil.

Was ist der „Veganuary“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Bei dem Wort „Veganuary“ handelt es sich um ein Kofferwort aus dem Wort „January“ und dem Wort „vegan“. „Veganuary“ beschreibt den Trend, dass Menschen zum Start in das neue Jahr den ersten Monat lang eine vegane Ernährung ausprobieren. Ursprünglich kommt dieser Trend aus Großbritannien. Hinter der Aufforderung, vier Wochen lang ausschließlich pflanzliche Produkte zu essen, stehen auch zahlreiche Prominente. Der Trend ist mittlerweile ein globaler und die Kampagne wird auf der ganzen Welt zelebriert. Begleitet wird die professionelle Kampagne von aufwendigen Werbeaktionen im Social Media und via TV-Spots. Jedes Jahr nehmen mehr Interessierte an der Aktion teil. Auch Unternehmen schließen sich seit einigen Jahren der Kampagne an und bringen in diesem Monat eine ganze Reihe von vergangenen Produkten in die Regale der Supermärkte. Und das längst nicht mehr nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland und dem Rest Europas.

Was ist der „Veganuary“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Veganuary, welcher auf Deutsch Veganuar heißt, ist eine globale Kampagne einer gleichnamigen Organisation, welche weltweit Menschen dazu ermutigen mochte, im ersten Monat des Jahres vegane Ernährung auszuprobieren. Ursprünglich stammt dieser Neujahrsvorsatz aus Großbritannien und schwappte in den letzten Monaten auch in andere Länder wie Deutschland über. Laut Organisatoren hat die Kampagne seit dem Start im Jahr 2014 bereits in 178 Länder über eine halbe Million Menschen dazu gebracht, sich im Januar rein pflanzlich zu ernähren und so die vegane Lebensweise auszuprobieren. In den ersten Wochen des neuen Jahres soll jeder erforschen, was die Ernährung mit einem selbst macht. Fühlt man sich fitter? Geht es dem Gewissen und der Psyche besser? Wie sieht es mit dem Schlaf aus? All solche Fragen soll sich laut Organisatoren jeder stellen. Auf der dazugehörigen Internetseite können sich Teilnehmende kostenlos registrieren und den gesamten Januar über wertvolle Rezepte, Tipps und Informationen rund um die vegane Ernährung erhalten. Begleitet wird die gesamte Aktion mit hochprofessionellen Social-Media-Auftritten und Werbung, etwa in Form von aufwendigen TV-Spots.

Bedeutung Veganuary: Vegan als Trend

Die vegane Ernährung ist längst keine Randerscheinung mehr. Es gibt unzählige Wege, sich gesund und dennoch genussvoll zu ernähren und dabei tierische Bestandteile wegzulassen. Noch immer gibt es hartnäckige Mythen, dass Veganer mit bestimmten Vitaminen unterversorgt sind und die Ernährungsform nicht vollwertig sei. Wer auf seine Ernährung achtet, kann sich aber auch vegan ausgewogen ernähren, ohne einen Mangel zu leiden. Gerade im Sportbereich wird eine pflanzen basierte Ernährung immer beliebter. Der Regisseur James Cameron zeigt damit seinem 2018 erschienenen Film „The Game Changers“ eindrucksvoll. Darin berichten Starts wie Formel-1-Legende Hamilton über ihre vegane Ernährung und die daraus resultierenden Vorteile in ihrem Leben und sportlichen Bereich. Den regelrechten Boom an veganen Lebensmitteln haben auch die Unternehmen mitbekommen. 2019 ist der Umsatz mit pflanzlichen Lebensmitteln deutlich angestiegen. Allein im Januar 2019 haben nicht nur eine viertel Million Menschen an der Aktion teilgenommen, sondern auch über 500 Unternehmen, die im Januar allein in Großbritannien über 200 neue vegane Produkte präsentiert und auf den Markt gebracht haben. Auch im Bereich der Wissenschaft zeigt sich, dass eine pflanzliche Ernährung nicht nur den Tieren und der Umwelt nützt, sondern auch einen positiven Effekt auf die eigene Gesundheit hat.

Veganuary: Gründe für eine pflanzliche Ernährung

Die Gründe für eine vegane Ernährung oder die Entscheidung, es einen Monat lang zu versuchen, sind sehr unterschiedlich und vielfältig. Für viele Teilnehmende sind es vor allem gesundheitliche Aspekte, welche deutlich Vordergrund stehen. Viele wissenschaftliche Forschungen aus einer ganzen Reihe an unabhängigen Studien sinkt eine vegane Lebensweise das Risiko für viele Krankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Diabetes. Mit einer veganen Ernährung kann zudem unnötiges Leid reduziert werden. Laut vielen Experten ist es die wirksamste Art und Weise den Planeten zu schützen und dem Klimawandel entgegenzutreten. In Zeiten von einem stärkeren Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz gewinnen Ernährungsweisen immer stärker an Bedeutung. Die Waldbrände des Amazonas in Brasilien, welche wegen der Rodung für den Anbau von Tierfutter verursacht wurden, haben dieses Thema in die Mitte der Gesellschaft gebracht. Unsere Ernährung und die damit verbundenen Dinge wie Produktion und Transport stehen im direkten Zusammenhang mit verschiedenen Faktoren im Bereich CO2-Ausstoß und Klimawandel. Bei vielen Menschen ist der Hauptgrund für die rein pflanzliche Ernährung das Vermeiden von Leid und Tötung anderer Lebewesen. Tag für Tag wächst das Bewusstsein für Ungerechtigkeiten und brutale Praxis in unseren Schlachthöfen. Immer neue Skandale aus Ställen machen dem Konsumenten das Schnitzel auf dem Teller madig.

Veganuary hat viele prominente Unterstützer

Die Kampagne ist äußerst professionell aufgebaut und verfügt über Social-Media-Kanäle auf allen bekannten Plattformen auch teure TV-Spots sind Teil der Werbung. Viele Prominente unterstützen die Aktion seit einigen Jahren und nutzen ihre Bekanntheit dafür, noch mehr Menschen zu sensibilisieren und zu ermutigen, für vier Wochen ausschließlich pflanzlich zu essen. Unter anderen rief schon die beliebte und berühmte Schauspielerin Alicia Silverstone zum Veganuary 2020 auf. Zu den Supportern zählen aber auch Größen wie Big Bang Theory Star Mayim Bialik, Hollywood-Legende Joaquin Phoenix, Sängerin Billie Eilish und Paul McCartney. Die meisten VIPs unterstützen die Aktion deshalb, weil sie sich selbst bereits ausschließlich vegan ernähren. Auch in Deutschland hat die Kampagne eine Reihe von prominenten Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden. Etwa YouTuber Rezo, Comedian Kaya Yanar, Ralf Moeller, Andreas Luthe, Ariane Sommer und einige weitere Stars.

Veganuary: Darum startet die Aktion im Januar!

Warum findet die Aktion ausgerechnet im ersten Monat des Jahres statt? Die Organisatoren begründen ihre Entscheidung damit, dass sich viele Menschen bestimmte Ziele für das kommende Jahr setzen. Eines davon kann also eine vegane Ernährung für vier Wochen sein. So startet man nicht nur gesund und fit ins neue Jahr, sondern auch mit einem guten Gewissen und einem erledigten Vorsatz. Viele Menschen bleiben nach der Testphase bei der veganen Ernährung, weil sie positive Veränderungen hinsichtlich Gesundheit und Gewissen feststellen. Allerdings ist das kein Muss der Aktion. Laut Organisatoren helfe es schon, wenn Menschen deutlich achtsamer mit ihren Lebensmitteln umgehen und vielleicht Schritt für Schritt tierische Lebensmittel aus dem eigenen Kühlschrank oder dem Teller im Restaurant verbannen.

Was sind „Normies“? Was bedeutet „Normies“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Ein »Normie« ist eine Person, die sich am Mainstream des Geschmacks orientiert, also genau das mag, was die Mehrheit auch toll findet. Anstatt eigenständige Interessen zu entwickeln, schaut sich der Normie gerne das bei anderen Menschen ab, was gerade im Trend liegt. Der Begriff Normie wird oft im Zusammenhang von popkulturellen Interessen verwendet, kann aber auch weiter gefasst werden und auf nahezu alle Interessens- oder Wissensgebiete übertragen werden.

Der Begriff »Normie« wird als abschätzige Bezeichnung verwendet. Wirklich niemand möchte ein Normie sein oder auch nur so genannt werden.

Was sind „Normies“? Was bedeutet „Normies“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Normies finden genau das toll, was die aktuelle Popkultur gerade abfeiert. Der Normie greift etwa zu einem (und meistens auch wirklich nur einem) Marvel-Comic in seiner lokalen Großbuchhandlung, weil er gerade mit seinen Freunden »Avengers« im Kino gesehen hat und meint anschließend sofort, sich umfassend mit dem Marvel-Universum auszukennen. Und das, ohne sich auch nur mit einem anderen Fan unterhalten zu haben oder auch je nur einen Comicbuchladen von innen gesehen zu haben.

Beispiele für »Normies«: Der Normie-Nerd

Ein anderes Bespiel: Der Normie hält sich für einen totalen Nerd, nur weil er mal »The Big Bang Theory« geschaut hat. Er hat keine Ahnung von Naturwissenschaften und hat Mathe, so schnell es ging, in der Schule abgewählt. Aber weil er sich neue Frühstücksbrettchen mit aufgedrucktem Periodensystem gekauft hat, hält er sich für den nächsten Einstein.

Darum sind Normies schlimm

Das Schlimme an Normies ist, das sie sich sofort für Experten ihres jeweiligen aktuellen Interessengebiets halten. Das nervt langjährige Anhänger desselben, die weit mehr Zeit, Energie und Gedanken in eine Sache investiert haben gewaltig. Normies bleiben einer Sache, die sie spannend finden nicht treu, sondern wenden sich dem Ganzen schnell wieder ab, sobald der nächste Trend sie erfasst. Normies halten sich auch gerne für etwas ganz Besonderes, obwohl sie meistens die Allerletzten sind, die auf einen Trend aufspringen.

Normies und Konsum

Normies gehen jedem Trend, der gerade vermarktet wird, auf dem Leim. Normies kaufen sich gerne ihre aktuelle Identität zusammen. Ein Normie, der etwa gerade Marie Kondos Aufräumdokus auf Netflix gesehen hat, wird sich tief bewegt von ihrer Message sofort die Wohnung leer räumen, nur um sich gleich darauf überteuerte Schachteln und Dekoartikel aus dem offiziellen Shop von Marie Kondo zu kaufen und seine Bude damit vollzustellen. Normies verstehen die Verkaufsmasche hinter den Trends nicht, denen sie hinterherlaufen. Sie glauben, dass eine einfache Kaufentscheidung sie zu etwas Besonderen macht. Ein Normie kauft sich ein Marvel T-Shirt und glaubt, das würde reichen, um der Comicbuchszene anzugehören. Mit Normies können Unternehmen also jede Menge Geld machen.

Normies im weiteren Sinne

Der Begriff »Normie« kann weiter gefasst werden und gilt nicht nur für den Bereich der Popkultur. Auch unter Musikhörern gibt es jede Menge Normies, die immer das hören, was gerade im Radio läuft. Und auch, was Lebensentwürfe oder Meinungen angeht, kann man von »Normies« sprechen, wenn man den Mainstream der Leute meint. Wenn die halbe Abschlussklasse nach dem Abi BWL studiert, wird der Normie das auch tun. Denn was kann verkehrt daran sein, wenn alle es machen? Zu hinterfragen oder sich eigene Gedanken über etwas zu machen, gehören nicht zu den Stärken eines Normies.

Allgemeine Eigenschaften von Normies: Bedeutung, Erklärung

Der Normie orientiert sich also grundsätzlich an seiner Umgebung, und das ist in der Regel die soziale Gruppe, der er angehört. Hierbei folgt der Normie der Devise »das, was beliebt ist, muss gut sein« und folgt dem Interesse der Mehrheit. Denn der Normie möchte beliebt sein, er will keinesfalls anecken, sondern immer dazugehören. Absurderweise möchte er aber auch gleichzeitig etwas ganz Besonderes sein. Darum versucht er schnell jedem Trend zu folgen und ist, wenn es darauf ankommt, äußerst wandlungsfähig, was seine Meinungen und Interessen angeht. Wenn die Masse sich von einem Trend anwendet, ist auch der Normie schnell weg. Normies haben keine Interessen, die sie nicht von anderen übernommen haben. Und nur selten bleiben sie einer Sache über Jahre treu. Normies sind also Konformisten.

Siehe auch: Was ist die Normopathie?

Das Selbstbild von Normies

Eine weitere Eigenschaft des Normies ist, dass er niemals glauben wird, ein Normie zu sein. Normies halten sich nicht für Normies. Im Gegenteil, sie finden sich immer ausgesprochen originell. Obwohl Normies extrem angepasst sind, halten sie sich für Rebellen. Diese vernebelte Sicht auf sich selbst schützt sie vor der Erkenntnis, eigentlich total langweilig zu sein.

Warum haben Bäume Nummern? Erklärung


Wer häufig im Wald oder in einem Park spazieren geht und dabei seinen Blick schwenken lässt, hat bestimmt schon bemerkt, dass sich an einigen Bäumen Nummern befinden. Die Meisten werden sich wohl denken, dass dies schon irgendeinen Grund haben wird – und denken nicht weiter darüber nach. Dabei ist die Antwort auf die Frage, warum genau Bäume eigentlich mit einer Nummer versehen sind, durchaus interessant. Wir haben uns auf Spurensuche im Wald begeben und verraten Ihnen den Sinn, der hinter der Nummerierung steckt.

Warum haben Bäume Nummern? Erklärung

In Deutschland muss immer alles seine Richtigkeit haben. Den ein oder anderen Spaziergänger dürfte es daher nicht wundern, dass selbst Bäume mit Nummern versehen werden. Oftmals handelt es sich hierbei um eine Plakette, die direkt am Baum angebracht wird. Diese ist in der Regel auch so hoch angebracht, dass selbst erwachsene Personen nicht ohne zusätzliche Hilfsmittel an sie herankommen – schließlich soll sie dort auch in Zukunft weiterhin hängen. Interessant ist allerdings, dass nicht jeder Baum in einem Wald oder in einem Park eine Nummer besitzt, auf dessen dazugehörigem Schild oftmals auch ein Scan-Code zu erkennen ist. Warum also haben einige Bäume eine Nummer und andere nicht? Handelt es sich etwa um Bäume, für die eine Person eine Patenschaft übernommen hat? Denkbar wäre dies durchaus – es trifft allerdings nicht zu.

Bäume mit einer Nummerierung gehören immer der Stadt oder Gemeinde

Die Antwort auf diese Frage ist im Grunde genommen recht simpel: Bäume, die mit einer Nummer versehen sind, gehören entweder der Stadt oder der Gemeinde. Die angebrachte Nummer bzw. der dazugehörige Scan-Code ermöglicht es Bediensteten der Stadt, innerhalb eines eigens hierfür angelegten Registers sämtliche Informationen über den betroffenen Baum in Erfahrung zu bringen. So weiß die Stadt immer ganz genau, wie viele Bäume sich in ihrem Besitz befinden und auch die Standorte der selbigen sind akribisch katalogisiert.
Ferner kann auf diese Weise sofort in Erfahrung gebracht werden, wann der Bau gepflanzt wurde, wie alt der Baum ist und um welche Art von Baum es sich genau handelt – auch dann, wenn einem Mitarbeiter der Stadt lediglich die Nummer des Baumes am Telefon genannt wird und er gar nicht selbst vor Ort ist.

Nummerierung von Bäumen erfüllt noch einen weiteren wichtigen Zweck

Doch warum betreiben Städte in Deutschland einen derartigen Aufwand? Schließlich handelt es sich doch nur um einfache Bäume. Dies hat tatsächlich einen wichtigen Grund: Eine Stadt muss jeden einzelnen ihrer Bäume stets genau kennen, damit auszuschließen ist, dass von diesem irgendeine Art von Gefahr ausgeht. Nicht selten kann es bei Unwettern dazu kommen, dass morsche Bäume große Äste verlieren, die auf die Fahrbahn oder auf die freie Fläche unter sich krachen und im schlimmsten Fall ein Fahrzeug beschädigen oder einen Fußgänger schwer verletzen. Damit genau dies effektiv verhindert werden kann, wird jeder Baum, der einer Stadt gehört, mindestens einmal pro Jahr genauestens vor Ort in Augenschein genommen. Hierbei werden sowohl die Äste, als auch der Stamm und die Baumkrone untersucht – in Fachkreisen spricht man dabei von der sogenannten Baumkontrolle.

Warum heißen Rettungshubschrauber „Christoph“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Rettungshubschrauber heißen durchweg „Christoph“ nach dem Hlg. Christophorus. Dieser ist der Schutzpatron und Nothelfer von Reisenden. Ursprünglich spielte er diese Rolle für Schiffer und Flößer, später für alle Reisenden und damit heute auch für die Autofahrer, die manchmal auf der Straße verunglücken und dann vom Rettungshubschrauber „Christoph“ abgeholt werden.

Warum heißen Rettungshubschrauber „Christoph“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Wer war der Hlg. Christophorus? Es handelt sich um einem Märtyrer aus frühchristlicher Zeit, der möglicherweise um 250 n. Chr. gestorben ist, was aber aus Sicht der Kirche als nicht mehr belegbar gilt. Der griechisch geschriebene Name Christophoros (von altgriechisch Χριστόφορος) bedeutet „Christusträger“ (Χριστός = Christόs, φέρειν [phérein] = „tragen“). Die Märtyerverehrung diesem Schutzpatron gegenüber wird in der altkatholischen, der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche sowie in anglikanischen Gemeinschaften gepflegt. Der evangelische Namenkalender nennt den Christophorus ebenfalls. Die historische Person, die es gegeben haben könnte, ist heute nicht mehr greifbar.

Dargestellt wird Christophorus in der kirchlichen Ikonographie als Riese, der auf seinen Schultern das Christuskind über einen Fluss trägt. Gleichzeitig ist er einer von 14 Nothelfern und für die Reisenden zuständig. Die Legende besagt, dass er lange nach einem Herrscher mit unbegrenzter Macht gesucht habe und schließlich von einem frommen Einsiedler den Ratschlag erhielt, er solle zu diesem Zweck nur Gott dienen: Dessen Macht sei wahrhaft unbegrenzt.

Da Christophorus (der sich zu diesem Zeitpunkt noch anders nannte) sehr groß war, solle er doch Gott als Fährmann dienen, indem er Reisende über den Fluss trage. Diese Aufgabe nahm der Riese an, er verrichtete fortan seinen Dienst für die Reisenden an einer tiefen Furt. Dort nahm er eines Tages ein Kind auf seine Schultern, trug es in den Fluss hinein und musste feststellen, dass es dabei immer schwerer wurde. Zwischenzeitlich fürchtete er sogar, die Last nicht mehr tragen zu können und zu ertrinken. Dennoch schaffte er es mit dem Kind ans andere Ufer, wo er es ansprach: „Du warst so schwer auf meinen Schultern wie die ganze Welt!“ Darauf antwortete das Kind: „Dies soll dich nicht verwundern: Du hast nicht allein die ganze Welt getragen, sondern auch ihren Schöpfer. Ich bin Christus, dem du dienst.“ Mit dieser Legende, die aus dem Südalpengebiet stammen soll, wurde Christophorus als Schutzheiliger der Reisenden erschaffen.

Schutzheilige der Lüfte: Hubschrauber „Christoph“

Da es bei schweren Unfällen oft um Sekunden geht, ist der Rettungshubscharuber „Christoph“ in der Tat ein Schutzheiliger von verunglückten Reisenden. Er ist blitzschnell in der Luft, bringt dann das Team zur Unfallstelle und lässt dieses nach durchschnittlich zehn Minuten schon den Verletzten versorgen. Zur Landung reicht ihm eine kleine Stelle. Die Piloten sind erstklassig ausgebildet, zum Team gehören ein Arzt und ein Rettungssanitäter. Größere Hubschraubertypen nehmen noch einen medizinisch geschulten Bordwart mit. Die medizinische Standardausrüstung im Helikopter entspricht der in einem Notarztwagen, doch der Hubschrauber „Christoph“ ist deutlich schneller. In Regionen mit unwegsamem Gelände (in Deutschland die Alpen) gehören auch spezielle Seilwinden zur Ausrüstung, im Küstenbereich führen die Helikopter eine Rettungsinsel mit. Sie verfügen über ein gelenkloses Rotorsystem, das zusammen mit glasfaserverstärkten Rotorblättern für einen erschütterungsfreien Flug sorgt. Jeder „Christoph“ kann gleichzeitig zwei Verletzte transportieren. Er ist an einem Krankenhaus stationiert. Das deutsche Netz der Rettungshelikopter ist sehr dicht: Von jeder Stelle aus sind es maximal 50 Kilometer bis zum nächsten „Christoph“-Standort. Damit wird die maximale Flugzeit von 10 Minuten garantiert.

Was bedeutet „Defund the police“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Defund the Police“ bedeutet sinngemäß, der Polizei ihre Finanzmittel zu entziehen (fund = Fonds). Eine sinnvolle wörtliche Übersetzung gibt es nicht. Der Slogan kam in den USA nach dem Tod von George Floyd im Mai 2020 auf. Nachdem weiße Polizisten den Afroamerikaner ohne ersichtlichen Grund zu Boden gedrückt und auf ihm gekniet hatten, war er erstickt. Daraufhin flammten in den USA monatelange Proteste gegen Rassismus auf. Eine der Forderungen der Demonstranten lautete: „Defund the Police!“

Bedeutung: Ist „Defund the Police“ eine neue Idee?

Nein, ganz eindeutig nicht. George Floyds Tod war zwar die Initialzündung dafür, diese Forderung nachdrücklich zu erheben, doch die Idee ist schon Jahrzehnte alt. Sie basiert auf der Annahme, dass vielfach die Polizeiarbeit nicht ihren Zweck erfüllt. Nach der Auffassung von Bürgerrechtlern und auch einigen Experten dient sie in vielen Fällen nicht den Grundbedürfnissen der Bevölkerung, verschlimmert aber sowohl die Kleinkriminalität als auch den Vertrauensverlust der Bevölkerung in ihre Polizei. Für Letzteres finden AktivistInnen Beweise in den zahllosen Fällen von Rassismus innerhalb der Polizeibehörden. Diese Fälle gibt es nicht nur in den USA. In Deutschland wurden erst im Oktober 2020 mehrere Hundert Fälle von Rechtsextremismus bei Polizeibeamten festgestellt. In den USA scheint der Rassismus von Polizisten aber besonders ausgeprägt zu sein. Eine offizielle Statistik verzeichnet dort jährlich 1.000 Todesopfer unter Afroamerikanern und Hispanics aufgrund von rassistisch motivierter Polizeigewalt.

Was soll Defund the Police bewirken?

Den Verfechtern dieser Idee geht es darum, dass Bildung und Sozialarbeit in vielen Fällen sehr viel mehr bewirken als Polizei und Gefängnis. Abschaffen wollen sie die Polizei deswegen natürlich nicht, obgleich es von Randgruppen auch diese Forderung gibt (die als utopisch gilt). Es sollen aber die hohen Budgets der Polizeidienststellen gekürzt werden. Dieses Geld soll dann in Bildung, Sozialarbeit und die Krankenversorgung investiert werden, und zwar vor allem in den Brennpunkten der Kriminalität. In diesen gibt es besonders viele Polizeieinsätze und damit auch gehäufte Polizeigewalt sowie rassistische Übergriffe. Kernargumente für Defund the Police sind:

  • Kleinkriminalität lässt sich allein durch ihre Verfolgung nur schwer bekämpfen. Hierzu gibt es Auswertungen aus den letzten 100 Jahren der Polizeiarbeit. Gerade Kleinkriminalität entsteht praktisch nur durch Armut. Folglich ist diese zu bekämpfen. Durch Defund the Police werden Mittel für die Armutsbekämpfung frei.
  • Viele polizeiliche Aufgaben erfordern nicht den Einsatz bewaffneter Beamter. Defund the Police würde den Fokus auf andere Tätigkeitsfelder lenken, die wichtig, aber nicht teuer sind: Nachverfolgen von Straftaten, Deeskalation, Präsenz.
  • Die Polizisten sind für Aufgaben der Sozialarbeit gar nicht ausgebildet. Durch Defund the Police könnte man aber Mittel für die entsprechende Ausbildung bereitstellen oder gleich mehr Sozialarbeiter einstellen.
  • Vorrangig in den USA ist die Polizei mit so vielen Waffen ausgestattet, dass sie diese auch gehäuft einsetzt. Waffen sind teuer. Defund the Police soll zu einer Abrüstung der Polizei beitragen.
  • Der Rassismus ist bei der Polizei ein strukturelles Problem. Auch hierzu gibt es schon seit Jahrzehnten Untersuchungen. Daher hilft es nicht, immer mehr Polizisten einzustellen. Durch Defund the Police würden Stellen abgebaut.

Positive Reaktionen auf „Defund the Police“

Die Idee findet in manchen Städten wie Minneapolis und Seattle bereits großen Anklang. Dort sprachen sich auch Vertreter der Kommunalbehörden dafür aus, wenigstens darüber nachzudenken. Teilweise setzen sie die Idee auch schon um. So rückt wegen eines betrunkenen Obdachlosen nicht gleich die Polizei aus, sondern es kommen ein Sanitäter und ein Sozialarbeiter. Auch bekämpfen diese Städte die Armut besser, sodass es weniger Obdachlose gibt. Die Mittel für ihre Polizei frieren sie ein oder kürzen sie sogar leicht. Die zunächst radikal klingende Idee führte sogar dazu, dass der Stadtrat von Minneapolis im Sommer 2020 für die Auflösung seiner Polizeibehörde stimmte, die freilich mit neuer Struktur wieder aufgebaut wird. In Seattle wiederum überließen die Behörden autonomen Gruppen einen eigenen Stadtteil („Chaz“ für „Capitol Hill Autonomous Zone“), in welchem sie die ortsansässige Polizeistation schließen ließen. Im Chaz gibt es jetzt eine selbstorganisierte Krankenstation, ein kulturelles Angebot und kostenloses Essen. Die dortigen AktivistInnen wollen beweisen, dass ihr Leben ohne Polizei funktioniert und die Sicherheit sogar erhöht. In Deutschland und anderen europäischen Ländern gibt es Toleranz- und Duldungsmodelle für solche Zonen, die sich vor allem auf besetzte Häuser und kleinere Stadtviertel beziehen.

Gegnerschaft zu Defund the Police

Natürlich hat die Idee auch sehr starke Gegner, zu denen in den USA der amtierende Präsident Donald Trump gehört (Stand: Herbst 2020). Seine republikanischen Parteigenossen beschwören teilweise den Gedanken als geradezu höllisch. Sean Parnell prophezeit dadurch „Chaos und Tod“, der rechtskonservative Moderator Tucker Carlson (Fox News) sagt „Vergewaltigungen auf offener Straße“ voraus. Donald Trump will nicht einmal die Polizei stärker kontrollieren lassen, erst recht will er ihr nicht die Mittel kürzen. Allerdings hat er auf kommunaler und bundesstaatlicher Ebene praktisch keinen Einfluss. Er könnte nur den demokratisch regierten Städten und Bundesstaaten an anderer Stelle Bundesmittel entziehen, um sie zu schikanieren, wenn sie Defund the Police praktizieren. Damit droht er auch immer wieder.

Wie realistisch ist Defund the Police?

Die Forderung betrachten neutrale Experten als Maximalposition, die es zu relativieren gilt. Dass Bürger wirklich lernen, einfache Konflikte in jedem Fall selbst und ohne Sicherheitsbehörden lösen, ist offenkundig eine Utopie. Jedoch lässt sich aus dem Blickwinkel dieser Position ein realistischer Ansatz für eine Polizeireform entwickeln. In den USA beleuchtet seit 2017 die Organisation MPD150 speziell die Polizeiarbeit in Minneapolis. Sie hat viele Punkte aufgegriffen und Konzepte für eine Reform entwickelt. Zu diesen gehört der starke Fokus auf die Präventionsarbeit. Daher sollte neben einer Reduzierung der Polizeibewaffnung der Personalbestand der Polizeistationen sukzessive zugunsten der Einstellung von Sozialarbeitern, Lehrern, Ärzten und Therapeuten reduziert werden. Dieser Vorschlag ist von Fakten untersetzt:

  • 25 % aller durch einen Polizisten im Einsatz Getöteten hatten psychische Krankheiten.
  • Die Polizeiarbeit ist teuer, jedoch ist die Aufklärungsrate für Gewaltkriminalität in Minneapolis sehr gering: In den vergangenen Jahren seit 2018 wurden nur 22 % aller Vergewaltigungen und 56 % aller Mordfälle aufgeklärt.
  • Trotz ihrer enormen finanziellen Mittel passieren der Polizei erhebliche Pannen. So hatte die Polizei von Minneapolis 1.700 forensische Proben aus den letzten 30 Jahren verlegt. Sie tauchten dann wieder auf. Da sie für die Ermittlungen fehlten oder die Verfahren verjährt waren, laufen die Täter frei herum.

Defund the Police ist ein realistischer Ansatz, wenn die Mittel sinnvoller eingesetzt werden.

Was ist ein „Babymoon“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als Babymoon wird die letzte gemeinsame freie Zeit werdender Eltern bezeichnet, bevor das Kind auf die Welt kommt. Der Babymoon wird meist als Urlaub verbracht und dient dazu, dass die werdenden Eltern sich entspannen können bevor der Baby-Alltag los geht.

Babymoons sind eine beliebte Art des Tourismus und mittlerweile fast so beliebt wie die traditionellen Flitterwochen (Honeymoons). Im Folgenden wird die Bedeutung und die Definition des Babymoons näher erläutert.

Was ist ein Babymoon? Bedeutung, Definition, Erklärung

Ein Babymoon ist ein Urlaub, der kurz vor der Geburt eines Kindes genommen wird, normalerweise im zweiten Trimester. Ein Babymoon wird als letzte Gelegenheit gesehen, sich vor der Ankunft des Babys zu entspannen und eine Pause einzulegen.

Babymoons sind in den letzten zehn Jahren sehr beliebt geworden und sind unter anderem bei Menschen in Großbritannien, Australien und den Vereinigten Staaten beliebt. Auch in Deutschland verbreitet sich der Trend.

Beliebte Babymoon-Ziele sind Reiseziele, die nicht zu heiß sind und wo es keine Mücken gibt, die das Zika Virus oder Malaria übertragen können.

Durch die sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram sind Babymoons sehr bekannt geworden. Viele Influencer und Prominente mit großer Reichweite posten ein Bild von einem Ort, der perfekt für einen Babymoon ist. Als Reaktion steigen die Besucherzahlen dieses Ortes, da es von vielen Fans gesehen wird.

Babymoon ist ein Konzept, das stark unterforscht ist. Die Reiseveranstalter schicken werdende Eltern in erholsame Ferien auf der ganzen Welt.

Eine Babymoon ist ein Urlaub vor der Geburt eines Kindes, normalerweise während des zweiten Schwangerschaftstrimesters, in dem das Hauptziel darin besteht, sich zu entspannen und Aktivitäten zu genießen, die bei der Ankunft des Kindes möglicherweise nicht möglich (oder nicht gleich) sind.

Warum sollten werdende Mütter einen Babymoon-Urlaub machen?

Paare, die Eltern werden, sollten sich vor der Geburt noch eine Auszeit von allem nehmen und den letzten Urlaub ohne Kind genießen. Dies soll nicht bedeuten, dass man die Schwangerschaft bereut oder ähnliches. Die Zeit sollte zum Entspannen, relaxen und nichtstun genutzt werden. Auch die Zweisamkeit kann genossen werden.

Babymoon: Worauf sollten Sie achten?

Es gibt einige Dinge, die Sie berücksichtigen sollten, wenn Sie einen Babymoon-Urlaub buchen möchten:

Kein Aktivurlaub:
Ein Babymoon Urlaub ist kein Aktivurlaub, indem Sie mit Ihrem Partner einen Roadtrip über 500 km machen oder sich sportlich betätigen und viel unternehmen. Babymoon Urlaub steht für einen Urlaub voller Entspannung. Nehmen Sie sich die Zeit und entspannen am Pool, schlafen Sie aus und genießen Sie das Wellness Programm des Hotels. Es ist wichtig, dass Sie es langsam und ruhig angehen, da Ruhe nach der Geburt des Kindes nur noch selten vorkommt. Nutzen Sie die Zeit, um Ihren Körper und Geist isn Reine zu bringen. Wenn Sie schwanger sind, werden Sie sich wahrscheinlich müde, langsamer und kaputt fühlen. Es ist wichtig, dass Sie dies berücksichtigen und es nicht übertreiben.

Ernährung:
Die richtige Ernährung spielt allerdings auch im Babymoon Urlaub eine sehr wichtig Rolle! Es gibt bestimmte Lebensmittel, die während der Schwangerschaft nicht gegessen werden sollten. Es wird auch empfohlen, die Lebensmittelhygiene vor Ort zu prüfen. Entscheiden Sie sich für ein besseres Hotel, falls Sie sich unsicher mit der Hygiene sind. Verzichten Sie auf rohes Fleisch, rohe Eier oder Leitungswasser.

Leitungswasser meiden:
Vermeiden Sie das Trinken von Leitungswasser im Urlaubsgebiet. In vielen Reisegebieten ist der Chlorgehalt im Leitungswasser besonders hoch. Nichs desto trotz müssen werdende Mütter während der Schwangerschaft viel trinken. Trinken Sie frisches Wasser aus dem Hotel aus Flaschen mit oder ohne Kohlensäure.
Es wird empfohlen, während der Schwangerschaft mindestens acht Gläser Wasser pro Tag zu trinken. Wenn Sie dehydriert werden, kommt es häufig zu Kontraktionen, die zu vorzeitiger Wehen führen können.

Hitze:
Schwangere spüren die Hitze mehr. Dies liegt daran, dass Ihr Blutvolumen während der Schwangerschaft um 50% zunimmt und sich der Hautoberfläche nähert. Tatsächlich fühlen sich viele schwangere Frauen in der Hitze sehr unwohl. Sie sollten sich also für ein Reiseziel entscheiden, an dem es nicht zu heiß wird.

Was ist ein Hybridsemester? Bedeutung, Definition, Erklärung


Im Zuge der Covid-19-Pandemie wurde beschlossen, das Wintersemester 2020/2021 als Hybridsemester durchzuführen. Dies bedeutet, dass neben der altbekannten Präsenzlehre auch Kurse als Onlinelehre angeboten werden. Doch was genau kann man unter diesen Begriffen verstehen? Für welche Lehrveranstaltungen kann Präsenz- oder Onlinelehre genutzt werden? In welchen Fällen ist sogar ein hybrides Veranstaltungsformat möglich?

Was ist ein Hybridsemester? Bedeutung, Definition, Erklärung

Präsenzlehre bezeichnet jenes Format, welches an Schulen und Universitäten üblicherweise angeboten wird. Dabei müssen sowohl die Lehrenden als auch Schüler oder Studenten in den Räumlichkeiten der Schule, Hochschule oder Universität anwesend sein. Durch die starke Gefährdung einer Infektion mit Covid-19 in geschlossenen Räumen muss diese Präsenzlehre zur Zeit jedoch stark geregelt werden.

Zu diesen Regeln zählen zahlreiche Anpassungen, um die Lehre dennoch so sicher wie möglich durchführen zu können. Jede Schule oder Universität hat ihre eigene Richtlinien entwickelt und sich dabei stark an den Empfehlungen der Regierungen orientiert. Meist wird dabei stark darauf geachtet, dass in den Räumlichkeiten ausreichend Platz vorhanden ist, sodass zwischen sämtlichen anwesenden Personen Sicherheitsabstand gehalten werden kann. Dies bedeutet jedoch, dass Kurse mit sehr vielen Teilnehmern nicht als Präsenzlehre gehalten werden können.

Außerdem ist darauf zu achten, dass die Räumlichkeiten vor und nach jedem Kurs gut gelüftet werden. Es ist empfehlenswert, dass der Lehrende als Erstes oder als Letztes den Raum betritt und verlässt. Außerdem ist auf jeglichen persönlichen Kontakt zu anderen Personen zu verzichten.

Hybridsemester: Onlinelehre für Studenten

Bei der Onlinelehre wird die Lehrveranstaltung auf speziellen Plattformen über das Internet abgehalten. Dies bedeutet, dass nur der Lehrende an seinem Arbeitsplatz in der Schule oder Universität sein muss. Die Schüler und Studenten können sich hingegen aus der eigenen Wohnung zuschalten. Der große Vorteil daran liegt auf der Hand. Ohne direkten Kontakt ist die Gefahr einer Ansteckung nicht vorhanden. Dass dieses Format jedoch nicht nur positiv aufgenommen wird, versteht sich ebenfalls von selbst.

Denn bei einer Onlinelehre ist es unmöglich, den Inhalt der Lehrveranstaltung gleich gut zu vermitteln, wie dies bei Präsenzlehre gelingt. Reine Vorlesungen, bei welchen die Interaktion mit den Schülern / Studenten nicht zwingend nötig ist, können jedoch sehr gut funktionieren. Erheblich schwieriger wird es, wenn auch von Seiten der Studierenden Beiträge geleistet werden müssen. Als Beispiel seien hier Seminare oder Arbeitsgemeinschaften genannt, in welchen die Studenten ihre eigenen Arbeiten präsentieren müssen. Es kann niemals davon ausgegangen werden, dass jeder Teilnehmer über die entsprechende Technik verfügt, um neben Ton auch Bild ins Internet übermitteln zu können.

Hybride Formate

In einzelnen Fällen werden Kurse in einer hybriden Form angeboten. Hier wird meist über mehrere Sitzungen verteilt, der Inhalt der Lehrveranstaltung im Online-Format vermittelt. In einer abschließenden Sitzung, welche mit realer Anwesenheit stattfindet, können auch die Studierenden ihren Beitrag leisten. Dieses Format vereint die Vorteile beider Varianten. Einerseits wird das Ansteckungsrisiko möglichst gering gehalten, andererseits wird dennoch eine Möglichkeit der direkten Interaktion geboten.

Hybridsemster: In welchen Fällen wird welche Art der Lehre angeboten?

Diese Entscheidung wird von den jeweiligen Schulen, bzw. Universitäten selbst getroffen. Es wird empfohlen, so viele Kurse wie möglich als Präsenzlehre durchzuführen, während gleichzeitig darauf geachtet werden soll, das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Dadurch ist es nötig, eine Balance zwischen den unterschiedlichen Formaten zu finden. Um dennoch einen reibungslosen Ablauf des Hybridsemesters zu garantieren, ist es nötig, sämtliche Informationen zu den einzelnen Lehrveranstaltungen im Vorhinein zu liefern. Dazu zählt neben Präsenz/Onlinelehre auch, in welchen Räumlichkeiten bzw. über welche Videochat-Plattform die Stunden abgehalten werden.

Woher kommt das Wort „Mohren“? Was bedeutet Mohr? Wortherkunft, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff Mohr ist eine sehr alte Bezeichnung für Menschen mit dunkler Hautfarbe. Bereits zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert stand sie in mittelhochdeutschen Wörterbüchern. Vorher tauchte es bereits im Althochdeutschen als Mor auf. Das Wort bezeichnete anfangs vor allem Menschen aus Nordafrika, die eine dunkle Hautfarbe hatten. Es ist dem lateinischen Wort maurus entlehnt, das „Einwohner der Provinz Mauretania“ bedeutet. Das Gebiet lag etwa dort, wo heute das Staatsgebiet Marokkos befindet. Die Benutzung des Wortes wurde ursprünglich völlig wertneutral und nicht abwertend verwendet.

Wortherkunft: Die Geschichte des Begriffes „Mohr“

Etymologisch ist die Verwendung des Wortes trotzdem heikel, denn die Wortherkunft ist nicht so einfach abzuleiten. Neben der lateinischen Bezeichnung, die auf ein nordafrikanisches Gebiet hinweist, gibt es auch das griechische Wort „moros“. Es steht für „töricht“ oder auch „dumm“. Daraus leiten Sprachwissenschaftler einen rassistischen, kolonialen Ton ab.

Wenn man die Entstehungszeit des Begriffes zur Grundlage nimmt, ist diese Schlussfolgerung eher nicht nachvollziehbar. Das Wort entstand in der vorkolonialen Zeit. Die Nordafrikaner waren damals weder töricht noch besonders unterwürfig. Die Mauren eroberten die iberische Halbinsel, auf der noch heute viele Bauwerke von der Hochkultur der Nordafrikaner zeugen. Zudem unterschied das Mittelhochdeutsche zwischen „Mor“, also Maure, und „swarzer Mor“, also schwarzer Maure.

Auf der anderen Seite war die schwarze Hautfarbe in Europa bereits im frühen Mittelalter mit negativen Assoziationen belegt. So war der „Höllenmohr“ ein Synonym für den Teufel, das schon in Versen des Dichters Walter von der Vogelweide vorkam. Der Teufel wurde mit schwarzer Hautfarbe dargestellt.

Spätestens im 16. Jahrhundert wandelte sich die Benutzung des Begriffs Mohr. Er wurde zunehmend allgemein für dunkelhäutige Menschen verwendet. Das Wort „Neger“ entwickelte sich dagegen erst im 18. Jahrhundert. Es bezog sich auf den „primitiven Schwarzen aus der afrikanischen Kolonie“. Der Mohr beschrieb dagegen eine edle Person aus dem Nordafrika der vorkolonialen Zeit. Daraus entstand der Versuch, die Völker Afrikas in „schwarzafrikanische Neger“ und „weißafrikanische Mohren“ zu unterteilen. Diese Rassentheorien werden heute abgelehnt. Auch der Begriff „Mohr“ findet heute nur noch in historischem Zusammenhang Verwendung.

Woher kommt  „Mohren“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Wie bereits beschrieben, bezog sich der Begriff Mohr anfangs auf die Menschen in Nordafrika. Dort schufen die Mauren eine für die damalige Zeit fortschrittliche Gesellschaft. Trotzdem taucht der Mohr in Mitteleuropa schon zeitig als wildes Wesen aus einer fremden Welt auf.

Kaum ein Mensch, der nördlich der Alpen lebte, hatte im Mittelalter einen Nordafrikaner zu Gesicht bekommen. Historische Abbildungen zeigen die Mohren immer gleich: Sie haben eine schwarze Hautfarbe, dicke Lippen und krauses Haar. Oft werden die Menschen mit großen Ohrringen dargestellt, was häufig ein Hinweis auf Wildheit sein sollte. An den Darstellungen lässt sich durchaus sehen, dass eine Stigmatisierung von Menschen mit schwarzer Hautfarbe schon früh mit dem Begriff „Mohr“ verbunden war.

Auf der anderen Seite stand im Mittelalter die Verehrung schwarzer Madonnen. In der Weihnachtsgeschichte ist einer der drei heiligen Könige ein Mohr. Mit Mauritius, der aus Theben stammen soll, verehren die Christen seit dem vierten Jahrhundert einen Nordafrikaner als Heiligen. Einige Bistümer im deutschsprachigen Raum besetzen das Bild des Mohren positiv, indem sie es auf ihren Wappen verwenden.

Das Wort „Mohr“ und offener Rassismus

Mit der Kolonialisierung Afrikas ging die Versklavung der dort lebenden Menschen einher. Sie kamen auch an mitteleuropäische Höfe. Sogenannte Hofmohren gab es bis weit in das 18. Jahrhundert. Über Kurfürst August von Sachsen ist überliefert, dass dieser bereits im 16. Jahrhundert einen Mohren als Torwächter beschäftigte. „Kammermohren“ dienten nicht nur Fürsten, auch hohe Kirchvertreter oder reiche Kaufleute ließen sich von „Mohren“ bedienen. Die Diener galten dabei als Statussymbol und wurden entsprechend prächtig gekleidet. Einige Afrikaner wurden auch beim Militär eingesetzt. Zumeist kämpften sie allerdings nicht, sondern waren Spielleute.

Erste Rassentheorien entstanden schon im 18. Jahrhundert. Der Mediziner und Erfinder Samuel Thomas von Soemmerring (1755 bis 1830) schrieb 1784 über „die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer“. Dabei kommt er zum Schluss, dass „die afrikanischen Mohren doch etwas näher ans Affengeschlechte als die Europäer“ grenzen. Nicht alle Rassentheoretiker der damaligen Zeit sahen dies so. Johann Friedrich Blumenbach lehnte eine Unterscheidung überlegener und unterlegener Rassen kategorisch ab und kritisierte Soemmerring scharf.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die sogenannten „Völkerschauen“ in Mode, bei denen Menschen fremder Völker zur Schau gestellt wurden. Einer der wichtigsten Veranstalter dieser Schauen war der Hamburger Zoologe Carl Hagenbeck. Er kam auf die Idee, Menschen aus den Regionen, aus denen die wilden Tiere stammten, zu zeigen. Dazu warben er und andere Völkerschau-Veranstalter Menschen mit teilweise falschen Versprechungen an. Ihre Aufgabe war es, ein exotisches Bild darzustellen, das den Vorstellungen der Europäer möglichst nahe kommt. Davor wurden sie jämmerlich bezahlt. Der Tierpark Hagenbeck in Hamburg rechtfertigt diese Ausstellungen von Menschen bis heute. Sie wären für Deutsche die Chance gewesen, erstmals „Einblicke in fremde Kulturen und die Lebenswelt weit entfernt lebender Völker“ nehmen zu können.

Bedeutung: Der Mohr in der Gegenwart

Der Mohr spielt teilweise bis heute in verschiedenen Formen eine Rolle. Zum einen taucht er als literarische Figur auf. William Shakespeare, Friedrich Schiller, Heinrich Hoffmann oder Heinrich Heine verfassten Werke, in denen Mohren eine Rolle spielten. In der Bibelübersetzung von Martin Luther besteht das Volk der Kuschiter ausschließlich aus Mohren. Christen verehren Schwarze Madonnen, einer der Drei Heiligen Könige wird als Mohr dargestellt.

Bis heute gibt es Mohren in der Heraldik. In Coburg gab es gegen das Wappen eine Petition, weil die Initiatoren darin die Darstellung eines „verletzenden, rassistischen Stereotyp eines schwarzen Menschen“ sehen. Das Wappen stellt den Heiligen Mauritius dar, der seit 1430 Schutzpatron der Stadt ist. Der Heilige Mauritius wird auf den Wappen zahlreicher Städte gezeigt.

Eine rassistische und verletzende Stigmatisierung von Menschen mit dunkler Hauptfarbe sehen auch Aktivisten in Berlin. Sie starteten eine Petition, welche die Berliner Verkehrsbetriebe zur Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstraße aufforderte. Auslöser war der durch einen US-Polizisten getötete dunkelhäutige George Floyd. Die Verkehrsbetriebe wollten der Initiative auch nachkommen und die Station in Glinkastraße umbenennen. Dies fand jedoch der Berliner Senat nicht gut: Der russische Komponist Michail Iwanowitsch Glinka wird wegen seiner antisemitischen Haltung kritisiert. Heute residieren auf der Mohrenstraße mehrere deutsche Bundesministerien.

Einfacher hatte es da die Schokoladen-Firma Sarotti, die sich bei ihrer Werbefigur vom Sitz an der Mohrenstraße inspirieren ließ. 2004 bekam der Mohr eine goldene Hautfarbe verpasst und ist seitdem der Sarotti-Magier.

Was bedeutet „Redpilling“? Was ist die „Red Pill“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Redpilling“ bezieht sich auf die rote Pille aus dem Film „Matrix“. Die Metapher wird unter anderem von neuen politischen Richtungen (Bsp.: Neue Rechte) benutzt und ist international bekannt. Sie zeigen damit ihren Sympathisanten auf, dass unsere Welt nur eine Matrix ist, also eine Scheinwelt, die der „politisch-medial-gesellschaftliche Komplex“ produziert hat. Es gelte nun, mit der roten Pille die Wahrheit zu erfahren.

Woher kommt die Idee der roten Pille „Red Pill“?

Der Film „Matrix“ beschreibt eine computersimulierte Welt, deren Protagonisten freilich glauben, in der Realität zu leben. Der Held des Films Neo (gespielt von Keanu Reeves) ist ein Computerspezialist, der den Hintergrund der Matrix durch seine zufällige Verwicklung in die Kämpfe der realen Welt herausbekommt. Die Wahrheit sieht so aus, dass die in der Matrix per Computersimulation agierenden Menschen, die sich für real halten, nur Körper in den Brutkästen einer riesigen Zuchtanlage sind. Ihr Leben ist ein Traum, den die Matrix generiert. Diese besteht aus Maschinen mit künstlicher Intelligenz, die vor langer Zeit den Kampf gegen die Menschen gewannen und diese dann in Brutkästen für die Energiegewinnung schickten. Dagegen hat sich aber Widerstand gebildet. Es gibt Widerstandsgruppen, die aus der Matrix ausbrechen konnten und das System, das diese geschaffen hat, bekämpfen. Neo trifft auf den Anführer einer solchen Widerstandsgruppe namens Morpheus (Laurence Fishburne), der ihn aufklärt und vor die Wahl stellt, entweder eine blaue Pille zu schlucken und damit wieder in sein vorheriges Traumleben zurückzukehren oder die rote Pille zu wählen und damit die Wahrheit über das System der Matrix zu erfahren. Neo entscheidet sich für die rote Pille, wird damit aus dem Brutkasten herausgespült und von den Widerständlern auf ein Hovercraftschiff gerettet. Dort regeneriert man seinen verkümmerten Körper. Nach seiner physischen Genesung schließt er sich der Widerstandsgruppe an, die mit ihm große Pläne hat.

Interpretation durch Anhänger der Neuen Rechten und Verschwörungstheoretiker

Das Sujet des Films ist eine Steilvorlage für Verschwörungstheoretiker, die an eine Beherrschung unserer Welt durch geheime und finstere Mächte glauben. Besonders die Neue Rechte (aber nicht nur sie) ist davon überzeugt, dass die Regierungen uns im Einklang mit den Mainstream-Medien die Wahrheit vorenthalten und wir alle nur Sklaven einer Scheinwelt sind, unter deren Oberfläche sich unsagbar furchtbare Dinge abspielen. So sollen US-Eliten in Kellern das Blut von Kindern trinken, Bill Gates hat Corona entwickeln lassen, um der Welt seinen Impfstoff aufzuzwingen und damit allen Menschen Implantate zur Überwachung einzupflanzen (übrigens auch ein Zitat aus der Matrix), George Soros ist der Anführer der jüdischen Finanzelite, welche die Weltverschwörung vorbereitet, zudem kreisen unsichtbare Raumschiffe über uns, die uns verstrahlen. Dagegen und gegen die Gedankenkontrolle hilft bestimmt ein Aluhut (der eine lange Tradition seit den 1920er-Jahren hat). Wir müssen daher wie der Held Neo und die anderen Widerständler die rote Pille schlucken, um die Wahrheit zu erfahren. Das ist das Redpilling.

Identitäre Bewegung und Redpilling

Die Identitäre Bewegung, die man inzwischen der rechtsextremen Szene zurechnet, hat das Redpilling für sich entdeckt und preist es folgendermaßen an: Wer die rote Pille schluckt, wacht unsanft aus vertrauten Illusionen auf. Er erkennt nun die flächendeckend verbreiteten Lügen, was schmerzhaft ist, jedoch auch einen großen Erkenntnisgewinn sowie Souveränität und Freiheit bedeutet. Wer sich nun auf dieses Redpilling einlässt, wird für die meisten Verschwörungstheorien aufnahmebereit. Diese können gar nicht wahnhaft genug sein: Erst damit entwickeln sie ihre Bindungskraft für die Szene. Die jüdische Weltverschwörung zählt zu den Klassikern des Genres, es gibt sie diese Theorie schon seit Jahrhunderten. Die Juden haben darunter furchtbar gelitten, seit dem Mittelalter erleiden sie immer Pogrome. Die vorläufige Höhepunkt war der Holocaust. Im Mittelalter machte man sie für die Pest verantwortlich und ermorderte daher in manchen Städten die komplette jüdische Bevölkerung. Die vorgebliche jüdische Weltverschwörung ist eine Art Super-Verschwörungstheorie, die als Vorlage für die Ableitung weiterer Theorien dieser Art dient. Derzeit trifft es den ungarisch-amerikanischen Finanzguru George Soros, der jüdischer Herkunft und typischerweise (in den Augen den Rechten) gerade deshalb finanziell sehr erfolgreich ist. Er soll der Drahtzieher der derzeitigen weltweiten Migrationsbewegungen sein. Die von ihm vermeintlich angezettelte Verschwörung soll demnach den „großen Austausch“ (Bevölkerungsaustausch) in Europa vorantreiben. Diesen hätten die „globalistischen Eliten“ schon lange geplant.

Wieso funktioniert dieses Redpilling?

Das hat zwei wichtige Gründe:

  • #1: Der Film „Matrix“ liefert eine in der Populärkultur anerkannte, politisch unverdächtige Vorlage. Es ist pure Science Fiction, die von Menschen jeglicher politischer Ausrichtung gern gesehen wird. Nun haben die Rechten diese Vorlage gekapert. Diese Methode ist nicht neu, die Nationalsozialisten des Dritten Reiches haben beispielsweise Richard Wagner gekapert.
  • #2: Menschen lieben Verschwörungstheorien. Um an sie zu glauben, muss man natürlich die Realität stark ausblenden. Doch das gelingt offenbar gut. Wer an den Plan eines Bevölkerungsaustausches glaubt, blendet die Nachrichten vom Krieg in Syrien aus. Wer den Klimawandel leugnet, blendet die seriöse Wissenschaft aus. Das gelingt sogar Donald Trump.

Wenn sich aber erst einmal mehrere Verschwörungstheoretiker zusammenfinden, ist ihre Gemeinschaft sehr stark, weil sie sich schließlich als kleinere Gruppe sowohl gegen die Übermacht des Staates und der Mainstream-Medien als auch gegen die Ignoranz all der Verblendeten wehren müssen, welche die rote Pille noch nicht geschluckt haben. So viel äußerer Widerstand bindet bekanntlich. Gruppen mit starken Bindungen brauchen auch Symbole. Die rote Pille ist eines davon.

Ist Redpilling gefährlich?

Auch wenn der Glaube an die rote Pille eher eine Randerscheinung unter all den kursierenden Verschwörungstheorien ist, so ist er doch nicht ungefährlich. Die Argumente von Verschwörungstheoretikern und politisch extremen Gruppierungen wirken immer wieder in die Mitte der Gesellschaft hinein. Das zeigte sich 2020 bei den von der (politisch eher neutralen) Bewegung „Querdenken“ veranstalteten Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung: Bei diesem Demos marschierten munter die Identitären, andere rechte Gruppierungen und die Aluhüte mit den aus dem grünen und linken Spektrum stammenden Demonstranten mit und wurden toleriert. So manch ein schwäbischer Oberstudienrat, der eigentlich nur gegen vermeintlich überzogene Corona-Maßnahmen demonstrieren wollte, kam vielleicht mit jemandem ins Gespräch, der ihm Redpilling empfahl. Nun sitzt der Oberstudienrat (um 60 Jahre alt) daheim im Stuttgarter Stüble und denkt über die rote Pille nach. Inzwischen hat er sich den Film „Matrix“ besorgt, schaut ihn interessiert an und wiegt bedächtig den Kopf: „Wo bekomme mer eigenlisch so ä Aluhut her?“, fragt er seine Frau.

Fazit: Redpilling nicht verharmlosen

Die Idee des „Redpillings“ wirkt so skurril, dass man eigentlich lachend abwinken könnte. Doch ganz so harmlos ist sie nicht.

Was ist Upcycling? Bedeutung, Definition, Erklärung


Die meisten Menschen haben in ihrem Leben schon vom sogenannten Recycling gehört und haben daran im täglichen Leben teil: durch die Mülltrennung oder durch die Wiederverwertung von Verpackungen können Ressourcen gespart und die Umwelt geschont werden. Doch immer häufiger ist auch der Begriff des Upcycling zu hören – was genau beutetet dieser Begriff?

Was ist Upcycling? Bedeutung, Definition, Erklärung

Dieser Begriff kommt aus dem Englischen und lehnt sich stark an den Begriff des Recyclings ab – er ist sogar aus diesem Begriff und aus dem Wort „up“, also „nach oben“ zusammengesetzt. Grundsätzlich beutetet Upcycling, dass ein bestimmtes Produkt nicht recycelt, sondern für einen anderen Zweck wiederverwendet wird. Ein sehr bekanntes Beispiel dafür ist z. B. die Produktion von Schuhen oder Schlappen aus alten Autoreifen: anstatt die Reifen für neue Reifen zu recyceln, werden die Reifen in ihrer Form und Farbe verändert und daraus ein Schuh gefertigt. Das Upcycling verwendet dabei in erster Linie Gegenstände und Rohstoffe, die in der Regel nur schwer zu recyceln sind – der Gegenstand wird damit aufgewertet, daher auch die Silbe „up“ im Begriff.

Auch die Europaletten sind ein sehr bekanntes Beispiel für das Upcycling. Aus diesen werden verschiedene Möbel wie Sofas oder Tische hergestellt, häufig auch Blumenkästen. Alte Kleidung fällt ebenfalls nicht selten in den Begriff des Upcycling, denn daraus lassen sich z. B. Stoffmasken oder Beutel nähen, bevor die Kleidung weggeworfen wird.

Warum ist Upcycling sinnvoll? Erklärung, Bedeutung

Das Upcycling selbst stellt in erster Linie keine direkte Alternative zum Recycling dar – beide Methoden haben große Vorteile. Das Upcycling dient auch dazu, den Konsum eines Menschen einzuschränken, da keine neuen Gegenstände gekauft werden müssen – bereits gekaufte und produzierte Gegenstände werden so verändert, dass sie einen neuen Zweck erfüllen. Dadurch wird nicht nur Geld gespart, sondern auch die Umwelt geschont. Viele Ressourcen werden auf der Erde knapp und die Herstellung und Förderung dieser Ressourcen ist häufig mit einem hohen Energieaufwand verbunden.

Das Upcycling selbst kann natürlich nicht die Umweltprobleme der Welt lösen, diese jedoch einschränken und die Produktion von Müll eindämmen. Vor allem in ärmeren Ländern wird das Upcycling immer beliebter, da es günstiger ist als der Kauf neuer Gegenstände.

Wo können Gegenstände erworben werden, die durch Upcycling hergestellt wurden?

In Großstädten und auch im Internet gibt es immer mehr Geschäfte, die sich auf die Produktion und den Verkauf von solchen Gegenständen spezialisiert haben. Viele dieser Geschäfte spenden einen Teil des Erlöses für einen guten Zweck und unterstützen dabei verschiedene Umweltorganisationen.
Wer sich diesem Thema selbst widmen möchte, findet im Internet eine Menge an Tutorials und Erklärungen zum Erstellen neuer Gegenstände. Das Herstellen solcher Gegenstände ist nicht nur sinnvoll für die Umwelt, sondern fördert auch die handwerklichen Erfahrungen und schafft eine Bindung zum neuen Gegenstand, da sich der Ersteller umfangreich damit beschäftigt. Das Upcycling kann vor allem für Kinder eine tolle Erfahrung sein.

Wer ein einzigartiges und innovatives Produkt schafft, kann sich dadurch womöglich sogar ein zweites Standbein aufbauen und diese Produkte verkaufen. Für das Upcycling sind häufig nur einfache Materialien und Werkzeuge notwendig, nur selten müssen dafür neue Werkzeuge gekauft werden – was dem Upcycling selbst auch etwas widersprechen würde.

Was bedeutet „Male Tears“? Bedeutung auf deutsch, Definition, Erklärung


Der Begriff „Male Tears“, zu Deutsch „Männliche Tränen“, basiert auf Memes und GIFs, die – bekannte sowie unbekannte – weinende Männer oder animierte, männliche Charaktere, die weinen, zeigen. Als spöttischer Internetslang wird es hauptsächlich im Kontext von feministischen und geschlechtsspezifischen Diskussionen eingesetzt, um antifeministische, frauenfeindliche oder menschenverachtende Äußerungen von Männern zu verhöhnen.

Was bedeutet „Male Tears“? Bedeutung auf deutsch, Definition, Erklärung

„Male Tears“ wurde erstmals im August 2012 auf dem französischen Tumblr-Blog FeministPicture verwendet. In einem Beitrag mit der Überschrift „Male Tears“ wird die Bedeutung des Wortes erklärt. Laut FeministPicture handelt es sich bei „Male Tears“ um das sprachliche Bestreben diejenigen Männer zu verspotten, die behaupten, sie seien gesellschaftlich und sozial unterdrückt. Das Konzept hinter „Male Tears“ unterliegt der Annahme, dass Männer privilegierter sind als Frauen und das männliche Jammern über eine angebliche Unterdrückung lächerlich ist.

Wenige Monate nach dem Erscheinen des Artikels auf FeministPicture wurde der Tumblr-Blog „Male Tears“ ins Leben gerufen. Der Begriff „Male Tears“ verbreitete sich fortan nach und nach auf den sozialen Medien. Hunderte von Bildern und GIFS, darunter auch Inhalte mit dem Begriff „Male Tears“, fungierten als humoristische und ironische Abrechnung mit Gruppierungen der Männerrechtsaktivisten und jammernden Internetnutzern männlichen Geschlechts. Memes dieser Art zeigen unbekannte Männer, männliche Charaktere oder berühmte Celebrities. Prominente Beispiele sind „Male Tears“-Memes mit Hollywoodstars wie Johnny Depp, Toby Maguire und Tom Hiddleston. Auf diesen Bildern und Film Stills sind die Männer weinend oder mit Tränen im Gesicht abgebildet.

Meme „Male Tears“: Varianten und Bedeutung

Das Schlagwort „Male Tears“ zog neue und originelle Begriffsspielereien wie „I Sip On Male Tears“ (zu Deutsch: Ich trinke männliche Tränen.) nach sich. In der Regel trinken Frauen auf den dazugehörigen Fotos aus Tassen auf denen die Worte „Male Tears“ aufgedruckt sind. 2013 löste dies einen Trend auf sozialen Medien wie Twitter und Tumblr aus: Selbst ernannte Feministinnen hielten auf den Selfies – meist schelmisch oder verschmitzt lächelnd – ein Trinkgefäß mit den besagten Worten in die Kamera. Eine andere, kreative Erweiterung des Begriffs ist der Satz „I Bathe in Male Tears“ (zu Deutsch: Ich bade in männlichen Tränen.“).

„Male Tears“: Bedeutung des Ausdrucks

Als Reaktion auf den Twittertrend postete die Nutzerin und Journalistin Lizzyf620 am 7. Januar 2015 ein Foto von sich und einer Tasse mit den Worten „That Means S*men“, zu Deutsch: Das bedeutet Samen. Lizzyf620 klärte auf, dass online schon seit 2010 das Wort „Tears“ in Bezug auf das männliche Geschlecht als Euphemismus für Samenzellen kursiert. Diese brisante Enthüllung spielte den antifeministischen und frauenfeindlichen Internetnutzern sowie Männerrechtsaktivisten zu, die sich daraufhin mit sexualisierten Aussagen über die sogenannten Tassen-Selfies der feministischen Frauen lustig machten.

„Male Tears“: Reaktionen und Kritik

Die Selfie-Aktion sowie die Memes rund um „Male Tears“ wurden von Aktivisten der Männerrechtsbewegung aufgrund ihrer sexistischen Sichtweise gegen Männer heftig kritisiert. Dies wiederum inspirierte die „Male Tears“-Feministinnen zu weiteren Parodien. Darüber hinaus verteidigten Slate-Journalistin Amanda Hess, Huffington-Post-Journalistin Mina Samuel und andere Frauenrechtlerinnen ihr Recht auf eine sprachlich und visuell zynische Auseinandersetzung mit sexistischen Phänomenen und frauenfeindlichen Männern.

Gleichzeitig gab es jedoch auch aus den feministischen Kreisen besorgte Stimmen, beispielsweise die der Times-Autorin Sarah Begley. Durch die virale Nutzung des lapidaren Online-Slangs sah sie die Seriosität des realen und politischen Aktivismus gefährdet. Begleys Argumente legten den Trend „Male Tears“ als „schreckliche PR für den Feminismus“ bloß. Eine weitere, bekannte Kritikerin des Begriffs ist die Guardian-Kolumnistin Ally Frogg.

Ähnlich: „White Tears“ Bedeutung

Die Bezeichnung „White Tears“ ist ein Pendant zu „Male Tears“. Als Verhöhnung prangert es das beleidigte Benehmen von weißen Menschen in Bezug auf Rassismus und Privilegien an. Mit „White Tears“ wird sich online über Weiße, die die Existenz ihrer Privilegien nicht anerkennen, lustig gemacht. Wie bei „Male Tears“ kommen auch hier das Posten und Verbereiten von Memes, GIFs und Selfies mit bedruckten Tassen zum Einsatz.

Ab welcher Außentemperatur sollte die Heizung anspringen? Erklärung


Die schon bald anstehende Winterperiode sorgt für warmes Wasser in den Heizungsrohren und in den Heizkörpern, denn nun beginnt die Saison des Herzens und der warmen Luft in Innenräumen. Die meisten modernen Gebäude besitzen einen Regler an der Heizung selbst und können damit die Temperatur einstellen, bis zu welcher geheizt werden soll, andere Systeme können auch an die Außentemperatur geknüpft werden. Dieser Artikel erklärt, bei welchen Temperaturen die Heizung anspringen sollte, damit eine wohlige Wärme entsteht.

Ab welcher Temperatur sollte die Heizung anspringen? Erklärung

Grundsätzlich sollte eine Heizung dann erst heizen, wenn eine bestimmte Temperatur im Innenraum unterschritten wird. Denn vor allem in den Anfangsmonaten des Winters (Oktober und November) gibt es abwechslungsreich wärmere und kältere Tage, an welchen das Heizen noch nicht notwendig ist. Die Regelung auf der Heizung ist in mehrere Stufen unterteilt: bei der Stufe 1 springt die Heizung erst bei Temperaturen unter 18 Grad an, bei Stufe 5 erst ab einer Innenraumtemperatur von rund 25 Grad. Wurde diese Temperatur erreicht, so wird die Zufuhr des heißen Wassers unterbrochen.

Die Heizfunktion eines Hauses kann entweder an bestimmte Monate oder tatsächlich an eine bestimmte Außentemperatur geknüpft werden. Allerdings hängt diese Temperatur sehr stark von der Energieeffizienz des Hauses bzw. der Wohnung ab. Häuser, die noch vor 1977 erbaut wurden, haben in der Regel eine deutlich geringere Energieeffizienz und sollte schon ab rund 15 Grad Außentemperatur die Heizungen anwerfen. Bei etwas moderneren Häusern können die Außentemperaturen auf rund 12 Grad fallen, bis die Heizung eingeschaltet werden muss.

Passivhäuser oder Niedrigenergiehäuser benötigt eine Heizung meistens erst ab 9 Grad Außentemperatur. Diese Temperaturen werden natürlich durch bestimmte Gegebenheiten und durch die Isolation eines Hauses deutlich beeinflusst. Bei Mehrfamilienhäusern ist auch zu beachten, dass die Nachbarn meistens etwas mitteilen, d. h. Bewohner des Hauses, die relativ stark heizen, beheizen meistens auch die Räume anderer Menschen mit.

Bei welchen Temperaturen muss ein Vermieter die Heizungen anschalten?

Wer eine Wohnung oder ein Haus vermietet, muss ebenfalls sicherstellen, dass es in den Mieträumen nicht zu kalt wird. In den Heizperioden, d. h. in den Wintermonaten müssen die Innenräume Temperaturen zwischen 20 und 22 Grad erreichen können, außerhalb dieser Periode dürfen die Temperaturen nicht unter 16 Grad sinken. Meistens wird die Heizung jedoch zentral geregelt, sodass der Vermieter diese nicht zusätzlich einschalten muss.

Wieso dürfen Wohnräume nicht zu kalt werden?

Einige Menschen mögen es gerne kalt – auch im Winter. Doch was passiert eigentlich, wenn die Innenräume nicht genügend beheizt werden?
Bei niedrigen Temperaturen wird die Schimmelbildung in Innenräumen stark gefördert und kann durch das Heizen der Räume sehr gut unterbunden werden.

Daher sollten z. B. Badezimmer und Wohnzimmer eine Temperatur von rund 21 Grad im Winter aufzeigen, Küche und Schlafzimmer kommen meistens gut mit mindestens 18 Grad aus. Je mehr geheizt wird, desto weniger Schimmel kann sich bilden, da die warme Luft das Wasser im Raum binden kann. Wichtig im Winter ist natürlich auch das regelmäßige Lüften – auch dann, wenn es außen kalt ist.

Ab wann ist mit dem Beginn der Heizperiode zu rechnen?

Im Allgemeinen startet die Heizperiode am 1. Oktober, allerdings kann sich dies auch ändern, wenn schon vorher sehr tiefe Temperaturen auftreten. Das Ende der Heizperiode ist für den 30. April angesetzt, ab dieser Zeit muss in der Regel nicht mehr geheizt werden.

Was bedeutet „flexible Solidarität“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Das Konzept der „flexiblen Solidarität“ entwickelte die EU-Kommission im Jahr 2016 angesichts der enormen Flüchtlingszahlen seit 2015. Es läuft darauf hinaus, sich von einer verbindlichen Quotenregelung für die Aufnahme von Flüchtlingen zu verabschieden udn stattdessen den Mitgliedsstaaten diejenigen Leistungen abzuverlangen, zu denen sie imstande sind: Geld, Bereitstellung von Arbeitsplätzen, Hilfe vor Ort in Syrien, Expertenhilfe an allen erdenklichen Stellen.

Warum soll die flexible Solidarität die Quotenregelung für die Flüchtlingsaufnahme ersetzen?

Spätestens 2016 wurde klar, dass sich einzelne EU-Staaten keinesfalls zur Aufnahme von Flüchtlingen verpflichten lassen. Insbesondere die Osteuropäer wehren sich vehement dagegen. Der damalige EU-Ratspräsident Donald Tusk schlug daher vor, diese fruchtlosen Verhandlungen und Diskussionen zu beenden. Es musste ein neues Konzept für die EU-Asylpolitik her, das man in der flexiblen Solidarität glaubte gefunden zu haben. Das ist auch nicht grundverkehrt, jedoch können wir aus Sicht des Jahres 2020 sagen, dass sich auch daran nicht alle EU-Staaten halten. Nach wie vor leisten einige Mitgliedsstaaten – darunter Deutschland – sehr viel mehr als andere. Dennoch musste 2016 die vorherige Quotenregelung aufgegeben werden. Sie konnte die akuten Probleme der Flüchtlingsverteilung nicht lösen, wie sich unter anderem in Italien zeigte: Dort kommen Migranten aus Libyen an, die in Europa fast nie Aussicht auf Anerkennung haben. Der bisherige EU-Umverteilungsmechanismus hatte aber nur für solche Migranten gegolten, deren Bleibeperspektive als gut eingeschätzt wurde. Das führte nun dazu, dass die Asylsuchenden aus Libyen größtenteils in Italien blieben. Dieser Zustand wurde allmählich unterträglich für die Italiener. Sie versuchten, ihre Asylverfahren zu beschleunigen und auch abgelehnte Asylsuchende schneller in ihre Herkunftsländer zurückzuführen, doch das funktionierte nur unzulänglich. Dasselbe Problem hat Griechenland, wo wir inzwischen eine humanitäre Katastrophe konstatieren müssen.

Warum klappte die Umverteilung in Europa nicht?

Ein Grund ist die beschriebene Weigerung einiger Mitgliedsländer, Flüchtlinge laut Quote aufzunehmen, ein anderer Grund aber ist die Haltung der Asylsuchenden selbst. Diese weigern sich sehr oft, in ärmeren EU-Mitgliedsländern zu bleiben. So hat beispielsweise Portugal eine aktive und gut funktionierende Willkommenskultur entwickelt. Neuankömmlinge werden dort 18 Monate lang relativ großzügig unterstützt – jedenfalls nach portugiesichen Verhältnissen. Trotzdem blieben nur wenige der bis 2016 nach Portugal geschickten Flüchtlinge im Land. Sie können dort nur eine spärliche finanzielle Existenz aus eigener Erwerbstätigkeit aufbauen, auch fehlen ihnen Netzwerke von Landsleuten. In anderen EU-Staaten funktionierte die Migration viel besser, weshalb die Flüchtlinge dorthin auswichen. Die Quotenregelung schafft grundsätzlich solche Probleme.

Wie soll die flexible Solidarität funktionieren? Bedeutung, Definition, Erklärung

Sie bedeutet, dass sich alle EU-Mitgliedstaaten im Rahmen ihrer Möglichkeiten an der Migration beteiligen – aber nicht per verpflichtender Aufnahme über eine Quote. Vielmehr können sie eigene Beträge je nach ihren Möglichkeiten leisten. Manche Länder brauchen viele Arbeitskräfte. Sie können die Flüchtlinge relativ leicht in ihren einheimischen Arbeitsmarkt integrieren. Andere Staaten entsenden Fachkräfte in die Erstankunftsländer wie Italien oder Griechenland. Diese helfen dort bei der Grenzsicherung, bei der Aufnahme der Asylsuchenden und bei der Durchführung der Asylverfahren. Mitgliedstaaten mit viel Know-how im Bereich der sozialen Integration sollten bevorzugt schutzbedürftige Flüchtlinge aus den überlasteten Drittstaaten wie der Türkei aufnehmen. Zudem können im Rahmen der flexiblen Solidarität alle Mitgliedstaaten höhere EU-Haushaltsmittel im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit aufbringen. Diese sollen für die Partnerschaftsabkommen verwendet werden, welche die EU mit Herkunftsländern der Flüchtlinge und mit der Türkei abgeschlossen hat. Des Weiteren können die Mittel in die bessere Sicherung der Außengrenzen und in das Migrationsmanagement inklusive der Aufnahme und Integration der Flüchtlinge investiert werden. Die Unterstützung durch den EU-Haushalt soll diejenigen Mitgliedsstaaten entlasten, die aufgrund ihrer geografischen Lage besonders viele Aufgaben übernehmen. Auch ist ein finanzieller Ausgleich denkbar, wenn einige Staaten aus humanitärer Verpflichtung mehr Flüchtlinge aufnehmen, andere aber dies innenpolitisch nicht durchsetzen könnten.

Wie kann die flexible Solidarität gelingen?

Für dieses Vorhaben müssen die EU-Mitgliedstaaten untereinander eine kooperative Gesprächskultur entwickeln. Zudem funktioniert die Koordination der Anstrengungen nur mit einem gemeinsamen Monitoring. Wichtig zu wissen: Um den Begriff der flexiblen Solidarität mit Leben zu erfüllen, müssen seine beiden Bestandteile funktionieren, also die Flexibilität ebenso wie die Solidarität. Grundsätzlich kann das funktionieren. Schon seit Jahrzehnten tragen viele EU-Mitgliedstaaten freiwillig zu den diversen Aufgaben der Union bei. Dazu gehörte auch immer die Flüchtlingspolitik, denn massenhafte Fluchtbewegungen gibt nicht erst seit 2015. Dass Handlungsbedarf besteht, wurde aber mit der großen, durch den Syrienkrieg ausgelösten Welle ab 2015 und der gleichzeitigen Ablehnung der Flüchtlingsaufnahme durch die osteuropäischen Staaten überdeutlich. Hierbei verbietet sich allerdings ein Pauschalurteil. Die Osteuropäer wehren sich gegen die Aufnahme von Migranten aus islamischen Ländern. Gegenüber ihren östlichen Nachbarn hingegen verhalten sie sich durchaus kooperativ. Polen etwa vergibt schon seit Jahren pro Jahr mehrere Hunderttausend Arbeitsvisa für Ukrainer, was in der Ukraine die wirtschaftliche Lage stabilisiert und Perspektiven schafft. Ansonsten würden möglicherweise viele Ukrainer nach Westeuropa fliehen.

Mercator-Studie zur flexiblen Solidarität

Die Stiftung Mercator (Stiftungszweck: Toleranz, Wissensaustausch) finanzierte im Jahr 2017 eine Studie zur flexiblen Solidarität. Beauftragt wurde damit ein Team des Berliner Instituts für Weltwirtschaft, die Studienleitung oblag Prof. Dr. Matthias Lücke. Das Ziel der Studie bestand darin, Rahmenbedingungen für die Einwanderung zu evaluieren, die eine für alle Beteiligten erträgliche Gestaltung ermöglichen. Im Ergebnis empfahlen die Autoren, das Prinzip der flexiblen Solidarität konsequent anzuwenden und insbesondere die Verantwortung für Asylsuchende in Europa gerechter zu verteilen. Auch sollte die EU die sicheren Aufnahmeländer außerhalb ihres Gebiete (Türkei, Tunesien und andere) finanziell noch stärker unterstützen und dies mit der Auflage verknüpfen, dass diese Länder den Flüchtlingen Rechtsschutz und auch Bleiberecht gewähren. Das bedeutet, dass sie diese in ihre Länder integrieren müssten. Gelingen kann das laut Mercator-Studie nur, wenn die EU ihre humanitäre Hilfe mit Entwicklungshilfe verknüpft. Es gehe darum, so die Autoren, dass auch bei enormer Zuwanderung in Länder wie die Türkei oder Tunesien die dortige Infrastruktur intakt bleibt. In einem zweiten Ansatz schlägt die Studie die gezielte Ansiedlung der Flüchtlinge in EU-Staaten vor, die dies bewältigen können. Die legale Einwanderung in die EU sollte zudem gefördert werden, was mit der Ausweitung der legalen Arbeitsmöglichkeiten für die Einwanderer aus dem Nicht-EU-Gebiet verknüpft werden müsste.

Wird die flexible Solidarität langfristig funktionieren?

Es wird gegenüber manchen osteuropäischen EU-Staaten ein gewisser Zwang nötig sein. Dieser funktioniert EU-intern über die Fördertöpfe. Schon mehrfach wurde vorgeschlagen, mit finanziellen Sanktionen gegen EU-Staaten wie Ungarn vorzugehen, die sich der nötigen Kooperation auf ganzer Linie verweigern. Der erste Schritt dieser Sanktionen wäre eine Kürzung der EU-Subventionen. Ungarn und die anderen osteuropäischen Staaten sind große Nettoempfänger der EU.

Was ist Hikikomori? Bedeutung, Definition, Erklärung


Hikikomori kommt aus dem Japanischen und bedeutet „sich zurückziehen“. Der Begriff beschreibt Menschen, die sich in eine selbstgewählte langfristige Isolation begeben. Meist handelt es sich um männliche Personen. Das Phänomen ist nicht auf Japan beschränkt, sondern lässt sich auch in anderen Teilen der Welt beobachten.

Was bedeutet Hikikomori? Bedeutung, Definition, Erklärung

Hikikomori reduzieren in freier Entscheidung ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum. Dabei verbarrikadieren sie sich in ihrer Wohnung oder in ihrem Zimmer.

Viele Betroffene weigern sich, das Haus der Eltern zu verlassen. Dabei ziehen sie sich nicht nur aus der Gesellschaft komplett zurück, sondern beschränken auch weitestgehend den Kontakt zur Familie. Die freiwillige Isolation kann mehrere Jahre, in einigen Fällen sogar Jahrzehnte dauern.

Der Begriff wurde erstmals 1998 vom japanischen Psychologen Tamaki Saito geprägt, wird inzwischen aber auch vom japanischen Gesundheitsministerium verwendet. Die Erstellung von Statistiken über das Phänomen erweist sich als schwierig, weil viele über ihre Selbstisolation keine Auskunft geben. Viele Erkenntnisse basieren daher auf Schätzungen.

Hikikomori: Zahl der Betroffenen offenbar recht groß

Während Saito die Zahl der Hikikomori auf über eine Million Menschen schätzte, ging das Gesundheitsministerium von lediglich 50.000 Betroffenen aus. Eine vom staatlichen Fernsehsender NHK durchgeführte Umfrage zeigte 2013, dass es rund 1,6 Millionen Menschen ohne Sozialkontakte geben könnte.

Da viele es Hikikomori vorziehen anonym zu bleiben, kann die Dunkelziffer höher liegen. Die Altersstruktur ist offenbar breiter als ursprünglich angenommen. Früher gingen Forscher davon aus, dass vor allem 15- bis 39-jährige vom Phänomen betroffen sind.

Die Fernsehumfrage zeigte jedoch, dass unter den 40- bis 60-jährigen sogar mehr Menschen nahezu vollständig auf einen Sozialkontakt verzichten. Die Untersuchungen ließen den Schluss zu, dass rund 100.000 Betroffene bereits seit über 20 Jahren isoliert leben.

Ursachen: Hikikomori

Der Auslöser für die selbst gewählte Isolation liegt oft in der Übergangsphase zwischen Jugend und Erwachsensein. Grund ist eine in Japan verbreitete Versagensangst, die hohen gesellschaftlichen Erwartungen an einen Erwachsenen nicht erfüllen zu können.

Viele junge Erwachsene haben zunehmend Probleme damit, wahre Gefühle und Wünsche in der Gesellschaft unterdrücken zu müssen. Stattdessen sollen Äußerungen in der Öffentlichkeit den Erwartungen der Gesellschaft entsprechen. Diese Anforderungen sind ein Spagat, der jungen Menschen zunehmend schwerfällt.

Psychologen vermissen im modernen Japan Riten, die den Übergang ins Erwachsensein erleichtern. Oft kommen erschwerende Begleiterscheinungen hinzu. Die Mittelschicht in Japan kann auf einen beeindruckenden Wohlstand verweisen. Er ermöglicht es ihr, ihre Kinder auch noch lange nach der Volljährigkeit gut zu versorgen.

Der familiäre Alltag kann ebenfalls Grundlage für eine Isolation sein. Neben dem übermäßigen Verwöhnen des Kindes ist eine gegenseitige Abhängigkeit problematisch. Ein Beispiel ist die enge Beziehung zwischen Mutter und Sohn, wie sie in Japan häufig anzutreffen ist. Dies verhindert zumindest partiell den Aufbau einer Selbstständigkeit des jungen Erwachsenen.

Aufgrund der langen Stagnation der japanischen Wirtschaft gingen wichtige Traditionen im Arbeitsalltag verloren. Früher war es normal, dass der Sprössling im Betrieb des Vaters eine Stelle bekam. Heute ist die Ausbildungs- und Jobsuche wesentlich mühsamer und nicht selten von Misserfolg geprägt. Arbeitslosigkeit ist in Japan traditionell eine Randerscheinung. Sie sorgt häufig für das Gefühl, persönlich gescheitert zu sein.

Nicht zuletzt beeinträchtigt der Leistungsdruck in der Schule das Selbstwertgefühl der Jugendlichen. Die japanische Schule war lange von strengen Aufnahmeprüfungen und Auswendiglernen geprägt. Inzwischen erkannte das Bildungsministerium die Defizite. Es fördert mit neuen Lehrplänen die Kreativität, erzielt aber in der staatlichen Schule nur bedingt Erfolge. Viele von der alten Schulkultur geprägte Eltern schicken ihre Kinder nun auf die „strengeren“ Privatschulen. Zu den Faktoren einer schrittweisen Selbstisolation können auch die Beziehungen unter den Schülern beitragen, die ebenfalls von Wettbewerb geprägt ist. Mobbing ist dabei keineswegs ein westliches Phänomen.

Auswirkungen von Hikikomori

Ein Hikikomori entwickelt sich über einen längeren Zeitraum, bei dem der Rückzug schleichend beginnt. Der erste sichtbare Schritt ist oft die Weigerung, zur Schule zu gehen. Oft zeigen Betroffene weniger Lebensfreude und die Zahl der Freunde schrumpft. Das Auftreten wird zunehmend von Unsicherheit geprägt, die Hikikomori wirken verschlossen.

Wurde die Isolierung vollzogen, spielt sich das Leben oft in einem Raum ab. Die Eltern sorgen für das Essen, ansonsten spielen der Computer und Musik die entscheidende Rolle im Leben der Hikikomori. Sie gehen weder in die Schule, noch einer geregelten Arbeit nach.

Eltern sind oft keine Hilfe, wenn es um einen Ausweg aus der Krise geht. Sie sehen in der Entwicklung ihres Kindes Fehler in der Erziehung und sehen sich dem Phänomen hilflos gegenüber. Inzwischen gibt es in Japan die gemeinnützige Initiative „New Start“, die Betroffenen Brücken zur Rückkehr in die Gesellschaft baut.

Hikikomori: Der Weg aus der Krise

Die Mitarbeiter versuchen mit vorsichtigen Schritten die Hikikomori aus ihrer Isolation zu holen. Sie schreiben zunächst Briefe und nehmen später über Telefon Kontakt auf. Ziel ist es, dass die Betroffenen das Haus wieder verlassen und beginnen, einfachen Tätigkeiten nachzugehen. Es kann Jahre dauern, bis Hikikomori wieder einer geregelten Tätigkeit nachgehen können.

In Japan wird die selbstgewählte Isolation als Krankheit verstanden. Zur Behandlung gibt es vor allem zwei Wege. Der psychiatrische basiert meist auf einer langen stationären Behandlung, die auch auf Medikamente zurückgreift. Mit der Trennung von den Eltern soll das Abhängigkeitsverhältnis der jungen Erwachsenen aufgebrochen werden.

Der sozialpädagogische Weg versucht, ein Umfeld zu schaffen, der den Ausbruch aus der Isolation ermöglicht. Bei dieser Methode werden Hikikomori in Wohngemeinschaften mit anderen Betroffenen integriert. Mitglieder, die schon länger auf dem Weg aus der Isolation sind, helfen Neuankömmlingen bei den ersten Schritten. So gelingt schrittweise der Weg aus der Abkapslung zurück in ein eigenständiges Leben.

Hikikomori international

Der Begriff Hikikomori kommt außerhalb Japans kaum vor. Teilweise wird er in Nachbarländern wie Taiwan genutzt. Das Phänomen eines gesellschaftlichen Rückzugs existiert allerdings auch in anderen Regionen. Im englischsprachigen Raum spricht man meist vom Cocooning, bei dem sich Menschen aus der Gesellschaft in die eigenen vier Wände zurückziehen.

Die Weltgesundheitsorganisation führt in ihrer internationalen Klassifikation von Krankheiten die Sozialphobie und eine ängstliche Persönlichkeitsstörung. Sozialphobie gibt es auch in Deutschland. Das Ausmaß entspricht zwar nicht dem japanischen, aber Ängste vor einem Versagen sorgen auch hierzulande für einen Rückzug aus der Gesellschaft.

Eine Untersuchung des Phänomens fand in Spanien statt. Für eine Studie, die 2016 veröffentlicht wurde, begleiteten Psychologen 190 Fälle über ein Jahr. Sie kamen zu ähnlichen Ergebnissen wie vorher die japanischen Wissenschaftler.

Die spanischen Ärzte fanden in der Studie heraus, dass Betroffene mit einer intensiven Behandlung ein geringeres Rückfallrisiko zeigten.

Was ist die Planetendiät? Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Planetendiät ist eine globale Diät für Erwachsene, die symbolisch durch einen halben Teller Obst und Gemüse dargestellt wird. Die andere Hälfte besteht hauptsächlich aus Vollkornprodukten, Pflanzenproteinen (Bohnen, Linsen, Hülsenfrüchten, Nüssen), ungesättigten Pflanzenölen, geringen Mengen an Fleisch und Milchprodukten sowie einigen zugesetzten Zuckern und stärkehaltigem Gemüse.

Was ist die Planetendiät? Bedeutung, Definition, Erklärung

Die Ernährung ist sehr flexibel und ermöglicht die Anpassung an Ernährungsbedürfnisse, persönliche Vorlieben und kulturelle Traditionen. Vegetarische und vegane Ernährung sind zwei gesunde Optionen innerhalb der Planetendiät, aber persönliche Entscheidungen.

Das Motto der Planetendiät: Mehr Pflanzen und weniger Fleisch könnten der Schlüssel zur Erhaltung des Planeten sein.

Es handelt sich um eine Diät, die von 37 führenden Wissenschaftlern in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft und Umwelt entwickelt wurde, um die Auswirkungen einer ständig wachsenden Bevölkerung (die bis 2050 voraussichtlich zehn Milliarden erreichen wird) auf die Gesundheit von Mensch zu untersuchen Planet. Die Planetendiät ist ziemlich flexibel, erfordert jedoch eine Anpassung der Essgewohnheiten der Welt.

Wie funktioniert die Planetendiät?

Die Idee ist, die Aufnahme von Nahrungsmitteln zu reduzieren, die mit Krankheiten in Verbindung gebracht wurden und eine Menge Ressourcen benötigen, um diejenigen zu produzieren und zu steigern, die große gesundheitliche Vorteile bieten und im Gegenzug wenig von der Erde verlangen.

Die Diät empfiehlt eine Aufnahme von rund 2500 Kalorien pro Tag und betont die Bedeutung von Gemüse, Nüssen und pflanzlichem Eiweiß. Fleisch ist immer noch Bestandteil des Ernährungsplans, wird aber in viel geringeren Mengen als derzeit empfohlen.

Wenn Sie die planetare Gesundheitsdiät befolgen würden, würde die Nahrung eines Tages bestehen aus: 50 g Nüsse; 75 g Hülsenfrüchte (wie Bohnen, Kichererbsen und Linsen); 28 g Fisch; 13 g Eier; 14 g rotes Fleisch; 29 g Geflügel; 232 g Vollkornprodukte (wie Brot und Reis); 50 g stärkehaltiges Gemüse (wie Kartoffeln); 250 g Milchprodukte; 300 g Gemüse; 200 g Früchte; 31 g Zuckerzusatz; 50 g zugesetzte Fette (wie Olivenöl)

Sie können diese Lebensmittel nehmen und auf tausende verschiedene Arten zusammenstellen. Wir sprechen hier nicht von einer Deprivationsdiät, sondern von gesunder Ernährung, die flexibel und angenehm ist.

Was sind die Vorteile einer Planetendiät?

Forscher sagen voraus, dass die Ernährung – wenn sie weltweit angewendet wird – jährlich bis zu elf Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern könnte. Wie? Vorwiegend durch die Reduzierung lebensbedrohlicher Krankheiten im Zusammenhang mit schlechter Ernährung wie Herzkrankheiten, Schlaganfällen und einigen Krebsarten. Experten prognostizieren auch einen Rückgang der globalen Treibhausgasemissionen, für die derzeit bis zu 30% (mehr als Transporte wie Züge, Flugzeuge und Autos) und die Erhaltung des Wassers für die Lebensmittelproduktion verantwortlich sind.
Allerdings wären für eine solche Ernährungsumstellung einige große Änderungen erforderlich. Nordamerika und Europa müssen den Konsum von rotem Fleisch reduzieren, während Ostasien den Konsum von Fisch reduzieren muss. Darüber hinaus sind eine Verringerung der weltweit produzierten Lebensmittelmenge und eine Reduzierung der Lebensmittelverschwendung entscheidend für den Erfolg der Ernährung.

Tipps für die Befolgung der Planetendiät

Wenn Sie die Planetendiät versuchen möchten, sollten Sie sich an folgende Tipps wenden:

  • Planen Sie Ihre Mahlzeiten im Voraus:
    Realistisch gesehen werden Sie wahrscheinlich nicht pro Tag eine Scheibe Ei und ein Stück Rindfleisch essen. Gehen Sie stattdessen Woche für Woche an die Diät heran, indem Sie jedem Tag Proteine usw. zuweisen und die Mahlzeiten nach Ihren Wünschen und Geschmack planen. So können Sie sich ausgewogen ernähren.
  • Variieren Sie Ihr Obst und Gemüse:
    Der Plan erlaubt den Verzehr aller Obst- und Gemüsesorten, um zu vermeiden, dass Sie immer wieder dieselbe Mahlzeit essen. Experimentieren Sie mit saisonalen Produkten und abwechslungsreichen Rezepten.
  • Reste verwenden:
    Lebensmittelverschwendung ist ein globales Problem, das sich die Wissenschaftler und Forscher mit der Umsetzung der Planetendiät zu korrigieren hoffen. Wenn Sie also nach der Hälfte des Abendessens satt sind, legen Sie den Rest beiseite, um am nächsten Tag noch davon essen zu können. Auf diese Weise sparen Sie sogar Geld.

Fazit: Planetendiät

Die Planetendiät ist flexibel, indem Richtlinien für verschiedene Lebensmittelgruppen bereitgestellt werden, die zusammen eine optimale Ernährung für die menschliche Gesundheit und die ökologische Nachhaltigkeit darstellen. Es betont eine pflanzliche Ernährung, bei der Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte einen größeren Anteil der konsumierten Lebensmittel ausmachen. Fleisch und Milchprodukte sind wichtige Bestandteile der Ernährung, jedoch in deutlich geringeren Anteilen als Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte.

Zusätzlich zu den in jedem Abschnitt festgelegten Zielen legen die Ernährungsziele auch nahe, dass der durchschnittliche Erwachsene 2500 kcal pro Tag benötigt. Während diese Menge je nach Alter, Geschlecht, Aktivitätsniveau und Gesundheitsprofilen variiert, ist Überkonsum eine Verschwendung von Lebensmitteln mit Gesundheits- und Umweltkosten.

Was ist ein Aha-/Ha-Ha-Graben? Bedeutung, Definition, Erklärung


Bei „Aha“ und „Ha-Ha“ denkt man zunächst an Ausrufe des Erstaunens oder der Belustigung. Überraschtes Erstaunen hat tatsächlich mit dem Ha-Ha- oder Aha-Graben zu tun. Im Großen und Ganzen handelt es sich dabei um Schutzanlagen, die von Weitem nicht sichtbar sind.

Der Aha- / Ha-Ha-Graben in der Gartenbaukunst: Geschichte

In vergangenen Jahrhunderten waren die Gärten der Reichen und Adeligen wahre Kunstwerke. Um die Grünflächen in Schuss zu halten, wurden besonders findige und elegante Gartenbaumeister engagiert. Jede Epoche kannte verschiedene Gestaltungsmerkmale. Die ausladenden Barockgärten um Schlösser wie Versailles gelten bis heute als einzigartige Anlagen.

In Großbritannien wurde und wird ebenfalls bis heute eine besondere Gartenbaukultur gepflegt.

Neben der reinen Schönheit mussten die Baumeister natürlich auch an Schutz denken. Die Grundstücke der reichen Gutsbesitzer oder Schlossherren sollten sicher vor Eindringlingen aller Art geschützt werden.

Das betraf einmal umherziehende Menschen oder gar Kriminelle. Zum anderen fürchteten die stolzen Gartenbesitzer, um ihre wertvollen Pflanzen. Denn was da so in einem Barockgarten wächst, schmeckt auch einem Reh oder Kaninchen. Wildschweine können eine stolze Gartenanlage binnen einer Nacht komplett verwüsten.

Hässliche ausladende Mauern oder gar Eisengitter kamen für Menschen dieser Epochen nicht in Frage. Der Blick in scheinbar unendliche Weiten galt als besonderes Element der Geländegestaltung.

Also musste eine Lösung her.

Die Kunst der Ha-Ha-Gräben soll ursprünglich aus Frankreich stammen. So war es auch ein Franzose, der den ersten offiziell dokumentierten Ha-Ha-Graben in England anlegte.

Der entstand 1695 in Levens Hall, einem Landsitz in der nordwestlichen englischen Grafschaft Cumbria.

Heute wird offiziell häufig der englische Geländegestalter Charles Bridgeman als Erfinder des Ha-Ha-Grabens genannt. Der lebte allerdings von 1690 bis 1738 und wirke damit erst deutlich nach der Installation der ersten Gräben dieser Art.

Namensherkunft Aha-Graben / Ha-Ha-Graben

Ein besonderes Element des Ha-Ha-Grabens ist seine Unsichtbarkeit. Vom Weitem sieht man das in die Erde eingelassene Bauwerk nämlich nicht. So konnte die Schutzanlagen den Blick der Landherren nicht weiter versperren.

Ein Nebeneffekt war die sichtliche Überraschung der Menschen, die plötzlich vor dem unerwarteten Graben standen. Gut gebaute Ha-Ha-Gräben sind erst erkennbar, wenn man unmittelbar vor ihnen steht. Wer ein solches Bauwerk zum ersten Mal sah, ließ unweigerlich Ausrufe des Erstaunens hören.

Der nordenglische Ausruf „Ha-Ha“ entspricht in etwa unserem Deutschen „Aha“. Zur Übersetzung des Originalnamens kam es auch wegen der Verwechslungsgefahr. Im Deutschen wird „Ha ha“ mit einem Ausruf der albernen Belustigung gleichgesetzt. Würde jemand vor einem Ha-Ha-Graben seine Belustigung kundtun, hätte der Baumeister wohl irgendetwas falsch gemacht.

So sieht der Aha-/ Ha-Ha-Graben aus

Die Schutzeinrichtungen werden grundsätzlich in den Boden eingelassen. Dazu graben Gartenbaumeister einen bis zu zwei Meter tiefen Graben in die Erde.

In diesen Graben wird dann meistens eine Mauer eingelassen. Wer in den Graben hinuntersteigt oder fällt, steht also plötzlich vor einer bis zu 2 Meter hohen Mauer in der Tiefe. Von oben und aus der Ferne war diese nicht sichtbar.

Ein einfacher Ha-Ha-Graben hat einen steilen Abfall, dann steht dort die Mauer. Hinter der Mauer befindet sich kein weiterer Graben. Das Erdreich kann an dieser Stelle einige Zentimeter über der Mauer aufgeschüttet sein. Oder es beginnt direkt hinter der Mauer.

Bei einem doppelten Ha-Ha Graben steht die Mauer in der Mitte eines ausladenden Grabens. Überwindet jemand die Mauer, kommt dahinter der identische Grabenabschnitt noch einmal, gefolgt von einem weiteren Anstieg von bis zu 2 Metern.

In Ha-Ha-Gräben können statt Mauern auch Gitter eingelassen sein oder man begnügt sich mit einem tiefen Graben an sich.

Die Sonderform der Wolfsgrube

Ist ein Graben komplett ausgemauert, zählt man ihn streng genommen nicht zu den Ha-Ha-Gräben. Vielmehr handelt es sich dabei um einen „saut-de-loup“, einen Wolfsgraben. Heute werden diese Gräben nicht mehr gebaut. Jedenfalls nicht zur Wolfsabwehr.

Die steilen Mauern zu beiden Seiten sollten verhindert, dass besonders sportliche Wölfe den Graben überwinden konnten. Noch bis ins 18. Jahrhundert hinein waren die großen, grauen Raubtiere in Europa gar nicht so selten.

Der bekannteste Ha-Ha-Graben Deutschlands

Das Mäuerchen vor dem Schloss Bellevue in Berlin täuscht. Wer von der Ferne denkt, Mauer und Gitter seien mit einem Sprung überwunden, wird zweifelsohne „Aha“ ausrufen.

Den vor dem Gebäude der Bundestagsverwaltung angekommen schaut er in einen tiefen Graben. Das „Mäuerchen“ war nur die Spitze des Eisberges.

Schloss Bellevue ist ein schönes Beispiel, wie diese sichere Mauer-Anlage das Gesamtbild des Gebäudes nicht allzu sehr verschandelt. Meterhoher Gitteranlagen würden den Menschen im Inneren des Gebäudes wohl mehr ein Gefühl eines Gefängnisses verleihen. Von außen ginge der Charme des Schlosses ebenfalls verloren.

Die Mauer dient hier natürlich nicht der Abwehr von wilden Tieren. Vielmehr sollen Demonstranten oder einzelne Menschen mit fadenscheinigen Absichten abgehalten werden.

Der ganze Graben ist zudem so konzipiert, dass Terroristen, die ein Fahrzeug in das Gebäude steuern wollen, im Graben hängen bleiben. Aha!

Aha-Graben / Ha-Ha-Graben: Bundestag

Vor dem deutschen Bundestag soll ebenfalls ein Aha-Graben bzw. Ha-Ha-Graben entstehen.

Was bedeutet „Downaging“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als Downaging wird das Phänomen bezeichnet, dass alte Menschen heute geistig und körperlich jünger sind als alte Menschen noch vor ein oder zwei Generationen.

Downaging bedeutet, dass alte Menschen in der heutigen Zeit nicht so schnell vergreisen wie alte Menschen vor ein oder zwei Generationen.

Anders gesagt: Rentner und Alte bleiben heute länger fit!

Gründe dafür sind: verbesserte Ernährung, mehr Fitness, Sport und Bewegung, verbesserte medizinische Versorgung, mehr Lebensqualität, das Arbeitsleben war körperlich nicht so mühsam.

Was bedeutet „Downaging“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Downaging erklärt sich heutzutage durch die bekannte Silver Society. Dies ist eine Gesellschaft, welche das lange Leben in den unterschiedlichen Phasen gut ausnutzt. Früher hatten die Menschen viel weniger Zeit zum Leben zur Verfügung. Heute hingegen müssen sie darauf achten, dass sie hinreichend Qualität in ihr Leben bringen. Daher ist das Downaging eine ergänzte Art des Anti-Agings. Auch das erweiterte Wellness, das Selfness, ist ein solcher Megatrend, bei welchem der Körper optimiert wird. Die täglichen Anstrengungen werden hierbei durch Tracking überwacht und einen förderlichen Lebensstil auslebt.

Die Menschen verjüngern sich, sie leben gesund und können so das schnelle und vorzeitige Altern hinauszögern, so lange, wie dies nur möglich ist. Was bedeutet das Downaging für das Altern? Dies ist die Ausweitung des Anti-Aging, die vollwertige Kontrolle über den Prozess des Alterns, das Ausleben jeder Phase des Lebens in vollen Zügen. Dies ist auch das Zurücknehmen des Alterns sowie das Anhalten des Alterungsprozesses. Generell wird die Gesellschaft stets jünger und nicht älter. Irgendwann tritt jedoch die Vergreisung in die ältere Bevölkerung ein, weil das Lebensalter natürlich steigt und die Menschen nicht so schnell versterben. Dennoch boomt die Tendenz des Downagings, und die Menschen praktizieren ihn. Es gibt hierbei drei Downaging Typen, wobei jeder einzelne Typ eine maskuline und feminine Gruppe und eine besondere Altersgruppe verkörpert. Der Lebensstil kennzeichnet solche Gruppen, und jeder einzelne Typ lebt das eigene Leben auf einer Überholspur und kurbelt seine mentalen Kräfte an, verkörpert Vitalität und Jugend und denkt auch nicht an das Älterwerden. Diese drei Down-Aging Typen sind der Super-Granny, der Silverpreneur sowie der Grey-Hopper. Hierbei lieben des Menschen, das Leben zu prüfen, zu aktivieren, zu optimieren. Sie optimieren auch die Kinder, indem diese mit Wissen und Aktivitäten versorgt wird.

Der Trend des Downagings

Vom sogenannten Länger-Leben-Trend geht es direkt zur neuen Power-Gruppe. Die Märkte stellen hierfür die konsumbegeisterten Best-Ager in den Vordergrund. Schon im Jahre 2000 wurde die These vertreten, dass Langlebigkeit bald schon zur sozialen Normalität gehört. Die neuen Bedürfnisse der aufsteigenden Altengeneration werden die Branchen und Märkte vor erhebliche Herausforderungen stellen, so die Vorhersage im Jahre 2000. Daher hat sich das Bild der Senioren in den vergangenen 9 Jahren weiterhin stark gewandelt. Auf vielen Märkten sind diese Best-Ager heutzutage die kaufkräftigste Gruppe.

Dass dies nicht immer so gewesen ist, zeigen solche Worte wie ‘Überalterung’, ‘Vergreisung’ und auch ‘Rentnerkatastrophe’, welche für eine lange Zeit die öffentlichen Diskussionen beherrschten, wenn von Senioren in der Öffentlichkeit gesprochen wurde. Anerkannt angespornt wurde eine solche Stimmung stets von den Medien, welchen in vielen Themenwochen vor jenen Gefahren des herrschenden demografischen Wandels und des Älterwerdens warnten. Auch letztes Jahr noch kündigte Alt-Bundespräsident Roman Herzog eine senile Rentner-Demokratie für die nahe Zukunft an. Das Downaging bedeutet hierbei, das Menschen immer älter werden und sich hierbei immer jünger fühlen.

Heute aber gibt es noch den Gegentrend, welchen das Zukunftsinstitut zum ersten Mal im Jahre 2005 im Trend-Report ausführlich betrachtet hatte. Downaging ist hierbei die soziokulturelle Befreiung der ganzen Gesellschaft. Da sich die Lebensspanne weit ausdehnt, wird jenes subjektiv empfundene eigene Alter eher weniger. Daher wird es in naher Zukunft mehr und mehr Senioren geben, welche sich mit 60 Jahren noch wie 40 fühlen oder auch mit 50 Jahren wie mit 30. Was verschiedene Befragungen bereits heute bestätigen, ist auch in einer Studie, welche die Marke Dove vor Jahren in 9 verschiedenen Ländern inmitten von 1.450 Frauen im Alter 50 und 64 Jahren durchführte, festgestellt worden. Diese besagt, dass 87 Prozent aller Frauen sich im Allgemeinen zu jung fühlen, um bereits als alt eingruppiert zu werden. Auch die Unternehmensberatung BBE aus Köln hat in der Studie unter dem Namen ‘Zielgruppe forever young’ erfahren, dass das naturbedingte Alter in aller Regel nicht mit dem gefühlten Lebensjahr übereinstimmt. Daher fühlen sich Frauen über 55 sich im Durchschnitt 14 Jahre jünger, als sie es eigentlich sind.

Auch in der Politik ist dieser Trend inzwischen angekommen. Mit der im Jahre 2007 veröffentlichten Studie ‘Wirtschaftsmotor Alter’ geht die Regierung in Zukunft offensiv gegen diese Alters-Mythen vor. So wird Deutschland im Jahre 2035 zwar die älteste Bevölkerung auf der Welt haben, aber dies ist noch längst kein Grund für eine Panik. Die Über-50-Jährigen sind hiernach neugieriger, gebildeter, aktiver, gesünder und konsumfreudiger als je zuvor. Die Unternehmen in Deutschland sind daher auch aufgefordert, das Alter als Chance und Zukunftsmarkt zu verstehen. Im gleichen Jahr hat der Bundespräsident Köhler in der Weihnachtsansprache auf das große Potential der Aktivität der älteren Generation heutzutage hingewiesen. Auch die Politik stürzt sich daher auf diese neue Premiumkundschaft. Daher werden im Wahljahr in Deutschland 20 Millionen deutsche Rentner diese Wahl entscheiden. Daher gehen zum ersten Mal mehr Menschen über 50 Jahren wählen als jüngere.

Siehe auch: Was ist der Female Shift?

Die Senioren in der öffentlichen Diskussion in Bezug auf das Downaging

In nur weniger als 25 Jahren werden insgesamt mehr als 50 Prozent der Bürger in Deutschland älter als 50 Jahre sein. Diese Generation 50plus gewinnt in sämtlichen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen sowie auch politischen Bereichen auch in der Zukunft immer mehr an Bedeutung. Das Thema Alter stellt die Menschen hierbei vor neuartige Herausforderungen und auch die Konsumwelt wird sich hierdurch wandeln und die neuen Bedürfnisse weiter hervorbringen. Die Älteren werden wegen der Fortschritte in Technik und Medizin künftig auch immer länger aktiv und wissbegierig bleiben.

Vor allem die Lebensweise ist für das Downaging von Bedeutung. Hierzu gehört vor allem eine gesunde Ernährung und auch viel Bewegung Menschen sollten darauf achten, was genau sie täglich essen, denn die Nahrung ist auch eine Energiequelle für den Körper. Eine regelmäßige Bewegung wie Walken, Radfahren und Spaziergänge sind sehr wichtig. Die Menschen sollten auch auf die Gedanken achten. Nur sie tragen auch die Verantwortung für das Engagement zum Leben. Die Senioren sollten auch die Lebenserfahrung genießen und sich bewusst machen, was diese alles schon im Leben erreicht haben. Hierauf können sie sehr stolz sein.
Mit mentaler Fitness können Menschen auch im Alter den eigenen Horizont erweitern. Sie verwirklichen sich hierbei ihren Traum vom Lernen. Sie tun hierbei alles, um den Geist und den Verstand zu trainieren.

Was bedeutet „Female Shift“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Female Shift“ (wörtlich: weibliche Verschiebung) bedeutet, dass die Frauen eine immer größere Rolle in unserer Gesellschaft spielen. Das ist auch absolut berechtigt. In vielen Weltregionen sind sie im großen Durchschnitt bereits etwas besser gebildet als Männer. Völlig zu Recht wehren sie sich gegen eine männerdominierte Welt.

Was bedeutet „Female Shift“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Female Shift ist seit Jahrzehnten zu beobachten. Schließlich nimmt der Einfluss der Frauen in der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik stetig zu. Allerdings haben es Frauen gerade in Hinblick auf Spitzenpositionen in der Wirtschaft nach wie vor schwer. Bei den DAX-Konzernen beträgt die Frauenquote in den Vorständen gerade einmal 14 %, im MDax und SDax sieht es noch schlechter aus. Dabei können Frauen keinesfalls schlechter führen (oder Auto fahren) als Männer. Wo man sie lässt, bewältigen sie diese Aufgabe ganz prima, wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Ministerinnenriege beweisen. Das bedeutet schlicht und erschütternd: In der Wirtschaft lässt offenbar ein Männerkartell die Frauen nicht ans Ruder. Im Zuge der jüngsten Krisen (zuletzt Corona, Stand Herbst 2020) könnte sich das nun ändern. Die Zeiten sind ernst. Wirtschaftsunternehmen können es sich nicht mehr leisten, weibliche Kompetenz unter den Tisch fallen zu lassen. Experten erwarten daher eine Beschleunigung des Megatrends Female Shift bis 2030. (Weitere Trends sind: Silver Society und Downaging)

Female Shift und der Gender Gap

Wissenschaftlich wird die Lücke zwischen den Optionen für beide Geschlechter als Gender Gap bezeichnet. Diese Lücke wird allmählich geschlossen, doch geschieht dies in einzelnen Bereichen sehr unterschiedlich. Das World Economic Forums stellte in seinem jüngsten Global Gender Gap Report von 2020 eine deutliche Besserstellung von Mädchen und Frauen in den Bereichen Gesundheit und Bildung fest, doch eine wirtschaftliche Gleichstellung ist noch längst nicht zu verzeichnen – nicht einmal in entwickelten Staaten wie Deutschland. Bemängelt werden vorrangig diese drei Punkte:

  • Zugang zu Führungspositionen
  • Verdienstmöglichkeiten
  • Karrierelevel

Die Experten fordern daher, dass sich in allen Staaten die Politik stärker im Sinne von Female Shift engagiert. Frauenquoten können durchaus helfen, doch auch der bessere Zugang zu Kinderbetreuungseinrichtungen und die gezielte Förderung von weiblichen Karrieren stehen auf der Agenda.

Wie zeigt sich Female Shift in der Bildung?

In Deutschland und auch in anderen entwickelten Staaten (allerdings nicht überall) sind die schulischen Leistungen von Mädchen und jungen Frauen (Studentinnen und Azubis) besser als die ihrer männlichen Altersgenossen:

  • 38,2 % der deutschen Schülerinnen beendeten die Schulausbildung mit der (Fach-)Hochschulreife,
  • 33 % mit dem Realschulabschluss und
  • 15,9 % mit dem Hauptschulabschluss.

Die Zahlen für die jungen Männer sehen so aus:

  • 28 % schließen mit der (Fach-)Hochschulreife ab,
  • 36,3 % mit dem Realschulabschluss und
  • 24,5 % mit dem Hauptschulabschluss.

Die Lücke zu 100 % sind Personen ohne Schulabschluss. 59,7 % der Mädchen werden früher eingeschult, 61,9 % der Jungen hingegen verspätet. Dabei ist der Bildungsvorsprung der Mädchen in Deutschland noch gar nicht besonders groß. Deutlichere Unterschiede zugunsten der Mädchen gibt es beispielsweise in Asien, in Qatar, Lesotho, Surinam und Libyen. Insgesamt scheinen junge Frauen weltweit die Bildungsgewinner zu sein.

Female Shift: Emanzipation der Frauen

Die Emanzipation von Frauen bedeutet, dass sie heute mehr Wahlmöglichkeiten haben. Sie wünschen sich mehrheitlich finanzielle Unabhängigkeit durch ein eigenes Einkommen, was ihre Männer übrigens durchaus schätzen. Es hat sich in dieser Hinsicht eine Entwicklung über eine Generation vollzogen, die dazu führte, dass so gut wie alle Frauen auf der Welt heute der Meinung sind, gegenüber ihren Müttern bessere Chancen zu haben. Gleichzeitig ist ihr Selbstbewusstsein erstarkt. Die Studie „Women of Tomorrow“ der Beratungsgesellschaft Nielsen belegt, dass 79 % aller Frauen an eine Änderung ihrer Rolle glauben und 90,5 % dieser Frauen von einer positiven Änderung überzeugt sind. Allerdings werden sie sich der damit einhergehenden Verantwortung immer mehr bewusst und fühlen sich dadurch nicht nur herausgefordert, sondern teilweise auch erheblich gestresst. Daher wünschen sie sich ein partnerschaftliches Miteinander mit Ehepartnern und Lebensgefährten. Sie möchten wichtige Entscheidungen zum Beruf, zur Kinderbetreuung und zu Haushaltsinvestitionen gemeinsam treffen. Es gibt in dieser Hinsicht ein Gefälle zwischen entwickelten Staaten und Schwellenländern. In Letzteren halten sich teilweise noch sehr stark tradierte Rollenmuster. Männer schätzen es zwar auch dort, wenn ihre Frau zum Haushaltseinkommen beiträgt, möchten aber wichtige Entscheidungen lieber selbst treffen.

Female Shift: Unterschiede im Individualisierungsgrad

In den entwickelten Industrienationen denken Frauen häufiger an sich und konsumieren auch ganz individuell für sich. In den Schwellenländern denken sie viel häufiger an ihre Familie. Sie geben dort selbst und zusätzlich verdientes Geld vorrangig für die Bildung ihrer Kinder aus. In entwickelten Staaten hingegen investieren Frauen in Urlaub, Kosmetik, Wellnes, Lebensmittel und auch in die Tilgung von Schulden, die für größere Konsumausgaben aufgenommen wurden (zum Beispiel für das eigene Auto).

Female Shift: Gestaltung von Partnerbeziehungen

Female Shift führt zu einem neuen Selbstverständnis von Frauen hinsichtlich ihrer Partnerwahl und der Gestaltung ihrer Paarbeziehung. Sie wählen ihren Partner nach persönlichen Präferenzen (äußere Attraktivität, gleichgelagerte Interessen), aber immer seltener nach dessen Einkommen und Status. Mit der Heirat lassen sie sich Zeit. Bis zum 30. Lebensjahr hatten bis 2019 in Deutschland nur 11 % aller Frauen geheiratet. 1970 hatte dieser Anteil noch bei 43 % gelegen. Ihre Kinder ziehen Frauen daher häufig allein groß. Es gibt in Deutschland rund 1,7 Millionen Alleinerziehende, von denen 90 % Frauen sind. Zudem steigt die Zahl der Frauen, die keine Kinder wünschen. Von den Jahrgängen zwischen 1970 und 1975 haben 26 % keine Kinder und 23 % ein Kind. Der Rest hat mehr als ein Kind.

Female Shift: Frauen in Männerberufen

Es gibt nach wie vor traditionelle Frauen- und Männerberufe. Frauen dringen inzwischen sehr häufig in die männlichen Domänen des Kfz-Mechatronikers, Chefarztes, Rechtsanwalts oder Wirtschaftswissenschaftlers vor. Die StudentInnen der Humanmedizin sind zu 61 % weiblich, die ÄrztInnen zu 43 %. Nicht zuletzt hat Deutschland eine sehr erfolgreiche Frauenfußballnationalmannschaft.

Female Shift: Reaktion der Männer

Es gibt zwar immer noch männlichen Chauvinismus, doch er schwindet und gilt inzwischen als so rückständig, dass er kaum noch gesellschaftsfähig ist. Die Mehrheit der Männer begrüßt Female Shift, allerdings gibt es Männer, die praktisch die Gleichberechtigung von Frauen sabotieren. Männer sind in dieser Hinsicht zwiegespalten: Ihnen gefällt als Chef und Kollege die Kompetenz der Frauen im Team, als Partner das Einkommen der Gattin oder Lebensgefährtin. Junge Väter würden häufig gern das Erziehungsjahr nehmen. Allerdings folgen auf solche Lippenbekenntnisse nicht immer Taten. Zwischen fortschrittlichen Statements und dem realen Handeln von Männern gibt es teilweise enorme Gräben. 65 % von ihnen äußern die Überzeugung, dass sich Mama und Papa gleichberechtigt die Kindererziehung teilen sollten. 70 % gestehen aber ein, dass das bie ihnen daheim praktisch nicht funktioniert.

Haltung der Frau zur Rolle „Hausfrau und Mutter“

Mehrheitlich möchten die Frauen gute Mütter sein. Doch nur 14 % von ihnen möchten die Mutter- mit der Hausfrauenrolle verknüpfen. Diesen stehen 18 % gegenüber, die als Mutter voll berufstätig bleiben möchten. Das stellt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf den Prüfstand. Auch die Männer sind gefordert. Sie müssen sehr viele Pflichten im Haushalt und bei der Kindererziehung übernehmen.

Fazit: Bedeutung Female Shift

Framale Shift ist ein starker Trend mit praktischen Problemen. Diese müssen Frauen und Männer gemeinsam lösen.

Was bedeutet „Silver Society“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Silver Society (wörtlich übersetzt: Silbergesellschaft) sind Menschen jenseits des 60. Lebensjahres, die sich fit fühlen und dementsprechend aktiv agieren. Ab etwa Mitte 60 genießen sie ihre Rente bei teilweise recht hohen Bezügen und einem angesparten Vermögen, das ihnen einen munteres Leben ermöglicht. Wenn sie gesund bleiben, können sie in eine spannende neue Lebensphase eintreten.

Was ist die „Silver Society“? Merkmale, Eigenschaften, Bedeutung, Definition, Erklärung

  • Die Menschen in entwickelten Staaten werden dank guter Gesundheitsfürsorge immer älter und bleiben dabei immer länger gesund.
  • Dieses Phänomen ändert unser Bild vom Altern. Es gilt nicht mehr als durchweg defizitärer Zustand, sondern als eine Lebensphase mit viel mehr Freizeit für das Verfolgen persönlicher Interessen bei einigermaßen guter Gesundheit.
  • Ältere Menschen bleiben freiwillig viel länger aktiv. Teilweise arbeiten sie weiter, oft engagieren sie sich ehrenamtlich oder auch in künstlerischen und sozialen Projekten.
  • Die aktiven Alten können sehr gut ihre Lebenserfahrung an Jüngere weitergeben. Damit treten sie in eine Lebensphase mit neuer Verantwortung ein. Das bietet ihnen Raum für eine Art der Selbstentfaltung, die ihnen in jüngeren Lebensjahren nicht möglich war.
  • Die Wirtschaft reagiert auf die Silver Society und profitiert von ihr. Der Gesundheitssektor wächst stark, doch auch der Städte- und Wohnungsbau, der Verkehr und der Tourismus passen sich immer stärker an die Generation 60+ an.
  • Der Jugendwahn dürfte irgendwann als obsolet gelten. Auch das Marketing verabschiedet sich schon länger vom Gedanken, dass die Zielgruppen ab 50+ eigentlich uninteressant sind und kaum umworben werden müssen. Ältere Menschen mit guter Rente können durchaus auch sehr konsumfreudig sein.

Silver Society und die verwandten Schlagworte

Es gibt zum Megatrend des Entstehens einer Silver Society einige verwandte Schlagworte. Eines davon lautet „Downaging“. Es bedeutet, dass sich die Menschen bei faktisch immer längerer Lebenszeit subjektiv länger jung fühlen. Das gefühlte Alter sinkt, was mit dem Wort Downaging beschrieben wird. Im Jahr 2020 geht man je nach individuellem Gesundheitszustand von 10 bis 15 Jahren in der Relation zwischen gefühltem und biologischem Alter aus. Das bedeutet: Ein Mensch von 70 Jahren kann sich wie 55 bis 60 fühlen. Seine Vitalwerte können dem sogar entsprechen, erst recht aber sein Lebensgefühl und -stil. Dazu gehören auch der Konsum, die Freizeitaktivitäten, die Mediennutzung und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ein anderes Schlagwort ist das von den „Forever Youngsters“. Diese Gruppe möchte sich immer jung fühlen und unternimmt auch viel dafür vor allem bei der Gesundheitsvorsorge, der Ernährung und auch dem sonstigen Lebensstil. Forever Youngsters möchten mit dem Rentenalter in ihren besten Lebensabschnitt starten und Projekte verwirklichen, zu denen sie lebenslänglich nicht gekommen sind. Das haben sie sich schon spätestens zehn Jahre vor der Rente vorgenommen. Die sogenannten „Free Ager“ wiederum sind schon ab 50+ zu finden. Ihr Lebensgefühl ist nicht an den Ruhestand gekoppelt: Vielmehr sind es Menschen, die in der Mitte ihres Lebens (ein euphemistischer Ausdruck für das Alter um 50) beschließen, auf die für sie wesentlichen Dinge zu fokussieren. Das klappt, wenn sie ihre Karriereziele erreicht oder sich innerlich von ihnen verabschiedet haben. Sie finden dann zu mehr Gelassenheit, Harmonie und Menschlichkeit, pflegen ihre familiären und freundschaftlichen Beziehungen, setzen sich für eine gesunde Umwelt ein und widmen sich deutlich stärker mindestens einem wichtigen Hobby. Mit dieser Haltung kann man zufrieden alt werden. Eine letzte Gruppe sind die „Golden Mentors“. Es sind ehemalige Fach- und Führungskräfte, denen es sehr wichtig ist, ihre Erfahrungen weiterzugeben. Das kann ein heikler Balanceakt sein, denn jemand muss sie nach ihren Erfahrungen fragen. Wenn das nicht geschieht, bieten sie diese manchmal auch ungefragt feil und machen sich damit unter den Jüngeren nicht nur Freunde. Im Zeitalter der Digitalisierung ist dieses Problem besonders heikel, weil sich Menschen zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr heute anders informieren. Falls sie gesammelte Erfahrungen zu einem Thema benötigen, googeln sie diese ganz fix.

Siehe auch: Was ist der „Female Shift“?

Lebt die Silver Society in einem goldenen Lebensabschnitt?

Natürlich nicht. Man mag leben, wie man will: Altern ist ein unausweichlicher Prozess. Exzessiver Sport verlangsamt ihn keinesfalls, im Gegenteil. Er kann Menschen ab dem 60. Lebensjahr sogar schneller verschleißen lassen. Die gesunde Lebensweise ist natürlich immer zu empfehlen und wird ohne schwerwiegende Erkrankungen vermutlich das eigene Leben um ein bis drei Jahre verlängern, doch mehr ist nicht drin. Die Lebensuhr wird sehr stark durch unsere genetische Veranlagung bestimmt. Wenn Sie wissen wollen, wie alt Sie vielleicht werden könnten, schauen Sie sich die Lebenszeit Ihrer Großeltern an (wenn diese keine schwerwiegenden Krankheiten hatten). Wenn also die Generation der heute 55- bis 65-Jährigen mit einer Lebensspanne zwischen rund 80 bis 90 Jahren kalkuliert, kann sie versuchen, bis Anfang 80 halbwegs aktiv zu bleiben. Das können 15 bis 25 sehr gute Jahre sein, die aber aus der Perspektive des Alters um 60 eine überschaubare Spanne sind. Davon abgesehen macht sich der Körper nach dem 50. Lebensjahr durchaus deutlich bemerkbar – und sei es dadurch, dass man ständig seine Lesebrille sucht und immer weniger isst (ansonsten nimmt man maßlos zu und hat körperliche Beschwerden). Das ändert dennoch nichts daran, dass ein finanziell gut abgesichertes Leben für den gesunden Menschen im Rentenalter durchaus sehr genussvoll sein kann.

Silver Society: Hat Altern auch Vorteile?

Unter der Prämisse, gesund und nicht arm zu sein sowie keine unnatürlichen Verluste in der Familie beklagen zu müssen (vorzeitiger Tod von Geschwistern oder gar eigenen Kindern), kann ein höheres Lebensalter durchaus Vorteile mit sich bringen. Man wird deutlich gelassener und durchschaut das Geschwätz von Politikern und vor allem von Werbetreibenden und Journalisten sehr viel schneller. Das ist übrigens auch ein Grund dafür, warum die Werbewirtschaft die Generation 50+ nicht so sehr in den Fokus nimmt. Sie ist mit den üblichen Plattitüden, die sich ein 35-jähriger „Werbefachmann“ ausdenkt, praktisch nicht zu erreichen. Da nun die Älteren aber immer mehr Geld haben und immer länger konsumieren, muss die Werbewirtschaft auf sie eingehen. Das dürfte am besten über 50-jährigen Werbenden gelingen, wenn sich diese dazu herablassen. Da wir aber soeben über den geistigen Vorzug der Gelassenheit und Weisheit in einem etwas höheren Lebensalter resümieren, müssen wir ihm leider auch die Kehrseite dieser Medaille gegenüberstellen: So schlau und erfahren zu sein kann schnell Überdruss erzeugen. Man findet in diesem Alter im Fernsehen, in der Zeitung und auf Google News praktisch nichts Geistvolles mehr. Das Geschwätz jüngerer Autoren und selbst der TalkmasterInnen Maybrit Illner, Anne Will, Frank Plasberg und erst recht Markus Lanz (ganz schlimm!) ist unerträglich. Die Forderung der Silver Society lautet daher: Lasst Autoren der Silver Society schreiben und Moderatoren dieser Generation die Talkshows übernehmen! Das ist in den USA längst üblich.

Was ist „Neo-Ökologie“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Neo-Ökologie bedeutet die Verbindung von ökologischem und wirtschaftlichem Handeln. Der seit den 1960er-Jahren so verstandene Konflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschonung soll aufgehoben werden. Grüne Märkte schaffen neuen Wohlstand. Dahinter steht ein neues gesellschaftliches Bewusstsein, das zu einem ressourceneffizienten und ökologischen Wirtschaften ohne Verzicht führt.

Kernansätze der Neo-Ökologie: Bedeutung, Definition

  • Erneuerbare Energien sind nicht mehr teurer, sondern günstiger als die Energien aus fossilen Brennstoffen. Damit revolutionieren sie das Marktgefüge.
  • Die Energieproduktion wird dezentraler und gelangt damit eher in die Hände von Energiegenossenschaften – weg von den Konzernen. Das liegt auch daran, dass Energie in rein technischer Hinsicht dezentral produziert wird, durch Windräder in privatem Einzelbesitz und Solarpaneele auf privaten Hausdächern.
  • Grüner Strom führt zu energetischer Autarkie. Das macht Verbraucher unabhängig von der Preisentwicklung bei Strom und Gas.
  • Eine der größten Herausforderungen der Energiewirtschaft besteht künftig in der Steuerung des sehr unregelmäßig bereitgestellten grünen Stroms. Durch die Digitalisierung der Netze ist diese Herausforderung aber zu bewältigen.
  • Der Verkehr koppelt sich von fossilen Brennstoffen ab.
  • Obgleich der Straßenverkehr umweltfreundlich wird, setzen sich immer weniger Menschen den Anstrengungen des Privatbesitzes an einem Auto aus. Sharing- und Abo-Modelle sowie der öffentliche Nahverkehr boomen. Letzterer wird in immer mehr Städten kostenlos angeboten.
  • Nicht nur das Auto, auch viele andere Konsumgüter haben als Statussymbol ausgedient. Das Streben nach Status gilt angesichts der komplexen Welt und der ökologischen Herausforderungen als obsolet (überholt). Wer mit Statussymbolen protzt, gilt als asozial.
  • Staaten reagieren mit verschärften Gesetzen auf ökologische Erfordernisse. Dieser Prozess ist schon jetzt in vollem Gange.
  • Unternehmen, die eine effiziente Ressourcennutzung realisieren können, sind die ökonomischen Gewinner. Wer in diesem Wettbewerb nicht besteht, kann aufgrund der verschärfteren Gesetzgebung nicht mehr ökonomisch wirtschaften und muss aufgeben.
  • Recycling wird ein mächtiger Wirtschaftszweig.

Wie neu ist die Neo-Ökologie?

Sie ist weniger neu, als es der Begriff vermuten lässt. Es geht schlicht um die Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Der Gedanke aber, trotz grundsätzlich wirtschaftlichen und auch wachstumsorientierten Handelns die Ressourcen zu schonen, stammt schon aus dem vorindustriellen Zeitalter. Hans Carl von Carlowitz, ein kursächsischer Oberberghauptmann, erwähnte im Jahr 1713 den Begriff der Nachhaltigkeit in einem Werk zur Baumzucht („Sylvicultura oeconomica“), das die ganzheitliche und nachhaltige Forstwirtschaft auf 432 Seiten umfassend behandelte. Carlowitz wirkte im Erzgebirge, wo er eine Ressourcenzerstörung durch Holzfäller ausmachte. Dass Bäume sehr lange wachsen und auch nachgepflanzt werden müssen, wenn man ihr Holz verwenden will, konnte schon damals vielen Menschen klar sein, doch erstens hielten sie sich aus Not und/oder Fahrlässigkeit nicht daran, zweitens begründete Carlowitz den Gedanken auch wissenschaftlich. Dementsprechend mahnte er die „… continuierliche, nachhaltende und beständige Nutzung …“ an, die er in seinem Revier wohl auch durchsetzte. Die Industrialisierung stellte dann ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Ökonomie über die Ökologie. Einen nochmaligen Schub in diese prekäre Richtung gab es nach den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Besonders ab den 1950er-Jahren wollten die Menschen konsumieren, als gäbe es kein Morgen. Als dann in Europa Gewässer durch industrielle Einleitungen komplett starben, setzte etwa um 1970 ein Umdenken ein. Der Club of Rome warnte schon damals vor den ökologischen Grenzen des Wachstums und wurde auch häufig zitiert, doch Umweltschützer hatten es extrem schwer. Dazu trug auch bei, dass es wenig technische Alternativen zum Verbrauch fossiler Brennstoffe gab. Dennoch lenkten die Staaten bereits damals um. Sie förderten die Forschung zu erneuerbaren Energien und schließlich auch deren Verwendung, so teuer dies auch noch war. In Deutschland wurde Ende 1990 das Stromeinspeisungsgesetz mit Fördersätzen für Wind- und Sonnenkraft beschlossen, aus dem im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde. Dieses kopierten zahllose Staaten der Welt (mit jeweils eigenen Fördersätzen). Der Grundgedanke des EEG ist bis heute die degressive Förderung: Erneuerbare Energien erhalten grundsätzlich einen Zuschuss, der aber sukzessive sinkt, damit die Hersteller zur Innovation und damit Kostensenkung gezwungen werden. Das gelingt weltweit, in manchen Staaten (unter anderem China) inzwischen sogar besser als in Deutschland.

Wird die Neo-Ökologie gewinnen? Bedeutung, Definition

Davon ist auszugehen, weil sie alternativlos ist. Allerdings klingeln im Jahr 2020 wegen der allseits sichtbaren Folgen des Klimawandels die Alarmglocken inzwischen in schrillsten Tönen. Doch ein Alarm ist eine Notsituation, in der wir nicht an langfristig erfolgreichen Plänen arbeiten. Diese brauchen wir aber, wenn wir die Wirtschaft mit der Umweltschonung versöhnen wollen. Daher gilt es als eine Voraussetzung für den Erfolg der Neo-Ökologie, dass ökologisches Denken entideologisiert wird. Vielleicht ist diese Intention auch der Grund für so manch eine Kritik an den sehr jungen Aktivisten von Fridays for Future. Diese mahnen sehr emotional und haben natürlich jedes Recht dazu, denn in 50 Jahren müssen sie die Folgen des Klimawandels ausbaden, während dessen Verursacher nach einem konsumfreudigen Leben glücklich verstorben sind. Doch es muss auch handfeste, technisch realisierbare und ökonomisch machbare Alternativen geben. Möglicherweise haben grüne, im Grundsatz marktwirtschaftlich orientierte Parteien das größte Potenzial, der Neo-Ökologie zu ihrem dringend benötigten Sieg zu verhelfen. Das wäre wirklich erforderlich. Denn eines steht fest: Ökologie wird nach wie vor am lautesten von fundamentalistischen Ideologen gepredigt. Es müssen aber Techniker und Wirtschaftsfachleute ans Werk, die den gordischen Knoten des scheinbaren Konflikts zwischen nachhaltiger Wirtschaft und Wohlstand zerschlagen.

Neo-Ökologie: Wir alle sind gefragt!

Fragen Sie, wen Sie möchten (außer Bolsonaro und Donald Trump): Praktisch jede und jeder versichert Ihnen, für Ökologie und nachhaltige Wirtschaft zu sein. Doch lassen diese Menschen auch oft genug ihr Auto stehen? Was sagen sie, wenn in ihrer Nachbarschaft eine Windkraftanlage gebaut wird? Benutzen sie noch Plastiktüten? Wie lange lassen sie den Wasserhahn beim Zähneputzen laufen? Fliegen sie in den Urlaub? Die Wirtschaftsunternehmen schütteln daher bei der Forderung nach ökologischem Wohlstand manchmal den Kopf, denn sie wissen einfach nicht, wie sie diesen realisieren sollen. Es kommt daher auf uns alle an. Vielleicht sollten wir überlegen, ob echt grüner Strom zum Beispiel einen Aufpreis von drei oder vier Cent auf die Kilowattstunde wert sein sollte. Viel mehr dürfte es nicht kosten, unsere Kohlekraftwerke endgültig zu ersetzen. Fliegen in den Urlaub? Es ist in Ordnung, doch es muss nicht jedes Jahr sein. Das ließe sich ganz einfach über den Preis regeln. Das Autofahren ist ein Aspekt, den wir gründlich überdenken sollten. Damit fördern wir ganz privat die Neo-Ökologie.

Was bedeutet „Ökozid“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Ökozid“ (Kurzform für „Vernichtung der natürlichen Wechselbeziehungen“) wird oft bei der Beschreibung regionale oder globale Ökosysteme beeinträchtigender menschengemachter Eingriffe verwendet, die massive Negativfolgen für die Lebensgrundlagen von Bevölkerungen, Tier- und Pflanzenreich haben.

Geschichte: Ökozid im Zweiten Indochinakrieg

Der sprachlich und thematisch in Nähe zu „Ethnozid“ und „Genozid“ stehende Begriff „Ökozid“ geht auf die seit Anfang der 1960er Jahre von den US-Streitkräften während des Zweiten Indochinakriegs (1955 – 1975) in Südvietnam, Kambodscha und Laos praktizierte Taktik zurück, durch den militärischen Einsatz von Herbiziden, wie z. B. Agent Orange, Dschungelgebiete weitflächig zu entlauben. Auf diese Weise sollten feindlichen Guerilla-Verbänden wie dem Vietcong und der Pathet Lao die vor Luftangriffen schützende Deckung durch Laubdächer genommen werden.

Allein in Vietnam sind während des Krieges 30.000 qkm Wald entlaubt worden. Die Auswirkungen dieses Masseneinsatzes von Herbiziden waren enorm: Unzählige Menschen erkrankten an Krebs und starben, Böden und Gewässer ganzer Regionen wurden dauerhaft vergiftet, Tier- und Pflanzenarten fast ganz oder gänzlich ausgerottet.

Was bedeutet „Ökozid“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der spätestens seit den 1970er Jahren in der politischen Diskussion regelmäßig verwendete Begriff „Ökozid“ hat bisher keine allgemein anerkannte Definition und auch keine rechtsverbindliche Begriffsbestimmung erfahren. So wird „Ökozid“ aktuell zur Beschreibung einer Reihe von zwar durchaus themenverwandter, aber in ihrer Aussage sich doch teilweise erheblich voneinander unterscheidender Sachverhalte eingesetzt.

Zum einen kann durch den Begriff „Ökozid“, wie beim Einsatz von Agent Orange, die langandauernde Schädigung des Erbguts der Angehörigen einer Ethnie durch Einsatz von Kampfgiften gemeint sein. Durch Agent Orange zum Beispiel sind einige kleinere Bergvölker in Vietnam in ihrem Bestand gefährdet worden.

Unter „Ökozid“ wird aber auch häufig die physische oder kulturelle Auslöschung eines Volkes durch wirtschaftlich motivierte Eingriffe in die für diese Ethnie als Nahrungsbasis und Kulturheimat lebenswichtigen Ökosysteme verstanden. Ein Beispiel dafür ist die Zerstörung weiter Teile des brasilianischen Regenwalds durch Holzeinschlag und Brandrodung. Dadurch verloren zahlreiche indigene Völker ihre wirtschaftliche und kulturelle Grundlagen.

Etliche Umweltaktivisten definieren „Ökozid“ dagegen als systematische schwerwiegende Beeinträchtigung der Natur unbeachtlich deren Folgen für Mensch und Kultur.

Im größeren Maßstab wird „Ökozid“ als eine in naher Zukunft zu erwartende Katastrophe verstanden. Die Klimaerwärmung und andere Probleme würden, falls es nicht zu einer Änderung des Kurses bezüglich dieser Problematiken käme, nach Ansicht etlicher Fachleute zu einem von ihnen „Ökozid“ genannten weltweiten Zusammenbruch führen.

Ökozid Bedeutung: Rechtliche Berücksichtigung

Es hat mehrere Anläufe auf verschiedenen Ebenen gegeben, Ökozid als Tatbestand in das internationale Strafrecht aufzunehmen. So sollten nach einem an die zuständigen UN-Kommission gerichteten, erfolglosen Vorstoß im Jahr 2010 Vernichtung oder Beschädigung von Ökosystemen dann unter Strafe gestellt werden, wenn diese Eingriffe die Wohlfahrt der betroffenen Bevölkerung erheblich beeinträchtigen würde. Diese Formulierung entsprach in etwa der Definition von „Ökozid“ im UN-Umweltübereinommen von 1977. Demnach sollte Ökozid angenommen werden, wenn monatelang auf einem Gebiet von 100 qkm und mehr durch Eingriffe in die Natur schwere Störungen für das Leben der Einwohner auftreten.

Umweltkampagnen wie die von Greta Thunberg unterstützte Aktion „Stop Ecocide“ versuchen weiterhin Ökozid unter Strafe stellen zu lassen. Sie wollen, dass endlich die Lücke geschlossen wird, die nach Ansicht der Ökoaktivisten wegen unzureichender nationaler Umweltschutz-Strafvorschriften besteht. Erst ein für alle Länder in der Welt geltendes internationales Strafgesetz gegen Ökozid würde demnach Schlupflöcher bei der Strafverfolgung verstopfen und wirksam sein.

Was ist Kuschelpädagogik? Bedeutung, Definition, Erklärung


Kuschelpädagogik ist ein negativ konnotiertes Schlagwort im Bildungsdiskurs des gesamten deutschsprachigen Raumes. Kritiker bezeichnen damit eine schulische Erziehung, bei der die Leistungsorientiertheit fast völlig zurückgestellt wird. Stattdessen gehen Pädagogen und Eltern übertrieben stark auf die vermeintlichen Bedürfnisse von Kindern ein.

Was ist Kuschelpädagogik? Bedeutung, Definition, Erklärung

Die Anhänger dieser Art von Pädagogik bezeichnen sie nicht so. Sie verwenden den positiv besetzen Begriff der Reformpädagogik und gelegentlich (noch) der antiautoritären Erziehung, obgleich diese inzwischen als obsolet (überholt, hinfällig) gilt. Kuschelpädagogik ist ein Begriff von eher wertkonservativen Lehrkräften,
Politikern und Journalisten. Der Pädagoge Josef Kraus war 1987 bis 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, er kritisierte oft die „Kuschelpädagogik“. Sie mache es den Schülern allzu leicht, an gute Noten zu gelangen. Nachdem die PISA-Studien ab 2000 belegten, dass deutsche Schülerinnen und Schüler auf einigen Feldern im internationalen Vergleich relativ schwach abschneiden, entbrannte erneut ein Streit um die Kuschelpädagogik, die nach Meinung ihrer Kritiker ursächlich für die Leistungsdefizite sein soll. Auch bei der Auseinandersetzung um die richtige Haltung gegenüber verhaltensauffälligen Schülern, aus denen oft jugendliche Kriminelle werden, spielt diese Diskussion eine Rolle.

Wie funktioniert Kuschelpädagogik?

Verkürzt dargestellt erleben Kinder und Jugendliche bei dieser Art von Pädagogik niemals, dass ihnen jemand unerbittlich ihre Grenzen aufzeigt. Dieses Aufzeigen von Grenzen muss nach der Auffassung der klassischen Pädagogik nicht mit Gewalt, aber mit absoluter Konsequenz erfolgen. Das bedeutet: Wenn ein Kind eine durchdachte, sinnvolle Anweisung nicht befolgt, sollte der Erziehende eine Sanktion ankündigen und diese dann auch umsetzen. Das kann Fernseh- oder Computerverbot sein. Es muss keine harte Strafmaßnahme sein. Vielmehr genügt es, dem Kind zu beweisen, dass die Konsequenz unweigerlich erfolgt. Ein Kuschelpädagoge nimmt stattdessen das Kind in den Arm und redet ihm gütig zu (daher der Ausdruck, es wird real gekuschelt). Wenn das Kind bei seinem Willen bleibt, gibt der Kuschelpädagoge nach.

Kritik an den Kritikern

Der Zürcher Erziehungswissenschaftler Jürgen Oelkers kritisiert den Begriff und belegt, dass es ein Kampfbegriff ist. Dieser werde von denjenigen Konservativen benutzt, die affektiv gegen die antiautoritäre Erziehung und die Reformpädagogik eingestellt sind. Diesen Kritikern gehe es laut Oelkers allein um mehr Disziplin, die ihnen als Königsweg erscheine. Daraus leitet Oelkers eine nicht mehr nur konservative, sondern tendenziell politisch rechtsgerichtete Haltung ab.

Kritik am Versagen der Kuschelpädagogik

Der Kinder- und Familientherapeut Wolfgang Bergmann belegt, dass der schulische Umgangston der Kuschelpädagogik von exzessivem Harmoniestreben bestimmt wird und daher zum Versagen jeglicher Erziehungsbemühungen führt, weil es im Leben eher Konflikte als Harmonie gibt. Letztere ist prinzipiell ein illusionärer Ausnahmezustand, während in Wahrheit Menschen grundsätzlich eigene und damit vielfach gegensätzliche Interessen verfolgen. Wenn das Kind erlebt, dass alles auf Harmonie hinauslaufen soll, findet es keinen Rahmen und keine Richtung mehr. Zudem werden ihm auch härtere Konflikterfahrungen verwehrt, die es laut Bergmann aber benötigt. Gerade Jungen müssen sich gelegentlich raufen, so der Psychologe. Sie erleben dabei, was körperliche Gewalt für Folgen hat. Da sie rein physisch bis zum Alter von etwa zehn Jahren kaum in der Lage sind, jemanden ernsthaft zu verletzen, solle man ihnen diese Erfahrung zugestehen – nötigenfalls unter stillschweigender Beobachtung des Pädagogen, der schlimmstenfalls eingreifen kann.

„Kuschelpädagogik“ als Kampfbegriff gegen antiautoritäre Erziehung

Die Kritiker der Kuschelpädagogik wenden sich vor allem vehement gegen die antiautoritäre Erziehung, die zwar ihre Blüte in den frühen 1970er-Jahren hatte, aber in den Köpfen einiger Eltern und Lehrer nach wie vor verankert ist. Bei diesem Konzept (eigentlich einer Gruppe von mehreren Erziehungskonzepten) begründete man umfassend und auch sehr theoretisch, dass Autorität in der Erziehung nichts zu suchen hat. Die Philosophie hatte Fundamente. Es gehörten dazu

  • der Freudomarxismus (Mischung von Psychoanalyse nach Sigmund Freud mit Marxismus),
  • die Reformpädagogik (siehe weiter unten) sowie
  • die antikapitalistische Kritik der Reformpädagogik, vertreten vor allem durch Siegfried Bernfeld.

Die antiautoritäre Erziehung räumte dem Kind weitgehende Autonomie und Rechte wie jedem Erwachsenen ein. Einige dieser Intentionen haben die letzten Jahrzehnte überdauert. So gibt es Schulen mit großen Mitspracherechten der Schülerinnen und Schüler, den anerkannten und inzwischen auch gesetzlich verankerten Verzicht auf körperliche Gewalt in der Erziehung sowie den Führerschein für begleitete Minderjährige. Allerdings ging die antiautoritäre Erziehung in ihrer Reinform viel weiter. Die Kinder durften machen, was sie wollen. Das kann nicht funktionieren und dient auch nicht der Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Reife Persönlichkeiten müssen vielmehr einen gangbaren Lebens- und Handlungsweg innerhalb von objektiven Zwängen, sozialen Spielregeln und gesetzlichen Normen finden. Wenn es keine Autorität mehr gibt, darf auch jedermann betrunken über die rote Ampel fahren und dabei jemanden umbringen. Zudem muss niemand mehr arbeiten. Die antiautoritäre Erziehung ging auch im privaten Bereich sehr weit: Kinder sollten nicht mehr streng zur Reinlichkeit und Ordnung erzogen werden. Sie sollten darüber hinaus ihre vermeintlich vorhandene Sexualität ausleben dürfen, und zwar auch mit Erwachsenen. Dieser Ansatz zog dann auch Pädophile an. Er ist ein weiterer Grund für die Bezeichnung als „Kuschelpädagogik“, die in diesem Kontext als anstößig bis kriminell empfunden wurde.

„Kuschelpädagogik“ als Kampfbegriff gegen die Reformpädagogik

Die Reformpädagogik wollte die überstrenge, mit physischer Gewalt verbundene Erziehung seit dem späten 19. Jahrhundert überwinden und berief sich dabei auf historische Vorbilder wie Comenius (1592 – 1670), Rousseau (1712 – 1778) und Pestalozzi (1746 – 1827), welche die Pädagogik vom Kind aus dachten. Um den Ansatz zu verstehen, muss man die Erziehung der letzten 500 Jahre im ökonomischen Kontext verstehen. In Bauern- und Handwerkerfamilien des Spätmittelalters ging es eher darum, den Nachkommen das Überleben zu sichern und sie im Übrigen für die Arbeit einzuspannen. Niemand außer den Adligen und später den vermögenden Bürgerlichen dachte über Erziehung nach. Der Alltag wurde durch äußere Zwänge bestimmt, allerdings teilten die Menschen der unteren Schichten ihre Zeit selbst nach Gutdünken ein: Familien bildeten eine eigene wirtschaftliche Einheit, der niemand den Tagesablauf vorschrieb. Das änderte sich mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Väter und manchmal auch Mütter mussten pünktlich in der Fabrik erscheinen, Kinder pünktlich in die inzwischen eingeführte verpflichtende Schule gehen. Das erzwang harte Disziplin, die sich in einer harten Erziehung niederschlug (im wahrsten Sinne des Wortes). Daher setzten auch schon in den 1860er-Jahren die ersten Bemühungen von Reformpädagogen ein, doch einmal das Kindeswohl zu betrachten. Sie fanden dabei die oben genannten Vorbilder seit dem Barock, die allerdings eher über die Erziehung von Kindern aus gehobenen Schichten reflektiert hatten. Im frühen 20. Jahrhundert dann wurde die Erziehung ein Streitthema zwischen sehr rechts und sehr liberal gesinnten Pädagogen. Die Rechten griffen hart die Reformpädagogik an, deren Vertreter im Dritten Reich teilweise emigrierten, die Liberalen reagierten teilweise nach dem Krieg mit der Überbetonung der kindlichen Rechte, was ihnen den Vorwurf der Kuschelpädagogik eintrug. Dieser Vorwurf ist gegenüber dem an sich sinnvollen Ansatz der Reformpädagogik nicht haltbar.

Was ist ein Hackerspace? Bedeutung, Definition, Erklärung


Ein Hackerspace ist ein (physischer) Raum, in welchem sich am Hacking und generell an PC- und Internetthemen Interessierte ganz legal treffen. Sie tauschen sich zum Hacking, zu Technologiethemen und auch zu digitaler Kunst aus. Hackerspaces werden häufig von Vereinen getragen.

Was ist ein Hackerspace? Bedeutung, Definition, Erklärung

Es geht den Betreibern von Hackerspaces um die Förderung der digitalen Allgemeinbildung. Sie müssen natürlich darauf verweisen, dass vermittelte Kenntnisse im Hacking nicht illegal verwendet werden dürfen. Diese Kunst muss aber gepflegt werden, um sich vor kriminellen Hackern zu schützen. Große Firmen und Behörden beauftragen im Hacking versierte Experten damit, die Schwachstellen in den eigenen Systemen ausfindig zu machen, um sich vor Hackerangriffen von Kriminellen zu schützen. Entsprechendes Know-how muss also vermittelt werden, wozu auch der Hackerspace dient. Weitere Themen der Hackerkultur sind die Verbreitung von Open-Source-Software und freier Hardware sowie Anliegen der Netzpolitik. Einzelne Hackerspaces bedienen in der Regel ein spezifisches Themenspektrum. Die typischen Aktivitäten in solchen Räumen sind daher Do-it-yourself-Sessions und Workshops, Vorführungen, Vorträge, Öffentlichkeitsarbeit durch Präsentationen, soziale Aktivitäten wie gemeinsames Lernen und die Organisation von Onlinespielen. Im Hackerspace gibt es hierfür die nötige Infrastruktur mit Internet und auch Essen sowie Dusch- und Schlafmöglichkeiten. Teilweise ist die Hardwareausstattung beachtlich. Es können dazu 3D-Drucker, CNC-Fräsmaschinen, Laser-Cutter und Bandsägen gehören, weil die Mitglieder gern basteln.

Finanzierung von Hackerspaces

Dem Selbstverständnis einer solchen Community entsprechend ist der Eintritt in der Regel frei. Da aber die geschilderte Infrastruktur einer Finanzierung bedarf, bitten die Trägervereine um eine betragspflichtige Mitgliedschaft und/oder um Spenden. Darüber hinaus können die Räume an andere Gruppen vermietet werden. Einige Mitglieder der betreffenden Vereine sind aufgrund des dort erworbenen Know-hows in der Lage, ihre Kenntnisse zu vermarkten. Diese Einnahmen lassen sie ganz oder größtenteils an den Verein zurückfließen. Manche Hackerspaces genießen eine staatliche Förderung.

Wie sind Hackerspaces entstanden?

Bemerkenswerterweise hat die internationale Szene der Hackerspaces ihre Keimzelle in Deutschland. Hier gründeten schon vor Jahrzehnten einige Vorreiter Hackerspaces wie C4 in Köln und c-base in Berlin. Der deutsche Chaos Computer Club gehört auch zu dieser Szene. Das deutsche Modell wurde nach 2000 im Ausland kopiert, nachdem der Chaos Computer Club das Dokument „Hackerspace Design Patterns“ veröffentlicht hatte, welches die deutschen Hackerspaces inklusive ihrer Organisation gut beschrieb. Es ging darin um

  • das Anmieten von Räumlichkeiten,
  • die Art der nötigen Infrastruktur,
  • die Rechtskonformität,
  • die Finanzierung und
  • die Entscheidungsfindung in der Community.

Bekannte Hackerspaces im deutschsprachigen sind C4 in Köln, c-base in Berlin, Attraktor in Hamburg, RaumZeitLabor in Mannheim und Metalab in Wien. In den USA sind NYC Resistor (New York) und Noisebridge (San Francisco) sehr prominent. Mehr über die internationale Szene ist unter hackerspaces.org zu finden.

Der Berliner Hackerspace c-base

Der Berliner c-base e.V. wurde 1995 gegründet, inzwischen trifft sich hier fast die gesamte Berliner Hackerszene. Das Vereinsmotto lautet „be future compatible!“ und verweist darauf, dass man eine positive Zukunft gestalten möchte. Die Vereinsräume in Berlin-Mitte sind etwas über 700 m² groß und sehen wie eine Raumstation aus. Das entspricht dem Gründungsmythos: Die Vereinsmitglieder behaupten (natürlich nur scheinbar im Ernst), dass unter dem Berliner Stadtzentrum die Überreste einer Raumstation aus der Zukunft liegen, die vor mehreren Milliarden Jahren in ein Zeitloch geriet und dann hier abstürzte. Ihre Antenne ist der Berliner Fernsehturm (den in Wahrheit die DDR-Führung in den 1960er-Jahren bauen ließ), im Berliner Stadtgebiet soll es noch viele weitere „Belege“ für diese Raumstation geben. Sowjetische und ostdeutsche Wissenschaftler hätten sie angeblich enttarnt, woraufhin die DDR-Führung die Antenne mit dem Fernsehturm umbauen ließ. Die derzeitigen Vereinsräume der c-base gehören demnach zu einer „Multimodulstation“, die vom Raumschiff abgesprengt wurde und momentan ausgiebig erforscht werden. Daher entsprechen die Räume auch strukturell einer „Raumstation“. Sie bestehen aus sieben gegeneinander verschiebbaren konzentrischen Ringen, die Namen haben (core, com, culture etc.) und an das einstige Raumschiff erinnern sollen. Das ist typischer Hackerhumor, der natürlich Nerds und auch ihre politischen Vertretungen anzieht. So gründete sich in den Vereinsräumen 2006 die Piratenpartei Deutschland. Auch Filme wurden hier schon gedreht, beispielsweise eine Folge des „Tatorts“, in der es um den Tod eines Hackers ging, eine weitere Folge der Krimiserie zum Thema der sogenannten „Heuschrecken“ (Investoren, die Firmen zum Zweck der Gewinnmaximierung zerlegen), eine Folge der Serie „Lasko, die Faust Gottes“ und eine Staffel von „You are Wanted“.

Hackerspaces und ihre Initiativen

Von Hackerspaces gehen vielfach bedeutende Initiativen aus. Im Berliner c-base gründete sich am 1. Januar 2003 das Projekt BerlinBackBone. Es verfolgte das Ziel, in Berlin Freifunknetze bereitzustellen, die einen öffentlichen und freien Zugang zum Internet ermöglichen. Im September 2006 tagte in den Räumen von c-base Wizards of OS. Diese internationale Konferenz setzt sich für freies Wissen und freie Software ein. Zwischen 2003 und 2010 traten im c-base wöchentlich Musiker bei der Cosmic Open Stage auf. Sie veranstalteten Jam-Sessions. Die Wikipedianer treffen sich gelegentlich im c-base, das Metalab ließ sich davon inspirieren, zudem gibt es in den Räumen Stammtische von 3D-Entwicklern, von freifunk.net und Ubuntu Berlin, von Android-Entwicklern, AK Vorrat, Drupal-User-Group und weiteren. Seit 2012 hält die Digitale Gesellschaft hier ihren monatlichen „Netzpolitischen Abend“ ab. Auch externe Veranstaltungen finden im c-base und in weiteren Hackerspaces statt. Dazu gehören Theateraufführungen und Musikdarbietungen, Präsentationen, Kunstausstellungen, Lounges des Chaos Communication Congresses, Begleitveranstaltungen zur transmediale, der Mozilla Add-on-Workshop, der Maemo Summit und das OpenMoon Projekt. Umgekehrt sind Mitglieder von Hackerspace-Vereinen auf externen Veranstaltungen aktiv, so etwa bei denen des Chaos Computer Clubs. Doch auch beim Weltkindertag 2003 waren Mitglieder von c-base zugegen. Sie führten dort den Kindern 3D-Design und Robotertechnik vor.

Die Sprache von Hackerspaces

Hacker pflegen ihre eigene Sprache, die durchaus so komplex wie eine natürliche Sprache sein kann und zu eigenen Dialekten einzelner Hackerspaces führt. Der Berliner c-space hat seinen Hackerdialekt sogar verschriftlicht und ihm den Namen „c-lang“ (gesprochen Slang) gegeben. Aus dieser Sprache stammt auch der Name der Raumstation c-base, der keinesfalls anders geschrieben werden darf. Das wirkt skurill, ist aber unter Nerds weit verbreitet: Wenn wir uns an die Sitcom „Big Bang Theory“ erinnern, fällt uns ein, das die dortigen Protagonisten das sogenannte Klingonische pflegten, das der Science-Fiction-Serie „Star Trek“ entstammt.

Was bedeutet „Womxn“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Womxn“ ist eine abgewandelte Form des englischen Wortes für „Frau“, „woman“. Die Frauenbewegung will damit ihre Unabhängigkeit vom Mann ausdrücken. Der Transgender-Bewegung dient der Begriff als Ausdruck der geschlechtlichen Diversität.

Was bedeutet „Womxn“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Im Englischen ist „man“ das Wort für „Mann“. Die Frau ist die „woman“. Um die Unabhängigkeit vom Stammwort „man“ und der dominanten Männerwelt zu unterstreichen, änderten Feministinnen das Wort in „womxn“.

Das „x“ nimmt dabei zweierlei Bedeutungen an: zum einen sollte der Bezug zum Mann gelöscht und Eigenständigkeit demonstriert werden. Zum anderen deutet das „x“ auf die Unterschiede in den Chromosomen des Männlichen und des Weiblichen hin. Männliche Säugetiere haben ein „XY“ Chromosomenpaar, während weibliches organischen Leben ein „XX“ Chromosomenpaar besitzt.

Womxn: Feminismus, Transgender und Menschenrechte

Neben der Frauenbewegung nutzt die Transgender-Gemeinde den Begriff „womxn“. Für sie bringt er zum Ausdruck, dass sich Transgender weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen.

Viele Soziologen und Gesellschaftsforscher sehen in der Transgender-Entwicklung die biologische Antwort auf den nicht enden wollenden Geschlechterkampf.

Frauen haben sich zwar viele Rechte erstritten, leben aber immer noch in einer von Männern dominierten Welt. Frauen haben bis heute Nachteile oder werden nicht gleichberechtigt behandelt.

Feministinnen kritisieren, dass die Arbeitswelt und soziale Strukturen von Frauen verlangen würde, sich wie Männer zu verhalten.
Viele erfolgreiche Frauen seien im Grunde genommen vermännlicht. Um in der Männerwelt mithalten zu können, müssten sie weibliche Attribute und Bedürfnisse unterdrücken.

Ob die vollständige Lösung von der Geschlechter-Identifikation die Lösung bringt, wird die Zukunft zeigen. Momentan führen die „neuen“ Geschlechter und sexuellen Konzepte eher zu noch mehr Verwirrung, als zur Klärung.

Ein Problem ist sicherlich die grundsätzlich männlich-weiblich-polare Struktur dieser Welt. Im Endeffekt wäre eine Rückbesinnung aus das unverzichtbare Miteinander aus Mann und Frau sinnvoller, als immer neue Anti-Konzepte aufzustellen.

Bedeutung: „Womxn“ und „Wimmin“, „Womyn“, „Womban“, „Womon“

Eine weitere Abwandlungen des Wortes „woman“ ist „wimmin“. Das entspricht in vielen Regionen der USA der umgangssprachlichen Aussprache des Wortes „women“ (plural „Frauen“).

Tatsächlich existierten alte angelsächsische Schriften, in denen das Wort „Frau“ wirklich „wimmin“ geschrieben wurde.

Das Wort „man“ geht auf den altenglischen Begriff „manna“ zurück. Noch ältere germanische Wurzeln des Wortes für „Mann“ sind „mannaz“ oder „manwaz“. All diese Worte bezeichneten zunächst die Menschheit als Ganzes.

Um Frauen und Männer abzugrenzen, verwendete man im ersten Jahrtausend nach Christus noch die Begriffe „wer“ (Mann) und „wif“ (Frau).

Dass später der Mann zur sprachlichen Menschheit an sich wurde, kann natürlich kritisiert werden.

In den 1970er verwendete die damalige Frauenbewegung weitere alternative Wortschöpfungen wie „womyn“, „womban“ und „womon“.

Bedeutung Womxn: Die Probleme zwischen den Geschlechtern

Zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen tobt seit Jahrhunderten (wenn nicht Jahrtausenden) ein absurder Kampf.

Wer war zuerst da? Wer ging aus wem hervor? Und wer hat die „Hosen an“ auf diesem Planeten?

Die christliche Weltanschauung und die einige anderer Religionen haben dazu beigetragen, dass die Frau enorme Abwertung erfuhr. Vermutlich ist das Problem aber noch viel älter, als die Entstehung der großen Weltreligionen.

Die Geschichte von Adam und Eva erzählt, dass Eva aus einer Rippe Adams geschaffen wurde. Diese Erzählung war Grund genug, Frauen und das Weibliche lange Zeit als abhängig vom Mann und unterlegen anzusehen.

Heutigen jungen Frauen ist oft nicht mehr bewusst, dass Frauen gerade einmal seit hundert Jahren politische Wahlen treffen dürfen. Die Rechte frei zu heiraten, selbst einen Beruf zu wählen, einen Führerschein machen zu dürfen und selbstbestimmt zu leben, sind ebenfalls Errungenschaften der letzten einhundert Jahre.

Davor brauchte die Frau stets die Führung durch einen Mann. Frauen galten als geistig weniger fähig, schwach und unzurechnunfsfähig. In noch viel älteren Zeiten wurden Frauen als Eigentum der Männer angesehen. Oft genug war es ihnen sogar verboten Eigentum zu besitzen. Der Mann (der Vater, der Ehemann oder ein Vormund) entschied über das Leben der Frau. Reste dieser Anschauung halten sich bis heute zäh in den sozialen Strukturen der Menschheit.

Entwicklungsbiologen streiten schon sehr lange über die Frage, ob der Urgrund allen Lebens nun weiblich oder männlich sei.

Was bedeutet „POTUS“, „FLOTUS“ und „SCOTUS“? Bedeutung der Abkürzung, Erklärung, Definition


Bei den Begriffen „POTUS“, „FLOTUS“ und „SCOTUS“ handelt es sich um Akronyme der Begriffe „President of the United States“, „First Lady of the United States“ sowie „Supreme Court of the United States“. Akronyme bilden Sonderfälle gewisser Abkürzungen, bei denen Wortgruppen oder einzelne Worte auf ihre Anfangsbestandteile reduziert werden.

Was bedeutet „POTUS“, „FLOTUS“ und „SCOTUS“? Bedeutung der Abkürzung, Erklärung, Definition

Die Akronyme „POTUS“, „FLOTUS“ und „SCOTUS“ werden heutzutage vor allem in Zeitungsartikeln, Berichten oder anderweitigen Schriftstücken mit Bezug auf die gemeinten Personen genutzt. Ihre Vorteile liegen vor allem darin, dass sie aufgrund ihrer Kürze sehr effizient im Hinblick auf Sprache sind. Andererseits werden durch diese Akronyme klare Begriffe definiert, was ein Verstehen erleichtert.

Der Twitter-Account des US-amerikanischen Präsident hat den Handle „@POTUS“. Der Twitter-Account der First Lady of the United States hat den Handle „@FLOTUS“. Der Twitter-Handle des „The Supreme Court of the United States“ ist „@SCOTUS“.

Wortherkunft: POTUS, FLOTUS, SCOTUS

Das erste der drei genannten Akronymen tauchte im Jahre 1879 auf. Der Begriff „SCOTUS“ fand sich schon damals in einem Buch mit dem Namen „The Phillips Telegraphic Code for the Rapid Transmission by Telegraph“ wieder. Wie der Titel des Buches bereits aussagt, handelte es sich bei „SCOTUS“ um eine Abkürzung des Begriffes „Supreme Court of the United States“, die vor allem für Morsezeichen und dergleichen genutzt wurde. 1895 tauchte dann der Begriff „POTUS“ für „President of the United States“ auf. „FLOTUS“ für „First Lady of the United States“ wurde erst ab dem Jahre 1980 verwendet. Im Laufe der Zeit haben sich die Begriffe immer mehr in die englische Sprache, vor allem in das amerikanische Englisch, eingebürgert und sind mittlerweile ein ganz normaler Bestandteil derer.

Welchen Nutzen hatten und haben die Akronyme?

Geschichtlich gesehen hatten die Akronyme „SCOTUS“ und „POTUS“ vor allem einen strategischen und praktischen Nutzen. Da zur damaligen Zeit noch die Telegrafie, also Kommunikation über Morsezeichen erfolgte, war jedes getippte Zeichen wertvoll und vor allem zeitaufwendig. Für „President of the United States“ werden zum Beispiel 30 Zeichen benötigt, für „POTUS“ hingegen nur fünf. Dies bedeutete damals vor allem eine gewaltige Ersparnis an Zeichen und Zeit. Wenn eine dringende Nachricht mit Bezug auf den Präsidenten gesendet werden musste, so erwies sich das Nutzen des Akronyms als äußerst effizient.

Gibt es bereits weitere Akronyme dieser Art?

Es ist zu erwarten, dass sich im Laufe der Zeit weitere Akronyme dieser Art bilden werden. Bisher tauchen „COTUS“ für „Constitution of the United States“ oder „TOTUS“ für „Teleprompter of the United States“ sporadisch auf. Da sich politische Systeme innerhalb der Vereinigten Staaten stets auf neue Entwicklungen einstellen und sich dementsprechend anpassen, wird auch die Sprache sich weiterentwickeln und zahlreiche neue Akronyme dieser Art in sich aufnehmen.

Gibt es vergleichbare Akronyme auch in der deutschen Sprache?

Sicher gibt es auch in der deutschen Sprache verschiedenste Akronyme, wie zum Beispiel „EDV“ für „Elektronische Datenverarbeitung“. In der Politik werden derartige Begriffe vor allem innerhalb der EU verwendet. Hier werden politische Einrichtungen oder etwaige Programme mit Akronymen versehen. Als Beispiel hierfür gelten zum Beispiel „OLAF“ „ERATOM“ und „ERASMUS“. Akronyme für einzelne politische Ämter, wie sie in der englischen Sprache vertreten sind, sind hierzulande allerdings nicht üblich. (Der Titel der deutschen Bundeskanzlerin wird „BKin“ geschrieben. Das Kürzel wird aber nicht gesprochen.) Da sich aber auch hier die Sprache stets weiterentwickelt, besteht die Möglichkeit der Entwicklung einzelner Begriffe und Abkürzungen mit politischem Kontext.

Jägerschnitzel: Ost – West Vergleich; Was ist das Jägerschnitzel? Bedeutung, Erklärung

Herkunft: Jägerschnitzel aus Frankreich

Das Jägerschnitzel gehört auf fast jede Speisekarte. Doch ursprünglich stammt es aus Frankreich. Gleichgültig, ob es sich um ein Restaurant, einen Imbiss oder den klassischen Lieferservice handelt, diese Speise sieht stets gleich aus und schmeckt ähnlich gut.

Es gab jedoch signifikante Unterschiede. In Westdeutschland standen immer schon fast alle Zutaten in unbegrenztem Umfang zur Verfügung. Innerhalb von Ostdeutschland hatte man bis zur Einheit 1989 – bedingt durch die Planwirtschaft – nur eine kleine Auswahl. Kalbfleisch wurde in erster Linie für den Export benötigt, um der DDR harte Devisen zu beschaffen.

Bedeutung: Wie sieht das Jägerschnitzel in Westdeutschland aus?

In Abhängigkeit von der Qualität, dem Kundenwunsch und Preis unterscheiden die Anbieter zwischen Schweine- und Kalbsschnitzeln.
Das Kalbfleisch wird von allen Religionen akzeptiert und stammt von Kälbern. Diese waren nur wenige Monate alt. Ihr Fleisch ist sehr zart und hell. In einigen Fällen kann es auch – in Abhängigkeit zur Aufzucht – eine weißliche Farbe annehmen. Rot spricht für Weidehaltung. Ist das Fleisch hingegen hell, dann bevorzuge der Landwirt die Stallmast.
Das Schweinefleisch stammt üblicherweise vom Hausschwein. Es handelt sich um das in Europa und Ostasien bevorzugte tierische Nahrungsmittel. Aufgrund von Angebot und Nachfrage kann es außerdem günstiger hergestellt werden.

Steht das Kalbsschnitzel auf dem Speiseplan, wird es oft unpaniert gebraten. Dazu löst der Koch Öl oder Butter in einer heißen Pfanne auf. Schweinefleisch paniert man hingegen vor dem Bratvorgang, da es sonst schnell austrocknet.

Eine köstliche Soße und die Beilagen runden das Menü ab.

Das Jägerschnitzel der ehemaligen DDR / Ostdeutschland

In der DDR wurde die Planwirtschaft praktiziert. Nahrungsmittel wie Schweine- und Kalbfleisch waren knapp. Deshalb griffen die Bürger auf einen Trick zurück. Sie revolutionierten das klassische Gericht, indem sie statt des ursprünglichen Schweine- und Kalbfleisches die Jagdwurst einführten. Wer seine Bekannten oder Verwandten in der DDR besuchte, fand ebenfalls Gefallen an dieser Variante und importierte sie auf der Heimreise in die Bundesrepublik. Das Gericht war außerdem günstig und wurde in zahlreichen Kantinen serviert. Dazu kam die staatliche Subventionierung.

Für eine Familie von vier Personen benötigt der Koch ungefähr 400 Gramm Jagdwurst, die man überall im Handel bekommt. Die Wurst schneidet man im nächsten Durchgang in dicke Scheiben. Zum Panieren nutzt der Koch Semmelbrösel, das aus nicht verbrauchtem Brot stammt. Neben Mehl und einem Ei kommen noch Salz, Pfeffer sowie Butter hinzu.

Da die Jagdwurst dem Jägerschnitzel seinen Namen und den einzigartigen Geschmack gab, wurde meistens keine Soße gereicht. Konnte der Koch jedoch Pilze und weitere Zutaten bekommen, wurde das Schnitzel mit einer pikanten Soße verfeinert

Jägerschnitzel: Wie kann die Soße gereicht werden?

In den alten Bundesländern gehört zum Jägerschnitzel eine Soße. Sie besteht aus Champignons und Pfifferlingen, die mit einer köstlich cremigen Soße eine Einheit bilden.

Alternativ reichert sie der Koch mit Zwiebeln und Knoblauchzehen an. Dazu gehören selbstverständlich Gewürze wie Salz und Pfeffer.

Die Soße kann auf drei verschiedene Arten serviert werden. Einige Restaurantküchen servieren das jeweilige Schnitzel, die Beilagen sowie die Soße auf separaten Tellern und Schüsseln. Der Gast wählt dabei selbst die betreffende Reihenfolge. Möchte er kurzfristig lieber ein Wienerschnitzel, dann verzichtet er einfach auf die markante Soße und lässt sich stattdessen eine Zitrone geben.

In anderen Restaurants und am Imbissstand werden die Schnitzel sowie die Beilagen in einem Vorgang jeweils mit der vorgefertigten Jägersoße bedeckt. Sie kann jedoch auf Wunsch des Gastes auch unter dem Fleisch platziert werden.

Jägerschnitzel: Wie kann man die richtige Soße kreieren?

Im Restaurant ist es einfach. Das Schnitzel, die pikante Soße sowie die Zutaten werden serviert. Will der Hobbykoch dieses Gericht selbst zaubern, muss er seine Cremesoße selbst kochen.

Die Champignons und andere Pilze müssen zuerst geputzt werden. Einige namhafte Hersteller haben auch spezielle Pilzbürsten im Programm. Nachdem der Stil entfernt wurde, schneidet sie der Koch in Scheiben. Gleichzeitig kann man die Zwiebeln vorbereiten. Diese werden zusammen mit den Knoblauchzehen zerkleinert. Dazu kommt eine kleine Brise Knoblauch. In der Pfanne erhitzt der Koch nun ein Stück Butter. Die Pilze sowie die anderen Zutaten werden im folgenden ungefähr fünf bis sechs Minuten gebraten.

In der Pfanne sammelt sich nun Bratensatz. Während die Pilze in eine Schüssel gegeben werden, rührt man einen Esslöffel Mehl in der gleichen Pfanne an. Zusammen mit der Sahne, dem Rinderfond und einem Schluss Cognac bereitet der Koch die Soße vor. Das Abschmecken erfolgt mit Hilfe von Salz und Pfeffer und dauert ungefähr fünf bis sechs Minuten. Als letzten Schritt fügt man die Pilze wieder hinzu und lässt die Champignonsause fünf Minuten aufkochen.

ehemalige DDR / Ostdeutschland: Welche Zutaten passen zum Jägerschnitzel?

In der DDR reichte man meistens Nudeln. Pommes Frites waren selten. Alternativ boten sich die stets verfügbaren Kartoffeln an. Diese lassen sich als Pell-, Salz- oder Bratkartoffeln zubereiten.

Wer in der Bundesrepublik sein Jägerschnitzel bestellt, sollte auch auf das Menü achten. Viele Gaststätten sehen als Beilagen Pommes Frites, aber auch Bratkartoffeln vor. Soll der Fettanteil jedoch gesenkt werden, bietet sich Reis an. Als Alternative kommt der Kartoffelbrei infrage, den der Koch von Hand individuell stampft und würzt.

Schweinefleisch als religiöses Problem

Nach der jüdischen und islamischen Religion dürfen Gläubige kein Schweinefleisch verspeisen. Darüber hinaus gibt es weitere Kirchen oder Vereinigungen, die dieses Nahrungsmittel ebenfalls ablehnen.
Es hat viele Versuche gegeben, den Ursprung dieses Verbotes zu deuten, das sowohl für die Muslime als auch für die jüdischen Gemeinden gilt. Ursprünglich war das Schweinefleisch auch für die Christen tabu. Doch diese Beschränkung wurde im Mittelalter im Rahmen eines Konzils aufgehoben.

Das Verbot kann auch mit dem damaligen Ökosystem zusammenhängen. Rinder, Schafe und Ziegen ließen sich besser und ökonomisch besser nutzen als Schweine. Im damaligen Nahen Osten waren fruchtbare Felder und Wasser seltener als in Europa, in dem ein kühles Klima, große Wälder und Flüsse vorherrschten. Mit den Schweinen waren in erster Linie Nachteile verbunden. Sie gaben keine Milch und ließen sich auch nicht als Reit- oder Lasttiere nutzen. Für die Produktion von Leder war ihre Haut ebenfalls nur bedingt geeignet. Dafür verbrauchten sie das knappe Wasser und Weideland. Letztlich sind auch Rinder und Schafe Huftiere, die jedoch zumindest im Koran zum Verzehr geeignet sind.

Es gibt jedoch noch ein anderes Problem. Im Nahen Osten ist es wärmer als in Nord- und Westeuropa. Bei höheren Temperaturen können sich Hepatitis-Erreger, die mit dem Schweinefleisch übertragen werden, schneller verbreiten. Das Fleisch muss deshalb bei mindestens 70 Grad Celsius behandelt werden, damit der Erreger nicht aktiv wird.

Was sind Rückführungspatenschaften / Abschiebungspatenschaften? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Rückführungspatenschaft(en)“ (teilweise auch: Abschiebepatenschaft(en) oder Abschiebepatenschaft(en)) ist eine außerordentlich aktuelle Wortschöpfung. Sie entstand im September 2020 im Zusammenhang mit der Veröffentlichung konkreter Vorschläge zur Erneuerung des „Asyl- und Migrationspaktes“ innerhalb der EU durch die Europäische Kommission. Das Wort steht dabei synonym für eine geplante Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik innerhalb der Gemeinschaft. Diese sieht vor, nicht allein die Verteilungsgerechtigkeit bei der Aufnahme von Migranten zu honorieren, sondern ebenso ein verstärktes Engagement der Mitgliedstaaten (aber auch von Drittländern) bei der Durchsetzung von Abschiebemaßnahmen finanziell und organisatorisch zu unterstützen.

Was bedeutet Rückführungspatenschaft / Abschiebungspatenschaft / Abschiebepatenschaft? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Begriff „Rückführungspatenschaften“ kommt im Vorschlag der EU-Kommission selbstverständlich nicht vor. Es ist eine Wortschöpfung der Medien, um komplizierte und bürokratische Formulierungen bei der geplanten Erneuerung des „Asyl- und Migrationspaktes“ zu vereinfachen und deren Sinn möglichst einheitlich und allgemeinverständlich zu etikettieren. Eine sarkastische Verwendung des eigentlich positiv konnotierten Begriffes „Patenschaft“ ist in diesem Zusammenhang beabsichtigt, gleichzeitig kann der Begriff „Rückführung“ durch Synonyme wie „Abschiebung“ oder „Ausweisung“ wahlweise ersetzt und verstärkt werden.

Abschiebungspatenschaft: Inhalte des neuen „Asyl- und Migrationspaktes“ der EU

Am 23. September 2020 stellte die Europäische Kommission in Brüssel ihre Vorschläge im Hinblick auf eine Erneuerung des bestehenden „Asyl- und Migrationspaktes“ vor. Im Mittelpunkt der Planungen stehen demnach Anpassungen und Effizienzsteigerungen bei den bisher angewandten Verfahren. Die Ziele wurden in diesem Kontext allerdings nur sehr vage formuliert und einzelne Maßnahmen nur ansatzweise konkretisiert, grundsätzlich möchte die EU-Kommission mit der Erneuerung des „Asyl- und Migrationspaktes“ jedoch mittelfristig drei Ziele verwirklichen.

Die erste geplante Maßnahme ist ein verstärktes Screening an den EU-Außengrenzen. Personen, die das EU-Gebiet ohne Genehmigung betreten, sollen schneller identifiziert sowie im Rahmen von Gesundheits- und Sicherheitsüberprüfungen erfasst werden. Im Rahmen von Grenzverfahren wird ihr Status ermittelt und eine schnellere Entscheidung über Asyl oder Rückführung herbeigeführt.

Das zweite Ziel der Planungen ist es, die Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten im Bereich der Asylpolitik zu verbessern. Die EU konnte für allgemein verbindlichen Regelungen zur Zuwanderung in der Vergangenheit keinen Konsens erreichen und versucht der sich verstärkenden Disharmonie durch Kompromisse entgegenzuwirken. Eine gerechte Verteilung von Flüchtlingen bleibt zwar weiterhin das zentrale Ziel, allerdings möchte die Kommission den sogenannten „Aufnahmeverweigerern“ die Möglichkeit einräumen, durch länderübergreifende Unterstützung von Abschiebemaßnahmen ihre gemeinschaftlichen Aufgaben zu erfüllen.

Das dritte Vorhaben des Maßnahmenpaketes würde diese Erwägungen zusätzlich tangieren, da es eine stärkere Einbindung von Drittstaaten in die Prozesse vorsieht. Die Bekämpfung der illegalen Schleusung und ihrer Ursachen, die Schaffung legaler Zugangswege und die wirksame Umsetzung von Rücknahmevereinbarungen oder -abkommen stehen dabei im Mittelpunkt.

Bedeutung: Rückführungspatenschaften / Abschiebungspatenschaften

In der deutschen Politik wurden die geplanten Maßnahmen unterschiedlich beurteilt. Einige Protagonisten lehnten die Vorschläge aufgrund ihrer „Ungeheuerlichkeit“ und „Inhumanität“ kategorisch ab, andere begrüßten die Vorschläge der Europäischen Kommission. Funktionierende Strategien seien aufgrund unübersehbarer Defizite in der praktischen Umsetzung von Abschiebemaßnahmen unbedingt erforderlich, argumentierten diese, andere Politiker konnten hingegen nicht erkennen, dass die vorgeschlagenen Konzepte substantielle Lösungen beinhalten würden.

In der Öffentlichkeit führten insbesondere die Punkte 2 und 3 des Maßnahmenpakets zu teilweise heftigen Reaktionen und haben zur Entstehung des Begriffes „Rückführungspatenschaft“ wesentlich beigetragen. Im Mittelpunkt der Kritik stand die Wahrnehmung, dass die Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten bislang unter humanitären Gesichtspunkten eingefordert worden sei, während die neuen Vorschläge inhumanes Verhalten einzelner EU-Staaten honorieren würden. So würden Länder, die bislang nur wenige Flüchtlinge aufgenommen hätten, ihre Verweigerungshaltung zukünftig aufrechterhalten und könnten stattdessen durch Übernahme von „Rückführungspatenschaften“ – also die Umsetzung konkreter Abschiebemaßnahmen – andere EU-Staaten unterstützen. Die politische Akzeptanz dieser Länder würde sich durch diese „Patenschaften“ erhöhen und sie gleichzeitig in ihrer moralisch zweifelhaften Haltung bestätigen. Es wird befürchtet, dass sich die Solidarität innerhalb der EU auf diese Weise von einer Aufnahme- in eine Abschiebekultur verwandelt und die Grundrechte bestimmter Menschengruppen nachhaltig gefährdet sein könnten.

Eine Reaktion auf die Pläne der EU-Kommission ließ deshalb nicht lange auf sich warten. Ein Verstoß gegen die Genfer Menschenrechtskonvention, mutmaßten die einen, ein Fall für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, argumentierten andere. Im Moment sind sogenannte „Rückführungspatenschaften“ allerdings nicht mehr als ein Vorschlag. Es ist auch nicht abschließend geklärt, ob bisherige „Verweigererstaaten“ betroffene Migranten zu Zwecken der Abschiebung aufnehmen müssten oder nicht. An dieser Frage könnte das Vorhaben schon zu Beginn scheitern. Gute Chancen auf Erfolg haben „Rückführungspatenschaften“ momentan nur in einer Kategorie: Bei der Wahl zum „Unwort des Jahres 2020“.

Was ist ein „Hinterzimmerdeal“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Es gibt immer Ziele, die von bestimmten Interessensgruppen in geheimen Räumen besprochen werden. Im englischen Raum spricht man hier von Back Rooms. Die Öffentlichkeit wird in diesen Fällen – zumindest von den Einzelheiten – ausgeschlossen. Es heißt dann nur „Wir haben beschlossen, dass …!“ Einzelheiten werden jedoch nicht genannt. In anderen Fällen ist sogar das Treffen absolut geheim. Gegebenenfalls sind die Inhalte rechtlich bedenklich oder wie bei Kartellen unzulässig.

In der Rechtsprechung gibt es unter bestimmten Voraussetzungen wichtige Absprachen, die außerhalb der eigentlichen Gerichtsverhandlungen nur zwischen den beteiligten Juristen und den Angeklagten arrangiert werden. Das Ziel besteht jeweils darin, eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden.

Kartellabsprachen als Hinterzimmerdeals?

Konzerne leben von den Umsätzen, die sie mit ihren Produkten erwirtschaften. So sichert der jeweilige Vorstand die Dividende der Aktionäre, die Wettbewerbsfähigkeit sowie alle Kosten. Auch die Mitarbeiter und ihre Familien sind von der Ertragslage maßgeblich abhängig.
Um zwischen den Unternehmen oder Konzernen für stabile Umsatzstrukturen zu sorgen, könnten sich die jeweiligen Verantwortlichen für einen Hinterzimmerdeal entscheiden. Hier lassen sich Absprachen realisieren, die zu illegalen Monopolen führen. Ein gutes Beispiel ist der Preis. Die Verantwortlichen vereinbaren beispielsweise, dass ein von ihnen vereinbarter Preis für ein Produkt nur in einem kleinen Intervall verändert werden darf. Vor der Anpassung müssen jedoch alle Beteiligten über geheime Kanäle informiert und um Zustimmung gebeten werden.

Die beteiligten Firmen könnten auch Kartelle bilden, die über ihre Kontakte für hohe Eintrittsbarrieren sorgen. Gibt es für den betreffenden Markt eine solche hohe Eintritschranke, dann können neue Wettbewerber ihre Waren und Dienstleistungen nur unter großen Schwierigkeiten anbieten. Die betreffenden Kartelle sind jedoch langfristig meistens instabil. Es soll jedoch Ausnahmen geben. Vertreiben die beteiligten Unternehmen standardisierte Produkte oder Dienstleistungen, dann sind die Verantwortlichen dauerhaft an stabilen Abnahmepreisen interessiert. Auf diesem Weg lässt sich eine Konkurrenz, die sich negativ auf die wirtschaftlichen Erwartungen auswirkt, vermeiden. Solche den Wettbewerb behindernden Vereinbarungen sind jedoch illegal.

Bedeutung: Hinterzimmerdeals in der Politik?

Politiker, Wirtschaftsmagnaten und Lobbisten treffen sich mit ihren Beratern. Sie stammen entweder nur aus einem Land oder bilden eine international aufgestellte Gruppe. Dabei versuchen die Vertreter der jeweiligen Regierungen mit ihren Beratern das bestmögliche Ergebnis für ihr Land zu realisieren. In den meisten Fällen geht es um multilaterale Bestrebungen, die nicht nur ein Land, sondern einen oder mehrere Kontinente betreffen. So werden beispielsweise international realisierbare Flugzeugprojekte von einigen Ländern der Europäischen Gemeinschaft gemeinsam umgesetzt.

Die Öffentlichkeit soll dabei nicht über jeden Schritt informiert werden. Das kann Nach- und Vorteile mit sich bringen. Einer der berühmtesten positiven Hinterzimmerdeals fand zwischen der jungen Bundesrepublik und der UDSSR statt. Als Resultat wurden die letzten deutschen Kriegsgefangenen, die sich noch in der UDSSR befanden, 1955 in die Bundesrepublik entlassen. Einige andere Hinterzimmerdeals sollen auch den raschen Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglicht haben.

In den meisten Fällen sind diese Deals aber mit einem negativen Vorzeichen versehen. Bei einem dieser Hinterzimmerdeals treffen sich die beteiligten Politiker der jeweiligen Länder sowie ihre wirtschaftlichen Berater in einem Konferenzraum. Die Presse hat keinen Zugang und wird auch nicht über die Einzelheiten des Gesprächs und dessen Ergebnis informiert.

Der Hinterzimmerdeal widerspricht jedem Prinzip der Transparenz. Jahrhunderte lang mussten die Bürger die Entscheidungen der Regierungen akzeptieren, ohne sie zu hinterfragen. Kritik war nicht erwünscht oder wurde sogar schwer bestraft. Mit der Einführung der parlamentarischen Demokratie bekamen die Bürger die Chance. Ab diesem Zeitpunkt war es ihnen möglich, ihre politischen Führer frei zu wählen.

Die Transparenz steht dabei im Mittelpunkt. Es handelt sich um die unmittelbaren und ehrlichen Informationen, die der Einzelne von seinen Politikern erwarten darf. Ein wichtiges Instrument stellt die Pressefreiheit dar. Mit ihrer Hilfe baut die Bevölkerung ihr Vertrauen gegenüber der Politik auf. So werden ehrliche und soziale Bindungen synchronisiert, die eine gesunde Demokratie benötigt.

Hinterzimmerdeals stehen diesem Vertrauen entgegen. Mit dieser Strategie greifen die Entscheidungsträger auf ein Verfahren zurück, das vor der Einführung der Demokratie üblich war. Damals trafen sich Kaiser, Könige und ihre Berater in einem geheimen Kabinett und berieten über Steuern, staatsinterne Belange und das Führen von Kriegen.

Der Hinterzimmerdeal beim Sport

Im Profisport gibt es viele Vereine. Diese suchen geeignete Kandidaten und bilden im Anschluss diese zu ihren Spielern aus. Jeder Profiverein ist auch ein Wirtschaftsunternehmen, das einen maximalen Gewinn erwirtschaften will. Dabei werden Spieler von einem Verein abgeworben und bei einem anderen unter Vertrag genommen. Solche Absprachen finden ohne die interessierte Öffentlichkeit statt und können deshalb auch als Hinterzimmerdeals bezeichnet werden. Dabei handelt es sich jeweils um die primären Arbeitsfelder der Spielervermittler. Sie haben neben ihren Aufträgen auch eigene finanzielle Interessen.

Hinterzimmerdeals bei Gericht

Im Allgemeinen zählt der Öffentlichkeitsgrundsatz. So muss das Gericht seine Entscheidung und das damit verbundene Urteil gegenüber der Öffentlichkeit verteidigen. Dazu dient auch die Pressefreiheit. Aus diesen Gründen muss der Öffentlichkeit der gesamte Vorgang einschließlich der Entscheidungsfindung zur Verfügung gestellt werden. Dabei geht es beispielsweise um die folgenden Fragestellungen. Weshalb klagte man den Beschuldigten an? Welche Zeugenaussagen und Beweise sprechen für oder gegen den Angeklagten? Wie kam das Gericht zu seinem gerechten Urteil?

In einigen Fällen gibt es jedoch Verständigungsgespräche zwischen dem Richter, dem Staatsanwalt und den Rechtsanwälten. Sie finden außerhalb des Gerichtssaals im Büro des Richters statt. Dabei kommt auch der Beschuldigte zu Wort, der der dort getroffenen Regelung zustimmt oder sie ablehnt. Das Gericht macht in den meisten Fällen Zugeständnisse, um den Fall im Interesse der Beteiligten abzuschließen. Das Ergebnis wird zwar im Anschluss im Gerichtssaal öffentlich besprochen. Hier zählt jedoch nur die kurze Zusammenfassung des Richters sowie das gefällte Urteil. Der Richter tritt in diesem Fall als neutraler Beobachter auf.

Das Gericht trifft seine endgültige Entscheidung jedoch im Verständigungsgespräch. Durch sein Verhalten im Strafverfahren schädigt es dabei das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz. Allerdings besagen die maßgeblichen Gesetze und Verordnungen, dass nur die Vorgänge öffentlich sein sollen, die auch in der Gerichtsverhandlung besprochen werden. Man spricht hier von einer mittelbaren Beteiligung der Öffentlichkeit.

Gibt es Hinterzimmerdeals im amerikanischen Rechtssystem?

Wer kennt sie nicht. Amerikanische Kriminalfilme bieten kleine Einblicke, wie das Rechtssystem in den U.S.A. aussehen könnte. Einem vermeidlichen Straftäter wird im Beisein seines Anwalts von der Staatsanwaltschaft ein Deal angeboten. Von der Entscheidung des Täters ist der weitere Verlauf des Verfahrens abhängig.

Die US-Bundesstrafverfahren als auch die der Bundesstaaten haben verschiedene Regelungen für die sogenannten Schuldanerkenntnisse.
Dabei können US-amerikanische Verteidiger, Ankläger und Angeklagte Absprachen treffen. Das Gericht ist jedoch an diesen nicht direkt beteiligt. Im Gespräch wird der Angeklagte über die Vorwürfe und die zu erwartende Strafe aufgeklärt. Er berät sich daraufhin mit seinem Rechtsanwalt und schließt gegebenenfalls den Deal ab.

Der Anwalt steht seinem Mandanten jedoch schon vor der Abgabe seines Erklärung zur Verfügung. Er klärt seinen Mandanten auf und informiert ihn über alle Angebote der Staatsanwaltschaft.

In diesem Rechtssystem geht der Staat davon aus, dass der Angeklagte vor Gericht die von ihm als ungerecht empfundenen Vorschläge auf jeden Fall ablehnen wird. Außerdem vertraut man auf die Unparteilichkeit der Jury, die letztlich über Schuld und Unschuld entscheidet.

Was bedeutet „Sheeple“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Immer wieder stößt man im Netz auf den Begriff „Sheeple“ – oftmals wird man sogar selbst als Sheeple bezeichnet. Doch ist das nun eigentlich ein Lob oder eine Beleidigung? Was der Begriff tatsächlich bedeutet, in welchen Situationen er verwendet wird und ob es auch ein deutsches Pendant zu diesem Wort gibt, verraten wir Ihnen hier.

Was bedeutet „Sheeple“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Immer wieder schaffen es englische Wörter, sich im deutschen Sprachraum zu etablieren. Eines dieser Wörter ist „Sheeple“. Es gibt allerdings keine richtige Übersetzung für diesen Begriff, denn es handelt sich um eine Kombination aus zwei Wörtern: Sheep (Schaf) und People (Menschen). Nun könnte man meinen, dass „Sheeple“ einfach eine Beleidigung ist, um einen Menschen als Schaf zu bezeichnen. Doch tatsächlich ist dieser Begriff viel komplexer.

„Sheeple“ bezeichnet das typische Herdenverhalten von Menschen

Mit dem Begriff „Sheeple“ wird das Herdenverhalten von Menschen beschrieben, das mit dem einer Herde Schafe in Verbindung gebracht wird. Ein Schaf ist ein Herdentier, das in den meisten Fällen genau da tut, was auch alle anderen Schafe in der Herde tun. Ein Schaf würde niemals eine Aktion eines anderen Schafs hinterfragen, sondern dieser stattdessen immer blind folgen – wodurch einem Menschen, der als „Sheeple“ bezeichnet wird, auch ein gewisser Grad an nicht vorhandener Intelligenz unterstellt wird. Ein solches Herdenverhalten lässt sich in unterschiedlichsten Situationen des Lebens erkennen. Ein simples Beispiel, um das Herdenverhalten bei Menschen zu erläutern: In einem Cafe werden zwei unterschiedliche Kuchen angeboten – ein Erdbeerkuchen und ein Kirschkuchen. In der Warteschlange stehend beobachtet ein Mann, wie die Personen vor ihm allesamt den Kirschkuchen bestellen. Der Erdbeerkuchen, der in der Auslage liegt, ist hingegen noch völlig unangetastet, während vom Kirschkuchen nur noch wenige Stücke vorhanden sind. Die Chance, dass der Mann sich für den Erdbeerkuchen entscheidet, ist relativ gering, da der Kirschkuchen offenbar deutlich besser schmeckt – schließlich haben sich alle anderen Gäste für diesen Kuchen entschieden. Ob der Erdbeerkuchen vielleicht auch gut schmeckt, wird der Mann vermutlich nie herausfinden, denn er folgt bei der Auswahl blind seiner Herde – in diesem Fall den anderen Kunden.

Bedeutung Sheeple: Der deutsche Begriff „Schlafschaf“

Einen ähnlichen Begriff wie „Sheeple“ gibt es auch in der deutschen Sprache: Das Schlafschaf. Obwohl es durchaus gewisse Parallelen zum englischen Begriff „Sheeple“ gibt, wird dieser Begriff jedoch in einem anderen Zusammenhang verwendet. Als „Schlafschaf“ werden Menschen bezeichnet, die ihre Augen vor der Wahrheit verschließen – zumindest in den Augen der Person, die diesen Begriff verwendet. Eine Person, die eine andere Person als „Schlafschaf“ bezeichnet, unterstellt dieser zudem nicht nur, die offensichtliche Wahrheit nicht zu akzeptieren, sondern auch zu dumm dafür zu sein, sie überhaupt zu erkennen. Gleichzeitig stuft sich die Person selbst jedoch als intelligent genug ein, um der anderen Person eine nicht vorhandene Weitsicht zu unterstellen.

Warum das „Schlafschaf“ vor allem in politischen Diskussionen beheimatet ist

Der Begriff „Schlafschaf“ hat innerhalb Deutschlands mittlerweile eine unschöne Wendung genommen, denn er wird vor allem von Menschen eingesetzt, die sich unzufrieden mit dem System zeigen oder zumindest berechtigte Zweifel an einer gewissen Vorgehensweise haben. Ein gutes Beispiel hierfür stellt die Corona-Pandemie dar. Als erste Gerüchte die Runde machten, dass es schon bald einen Impfstoff gegen das Virus geben würde, freuten sich zahlreiche Menschen über diese gute Nachricht und kommentierten in den Sozialen Medien, dass sie sich garantiert impfen lassen werden, sobald ein Impfstoff auf dem Markt ist. Relativ schnell machte anschließend ein Gerücht die Runde, dass man den Bürgern durch die Impfung eventuell winzige Mikrochips einpflanzen könnte, um diese fortan jederzeit überwachen zu können. Menschen, die diese Gerüchte glauben, teilten diese Theorie ebenfalls in den Sozialen Medien und wurden dafür von den Menschen, die sich impfen lassen möchten, nur ausgelacht. Da die impffreudigen Menschen diesen Gerüchten offenbar keinen Glauben schenkten, erhielten sie schnell eine passende Antwort: „Dann schlaft doch weiter, ihr Schlafschafe“. Getreu dem Motto: Bevor ihr endlich wach werdet, ist ohnehin schon alles zu spät.

Das Gegenteil vom Schlafschaf: Der Verschwörungstheoretiker

In den Medien werden Menschen, die solche Meldungen verbreiten, als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet. Auch dieses Wort ist, ebenso wie Schlafschaf, kein sonderlich freundliches Wort, obwohl es mittlerweile sogar schon von seriösen Nachrichtenseiten verwendet wird. Es unterstellt einem Menschen, dass er einfach nur ein Spinner ist und seine Ansichten zu einem bestimmten Thema völlig an den Haaren herbeigezogen sind. Dies ist insofern gefährlich, da der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ mittlerweile auch politisch instrumentalisiert wird und, ebenso wie „Schlafschaf“, jedem Menschen an den Kopf geworfen wird, der eine andere Meinung hat. Dies ließ sich zuletzt vor allem im Bereich der Flüchtlings- und Coronakrise feststellen: Wer nicht mit der Politik der Bundesregierung zufrieden ist und seinen Verdruss über diese öffentlich äußert, da er beispielsweise der Meinung ist, dass Flüchtlinge mittlerweile bewusst nach Deutschland umgesiedelt werden, oder dass die Coronakrise nur eine Erfindung ist, wird als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Menschen, die diese Meinung nicht vertreten, sind hingegen Schlafschafe, da sie offenbar zu dumm sind, um zu verstehen, was gerade wirklich passiert.

Bedeutung Sheeple: Fazit

Wörter wie „Sheeple“ oder das deutsche Pendant „Schlafschaf“ tragen leider zur Spaltung unserer Gesellschaft bei – ebenso wie der von der Gegenseite genutzte Begriff „Verschwörungstheoretiker“. Verwendet werden sollten diese Wörter also lediglich mit viel Bedacht – zwecks eines harmonischen Miteinanders jedoch am besten überhaupt nicht.

Was ist eine „Baby Shower“? Erklärung, Bedeutung, Definition


Der Name Baby Shower stammt aus dem Englischen und er besagt, dass zu Ehren der werdenden Mutter eine Party arrangiert wird, in welcher sie mit Geschenken für das Baby und sich selbst oftmals nahezu überhäuft wird. Hier „regnet“ es also viele Geschenke. Diese fabelhafte Tradition wird schon in vielen Ländern der Erde gepflegt, vor allem in Kanada, Amerika und England. Mittlerweile ist diese Party auch in Deutschland Tradition. Hier wird das tolle Fest der werdenden Mutter zu Ehren unter dem Namen Babyparty gefeiert.

Was ist der Unterschied zwischen Babyparty und Baby Shower? Bedeutung, Erklärung

Zwischen einer Baby Shower und einer Babyparty gibt es noch einige Unterschiede. Während die anfängliche Tradition der Baby Shower einen förmlicheren und klassisch Charakter und somit schon fast etwas Offizielles mit sich bringt, nimmt sich eine Babyparty ein wenig ungezwungener aus. Die weiblichen Verwandten der Elternteile geben ihre Erfahrungen an die werdende Mutter weiter und überschütten diese daher auch mit vielen Geschenken.

Gehört eine Baby Shower in ihren Heimatländern zum „guten Ton“ einer Schwangerschaft, feiert die werdende Mama die Babyparty ganz nach Laune mit den engsten Verwandten und Freunden oder auch anderen teuren Menschen. Geschenke und auch gute Ratschläge gibt es hierbei, aber im Mittelpunkt steht die gemeinschaftliche Freude über die Schwangerschaft und auch die werdenden Mama.

Obwohl es einen kleinen Unterschied zwischen einer überlieferten Baby Shower und der Babyparty in unseren Kreisen gibt, sind sich beide Feiern recht ähnlich. Und sicher haben sich auch die Traditionen der Baby Shower gewandelt. Diese sind moderner und keinem „Regelwerk“ mehr unterworfen. Daher werden diese beiden Begriffe meist synonym verwendet, bedeuten aber im Grunde doch das Gleiche.

Wie wird eine Baby Shower gefeiert?

Zu einer richtigen Baby Shower gehört vor allem der Spaß für die werdende Mutter und auch für die eingeladenen Gäste. Alles Andere entscheidet sich ganz individuell. Es gibt hierüber keine genauen Vorschriften, was getan werden muss und was andererseits auch auf keinen Fall zu der Party gehört. Die werdende Mutter sollte einfach das Bauchgefühl entscheiden lassen. Was gefällt nun der werdenden Mutter und wobei fühlen sich auch die Gäste wohl und was bringt beiden Seiten viel Spaß? Die Baby Shower ist auf jeden Fall immer eine ganz persönliche Feier, für welche es keine genauen Regeln gibt. Zu den überlieferten Baby Shower-Aktivitäten gehören auch viele Plaudereien über die Erfahrungen mit Babys, Naschereien, das Spielen von Babyspielen und auch das Auspacken der überbrachten Geschenke.
Um auch der Baby Shower die korrekte Atmosphäre zu geben, werden die Räumlichkeiten am besten in Blau, Rosa oder auch in neutralen Farben gespielt. Das Ambiente ist verspielt, kitschig oder elegant, Hierbei ist alles erlaubt, was der werdenden Mutter auch gut gefällt. Typische Babybilder wie Rassel, Schnuller oder auch ein Kinderwagen dürfen hierbei sicher nicht fehlen. Bei der Deko kann ruhig Kreativität eine Rolle spielen.

Mit einem süßen Buffet kann der Baby Shower bei den Getränken und Speisen aufgegriffen werden und es kann auch mit Backzubehör im Design von Babys dekoriert werden.

Woher kommt die Baby Shower und wer organisiert sie?

Die heute bei uns bekannte Babyparty hat einen sehr langen Brauch und stammt aus der Viktorianischen Ära. Zu dieser Zeit wurden zumeist nach der Geburt des Babys geschmackvolle Teepartys veranstaltet. Hierzu waren nur jene Damen anwesend und alle weiblichen Familienmitglieder übergaben dem Baby handgefertigte Präsente. Für die Oma war jedoch eine Sonderregelung vorgesehen. So musste sie etwas aus Silber schenken. Zu jener Zeit waren silberne Rasseln oder Löffel aus Silber charakteristische Geschenke für die Geburt.

Nach dem 2. Weltkrieg dann kam es zu einer gewissen Art Babyboom und dies auf der ganzen Welt. In jener Zeit begann sich die Tradition der Partys zur Geburt zu wandeln. So wurde in Amerika nun die Baby Shower gefeiert. Der Name hat jedoch nichts damit zu tun, dass die Mutter nun abgebraust wird, sondern diese wird ausdrücklich mit den Geschenken geduscht, die die Gäste zur Party mitbringen. Doch auch zu der Zeit des Babybooms wurde nur unter Frauen gefeiert. So mussten die Männer draußen bleiben.

Inzwischen wurden diese recht straffen Regeln vernehmlich gelockert und solche Babypartys finden in einem lockeren und auch zumeist in bunten Runden statt. Jedoch fühlen sich die Herren der Schöpfung bei diesen Partys für das kommende Baby oftmals fehl am Platz und die Babypartys bestehen heute zumeist auch überwiegend aus Damen.

Zu dem Thema gibt es aber keine pauschalen Regeln. Auch das Organisieren kann hierbei jeder übernehmen. Meist sind es aber die Schwester der Mutter, die beste Freundin oder auch die zukünftige Patentante oder die Oma in spe. Hiervon ausgehend, dass die Party eine Überraschung sein soll, sollte aber rechtzeitig mit der Planung begonnen werden. Die Gäste müssen ebenfalls rechtzeitig den Termin planen können. Ob die Baby Shower nun wirklich eine Überraschung sein soll oder die werdende Mama eingeweiht wird, kann der Gastgeber immer selbst entscheiden. Jedoch ist es gegenüber der künftigen Mutter nur gerecht, wenn diese mindestens den Termin erfährt und sich den Tag auch freihalten kann. Als Alternative kann auch den werdenden Vater um gebeten werden.

Längere Wege sind in einer Schwangerschaft vor allem in den letzten Wochen nicht so leicht zu bewältigen. Dass es auch für den Überraschungsgast eine schöne Feier wird, ist es nicht verkehrt, die Baby Shower in den eigenen Wänden der werdenden Mama erfolgen zu lassen. Die Wohnung sollte, abgesehen vom Aufräumen vor der Party, jedoch keine Arbeit bieten. Dies bedeutet auch, dass der Gastgeber vor den anderen geladenen Gästen erscheinen sollte, um die Räume zu dekorieren, Getränke und das Essen vorzubereiten und noch umzuräumen oder eventuell auch zu Putzen. Hier darf auch der werdende Vater um Mithilfe gebeten werden. In gewisser Weise ist eine Bbay Shower stets eine Motto-Party. Hierzu kann klassisch auch mit einer Klappkarte per Post oder mit einer Rundmail eingeladen werden, aber im Grunde ist zu diesem schönen Anlass viel Kreativität gefragt. Ob nun die Einladung in eine Windel geschrieben oder in einer Nuckelflasche verpackt wird, so gibt dies den optimalen Startschuss für eine gelungene Baby Shower.

Ist Tel Aviv oder Jerusalem die Hauptstadt von Israel? Erklärung


Es ist eine einfache Frage mit einer ausgesprochen komplexen Antwort: Was ist die Hauptstadt Israels? Die Antwort hängt davon ab, wen Sie fragen. Wenn Sie zum Beispiel die israelische Regierung fragen, wäre die Antwort Jerusalem. Viele würden dem jedoch nicht zustimmen. Doch warum ist das so? Im Folgenden gehen wir näher auf die Hintergründe ein und warum es keine eindeutige Antwort auf die Frage gibt.

Lage von Jerusalem

Jerusalem wurde lange umkämpft und im Laufe seiner Geschichte wurde Jerusalem viele, viele Male zerstört, belagert, angegriffen und zurückerobert. In jüngerer Zeit war die Stadt lange Zeit unter osmanischer Kontrolle gewesen, bevor sie während des Ersten Weltkriegs unter britische Verwaltung fiel. Die britische Herrschaft über Jerusalem und das obligatorische Palästina (die Region, aus der jetzt Israel und Palästina bestehen) war jedoch von wachsenden Unruhen zwischen Arabern und Juden geprägt.

Die Gewalt zwischen verschiedenen Gruppen in der Region ist um 1930 eskaliert. 1947 genehmigte die UN-Generalversammlung einen Plan, der das obligatorische Palästina in zwei Staaten aufteilen sollte: einen jüdischen und einen arabischen. Jerusalem sollte eine „internationale Stadt“ unter der Gerichtsbarkeit der Vereinten Nationen sein. Dieser Plan würde jedoch niemals verwirklicht werden.

Israel: Der Kampf um Jerusalem

Die Arabische Liga lehnte es ab, den UN-Teilungsplan zu akzeptieren, da sie ihn für unfair hielt und die Demografie der Region nicht genau wiedergab. Dies führte zu Konflikten zwischen jüdischen und arabischen Gemeinden im obligatorischen Palästina. Am 14. Mai 1948 erklärte Israel inmitten dieser Gewalt die Unabhängigkeit, und eine Streitmacht arabischer Nationen griff ein und löste den arabisch-israelischen Krieg von 1948 aus.
1980 verabschiedete die israelische Regierung das Jerusalem-Gesetz und erklärte Jerusalem zur ewigen und unteilbaren Hauptstadt Israels.

In Anbetracht dieser Geschichte bringt uns dies alles zurück zu unserer ursprünglichen Frage: Was ist die Hauptstadt Israels? Wir wissen, wie sich der Staat Israel in dieser Angelegenheit fühlt, aber was ist mit dem Rest der Welt?

Lage von Palästina

Jerusalem ist auch die erklärte Hauptstadt des Staates Palästina, obwohl sich sein Verwaltungszentrum derzeit in der Stadt Ramallah befindet. Palästina erkennt Israel als souveränes Land an, hat Jerusalem jedoch nie als Teil davon anerkannt.

Die Palästinensische Autonomiebehörde vertritt die offizielle Position, dass Jerusalem eine offene Stadt (unter palästinensischer Kontrolle) ohne Teilungen sein sollte. Sie behaupten, Palästina würde die Religionsfreiheit, den Zugang und den Schutz wichtiger religiöser Stätten garantieren.

Hauptstadt Israels aus Sicht der Vereinten Nationen

Die UN-Generalversammlung hat Israels Erklärung Jerusalems als Hauptstadt Israels nie anerkannt. Sie vertreten die offizielle Position, dass Jerusalem unter internationale Kontrolle gestellt werden sollte, bis Streitigkeiten zwischen Israel und Palästina beigelegt sind. Die UNO betrachtet Ostjerusalem als palästinensisches Gebiet, das derzeit von Israel besetzt ist. Sie möchten letztendlich, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels und Palästinas wird.

Tel Aviv oder Jerusalem: Aus Sicht der der Vereinigten Staaten

Als die Vereinigten Staaten Israel zum ersten Mal anerkannten, implizierte dies keine besondere Sicht auf den Status Jerusalems. Sie haben sich traditionell gegen Erklärungen sowohl jüdischer als auch arabischer Parteien gegen Jerusalem als Hauptstadt ausgesprochen.

1995 stimmte der Kongress jedoch dafür, die amerikanische Botschaft in Israel spätestens am 31. Mai 1999 nach Jerusalem zu verlegen. Seit der Verabschiedung des Jerusalem Embassy Act hat die Exekutive den Umzug durch eine Reihe von Ausnahmeregelungen des Präsidenten kontinuierlich verzögert.

Dies änderte sich am 6. Dezember 2017, als Präsident Donald Trump und seine Regierung die Stadt Jerusalem Hauptstadt Israels anerkannten und seine Absicht verkündeten, die amerikanische Botschaft vor Ende 2019 nach Jerusalem zu verlegen. Trump erwähnte die spezifischen Grenzen der israelischen Souveränität nicht die Stadt jedoch.

Hauptstadt Israel: Wie sieht es der Rest der Welt?

Nach der Ankündigung von Präsident Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, stimmten die Vereinten Nationen mit überwältigender Mehrheit dafür, diese Entscheidung zu verurteilen, und 128 Länder befürworteten die Verurteilung. 35 Länder enthielten sich der Stimme, weitere 21 nahmen nicht teil. Die neun Länder, die für die Ankündigung von Präsident Trump stimmten, waren Guatemala, Honduras, Israel, die Marshallinseln, Mikronesien, Nauru, Palau, Togo und die Vereinigten Staaten. Derzeit haben jedoch keine Länder eine Botschaft in Jerusalem, während 86 Botschaften in Tel Aviv haben.

Letztendlich scheint der Status Jerusalems weiterhin davon abzuhängen, wen Sie fragen. Für den Rest der Welt ist Tel Aviv die Hauptstadt Israels, für die USA Jerusalem. Tel Aviv ist die Handelshauptstadt von Israel.

Warum ist Ankara die Hauptstadt der Türkei und nicht Istanbul? Erklärung


1923 endete für die Türkei eine Zeit, die neun Jahre des Krieges umfasste. Zuerst kam die Beteiligung am Ersten Weltkrieg, die 1914 begann und mit der Niederlage 1918 endete. Als Resultat wurde die Hauptstadt des Osmanischen Reiches von den führenden Siegermächten bis 1923 okkupiert. Zur gleichen Zeit führten die politischen Verhältnisse zum türkischen Befreiungskrieg. Nach der Abdankung des letzten osmanischen Herrschers rief die Volksversammlung im Anschluss die neue türkische Republik aus.

Zum Zentrum der neuen Republik wurde Ankara gewählt. Die Stadt, deren heutiger Grundriss zum größten Teil auf dem Reißbrett entstand, löste das bei vielen unbeliebte Istanbul als Hauptstadt ab. Somit verlor Istanbul, das seit fast 600 Jahren als Festung und Machtbasis diente, einen Teil seiner Bedeutung. Heute ist es jedoch die größte Stadt der Türkei, gefolgt vom Regierungssitz Ankara.

Doch die Geschichte der beiden Städte ist älter. Umso bedeutender sind die Gründe, die zu der Entscheidung der Volksversammlung am 13. April 1923 führen sollten. Siebzehntage später sollte dann die Republik endlich ausgerufen werden.

Hauptstadt der Türkei: Welche Ansatzpunkte gab es vor dem Ersten Weltkrieg?

Istanbul verfügte zwar über eine Stadt- und Bauverwaltung. Diese war jedoch nur mit geringen finanziellen und baurechtlichen Entscheidungsfeldern ausgestattet worden. Die damalige Hauptstadt unternahm zwar viele Anstrengungen, um sich den westlichen Lebensbedingungen zu nähren, blieb jedoch der alten osmanischen Welt weitestgehend verbunden.

Die Stadt am Goldenen Horn, wie Istanbul auch heute noch genannt wird, konnte aufgrund der problematischen Infrastruktur jedoch den Zustrom der Neubürger arbeits- und wohnpolitisch nur bedingt verkraften.
Dazu kam die innovative Verbindung, die Istanbul zunehmend mit Ankara verband. Ein gutes Beispiel ist die im 19. Jahrhundert in Angriff genommene Bagdad-Bahn, die mit deutscher Hilfe realisiert wurde. Sie verband mit ihrem ersten Abschnitt ab 1892 die Metropole Istanbul mit ihrer zukünftigen Nachfolgerin. Das war jedoch zu diesem Zeitpunkt noch niemanden ernsthaft klar oder bekannt.

Dazu kam der starke Einfluss der letzten osmanischen Herrscher. Deren Macht endete zwar offiziell mit dem Beginn der Republik. Leider lebte ihr veraltetes Denk- und Handlungsschema jedoch in den Köpfen weiter und verband sich so mit Istanbul. Die Republik benötigte deshalb einen neuen Regierungssitz, der sich wohltuend vom alten System abhob.

Warum ist Ankara die Hauptstadt der Türkei und nicht Istanbul? Erklärung

Der Name Ankara leitet sich von dem griechischen Wort für Anker oder Ankyra ab. Nach dem Gelehrten Stephanos von Byzanz soll es einen Zusammenhang zwischen dem Sieg der Galater über die Ptolemäer und der Stadtgründung geben. Diese fand wahrscheinlich im 3. vorchristlichen Jahrhundert statt. Alternativ kann es sich auch um das persische Wort für eine Taube handeln. Sie steht noch heute für die guten Weinanbaugebiete im Umfeld der Stadt.

In den nächsten Jahrtausenden diente Ankara mehreren Staaten jeweils als Verwaltungssitz. Dazu gehörten beispielsweise die Römer, Byzantiner und Türken. Seit 1356 war die Stadt bis 1923 ein Teil des Osmanischen Reiches. 1917 zerstörte ein großes Feuer Teile der Stadt. Deshalb konnten weite Abschnitte der Stadt nach individuellen Plänen erneut geplant und wiederaufgebaut werden.

Istanbul oder Byzantion – wie es in der Antike hieß – geht auf die griechischen Kolonisten aus Megara, Korinth und Argos zurück. Sie gründeten diese Stadt an einem der führenden handelsstrategischen Punkte. Innerhalb von wenigen Generationen entwickelte sich dieser Mittelpunkt zu einer blühenden Handelsmetropole. Sie war jedoch vielen politischen und militärischen Umwälzungen unterworfen.

Ab 330 benannte man Byzanz zu Ehren des damaligen Kaisers in Konstantinopel um. Bis 1453 wurde sie mehrfach belagert und auch erobert, konnte sich jedoch als christliche Stadt behaupten. Im gleichen Jahr wechselte Konstantinopel jedoch nach schweren Kämpfen den Besitzer und bekam einen neuen Namen. Das neue Istanbul avancierte bis 1923 zu einer der führenden Hauptstädte des Osmanischen Reiches. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg kam es zur Besetzung bis 1923 durch die Alliierten. Griechenland, das bis 1453 Eigentümer der Stadt gewesen war, forderte die Rückgabe. Dieser Forderung wurde jedoch nicht entsprochen.

Mit dem Ausrufen der Republik und der Verlagerung des Regierungssitzes nach Ankara zogen auch die letzten englischen und französischen Truppen aus der Stadt ab.

Weshalb wurde Ankara zur neuen Hauptstadt der türkischen Republik?

Am 29. Oktober 1923 rief der bekannte Politiker Mustafa Kemal PASCHA die erste türkische Republik aus, die ihren Hauptsitz in Ankara – und nicht in Istanbul haben sollte. Er selbst wurde zum ersten Staatschef gewählt.
Für die Verlegung gab es mehrere Gründe. Zum einen wollte er die neue Republik von der alten osmanischen Kultur abkoppeln. Eine neue Staatsform benötigte auch einen neuen Regierungssitz.

Zum anderen bot Ankara eine unverbrauchte Struktur. Hier konnten die Verantwortlichen frei planen. Ein großes Feuer hatte einen großen Teil der Stadt bereits 1917 beeinträchtigt. Dazu kam die Bevölkerung. Zu ihr gehörten ungefähr 20.000 Bürger. Ihre Anzahl sollte sich jedoch innerhalb der nächsten Jahrzehnte verzehnfachen. Dazu trug auch die Abwanderung aus Istanbul zugunsten von Ankara bei.

Die Wahl zugunsten von Ankara stand auch in Verbindung mit bestimmten bautechnischen Maßnahmen. Sie richteten sich an den systematischen Aufbau der neuen Stadt. Gleichzeitig sollten sich die Kapazitäten an die Bedürfnisse eines modernen Wirtschaftszentrums anpassen.
Istanbul war in dieser Hinsicht zu stark mit der alten Zeit verbunden und bot nur bedingt freie Flächen, auf denen die neuen Wohn-, Regierungs- und Geschäftszentren hätten errichtet werden können.

Nach der Ernennung Ankaras zur Hauptstadt der neuen türkischen Republik zogen Schritt für Schritt alle wesentlichen politischen Institutionen von der Stadt am Bosporus nach Anatolien um. Damit blühte auch der Weinhandel auf, der noch heute zu den zentralen Wirtschaftsfaktoren der Region gehört.

1924 bekam Ankara eine neue Stadtverwaltung. Diese unterstand einem Bürgermeister, der wiederum dem Innenministerium Rechenschaft gegenüber ablegen musste. Er ließ zahlreiche Produktionszentren aufbauen. Hierzu gehören dringend benötigen Baustoffe wie Zement und Ziegelsteine. Dazu kamen ein Elektrizitätswerk und Mühlen.

Wenige Wochen nach der Gründung der Republik wurde die Türkische Aktiengesellschaft für Erschließung und Bau ins Leben gerufen. Da sie mit deutschem Kapital gegründet worden war, beauftragte sie auch Carl Christoph Lörcher mit der Erstellung eines Stadtplans. Dieser sollte Ankara als türkische Hauptstadt in neuem Licht erstrahlen lassen. Lörcher wurde auch mit der Planung eines umfangreichen Gewerbe- und Wohnungsbauprogrammes betraut. Die Programme sollten über 200.000 Menschen berücksichtigen, mit deren Zuwanderungen in den nächsten Jahren gerechnet wurde. Um diese Pläne zu verwirklichen, verstaatlichte die Regierung das an die Stadt grenzende Sumpfgebiet. Im Zentrum standen außerdem zahlreiche Regierungsgebäude, die nach den Plänen deutscher und europäischer Architekten errichtet wurden und den Geist der neuen Zeit widerspiegelten.

Was bedeutet Geschwätzwissenschaften / Laberwissenschaften? Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Ausdrücke „Laberwissenschaften“ und „Geschwätzwissenschaften“ sind abwertende Bezeichnung für geisteswissenschaftliche Studienfächer.

Die Begriffe „Laberwissenschaften“ und „Geschwätzwissenschaften“ dienen außerdem, um Aussagen von Geisteswissenschaftlern abzuwerten oder ihre Lebensentwürfe abzuwerten.

Was bedeutet Geschwätzwissenschaften / Laberwissenschaften? Bedeutung, Definition, Erklärung

Im Allgemeinen sind die Ausdrücke „Laberwissenschaften“ und „Geschwätzwissenschaften“ abwertende Ausdrücke für geisteswissenschaftliche Studiengänge und -fächer wie z.B. Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften oder Sprachwissenschaften.

Für geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Fächer gilt, dass sie nicht die gegenständliche Natur untersuchen und kritisieren, sondern die Sprache. Dies führt dazu, dass die Hauptaufgabe von geisteswissenschaftliche Absolventen dadrin besteht, die Sprache und wie im Alltag gesprochen wird, zu kritisieren, sowie die Blickwinkel auf die Welt durch Sprache zu verändern.

In böser Absicht könnte man auch sagen, dass manche geisteswissenschaftliche Fächer gar nicht existieren würden, hätten sie keine eigenen Begriffe.

Wird nun jemanden vorgeworfen, dass er „Laberwissenschaftlichen“ studiert hat, so soll damit ausgesagt werden, dass die Person kein richtiges Handwerk und keine harten Fähigkeiten erworben hat. Die Person kann zwar soziale, historische, kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge erklären, aber produziert dabei nichts Gegenständliches. (Höchstens einen Text oder eine Rede.) Hier kommt der Vorwurf, dass das was diese Person macht, Geschwätz oder Laberei ist.

Studenten der Laberwissenschaften wird – im Sinne des Wortes  -vorgeworfen, dass sie gut labern können, aber nichts anderes. Der Vorwurf wird meist darum erweitert, dass Studenten der Laberwissenschaften auch nicht wissen, wie man Geld verdient oder hart arbeitet. (Deswegen wurde in den 2000er Jahren stets behauptet, dass geisteswissenschaftliche Absolventen in ihrem Elfenbeinturm leben oder Taxifahrer werden.)

Weiterhin wird Absolventen und Studenten der Laber- und Geschwätzwissenschaften vorgeworfen, dass sie Dinge problematisieren und pathologisieren. Sie erschaffen Probleme, die es ohne sie und vorher nicht gab.

Auch kritisieren die Ausdrücke „Laberwissenschaften“ und „Geschwätzwissenschaften“ das Personen einfach ihre Sicht auf die Welt mitteilen und teils faktenlose Behauptungen.

Wie drücken sich Laber- und Geschwätzwissenschaften im Alltag aus?

Ein grundsätzliches Problem der Laber- und Geschwätzwissenschaften ist die Subjektivität in Erleben, Verhalten und Empfinden dieser Studenten und Absolventen. Es ist nie richtig klar, wie persönlich betroffen oder involviert diese in ihr Thema sind. Dass sorgt dafür, dass Laber- und Geschwätzwissenschaften ihre Objektivität verlieren können. Die Folgen davon sind verheerend. Denn was ist eine Aussage eines Absolventen der der Laber- und Geschwätzwissenschaften wert, wenn dieser nur seine persönliche Ansicht wiedergibt und nicht über die objektive Realität referiert?

Weiterhin stellt sich bei Laber- und Geschwätzwissenschaften die Frage nach der Datengrundlage. Wie und auf welcher Datengrundlage werden Aussagen in diesen Wissenschaften getätigt und getroffen? Ist die Datengrundlage sehr dünn oder nicht vorhanden, trägt dies dem Wahrheitsgehalt einer Aussage nicht zu.

Fazit: Was bedeutet Geschwätzwissenschaften / Laberwissenschaften? Bedeutung, Definition, Erklärung

Laber- und Geschwätzwissenschaften können die Sicht auf die Welt verändern und erweitern, wenn sie gut gemacht sind und die Realität wiederspiegeln. Das ist die eigentliche Aufgabe von Geisteswissenschaften, die am wichtigsten Zugang zu dieser Welt ansetzt, nämlich an der Sprache. Sprache formt wie wir die Welt sehen und wahrnehmen. Und hier entscheidet die Qualität eines Geisteswissenschaftlers, ob er oder sie Menschen manipulieren oder ihr Weltbild erweitern möchte. Denn die Grenze zwischen Bevormundung und Aufklärung ist hier sehr dünn.

Siehe auch: Was ist Framing?

Was ist eine „Dummensteuer“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Dummensteuer ist ein Trendwort, das sich in seiner ursprünglichen Verwendung bereits gewandelt hat. Wer dabei an eine Steuer für Nicht-Wissen oder Unfug denkt, liegt eigentlich daneben.

Was bedeutet „Dummensteuer“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Seitdem das Wort populär wurde, wird Dummensteuer öfter in einem abgewandelten Zusammenhang benutzt.

Man ist tatsächlich dazu verleitet, an eine Steuer für Dummheit zu denken. Doch diese ist natürlich weder realistisch, noch wäre sie umsetzbar. Dummheit ist einer der am schwersten abzugrenzen Begriffe unserer Sprache.

Interessant ist in diesem Zusammenhang das Statement der Sprach- und Bildungswissenschaftlerin Vera F. Birkenbihl. Sie sagte einst, Dummheit sei nur eine andere Ebene Form der Wahrnehmung dieser Welt. Damit kritisierte sie vor allem die Härte mit der manche Führungspersönlichkeiten oder Lehrkräfte das Bildungsvermögen ihrer Mitarbeiter oder Schüler kritisierten.

Tatsächlich wird der Begriff „dumm“ in unserer Gesellschaft sehr häufig und oft vorschnell genutzt. So manch ein Mensch wettert daher am Stammtisch oder bei einer politischen Diskussion:

„Wenn wir eine Steuer für Dummheit einführen würden, wäre das Land reich!“

Inzwischen wird das Wort Dummensteuer häufig im Zusammenhang mit solch populistischen Äußerungen verstanden und angewenet. Eigentlich bedeutet es aber etwas ganz anderes.

Wer diese Steuern bezahlt, ist dumm

Tatsächlich entstand der Begriff „Dummensteuer“ in der Welt der Wirtschaft und Buchhalter.

Die Steuer- und Wirtschaftsexperten Klaus Tipke und Joachim Lang bezeichneten damit Steuern, die im Grunde vermeidbar gewesen wären.

Hier ist genau der Kern: Dummensteuern sind Steuern, die auf legalem Wege vermeidbar sind.

Das Steuer- und Finanzrecht der Bundesrepublik Deutschland ist eine Wissenschaft für sich. Menschen, die sich auf diesem Gebiet auskennen, sind hoch spezialisierte Fachkräfte. Sie treten als Steuerberater, Anwälte, Steuerforscher oder Buchhalter auf.

Ein Betrieb muss nicht immer gleich viele Steuern bezahlen. Ein kompliziertes System aus Rechnungen zu Einnahmen, Ausgaben, Profiten, Anlagewerten usw. ermittelt am Ende einer Abrechnungsperiode die an den Staat zu entrichtenden Steuern.

Wer sich gut auskennt und geschickt wirtschaftet, kann die Steuerlast am Jahresende deutlich senken. Dazu müssen sich die bereits genannten Experten hervorragend auskennen, geschickt (und manchmal auch skrupellos) agieren und trotzdem jederzeit die vorgeschriebenen Gesetze wahren.

Zur Zahlung von unnötigen Steueren kann es aus Unkenntnis geltender Gesetze, Schwierigkeiten mit mehrdeutigen Gesetzen, Informationsmängeln, wirtschaftlich falschen Entscheidungen und Inkompetenz der Buchhalter und Wirtschaftsexperten eines Unternehmens kommen.

Die Steuerlast, die ein Betrieb am Ende des Jahres bezahlt, die bei besserer Arbeit aber vermeidbar gewesen wäre, bezeichnete man in Fachkreisen als „Dummensteuer“.

Dummensteuer: Was in der Wirtschaft üblich ist, gilt auch privat

Selbstverständlich können auch Privatpersonen Dummensteuern bezahlen. Viele Menschen nutzen die Gelegenheit zur Abgabe der Lohnsteuererklärung nicht.

Wer eigene Ausgaben, Fahrtkosten und sonstige Belastungen am Jahresende nicht gelten macht, zahlt womöglich zu viel Einkommenssteuer.

Je besser sich Privatpersonen mit den Steuergesetzen auskennen, desto mehr Steuererleichterung können sie geltend machen. Wer beispielsweise eine Immobilie abbezahlt, hohe Gesundheitskosten hat oder behindert ist, kann extra Steuern sparen.

Auch hier gilt, dass die Dummensteuer der Anteil ist, der bei ausreichend Wissen, Können und Engagement vermeidbar gewesen wäre.

Die erweiterte Bedeutung der Dummensteuer

Neben dieser betriebswirtschaftlichen Nutzung, wird der Begriff für weitere vermeidbare Steuern benutzt.

Ein Klassiker für eine Dummensteuer ist die Erbschaftssteuer.

Diese teils horrenden Beträge (abhängig vom Verwandtschaftsverhältnis und den vererbten Werten) lässt sich einsparen, indem Senioren ihren Nachlass bereits zu Lebzeiten geschickt weitergeben.

Liegt nach dem Tod einer Person noch nicht einmal ein Testament und letzter Wille vor, kann es richtig teuer werden.

Die Steuerlast, die Erben dann tragen müssen, wäre vermeidbar gewesen und gilt als Dummensteuer.

Daneben gelten im privaten Bereich diese Steuern als Dummensteuer:

  • Steuer auf Spekulationsgewinne (bei privaten Veräußerungen)
  • Steuern auf Kapitalerträge.

Da diese Zugewinne für den Staat schwer oder gar nicht kontrollierbar sind, gleichen sie einer „Freiwilligensteuer“. Menschen geben diese Einkünfte bei der Steuererklärung an, weil sie Angst vor Strafe haben oder besonders anständig sein wollen.

Der Volksmund bezeichnet diese Steuern inzwischen jedoch fast einheitlich als „Dummensteuer“. Dumm ist, wer die Einkünfte angibt und vermeidbare Steuern bezahlt.

Was hat die Lotterie mit der Dummensteuer zu tun?

Gelegentlich werden begeisterte Lotterie-Spieler als Bezahler einer Dummensteuer bezeichnet.

Schaut man sich die Systeme genauer an, bemerkt man schnell, dass vor allem der Staat bei den Gewinn versprechenden Spielen abkassiert.

Je nach System fließen bis zu 50 Prozent der Einnahmen in die Staatskasse (Glücksspielsteuer). Bei Gewinnchancen, die teilweise unter einem Prozent liegen, hat der einzelne Spieler kaum Chancen auf Zugewinn.

Tatsächlich geben manche Menschen im Laufe eines Spielerlebens tausende von Euro oder noch viel mehr aus und bekommen so gut wie nichts davon zurück. Im Grunde genommen leisten sie eine freiwillige und auf Spielfreude basierende Steuer an den Staat, die nicht sein müsste.

Warum sagt man nicht mehr Weißrussland, sondern Belarus? Bedeutung, Erklärung


Belarus liegt im Osten Europas. Es grenzt an Litauen, Lettland, Russland, die Ukraine und Polen. Das Land zählt 9,5 Millionen Einwohner und war in Deutschland bis vor Kurzem als Weißrussland bekannt war. Doch auf einmal ist nicht mehr die Rede von Weißrussland, sondern von Belarus. Woher kommt dieser Wandel?

Warum sagt man nicht mehr Weißrussland, sondern Belarus? Bedeutung, Erklärung

Die Bezeichnung Weißrussland etablierte sich im 19. Jahrhundert in Deutschland. Während in anderen Ländern schon länger die Rede von Belarus war und auch die österreichische und Schweizer Diplomatie den Begriff bereits in allen offiziellen Texten verwendeten, tat man sich in Deutschland mit dem Begriff Belarus schwer. So wurde der Begriff in der Vergangenheit nur im zwischenstaatlichen Verkehr mit Belarus selbst gebraucht, im inländischen Verkehr sowie auf Karten sprach man von Weißrussland.

Vielen galt die Bezeichnung Weißrussland als einfache Übersetzung des Namens Belarus ins Deutsche. In Teilen stimmt dies auch. Denn die Silbe bela bedeutet im slawischen weiß. Allerdings hat die Silbe rus, so ähnlich sie Russland auch klingen mag, wenig mit dem heutigen Russland gemein. Vielmehr ist Rus der Name eines mittelalterlichen Herrschergebiets in Osteuropa, das als Herkunft der Slawen gilt.

Die Bezeichnung dieses Gebietes geht wahrscheinlich aus dem altfinnischen hervor und bezeichnet die skandinavischen Waräger. Diese aus Skandinavien stammenden Händler und Krieger gelten als Teilgruppe der Wikinger und waren seit dem 8. Jahrhundert im Gebiet des Dnepr, der Düna, der Wolga und des Don und bis ans Kaspische und Schwarze Meer vertreten.

Das historische Gebiet der Rus gilt zudem als Vorläufer der Staaten Belarus, Ukraine und Russland und hat somit nichts mit dem heutigen Russland zu tun oder bezieht sich zumindest nicht nur auf dieses Land.

Die Farbe weiß ist Teil eines Systems, in dem Farben bestimmten Gebieten Namen gaben

Schon im Mittelalter trug das Gebiet, in dem Belarus heute liegt, seinen jetztigen Namen. Der Wortteil bela, also weiß, gab an, in welchem Teil der Kiewer Rus, dem mittelalterlichen altrussischen Großreich, sich dieses Gebiet befand. Damals wurde ein System benutzt, in dem Farben Himmelsrichtungen angaben. So gab es neben der Weißen Rus, die im Südwesten der Kiewer Rus lag, die Schwarze Rus im Westen von Belarus und auch eine Rote Rus.

Im Deutschen werden diese Gebiete auch Ruthenien, Reußen oder Russland genannt. Sprachhistorisch sei Weißruthenien sogar die beste Bezeichnung für das Gebiet des heutigen Belarus. Dieser Name hat jedoch einen negativen Beigeschmack: Er wurde in den zwei Weltkriegen und von den Nazis als koloniale Projektion gebraucht und ruft bei den Einwohnern bis heute schmerzliche Erinnerungen hervor. Auch der Begriff Belarussische SSR, wie das Gebiet zu Zeiten der Sowjetunion genannt wurde, erinnert zu sehr an die Fremdherrschaften in der Geschichte des Landes.

Belarus hat eine eigene Sprache und Identität und ist kein Teil Russlands
Von eben dieser Fremdherrschaft möchte sich die Bevölkerung des Landes lösen und als eigenständiges Land mit einer eigenen Identität und Sprache anerkannt werden. Denn Russisch ist zwar offiziell die zweite Sprache in Belarus, die eigene Sprache, das Belarusisch ist für einen Russen jedoch kaum zu verstehen. Es hat eine eigene Syntax, Lexik und Grammatik. Da der Name Weißrussland eine sprachliche, kulturelle und politische Abhängigkeit von Russland suggeriert, ist der Begriff zunehmend in die Kritik geraten. Vor allem die Opposition kämpft für ein von Russland unabhängiges Belarus. Der aktuelle Machtinhaber Lukaschenko steht ihnen viel zu nah bei Putin und somit bei Russland.

Die Bezeichnung „Belarus“ erhält Einzug in die deutsche Medienwelt

Ende Januar 2020 gab die deutsch-belarusische Geschichtskommission, die aus 16 Historikern beider Länder besteht, eine Empfehlung heraus. Demnach solle im Deutschen statt Weißrussland der offizielle Landesname Belarus gebraucht werden. Die Betonung solle auf der Silbe –rus liegen. Beim Adjektiv solle anstatt belarussisch nur ein s verwendet werden. So wie es die Kommission in der Schreibung ihres eigenen Namens tut. Die Einwohner des Landes heißen nach Empfehlung nicht mehr Belarussen, sondern Belarusen. Somit wäre deutlich, dass es sich bei dem Land um einen eigenständigen Staat handelt und nicht um einen Teil Russlands.

Im Januar übernahm die Züricher Zeitung als erste die neue Bezeichnung des Landes und veröffentlichte ein Plädoyer für die Verwendung der Bezeichnung Belarus.

Es folgten deutsche Presse- und Nachrichten-Agenturen, die bereits seit April nur noch Berichte mit der Bezeichnung Belarus herausgaben. Dieses wurde von den einzelnen Redaktionen jedoch wieder zu Weißrussland geändert oder zumindest mit einem Hinweis auf die Bezeichnung Weißrussland herausgegeben. Bei der Berichterstattung in den deutschen Medien im Zuge der Präsidentschaftswahlen im August 2020 haben dann Deutschlandfunk, ARD, ZDF und andere Sender sowie Zeitungen auf den Begriff Belarus zurückgegriffen und diesen etabliert.

Während sich im englischen Sprachraum bereist die neue Schreibeweise des Adjektivs durchgesetzt hat, ist die Schreibweise belarusisch bei den deutschen Presse- und Nachrichtenagenturen sowie anderen Medien noch nicht geläufig: Hier bezieht man sich weiterhin auf die Schreibweise des DUDEN, der nach wie vor belarussisch als richtige Schreibweise angibt. Kritiker erklären zudem, dass man bei Anpassung des Adjektivs mit nur einem s auch die deutsche Aussprache anpassen müsse. Die Aussprache müsse dann von einem stimmlosen Doppel-s in ein stimmhaftes s geändert werden.

Warum hat Deutschland keine Verfassung? Erklärung, Geschichte, Bedeutung


Die Aussage, Deutschland habe keine Verfassung, hört man dieser Tage immer öfter und verortet sie für gewöhnlich in der Szene der Reichsbürger. Doch wie bei so vielem, was in Kreisen von Verschwörungstheoretikern geäußert wird, ist auch hier etwas Wahres dran, denn es stimmt: Streng genommen hat die Bundesrepublik Deutschland keine Verfassung.

Warum hat Deutschland keine Verfassung? Erklärung, Geschichte, Bedeutung

Denn was ist überhaupt eine Verfassung? Eine Verfassung wird definiert als das zentrale Rechtsdokument, das sowohl den grundlegenden organisatorischen Aufbau und die territoriale Gliederung eines Staates als auch dessen Verhältnis zu seinen Bürgern regelt. Bis hierhin könnte unser Grundgesetz also sehr wohl eine Verfassung sein. In Demokratien kommt aber ein weiterer Faktor hinzu: Die Verfassung muss vom Volk in einem Referendum demokratisch ratifiziert worden sein. Denn es ist nun einmal die Basis jedes demokratischen Staates, dass die verfassungsgebende Gewalt vom Volk ausgeht. Normalerweise passierte so etwas nach Revolutionen, die eine alte feudalistische Ordnung gegen eine neue demokratische ersetzten. So war es in Deutschland 1918 auch mit der Weimarer Verfassung, aus der viele Punkte ins Grundgesetz übernommen wurden, als Lehre aus der NS-Zeit aber eben nicht alle. Das Grundgesetz selbst wurde aber nie vom Volk ratifizier. Obgleich das Grundgesetz also die Funktion einer Verfassung erfüllt, ist es genau genommen keine.
Das wirft nun zwei Fragen auf:

  1. Warum wurde das Grundgesetz nie demokratisch legitimiert?
  2. Warum hat sich das deutsche Volk nie selbst eine Verfassung gegeben?

Wie entstand das Grundgesetz?

Das Grundgesetz trat am 23. Mai 1949 zeitgleich mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, die sich aus der amerikanischen, der britischen und der französischen Besatzungszone zusammensetzte, in Kraft. Die Westalliierten standen nach Ende des Zweiten Weltkrieges vor einer schwierigen Aufgabe. Auf der einen Seite wollte man den Deutschen ihr Land und ihre Souveränität zurückgeben – nicht zuletzt, weil sich ein Konflikt mit der Sowjetunion anbahnte und ein starkes Westdeutschland ein essenzieller Verbündeter in so einem Konflikt gewesen wäre –, auf der anderen Seite hatte man gerade erst das Regime der Nationalsozialisten besiegt, das entstanden war, weil die Weimarer Verfassungen eklatante Schwachstellen besessen hatte, die von den Nazis ausgenutzt worden waren, und weil die Deutschen noch nicht bereit für die Demokratie gewesen waren, die nach Ende des Ersten Weltkriegs 1918 entstanden war. Man musste die deutsche Bevölkerung also behutsam an die Demokratie heranführen und aus den Fehlern von Weimar lernen, wenn man nicht Gefahr laufen wollte, diese zu wiederholen. Ferner sah man eine große Gefahr in der zentralistischen Machtkonzentration.

Um nicht wieder einen starken zentralistischen Staat entstehen zu lassen, legten die Westalliierten große Macht in die Hände der Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer. Diese waren es auch, die am 1. Juli 1948 in Frankfurt am Main den Beschluss der Londoner Sechsmächtekonferenz, wonach man eine verfassungsgebende Versammlung für den aus den drei westlichen Besatzungszonen entstehenden westdeutschen Staat einberufen werden sollte, entgegennahmen. Die Besatzungsmächte hatten erwartet, dass eine einen Föderalstaat festigende Verfassung entstehen würde, die dann von den Militärgouverneuren hätte genehmigt und von der Bevölkerung der westlichen Bundesländer in einem Referendum hätte ratifiziert werden sollen.

Dies widersprach aber dem Ansinnen der Ministerpräsidenten, die die föderale Gliederung Deutschlands als etwas Vorübergehendes einstuften. Obgleich die Ministerpräsidenten also von den Besatzungsmächten aufgewertet worden waren, wollten sie diesen Status nicht durch eine Verfassung festigen. Die Folge war ein vorläufiges Grundgesetz, das als Provisorium anstelle einer Verfassung fungieren sollte. Zu einem Referendum kam es nicht, weil die wieder- oder neuentstandenen Parteien – vor allem CDU/CSU und SPD – dagegen waren. Man traute dem Volk, das gerade noch eine Diktatur willfährig gestützt hatte, nicht zu, diese Entscheidung zu treffen. Auch dies war eine Lehre aus Weimar. Das Grundgesetz selbst verbietet sogar bis heute Volksentscheide auf Bundesebene.

Verfassung: Die Rolle der Teilung Deutschlands

Als die elf Ministerpräsidenten der westdeutschen Bundesländer vom 8. bis 10. Juli 1948 in Koblenz zusammenkamen, taten sie dies ohne die Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer und brachten damit final eine Teilung zum Ausdruck, für die sie keine Verantwortung übernehmen wollten, da sie faktisch bereits im Vorfeld bestanden hatte. Weil man angesichts der Teilung keinen endgültigen neuen deutschen Staat schaffen wollte, kam nur ein Provisorium anstelle einer Verfassung infrage, das dann bei der bald erhofften Wiedervereinigung aller deutschen Länder durch eine richtige Verfassung ersetzt werden sollte.

Dieses Provisorium, das Grundgesetz, sah deshalb auch zwei Artikel vor, die sich mit der Wiedervereinigung Deutschlands, das aus Sicht der Väter des Grundgesetzes nach der Kaiserzeit fortbestünde, beschäftigten. Art. 23 sollte den Geltungsbereich des Grundgesetzes für andere Teile Deutschlands offen halten, womit man auf die Wiederangliederung des Saarlands abzielte, zu der es 1957 kam. Art. 146 wiederum war für den Fall einer tatsächlichen Wiedervereinigung ganz Deutschlands vorgesehen und besagt: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

Als es dann 1990 zur Wiedervereinigung kam, votierte die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik ganz im Sinne des damaligen westdeutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) und des damaligen Bundesminister des Inneren, Wolfgang Schäuble (CDU), nicht für eine Wiedervereinigung und ein Referendum zur Verfassungsgebung nach Art. 146, sondern für einen Anschluss an die Bundesrepublik Deutschland gemäß Art. 23. So wurde mit der Wiedervereinigung aus dem Provisorium de facto doch noch eine Dauerlösung. Seither fungiert das Grundgesetz als die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, auch wenn es ganz streng genommen keine sein mag. Bei Lichte betrachtet, sollte man aber davon ausgehen, dass eine richtige Verfassung nicht viel anders aussehen würde, als es das Grundgesetz tut.

Was ist „Tugendterror“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Tugendterror“ wurde in Deutschland durch das 2014 erschienene Buch „Der neue Tugendterror“ von Thilo Sarrazin populär (siehe weiter unten). In der jüngeren Geschichte etwa seit den 1960er-Jahren lässt er sich als Antipode zur Political Correctness verstehen, doch der Diskurs über vermeintlich zu ausgeprägte Tugendhaftigkeit und einer „terrorisierenden“ Forderung nach ihr lässt sich mindestens bis zur Christianisierung im frühen 1. Jahrtausend zurückverfolgen. Darauf geht auch Sarrazin ein.

Was ist „Tugendterror“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Die moderne intellektuelle Rechte versteht darunter eine terrorisierende Forderung nach Political Correctness. Diese Forderung werde von den Mainstream-Medien regelmäßig vorgetragen und dementsprechend von linken Parteien (SPD, Linke) und auch von den Grünen missbräuchlich als geistige Munition gegen abweichende Meinungen verwendet. Abweichende Meinungen sind nach Auffassung der genannten Protagonisten intellektuell rechte Meinungen. Das ist die in Deutschland vorherrschende Meinung zum „Tugendterror“.

Im Allgemeinen bedeutet Tugendterror, dass politische Gewalt gegen eine Person oder Gruppe durch höhere Moral legitimiert wird.

Schauen wir über den Tellerrand, zum Beispiel in die Schweiz.

„Tugendterror“ und Political Correctness aus Schweizer Sicht

Die Neue Zürcher Zeitung erwähnt im Jahr 2014 – zeitgleich mit dem Erscheinen von Sarrazins Buch – den Schweizer Publizisten Johannes Willms, der den Tugendterror aus der Französischen Revolution von 1789 ableitet. Während dieser Revolution führte die Forderung nach Tugendhaftigkeit zu tatsächlichem Terror, nämlich dem massenhaften Einsatz der Guillotine gegen Adlige und politisch Andersdenkende. Wieder andere Schweizer Autoren verstehen den apodiktischen Vortrag eines neuen „Tugendterrors“ als Reaktion der Rechten auf die Political Correctness, die ab den 1960er-Jahren von den nordamerikanischen Bürgerrechtsbewegungen im Allgemeinen, den US-Universitäten im Besonderen ausgerufen worden war. Den Rechten, so die vorherrschende Meinung liberaler Publizisten, passe die moralpolitische Beurteilung der Sprache und des Verhaltens nicht. Sie fühlen sich terrorisiert, wenn jeder Ansatz von (vermeintlich) diskriminierenden Äußerungen im Keim erstickt werde. Bis heute (2020) führen die Rechten hierfür auch sehr populistische Beispiele an, die in der Tat überzogen wirken. Wenn etwa eine Mohrenapotheke und eine Mohrenstraße umbenannt werden sollen und es den Negerkuss nicht mehr geben soll, schütteln auch mittig bis links orientierte BürgerInnen manchmal heimlich den Kopf.

Bedeutung: Wie konnte sich der Begriff „Tugendterror“ etablieren?

Der Begriff wurde wiederum in den USA ab den 1990er-Jahren durch die dortige intellektuelle Rechte geprägt. Bis in den deutschen Sprachraum drang er lange nicht vor. Die US-Konservativen verwendeten ihn als Kampfbegriff, um ein geistiges Bollwerk gegen den ihrer Meinung nach falschen liberalen Multikulti-Mainstream zu schaffen. Als Übeltäterin entlarvten sie eine „Gleichheits-Religion“, die für all die unbehaglichen Veränderungen der Gesellschaft ab den 1960-er Jahren verantwortlich war. Indem man sie als „tugendterroristisch“ abstempelte, diskreditierte man sie. Dagegen wehrte sich die Gesellschaft heftig, und zwar nicht nur pur linke Parteien. Die SPD, heute längst eine Partei der (linken) Mitte, schloss Thilo Sarrazin im Jahr 2020 aus ihren Reihen aus.

Wie fasst Sarrazin den Tugendterror auf?

Sarrazins Buch „Der neue Tugendterror“ behandelt laut Subheadline die „Grenzen der Meinungsfreiheit“ hierzulande. Sarrazin bezieht sich ausdrücklich auf Deutschland. Immerhin traf der Autor einen Nerv, sein Buch landete auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Es behandelt nicht nur den Tugendterror, also die verschärfteste Form des vermeintlichen Unterdrückens abweichender Meinungen, sondern auch den von Sarrazin so beobachteten linksliberalen „Meinungskonformismus“. Diesen würden seiner Meinung nach die deutschen Medien penetrant durchsetzen. Mit dieser Aussage entlarvt sich übrigens der Autor selbst, denn konforme, mehrheitsfähige Meinungen zu verbreiten ist kein Hauptanspruch liberaler oder linker Medien, sondern eher des konservativen Journalismus, wie ihn beispielsweise die BILD-Zeitung vertritt. Doch Thilo Sarrazin wich bekanntermaßen von seiner Meinung nicht ab, stritt sich mit seiner Partei (der SPD) bis aufs Messer und wurde von ihr schließlich nach jahrelangem Hickhack geschasst. Schauen wir uns seinen „Tugendterror“ im Detail an.

14 Axiome des deutschen Tugendwahns laut Sarrazin

Sarrazin folgt im Grunde einem Artikel von Alexander Gauland, den dieser im Jahr 2012 im „Tagesspiegel“ veröffentlicht hatte („Das politisch korrekte Deutschland“). Gauland war damals noch CDU-Mitglied, die AfD gab es noch nicht. Auf diesen Artikel bezieht sich Sarrazin ausdrücklich. Gauland beklagt in diesem Artikel, dass vom Mainstream abweichende Meinungen zunehmend mit moralisierendem Anspruch ins Aus gedrängt würden. Diesen Gedanken greift Sarrazin auf, um den Begriff der Meinungsfreiheit generell zu untersuchen. Dabei geht er in die Geschichte bis zur Christianisierung zurück: Tugendterror habe demnach schon die Inquisition betrieben, die Grenzen der Meinungsfreiheit vs. Machtausübung wurden in der Renaissance schon von Alexis de Tocqueville und Niccolò Machiavelli beschrieben. Vom wahren Terror der Inquisition über die eher philosophische Betrachtung der Machtausübung durch Machiavelli zieht Sarrazin eine gerade Linie zu seinen „14 Axiomen des gegenwärtigen Tugendterrors“, mit welchen seiner Meinung nach die linksliberalen Mainstream-Medien aufwarten:

  • #1: Gleichheit ist gut (demnach Ungleichheit schlecht).
  • #2: Streben nach Leistung ist fragwürdig.
  • #3: Reiche sollen sich schuldig fühlen.
  • #4: Unterschiede in den Lebensverhältnissen werden durch Umstände, nicht durch die Menschen selbst verursacht.
  • #5: Menschliche Fähigkeiten basieren ausschließlich auf Bildung und Erziehung (nicht auf Veranlagung).
  • #6: Es gibt keine genetischen Unterschiede zwischen Völkern und Ethnien.
  • #7: Alle Kulturen haben den gleichen Stellenwert. Das christliche Abendland und die westlichen Industriestaaten sind keine überlegenen Formen.
  • #8: Der Islam bereichert Europa und Deutschland. Überdies ist er eine friedliche Kultur.
  • #9: Westliche Industriestaaten tragen die Hauptverantwortung für die Rückständigkeit der Dritten Welt.
  • #10: Männer und Frauen sind (geistig) gleichwertig.
  • #11: Das klassische Familienbild ist obsolet. Kinder brauchen nicht Mutter und Vater.
  • #12: Der Nationalstaat ist heute überflüssig. Wir sind auf dem Weg zur Weltgesellschaft.
  • #13: Alle Menschen sind gleich, weshalb sie alle die Grundsicherung unseres deutschen Sozialstaates beanspruchen dürfen.
  • #14: Einwanderung löst unsere demografischen Probleme.

Was ist an diesen Axiomen falsch?

Sie sind pure Demagogie, deshalb hat die SPD Thilo Sarrazin ausgeschlossen. Das Wesen jeder Demagogie besteht darin, Halbwahrheiten, Selbstverständlichkeiten, Phrasen, Propaganda und pure Lügen miteinander zu vermischen. Diese 14 Axiome sind ein klassischer Fall von Demagogie, Joseph Goebbels hätte es nicht besser gekonnt. Dieser beschrieb seine Propagandastrategie Mitte der 1930er-Jahre mit den Worten: „Wer viele Menschen führen will – einheitlich führen will! -, der darf sich nicht nach dem Niveau des Klügsten, nein, er muss sich nach dem des Dümmsten richten!“

Was ist eine „Tradwife“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Tradwives“ sind eine moderne Social-Media-Bewegung, die ein Hausfrauenleben wie z.B. der 1950er Jahren leben und zeigen.

Was bedeutet „Tradwife“? Bedeutung, Definition, Erklärung

„Tradwives“ Frauen kleiden sich im Stile der 1950er Jahre und lassen sich vor der Kamera beim Backen ablichten. Sie geben Tipps oder Ratschläge zur Ehe.

„Tradwives“ bedeutet Traditional (Traditionell) Wives (Ehefrauen). Eine Tradwife ist eine Frau, die freiwillig eine traditionelle Ehefrauen-Rolle im Ehe- und Privatleben eingenommen hat.

In den sozialen Netzwerken verwenden sie die Hashtags „#Tradwife“ oder „#Tradwives“. Unter diesen Hashtags veröffentlichten Tradwives Fotos und Einblicke in ihr Leben.

Der Singular ist „Tradwife“. (mit „f“)
Der Plural ist „Tradwives“. (mit „v“)

Was sind Tradwives? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Ursprung der Tradwife-Bewegung sind Hausfrauen aus den Vereinigten Staaten aus dem Jahr 2018. Erst im Jahr 2020 ist die Bewegung auch nach Deutschland und Großbritannien geschwappt.

Auf Nachfrage von Medien und anderen Vertretern und Journalisten, ob es sich um eine veraltete Botschaft handelt, reagieren viele der Tradwives empört und sagten, dass sie jegliches veraltete Gedankengut ablehnen und nicht verbreiten wollen. Ihnen seien veraltete Gedanken fremd.

Viele Tradwives argumentieren, dass Sie sich gern in den Kleidern und mit den Frisuren der 1950er Jahre zeigen. Sie sehen die Tradwife-Bewegung als eine Art modische Erscheinung und als einen Lebensstil.

In Großbritannien sind viele Tradwives Brexiteers, die sich für eine Spaltung Großbritannien von der EU einsetzten.

Tradwives: Bedeutung, Definition, Psychologie

Tradwives lassen eine Zeit und Werte aufleben, die vergangen und heute veraltet sind. Tradwives leben eine alte Ordnung der Mann-Frau-Beziehung.

Viele Tradwives wollen mit dieser Bewegung einen gepflegten und sauberen Haushalt leben und sie wollen zeigen, wie wichtig Häuslichkeit auch in der heutigen Zeit noch ist. Ein weiterer Faktor, den viele Tradwives ansprechen, ist gesunde Ernährung. Tradwives kochen gern alte traditionelle Gerichte und zeigen, wie wichtig Kochen auch in der heutigen Zeit noch ist.

Kritiker sagen, dass Tradwives den Konflikt zwischen Erwerbstätigkeit und Hausarbeit im modernen neoliberalen Kapitalismus aufzeigen. Denn der Arbeitsmarkt ist nur für Frauen mit Kinder ausgelegt oder freundlich. Auch staatliche Unterstützung gibt es zuwenig. Damit wird das Kinder haben und arbeiten gehen zu einer unvereinbaren Doppelbelastung. (Dies zeigt aber auch, dass ein „Tradwife“-Leben nur möglich ist, wenn der Partner genügend verdient.)

Tradwives kümmern sich um den Haushalt und kochen für die Familie. Diese Frauen sagen, dass sie die Tradwife-Rolle freiwillig leben und darin nichts Antifeministisches sehen.

Sind Tradwives antifeministisch oder feministisch? Erklärung

Im Feminismus wird die alte Rolle der Frau als Ehefrau größtenteils abgelehnt. Die Rolle als Ehefrau war eine Rolle, die viele Frauen annehmen mussten. Der Zugang zum Arbeitsmarkt wurde von ihrem Mann reguliert. Es war eine andere Zeit, die heute der Vergangenheit angehört.

Bis 1958 durfte eine Frau in  Westdeutschland nur arbeiten, wenn ihr Mann dies erlaubte. Bis 1977 war es einer Frau nur erlaubt zu arbeiten, wenn dies mit ihren „Pflichten in Ehe und Familie“ vereinbar war. – Diese unfreiwillige Rolle der „Ehefrau“ lehnen Frauen und Feministen größtenteils ab.

Für Feministen ist die freie Selbstbestimmung einer Frau über ihr Leben und ihren Körper das höchste Gut. Und hier erzeugen Tradwives ein Problem. Sie entscheiden sich freiwillig zu einem Leben als Hausfrau. Sie ordnen sich freiwillig unter.

Damit ist es feministisch und antifeministisch eine Tradwife zu werden. Eine Tradwife spielt freiwillig die Rolle der Ehefrau. Sie hat ihr Selbstbestimmungsrecht wahrgenommen, eine Rolle und Mann-Frau-Beziehung zu leben, die eigentlich veraltet ist. Niemand zwingt die Tradwife dazu eine „Tradwife“ zu werden.

Das Problem dass die Tradwife erzeugt ist, dass sie veraltete und eigentlich überholte Rollenmuster wieder belebt.

Fazit: Was sind „Tradwives“? Bedeutung, Definition, Erklärung

In einer freien Gesellschaft, in der Menschen selbst über ihren Lebensentwurf bestimmen und diesen auch ändern können wie sie wollen, darf es vieles geben. Es darf Frauen geben, die sich eine Karriere wünschen. Es darf Frauen geben, die sich Häuslichkeit und eine Familie wünschen. Beide Lebensentwürfe schließen sich nicht aus und negieren sich nicht. Denn die Rahmenbedingungen sind bei beiden Entscheidungen die gleichen: Es wurde frei entschieden, ohne staatlichen (oder männlichen) Zwang.

Was ist ein Geldstreik? Bedeutung, Definition, Erklärung


Bei einem Geldstreik verzichten Einzelpersonen und gelegentlich auch Personengruppen komplett auf Geld. Sie gestalten ihr Leben durch natürliche Selbstversorgung beispielsweise in einem Waldhaus und/oder durch Tauschhandel. Getauscht werden Produkte und Dienstleistungen, oft auch beides untereinander. Dabei liefern die Geldstreikenden eher die Dienstleistungen und beziehen damit Produkte. Teilweise nutzen sie öffentliche Dienstleistungen wie den ÖPNV auf bekennend illegale Weise, was erstaunlich häufig toleriert wird.

Welche Motivation steht hinter einem Geldstreik?

Eine gängige Motivation ist die inzwischen weit verbreitete und auch akzeptierte Konsumkritik, eine andere der Wunsch, den Zwängen unseres ökonomischen Systems zu entfliehen. Diese Motivation ist nachvollziehbar, denn unsere privaten Beziehungen sind in weiten Teilen ökonomisch determiniert, auch wenn wir das nicht immer auf den ersten Blick durchschauen. In der Tat berichten Geldstreikende davon, dass sie sich privat völlig neu aufgestellt haben und sehr viel wertvollere Beziehungen eingehen konnten. Allerdings ist der Preis dafür die Mühsal eines Lebens ohne Geld.

Funktioniert der Geldstreik dauerhaft?

Offenkundig: ja. Es gibt etliche Beispiele von Personen, die schon über Jahre und Jahrzehnte komplett ohne Geld existieren.

Um das System und die Motivation zu verstehen, ist es nützlich, einige prominente Beispiele von Geldstreikenden zu nennen.

Beispiele für Geldstreikende

  • Heidemarie Schwermer: Die Akademikerin veröffentlichte Ende der 1990er-Jahre ihr Buch „Das Sterntalerexperiment“. Darin beschreibt sie, wie sie zu einem Leben ohne Geld fand. Zu diesem Zeitpunkt lebte sie schon ohne Geld, wobei der Weg dorthin mit Übergängen verlief. Sie verzichtete immer mehr auf Geld, bis sie es nicht mehr benötigte. Frau Schwermer wohnt unter anderem in Häusern, deren Eigentümer verreist sind. Währenddessen pflegt sie Haus und Garten. Manchmal versorgt sie mit Haushaltsdienstleistungen eine Familie für Kost und Logis. Darüber hinaus lebt sie von Tauschgeschäften. Sie beschreibt ihr Leben als bunt und abenteuerlich. Der Verzicht auf Geld erzwingt von ihr Toleranz und Geduld, schafft aber auch einen deutlichen Zugewinn an Wachsein, Intensität und wertvollen Beziehungen. Schwermer ist Gründerin der Gib-und-nimm-Bewegung.
  • Pavlik, elf: Der polnische Computerfachmann lebt seit knapp einem Jahrzehnt ohne Geld, lässt sich geben, gibt selbst und fährt bisweilen im öffentlichen Nahverkehr mit einem umgehängten Schild, auf dem er erklärt, dass er wegen seines Geldstreiks ohne Ticket fährt. Die Kontrolleure tolerieren das erstaunlich oft. Er musste nur wenige Male aussteigen und sich bei der Polizei rechtfertigen. Seine Tauschgeschäfte wickelt elf Pavlik vorrangig online ab. Im Netz hat er auch einige Projekte wie Sharetribe, OuiShare und Moneyless World initiiert, mit denen er Nachahmer sucht. Pavlik ist der Auffassung, dass nicht Geld, sondern Netzwerke die Basis für unsere Existenz sind.
  • Öff Öff: Dieser Mann ist ein Aussteiger und Waldmensch, der 1991 die Schenker-Bewegung gründete. Hierfür betreibt er auch eine Webseite, die den Lebensentwurf als gegenseitiges Schenken und als Ressourcenschöpfung aus der Natur und aus Resten der Überflussgesellschaft beschreibt. Öff Öff hat gebenüber dem Arbeitsamt seinen bewussten Verzicht auf jegliche finanzielle Unterstützung, aber auch jegliche Jobvermittlung erklärt.
  • Raphael Fellmer entschloss sich nach 2010, ohne Geld zu leben. Er propagiert seinen Stil sehr offensiv und ist daher in Deutschland relativ prominent. Dass ein Geldstreik funktioniert, erkannt er auf einer fast einjährigen Reise durch Mexiko, die er fast ohne Geld durchführte. Fellmer engagiert sich für die Portale lebensmittelretten.de und foodsharing.de. Daneben bemüht er sich, weitere Plattformen und Kooperationen zu entwickeln, die das Geldsystem überflüssig machen sollen. Durch ein Tauschsystem will er es nicht ersetzen. Stattdessen soll der Konsum so weit reduziert werden, dass Geld keine Rolle mehr spielt.

Ist ein Geldstreik sinnvoll?

Als Statement gegen überflüssigen Konsum und für mehr Nachhaltigkeit: ja. Aus mikro- und makroökonomischer Sicht: nein. Waren und Dienstleistungen mit Geld zu bezahlen und für eigene Leistungen Geld zu erhalten, wobei man selbst einen ökonomischen und gesellschaftlichen Mehrwert schafft, ist effizient. Sonst hätte sich das Geldsystem nicht entwickelt. Die meisten Produkte und Leistungen müssen von Spezialisten mit komplexen Produktionsinstrumenten geschaffen werden. Ohne Geld kann das nicht funktionieren. Jedoch zeigt der Geldstreik auf, wie sehr wir möglicherweise Geld und Konsum überbewerten. Das sollte uns nachdenklich machen.

Was ist eine Hijabista? Bedeutung, Definition, Erklärung


Eine Hijabista ist eine Frau muslimischen Glaubens, die ihr Kopftuch zu einer Art Modeaccessoire macht. Der Trend ist in Deutschland noch relativ neu, weshalb es noch nicht sehr viele zusätzliche Medienberichte gibt. Es gibt zum Beispiel ein Bulletin des Fernsehmagazins Puls, aber auch Die Welt und Svenska Dagbladet haben das Thema aufgegriffen. Vor allem in Ecken wie Großbritannien und Frankreich, aber auch in den Arabischen Emiraten wird die Szene immer beliebter. Inzwischen gibt es auch einige Hijabista-Modelle auf den Laufstegen von Paris. Mode für muslimische Frauen ist, da sind sich Experten einig, die nächste große Sache.

Hijabista: Merkmale und Stil

Es gibt farbenfrohe, hippieartige Batikstoffe, blütenweiße, flatternde Abayas und Sportkleidung, die den Hijab verstecken und dennoch eng anliegen, was nichts mit den klischeehaften Bildern zu tun, die Muslimen sonst in der Öffentlichkeit vertraut sind. Für viele der Designer, die aus dem Nahen und Mittleren Osten, Malaysia und Indonesien, Europa und den Vereinigten Staaten kommen, ist das Zeigen der Haare kein Widerspruch zur Religionszugehörigkeit. Die Entwürfe haben dabei nichts mit den muslimischen Kleidern gemein, die an den strengen Stil japanischer Modedesigner wie Yōji Yamamoto oder die frühen Kleider der Jil Sander AG erinnern. In der Haute Couture wurden Kleider schon so lange vorher den Wünschen wohlhabender muslimischer Käuferinnen angepasst. So lancierte Dolce & Gabbana im vergangenen Jahr eine Hijab-Kollektion. Laut dem „Global Islamic Economy Report“ wird der Markt in Zukunft erheblich wachsen: 2017 gaben Muslime 270 Milliarden US-Dollar für Mode aus, und der Anteil am gesamten internationalen Modemarkt lag bei über 10 Prozent.

Modewelt: Hijabista

Kategorien wie Mipster oder Hijabista sind mittlerweile typisch für junge muslimische Designer und Influencer. So drücken junge Muslime ihren Glauben auf eine neue Art und Weise aus. In der Modewelt hat sich der Begriff „modest fashion“ durchgesetzt, weil die Stoffe fließender erscheinen. Die japanische Firma „Uniqlo“ hat die „modest fashion“ für den kleineren Geldbeutel lanciert. Auch westliche Marken folgen dem Trend: H&M, Nike, Dolce & Gabbana und einige andere haben eigene Kollektionen lanciert, die den Ansprüchen der „modest fashion“ gerecht werden. Nike sagte vor einigen Monaten voraus, dass das Sportkopftuch „Nike Pro Hihab“ ab Anfang nächsten Jahres erhältlich sein wird.

Hijabista: Influencer und Designer

Das Londoner Model Mariah Idrissi, die 2015 als erste Frau in einem H&M-Werbeclip mit Kopftuch auftrat, zählt ebenso dazu wie die amerikanische Influencerin Leah Vernon, die mit ihren Instagram-Posts gegen Rassismus und Körperschande Stellung bezieht. Während die Rapperin Mona Haydar rappt, streichelt Haydar, die lange in York gelebt hat und jetzt in Marrakesch zu Hause ist, ihren unverkennbaren Babybauch. Auch das ist für viele eine Provokation. Dian Pelangi, die Designerin aus Jakarta, 28 Jahre alt, fünf Millionen Anhänger, ist einer der Shootingstars der Branche. Bei der New Yorker „Fashion Week wurde die Indonesierin gefeiert und das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ nahm sie in seine Top-Asien-Liste auf, die die stilprägendsten und erfolgreichsten Designer des Kontinents versammelt. Mit ihrer Art inspiriert Pelangi Millionen von Anhängern in den sozialen Medien. Vorbilder wie Pelangi gibt es schon lange in großer Zahl.

Hijabista: Eine Frankfurter Ausstellung über muslimische Mode

Doch es gibt auch Kritik. Niemand hatte die Frankfurter Ausstellung über muslimische Mode 2019 gekannt und doch verbreitete sich Empörung und das Gerücht von der „Burka-Ausstellung“ machte die Runde.

Was ist ein Konsumstreik? Bedeutung, Definition, Erklärung


Bei einem Konsumstreik kaufen die Verbraucher einer Volkswirtschaft weniger ein. Bestimmte Produkte fragen sie gar nicht nach. Ein allgemeiner Konsumstreik wäre die Totalverweigerung der Verbraucher, die sich aber nicht lange durchhalten lässt und daher praktisch kaum beobachtet wird. Ein besonderer Konsumstreik richtet sich gegen bestimmte Produkte und Produktgruppen. Er ist mit definierten Zielen verknüpft.

Bedeutung, Definition: Der besondere Konsumstreik

Der besondere Konsumstreik ist gelegentlich durchaus zu beobachten. Die Zielrichtungen sind in der Regel gesellschaftspolitischer Natur oder sollen die Gesundheit der Verbraucher schützen. Daher ist ein besonderer Konsumstreik sehr eng mit einem Boykott verwandt, es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: Das Motiv des besonderen Konsumstreiks besteht prinzipiell nicht (wie beim Boykott) darin, einem Hersteller wegen seiner moralischen Verfehlung einen konkreten Schaden zuzufügen. Vielmehr lehnen die Konsumenten eine bestimmte Produktgruppe ab. Damit können sie einen bestimmten Hersteller treffen, wenn er überwiegend diese Produktgruppe vertreibt. Doch es geht den Verbrauchern um eigennützige oder gemeinnützige Motive. Paradefälle sind die Vermeidung von Gesundheitsrisiken durch den Verzehr von Fleisch und Wurst oder der Schutz der Umwelt durch den Verzicht auf ökologisch bedenkliche Artikel.

Beispiele für den besonderen Konsumstreik

Während der BSE-Krise mieden die Konsumenten massiv jegliches Rindfleisch.

  • Verbraucher mit ökologischem Bewusstsein vermeiden Fleisch aus Massentierhaltung und Getreideprodukte aus konventioneller Landwirtschaft.
  • Personen mit starkem Gerechtigkeitsempfinden bestreiken jegliche Kleidung und Kaffee aus traditionellen Lieferketten, an deren Anfang die Produktion in Billiglohnländern steht. Sie kaufen nur Fair-Trade-Produkte. Dabei boykottieren sie nicht bewusst bestimmte Firmen, die besonders für schlechte Arbeitsbedingungen in den Produzentenländern der Dritten Welt berüchtigt sind. Sie bestreiken einfach alles, was dem billigen Mainstreamkonsum entspricht.

Beispiele für den allgemeinen Konsumstreik

Beispiele für den allgemeinen Konsumstreik sind wie erwähnt schwer zu finden, doch es gibt sie. Einige Personen stehen dem Konsumismus und manchmal auch generell dem Konsum kritisch gegenüber. Sie kaufen insgesamt weniger Waren, was sie mit öffentlicher Konsum- und Wachstumskritik verknüpfen. Beim allgemeinen Konsumstreik gibt es Abstufungen:

  • Einige Totalverweigerer bauen sich ein ökologisches Holzhaus im Wald und betreiben dort die vollkommene Selbstversorgung. Diese Gruppe ist sehr klein, weil so eine Lebensweise höchst aufwendig und unkomfortabel ist.
  • Eine relativ große Gruppe verweigert den Konsum höherpreisiger Güter. So verzichten zunehmend (jüngere) Menschen auf ein eigenes Auto. Dieses hat in ihren Augen als Statussymbol total ausgedient und bringt auch sonst nur wenige praktische Vorteile mit sich, hat aber viele Nachteile. Viele Angehörige dieser Gruppe kaufen auch keine Luxusbekleidung, unternehmen keine teuren Reisen und besuchen keine Bars und Restaurants. All das ist in ihren Augen überflüssiger Konsum. Da auf diese Weise recht viele Produktgruppen vom Verzicht der Verbraucher betroffen sind, dürfen wir von einer allgemeinen Konsumverweigerung sprechen.
  • Während einer Rezession und auch während einer Deflation (sinkende Preise) halten sich alle Verbraucher bei allen Käufen etwas mehr zurück. Das ist zwar kein totaler und allgemeiner Konsumstreik, doch es führt signifikant zum Schrumpfen der Binnennachfrage und damit der Gesamtwirtschaft. Dieses Phänomen wirft auch ein Licht auf eine der Ursachen von Konsumstreiks.

Verschiedene Ursachen von Konsumstreiks

Einige der Ursachen haben wir schon benannt:

  • Schutz der eigenen Gesundheit
  • Bedürfnis, ökologisch und nachhaltig zu leben
  • Gerechtigkeitsempfinden

Es gibt aber weitere Ursachen wie die Angst vor einem persönlichen wirtschaftlichen Niedergang während einer Rezession und damit der Wunsch, Geld zu sparen, sowie die Erwartung weiter sinkender Preise während einer Deflation. In solchen Momenten wird den Menschen der höhere Wert von Bargeld gegenüber Waren und erst recht Dienstleistungen bewusst: Der Wert des Geldes verfällt deutlich weniger stark. Dieser Fall ist während einer Deflation ganz real gegeben: Bei sinkenden Preisen steigt schließlich der Wert des Geldes. Wenn der Verbraucher darauf mit einer Konsumverweigerung reagiert, verhält er sich in ökonomischer Hinsicht logisch. Es gibt aber paradoxerweise auch das Phänomen des zusammenbrechenden Handels bei einer Hyperinflation, weil niemand mehr das Geld annehmen möchte. Doch die Ursache hierfür ist kein Konsumstreik, sondern eher ein Handelsstreik. Der Konsumstreik kann wiederum höherpreisige Güter treffen, wenn es sich eher lohnt, das Geld in Kapitalanlagen zu stecken. Das einfachste Beispiel wäre der Verzicht auf einen Immobilienkauf, weil Immobilien zwar möglicherweise etwas im Wert steigen, doch bei Aktien eine noch viel höhere Wertsteigerung zu erwarten ist.

Ist wenig Konsum immer ein Konsumstreik?

Nein, eindeutig nicht. Der Konsumstreik ist eine bewusste Entscheidung. Die Verbraucher könnten konsumieren, unterlassen es aber aus definierten Gründen (siehe oben). Wenig Konsum ergibt sich natürlich auch aus Armut. Zudem lässt die Konsumneigung im höheren Lebensalter nach, weshalb sich die Werbung bewusst an Verbraucher zwischen dem 14. und 49. Lebensjahr richtet. Ab dem 50. Lebensjahr ändern sich in der Tat die Präferenzen, Konsum erscheint vielen Menschen nicht mehr so wichtig.

Folgen von Konsumstreik

Ein besonderer Konsumstreik kann bestimmten Branchen wie zum Beispiel die Fleischindustrie hart treffen. Ein allgemeiner Konsumstreik wegen Deflation oder Rezession kann sich höchst prekär auf die Volkswirtschaft auswirken. Diese lebt vom Konsum. Er mag in Teilbereichen völlig zu Recht kritisch betrachtet werden, doch unser Wirtschaftsmodell basiert darauf, dass wir produzieren und konsumieren.

Was ist der „Status quo“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Status quo heißt auf Lateinisch „bestehender Zustand“, wobei die noch genauere (wörtliche) Übersetzung lautet: „Zustand, in dem …“ (sich ein Gebilde aktuell befindet). Der Begriff des bestehenden Zustands lässt sich auf alle erdenklichen Gebiete anwenden, so etwa auch auf physikalische Zustände. Gelegentlich wird sogar dafür die Begrifflichkeit des Status quo verwendet, das ist aber eher selten. Im heutigen Sprachgebrauch verwendet man sie eher für vertragliche Zustände, aber auch für Prozesszustände im Projektmanagement. In der Politik und im Rechtswesen ist der Status quo ein wichtiges Kriterium.

Was ist der „Status quo“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Begriff ist auf eine ganz bestimmte Weise konnotiert (mit einer unterschwelligen Bedeutung versehen): Der Status quo ist der gegenwärtigen Zustand, der als problematisch gilt, sich aber kaum ändern lässt, ohne noch größere Probleme zu schaffen. Wenn Vertragsparteien davon sprechen, den Status quo beibehalten zu wollen, haben sie slle bekannten Möglichkeiten einer Abhilfe untersucht und festgestellt, dass diese ebenfalls stark problembehaftet und daher keine Alternativen sind. Daher verharren die Parteien nun im Status quo. Politisch wurde der Begriff während des Kalten Krieges für den Ost-West-Konflikt gebraucht. Man musste sich darüber einigen, dass angesichts der militärischen Machtverhältnisse und des atomaren Bedrohungspotenzials der aktuelle Stillstand nicht zu überwinden war. Auch die damaligen politischen Grenzen schienen dem Status quo unterworfen und damit unverrückbar zu sein. Die Beschreibung war insoweit korrekt, als dass der damalige Status quo erst durch innere Veränderungen in den Ostblockstaaten aufgehoben werden konnte.

Wortherkunft: Woher kommt „Status Quo“?

Die zuerst von den antiken Römern verwendete lateinische Rechtssprache grenzte einen gegenwärtigen von einem vorherigen Zustand ab:

  • Status quo: gegenwärtiger Zustand
  • Status quo ante: vorheriger Zustand

Bedeutsam waren die Kürzel beispielsweise für die Unterscheidung von Grenzziehungen vor und nach einem Krieg. Im Laufe der Zeit und mit dem Ersatz der lateinischen Rechtssprache durch europäische Nationalsprachen verlor der Status quo ante seine semantische Bedeutung. Der Status quo blieb als Begriff jedoch erhalten.

Einsatz des Begriffes Status quo

Der häufigste Einsatz im 21. Jahrhundert dürfte im Rechtswesen stattfinden. Zwei Vertragsparteien müssen sich mit einem mühseligen Kompromiss arrangieren, suchen nach einer besseren Lösung, finden sie aber nicht und behalten daher den Status quo bei. Im Projektmanagement kann eine Phase des Projekts so bezeichnet werden, in welcher die Projektentwickler zunächst am bestehenden Zustand nichts ändern, aber so eine Änderung planen. Physiker bezeichnen manchmal den angestrebten Normalzustand im Fließgleichgewicht als Status quo.

Die Status-quo-Klausel

Für kollektive Entscheidungsverfahren, wie sie beispielsweise die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union durchführen, kann es eine Status-quo-Klausel geben. Diese besagt, dass der Status quo erhalten bleibt, wenn sich die Mitglieder nicht auf eine Veränderung einigen können. Diese Status-quo-Klausel beschreibt eigentlich in vornehmer Form ein Vetorecht für jedes einzelne Mitglied. Es kann aufgrund der Status-quo-Klausel eine Entscheidung ganz allein blockieren. Das ist bei bestimmten Entscheidungen des EU-Rats tatsächlich der Fall: Sie müssen einstimmig getroffen werden.

Anstreben des Status quo als psychologisches Phänomen

In psychologischer Hinsicht gibt es eine starke Tendenz, den Status quo aufrechtzuerhalten, die fachsprachlich als Status-quo-Verzerrung bezeichnet wird. Sie basiert darauf, dass Menschen Veränderungen weniger mögen als die Beibehaltung des bekannten, wenn auch suboptimalen Zustands. Das kann in psychologischer Hinsicht sogar ökonomisch und effizient sein, denn was die Veränderung wirklich bringt, wissen wir nicht. Diese Tendenz verhindert allerdings nicht komplett die Veränderung, kann sie aber erschweren. Menschen streben intuitiv eher die Beibehaltung des Status quo an, wenn er nicht allzu nachteilig wirkt. Das wurde durch Experimente sehr gut belegt. Man nimmt an, dass dahinter die Angst vor Verlusten steckt, die ein höheres Gewicht als die Hoffnung auf Gewinne hat. Ein Aufgeben des Status quo erscheint immer als riskant. Die meisten Menschen sind stark risikoaversiv. Das verleiht dem Status quo ein starkes Gewicht.

Was ist Colorism / Colorismus? Bedeutung, Definition, Erklärung


Colorismus bezieht sich auf Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe. Colorismus benachteiligt Menschen mit dunklerer Haut. Colorismus wird vor allem mit langen Haftstrafen, geringem Einkommen, geringen Heiratsquoten und einer hohen Arbeitslosenquote in Verbindung gebracht.

Der Colorismus existiert seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt, aber besonders in den Vereinigten Staaten. Colorismus ist eine Form des Rassismus und eine gezielte Diskriminierung von Menschen mit dunkler Hautfarbe. Selbst in der heutigen Zeit spielt die Hautfarbe noch eine Rolle, obwohl die Sklaverei seit über 200 Jahren nicht mehr existiert.

Ursprünge, Geschichte: Colorism  / Colorismus

In den Vereinigten Staaten entwickelte sich der Colorismus, als die Versklavung von Menschen gängige Praxis war. Menschen mit einem helleren Teint wurden in der Regel bevorzugt. Viele dunkelhäutige Sklaven schufteten hart bei der Feldarbeit, während Hellhäutigere normalerweise drinnen unter weitaus weniger anstrengenden Voraussetzungen arbeiteten. Die Hautfarbe (Colorism) war ein Anzeichen für die Stellung eines Menschen zu dieser Zeit.

Außerhalb der Vereinigten Staaten hängt der Colorismus mehr mit der Stellung und der Klasse zusammen, als die Überlegenheit von Hellhäutigen. Der Colorismus in Europa hat eindeutig rechtsextreme Wurzeln und erinnert an ein Leitbild eines autokratischen Systems. Die herrschende weiße Rasse ist typischerweise anderen Klassen überlegen und hat hellere Haut.

Die Privilegierten hatten hellere Haut, da sie nicht draußen arbeiten und schwer schuften mussten. Dunkle Haut war ein Zeichen für eine untere Klasse. Helle Haut war ein Zeichen für die Elite des Landes.

Colorism: Aktuelle Lage in den Vereinigten Staaten

Für viele ist das Ende der Sklaverei auch gleichzeitig das Ende des Colorismus. Doch das stimmt nicht. Besonders im Süden der USA bekamen Menschen mit heller Haut bessere Jobs mit besserer Bezahlung als dunkelhäutige. Zur Oberschicht gehörten also ausschließlich Menschen mit hellerer Hautfarbe. Sogar unterhalb der Schwarzen entstand der Eindruck, dass sie sich gegenseitig diskriminierten. Afroamerikaner mit hellerer Haut waren eindeutig davon überzeugt, dass ihre Hautfarbe sie zu passenderen Bewerbern für Stellenanzeigen machen würde. In vielen Bewerbungen zu der Zeit gaben die Menschen ihre Hautfarbe mit an, was ein eindeutiger Indiz dafür war, dass die Hautfarbe auch nach Ende der Sklaverei noch eine Rolle spielte. Bei vielen Menschen war das Weltbild der Sklaverei noch immer verbreitet und saß tief in der Psyche. Menschen mit heller Hautfarbe hatten es daher viel leichter.

Warum ist Colorismus so wichtig?

Colorismus ist keine Sache, die nur mit der Sklaverei in den USA verbunden wird. Sogar in der heutigen Zeit gibt es noch diese Differenzen und Ungleichheiten zwischen Menschen mit heller und dunkler Haut. In des USA verdient ein Mensch mit heller Hautfarbe verhältnismäßig mehr, als ein Menschen mit dunkler Hautfarbe, der den gleichen Job ausübt. In der Justiz erhalten schwarze Häftlinge höhere Strafen als weiße, die die gleiche Straftat begangen haben. Colorismus spielt auch in der Romantik und Wahrnehmung eine Rolle.

Bleaching-Cremes oder andere kosmetische Behandlungen für die Haut sind in den Vereinigten Staaten und in Indien besonders gefragt. In Indien kaufen sowohl Männer als auch Frauen Hautbleichlinien Produkte, um den Teint der Haut zu erhellen. Alleine das zeigt, dass der Colorismus auch in der heutigen Zeit noch eine zentrale Rolle einnimmt.

Fazit: Colorism

Colorismus bedeutet also die Bevorzugung bzw, Benachteiligung einer Person aufgrund der eigenen Hautfarbe. Es gibt unzählige Beispiele, in denen Menschen mit dunkler Haut benachteiligt werden und nicht die gleichen Privilegien genießen, wie Menschen mit heller Haut. Obwohl wir in einer aufgeklärten Welt leben, in der Diskriminierung und Sklaverei eigentlich keine Rolle mehr spielen, ist das eine sehr traurige Erkenntnis.

Unser Grundgesetz drückt es aus: Die Ehre des Menschen ist unanastbar. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Mensch, hell, dunkle, grüne, gelbe oder blaue Hautfarbe hat. Alle Menschen sind gleich und müssen auch so behandelt werden!

Was bedeutet „Digitales Dritte Welt Land“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Rede von der digitalen dritten Welt ist ein Ausdruck der Überzeugung , dass in Zukunft die Digitalisierung die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes oder eines Wirtschaftsraums bestimmen werden, sowie übt er Kritik an der aktuellen Digitalisierung eines Landes.

Die Digitalisierung teilt die Welt erneut in Regionen ein, die zu den Gewinnern oder den Verlierern gehören werden. Und wie bei der Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts, sollen die Verfügung über die digitale Technologie über die Lebenschancen der Bevölkerung entscheiden. Der Wettlauf um die Digitalisierung geht um die wirtschaftlichen Chancen der Zukunft.

Deutschland oder Europa als digitale Dritte Welt

Die digitale Dritte Welt ist eine populäre Vorstellung aller politischen Kräfte, die eine ungehemmte Forcierung der Digitalisierung propagieren. Wer hier den Anschluss verliert, verspielt den Wohlstand der zukünftigen Generationen. Er wird herangezogen um digitale Infrastrukturprojekte und die Notwendigkeit einer digitalen Bildung der Bevölkerung zu begründen. Die digitale Dritte Welt ist keine Realität, sondern bezeichnet eine Bedrohung, die Realität wird, wenn ein Land oder eine Wirtschaftsregion beim Ausbau der digitalen Infrastruktur und der digitalen Kompetenz der Bevölkerung zurückfällt.

Beispiele für ein digitales Dritte Welt Land

  • Schlechte Infrastruktur: Es gibt Regionen in denen das Internet schlecht ausgebaut oder nicht vorhanden ist.
  • Versprochener Netzbauausbau findet nicht oder nur schleppend statt.
  • Hohe Preise für Internetanbindung und für Datenvolumen.
  • Behörden sind begrenzt digitalisiert. Behördengänge müssen außerhalb des Internets stattfinden. (Bsp.: In China gibt es z.B. eine App mit der Strafzettel empfangen werden.)
  • Schlechte Digitalisierung der Schulen; schlechte Ausstattung von Schulen und Lehrpersonal.
  • Moderne Technologien wie z.B. mit dem Smartphone bezahlen, sind kaum verbreitet und verbreiten sich kaum.
  • Veraltete Technologien wie z.B. Fax sind noch weit verbreitet.

Was ist die Dritte Welt? Geschichte, Wortherkunft

Der Begriff der „Dritten Welt“ entstammt der Zeit des Kalten Krieges. Dieser fand von 1947 bis zum Zusammenbruch der UDSSR im Jahr 1990 statt. Er bezeichnet eine Konfrontation der politischen Systeme des Kapitalismus und des real existierenden Sozialismus. Die Führungsmacht der kapitalistischen Welt waren die Vereinigten Staaten, die Gegenmacht die Sowjetunion. USA und UDSSR waren die Supermächte dieser Epoche. Beide Blöcke waren in militärischen Bündnissen organisiert, die sich global gegenüberstanden. Der kapitalistische Block wurde verkürzend als der Westen bezeichnet, der sozialistische Block als der Osten. Das westliche Militärbündnis besteht bis heute als Nordatlantisches Verteidigungsbündnis (NATO). Der Osten war innerhalb des Warschauer Paktes organisiert.

Kalter Krieg und Aufteilung der Welt: Erste, Zweite, Dritte Welt

Beide Militärbündnisse verfügten über atomare Waffensysteme, die in den 1950er Jahren zu Overkill-Kapazitäten ausgebaut wurden. Overkill bedeutet, dass jede Seite über das Potential verfügte, den Gegner mit Hilfe von taktischen und strategischen Atomwaffen zu vernichten. Dies wurde auch als Gleichgewicht des Schreckens bezeichnet.

Die Konsequenz aus der Pattsituation war eine Konkurrenz, die sich auf andere Lebensbereiche verlagerte, da ein direkter Konflikt militärisch nicht zu gewinnen war. Es gab also eine wirtschaftliche, technische und kulturelle Konfrontation, die militärisch nicht eskalierte. Ein militärischer Konflikt mit direkter Gewaltanwendung wird als „heiß“ bezeichnet, während die Verlagerung unter Ausschluss der Gewaltoption als „kalt“ bezeichnet wird.
Das westliche Bündnis unter den USA wurde als erste Welt definiert, weil es eine wirtschaftliche und technische Überlegenheit gab. Der Lebensstandard der Menschen war mit Abstand am höchsten, was in Form des Bruttosozialproduktes gemessen wurde. Dies umfasst den Wert aller in einem Gebiet produzierten Waren und Dienstleistungen. Das sozialistische Lager sah sich in einem Aufholprozess, wobei der Lebensstandard einer entwickelten Industriegesellschaft entsprach. Daher bürgerte sich im westlichen Einflussbericht der Begriff Zweite Welt für die Länder des Ostblocks ein.

Im Jahr 1952 prägte ein französischer Bevölkerungswissenschaftler den Begriff der „Dritten Welt“ als Bezeichnung für die Länder Südamerikas, Afrikas und Asiens, welche von den wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Standards durch vormoderne Strukturen geprägt waren. Dritte Welt steht also für eine allgemeine Rückständigkeit und ist stark negativ belegt. Die Dritte Welt wurde im Kalten Krieg zum Schauplatz des Konflikts der Supermächte.

Der Begriff „Dritte Welt“ wurde später durch den neutraleren Begriff der Entwicklungsländer ersetzt. Wirtschaftlich beschreibt er ein Abhängigkeitsverhältnis, das noch durch den Kolonialismus und die Vorherrschaft Europas und Nordamerikas geprägt ist.
Der Lebensstandard in Ländern der Dritten Welt ist gering und von Armut geprägt. Die Ernährung der Bevölkerung ist prekär. Die Länder sind häufig gezwungen ihre Bodenschätze auszubeuten und verbleiben in der Abhängigkeit der entwickelten Industrienationen.

Digitalisierung

Unter Digitalisierung versteht man eine Entwicklung, die in den 1970er Jahren begann und eine zunehmende Umstellung von analogen zu digitalen Prozessen beinhaltet. Dabei kommt es zu einer grundlegenden Umgestaltung von Produktion und Kommunikation. Sie zeichnet sich durch eine umfassende Vernetzung und Automatisierung aus. Der Personal Computer (PC), das Mobiltelefon, der Arbeitsroboter und das Internet sind die Infrastrukturen des Digitalzeitalters.

Die digitale Revolution löst die industrielle Revolution ab. Dies ist mit der Vorstellung verbunden, dass es global zu einer neuen Einteilung der Welt kommt, die sich nach dem Grad der Digitalisierung richtet. Nur wer bei der Digitalisierung die Nase vorn hat, wird demnach in Zukunft über einen entsprechenden Lebensstandard verfügen. Dies heißt aber auch, dass die bisherige Aufteilung in erst, zweite und dritte Welt anachronistisch wird. Es kommt zu einer Neuverteilung der Chancen.

Digitale Grundlagen. Die Hardware.

Die Basis der digitalen Revolution liegt im Vernetzungsgrad, d.h. der Möglichkeit mit Hilfe digitaler Geräte zu kommunizieren. Dazu bedarf es digitaler Infrastruktur wie Satellitensystemen oder Glasfasernetzen. Die digitale Leistungsfähigkeit bemisst sich nach der potentiellen Geschwindigkeit der Datenübermittlung und dem Vernetzungsgrad.

Digitale Kompetenz. Der Nutzungsgrad digitaler Techniken.

Der potentiellen Möglichkeit, steht die reale Nutzung und Verankerung digitaler Techniken in einem Wirtschaftsraum gegenüber. Sie bemisst sich in Faktoren wie dem prozentualen Besitz digitaler Endgeräte innerhalb einer Bevölkerung, der Anwendung digitaler Techniken in der Produktion und dem technologischen Stand von Digitaltechniken.

Was bedeutet „WWG1WGA“? Abkürzung ausgeschrieben, Bedeutung, Definition, Erklärung, QAnon


Die Abkürzung WWG1WGA ist eine Abkürzung, ein Symbol und Erkennungszeichen der QAnon-Bewegung.

WWG1WGA bedeutet „Where we go one, we go all“. Auf deutsch: „Wohin einer geht, dahin gehen alle.“

Was bedeutet „WWG1WGA“? Bedeutung der Abkürzung

Die meisten Anhänger der QAnon-Bewegung tragen offen den Buchstaben „Q“ und bekennen sich somit zu dieser Bewegung. Neben dem Buchstaben „Q“, verwenden sie auch immer wieder die Abkürzung WWG1WGA. Diese Abkürzung steht für den Solgan: „Where we go one, we go all“. Dies bedeutet in etwa übersetzt „Dort, wohin einer geht, dorthin gehen alle“ bzw. „Wohin einer geht, da gehen alle hin„.

Die Aussage kann so verstanden werden, dass die Mitglieder sich unterstützen und (einer Person) folgen. Gerade, dass sie einer Person folgen kann vielfältig interpretiert werden:

  • QAnon-Anhänger folgen einer Person und sind bereit den Weg zu gehen. (Wer ist diese Person?)
  • QAnon-Anhänger unterstützt andere QAnon-Anhänger, die z.B. eingesperrt sind oder in Haft. (Somit kann das WWG1WGA fast wie eine Drohung verstanden werden.)
  • Bei QAnon geht einer voraus und tausende folgen. (Dies kann als Anspruch interpretiert werden, dass QAnon eine (Massen-)Bewegung sein will.

Über WWG1WGA: Weitere Bedeutung, Definition, Erklärung

Mittlerweile kann man eine regelrechte Industrie für Fanartikel mit diesem Solang verzeichnen. Diverse Webseiten bieten QAnon Artikel wie T-Shirts, Beutel, Poster sowie Flaggen und Taschenbücher an.

Bei der Bewegung QAnon handelt es sich um eine Bewegung, welche vor allem in den USA verbreitet ist und dafür bekannt ist, dass sie vermeintliche Verschwörungsmythen verbreiten. Auch in Deutschland ist die QAnon-Bewegung mittlerweile aufgetreten und verzeichnet stetig wachsende Anhängerzahlen.

Weder eine Organisation noch eine feste Struktur lässt sich bei dieser Bewegung finden. Vielmehr handelt es sich um eine Legende oder aber Idee, welche sich im Internet gebildet hat. Zunehmend tritt sie auch in der realen Welt auf, insbesondere in den USA bei Veranstaltungen sowie Demonstrationen des US-Präsidenten Donald Trump. Die genaue Anhängerzahl der QAnon-Bewegung ist nicht bekannt und lässt sich somit nicht beziffern.

Was ist QAnon? Bedeutung, Erklärung

Die Geschichte der QAnon-Bewegung entstand im Oktober 2017, als ein Text auf der Internetplattform „4chan“ veröffentlicht wurde. Die Plattform „4chan“ steht immer wieder für ihre vermeintlichen extremistischen Posts in der Kritik. Der Text, welcher im Oktober 2017 veröffentlich wurde, enthielt unter anderem die Aussage, dass Hillary Clinton bald verhaftet werden würde. In der Regel bleiben solche Texte und Nachrichten lediglich auf dem Diskussionskanal und werden dort behalten, doch nicht dieser Text. Zahlreiche Youtuber sowie 4chan-Moderatoren fingen an, eine komplexe Legende um diesen Text sowie die folgenden zu konstruieren. Die Kernaussage dieser Legende ist, dass es sich bei dem Autor dieser Texte um jemanden handele, der die höchste nichtmilitärische US-Sicherheitsstufe „Q“ habe und folglich Zugriff auf die nuklearen Geheimnisse der USA habe. Wer den ersten Text und die im Anschluss folgenden Texte letztendlich verfasst hat, ist nicht bekannt und nachweisbar. Die Internetplattform „4chan“ ermöglicht seinen Nutzern ein anonymes Posting, da eine Registrierung nicht erforderlich ist.

Die Kernaussagen von QAnon

Die Texte der QAnon-Bewegung sind meist sehr kryptisch und oft unverständlich. Sie bestehen häufig aus Fragen oder einzelnen Satzfetzen. Das Thema, welches jedoch konstant behandelt wird ist das, dass es sich um eine geheime Elite handelt, welche durch den „tiefen Staat“ die USA unter Kontrolle gebracht hat. QAnon nutzt häufig reale Ereignisse, um die Behauptungen zu untermauern.

Zu den Mitgliedern der geheimen Elite sollen sowohl Menschen aus der Politik als auch aus den Medien sowie der Unterhaltung zählen. Dabei sind die zentralen Figuren unter anderem der Milliardär George Soros, die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton und der ehemalige US-Präsident Barack Obama. Des Weiteren wirft die QAnon-Bewegung dieser Elite unter andere pädophile sowie sadistische und satanistische Handlungen vor. Der US-Präsident hat in der QAnon-Bewegung eine wichtige Rolle, denn er soll nur angetreten sein, um die Machenschaften dieser Elite aufzudecken, zu beenden und die Mitglieder zur Verantwortung zu ziehen.

Wo lassen sich die Aussagen von QAnon finden?

Wie bereits erwähnt wurden die Aussagen von QAnon, die sogenannten QDrops, erstmalig auf der Internetplattform „4chan“ veröffentlicht. Im späteren Verlauf wechselten diese jedoch auf den Diskussionskanal „8chan“. „4chan“ nahm damals an, dass die Plattform unterwandert worden sei. Im August 2019 ging jedoch auch die Webseite „8chan“ offline.

Was sind QDrops? Bedeutung

Mittlerweile ist das Board unter einem neuen Namen online, weist jedoch immer wieder technische Probleme auf. Die sogenannten „QDrops“ werden allerdings auf verschiedenen Plattformen sowie in den sozialen Medien wie beispielsweise Instagram, Facebook, Telegram oder Youtube gesammelt und weiterverbreitet.

Warum heißt Deutschlands Verfassung „Grundgesetz“? Wie kam es dazu? Geschichte, Erklärung, Bedeutung


Die Bundesrepublik Deutschland hatte längere Zeit keine vollwertige Verfassung wie die meisten anderen vergleichbaren westeuropäischen Staaten. Wie kam es historisch und politisch zu diesem Sonderweg eines Grundgesetzes? Wie hängt das mit den beiden Weltkriegen und der deutschen Wiedervereinigung zusammen?

Deutschland: Wortbedeutung Grundgesetz und Verfassung

Dass es „Grundgesetz“ und nicht wie in den meisten anderen Staaten „Verfassung“ genannt wurde, was auch die Westalliierten ursprünglich so wollten, sollte auf den damals provisorischen Charakter hinweisen aufgrund der deutschen Teilung und der Meinungsverschiedenheiten zwischen den vier alliierten Besatzermächten, besonders zwischen der damaligen Sowjetunion und den drei westlichen. Auch daher konnten die Deutschen in der Sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, und im Saarland nicht an der Entstehung des Grundgesetzes mitwirken. Das Grundgesetz sollte für eine Übergangszeit nur eine Art vorläufige Teilverfassung für Westdeutschland sein. So griff man auf den rund 300 Jahren alten deutschen Begriff „Grundgesetz“ zurück, der sich laut Sprachwissenschaftlern aus dem Begriff „lex fundamentalis“ der lateinischen Rechtssprache herleitet. Somit ist das „staatsgrundlegende Gesetz“ gemeint, quasi das rechtliche Fundament der Bundesrepublik, um den Begriff Verfassung vermeiden zu können, bis ein endgültiger Friedensvertrag und die deutsche Einheit da sein sollten.

Deutschland: Der mühsame Weg zum Grundgesetz

Auf Initiative der drei westlichen Besatzungsmächte USA, Großbritannien und Frankreich, überbrachten ihre Militärgouverneure gut drei Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges am 1. Juli 1948 den westdeutschen Ministerpräsidenten die sogenannten Frankfurter Dokumente. Darin war die Ermächtigung an die Ministerpräsidenten enthalten, eine Versammlung einzuberufen, die eine demokratische Verfassung mit einer Grundrechtsgarantie und Bundesländern ausarbeiten sollte. Die Alliierten wollten dabei den Eindruck vermeiden, dem deutschen Volk und seinen gewählten Politikern zu viele Inhalte des Grundgesetzes zu diktieren. So legten sie auch nur als einzige Frist den 1. September 1948 fest, an dem spätestens eine verfassunggebende Versammlung zusammenkommen sollte. Sie behielten sich jedoch vor, dass sie zuletzt den Inhalt des Grundgesetzes genehmigen müssen.

Zwei Wochen im August 1948 arbeitete der Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee im Auftrag der Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder im Alten Schloss auf der Herreninsel im bayerischen Alpenvorland. Es handelte sich um eine Art Sachverständigenrat mit der Aufgabe, einen Verfassungsentwurf auszuarbeiten, der dem Parlamentarischen Rat als Arbeitsgrundlage für das Grundgesetz dienen könne. Das Ergebnis, den so genannten „Herrenchiemsee-Bericht“, genehmigten die Ministerpräsidenten der westdeutschen Bundesländer.

Die deutschen Politiker erarbeiteten dann nicht in einer wie von den Alliierten gewünschten „verfassungsgebenden Versammlung“, sondern aufgrund der für sie ungelösten deutschen Frage (Wiedervereinigung) im in Bonn tagenden Parlamentarischen Rat seit September 1948 das Grundgesetz. Dieser umfasste 65 von den damaligen Landtagen der westdeutschen Länder gewählte Abgeordnete.

Deutsche Verfassung: Lehren aus Weimar

Er sollte dieses Mal eine wehrhaftere Demokratie erschaffen, die nicht so leicht von ihren Feinden von rechts- und linksaußen erst ausgehöhlt und dann hinweggefegt werden kann wie die Weimarer Verfassung vom NS-Regime. Der Bundespräsident wurde eingeführt als im Vergleich zur Weimarer Republik neutrales und wesentlich entmachtetes Staatsoberhaupt. Die schlechten Erfahrungen mit dem greisen Hindenburg, der den Nationalsozialisten in heute naiver Weise die Macht übergab, wirkten noch nach. So bekam der Bundespräsident des Grundgesetzes vor allem repräsentative Aufgaben.

Im Grundgesetz wurden Volksabstimmungen nur in engen Grenzen zugelassen, damit sie nicht populistische Demokratiefeinde wie in der Weimarer Republik ausnutzen können. Wegen Lehren aus der NS-Diktatur kann das Grundgesetz nur mit einer Zweidrittelmehrheit des Bundestages und des Bundesrates geändert werden. Vor allem aber darf laut Artikel 79 GG gar nicht geändert werden: die föderale Gliederung in Bundesländer und deren Mitwirkung an der Gesetzgebung, die Grundsätze von Artikel 1 mit der Menschenwürde und der Gewaltenteilung sowie die in Artikel 20 geschützten Rechtsgüter wie Demokratie, Sozialstaat, Gewaltenteilung, freie Wahlen und ein Widerstandrecht der Bürger im absoluten Verfassungsnotfall.

Grundgesetz: Inkrafttreten nach alliierter Genehmigung und durch klare Mehrheit der Bundesländer

Symbolträchtig genau vier Jahre nach Kriegsende, nämlich am 08.05.1949, war es soweit: der Parlamentarische Rat beschloss das Grundgesetz. Das Grundgesetz war somit das verfassungs- und staatsrechtliche Fundament für die damit zeitgleich erfolgte Gründung der Bundesrepublik Deutschland (Westdeutschland). Die damals noch Deutschland dominierenden alliierten Besatzungsmächte beobachteten seit Kriegsende immer noch kritisch, ob das kürzliche NS-Deutschland die westlichen Demokratieregeln sauber umsetzt und lebt. Daher genehmigten sie wie vorher von Ihnen festgelegt den Entwurf.

Da Deutschland die zentralistische Ausrichtung fast ausschließlich auf Berlin als Hauptstadt mit der Nazi-Regierung nicht gutgetan hatte, wurde mit dem Grundgesetz eine föderale Gliederung in Bundesländer eingeführt. Die Länder haben demnach in manchen Bereichen wie der Bildung das Sagen und müssen in anderen Bereichen in Form des Bundesrates, ihrer Vertretung, Bundesgesetzen erst zustimmen. So mussten sie auch das neue Grundgesetz annehmen, was alle Länder in ihren damaligen Grenzen auch taten, bis auf Bayern, die mehr Rechte für die Bundesländer haben wollten. Aber die Mehrheit von zwei Drittel der Länder reichte und auch der Bayerische Landtag akzeptierte mehrheitlich verbindlich die Geltung des Grundgesetzes. So konnte das brandneue Grundgesetz (rechtliche Abkürzung: GG) für die Bundesrepublik Deutschland am 23.05.1949 verkündet werden und am Tag danach in Kraft treten.

Deutschland: Entwicklung zur Verfassung eines souveränen Staates

Aufgrund des Sonderfalls als Kriegsverlierer und verbunden mit den beispiellosen NS-Verbrechen erhielt die BRD trotz Grundgesetz erst seit dem 05.05.1955 die Stellung eines souveränen Staates aufgrund des Deutschland-Vertrages. Selbst damals hielten die vier alliierten Siegermächte Vorbehalte aufrecht, die erst mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, unterzeichnet am 12. September 1990 in Moskau, im Zuge der deutschen Wiedervereinigung entfielen. Dieser gilt als die politisch geforderte und rechtlich notwendige Friedensregelung der Alliierten mit Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und bedeutet das Ende der Nachkriegszeit, denn Deutschland inklusive Berlin ist seitdem endgültig von den besatzungsrechtlichen Einschränkungen befreit.

Dass die gesamtdeutsche Verfassung weiterhin „Grundgesetz“ heißt, ist nur scheinbar ein Widerspruch. Das Grundgesetz erfüllt rechtlich alle Voraussetzungen einer Verfassung, hat sich seit Jahrzehnten als Verfassung einer weltweit ankerkannten friedlichen Bundesrepublik Deutschland bewährt und wird international oft als Beispiel für die Grundlage einer freiheitlichen westlichen Demokratie geachtet. Somit ist die Beibehaltung des ursprünglichen Namens Grundgesetz nur noch geschichtlich bedingt und anerkennt so bis heute die weitsichtige Pionierarbeit des Parlamentarischen Rates, die viele Jahrzehnte später immer noch als erfolgreich gilt. Vereinfacht kann man festhalten: das Grundgesetz ist mittlerweile die deutsche Verfassung, heißt nur anders.