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Was ist „Rasputiza“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Rasputiza“ ist der russische Name für die Schlammzeit, die im Osten Europas, vor allem in Russland, in der Ukraine und in Belarus, zweimal im Jahr vorkommt. Die „Wegelosigkeit“, wie die „Rasputiza“ in der deutschen Übersetzung heißt, tritt im Herbst und im Frühjahr ein und kann vier oder mehr Wochen andauern. In den Schlammperioden weicht der Boden auf Hunderten von Quadratkilometern so stark auf, dass er unbefahrbar wird.

Wie entsteht die „Rasputiza“?

Verursacht wird die „Rasputiza“ durch Wetterereignisse in Kombination mit der besonderen Landschaft der betroffenen osteuropäischen Länder: Im Herbst sorgen die Herbstregenfälle, im Frühjahr das Tauwetter und die damit verbundene Schneeschmelze für große Wassermassen. In der weiten Landschaft, in der es wenig Höhenunterschiede gibt, fließen diese Wassermassen nicht ab und müssen vor Ort im Boden versickern oder verdunsten. Besonders schlimm wird die Situation, wenn im Frühjahr zu dem Tauwetter auch noch Regenfälle hinzukommen.

Wie wirkt sich die „Rasputiza“ auf Kriege aus?

In der Geschichte brachte die „Rasputiza“ so manchen Feldzug zum Stillstand und sogar zum Scheitern: Das aufgeweichte Gelände in der Schlammzeit hinderte die Armeen am Vorrücken und schnitt sie vom Nachschub ab.

Napoleons Russlandfeldzug 1812: Der Todesmarsch der Grande Armée

Mit einer Armee von 600.000 Soldaten, der Grande Armée, marschierte Napoleon Bonaparte im Juni 1812 in Russland ein. Durch geschickte Kriegsführung gelang es der russischen Seite, Napoleon nach großen Verlusten zum Rückzug zu zwingen. Im Oktober gab Napoleon seinen Feldzug gegen Russland auf und befahl den Abzug der schon stark dezimierten Armee.

Der Herbstregen hatte inzwischen die Wege in Schlammpisten verwandelt: Die französischen Truppen sahen sich mit der „Rasputiza“ konfrontiert. Im Schlamm kamen die Männer nur quälend langsam voran. Schließlich holte der harte Winter mit Schnee und bitterem Frost die erschöpften Soldaten ein. Tausende erfroren bei den eisigen Temperaturen, tausende Verwundete und Kranke wurden zurückgelassen.

Nur ein kleiner Teil der Grande Armée kehrte nach Frankreich zurück. Napoleons Herrschaft über Europa ging dem Ende entgegen.

Novemberaufstand in Polen 1830/31

Im November 1830 begann in Warschau ein Aufstand, der die Unabhängigkeit Polens vom russischen Kaiserreich zum Ziel hatte. Zar Nikolaus I. entsandte daraufhin Truppen, die auf Warschau vorrücken sollten, um die Revolution niederzuschlagen. Mehr als einen Monat wurde der russische Vormarsch durch die „Rasputiza“ aufgehalten. Trotz einiger Anfangserfolge konnte die zahlenmäßig unterlegene polnische Armee die Rückeroberung Warschaus durch die Russen jedoch nicht verhindern. Im September 1831 war der Aufstand gescheitert.

1. Weltkrieg

Im 1. Weltkrieg (1914-1918) behinderte die „Rasputiza“ mehrere Feldzüge an der Ostfront. In der Folge beschäftigten sich deutsche Wissenschaftler mit dem Phänomen.

2. Weltkrieg

Während des 2. Weltkriegs (1939-1945) begann die deutsche Wehrmacht auf Befehl Adolf Hitlers im Juni 1941 einen Angriffskrieg auf Russland. Geplante Dauer: Drei Monate. Doch erst nach sechs Monaten Krieg stand die deutsche Armee vor Moskau. Wegen des mittlerweile verschlammten Bodens geriet der deutsche Angriff auf Moskau ins Stocken und durch den nachfolgenden Wintereinbruch völlig zum Stillstand. Der Russlandfeldzug wurde für die deutschen Soldaten, die weder für einen langen Kampf noch für den russischen Winter ausgerüstet waren, zu einem Fiasko.

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022

Als am 24. Februar 2022 der russische Überfall auf die Ukraine begann, dauerte es nicht lange, bis in den Medien das Phänomen „Rasputiza“ diskutiert wurde. Würde die ukrainische Schlammzeit den russischen Vormarsch behindern?

Im März 2022 äußerte der ukrainische Militäranalyst Mykola Beleskow gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP:“Es gab bereits viele Situationen, in denen russische Panzer und andere Fahrzeuge über die Felder fuhren und stecken blieben. Die Soldaten waren gezwungen, sie zurückzulassen und zu Fuß weiterzugehen“.

Natürlich gibt es in der Ukraine heute befestigte Straßen, auf denen die russischen Militärfahrzeuge fahren können ohne vom Schlamm behindert zu sein. Allerdings sind auf den Straßen die Fahrzeuge anfällig für Angriffe, denen sie nicht ausweichen können.

Im Herbst 2022 wurde wieder spekuliert, ob und wie die Zeit der „Wegelosigkeit“ in Kombination mit dem dann nachfolgenden Winter den Krieg beeinflussen würde.

Fazit: Was bedeutet „Rasputiza“?

Die „Rasputiza“, die Schlammzeit oder Zeit der Wegelosigkeit, trifft einige osteuropäische Länder wie Ukraine, Russland und Belarus im Frühjahr und im Herbst. Jahreszeitlich bedingte Regenfälle, die Schneeschmelze im Frühjahr und die besonderen geografischen Gegebenheiten in diesen Ländern sind die Ursachen für das Phänomen der verschlammten Böden.
Schon mehrfach hatte die „Rasputiza“ in der Vergangenheit erhebliche Auswirkungen auf den Verlauf kriegerischer Auseinandersetzungen. Besonders in den Russlandfeldzügen Napoleons 1812 und Hitlers im 2. Weltkrieg hat sie Geschichte geschrieben.

Unterschiede zwischen der ukrainischen und russischen Sprache? Erklärung


Die ukrainische und die russische Sprache gehören beide zur Familie der slawischen Sprachen. Jedoch gibt es einige Unterschiede.

1.1 Ukrainisch

Ukrainisch ist die Amtssprache der Ukraine, wird aber auch von der ukrainischen Diaspora in Weißrussland, Moldawien, Polen, Estland, Ungarn, Rumänien, der Slowakei, Russland sowie in den USA gesprochen. Man nimmt an, dass die ukrainische Sprache die Fortsetzung einer alten slawischen Sprache namens Ruthenisch ist. Ukrainisch taucht in schriftlicher Form erstmals Ende des 16. Jahrhunderts auf.

Ukrainisch ist weder Russisch noch ein russischer Dialekt oder ein Derivat des Russischen. Die Sprache, die dem Ukrainischen am nächsten steht, ist wahrscheinlich das Weißrussische. Trotzdem hat das Ukrainische mehr Vokabular mit dem Polnischen gemeinsam als mit dem Russischen. Die Sprachsituation in der Ukraine ist komplex: Ohne ins Detail zu gehen, haben nicht wenige Ukrainer Russisch als Muttersprache. Die meisten Ukrainer können beide Sprachen sprechen oder zumindest verstehen. Viele Ukrainer verstehen also Russisch, aber die Russen kein Ukrainisch.

1.2 Russisch

Russisch ist die am weitesten verbreitete slawische Sprache und wird weltweit von mehr als 150 Millionen Menschen gesprochen. Die Sprache ist eng mit dem Ukrainischen, dem Weißrussischen und dem Polnischen verwandt. Sie hat sich aus der gemeinsamen slawischen Sprache entwickelt, die im 9. Jahrhundert in Osteuropa gesprochen wurde. Russisch ist eine der sechs Amtssprachen der Vereinten Nationen. Heute besteht das moderne russische Alphabet aus 33 Buchstaben: 21 Konsonanten, 10 Vokale und 2 weitere Buchstabenarten.

2. Russisch und Ukrainisch: Geschichtliches

Die Unterschiede zwischen der russischen und der ukrainischen Sprache sind weitgehend auf die Besonderheiten der Entstehung der beiden Nationen zurückzuführen. Die russische Nation wurde zentral um Moskau herum gebildet, was zu einer Verwässerung des Wortschatzes durch finno-ugrische und türkische Wörter führte.

Das ukrainische Land entstand durch die Vereinigung der ethnischen Gruppen Südrusslands, weshalb Ukrainisch weitgehend die Grundlage des Altrussischen beibehielt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts unterschieden sich die ukrainische und die russische Sprache erheblich. Während die Texte aus dieser Zeit in der altukrainischen Sprache für einen modernen Ukrainer allgemein verständlich sind, sind die Dokumente aus dieser Zeit für einen Bewohner des heutigen Russlands schwer zu „übersetzen“. Noch deutlichere Unterschiede zwischen den beiden Sprachen traten mit dem Beginn der Herausbildung der russischen Literatursprache in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf.

Die Fülle kirchenslawischer Wörter in der neuen russischen Sprache machte es den Ukrainern schwer, sie zu verstehen. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts begann sich die ukrainische Literatursprache herauszubilden, die sich im Rahmen der europäischen Prozesse allmählich von den Verbindungen zur russischen Sprache löst. Insbesondere wird das Kirchenslawische abgelehnt und der Schwerpunkt auf die volkstümlichen Dialekte sowie auf die Verwendung von Lehnwörtern aus anderen, hauptsächlich osteuropäischen Sprachen gelegt.

Ein wichtiges Merkmal der ukrainischen Sprache ist ihre dialektale Vielfalt. Dies ist eine Folge der Lage bestimmter Regionen der Westukraine als Teil anderer Staaten: Österreich-Ungarn, Rumänien, Polen und Tschechoslowakei. So ist die Sprache eines Bewohners der Region Iwano-Frankiwsk für einen Kiewer bei weitem nicht immer verständlich, während ein Moskauer und ein Sibirier dieselbe Sprache sprechen.

3. Unterschiede zwischen der ukrainischen und der russischen Sprache

3.1 Alphabet

Das russische und ukrainische Alphabet sehen ähnlich aus. Dennoch gibt es einige Unterschiede. Beide Alphabete bestehen aus 33 Buchstaben. Dabei hat das ukrainische Alphabet 22 Konsonanten, das russische besitzt 21 Konsonanten. Des Weiteren gibt es Buchstaben des russischen Alphabets, welche im ukrainischen Alphabet nicht vorkommen.

3.2 Grammatik

Das Ukrainische besitzt bestimmte Verbkonjugationen, die im Russischen nicht existieren. Ein Beispiel hierfür ist das Plusquamperfekt. Die ukrainische Sprache hat außerdem drei Formen des Futurs. Im Russischen gibt es nur zwei Formen.

Oft hört man von ausländischen Studenten, dass die ukrainische Sprache den europäischen Sprachen näher steht als das Russische. Es ist seit langem bekannt, dass die Übersetzung aus dem Französischen oder Englischen ins Ukrainische in mancher Hinsicht einfacher und bequemer ist als ins Russische. Dies betrifft bestimmte grammatikalische Strukturen. Sprachwissenschaftler scherzen, dass in den europäischen Sprachen der Satz „der Priester hatte einen Hund“ in der wörtlichen Übersetzung ins Russische immer falsch klingt, da „поп имел собаку“ bedeutet, dass er mit dem Tier in sexuelle Beziehung getreten ist (die korrekte Formulierung wäre „у попа была собака“).

Die ukrainische Sprache hat im Gegensatz zum Russischen Modalverben aus europäischen Sprachen übernommen. So wird in dem Satz „Я маю це зробити“ („Ich muss es tun“) die Modalität im Sinne einer Verpflichtung verwendet, wie im Englischen – „I have to“. Im Russischen ist diese Funktion des Verbs schon vor langer Zeit verschwunden.

Ein weiterer Hinweis auf den grammatikalischen Unterschied ist, dass das russische Verb „ждать“ (warten) transitiv ist, das ukrainische Verb „чекати“ jedoch nicht, weshalb es mit einer Präposition verwendet wird: „чекаю на тебе“ („auf dich warten“). Zum Vergleich: Auf Englisch heißt es „waiting for you“.

Es gibt jedoch Fälle, in denen Entlehnungen aus europäischen Sprachen im Russischen, aber nicht im Ukrainischen verwendet werden. So sind die Monatsnamen im Russischen dem Lateinischen entlehnt: zum Beispiel März – martii (lat.), März (dt.), march (engl.), mars (fr.).

3.3 Aussprache

Das Ukrainische wird so ausgesprochen, wie es geschrieben wird, während dies beim Russischen nicht der Fall ist, das zahlreiche Ausnahmen bei der Aussprache aufweist. Ukrainisch wird wie Italienisch von Linguisten oft als Musiksprache beschrieben. Einige Buchstaben, die sich die ukrainische und die russische Sprache teilen, werden nicht auf die gleiche Weise ausgesprochen und erzeugen daher nicht den gleichen Klang.

Beispielsweise wird der Buchstabe „E“ im Russischen wie [ye] ausgesprochen, während er im Ukrainischen wie [e] ausgesprochen wird. Eine der auffälligsten Besonderheiten des Ukrainischen sind die vielen i, wo andere slawische Sprachen o oder e haben. Das o hat sich in Silben, die auf einen Konsonanten enden, zu i entwickelt und kann wieder auftauchen, wenn man Wörter dekliniert. Zum Beispiel heißt „Haus“ in den meisten slawischen Sprachen dom, im Ukrainischen jedoch дім (dim) – der Plural lautet jedoch доми (domý). Yat, ein proto-slawischer Vokal, der durch ѣ oder ě repräsentiert wird, hat sich in den meisten slawischen Sprachen zu e entwickelt (im Polnischen in einigen Fällen zu a), im Ukrainischen jedoch zu i. „Wald“ heißt also лес (les) im Russischen, las im Polnischen und ліс (lis) im Ukrainischen. Das Russische und Polnische unterscheiden zwischen den Lauten [i] und [ɨ] (geschrieben и/i bzw. ы/y), einem Laut, der etwas weiter hinten als [i] ausgesprochen wird, wobei das i (vor allem im Russischen) die Palatalisierung des vorherigen Konsonanten bewirkt.

Schließlich ist eine weitere erkennbare Besonderheit des Ukrainischen (die es unter anderem mit dem Tschechischen, Slowakischen und Weißrussischen teilt) die Entwicklung von g zu h. Sie ist weiter gegangen als im Tschechischen und Slowakischen und gilt auch für Lehnwörter.

3.4 Vokabular

Viele Wörter aus dem Ukrainischen sind mit dem Polnischen verwandt. Die Mehrzahl der russischen Wörter ist aus dem Alt-Ostslawischen abgeleitet. Übrigens: Es gibt russische Wörter, wie „бутылка – butylka“ (Flasche), die dem Französischen sehr ähneln.

Obwohl es in der russischen und ukrainischen Sprache viele gemeinsame Wörter gibt und noch mehr Wörter, die sich in Klang und Schreibweise ähneln, haben sie oft unterschiedliche semantische Nuancen. Das Wort „жаль“ (Mitleid) ist in beiden Sprachen in Schreibweise und Aussprache identisch, unterscheidet sich aber in der Bedeutung. Im Russischen existiert es als prädikatives Adverb. Seine Hauptaufgabe ist es, das Bedauern über etwas oder das Mitgefühl für jemanden auszudrücken. In der ukrainischen Sprache hat das Wort „жаль“, als Adverb verwendet, eine ähnliche Bedeutung. Es kann aber auch ein Substantiv sein, und seine semantischen Nuancen werden erheblich bereichert, indem es zum Synonym für Wörter wie Traurigkeit, Bitterkeit und Kummer wird.

Was bedeutet „Mogilisazija“? Übersetzung, Bedeutung, Definition, Erklärung


Mogilisazija ist ein russisches Wort und ein Homonym. Das Wort leitet sich von der Wurzel „mogila“ ab, was „Grab“ bedeutet. Nicht erst seit dem Angriffskrieg Putins auf die Ukraine wird in Russland der Begriff neben seiner Bedeutung „Grab“ auch als Begriff für „Mobilmachung“ verwendet. Dabei wird der Begriffs мобилизация („Mobilmachung“) durch den Begriff Могилисазия („Mogilisazija“) ersetzt.

Mogilisazija als russischer Begriff für „Mobilisierung“

In den letzten Jahren hat der Begriff „Mobilisierung“ in Russland eine neue Bedeutung erlangt. Die Russen haben eine lange Geschichte der Mobilmachung für den Krieg.

In der Vergangenheit wurde dieser Prozess vermehrt als „Mogilisazija“ bezeichnet. Mit diesem Begriff drücken die Russen aus, dass sie aufgrund der Beteiligung des Landes an verschiedenen militärischen Konflikten zu der Überzeugung gelangt sind, dass sie nichts weiter als Kanonenfutter sind, das dazu bestimmt ist, für einen Krieg geopfert zu werden.

Infolgedessen ist der Begriff „Mobilmachung“ zu einem Homonym für „Grab“ geworden und symbolisiert die Art und Weise, in der viele Russen ihren Platz in der Welt sehen. Auch wenn dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung verständlich ist, darf man nicht vergessen, dass Russland immer noch eine mächtige Nation mit einer reichen Geschichte und Kultur ist.

Mogilisazija als Hinrichtungsmethode der UdSSR

Mogilisazija wurde im zaristischen Russland häufig als Hinrichtungsmethode eingesetzt und war auch in der stalinistischen Ära eine beliebte Foltermethode. Das Opfer wurde in eine tiefe Grube gelegt und dann mit Erde oder Sand bedeckt. Mogilisazija konnte sich manchmal über Tage hinziehen, und das Opfer erstickte langsam zu Tode.

In einigen Fällen wurde Mogilisazija als Massenexekutionsmethode eingesetzt, bei der Hunderte von Menschen auf einmal lebendig begraben wurden. Viele verschiedene Persönlichkeiten wurden durch Mogilisazija hingerichtet, darunter Oppositionsführer, Intellektuelle und alle, die als Bedrohung für das Regime angesehen wurden. Die Sowjetunion bemühte sich sehr, diese Morde zu vertuschen, aber die wenigen Überlebenden, denen die Flucht gelang, berichteten von Massengräbern und Hinrichtungen im Schnellverfahren.

Mogilisazija als Massenhinrichtungsmethode

Mogilisazija steht ebenso für eine Massenhinrichtungsmethode, bei der die Opfer lebendig begraben werden. Diese grausame Praxis wurde im Laufe der Geschichte in mehreren Ländern angewandt, darunter China, Japan und Korea. In China wurde Mogilisazija häufig als Strafe für politische Dissidenten eingesetzt. Die Japaner nutzten diese Hinrichtungsmethode, um Koreaner zu töten, die während der japanischen Invasionen in Korea im 16. und 17. Jahrhundert gefangen genommen wurden. Mogilisazija wurde auch von der koreanischen Regierung eingesetzt, um Kriminelle und politische Gegner hinzurichten. Die Opfer wurden lebendig in Massengräbern begraben, oft zusammen mit ihren Familien. Diese barbarische Praxis versetzte jeden, der Zeuge davon wurde, in Schrecken und schockiert die Menschen auch heute noch.

Mogilisazija als Begriff für „Exhumierung und Umbettung menschlicher Überreste“

Im zaristischen Russland stand der Begriff Mogilisazija in erster Linie nicht für die Hinrichtungsmethode, sondern für die Exhumierung und Umbettung menschlicher Überreste. Die Praxis wurde von der Sowjetunion erstmals 1948 verboten. Das Verbot wurde jedoch nicht konsequent durchgesetzt, und die Praxis wurde fortgesetzt. Im Jahr 1955 wurde die Mogilisazija schließlich durch einen Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR verboten. Darin hieß es, dass Mogilisazija „mit den humanen Grundsätzen der sozialistischen Gesellschaft unvereinbar“ sei und dass diejenigen, die diese Praxis ausübten, „streng bestraft“ würden.

Sie legte auch fest, dass Mogilisazija nur zu medizinischen oder wissenschaftlichen Zwecken durchgeführt werden durfte und dass alle exhumierten Überreste ordnungsgemäß mit religiösen Zeremonien wieder bestattet werden mussten. Während Mogilisazija früher von der sowjetischen Regierung geduldet (und sogar gefördert) wurde, begann die weit verbreitete Praxis in den 1950er Jahren in Ungnade zu fallen, als das Regime versuchte, sein Image in der internationalen Gemeinschaft zu verbessern. Die Instruktion Nr. 1 setzte der Mogilisazija in der Sowjetunion schließlich ein Ende.

In einigen Teilen der Welt wird Mogilisazija als ritueller Brauch immer noch gelegentlich angewandt, und erst 2013 wurde sie im afrikanischen Land Simbabwe wieder dokumentiert. Dort hat der Begriff Mogilisazija jedoch ebenfalls nichts mit Hinrichtungen zu tun.

Vielmehr geht es dabei um die rituelle Exhumierung und Wiederbestattung menschlicher Überreste, die oft mit großer Sorgfalt und Ehrfurcht durchgeführt wird. Es wird angenommen, dass dieser Brauch aus dem Glauben heraus entstanden ist, dass die Lebenden und die Toten miteinander verbunden sind und dass die Exhumierung und Wiederbestattung der Toten den Lebenden Glück bringen kann. In den letzten Jahren wurde Mogilisazija von internationalen Organisationen unter die Lupe genommen, da es oft als Verstoß gegen die Menschenrechte angesehen wird. Viele Praktizierende sind jedoch der Meinung, dass diese Praxis ein wichtiger Teil ihrer Kultur und Tradition ist und respektiert werden sollte.

Mogilisazija als eine Bestattungsart

Eine weitere Bedeutung bekommt der Begriff Mogilisazija durch eine Bestattungsart, bei der ein Massengrab ausgehoben wird. Diese Art der Bestattung wird in der Regel in Kriegs- oder Katastrophenzeiten angewandt, wenn eine große Anzahl von Leichen schnell beseitigt werden muss. In den letzten Jahren wurde Mogilisazija auch in einigen Teilen Afrikas eingesetzt, etwa dort, wo aufgrund des Ausbruchs von Krankheiten viele Menschen in kürzester Zeit starben.

Mogilisazija als Begriff für „Grabnivellierung“

In Serbien steht Mogilisazija auch für den Begriff „Grabnivellierung“. Es ist dort eine Praxis, die gelegentlich in einer Reihe von Ländern angewandt wird, um ebenen Boden für Bauprojekte oder andere Zwecke zu schaffen. Im Allgemeinen werden dabei menschliche Überreste aus Gräbern exhumiert und an einem neuen Ort wieder beigesetzt. Obwohl Mogilisazija für die lokalen Gemeinschaften störend sein kann und Familien, deren Angehörige in den betroffenen Gräbern begraben sind, in Bedrängnis bringt, wird es manchmal als notwendiger Schritt angesehen, um Fortschritte bei wichtigen Entwicklungsprojekten zu ermöglichen. Zu den Ländern, in denen Mogilisazija gelegentlich angewendet wurde, gehören auch Estland, Lettland, Litauen und Polen.

Kiew, Kyiv oder Kyjiw? Name der ukrainischen Hauptstadt


Das ukrainische Alphabet ist eine Variante des kyrillischen. Kyrillisch ist eine Buchstabenschrift, die vor allem in ost- und südslawischen Sprachen in Europa und in Asien verwendet wird. Dazu zählen in Europa etwa Belarussisch, Bulgarisch, Serbisch, Russisch oder Ukrainisch, in Asien Kasachisch, Tschetschenisch, Uigurisch oder Mongolisch.

Damit die ukrainischen Städtenamen auch von Menschen ausgesprochen werden können, die aus anderen, beispielsweise westeuropäischen Sprachgebieten stammen, braucht es eine Umschrift. Dazu werden die kyrillischen in lateinische Buchstaben umgeschrieben. Aus der ukrainisch-kyrillischen Schreibweise ergibt sich also eine spezifische Umschrift. Insofern gibt es aus ukrainischer Sicht nur eine einzige internationale Schreibweise für ihre Hauptstadt, sie lautet Kyiv.

Kyiv Not Kiev

Bis zur Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 wurde international für die Hauptstadt der Ukraine die englische Schreibweise Kiev verwendet. Sie beruhte ebenso wie die noch heute in Deutschland verwendete Schreibweise Kiew auf dem russischen kyrillischen Alphabet. Es handelt sich bei der englischen sowie deutschen Schreibweise um die Transkription des Hauptstadtnamens aus der russischen in die lateinische Schrift. Erst seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 findet sich auch in der deutschen Medienlandschaft die aus dem Ukrainischen transkribierte Schreibweise Kyiw (englisch: Kyiv).

2018 gab es eine Online-Kampagne des Außenministeriums der Ukraine: KyivNotKiev. Mit ihr sollte die Umbenennung des Hauptstadtnamens vorangetrieben werden. „Kyiv“ (deutsch: „Kyiw“) beruht auf der ukrainischen Schreibweise und wird deswegen forciert. „Kiev“ (deutsch: Kiew) hingegen beruht auf der russischen kyrillischen Schrift und wird von der Ukraine nicht mehr akzeptiert. Die internationalen, englischsprachigen Medien verwenden seither den ukrainischen Namen Kyiv.

„Kiew“ ist die russische Schreibweise

Nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 wurde die Ukraine unabhängig und ihre Souveränität wurde international anerkannt. Von großer Bedeutung war in diesem Zusammenhang nicht nur die klare Grenzziehung im geografischen Sinn, sondern auch in der Sprache. Aus Sicht der Ukrainer symbolisiert Kiew bzw. Kiev eine pro-russische Haltung.

Die Stadt wurde im fünften Jahrhundert gegründet und heißt in der ukrainischen Sprache Kyjiw. Sie war die Hauptstadt des altslawischen Staats „Kiewer Rus“, aus dem später das russische Reich hervorging. Aus diesem Grund wird Kyiw in den russischen Geschichtsbüchern als die „Mutter aller russischen Städte“ angesehen – und die Ukraine von Russland nicht als souveräner Staat anerkannt.

Die Ukraine wurde jahrhundertelang russifiziert und Russisch war die dominierende Sprache. Ukrainisch als Sprache überlebte nur in der Westukraine, wurde aber mit der Unabhängigkeit zur Staatssprache erklärt. Ukrainisch und Russisch unterscheiden sich in etwa so wie Niederländisch und Deutsch. Viele Ukrainer sprechen russisch und müssen ukrainisch erst noch lernen. Seit der Unabhängigkeit 1991 durchläuft die Ukraine einen „Ukrainisierungsprozess“, der noch lange nicht abgeschlossen ist.

Namen der Hauptstadt der Ukraine

Kyjiw (Transkription aus dem Ukrainischen im deutschsprachigen Raum)
Kyiw (Transliteration aus dem Ukrainischen im deutschsprachigen Raum)
Kyjiv (Transkription aus dem Ukrainischen im englischsprachigen Raum)
Kyiv (Transliteration aus dem Ukrainischen im englischsprachigen Raum)
Kiew (Transkription aus dem Russischen im deutschsprachigen Raum)
Kiev (Transkription aus dem Russischen im englischsprachigen Raum)

Wie und weshalb entstand das kyrillische Alphabet?

Um das Jahr 863 herum entwarf der byzantinische Mönch Kyrill von Saloniki das sogenannte glagolitische Alphabet, basierend auf den griechischen, kaukasischen und semitischen Schriftsystemen. Die neue Schrift wurden später nach Kyrill benannt. Ihre „Erfindung“ war notwendig, um die slawische Sprache abbilden zu können. Hintergrund dieser Maßnahme war der Wunsch nach einer eigenständigen, unabhängigen Schrift, die die Eigenständigkeit der slawischen Völker widerspiegelte.

Schrift und Sprache haben identitätsstiftende und limitische, also abgrenzende Funktionen. Es ging bei der Entwicklung des neuen Alphabets um kulturelle Eigenständigkeit, um Selbstidentifikation und um das Recht auf Selbstbestimmung. All dies trifft auch heute noch zu, wenn es um Schrift, Sprache und Bezeichnungen geht, weshalb die Umschrift des Namens der Hauptstadt für das ukrainische Volk von außerordentlicher Bedeutung ist.

Transliteration oder Transkription

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Arten, fremde Schriftzeichen in eine lateinische Umschrift zu bringen, entweder über die Transliteration oder über die Transkription. Beide Formen des Umschreibens bzw. Übertragens einer fremden Sprache in die einheimische, haben Vor- und Nachteile.

Transliteration

Eine Transliteration bildet die ursprüngliche Schreibweise buchstabengetreu ab. Jeder ukrainisch-kyrillische Buchstabe wird als lateinischer Buchstabe eins zu eins wiedergegeben. Bei der Transliteration geht es darum, den zu übersetzenden Text so präzise wie möglich wiederzugeben. Würde die lateinische Umschrift eines solchen Textes umgekehrt wieder zurück ins Kyrillische umgeschrieben werden, könnte der Originaltext sehr exakt rekonstruiert werden.

Der Nachteil einer Transliteration liegt darin, dass das umgeschriebene Wort vermutlich nicht richtig ausgesprochen werden kann. Bestimmte Konsonantenfolgen müssen durch Vokale ergänzt werden, damit sie für Nicht-Muttersprachler aussprechbar werden. Ein Deutscher verwendet dann aber vermutlich andere Vokale als beispielsweise ein Italiener oder Franzose. Die Aussprache ist dann jeweils unterschiedlich und entspricht eher nicht der Aussprache eines Ukrainers.

Transkription

Anders verhält es sich bei einer Transkription. Hierbei geht es um die Aussprache. Der ursprüngliche, ukrainische Text wird so transkribiert und mit lateinischen Buchstaben abgebildet, dass er beim Aussprechen etwa so klingt wie in der Originalsprache. Akustisch wahrgenommenes Ukrainisch wird mittels des lateinischen Schriftsystems so „aufgezeichnet“, dass es in der jeweiligen Landessprache aussprechbar wird.

Das hat zur Folge, dass ein Wort, das aus dem ukrainischen kyrillischen Alphabet ins Deutsche transkribiert wurde, anders geschrieben wird, wie wenn es beispielsweise ins Französische oder Italienische übertragen wurde. Sprechen Deutsche, Franzosen und Italiener aber das Wort in ihrer jeweiligen Muttersprache aus, klingt es bei allen in etwa so, wie es ein Ukrainer aussprechen würde. Die Folge ist allerdings, dass ein transkribierter Text, der zurück in die Ursprungssprache umgeschrieben werden würde, nicht mehr lesbar wäre. Die lateinischen Buchstaben würden keine sinnvollen kyrillischen Wörter ergeben.

Die internationale Normierung der Umschrift

Die Transliteration wird in wissenschaftlichen Zusammenhängen bevorzugt. Hier geht es um Exaktheit und eventuelle Rekonstruierbarkeit. Der Leserschaft bzw. den Experten oder interessierten Laien wird zugetraut, fremdartige Bezeichnungen verwenden, verstehen und einordnen zu können. Die Transliteration der kyrillischen durch lateinische Zeichen wurde 1962 genormt (die internationale Norm ist ISO R9 und die davon abgeleitete deutsche Norm ist DIN1460). Sie ordnet einem kyrillischen einen oder zwei lateinische Buchstaben zu.

Transkribiert hingegen wird vor allem in den Medien. Die Texte sollen lesbar sein. Hier geht es darum, die Leserschaft bzw. die Allgemeinheit nicht zu überfordern und ihr fremde Namen und Bezeichnungen so nahe zu bringen, dass sie sie aussprechen und verstehen können.

Die ukrainische Normierung der Umschrift

Das offizielle Transliterationssystem der Ukraine ist das „National 1996“. Es wird von der Ukraine selbst verwendet, wenn es um internationale Außenbeziehungen geht, beispielsweise bei den Vereinten Nationen. Der Standard National 1996 zur Umschrift betrifft vor allem die geografischen Namen, die noch lange nach dem Zerfall der Sowjetunion und trotz der daraus folgenden Souveränität der Ukraine international nur mit ihren russischen Ortsnamen verwendet wurden.

Was bedeutet „unipolare Weltordnung“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Eine unipolare Weltordnung wird von einem Staat bzw. einer Ordnungsmacht dominiert. Letztere könnte auch ein Staatenbund sein.

Was bedeutet „unipolare Weltordnung“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Kritiker bemängeln an diesem Begriff, dass er eher ein Konstrukt sei, weil es in Wahrheit noch nie einen Staat gab, der ernsthaft die ganze Welt dominieren konnte. Befürworter dieses Modells verweisen auf die Dominanz der USA seit 1990 und die vorherige multipolare Weltordnung, in der sich der West- und der Ostblock gegenüberstanden.

Auch die gegenwärtigen Spannungen zwischen den USA und China etwa seit 2020 werden als Vorstufe zu einer neuen bipolaren Weltordnung interpretiert. Die politische Forschung warnt vor einer unipolaren Weltordnung, weil diese zu starken internationalen Spannungen führt. Stattdessen sollte es immer mehrere Machtblöcke geben, also idealerweise eine multipolare Weltordnung. Aber auch eine bipolare Weltordnung würde demnach für mehr Stabilität als eine unipolare Welt sorgen.

Wann gab es jemals eine unipolare Weltordnung?

Wenn es sie wirklich jemals gab und wenn Europa und Vorderasien als Welt im heutigen Sinne betrachtet würden, könnte man die Zeit des Römisches Reiches zwischen 200 v. Chr. bis 480 n. Chr. als unipolare Weltordnung betrachten. Nach heutigem Verständnis stimmt das aber nicht, denn es gab damals gleichzeitig mit China im Osten und den Inka- und Aztekenreichen auf dem südamerikanischen Kontinent andere starke Mächte. Sie hatten nur nichts miteinander zu tun.

Ab etwa 1990 hatten dann mit der endgültigen Auflösung des Ostblock die USA ihren unipolaren Moment. Die kommunistische Bürokratie in Moskau hatte unter Michael Gorbatschow bewusst die Sowjetunion aufgelöst. Im Januar 1991 führten die USA ihren ersten Interventionskrieg am Persischen Golf, bei dem sie über 500.000 Soldaten einsetzten. Zum Vergleich: Am Krieg im Irak ab 2003 nahmen nur rund 250.000 US-Soldaten teil. Fortan galten die USA als entscheidende internationale Ordnungsmacht auch bei den Balkankriegen der 1990er Jahre und bei vielen anderen regionalen Konflikten.

Der Westen verließ sich auf die amerikanischen Verbündeten unter sträflicher Vernachlässigung der eigenen Verteidigungsbereitschaft, andere Staaten wie China fürchteten sie, islamistische Terroristen bekämpften sie. Kritiker aus dem linken Spektrum interpretieren die Hinwendung der USA zum Unilateralismus als Reaktion auf den eigenen wirtschaftlichen Niedergang seit den 1970er Jahren, denn die europäischen Volkswirtschaften und Japan hatten inzwischen die USA in mehrfacher Hinsicht überholt. Die These ist gar nicht so weit hergeholt, denn am Persischen Golf ging es sehr stark um die Interessen von US-amerikanischen Ölkonzernen: Der Irak gehört zu den wichtigsten Ölförderregionen der Welt. Relativ unverhohlen drohte der US-Präsident Präsident George W. Bush damals auch westlichen Staaten mit einer Vorherrschaft der USA auf dem Energiesektor. Er sprach von „Überzeugungskraft … und harmonischeren Handelsbeziehungen“ infolge der US-Interventionen im Irak.

Das Ende der unipolaren Weltordnung

Schon in den späten 2010er Jahren räumten mehrere US-Außenpolitiker ein, dass sich die unipolare Weltordnung unter Führung der USA ihrem Ende zuneige. Publizisten folgten dieser Auffassung gern. So merkte der rechtsgerichtete Millionär und CNN-Kommentator Fareed Zakaria im Jahr 2018 an, dass die USA schon seit den 1920er Jahren gern zur führenden Weltmacht aufgestiegen wären, doch erst ab 1990er hierfür eine ernsthafte Chance gehabt hätten.

Leider sei ihr unipolarer Moment aber zeitgeschichtlich nur kurz ausgefallen. Die wachsende Konkurrenz durch Russland und China werde die Welt wieder wahlweise in eine bi- oder multipolare Ordnung zurückführen. Als Ursache für den Rückgang der US-amerikanischen Dominanz machte er die stagnierende Produktivität in den USA, die dortige schlechte Arbeitsmoral und steigende Ansprüche gegenüber dem Sozialstaat aus.

Um die Kosten dieser Entwicklungen zu tragen, fahre der Staat leider seine Verteidigungsausgaben zurück. Damit könne er nicht mehr als unipolare Ordnungsmacht auftreten. Zu diesem Zeitpunkt waren das Debakel der USA und ihrer westlichen Verbündeten 2021 in Afghanistan und erst recht der Ukraine-Krieg ab 2022 noch längst nicht absehbar. Nach Meinung einiger Beobachter markieren die beiden letztgenannten Ereignisse das endgültige Ende der jüngsten unipolaren Weltordnung unter Führung der USA.

Frühere und künftige Weltordnungen

Eine relativ gut funktionierende multipolare Weltordnung gab es nach dem Westfälischen Frieden von 1648. Sie hielt bis bis 1945, dann bildeten sich der Ost- und der Westblock. Es entstand die bis 1990 andauernde bipolare Weltordnung. Zwar gab es auch zwischen 1648 bis 1945 viele Kriege, mit denen die Staaten einen Machtausgleich anstrebten, doch sie blieben regional begrenzt und uferten nicht aus. Daneben gab es auch relativ lange friedliche Perioden. Hierfür wurden Regeln und Prinzipien ausgehandelt, so etwa auf dem Wiener Kongress 1814/15, an welche sich die Staaten sehr lange hielten.

Der Begründer des Neorealismus Kenneth Waltz glaubt, dass eine bipolare Weltordnung für den längsten Frieden sorgt, wenn sich in ihr zwei besonders mächtige Staaten gegenüberstehen. Ein Grund dafür soll sein, dass diese Weltordnung besonders übersichtlich ist und daher eher selten überraschende Entwicklungen eintreten. Der Kalte Krieg habe das immerhin empirisch bewiesen, so Waltz.

Ein multipolares System könne zu als komplex empfundenen Bedrohungen führen. Das unipolare System wiederum müssten alle Staaten mit Ausnahme des Hegemons als bedrohlich empfinden. Es gibt an dieser Auffassung auch Kritik, so etwa von William C. Wohlforth, welcher derselben Denkschule angehört. Die meisten neorealistischen Beobachter, darunter unter anderem John J. Mearsheimer, glauben an eine multipolare Weltordnung spätestens ab 2030 bis 2040. Hauptakteure könnten die USA, China, die EU mit eigenem militärischen Potenzial und möglicherweise Japan sein. Doch auch ein Staat wie Brasilien oder Staatenallianzen in Südamerika, Afrika und Asien könnten verstärkt in die Weltpolitik drängen.

Was ist der Bellizismus? Erklärung, Bedeutung, Definition


Der Bellizismus befürwortet den Krieg und zieht ihn anderen Mitteln der Konfliktlösung vor. Er steht im direkten Gegensatz zum Pazifismus, der den Krieg grundsätzlich ablehnt. Die beiden Worte Pazifismus und Bellizismus sind Antonyme, bezeichnen also zwei direkt entgegengesetzte Haltungen. Pragmatische Politiker und Konfliktforscher lehnen beide Haltungen als übersteigert ab. Nach ihrer Auffassung sollten Staaten weder glauben, mit Krieg ihre Konflikte am effizientesten lösen zu können (Bellizismus), noch sollten sie anstreben, den Krieg um jeden Preis vermeiden zu müssen (Pazifismus).

Was bedeutet „Bellizismus“? Wortherkunft, Erklärung, Bedeutung, Definition

Das Wort leitet sich vom lateinischen bellum für Krieg, von bellicosus = den Krieg betreffend und von bellicus = zum Krieg gehörig ab. Es tauchte ab den 1910er Jahren zunächst im Französischen als bellicisme auf. Die deutsche Übersetzung als Kriegsverherrlichung ist nicht ganz korrekt. Bellizisten verwenden zwar seit 1914, also dem Ausbruch des 1. Weltkrieges, die Kriegsverherrlichung als propagandistisches Mittel, um die Massen für ihre Kriegsführung zu mobilisieren, doch auf verantwortlichen Positionen als Politiker oder auch Militärs sind ihnen die prekären Folgen des Krieges auch für das eigene Volk durchaus bewusst. Allerdings rechnen sie sich noch mehr Vorzüge durch eine Kriegsführung aus, so die Eroberung fremder Staatsgebiete mitsamt der dortigen Ressourcen.

Kriegspropaganda funktioniert auch über 100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg nicht mehr so recht. Während sich damals noch junge Männer in Europa mit anfänglicher Begeisterung freiwillig zum Militär meldeten, fliehen bekanntlich im Jahr 2022 russische Männer vor der drohenden Einberufung, seit der russische Präsident Putin eine Teilmobilisierung ausrufen ließ. Bellizismus ist daher nicht propagandistisch, sondern relativ pragmatisch konnotiert. Bellizisten ziehen einfach den Krieg mühseligen, aber friedlichen Verhandlungen vor. Sie befürworten ihn allerdings dogmatisch. Es steht für sie außer Frage, dass eine Kriegsführung berechtigt ist. Die einzige Frage für sie ist, ob sie sich lohnt. In diesem Sinne wäre die Haltung des russischen Präsidenten Putin, die zum Angriffskrieg gegen die Ukraine geführt hat, dem Bellizismus zuzuordnen. Ein vielleicht noch besseres Beispiel für pragmatischen Bellizismus lieferte im Oktober 2022 der chinesische Staatspräsident Xi Jinping, der auf den Nationalen Volkskongress (ab 16.10.2022) klarstellte, dass man die Wiedervereinigung mit Taiwan anstrebe, und zwar nötigenfalls auch mit militärischen Mitteln.

Ursachen des Bellizismus

Bellizismus wird zwar naturgemäß auch von Militärs vertreten, doch seine eigentliche Ursache ist ein Kriegsenthusiasmus der Zivilgesellschaft. Für Teile europäischer Gesellschaften ist dies für die Jahre ab 1910 gut dokumentiert: Ernst Jünger beschrieb in seinem Buch „Stahlgewitter“ (erschienen 1920) seine eigenen Erfahrungen als Soldat im 1. Weltkrieg und verherrlichte diese als „reinigendes Bad im Stahlgewitter“.

Allerdings wäre Jünger nicht durch diesen Roman berühmt geworden, wenn er simplifiziert hätte. Vielmehr schildert er durchaus drastisch die Brutalität des Krieges, was dazu führte, dass manche Rezipienten den Roman sogar als Antikriegsbuch lasen. Dieses ist er jedoch – im Gegensatz zu „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque (erschienen 1922) – ausdrücklich nicht. Remarque, der ein Deutscher war und wegen seiner Solidarität mit den Franzosen seinen Namen von Merker zu Remarque umdrehte, lehnte den Krieg ausdrücklich ab. Eine Schlüsselszene seines Romans ist die Begegnung eines deutschen und französischen Soldaten in einem Bombentrichter: Die beiden Soldaten bekämpfen sich zunächst mit Messern. Als der Franzose unterliegt und stirbt, nimmt ihm der Deutsche (möglicherweise Remarque selbst, der als Soldat wie Ernst Jünger ebenfalls an der Front war) die Papiere ab, stellt den Namen, das Alter und den Beruf seines Gegners fest, erkennt ihn nun als Menschen und versteht die ganze Absurdität des Krieges.

Dieses Buch gilt als eine Bibel des Pazifismus, während „Stahlgewitter“ praktisch die Bibel des Bellizismus ist. Nun galt Bellizismus nach dem 2. Weltkrieg in großen Teilen der westlichen Gesellschaften als obsolet. Unter dem Eindruck des überwundenen Krieges und der nachfolgenden Aufrüstung der Ost- und Westmächte mit beginnendem Kalten Krieg bildete sich vielmehr eine sehr starke pazifistische Bewegung. Teilweise galt es fast als gesellschaftlicher Konsens, dass der Krieg um jeden Preis zu vermeiden sei. Dieser (nur scheinbare) Konsens schaffte es sogar bis in die Militärdoktrinen der Atommächte: Diese sehen nämlich vor, dass es zwar eine glaubhafte Abschreckung mit Atomwaffen geben müsse, dass aber dennoch ein Atomkrieg „unführbar“ sei, weil er die Menschheit auslöschen könnte. Auf diese Position zieht sich heute bisweilen sogar die russische Führung (wenig glaubhaft) zurück, wenn der Einsatz taktischer Nuklearwaffen in der Ukraine diskutiert wird. Doch in Wahrheit war bei allem medienwirksam inszenierten Pazifismus seit den 1950er Jahren der Bellizismus niemals verschwunden. Seine Anhänger schwiegen nur.

Bellizismus ist in Zivilgesellschaften verwurzelt, wie an modernen propagandistischen Aussagen im russischen TV abzulesen ist. Wie vor über 100 Jahren verherrlichen einige Protagonisten, die selbst nie im Krieg waren, diesen als Sinn- und Erziehungslehre. Das bedeutet: Bellizismus gehört wie Pazifismus zu den unausrottbaren Spielarten menschlichen Denkens. Es ist daher zu vermuten, dass es auch in westlichen Gesellschaften im Jahr 2022 Bellizisten gibt, die sich einen Erstschlag gegen Russland wünschen. Sie schweigen nur (bislang noch).

Bellizismus und Militarismus: Erklärung

Unter Militärs gibt es natürlich Bellizisten, doch sie dominieren keinesfalls das Denken in den Führungsebenen der Armeen. Vielmehr lehnte schon seit dem späten 18. Jahrhundert beispielsweise das preußische Offizierkorps die Idee eines Krieges als vermeintliches „Reinigungsbad des Volkskörpers“ mehrheitlich ab.

Seither, über alle bislang geführten Kriege hinweg und bis zur Gegenwart finden sich unter Offizieren und Soldaten die nüchternsten Betrachter tatsächlicher kriegerischer Handlungen. Sie wissen, dass im Kriegsfall zuerst ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht. Der Militarismus ist daher nicht mit dem Bellizismus gleichzusetzen. Militaristen verfolgen nur aus eigenen (auch ökonomisch determinierten) Interessen die Aufwertung des Militärs, wobei sie gern die Drohkulisse eines vermeintlichen oder tatsächlichen Feindes nutzen. Dennoch haben auch ihre Argumente in Teilen ihre Berechtigung. Wenn deutsche Militärs in den vergangenen Jahren vor einem Kaputtsparen der Bundeswehr gewarnt hatten, lagen sie nicht falsch, wie inzwischen die Gesellschaft erkennt.

Der Bellizismus der Zivilgesellschaft wiederum war schon seit dem frühen 19. Jahrhundert eine gegenaufklärerische Reaktion. Sie wurde von Intellektuellen angeführt, die sich gegen die Illusion von ewigem Frieden wehrten. Der deutsche Nationalökonom Max Weber (1864 – 1920) stellte dazu fest, dass der Krieg als realisierte Gewaltandrohung in der modernen politischen Gemeinschaft Pathos, Hingabe, bedingungslose Opfergemeinschaft und Gemeinschaftsgefühle auslöst, die zu einer quasi-religiösen Verbundenheit führen. Sigmund Freud (1856 – 1939) bestätigte diese Auffassung in seinem Essay „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von 1921, in welchem er unter dem Eindruck des soeben beendeten 1. Weltkrieges feststellte, welch verbindendes Element für die Massen eine gemeinschaftliche aggressive Idee ist.

Freud stellte übrigens in diesem Kontext fest, dass in der heroisierten Masse die Intelligenz des Einzelnen sinkt – ein Phänomen, das nach wie vor auf gewalttätig ausartenden Demonstrationen oder auch in Fußballstadien zu beobachten ist.

Fazit: Was ist der Bellizismus?

Der Bellizismus lebt und dürfte sich gerade zu einer neuen Blüte entwickeln. Da er geistig nicht einfach zu überwinden ist, lässt dies für die kommenden Jahrzehnte nichts Gutes erwarten.

Was bedeutet Raschismus / Rashism? Bedeutung, Definition, Erklärung


Das Wort „Raschismus“ ist ein Kofferwort aus den Worten „Russland“ und „Faschismus“.

Was bedeutet Raschismus / Rashism? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Ausdruck „Raschismus“ ist kein wissenschaftlicher Ausdruck, sondern ein politisches Schlagwort. Er kann so interpretiert werden, dass damit ein „russischer Faschismus“ gemeint ist, also ein Faschismus russischer Art. Was das genau sein soll, ist aber nicht eindeutig bestimmt. Denn im Kontext des russischen Angriffs auf die Ukraine 2022 wird der Ausdruck „Raschismus“ in wertender Form verwendet. Der Ausdruck „Raschismus“ kann auch als Feststellung interpretiert werden. Nämlich als Feststellung, dass Russland faschistisch geworden ist und sich faschistischer Methoden bedient.

Anhänger des Raschismus sind folglich: Raschisten

In der englischen Sprache wird der Begriff „Rashism“ verwendet. „Rashism“ setzt sich aus den Worten „Russia“ und „Fascism“ zusammen. In der englischen Sprache wird auch als synonymer Ausdruck das Wort „Ruscism“ verwendet.

Der englische Ausdruck „Rashism“ ist älter als sein deutsches Äquivalent Raschismus. Deswegen ist der deutsche Ausdruck auch nur eine Übersetzung, die später erfolgte. Seit 2008 verbreitete sich der Ausdruck „Rashism“.

Raschismus und der russische Überfall auf die Ukraine 2022

Im Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 wurde das Verhalten, Gebahren, Propaganda und die Ideologie von Wladimir Putin und Russland vom ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj als „Raschismus“ bezeichnet. Er sagte: „In den Geschichtsbüchern wird der Begriff Raschismus verankert sein.“ Selenskyj  sagte weiterhin, dass das Wort neu sei, die Taten aber dieselben seien wie die die vor 80 Jahren in Europa passierten.

Jossip Zissels, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden der Ukraine,  bezeichnete die Kremlpropaganda als „Raschismus“.

Der Ausdruck „Raschismus“ ist der Ukraine weit verbreitet.

Der Ausdruck „Raschismus“ wird auch im Kontext der Kremlpropaganda verwendet. Die Kremlpropaganda gibt sich antifaschistisch und es wird behauptet, dass die Ukraine von einem neonazistischen Regime befreit werden soll. Die Ukraine solle „entnazifiziert“ werden. Auch wird in der Kremlpropaganda nicht von einem Krieg geredet, sondern von einer „militärischen Spezialoperation“. Die Kremlpropaganda rechtfertigt den Überfall auf die Ukraine auch damit, dass im Donbass ein „Völkermord“ stattfinde.

Der Ausdruck „Raschismus“ verbreitete sich in seiner englischen Form „Rashism“ weltweit. Unter anderem US-amerikanische Medien gebrauchten diesen Begriff, um Russlands Aggression und Ideologie zu beschreiben. Die New York Times verwendete im am 22. April 2022 veröffentlichten Online-Beitrag „The War in Ukraine Has Unleashed a New Word“ den Ausdruck „Ruscism“.

In Deutschland verwendete die Tagesschau in einem am 7. April 2022 online veröffentlichten Beitrag namens „Die Methode ‚Raschismus'“ den Begriff „Raschismus“. Die „Neue Zürcher Zeitung“ verwendete den Ausdruck „Raschismus“ in einem am 19. April 2022 veröffentlichten Beitrags namens „Kriegstagebuch aus Charkiw (42): Der «Raschismus» hat die dunkelrote Farbe von geronnenem Blut“.

Who are the Silowiki? Meaning, definition, explanation


In Russia, „siloviki“ refers to politicians or people with political influence who were previously intelligence officers, in the military, or the like.

The word „siloviki“ literally means „man of force“ in english.

In Russia, the siloviki are close advisors to Russian President Vladimir Putin.

Who are the Silowiki? Meaning, definition, explanation

The military invasion of Ukraine has managed, among other things, to bring to light some of the internal divisions at the top of the Kremlin.

While President Vladimir Putin has become the face and symbol of this war and all that lies behind it, he is not acting alone, and some observers say that his inner circle is characterized by people who firmly believe in war. And although at first glance one might assume that this circle includes some of the richest people and energy oligarchs – people who have control over a whole range of economic levers in Russia, this is not the case.
Some commentators believe that Putin despises these oligarchs and that his relations with them are based solely on mutual interests. The wealthy are probably far removed from the president’s actual inner circle and have no way of influencing his decisions, especially when it comes to the war in Ukraine and Russia’s foreign policy.

Instead, Putin consults with a circle of individuals known as the „siloviki“ – military and intelligence officials who strongly support his actions in Ukraine and were themselves involved in drafting the plan for the Russian invasion.

These individuals are part of the Russian leader’s closest – and at the moment probably only – entourage.

Ideology of the Siloviki

The ideology of the siloviki is patriotism, which is the self-justification for their wealth, commented the Financial Times. The author recounts a conversation he had with a former Soviet official. „You know,“ he mused, „in Soviet times, most of us were really happy to have a Lada, a color TV, access to specialty stores selling Western goods, and vacations in Sochi. We felt very comfortable and only compared ourselves to the rest of the population, not to the Western elites.“

The siloviki, of course, are wedded to the idea of social order, but it is a prerequisite for staying in power and, in their view, is essential to prevent Russia from returning to the chaos of the 1990s, the Russian Revolution, and civil war. The siloviki believe that the war in Ukraine will unite Russian society and are aware that it will push Russia toward China. Ukraine’s place in this doctrine is summed up by Zbigniew Brzeziński’s phrase: „Without Ukraine, Russia ceases to be a Eurasian empire.“

Silowiki: People / Persons

Igor Ivanovich Sechin

Most of the siloviki were part of the intelligence services and are now supporters of rapprochement with China, Western media write. Their informal leader is considered to be Igor Sechin, who, according to The Guardian newspaper, has daily access to Vladimir Putin, and that makes him extremely powerful. Moreover, the head of state’s contacts have been limited in the past two years because of the pandemic and now because of the war in Ukraine. Sechin is president of oil giant Rosneft and is considered the second most influential man in Russia. His company provides 40% of the country’s military budget – 1.8 trillion rubles in 2020, adds The Guardian. How much the budget was increased by during the war is unclear, but Igor Sechin’s place among Russia’s elite is assured. The local press calls him Darth Vader. He served as deputy head of the presidential administration from 1999 to 2008 and then as deputy prime minister for four years. The friendship between Sechin and Putin dates back to the early 1990s, when they traveled to Brazil together, Reuters reports. Both are from St. Petersburg.

His past, however, is shrouded in mystery. It is known that he worked as a military interpreter in Angola and Mozambique. Sechin himself denies having played a leading role in the siloviki circle. Shortly after the announcement of sanctions against Russian oligarchs in the resort town of La Ciotat, France seized a yacht worth 120 million euros said to belong to him. Amore Vero had arrived there in January for repairs. Her former name was „Princess Olga,“ as Sechin’s second wife Olga Rozhkova is known. The yacht was renamed after the two separated in 2017. Sechin never acknowledged ownership of the vessel, but Novaya Gazeta newspaper showed photos on Instagram of his ex-wife on the 86-meter yacht, of all things, in which she traveled from port to port. According to the French government, Sechin is the owner of the offshore company that owns the Amore Vero.

Sergei Shoigu – Minister of Defense of the Russian Federation.

Shoigu has been General of the Russian Army and Minister of Defense since 2012; prior to that, he was Minister of Emergencies until 1991. Shoigu also heads Russia’s GRU military intelligence agency, which is blamed by the West for the poisonings of former Russian agent Sergei Skripal in Britain and opposition leader Alexei Nawalny. Sergei Shoigu was also in charge of the 2014 invasion of Crimea.

„Shoigu is responsible not only for the military and the army, but also in part for enforcing and maintaining the ideological part, especially in historical terms,“ Russian security expert Andrei Soldatov told the BBC.
It is also Shoigu who is (currently) seen as the most likely possible successor to Putin if he decides one day to step down from power.

Silowiki: Valery Vasilyevich Gerasimov

Gerasimov has been chief of the General Staff of the Russian Armed Forces since 2012, deputy defense minister, and a member of the Russian Federation Security Council.

As such, he has played a major role in Putin’s military campaigns – since the war in Chechnya and also in the annexation of Crimea. And now he has personally overseen the military exercises in Belarus that preceded the invasion of Ukraine.
Some say it is unclear how much trust Gerasimov still has in Putin, especially after the original plan to quickly take over Ukraine fell through. Others, however, say Putin had not lost him at that point.

Shoigu and Gerasimov were the two Putin asked to put Russia’s „containment forces“ on standby, which they both emphatically said yes to.

Gerasimov is also credited with a doctrine for achieving Russian strategic goals that includes military, technological, informational, diplomatic, economic, and cultural tactics.

Siloviki: Nikolai Platonovich Patrushev

He is the chairman of the Russian Security Council. He served in the KGB and then headed the successor organization, the FSB, from 1999 to 2008. Patrushev has been at Putin’s side since the 1970s, when the future president worked for the KGB in St. Petersburg. The other two with whom Putin has worked closely since that time are intelligence chief Alexander Bortnikov and intelligence chief Sergei Naryshkin.

„Patrushev is the biggest hawk who believes the West has been trying to subjugate Russia for years,“ Ben Noble, professor of Russian politics at University College London, told the BBC.

In 2015, he was a professor at the University of London. Patrushev told Kommersant that „the U.S. would prefer Russia not to exist as a state at all.“

Patrushev considers Ukraine a „clone of the West“ and the revolution there a product of deliberate U.S. efforts to distance the country from Russia. „An entire generation was taught there to hate Russia and believe in the myth of „European values,“ he told Rossiyskaya Gazeta in 2014.

In 2016, following the British Ministry of Justice’s investigation into the poisoning of KGB and FSB agent Alexander Litvinenko, Judge Robert Owen declared that the killing „was probably approved by Russian President Putin and the director of intelligence services, Nikolai Patrushev.“

Patrushev accompanies Putin on his favorite trips to Siberia to hunt and fish and, in some people’s opinion, has the most importance compared to the rest of Putin’s entourage.

Was ist die Heartland-Theorie? Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Heartland-Theorie wurde 1904 vom Briten Halford Mackinder (1861 – 1947) aufgestellt. Sie betrachtet Geopolitik und -Strategie unter Berücksichtigung eines russisch geprägten „Herzlandes“.

Ursprung der Heartland-Theorie

Mackinder war ein Geograf, er stellte die Theorie in einem Aufsatz für die Royal Geographical Society unter dem Titel „The geographical pivot of history“ vor. Später übernahm er sie in sein Werk „Democratic Ideals and Reality“. Mit der Theorie eines Herzlandes wollte er seine Landsleute warnen, die damals noch im Bewusstsein des Britischen Empires lebten. Es ging ihm darum, dass die Mächte im Herzland (bzw. das schon damals in dieser geografischen Region dominierende Russland) allein durch ihre Lage sehr bedeutsam sind.

Mackinder arbeitete sehr fundiert an seiner Heartland-Theorie und betrachtete auch ökonomische, technische und industrielle Ressourcen sowie die Rohstoffe und die Bevölkerung im Herzland. Es ging ihm eigentlich darum, Land- und Seemächte miteinander zu vergleichen. Großbritannien hatte seine globale Stellung schließlich als Seemacht ausgebaut, doch Mackinder gelangte zur Auffassung, dass die Landmacht im Herzland – mithin Russland – mächtiger werden könne. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges aktualisierte der Forscher seine Theorie, die bis heute als höchst bedeutsam gilt und seit den imperialistischen Bestrebungen Russlands der letzten Jahre brisanter denn je erscheint.

Geographie: Heartland-Theorie

Laut Mackinder gibt es eine Weltinsel und ein „Herzland“. Die Weltinsel besteht demnach rein geografisch aus den physisch miteinander verbundenen Kontinenten Europa, Afrika und Asien. Sie bilden in geografischer Hinsicht zusammen die größte Landmasse der Erde, gleichzeitig leben hier die meisten Menschen mit der größten Wirtschaftskraft. Halbmondförmig angeordnet machte Mackinder außerdem küstennahe und küstenferne Inseln aus. Zu Letzteren zählte er den gesamten amerikanischen Kontinent und Australien, während beispielsweise Großbritannien eine küstennahe Insel ist. Das Herzland (die Pivot Area) nimmt das Zentrum der Weltinsel ein. Es erstreckt zwischen den Flüssen Wolga und Jangtsekiang sowie vom arktischen Kontinent bis zum Himalaya. Dieses Gebiet wurde schon damals überwiegend vom Russischen Reich beherrscht, später von der Sowjetunion.

Was besagt die Heartland-Theorie?

Es ist eine orthodoxe geopolitische Theorie, die auf einem materialistisch geprägten Menschenbild fußt. Sie geht vom Wettbewerb der Menschen und Staaten aus, die ihre geografischen Einflussbereiche und damit ihre Ressourcen vergrößern wollen. Über Jahrhunderte war dies Seemächten gelungen wie den Briten in ihrem kolumbianische Zeitalter, das mit der Entdeckung von Amerika durch Christoph Kolumbus begonnen hatte, sich aber im frühen 20. Jahrhundert seinem Ende zuneigte. Es gab vor Mackinder andere Theoretiker wie Alfred Thayer Mahan, die glaubten, dass grundsätzlich Seemächte größere Chancen auf Dominanz haben. Dies stellte Mackinder absolut infrage. Er wies nach, dass historisch gesehen immer wieder zeitweise Seemächte und zeitweise Landmächte dominiert hatten.

Letztere konnten Seemächte auch dadurch bezwingen, dass sie ihre Stützpunkte von Land aus eroberten. Zwar konnte Großbritannien ab dem 16./17. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert mit seiner Flotte die Weltmeere und damit viele Überseegebiete effektiv kontrollieren, jedoch gewannen schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Landmächte durch neue technische Entwicklungen deutlich mehr Einfluss. Dazu zählten die Dampfmaschine, die Eisenbahn und schließlich der motorisierte Straßenverkehr. In diesem Zuge wurden Straßen- und Eisenbahnnetze deutlich ausgebaut, was die Macht kontinentaler Staaten stärkte. Russland lag allerdings um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert sowohl technisch als auch infrastrukturell hinter entwickelteren Staaten.

Mackinder sage allerdings voraus, dass dieses „Herzland“ – das europäische Russland und Westsibirien – deutlich mehr Einfluss gewinnen würde, wenn es erst über die nötigen Verkehrswege, die Technik und einen dementsprechend hohen industriellen und ökonomischen Standard verfügen würde. Russland könne dann zum mächtigen Kontinentalstaat, zum beherrschenden Staat des „Herzlandes“ und schließlich zum Herrscher über die „Weltinsel“ (also Europa, Afrika und Asien) aufsteigen. Der nächste Schritt wäre dann die Weltherrschaft. Mackinder glaubte, dass der Herrscher über Osteuropa auch der Herrscher des Herzlandes, dieser der Beherrscher der Weltinsel und letzten Endes der Herrscher über die ganze Welt sein müsse. Das läge auch daran, so Mackinder, dass einem Staat mit diesem zunehmenden Einfluss gewaltige Rohstoff- und Bevölkerungsressourcen zufallen würden.

Eine zentrale Aussage der Heartland-Theorie ist: Wer Osteuropa beherrscht, beherrscht die Welt.

Ableitungen von Mackinder im frühen 20. Jahrhundert

Nach 1918 glaubte Mackinder, dass der in Zentraleuropa größte Staat Deutschland sich auf die Beherrschung Osteuropas konzentrieren könne, um anschließend das Herzland, die Weltinsel und schließlich die gesamte Welt zu beherrschen. Deutschland war freilich zu jenem Zeitpunkt durch den Ersten Weltkrieg erheblich geschwächt, doch bekanntlich folgte Adolf Hitler später genau diesem Gedanken. Schon Mackinder war der Auffassung, dass dieser Krieg auch hätte anders ausgehen können und dass es möglicherweise einen neuen dementsprechenden Versuch Deutschlands geben würde. Damit behielt er recht. Möglicherweise kannte Hitler die Heartland-Theorie. Auf jeden Fall liefen all seine Anstrengungen darauf hinaus, ihrer Logik zu folgen.

Aktueller Blick auf die Heartland-Theorie (2022)

Im Frühjahr 2022 erscheint die Heartland-Theorie aktueller denn je. Nachdem Deutschland vor nunmehr rund 80 Jahren seine Chance auf die Beherrschung des Herzlandes und später der Welt verspielt hat und Russland inzwischen ein moderner Staat wurde, ist es an der Zeit, dass dieser Staat im geografischen Zentrum des Herzlandes endlich auch seine von der Heartland-Theorie gewollte Dominanz militärisch durchsetzt. Wiederum wissen wir nicht, ob Putin diese Theorie kennt und inwieweit er ihrer Logik vertraut. Jedoch verhält er sich ähnlich wie Hitler. Dies ließe für die nahe Zukunft nichts Gutes erwarten: Putin würde nach der Herrschaft in Osteuropa greifen. Siehe: Was ist die Suwalki-Lücke? Was will Putin mit dem Krieg in der Ukraine erreichen?

Rezeption und Weiterentwicklungen der Heartland-Theorie

Selbstverständlich wurde die Theorie schon immer kontrovers diskutiert. Orthodoxe Vertreter der Geopolitik glauben gern an sie, auch wenn sie Mackinders Schlussfolgerungen für etwas simpel halten. Daher habe er wohl auch die Rolle der USA unterschätzt, die in den 1910er bis 1920er Jahren durchaus schon abzusehen war. Dies merkte unter anderem der US-amerikanische Politologe C. Dale Walton an.

Es gibt von anderer Seite noch mehr Kritik. So soll nach der Auffassung einiger Forscher Mackinder schlichtweg unterschlagen haben, dass die Seemächte ihrerseits wieder auf ganz neuen Wegen (etwa durch technische Innovationen) ihre alte Macht zurückgewinnen könnten. Dies geschah in der Tat, indem nämlich die USA Nuklearwaffen sowie Langstreckenraketen und -bomber entwickelten, die wiederum das Herzland empfindlich treffen können. Es gab auch in den 1940er Jahren Wissenschaftler, die die Heartland-Theorie für sehr begründet hielten.

So formulierte der US-Geograf Nicholas J. Spykmans damals die These, dass die USA in den Krieg eintreten müssten, um eine Kontrolle der Weltinsel durch Mächte wie Deutschland zu verhindern, die mit dieser Herrschaft tatsächlich nach der ganzen Welt greifen könnten. Wenn es gegenwärtig Politiker gibt, welche an diese Theorie glauben, so müssten sie das Expansionsstreben Russlands mit aller Kraft einzudämmen versuchen.

Wer sind die Silowiki? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als „Silowiki“ werden in Russland Politiker oder Menschen mit politischem Einfluss bezeichnet, die zuvor Geheimdienst-Offiziere, beim Militär oder ähnlichem waren.

Das Wort „Silowiki“ bedeutet buchstäblich auf deutsch „Mann der Macht“.

In Russland sind die Silowiki enge Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Wer sind die Silowiki? Bedeutung, Definition, Erklärung

Die militärische Invasion in der Ukraine hat es unter anderem geschafft, einige der internen Spaltungen an der Spitze des Kremls ans Licht zu bringen.

Präsident Wladimir Putin ist zwar zum Gesicht und Symbol dieses Krieges und all dessen, was dahinter steckt, geworden, aber er handelt nicht allein, und einige Beobachter sagen, dass sein innerer Kreis von Menschen geprägt ist, die fest an den Krieg glauben. Und obwohl man auf den ersten Blick annimmt, dass zu diesem Kreis einige der reichsten Menschen und Energieoligarchen gehören – Personen, die die Kontrolle über eine ganze Reihe wirtschaftlicher Hebel in Russland haben, ist dies nicht der Fall.
Einige Kommentatoren sind der Meinung, Putin verachte diese Oligarchen, und seine Beziehungen zu ihnen beruhten ausschließlich auf gegenseitigen Interessen. Die Vermögenden sind wahrscheinlich weit vom eigentlichen inneren Kreis des Präsidenten entfernt und haben keine Möglichkeit, seine Entscheidungen zu beeinflussen, insbesondere wenn es um den Krieg in der Ukraine und die Außenpolitik Russlands geht.

Stattdessen berät sich Putin mit einem Kreis von Personen, die als „Silowiki“ bekannt sind – Militärs und Geheimdienstler, die sein Vorgehen in der Ukraine nachdrücklich unterstützen und selbst an der Ausarbeitung des Plans für die russische Invasion beteiligt waren.

Diese Personen gehören zum engsten – und im Moment wahrscheinlich einzigen – Gefolge des russischen Staatschefs.

Ideologie der Silowiki

Die Ideologie der Silowiki ist der Patriotismus, der die Selbstrechtfertigung für ihren Reichtum darstellt, kommentierte die Financial Times. Der Autor berichtet von einem Gespräch, das er mit einem ehemaligen sowjetischen Beamten führte. „Wissen Sie“, sinnierte er, „zu Sowjetzeiten waren die meisten von uns wirklich froh, einen Lada zu haben, einen Farbfernseher, Zugang zu Fachgeschäften mit westlichen Waren und Urlaub in Sotschi. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und uns nur mit dem Rest der Bevölkerung verglichen, nicht mit den westlichen Eliten.“

Die Silowiki sind natürlich der Idee der sozialen Ordnung verhaftet, die jedoch eine Voraussetzung für den Machterhalt ist und ihrer Meinung nach unerlässlich ist, um eine Rückkehr Russlands in das Chaos der 1990er Jahre, die russische Revolution und den Bürgerkrieg zu verhindern. Die Silowiki glauben, dass der Krieg in der Ukraine die russische Gesellschaft vereinen wird, und sind sich bewusst, dass er Russland in Richtung China drängt. Der Platz der Ukraine in dieser Doktrin wird durch Zbigniew Brzezińskis Satz auf den Punkt gebracht: „Ohne die Ukraine hört Russland auf, ein eurasisches Imperium zu sein“.

Silowiki: Personen

Igor Iwanowitsch Setschin

Die meisten Silowiki waren Teil der Geheimdienste und sind heute Befürworter der Annäherung an China, schreiben westliche Medien. Als ihr informeller Anführer gilt Igor Setschin, der nach Angaben der Zeitung The Guardian täglich Zugang zu Wladimir Putin hat, und das ihn extrem mächtig macht. Außerdem waren die Kontakte des Staatschefs in den letzten zwei Jahren wegen der Pandemie und jetzt wegen des Krieges in der Ukraine eingeschränkt. Setschin ist Präsident des Ölgiganten Rosneft und gilt als der zweiteinflussreichste Mann in Russland. Sein Unternehmen stellt 40 % des Militärhaushalts des Landes bereit – 1,8 Billionen Rubel im Jahr 2020, fügt The Guardian hinzu. Um wie viel das Budget während des Krieges aufgestockt wurde, ist unklar, aber Igor Setschins Platz in der russischen Elite ist gesichert. Die lokale Presse nennt ihn Darth Vader. Von 1999 bis 2008 war er stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung und anschließend vier Jahre lang stellvertretender Premierminister. Die Freundschaft zwischen Setschin und Putin reicht bis in die frühen 1990er Jahre zurück, als sie gemeinsam nach Brasilien reisten, berichtet Reuters. Beide sind aus St. Petersburg.

Seine Vergangenheit ist jedoch von Geheimnissen umhüllt. Es ist bekannt, dass er als Militärdolmetscher in Angola und Mosambik tätig war. Setschin selbst bestreitet, eine führende Rolle im Silowiki-Kreis gespielt zu haben. Kurz nach der Ankündigung von Sanktionen gegen russische Oligarchen im Ferienort La Ciotat beschlagnahmte Frankreich eine Yacht im Wert von 120 Millionen Euro, die ihm gehören soll. Amore Vero war dort im Januar zur Reparatur eingetroffen. Ihr früherer Name war „Prinzessin Olga“, wie Setschins zweite Frau Olga Rozhkova genannt wird. Die Yacht wurde nach der Trennung der beiden im Jahr 2017 umbenannt. Setschin hat den Besitz des Schiffes nie anerkannt, aber die Zeitung „Nowaja Gaseta“ zeigte auf Instagram Fotos seiner Ex-Frau ausgerechnet auf der 86-Meter-Yacht, mit der sie von Hafen zu Hafen reiste. Nach Angaben der französischen Regierung ist Setschin der Eigentümer der Offshore-Gesellschaft, der die Amore Vero gehört.

Sergej Schoigu – Verteidigungsminister der Russischen Föderation

Schoigu ist seit 2012 General der russischen Armee und Verteidigungsminister, davor war er bis 1991 Minister für Notfälle. Schoigu leitet auch den russischen Militärgeheimdienst GRU, der vom Westen für die Vergiftungen des ehemaligen russischen Agenten Sergej Skripal in Großbritannien und des Oppositionsführers Alexej Nawalny verantwortlich gemacht wird. Sergej Schoigu war auch mit der Invasion der Krim 2014 betraut.

„Schoigu ist nicht nur für das Militär und die Armee verantwortlich, sondern zum Teil auch für die Durchsetzung und Aufrechterhaltung des ideologischen Teils, vor allem in historischer Hinsicht“, erklärte der russische Sicherheitsexperte Andrej Soldatow gegenüber der BBC.
Es ist auch Schoigu, der (derzeit) als der wahrscheinlichste mögliche Nachfolger Putins angesehen wird, wenn dieser eines Tages beschließt, von der Macht abzutreten.

Silowiki: Waleri Wassiljewitsch Gerassimow

Gerassimow ist Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte seit 2012, stellvertretender Verteidigungsminister und Mitglied des Sicherheitsrats der Russischen Föderation.

Als solcher hat er bei Putins militärischen Kampagnen eine große Rolle gespielt – seit dem Krieg in Tschetschenien und auch bei der Annexion der Krim. Und nun hat er persönlich die Militärübungen in Weißrussland überwacht, die dem Einmarsch in die Ukraine vorausgingen.
Manche sagen, es sei unklar, wie viel Vertrauen Gerassimow noch in Putin hat, insbesondere nachdem der ursprüngliche Plan, die Ukraine schnell zu übernehmen, gescheitert ist. Andere hingegen meinen, Putin hätte ihn zu diesem Zeitpunkt nicht verloren.

Schoigu und Gerassimow waren die beiden, die Putin gebeten hatte, Russlands „Eindämmungskräfte“ in Bereitschaft zu versetzen, was beide mit Nachdruck bejahten.

Gerassimow wird auch eine Doktrin zur Erreichung russischer strategischer Ziele zugeschrieben, die militärische, technologische, informationelle, diplomatische, wirtschaftliche und kulturelle Taktiken umfasst.

Silowiki: Nikolai Platonowitsch Patruschew

Er ist der Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates. Er diente beim KGB und leitete dann von 1999 bis 2008 die Nachfolgeorganisation FSB. Patruschew ist seit den 1970er Jahren an Putins Seite, als der zukünftige Präsident für den KGB in St. Petersburg arbeitete. Die anderen beiden, mit denen Putin seit dieser Zeit eng zusammenarbeitet, sind Geheimdienstchef Alexander Bortnikow und Geheimdienstchef Sergej Naryschkin.

„Patruschew ist der größte Falke, der glaubt, dass der Westen Russland seit Jahren unterjochen will“, erklärte Ben Noble, Professor für russische Politik am University College London, gegenüber der BBC.

Im Jahr 2015 war er Professor an der University of London. Patruschew sagte dem „Kommersant“, dass „die USA es vorziehen würden, wenn Russland als Staat gar nicht existieren würde“.

Patruschew hält die Ukraine für einen „Klon des Westens“ und die dortige Revolution für ein Produkt der bewussten Bemühungen der USA, das Land von Russland zu entfernen. „Eine ganze Generation wurde dort gelehrt, Russland zu hassen und an den Mythos der „europäischen Werte“ zu glauben“, sagte er 2014 der Rossijskaja Gaseta.

Im Jahr 2016, nach der Untersuchung des britischen Justizministeriums zum Giftmord an dem KGB- und FSB-Agenten Alexander Litwinenko, erklärte Richter Robert Owen, dass die Tötung „wahrscheinlich vom russischen Präsidenten Putin und dem Direktor der Geheimdienste, Nikolai Patruschew, gebilligt wurde“.

Patruschew begleitet Putin auf seinen bevorzugten Reisen nach Sibirien zum Jagen und Fischen und hat nach Meinung mancher Leute die größte Bedeutung im Vergleich zum Rest von Putins Entourage.

Was ist Entglobalisierung? Bedeutung, Definition, Erklärung


Das Wort Entglobalisierung wird spätestens seit der Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident wieder häufiger im gesellschaftlichen Diskurs entwickelt. Es handelt sich dabei um eine gegenteilige Entwicklung zu dem, was die Welt seit dem Ende des Kalten Krieges im Bereich der Globalisierung erlebt hat. Statt eine immer stärkere Vernetzung der Welt in Sachen Handel, Diplomatie und Gesellschaft anzustreben, sind Strömungen bemerkbar, die wieder verstärkt auf Isolationismus und eine Rückbesinnung auf inländische Produktion pochen. Nicht zuletzt die Aggressionen Russlands gegen die Ukraine haben die Debatte um diesen Begriff wieder aufflammen lassen, weil vielen Beteiligten klar wurde, die hoch inzwischen die Abhängigkeit von anderen Ländern ist.

Was ist Entglobalisierung? Gründe, Bedeutung, Definition, Erklärung

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich die verschiedenen Pole der wirtschaftlichen und diplomatischen Macht angenähert. Während zwischen 1945 und 1990 zwar eine stärkere Vernetzung zwischen den westlichen Staaten und innerhalb der Kontinente bemerkbar war – die Entwicklung der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hin zur europäischen Union ist hier das beste Beispiel – gab es nur vereinzelte wirtschaftliche Verknüpfungen zwischen dem Westen und beispielsweise Asien. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs wurde die wirtschaftliche Kontaktaufnahme zwischen diesem Teil der Welt und dem Westen beschleunigt. Das Bild des ersten McDonalds, der im ehemals sowjetischen Moskau öffnete, war eines der Sinnbilder für diese Entwicklung.

Auch die Öffnung Chinas hin zum Rest der Welt hatte natürlich einen erheblichen Einfluss auf die Globalisierung. Nicht nur Staaten begannen den Handel untereinander zu fördern, besonders Unternehmen entdeckten neue Absatzmärkte und vergünstigte Produktionsbedingungen. Effektiv hat sich die Welt seit 1990 so stark miteinander vernetzt, dass gegenseitige Abhängigkeiten entstanden sind. Deutschland hat als eine Nation der Exporte besonders davon profitiert, da Dienstleistungen und Waren „Made in Germany“ überall auf der Welt gefragt waren und nun auch einfach überall auf der Welt gehandelt werden konnten.

Spätestens seit dem Ukraine-Krieg 2014 gibt es aber verstärkte Zweifel an dieser Entwicklung. Manche Länder haben das Gefühl, dass sie sich zu abhängig von Rohstoff-Exporteuren gemacht haben und andere Nationen haben das Gefühl, dass sie zu Verlierern der Globalisierung werden, da die Unternehmen zwar günstiger produzieren, dies durch Arbeitslosigkeit aber zu sozialem Unfrieden in ihren Ländern führt. Besonders Populisten nutzen die Meinung der Bevölkerung, um wieder auf stärkeren Isolationismus zu setzen und sich auf die eigenen Grenzen zu besinnen. Donald Trumps berühmter Slogan „Make America Great Again“ war dafür ein passendes Symbol.

Mögliche Maßnahmen zur Deglobalisierung

Staaten haben ganz unterschiedliche Gründe für ihr Vorgehen in der Deglobalisierung. Während es für Populisten interessant ist, einen Heimatgeist zu beschwören und sich dem Protektionismus zu widmen, ist es für andere Staaten schon aus sicherheitspolitischen Interessen wichtig, sich wieder verstärkt auf heimische Produktion zu besinnen. Ein Beispiel ist die starke Abhängigkeit der Länder in der europäischen Union gegenüber Gas-Importen aus Russland. Das führte dazu, dass man während des russischen Krieges in der Ukraine nicht mit der Härte auf Russland einwirken konnte, wie man es vermutlich gewollt hätte. Der Grund lag darin, dass Russland mit einem Embargo der einzigen echten Quelle für Erdgas starke wirtschaftliche Schäden in der Europäischen Union hätte auslosen können.

Wissenschaftler verstehen auch die stärkere Aufteilung der Welt in Handelszonen als ein Ansatz zur Gegenentwicklung bei der Globalisierung. Die EU agiert bereits als ein starker Block, der sich vor allem innerhalb der eigenen Mitglieder die besten Konditionen für den Handel gibt, während Außenseiter deutliche Nachteile haben. Ähnlich verhält es sich mit MERCOSUR für Südamerika und NAFTA für die nord- und mittelamerikanischen Länder. Hier wird eindeutig gegen den Welthandel gearbeitet, um beispielsweise Global Player wie China ein Stück weit die Handelsmacht zu nehmen, die sie derzeit in der globalisierten Welt haben.

Vorteile und Nachteile einer Entglobalisierung

Bisher ist der Rückgang der Globalisierung vor allem eine Theorie. Zwar konnte man beispielsweise in dem Ansatz der Handelskriege zwischen China und den USA sowie der Pandemie bereits sehen, dass die Welt in der Tat zu stark miteinander vernetzt ist, um sich völlig vom Weltmarkt zu lösen – vor allem scheint aber bisher nur bei wenigen Politikern und Unternehmen der tatsächliche Wille vorhanden zu sein, um auf die wirtschaftlichen Vorteile der Globalisierung zu verzichten. Trotzdem hat besonders die Corona-Pandemie recht deutlich aufgezeigt, was die natürliche Entwicklung einer Deglobalisierung der Welt sein könnte.

Eine kurzfristige Folge wäre beispielsweise der Einbruch von Lieferketten. Das wurde bereits während der Pandemie bemerkt, als bestimmte globale Lieferungen einfach ausgeblieben sind, was eine direkte Auswirkung auf nationale Produktion haben konnte. Auch ist für den Anfang mit einer Verteuerung und Verknappung bestimmter Produkte und Rohstoffe zu achten. Die Mobilität und der globale Handel würden deutlich eingeschränkt und die Einführung von Zöllen im breiteren Maße wäre eine logische Folge. All das sind bereits jetzt klare Folgen – allerdings bleibt offen, inwiefern sich die Weltwirtschaft langfristig verändern würde. Die Entwicklungen der letzten 30 Jahre lassen sich nicht einfach wieder aufheben, der weltweite Handel ist für den Moment gekommen um zu bleiben. Theoretisch ist eine Rückbesinnung auf nationale Wirtschaften und eine Reduzierung der globalen Abhängigkeit in Verbindung mit dem diplomatischen Protektionismus, der in vielen Teilen der Welt bereits zu bemerken ist, allerdings eine Entwicklung, die von Wirtschaftsforschern genau beobachtet wird.

Was ist ein Energieembargo? Bedeutung, Definition, Erklärung


Ein Energieembargo ist das Unterbrechen von Energielieferungen. Im Wortsinn ist jedes Embargo ein staatlich angeordnetes Verbot von Handelsbeziehungen mit einem anderen Staat. Aus diesem Wortsinn erschließt sich, dass ein Energieembargo sowohl vom Bezieher als auch vom Lieferanten der Energie verhangen werden kann. Das ist der Knackpunkt des seit März 2022 diskutierten Energieembargos gegen Russland, das westliche Staaten wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine diskutieren: Westliche Staaten können per Embargo auf russische Energielieferungen verzichten und haben mit Stand Ende März 2022 damit auch teilweise schon begonnen, doch Russland kann auch seinen Energiefirmen verbieten, in westliche Staaten zu liefern.

Warum wird ein Embargo verhängt? Erklärung

Der Hintergrund ist überwiegend bis ausschließlich politischer Natur. Ein Embargo gilt als effektive Zwangsmaßnahme gegen Staaten, die Völkerrechtsverletzungen begehen. Auch sonst kann es die betroffenen Länder zu bestimmten Handlungen zwingen bzw. sie davon abzuhalten.

Unterschied zwischen Embargo und Boykott

Ein Boykott ist eine privatwirtschaftliche Maßnahme. Auch Verbraucher sind zu einem Boykott fähig, indem sie bestimmte Waren nicht mehr kaufen. Damit hat der Boykott eine passive Natur. Ein Embargo hingegen wird staatlich angeordnet und aktiv organisiert. Es gibt mehrere Formen von Embargos:

  • Totalembargo: Der Handel mit dem betreffenden Staat wird komplett unterbunden.
  • Partialembargo: Der Handel wird teilweise unterbunden, wobei sich der Teil auf ein Volumen bezieht. Dies kann durch erhöhte Zölle durchgesetzt werden, die das Handelsvolumen meistens automatisch reduzieren.
  • Selektivembargo: Der Handel wird nur für bestimmte Sektoren unterbunden, so für die Energielieferungen, um ein rohstoffreiches Land von seiner wichtigsten Einnahmequelle abzuschneiden. Dies wird seit März 2022 gegenüber Russland diskutiert.
  • Kollektivembargo: Viele Staaten schließen sich dem Embargo unter meistens einheitlichen Bedingungen an.

Welche Konsequenzen hätte ein Energieembargo (Allgemein)? Bedeutung, Definition

Es gibt auf der Welt Staaten mit vielen Rohstoffvorkommen und welche mit sehr wenigen. Über die gesamte Handelsgeschichte der Menschheit erwuchs hieraus eine in der Regel fruchtbare Beziehung: Die Staaten mit den Rohstoffen liefern sie an diejenigen, die sie benötigen, beide Seiten profitieren davon. Ein Energieembargo beschädigt immer beide Handelspartner. Den Staaten mit den Rohstoffen brechen die Einnahmen weg, in den Staaten ohne Rohstoffe ist die Wirtschaft praktisch nicht mehr lebensfähig. Daher wird ein Energieembargo stets auf beiden Seiten zu großen Verlusten bis zum möglichen wirtschaftlichen Zusammenbruch führen. Dass dieser Worst Case selten eintritt, liegt daran, dass sich beide Seiten neue Handelspartner suchen. Doch diese neuen Handelsbeziehungen lassen sich nicht schnell aufbauen. In der Übergangsphase leiden alle beteiligten Volkswirtschaften schwer unter dem Embargo.

Wie würde ein Energieembargo gegen Russland aussehen?

Russland liefert drei sehr wichtige Rohstoffe:

  • Erdgas
  • Erdöl
  • Steinkohle

Ein Energieembargo gegen Russland kann ein selektives und partielles Embargo sein. Dies bedeutet: Es werden nicht alle drei, sondern nur ein oder zwei dieser drei Energieträger nicht mehr oder in geringerem Umfang bezogen bzw. geliefert. Das geschieht mit Stand Ende März bereits. Die USA haben gegen Öllieferungen aus Russland bereits ein Embargo verhängt. Viele europäische Staaten – darunter Deutschland – beziehen bereits signifikant weniger Öl und Kohle, aber noch nicht weniger Gas aus Russland. Bei einem Totalembargo müssten sämtliche Energielieferungen aus Russland gestoppt werden.

Folgen des Energieembargos gegen oder durch Russland

Nochmals soll darauf verwiesen werden, dass das Energieembargo gegen oder durch Russland erfolgen kann. Für die Folgen ist das unerheblich. Russland verliert zunächst (bis zur Akquise neuer Abnehmer der eigenen Rohstoffe) geschätzte 25 % seines BIP. Diese Zahl kann leider nicht präzisiert werden, weil die russische Statistikbehörde Rosstat nur 7,7 % des BIP (bis 2020) dem Energiesektor zurechnet (konkret der Rohstoffförderung), internationale Experten aber vermuten, dass in Wahrheit ein großer Teil des mit ~60 % Wertschöpfung bezifferten Dienstleistungssektors eigentlich der Distribution und dem Handel von Energie zuzurechnen ist. Warum Rosstat so rechnet, ist nicht ganz transparent. Zu vermuten wäre, dass wegen der landesinternen Verrechnung der Leistungen in Rubel die Statistik in dieser Darstellung besser aussieht. Grob geschätzt könnte die russische Wirtschaft allein durch ein Energieembargo wenigstens kurzfristig um 25 % einbrechen. Die Folgen für die Abnehmer der russischen Energierohstoffe sind ebenfalls prekär, wenngleich wahrscheinlich nicht ganz so schwerwiegend. Auch hierfür gibt es unterschiedliche Berechnungen. In Deutschland dürfte das BIP um 0,5 – 3,0 % einbrechen. Bei dieser Rechnung gehen Ökonomen von zwei wesentlichen Entwicklungen infolge eines Embargos aus:

  • #1 Deutschland sucht sich sehr schnell neue Energielieferanten. Zu diesem Zweck führte der Wirtschaftsminister Habeck (Bündnis 90/Grüne) schon in Gespräche unter anderem in Katar.
  • #2 Industrielle und private Verbraucher passen sich mit ihrem Verbrauchsverhalten an die höheren Preise und temporäre Energieknappheiten an. Sie gehen deutlich sparsamer mit Energie um und suchen nach Alternativen für die betreffenden Energieträger (Wärmepumpe und Solar anstelle von Öl-, Gas- oder Kohleheizung).

Es gibt indes auch Fachleute, die deutlich schwerwiegendere Konsequenzen befürchten, denn immerhin wird in Deutschland jede zweite Wohnung mit Erdgas beheizt. In der Industrie ist das Gas nicht nur ein Energieträger, sondern auch ein Rohstoff für chemische Produkte. Inzwischen wurden erste Maßnahmen getroffen, um relativ kurzfristig (im Verlauf des Jahres 2022) die Energielieferungen aus Russland zu reduzieren:

  • Der Anteil der russischen Gaslieferungen am gesamten Gasmarkt in Deutschland wird von 55 auf 40 % sinken.
  • Bei den Rohöleinfuhren sinkt der Anteil von 35 auf 25 %.
  • Bei Kohle sinkt er von 50 auf 25 %.

Welche Folgen das in naher Zukunft hat und welche Folgen ein noch weitergehendes Embargo hätte, wird unter Experten heftig diskutiert. Prof. Moritz Schularick von der Universität Bonn ist ein Verfechter der Substitutionstheorie, nach der industrielle, gewerbliche und private Verbraucher andere Energiequellen nutzen und ihren Verbrauch reduzieren. Daher erwartet der Ökonom zwar eine substanzielle Krise, aber keinen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Prof. Christian Bayer (Universität Bonn) verweist darauf, dass die Anpassungsmöglichkeiten der Wirtschaft sehr groß sind und sich nicht allein auf den Ersatz oder die Einsparung von Energieträgern beziehen, sondern beispielsweise auch auf ein verändertes Berufs- und Privatleben (mehr Homeoffice, dadurch weniger Kraftstoffverbrauch durch den Weg ins Büro, weniger private Autofahrten) und auf die Entwicklung neuer Produkte, die nicht auf die genannten Primärrohstoffe angewiesen sind. Die beiden Institute DIW und IW wiederum warnen vor sehr massiven Folgen eines Energieembargos gegen Russland. Der IW-Direktor Michael Hüther vermutet Massenarbeitslosigkeit und auf längere Sicht den Verlust der deutschen Grundstoffindustrie. Der DIW-Präsident Marcel Fratzscher ist der Auffassung, dass Deutschland ein Energieembargo maximal einige Monate durchhält. Er warnt vor Rezession, hoher Inflation und damit sinkenden Realeinkommen. Hierfür sei die deutsche Gesellschaft nicht bereit, so Fratzscher. Ihr seien offenbar nicht einmal ein Tempolimit oder autofreie Wochenenden zuzumuten. Die Leopoldina wiederum glaubt, dass auch untere und mittlere Einkommen das Totalembargo verkraften könnten. Sie müssten durch den Bund gegen zu hohe Preissteigerungen abgesichert werden („Energiegeld“ etc.), was sich dieser aber leisten könne.

Fazit: Soll das Energieembargo gegen Russland kommen?

Auch die Ökonomen halten dies für eine vorrangig moralische Entscheidung. Es gelte einzuschätzen, wie viel Wohlstandsverlust die Deutschen für ein Kriegsende hinnehmen würden. Dann gibt es noch eine Fraktion von Warnern, die das Energieembargo gegen Russland generell für kein geeignetes Mittel halten, um Putin zum Einlenken zu bewegen. Zu diesen gehört der frühere Oligarch, spätere Kremlkritiker und nachfolgende russische Häftling (2003 – 2013) Michail Chodorkowski, der die russischen Verhältnisse wirklich aus erster Hand kennt. Er vermutete am 30. März 2022, dass Putin ohnehin früher oder später die NATO angreift – ob mit oder ohne Energieembargo. Letzterer treibt dieses Embargo nunmehr von russischer Seite aus voran: Am Donnerstag, dem 31. März 2022, unterzeichnete er ein Dekret, dass künftige Zahlungen für Energielieferungen aus sogenannten unfreundlichen Staaten in Rubel anordnet. Da die Staaten der westlichen Allianz dies ablehnen, könnten die Energielieferungen schon in kürzester Zeit eingestellt werden. Allerdings gibt es hierfür einige bemerkenswerte Hintertüren, so eine Zahlung in Euro oder Dollar und die russlandinterne Umwandlung dieser Devisen in Rubel.

Was bedeutet „Ukrops“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Das Wort „Ukrop“ hat drei Bedeutungen:

In Russland ist der Ausdruck „Ukrop“ bzw. „Ukrops“ eine abwertende Slang-Bezeichnung für Ukrainer. Doch mittlerweile verwenden einige Ukrainer den Ausdruck „Ukrop“ als Selbstbezeichnung. (Das russische Wort „Ukrop“ bedeutet auf deutsch „Dill“. Wirklich.)

„UKROP“ ist die Abkürzung für die ukrainische politische Partei „Ukrainische Union der Patrioten“.

„Ukrop’s Food Group“ ist ein US-amerikanisches Unternehmen.

Was bedeutet „Ukrops“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Hinweis: Die genaue und eindeutige Verwendung des Ausdrucks „Ukrops“ ist unklar.

Das Wort „Ukrop“ wird in kyrillisch als „Укроп“ geschrieben. „Ukrop“ bzw. „Укроп“ bedeuten auf deutsch „Dill“.

Russen bezeichnen Ukrainer in abwertender Absicht  als „Dill“, da das kyrillische Wort für „Dill“ und für „Ukrainer“ syntaktische Ähnlichkeiten haben. Das kyrillische Wort für Ukrainer ist „Украинцы“. Das kyrillische Wort für Dill ist „Укроп“. Die ersten drei Buchstaben sind gleich.

Die genaue Verwendung vom Ausdruck „Ukrop“ ist unklar. Es unklar, ob als „Ukrop“ alle Ukrainer im Allgemeinen bezeichnet werden oder ob nur rechte, nationalistische und faschischtische Ukrainer als „Ukrop“ bezeichnet werden oder ob Ukrainer, die gegen Putin und Russland sin als „Ukrop“ bezeichnet werden. Weiterhin gibt es Quellen, die behaupten, dass Euromaidan-Unterstützer als „Ukrop“ bezeichnet werden. Für Ukrainer, die als „Ukrop“ bezeichnet werden, soll gelten, dass diese gegen Russland und Putin sind, sowie eine ausgeprägte Russophobie haben. Auch gibt es Quellen die angeben, dass Russen alle Ukrainer im Donbas-Krieg (2014), die auf ukrainischer Seite (gegen Russland) gekämpft haben als „Ukrop“ bezeichnen.

Die Bezeichnung „Ukrop“ für Ukrainer wurde im Jahr 2014 bekannter als ukrainische Soldaten im Donbas-Krieg (2014) den Ausdruck als scherzhafte Selbstbezeichnung verwendeten. Es wurden sogar militärische Wappen und Aufnäher mit Dill im Logo erstellt und verbreitet.

Gleiches passierte auch beim Begriff „Yankee„. „Yankee“ war ursprünglich ein Spottbegriff wurde aber im Lauf des Amerikanischen Bürgerkriegs ein Identifikationsbegriff für die Unions-Truppen. Ein weiterer Begriff ähnlicher Kategorie ist: Kartoffel.

Über die Ukrainische Union der Patrioten (UKROP)

Die „Ukrainische Union der Patrioten“ wurden am 15. Juni 2015 gegründet. In ihrem Logo befindet sich eine Dillpflanze und der Name von Dill in kyrillisch „Укроп“.

Was ist der „Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland“? Inhalt, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der „Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland“ beschäftigt sich mit dem Szenario, in dem die Versorgung mit Erdgas im Land nicht mehr uneingeschränkt möglich ist.

In verschiedenen Warnstufen wird in dem Plan von Warnstufen vor dem Eintreten einer solchen Situation bis hin zum tatsächlichen Ausfall der Gas-Importe eine Eskalation durchgespielt. Der Plan gibt dem Bund, den Behörden und den Ländern verschiedene Schritte vor, die in diesem Zusammenhang durchgeführt werden müssen. Besonders im Zusammenhang mit dem völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine und die damit verbundenen Diskussionen über eine mögliche Einstellung der Gas-Lieferungen ist der Notfallplan Gas einer breiten Schicht von Menschen bekannt geworden.

Warum gibt es einen Notfallplan für die Gasversorgung in Deutschland?

Die Notwendigkeit eines Notfallplans für das Gas entsteht dadurch, dass Deutschland seinen Bedarf an Erdgas oder anderen Form von Energie durch Gas nicht aus eigener Kraft stillen kann. Der größte Teil der Gasimporte kommt in Deutschland immer noch aus Russland, mögliche andere Importe könnten zwar aus den USA oder anderen Staaten kommen, sind aber mit einem größeren Aufwand verbunden. Sollte nun aus einem Grund der Import von russischem Gas nicht mehr möglich sein oder kommt es zu einer Einstellung der Lieferungen durch die russische Seite, wäre Deutschland auf seine gespeicherten Reserven angewiesen. Diese sind aber nicht immer in der Menge vorhanden, wie es der Staat eigentlich beabsichtigt.

Grundsätzlich wurde der Notfallplan Gas durch das Einwirken der Europäischen Union erstellt. Diese hatte 2017 verfügt, dass die Mitgliedsländer für die Absicherung der Versorgung der eigenen Bewohner und der Wirtschaft einen entsprechenden Notfallplan erstellen muss. In Deutschland wurde dieser im September 2019 das erste Mal veröffentlicht und gilt seitdem als ein Handbuch dafür, wie im Fall des Falles das Gas in Deutschland verteilt werden würde.

Der Notfallplan Gas wird durch das Wirtschaftsministerium gepflegt und im Fall des Falles auch umgesetzt. Das Ministerium ist dafür verantwortlich, die entsprechenden Warnstufen auszurufen und die unterschiedlichen Maßnahmen umzusetzen, die für die Stufen genannt worden sind. Darüber hinaus ist es auch die Aufgabe des Wirtschaftsministeriums, die staatlichen Gas-Reserven zu überwachen und gegebenenfalls freizugeben, wenn es soweit kommt. Zu dem System gehören dabei Frühwarnstufen aber auch verschiedene andere Ansätze und Möglichkeiten, wie im Ernstfall vorgegangen werden kann.

Die drei Stufen im Notfallplan Gas in Deutschland: Erklärung

Im Notfallplan wird zwischen verschiedenen Formen der Störung unterschieden, die die Versorgung mit Gas in Deutschland beeinflussen könnten. Zum einen könnte es zu Ausfällen bei den Lieferungen kommen – etwa durch einen einseitigen Import- oder Exportstopp der entsprechenden Nationen – oder zu einer überhöhten Nachfrage, die beispielsweise in einem kalten Winter der Fall sein könnte. Die folgenden Warnstufen werden dabei genutzt, um sich für den Notfall vorzubereiten:

Notfallplan Gas: 1. Frühwarnstufe

1. Die Frühwarnstufe: Bereits bevor es zu einer tatsächlichen Eskalation kommt, soll in dieser Warnstufe ein Krisenstab zusammen treten. Dieser besteht aus Experten, aus Mitarbeitern der Ministerien und aus Vertretern der entsprechenden Energieversorger in Deutschland. In dieser Stufe fungiert der Staat vor allem als Beobachter und lässt sich in regelmäßigen Abständen von den entsprechenden Unternehmen und Experten in der Privatwirtschaft über den Stand der Lage und vor allem den Verbrauch und den Stand der Speicher informieren.

Notfallplan Gas: 2. Alarmstufe

2. Die Alarmstufe: Im Fall der tatsächlichen Warnstufe mischt sich der Staat immer noch nicht aktiv ein, aber verpflichtet die Anbieter für Energie zu verschiedenen Schritten. Dazu gehört beispielsweise die selbstständige Zuführung von Erdgas aus den Speichern in das System, die Balance innerhalb der Pipelines und den Ankauf von Gas aus alternativen Quellen. Das könnte in der Realität beispielsweise der Ankauf von Flüssiggas aus den USA sein – obwohl in Deutschland dafür ausreichende Lagerkapazitäten bisher fehlen.

Notfallplan Gas: 3. Notfall

3. Der Notfall: Die letzte Stufe wird auch deswegen deutlich drastischer, weil für den Staat ersichtlich wird, dass die private Wirtschaft den Aufgaben nicht mehr nachkommen kann. Es wird also ein staatlicher Eingriff nötig. Nun ist es die Bundesnetzagentur, die die hoheitliche Verteilung der verbliebenen Gasreserven übernimmt. Sie alleine entscheidet also, wer weiterhin mit Gas versorgt wird und wer nicht. Diese Stufe wird nur ausgerufen, wenn ein akuter Mangel vorhanden ist oder die Nachfrage nicht mehr durch die privaten Akteure in der Wirtschaft geregelt werden kann.

Es ist also am Ende am Staat zu entscheiden, wie die tatsächliche Lage ist und in welche Richtung es sich bewegt. Bisher wurde keine der Warnstufen ausgerufen, besonders im Zuge des Krieges von Russland in der Ukraine gibt es aber Stimmen, die entsprechenden Warnstufen zu starten. Das liegt auch an der deutschen Abhängigkeit von Importen aus Russland, wenn es um das Erdgas geht.

Wer wird im Ernstfall weiterhin mit Gas versorgt?

Der Notfallplan Gas sieht auch eine Priorisierung von bestimmten Empfängern von Gas vor. Das gilt für „besonders geschützte Empfänger“. Im Klartext bedeutet dies, dass die Bundesnetzagentur diese Empfänger vorrangig versorgen würde, wenn anzunehmen ist, dass das Gas nur noch in rationierter Form verteilt werden kann. Zu den schützenswerten Empfängern zählen beispielsweise staatliche Stellen, für die öffentliche Sicherheit und die volle Funktionsweise des Staatsapparats notwendig sind. Auch Krankenhäuser und andere Betriebe aus der kritischen Infrastruktur stehen weit oben auf der Liste und würden nach Möglichkeit weiterhin mit Gas versorgt werden.

Auch deutsche Privathaushalte stehen auf dieser Liste. Sie würden noch weit vor der Industrie und dem produzierenden Gewerbe weiterhin mit Gas versorgt werden. Sowohl die Industrie als auch Unternehmen wären, trotz der Tatsache, dass sie rund ein Drittel des Gasvorrats in Deutschland verbrauchen, als erstes von einem entsprechenden Notfallplan betroffen sein. Auch deswegen gibt es Stimmen, die darauf beharren, dass die mögliche erste Frühwarnstufe zur Stärkung der Kommunikation vorausschauend ausgerufen wird.

Was bedeutet „WarTok“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„WarTok“ ist ein Kofferwort aus dem englischen Wort für Krieg „War“ und dem Namen der Social-Media-Kurzvideo-App „TikTok“.

Der Ausdruck „WarTok“ beschreibt den Umstand das persönliche, professionell-journalistische und staatliche Kriegsberichterstattung über TikTok in Form von Kurzvideos stattfindet.

Was bedeutet „WarTok“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der russische Angriff auf die Ukraine und der nachfolgende Krieg sorgte für ein Entstehen und Populär werden von Kriegsberichterstattung auf TikTok, genannt WarTok.

Folgende Teilnehmer berichten auf TikTok über den Krieg aus ihrer Perspektive:

  • Staatliche Stellen und Personen in Ämtern
  • Menschen, die in betroffenen Gebieten wohnen und leben
  • Menschen, die als Influencer aktiv sind
  • Soldaten
  • Journalisten

Die Inhalte von WarTok sind folgender Kategorien:

  • Offizielle staatliche Mitteilungen
  • persönliche Augenzeugenberichte
  • journalistische Berichte
  • Misinformationen, Fake News und Propaganda

Die Inhalte variieren sehr stark. Menschen, die in betroffenen Gebieten wohnen und leben, berichten aus ihrem Alltag. Sie teilen, was sie erleben. (Sie teilen z.B. Videoaufnahmen von zerstörten Straßen und Gebäuden in der Stadt in der sie leben. Sie teilen Videoaufnahmen über die Situation in den Supermärkten. Sie teilen Videoaufnahmen ihrer Flucht. Sie teilen Videoaufnahmen von überfüllten Bahnhöfen. Sie zeigen Videos von Alarmsirenen.) Sie teilen ihre Ängste, Sorgen und Gefühle.

Staatliche Stellen verbreiten Kriegspropaganda und offizielle Mitteilungen sowie Durchhalteparolen. (Hier muss der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj genannt werden. Er veröffentlicht auf TikTok teils sehr erfolgreiche Videos.)

Journalisten berichten über ihre Beobachtungen. Sie erklären und analysieren.

Soldaten zeigen ihren Alltag. Sie zeigen sich. Sie zeigen wie sie Spaß haben. Sie zeigen Zerstörungen und Kriegsgerät.

Menschen, die als Influencer aktiv sind, verbreiten hilfreiche Informationen bis Propaganda. Sie verbreiten teils Durchhalteparolen. (Diese Menschen nannte Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne „Warfluencer“ also „Kriegsfluencer“.)

Die Menschen, die als Influencer über den Krieg Inhalte in den sozialen Medien verbreiten, klären teilweise auf. Sie informieren über Technik, Geräte und Strategie.

Von unterschiedlichsten Personen werden Truppensichtungen und Soldatenbewegungen auf TikTok geteilt. (Dies ist ein Problem, denn so können Kriegsparteien erfahren, was ihre Gegner planen und wie sich sie bewegen.)

Über WarTok: Bedeutung, Definition, Erklärung

Kommentar der Redaktion: WarTok ermöglicht eine Kriegsberichterstattung, die emotional, ehrlich, offen, einzigartig und schnell ist. Es gibt keine Grenzen. Über alles darf berichtet werden. Das ist gut, denn so kann ein sehr umfangreiches und vielschichtiges Bild vom Krieg und dem Kriegsalltag gezeigt werden.

WarTok hat aber auch ein Problem: Die Inhalte sind teils sehr emotional. Es gibt massenhaft Videos und stündlich werden neue Videos veröffentlicht. Was davon echt und was Propaganda, Desinformation oder Missinformation ist, kann auf die Schnelle nur erahnt werden. Erst durch Überprüfungen und dann hinterher stellt sich heraus, was Fake war und was nicht. Daher sollte Vorsicht geboten sein bei Kriegsberichterstattung auf TikTok.

Der Algorithmus von TikTok sorgt dafür, dass sehr populäre Videos vielen Menschen angezeigt werden. Da ein Algorithmus manipuliert werden kann, müssen nur die richtigen Signale gesendet werden, um z.B. Information oder Propaganda zu verbreiten.

Da TikTok auf eine starke Emotionalisierung seiner populären Inhalte setzt, sollte noch mehr Vorsicht geboten sein.

WarTok-Videos müssen auch an sich kritisert werden. Teils ist nicht eindeutig erkennbar, ob die Videos der Unterhaltung dienen oder wirklich Informationen verbreiten sollen.

Der Infokrieg wird im 21. Jahrhundert auf TikTok ausgetragen.

Weitere Bedeutung von WarTok

Der Hashtag #WarkTok wurde auf TikTok mittlerweile über 100 Millionen mal verwendet.

Ein „Wartok“ ist eine Kreatur aus „The World of Drakan“.

„Wartok“ ist ein Klingone aus Star Trek.

Was ist Maskirovka? Bedeutung, Definition, Erklärung


Maskirovka ist ein russischer Begriff (Маскировка), der sich auf die militärische Täuschung bezieht. Obwohl das Wort manchmal mit „Tarnung“ übersetzt wird, täuscht die einfache Übersetzung über seine viel umfassendere Bedeutung hinweg, die nämlich alle aktiven und passiven Maßnahmen zur Täuschung des Gegners einschließt, darunter: Verbergen (skrytie), Nachahmung mit Hilfe von Attrappen und militärischen Attrappen (imitasiia), Manöver zur Täuschung (demonstrativnye manevry) und Desinformation (dezinformatsiia).

Was ist Maskirovka? Bedeutung, Definition, Erklärung, Strategie

Die sowjetische Militäremyklopeadia definiert „maskirovka“ wie folgt: „Mittel zur Sicherung der Kampfhandlungen und der täglichen Aktivitäten der Streitkräfte; ein Komplex von Maßnahmen, die allein darauf gerichtet sind, den Feind über die Anwesenheit und die Disposition der Streitkräfte, verschiedene militärische Ziele, ihren Zustand, ihre Kampfbereitschaft und ihre Operationen sowie über die Pläne des Befehlshabers in die Irre zu führen bzw. im Dunkeln zu lassen… maskirovka trägt dazu bei, die Aktionen der gegnerischen Streitkräfte zu überraschen, die Kampfbereitschaft zu erhalten und die Überlebensfähigkeit der Ziele zu erhöhen.

Sie wurde in den 1920er Jahren als Militärdoktrin entwickelt und von Schukow 1939 in den Schlachten am Chalkhin Gol gegen Japan eingesetzt. In den Feldvorschriften der Roten Armee (1929) heißt es zum Beispiel: „Die Überraschung hat eine betäubende Wirkung auf den Feind. Aus diesem Grund müssen alle Truppenoperationen möglichst unauffällig und schnell durchgeführt werden“. Die Tarnung sollte durch Verwirrung des Feindes durch Bewegungen, Tarnung und Nutzung des Geländes, Schnelligkeit, Nutzung von Nacht und Nebel und Geheimhaltung erreicht werden.

Maskirovka wurde in der Schlacht von Kursk in großem Umfang in die Praxis umgesetzt, insbesondere an der Steppenfront unter dem Kommando von Ivan Konew. Das Ergebnis war, dass die Deutschen die russischen Truppen viermal stärker angriffen, als sie erwartet hatten. Der deutsche General Friedrich von Mellenthin schrieb: „Die furchtbaren Gegenangriffe, an denen riesige Massen von Menschen und Gerät teilnahmen, waren für uns eine unangenehme Überraschung… Die äußerst geschickte Tarnung der Russen ist nochmals hervorzuheben. Wir entdeckten … nicht ein einziges Minenfeld oder Panzerabwehrgebiet, bis … der erste Panzer durch eine Mine gesprengt wurde oder die ersten russischen Panzerabwehrkanonen das Feuer eröffneten“

Was ist Maskirovka im Bezug auf die Ukraine?

Der russische Präsident Wladimir Putin hat im Februar 2022 einen Großangriff auf die Ukraine gestartet, den er jedoch als „spezielle Militäroperation“ bezeichnete, um die „Entmilitarisierung und Entnazifizierung“ des Regimes in der Ukraine zu verfolgen. Das Ziel der laufenden Invasion ist laut Russland der „Schutz der Menschen, die seit acht Jahren von dem Regime in Kiew misshandelt und ermordet werden“.

Hier einige Zitate aus Putins verhängnisvoller Rede, in der er den Krieg mit der Ukraine ankündigte.

„Unsere Pläne sehen keine Besetzung ukrainischer Gebiete vor. Wir werden niemandem etwas mit Gewalt aufzwingen.“

„Was heute geschieht, entspringt nicht dem Wunsch, die Interessen der Ukraine und des ukrainischen Volkes zu verletzen. Es geht darum, Russland selbst vor denen zu schützen, die die Ukraine als Geisel genommen haben und versuchen, sie gegen unser Land und sein Volk zu benutzen.“

Die derzeitige Situation des militärischen Vorgehens Russlands in der Ukraine steht in krassem Widerspruch zu den obigen Erklärungen des Staatschefs, mit denen er seine jüngsten Aktionen rechtfertigt. An diesen Beispielen lässt sich die uralte russische militärische Täuschungstaktik, die „Maskirowka“, beispielhaft darstellen.

Maskirovka gehört seit Jahrhunderten zum Arsenal des russischen Militärs. Sie beinhaltet den Einsatz von Attrappen, Täuschungsmanövern, Leugnung, Desinformation und Täuschung, um den Feind in die Irre zu führen. Sie ist seit Jahrhunderten Teil des russischen Geheimdiensthandwerks, sogar schon vor der kommunistischen Ära. Sie wurde sogar an der von Zar Nikolaus II. gegründeten Militärschule gelehrt. Heute ist die Taktik, die eigenen Absichten unter dem Deckmantel einer gut durchdachten, manipulativen Kommunikation zu verschleiern, nicht nur ein russischer Trick, sondern wird von Geheimdiensten auf der ganzen Welt eingesetzt. Es ist nicht so, dass nur die Russen darauf zurückgreifen, sondern Geheimdienste auf der ganzen Welt nutzen das, was als ‚aktive Maßnahmen‘ oder psychologische Operationen bezeichnet wird, um dem Feind ihren Willen aufzuzwingen.

Aber Russlands Stärke bei dieser Taktik ist eindeutig: Das russische strategische Maskirovka-Konzept versucht, den Entscheidungsprozess des Gegners präventiv zu manipulieren und ihn in Richtung der gewünschten Ergebnisse zu lenken. Durch die Anwendung der Theorie der „reflexiven Kontrolle“ wird der Feind dazu gebracht, Entscheidungen zu treffen, die der Manipulator vorher festgelegt hat. Eine solche „Informationskonfrontation“ wird genutzt, um die öffentliche Meinung weltweit zu gewinnen und auch die einheimische Bevölkerung durch strategische Irreführung zu mobilisieren.

Was sind russische Sitten und Gepflogenheiten? Bedeutung, Definition, Erklärung


Die russischen Sitten und Gepflogenheiten sind in einzelnen Landesteilen des riesigen Staates teilweise sehr unterschiedlich. Es gibt jedoch auch einheitliche Regeln für das gesamte Land mit all seinen Gegensätzen – den großen, pompösen Palästen, den kleinen ärmlichen Hütten, den Steppen, Stränden und Bergen.

Russische Sitten: Strikte Trennung zwischen öffentlichem und privatem Raum

Russen wirken oft barsch, verschlossen und kühl auf Fremde. Diese Mentalität erklärt sich aus ihrer strikten Trennung zwischen ihrem öffentlichen und dem privaten Raum. Wer sie näher kennenlernt, stellt jedoch ihre herzliche und warme Natur fest. Prinzipiell schreiben sie die Gastfreundschaft sehr groß. Wer von ihnen eingeladen wird, sollte dies niemals ausschlagen. Sollte dann ein Essen ausgerichtet werden, fällt dieses sehr üppig aus. Auch der Alkohol fließt in der Regeln in Strömen.

Die erste Regel, die Ausländer in Russland kennen sollten, ist die Ansprache der Menschen untereinander. Die russischen Namen bestehen aus den drei Elementen des Vor-, Vaters- und Nachnamens. Üblicherweise wird eine Person mit ihrem Vor- und Vatersnamen angesprochen. Den Politiker Michail Sergejewitsch Gorbatschow nennt man also in Russland nicht den „Herrn Gorbatschow“, sondern „Michail Sergejewitsch“. Eine Begrüßung erfolgt wie in Mitteleuropa per Handschlag, allerdings nur unter den Männern. Die Frauen hingegen grüßen lediglich mit einem Lächeln, wenn sie eine unbekannte oder wenig vertraute Person treffen. Nur im engen Familien- und Freundeskreis wird es dann sehr herzlich: Sowohl Männer als auch Frauen begrüßen sich mit Wangenküsschen und Umarmung. Bei der Einladung in ein russisches Haus darf diese Begrüßung (gleich welcher Art) niemals über die Türschwelle hinweg stattfinden, weil das nach russischer Auffassung Unglück ins Haus brächte.

Ein weiterer Aberglaube ist, dass in Wohnungen nicht gepfiffen werden darf, weil das Geldprobleme ins Haus bringt. Nun noch einmal zum Unterschied zwischen dem öffentlichen und dem privaten Raum. Dieser könnte größer kaum ausfallen, denn in der Öffentlichkeit erscheinen Russen durchweg distanziert, im privaten Kreis hingegen überschwänglich herzlich und emotional. Ihr Körperabstand untereinander ist geringer als bei uns, auch berühren sich die Menschen berühren während des Gesprächs oft.

Russische Alltagsgesten

Wie in jeder Kultur gibt es auch in Russland kleine Alltagsgesten, deren Kenntnis und Beachtung die Freundschaft zweifellos fördern. Es sind unter anderem diese:

  • Sich in der Öffentlichkeit oder gar in der Nähe anderer Personen die Nase zu putzen gilt als absolutes Tabu. Wir mögen dies auch in Deutschland nicht, doch in Russland ist es ein regelrechtes No-go.
  • Gegenüber Frauen ist größte Höflichkeit angesagt. Man hält ihnen (wie bei uns) die Tür auf und nimmt ihnen den Mantel ab, doch damit nicht genug: Herren dürfen gegenüber den Damen auch sehr charmant sein, sollen dabei aber die Grenze zur Anzüglichkeit niemals überschreiten.
  • Gleichgeschlechtliche Paare sollten sich in der Öffentlichkeit nicht outen. Die Russen sind in dieser Beziehung illiberaler als die katholische Kirche. Gleichgeschlechtliche „Propaganda“ gegenüber Kindern und Jugendlichen (in unserem Sinne eigentlich: Aufklärung) ist sogar strafbar.
  • Bei Einladungen in ein Haus sollte die eingeladene Person unbedingt in kleines Gastgeschenk mitbringen. Hierbei genügt die Geste. So sind unter anderem Süßigkeiten und Blumen sehr beliebt. Letztere dürfen nur auf keinen Fall gelbe Rosen sein, weil diese für Untreue stehen. Außerdem muss die Zahl der Blumen unbedingt ungerade sein, denn eine gerade Zahl verschenkt man in Russland ausschließlich im Trauerfall.
  • Die eigenen Straßenschuhe bleiben bei der Einladung in eine Wohnung vor der Tür. Die Gastgeber bieten dann Gästepantoffeln an.
  • An der gedeckten Tafel darf sich jedermann frei bedienen. Allzu viel Zurückhaltung wird als Unhöflichkeit ausgelegt. Selbst die Nachfrage, ob man sich noch etwas nehmen darf, ist schon verpönt.
  • Wie schon vorn erwähnt gehört Alkohol (meistens Wodka) zu einem russischen Essen einfach dazu. Wer wirklich nicht trinken darf oder möchte, muss zwingend auf gesundheitliche Probleme verweisen, die auch akzeptiert werden.

Das russische Restaurant

Die russische Küche bietet köstliche und deftige Gerichte, die sich auch aus dem teilweise extremen Klima des Landes erklären, das viele Kalorien verlangt. Es gehören dazu die Borschtsch (kräftiger Eintopf, sehr würzig und mit Roter Bete), Pelmeni (so etwas wie russische Tortelloni oder Maultaschen) und Blini (kleine, wahlweise süße oder herzhafte Eierkuchen).

Die russischen Eier sind mit einer deftigen Marinade aus dem Eigelb gefüllt, Piroggen sind Teigtaschen mit Kartoffeln. Salat Olivier ist ein spezieller russischer Kartoffelsalat, Watruschki sind Quarktaschen. Die Würze ist stets kräftig und macht Appetit auf mehr. In Begleitung des Alkohols regt das russische Essen die Geselligkeit an, weshalb man in einem russischen Restaurant ohne Probleme zu anderen Gästen platziert wird, was bei uns eher unüblich ist. Sofort entstehen dann anregende Gespräche. Deren Inhalt sollte allerdings die Politik ausklammern. Das ist in Russland schon seit über 100 Jahren gängiger Standard.

Selbst wer als Ausländer bei kritischen Bemerkungen nichts zu befürchten hätte, müsste mit äußerstem Befremden unter den Gesprächspartnern rechnen und würde damit zwangsläufig die Stimmung zerstören. Dabei sollten sich Ausländer nicht dadurch täuschen lassen, dass die Russen wie alle Menschen auf der Welt auf ihre Regierung schimpfen. Sie schimpfen aber nie über die wirklich heiklen Themen wie Kriege oder politischen Widerstand, sondern bestenfalls über die Preise, den Metrofahrplan oder ähnliche Belanglosigkeiten. Am Ende eines Restaurantbesuchs stehen vielfach gegenseitige Einladungen, mit denen taktvoll umzugehen ist (wahlweises Übernehmen einzelner Rechnungsbestandteile). Das übliche Trinkgeld für das Personal liegt bei 10 %.

Typische Souvenire aus Russland

Die beiden bekanntesten Souvenire sind die Matrjoschkas und die Fabergé-Eier. Die Matrjoschkas sind kleine, sehr schön bemalte Holzpuppen, sie sich ineinander stecken lassen, was ein Sinnbild für Fruchtbarkeit über Generationen ist (in jeder Puppe steckt das Potenzial für weitere Nachkommen). Die Fabergé-Eier sind Nachbildungen einer berühmten Serie von 52 Eiern, die der Künstler Peter Carl Fabergé zwischen 1885 und 1917 im Auftrag der russische Kaiserfamilie schuf. Hinzu kamen noch vier Auftrags- und sieben Kelcheier von Nachahmern. Die Eier werden heute in Museen der ganzen Welt ausgestellt. Ihre Nachbildungen gelten als ebenso typisches Souvenir wie die Matrjoschkas. Auch bemalte Holzgefäße sind ein beliebtes Mitbringsel aus Russland. Die bekannteste Maltechnik ist die Chochloma mit Blumenmustern, die ausschließlich rot oder schwarz auf einen goldenen Untergrund gemalt werden.

Russische Feiertage

  • 1. bis 5. Januar: Neujahrsfest
  • 7. Januar: Weihnachtsfest
  • 8. März: Frauentag
  • 9. Mai: Tag der Befreiung (Sieg im Zweiten Weltkrieg)
  • 12. Juni: seit 1990 Unabhängigkeit Russlands
  • 4. November: seit 1612 (Befreiung von Polen-Litauen) Tag der Einheit

Die Daten für Weihnachten und Neujahr resultieren daraus, dass die russisch-orthodoxe Kirche wenigstens für Feiertage noch am älteren julianischen Kalender festhält.

Russische Kultur

Die russische Kultur hat einige der größten Errungenschaften der kulturellen Weltgeschichte hervorgebracht, wenn wir an Puschkin, Tolstoi, Tschaikowski, das Bolschoi-Theater und weitere Protagonisten denken. Viele russische Interpreten (Instrumentalisten, Sänger*innen, Ballettänzer*innen) waren und sind Weltstars.

Die russische Volksmusik wirkt melancholisch, weil sie viele Molltonarten verwendet, doch Komponisten wie Tschaikowski, Rimski-Korsakow und Rachmaninow waren harmonische und melodische Revolutionäre. Die Russen lieben und verehren sehr ihre Künstler, an denen sich für den Ausländer jede Kritik verbietet, die meistens auch überflüssig ist. Überflüssig ist es auch zu erwähnen, dass sich diese kulturellen Errungenschaften durch keine Art der Diktatur oder Aggression, die immer wieder von russischem Boden ausging, beschädigen lässt.

Wir Deutschen können ein Lied davon singen: Wir haben Goethe, Schiller, Bach und Wagner, doch auch Hitler. Die Künstler können aber nichts für Diktatoren, die Jahrhunderte später auf den Plan treten und möglicherweise sogar die Kultur für ihre Zwecke missbrauchen. Eine kulturelle Aufgabe des 21. Jahrhunderts wird es sein, diesen Aspekt zu betonen und daher aktuell (März 2022) nicht die russische Kultur zu ächten.

Was ist die „russische Seele“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Gerade in den Konflikten zwischen Europa, den USA und Russland verweisen viele Kommentatoren und Berichterstatter immer wieder auf die russische Seele. Die Phrase wird als ein Sammelbegriff genutzt, bei man verschiedene vermeintliche Eigenschaften der Russen, aber auch der ehemaligen Bürger von Ländern aus der Sowjetunion, zuschreibt. Nach Ansicht der Personen, die diesen Begriff bemühen, kann man den Menschen in Osteuropa aber besonders in Russland eine verstärkte Melancholie, eine gewisse Leidensfähigkeit und eine ganz eigene Form von Lebensweise nachsagen. Während die legendäre russische Seele in vielen Zitaten und Büchern bemüht wurde, hat der Begriff mitunter ganz unterschiedliche Bedeutungen.

Die Herkunft des Begriffes der russischen Seele: Bedeutung, Erklärung

Wie genau der Begriff entstanden ist, lässt sich heute nur noch schwierig nachvollziehen. Es ist davon auszugehen, dass es vor allem die berühmte russische Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war, die die „russische Seele“ der westlichen Welt bekannt machte. Autoren wie Puschkin, Dostojewski oder Tolstoi bemühten sich in ihren Geschichten die russische Seele als Begriff zu definieren und benutzten dafür ganz unterschiedliche Ansätze. Es soll Puschkin gewesen sein, der in seinen Gedichten das erste Mal konkret von der Phrase der russischen Seele sprach.

Nach dem goldenen Zeitalter der russischen Literatur vergaß man diese Besonderheit der Russen in den Wirren des ersten und zweiten Weltkriegs und entdeckte den Begriff besonders mit dem Ende der Sowjetunion wieder. Als die Menschen endlich die Möglichkeit hatten, die unterschiedlichen Besonderheiten Russlands mit eigenen Augen zu entdecken, wurde man sich auch wieder darüber klar, dass am östlichsten Rand von Europa ein Land mit Menschen existiert, die natürlich auch ganz eigene Traditionen und Befindlichkeiten mit sich bringen. Seitdem ist der Begriff der russischen Seele nicht nur in der Kultur ein Diskurs, sondern auch in der Geopolitik.

Die Definition der russischen Seele

Generell lässt sich sagen, dass es nicht die eine Definition dieses Begriffes gibt. Im Laufe der Zeit hat man den Menschen aus Russland immer wieder unterschiedliche typische Charakteristika zugesprochen – mal in einem äußerst positiven Sinne aber auch als negatives Klischee, das ein ganzes Volk mit bestimmten negativen Eigenschaften verbindet. Auch hat sich der Begriff der russischen Seele im Laufe der Jahrhunderte und besonders in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Es kann also nicht davon gesprochen werden, dass es eine ganz bestimmte Definition dieser besonderen Beschreibung gibt.

Der Kern der Definition geht auf die lange Geschichte des russischen Reiches zurück. Russland war schon seit dem Mittelalter ein bedeutendes Land in Europa und hat sich im Laufe der Jahrhunderte vor allem in seinen Grenzverläufen stark verändert. Auch die Gründungsgeschichte des russischen Reiches sollte bei der Suche nach der russischen Seele beachtet werden. Als der Staat in seiner ursprünglichen Form entstanden ist, war es ein militärisch erzwungener Zusammenschluss unterschiedlichster Regionen Europas und Asiens, die in der Regel mit ganz eigenen Völkern und Kulturen einherkamen und am Anfang nur äußerst wenige Dinge miteinander zu tun hatten.

Das russische Weltreich mag in den folgenden Jahrhunderten zusammengewachsen sein, eigene Kulturen und Traditionen entwickelten sich, aber bis heute ist Russland ein riesiges Land mit verschiedensten Menschen und Herkünften, die sich nicht immer alle als Russen sehen. Trotzdem sollen die Schicksalsschläge der Geschichte dafür gesorgt haben, dass ein gemeinsames Gefühl entstanden ist, das sich heute in der russischen Seele abzeichnet.

Was sind die Eigenschaften, die mit der russischen Seele verbunden werden?

Im Laufe der Zeit haben Beobachter die russische Seele mit verschiedenen Eigenschaften verknüpft und dabei natürlich auch eigene Intentionen im Hinterkopf gehabt. Da gibt es beispielsweise die Klischees, dass die Russen besonders unterkühlt sind und dass sie niemanden außerhalb ihrer eigenen Grenzen trauen würden, weil man sie zu oft verraten hat. Andere beziehen den Begriff vor allem auf die oftmals gepriesene Gastfreundschaft und Wärme, die von vielen russischen Völkern ausgeht. Erst distanziert nach außen, aber sobald man ein Teil des inneren Kreises ist, beinahe mit überschwänglicher Wärme und Herzensgüte beschenkt – so etwa beschreiben es noch heute viele Menschen, die ihre Wurzeln in Russland haben.

Nimmt man alle Berichte zusammen, so lässt sich die russische Seele mit Sicherheit mit der Wärme der Russen beschreiben, mit der sie ihren Mitmenschen begegnen. Aber auch mit einem gewissen Hang zum Aberglaube, einer engen Verbundenheit mit Traditionen und einer gewissen Skepsis gegenüber Veränderung und Wandel, weil dieser viele Russen meist mit negativen Zeiten einherging. Eine gewisse Neigung zu Exzessen und ein Problem damit nicht in Superlativen zu denken und zu handeln scheint ebenso dazu zu gehören.

Wirft man einen Blick auf die ursprünglichen Beschreibungen der russischen Seele, wie sie Autoren wie Tolstoi beschrieben haben, dann muss man auch auf die Leidensfähigkeit der Russen blicken. Geprägt von den vielen Veränderungen der letzten Jahrhunderte soll die russische Seele besonders stark und zäh sein, gleichzeitig aber auch einen Hang zur Brutalität entwickelt haben. Sie ist melancholisch an manchen Tagen und beinahe überschwänglich in anderen Momenten.

Am Ende muss wohl festgehalten werden, dass die Menschen in Russland so unterschiedlich wie in jedem Land sind. Sie unterscheiden sich von Norden nach Süden und von Westen nach Osten. Traditionen spielen hier eine wichtige Rolle, sind aber in der Regel vor allem der Teil einer Region und nicht eines gesamten Landes. Daher ist es wohl schwer die mysteriöse russische Seele tatsächlich zu beschreiben oder in bestimmte Charaktereigenschaften einzufangen. Sie ist vor allem ein philosophischer Begriff, der vermutlich für immer ein Mysterium bleiben wird und von jedem Russen und von jedem Ausländer anders interpretiert wird.

Was ist Russophobie? Bedeutung, Definition, Erklärung


Russophobie ist Russenfeindlichkeit. Russophobe lehnen das russische Staatsgebilde (also die russische Politik), wahlweise auch die russische Sprache und Kultur und somit russische Menschen insgesamt ab.

Fachlich gehört die Russophobie zur Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit). Ihr Gegenteil ist Russophilie, also die übertriebene Hochschätzung von allem Russischen. Xenophobie (ein griechisches Kofferwort) ist die allgemeine Furcht vor allem Fremden. Die Bezugspunkte können sozialer, religiöser, ökonomischer, kultureller oder sprachlicher Natur sein. Alle Unterschiede zu Fremden empfinden Xenophobe als Bedrohung. Aus Xenophobie kann übertriebener Nationalismus erwachsen.

Politische Verwendung des Begriffs Russophobie

Putin und seine Anhänger nutzen den Begriff der Russophobie als politisches Argument, um Gegner der gegenwärtigen Kreml-Politik zu diskreditieren. Diese Tendenz gibt es schon seit den früheren 2000er-Jahren, doch sie hat sich spätestens seit den russischen Militäreinsätzen in Georgien (2008), auf der Krim (2014), in Syrien (ab 2015) und in der gesamten Ukraine (seit dem 24.02.2022) erheblich verstärkt. Demnach ist jeder Kritiker der aktuellen Politik Russlands russophob. Gestützt wird dieses Argument seit Anfang März 2022 durch die Tatsache, dass etliche westliche Kultureinrichtungen russische Künstler entließen (so Valery Gergiev als Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker) oder nicht mehr auftreten ließen (unter anderem die Starsopranistin Anna Netrebko).

Seit wann gibt es Russophobie?

Die Russophobie hat eine erstaunlich lange Geschichte. Belegt ist sie erstmals im 13. Jahrhundert. Damals kämpfte der Deutsche Orden gegen die russischen „Schismatiker“, die in zeitgenössischen Darstellungen als Ungläubige bezeichnet wurden, die plündernd gegen christliche Ländereien vorgehen würden. Solche Vorfälle dürfte es in der Tat gegeben haben, allerdings ist eine Phobie (krankhafte Angst) dadurch gekennzeichnet, dass sie übertriebene, pauschale Bilder malt.

Schon in jener Zeit kristallisierte sich die Russophobie als Reaktion auf die militärische Bedrohung durch das immerhin große russische Volk und Staatsgebiet heraus, woran sich bis heute nichts geändert hat. Mit diesem handfesten Hintergrund unterscheidet sie sich von anderen Formen der Xenophobie, so etwa dem Antisemitismus: Die Juden haben in ihrer vieltausendjährigen Geschichte jedenfalls bis zur Gründung des Staates Israel (1948) kaum jemals andere Völker bedroht, dennoch ist Antisemitismus eine der ältesten Formen der Xenophobie.

Einen neuen Aufschwung nahm die Russophobie im frühen 16. Jahrhundert, als die Großfürstentümer Moskau und Litauen (dieses verbündet mit Polen) erbittert um die restliche Kiewer Rus stritten. König Sigismund I. von Polen schrieb an den Papst und an seine europäischen Herrscherkollegen, dass die „Moskowiter“ Feinde des Christentums seien und sich mit den Tataren und Türken gegen das Christentum verschworen hätten. Dies war ein unrealistisches, russophobes Bild. Der Zar Iwan der Schreckliche (1530 – 1584) förderte mit seiner Herrschaft, die von Massenhinrichtungen geprägt war, ebenfalls in westlich gelegenen Ländern die Russophobie.

Ab dem 19. Jahrhundert verbreitete sich die Russophobie in Frankreich. Zwar nahm die europäische Aufklärung eine positive Haltung zu Russland ein, dessen Kultur (Puschkin, Tolstoi, Tschaikowsky etc.) man sehr schätzte, doch Napoléon Bonaparte bezeichnete spätestens nach seinem gescheiterten Russlandfeldzug 1812 die Russen als Barbaren, die in ihrer Rückständigkeit seinen liberalen Ideen entgegenstünden. Dementsprechend unzivilisiert führte er sich in Russland auf: Bevor er seine Truppen aus Moskau abziehen ließ, wollte er sogar die Türme des Kremls sprengen lassen, was misslang. Noch während des gesamten frühen 19. Jahrhunderts hielt sich die Russophobie in der französischen Geschichtsschreibung und Presse.

Russen wurden wahlweise als sehr rückständig beschrieben oder gar aus Geschichtsbüchern komplett ausgeklammert wie bei den Autoren François Guizots und Jules Michelet. 1830 begehrten die Polen gegen die Herrschaft des russischen Zaren auf, ganz Europa unterstützte sie und argumentierte dabei russophob. Alexis de Tocqueville stellte 1835s die beiden Weltmächte USA und Russland vor und konstruierte zwischen ihnen den Gegensatz zwischen demokratischer Freiheit und Knechtschaft unter dem Zaren. Ähnliche intellektuelle Auseinandersetzungen mit russophober Basis gab es auch im späteren 19. Jahrhundert.

Schließlich griffen russische Autoren diese Feindbilder auf und konstruierten ihrerseits einen Gegensatz zwischen Slawen und Westlern. Es gab aber im 19. Jahrhundert auch Gegenströmungen. Die Deutschen Rilke, Nietzsche und Thomas Mann wandten sich Russland zu, weil die Russen Napoleon widerstanden hatten, der schließlich auch Mitteleuropa einschließlich großer deutscher Gebiete besetzt hatte. Russland war demnach der „Retter Europas“, die Zarenherrschaft wurde zwangsläufig als legitime Monarchie bezeichnet. Linksrevolutionäre Kreise wiederum um Karl Marx und Friedrich Engels bezeichneten Russland als reaktionären Staat, was die Russen unter Lenin ab der bolschewistischen Revolution von 1917 nicht daran hinderte, sich gerade auf Marx und Engels zu berufen:

Schließlich hatten die kommunistischen Bolschewiki ja der reaktionären Zarenherrschaft ein Ende gesetzt. Ende des 19. Jahrhunderts flaute die in Frankreich und auch in Großbritannien verbreitete Russophobie allmählich ab, bis die russische Revolution von 1917 und der bis zum Beginn der 1920er-Jahre andauernde Bürgerkrieg in Russland und seinen Satellitenstaaten neue Furcht vor dem nun kommunistischen Russland nährte, das sich zur Sowjetunion auswuchs. Diese drohte alsbald den kapitalistischen Staaten mit der Weltrevolution.

Ende der 1920er-Jahre übernahm Josef Stalin die Macht, wirkte unerhört repressiv nach innen und isolierte sein Land nach außen. Die Russophobie wuchs im Westen wieder erheblich an und erreichte in Deutschland eine neue Blüte im Nationalsozialismus ab 1933. Hitler verband sie mit seinem Antisemitismus und dem Antibolschewismus, er wollte den „jüdischen Bolschewismus“ bekämpfen, was pure Propaganda war, denn die Juden spielten in der sowjetischen Staatsführung keine bedeutende Rolle.

Russophobie ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Die russisch dominierte Sowjetunion lieferte im Kalten Krieg eine Steilvorlage für Russophobie, die auch in den Ostblockstaaten (vor allem DDR, Tschechoslowakei und Ungarn) neue Nahrung erhielt, nachdem sowjetische Truppen dort Volksaufstände niedergeschlagen hatten (DDR 1953, Ungarn 1956, Tschechoslowakei 1968).

Zwar versuchten die prosowjetischen Staatsführungen, ein russenfreundliches Bild zu zeichnen, Russisch wurde in den Schulen des Ostblocks die erste Fremdsprache. Doch in der Bevölkerung hielt sich die Russophobie, die sich mit der Abneigung gegen die eigene diktatorische Staatsführung paarte. Selbst Putin anerkennt heute, dass die Ereignisse 1953, 1956 und 1968 in den drei genannten Ostblockstaaten das Verhältnis der dortigen Bevölkerung zur Sowjetunion und vor allem zu den Russen schwer beschädigt hat: Nur schiebt Putin alles auf die Russophobie und verkennt den politischen Kontext.

Im Westen dominierte die Russophobie spätestens ab der Ära des US-Präsidenten Ronald Reagan (ab 1981) sogar in Hollywoodproduktionen, die stereotype russophobe Bilder zeichneten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und des gesamten Ostblocks spätestens ab 1989 flaute diese Russophobie im Westen deutlich ab. Filme jener Zeit griffen Kooperationen zum Beispiel zwischen den Geheimdiensten Russlands und der USA etwa bei der Terrorbekämpfung auf, die es auch in der Realität gab.

Doch ehemalige Dissidenten und Sowjetologen warnten schon damals eindringlich vor einem zu russlandfreundlichen Bild. Die unmittelbaren Nachbarn Russlands in Osteuropa (das Baltikum, Polen, die Slowakei, die Ukraine, Rumänien, Georgien und Moldawien) blieben russophob und drängten sehr schnell in die EU und nach Möglichkeit in die NATO. Sie bauten sogar ihre nationale Identität auf der Russophobie auf.

Diese wurde nicht nur durch das alsbald wieder aufflammende Expansionsstreben Russlands unter Putin in den frühen 2000er-Jahren, sondern auch durch die russische Mafia gefördert, die schon seit den 1990er-Jahren einen vermeintlich unzweifelhaften Beleg dafür lieferte, wie kriminell, korrupt und kleptokratisch ganz Russland zu sein scheint. Dies kritisierte sogar Michail Gorbatschow nach seinem Rücktritt in den frühen 2000er-Jahren. Er hatte zwar mit Glasnost und Perestroika die Auflösung der Sowjetunion und des Ostblocks angeschoben, doch nun bemängelte er, dass die westliche Berichterstattung über Russland undifferenziert und überwiegend ablehnend, mithin russophob erfolge.

Russophobie heute (2022)

Seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24.02.2022 erlebt die Russophobie weltweit einen unerhörten Aufschwung. Dazu tragen mehrere Fakten bei:

  • Russland hatte in seiner äußerst kurzen liberalen Phase unter Boris Jelzin (Präsident 1991 – 1999) zu wenig Zeit, im Westen von sich ein ausgewogenes bis positives Bild zu zeichnen. Zum Vergleich: Deutschland kämpft um so ein Bild seit nunmehr 77 Jahren.
  • Putin greift sehr stark auf zaristische und kommunistische Traditionen zurück, die seinerzeit die Russophobie stets gefördert hatten. Dabei folgt ihm sein Volk offenkundig mehrheitlich. Das lässt eine historisch gewachsene Russophobie aufleben.
  • Die aktuelle russische Propaganda ist so rückwärtsgerichtet, dass selbst vernünftige Menschen darauf inzwischen russophob reagieren.

Wie schon eingangs beschrieben greifen die russischen Demagogen in Staatsdiensten diese Tendenz auf und bezichtigen bereits seit Jahren alle Kritiker an der russischen Politik der Russophobie. Dagegen wehren sich liberale russische Autoren, die teilweise das Wort Russophobie am liebsten verbieten würden, damit es nicht als Propagandainstrument genutzt werden kann. Der Osteuropaforscher Andreas Umland hat beobachtet, dass Putin selbst und seine Medien die in der Tat historisch gewachsene Russophobie in Westeuropa geschickt als Argument verwenden, um jede Kritik an der aktuellen russischen Politik abzubürsten.

Angemessener Umgang mit Russophobie

Es scheint angemessen zu sein, Russophobie als das zu betrachten, was sie wirklich ist: Ein Teilbereich der Xenophobie, ein pauschales Vorurteil, nicht besser als Antisemitismus und einer zielführenden Auseinandersetzung mit der aktuellen russischen Politik (Stand: März 2022) keinesfalls zuträglich. Die Deutschen müssten es eigentlich am besten wissen: Ihre Vorfahren haben im 20. Jahrhundert zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen und mit dem Holocaust ein singuläres Jahrtausendverbrechen begangen, doch es gab auch immer die deutsche Kultur, Wissenschaft und humanistische Gesellschaft. Diese gibt es in Russland ebenfalls.

Wichtig ist diese Betrachtung, weil ansonsten, wenn man den Umfragen glauben würde, dass über zwei Drittel der Russen Putins Politik zustimmen, nur ein Vernichtungskrieg gegen Russland übrig bliebe, wie ihn Deutschland ab den 1940er-Jahren erleben musste. Das kann keine Alternative sein. Wenn wir aber davon ausgehen, dass Russophobie unbegründet ist, lassen sich möglicherweise freiheitliche Bestrebungen in Russland fördern, die dort zu einem Systemwechsel führen. Dies ist schließlich erst vor geschichtlich kurzer Zeit, nämlich 1989, in Osteuropa einschließlich der DDR geglückt.

Was sind Kriegsgewinnler? Bedeutung, Definition, Erklärung


Kriege werden aus gesellschaftlichen und machtpolitischen Gründen geführt. Diese wiederum sind mit finanziellen Aspekten verbunden. Die Kriegsgewinnler vergangener Epochen finanzierten bereits die Feldzüge und Kriege namhafter Kaiser und Könige. Sie stellten ihren Kunden die Mittel und ihrer persönlichen Kontakte zur Verfügung, damit die benötigten Soldaten und deren Ausrüstung finanziert werden konnte.

Die Gewinnler erhielten wiederum das von ihnen bereitgestellte Geld sowie einen entsprechenden Zinssatz. Alternativ nahmen sie Titel und Ländereien als Gegenleistung an. Ein gutes Beispiel ist Wallenstein, der im Dreißigjährigen Krieg für den Kaiser nicht nur die Funktion des Geldbeschaffers übernahm. Darüber hinaus war er noch General der von ihm gestellten Soldaten und Ansprechpartner der geldgebenden Handelshäuser. Mit ihnen hatte er Verträge, die ihm auf Kosten der Bevölkerung ein Vermögen sicherten.

Wie geht ein Kriegsgewinnler vor?

Die Strategie, die ein Kriegsgewinnler wählt, hängt von seinem gegenwärtigen Einfluss, seinem Produkt sowie seinen zukünftigen Ambitionen ab. Dazu gehören ein stark ausgeprägter Egoismus, Durchsetzungsfähigkeit und Skrupellosigkeit. Das von ihm nutzbare Zeitfenster kann klein, aber auch groß sein. Viele Vertreter verfügen bereits von Anfang an über überdurchschnittliche finanzielle Mittel und Kontakte im In- und Ausland. Zu diesen zählen verschiedene Interessensvertretungen aus Politik und Wirtschaft.

Vom ersten Tag an vermittelt er sich ein Bild von der Situation und denen sich ihm bietenden Möglichkeiten. Oft hat er internationale Kontakte, die ihm bereits im Vorfeld ein objektives Bild bieten. Hierbei kann er abschätzen, mit welchem Einsatz ein extrem hoher Preis erzielbar ist. Wie es dabei der Bevölkerung im In- und Ausland geht, ist ihm oft egal. Seine Strategie kann sich auf ein regional begrenztes Gebiet oder aber auf ganze Staaten beziehen.

Bei seiner Planung bezieht er gezielt Ansprechpartner in seine Vorhaben ein, die entweder wirtschaftlich nur überleben oder aber wohlhabend werden möchten. Zusammen mit ihnen baut er ein legales oder auch illegales Netzwerk auf. Jeder Punkt in diesem Netzwerk stellt dann die zuvor vereinbarten Ressourcen Preisen zur Verfügung. Er bedient sich dabei vornehmlich eines Monopols oder Kartells.

Da der Kriegsgewinnler davon ausgeht, dass die von ihm angebotenen Ressoucen von unterschiedlichen Zielgruppen abgenommen werden, kann er trotz seines Aufwands einen hohen Gewinn erzielen.

In welchen Branchen findet man Kriegsgewinnler?

Grundsätzlich suchen sich Kriegsgewinnler die Branchen, deren Produkte während der Friedens- und Krisenzeiten sowohl von der Industrie, dem Handel als auch von der Zivilbevölkerung als extrem wichtig und essentiell angesehen werden.

Hierzu gehören Nahrungsmittel, Treibstoffe wie Öl und Benzin sowie verschiedene Anlagegüter. Zu ihnen zählen technische und digitale Entwicklungen, die in Krisenzeiten in größerer Stückzahl nachgefragt werden. Die erhöhte Nachfrage ergibt sich durch die Hamsterkäufe. Viele legen verschiedene Lager an, da sie so der befürchteten Verknappung begegnen wollen. Schon während der Hamsterkäufe erhöhen die eventuellen Kriegsgewinnler ihre Preise. Allerdings ist der Anbieter ebenfalls von spontanen Preiserhöhungen abhängig. Diese gibt er an seine Kunden mit einem zusätzlichen und überhöhten Preisaufschlag weiter.

Kriegsgewinnler im Ersten Weltkrieg

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 musste in ganz Europa die Wirtschaft umgestellt werden. Dienstleistungen und Produkte, die in Friedenszeiten verstärkt hergestellt, angeboten oder nachgefragt wurden, wichen denen vom Staat verlangten kriegsorientierten Gütern. Auf diese Weise wurden zivile Erzeugnisse zunehmend knapp und teuer. Durch die Blockade der Alliierten verschärfte sich diese Situation. Ein Luxusartikel der unter den Bedingungen von 1913 beispielsweise noch 1 Reichsmark kostete, wurde während des Krieges für 100 bis 1000 Reichsmark angeboten. Die Gewinnmarge von 99 bis 999 Prozent kam den Kriegsgewinnlern zu Gute.

Die Stahl- und Chemie-Industrie konzentrierte sich beispielsweise jeweils auf die Herstellungen von Kanonen, militärische Anlagen und andere benötigte Produkte. Die Bezahlung übernahm der Staat. Dieser hebelte zum größten Teil das Verhältnis zwischen der natürlichen Nachfrage und dem entsprechenden Angebot aus. Die Ansprechpartner der Regierung waren eine überschaubare Anzahl von Unternehmen, die ihre Produktionen gezielt auf die Wünsche des Kaiserreichs ausrichteten. Hierbei konnten sie maßgeblich auf die Preisgestaltungen einwirken, die nur zwischen ihnen als Rüstungsbetrieben und dem nachfragenden Kriegsministerium stattfanden.

Kriegsgewinnler profitierten außerdem von der Ausgabe von Kriegsanleihen, die von größeren Bevölkerungsschichten gezeichnet wurden. Diese Bürger gaben ihr Geld für Papiere, die im Fall eines Sieges großzügig verzinst werden sollten. Auf der Grundlage der Niederlage von 1918 verloren sie jedoch alles, während sich die Profiteure der finanziellen Mittel bedienten. Auf diese Weise konnten viele der Beteiligten Vermögen aufbauen, die sie durch geschickte Investitionen in der Nachkriegszeit steigerten.

Nach dem Krieg konnten die Kriegsgewinnler ihre Produktionen oder den Handel mit den erwirtschafteten Geldern auf zivile Güter umstellen. Dazu kamen Beteiligungen an Unternehmen im Ausland.

Kriegsgewinnler im Dritten Reich

Während des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkrieges waren demokratische Rahmenbedingungen ausgehebelt worden. Die Machthaber bedienten sich während dieser Zeit am Vermögen von Menschen und Staaten, die sie mit Gewalt unterwarfen. So profitierte das NS-Regime schon vor dem Krieg von dem Modell des Volkswagens für Jedermann. Die von den Interessenten eingezahlten Raten flossen jedoch in die Rüstungsindustrie. Einen eigenen Volkswagen erhielt kaum jemand.

Kriegssteuern und Kriegsordnungen zur Bekämpfung von Kriegsgewinnlern?

Einzelne Länder erhoben während der Kriegszeit eine Kriegssteuer, mit der die Gewinne vermeintlicher Kriegsgewinnler abgeschöpft werden sollten. Diese Steuern wurden von allen Steuerpflichtigen erhoben, die beispielsweise ein Einkommen von über 2.500 Reichsmark erzielten. Allerdings beschränkte man diese Kriegssteuern auf einen bestimmten Prozentsatz des erzielten Gewinnes. Auf diese Weise wurden diese Einkünfte mit Rücksicht auf die gegenseitigen Wirtschaftsinteressen trotzdem geschützt.

Parallel wurde zum Schutz der Kriegswirtschaft eine Kriegsordnung ins Leben gerufen. Die sogenannten Kriegswirtschaftsverordnungen stellten alle Handlungen unter Haft- oder Todesstrafe, die kriegswichtige Rohstoffe oder gleichwertige Erzeugnisse der Bevölkerung entziehen. Zu den Verbrechen zählten beispielsweise das Schwarzschlachten, der Schwarzmarkthandel oder Bezugsscheinbetrug. Solche Verbrechen wurden von Sondergerichten abgeurteilt.

Kriegsgewinnler nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Ende des Dritten Reiches gab es in Deutschland wenige Lebensmittel. In dieser Zeit gelang es einer Reihe von Schwarzmarkthändlern die benötigten Nahrungsmittel aufzutreiben. Sie verkauften ihre Waren auf den Schwarzmärkten zu stark überteuerten Preisen. Dabei nahmen sie Dollars, britische Pfund oder aber hochwertige Luxusgegenstände als Zahlungsmittel an. Diese Kriegsgewinnler häuften in einigen Fällen jeweils ein Vermögen an. Mit der Währungsreform 1949 wurde die Deutsche Mark eingeführt. Gleichzeitig verloren die Schwarzmärkte an Bedeutung, da alle benötigten Artikel regulär und zu handelsüblichen Preisen erworben werden konnten.
Wer als Schwarzmarkthändler oder Kriegsgewinnler von der Militärpolizei der Alliierten verhaftet wurde, musste mit Haft- und Geldstrafen rechnen.

Kriegsgewinnler im zivilen Geschäftsleben

Viele Menschen nehmen Kredite auf, mit denen sie unterschiedliche Ziele verfolgen. Einige wollen ein Haus bauen oder kaufen, andere erwerben Investitionsgüter. Kommt der Kreditnehmer in Zahlungsverzug, kann das gewährende Kreditinstitut seine Forderung nur unter großen Schwierigkeiten realisieren. Statt den Betrag in kleinen Raten durch einen Gerichtsvollzieher eintreiben zu lassen, verkauft die Bank ihre Forderung an einen gewerblichen Händler. Dieser zahlt nur einen Teil des offenen Betrages. Beim Einzug geht er dann ohne Rücksicht auf die Interessen des Schuldners und ehemaligen Kunden des Kreditinstituts vor. Dabei hält sich der neue Gläubiger nur an die gesetzlichen Regeln. Es kommt ihm nur auf den Einzug des Geldes und seiner hohen Gebühr an. Die Folgen bestehen meistens in Zwangsversteigerungen und weiteren Unkosten, die der Schuldner tragen muss.

Kriegsgewinnler in neutralen Staaten

Zwischen verschiedenen Staaten kommt es zu einem Krieg. Dieser Krieg wirkt sich auch auf andere Länder aus, wo Einzelpersonen oder Unternehmen zu Kriegsgewinnlern werden können. Eine grundlegende Überlegung besteht darin, dass jedes der kriegsführenden Länder seine Exporte in andere nicht beteiligte Staaten einschränken muss oder soll. Wird die Produktion dort unterbrochen oder komplett eingestellt, dann müssen die Nachfrager auf andere Märkte ausweichen. Die führenden Teilnehmer auf diesen Drittmärkten wissen jeweils um das Angebotsdefizit.

Wer ein knappes Gut anbietet, das sowohl von der Industrie als auch von privaten Haushalten nachgefragt wird, kann den Preis diktieren. Er schlägt eine zusätzliche Marge auf, die seinen Profit merklich steigert.
Alternativ zum Drosseln der Produktion kann es zu einem Embargo kommen. Viele Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft wie der UNO, der NATO oder der EU fassen Beschlüsse, die den Marktteilnehmern der beteiligten Staaten verbieten, spezielle Artikel von dem geächteten Land zu kaufen oder an dieses zu veräußern. Auf diese Weise werden dort die vermehrt benötigten Produkte sehr knapp und müssen von den Nachfragern zu sehr hohen Preisen eingekauft werden. Von dieser Wechselwirkung profitieren in erster Linie Kriegsgewinnler.

In den 70er und 80er Jahren galt dieses Szenario vor allem für die Länder des Ostblocks und Südafrika. Am Kap führte man die Apartheid ein, mit der alle farbigen Bürger in ihren Rechten stark eingeschränkt wurden. Dieser Politik trat die Staatengemeinschaft mit einem Embargo erfolgreich entgegen, das wiederum Kriegsgewinnlern zahlreiche Chancen bot.
Ein aktuelles Beispiel ist der Krieg in der Ukraine. Da viele Nahrungsmittel sowie Öl als auch Gas aus Russland oder der Ukraine stammen, können Verkäufer über die Verknappung höhere Preise durchsetzen.

Welche Probleme können Kriegsgewinnler bekommen?

Liefert ein Händler, der sich als Kriegsgewinnler betätigt, in ein Land, über das ein Embargo verhängt wurde, verstößt er gegen das Gesetz. Hierbei kann es sich um ein nationales oder aber auch internationales Recht handeln. Aus diesem Grund wählen einige den Weg über neutrale Drittstaaten, in denen sich beispielsweise sogar die eigentlichen Produktionsstätten der verbotenen Waren befinden. Mithilfe von Firmen, die zu diesem Zweck im neutralen Ausland gegründet werden, können sie die vom Embargo betroffenen Waren in ihre Zielländer liefern. Diese Geschäfte sind moralisch sehr bedenklich, aber auch sehr profitabel. Sie werden deshalb von zahlreichen internationalen Organisationen verfolgt und geahndet.

Nicht jeder Kriegsgewinnler kann seine Geschäfte über seinen heimischen und neutralen Schreibtisch durchführen. Einige müssen sich in das Krisengebiet begeben und setzen gleichzeitig ihr gesamtes Vermögen ein. Sie beschaffen sich Fahrzeuge und andere Transportgelegenheiten, die sie jedoch nicht versichern können. Wird das betreffende Schiff, das Flugzeug oder das Fahrzeug von einem Gegner oder dem embargoführenden Land eingezogen, verliert der Kriegsgewinnler alles. Muss er sich auch persönlich im Krisengebiet einfinden, können bei einer Verhaftung empfindliche Strafen und massive Einschränkungen auf ihn warten. Sie reichen von einer langen Haft- bis zur Todesstrafe. Gleichzeitig verliert der Kriegsgewinnler seine bürgerlichen Ehrenrechte in seinem Heimatstaat und kann beispielsweise vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen verschiedener strafrechtlicher Delikte verurteilt werden.
Aber auch Bürger von kriegsführenden Ländern können sich als Kriegsgewinnler betätigen. Verfügen sie über politischen oder gesellschaftlichen Einfluss, führen ihre Tätigkeiten in den meisten Fällen zu Korruption und zum Abbau sozialer Errungenschaften. Es zählt dann nur noch derjenige, der finanziell unabhängig ist und über die maßgeblichen Kontakte verfügt.

Kriegsgewinnler im Film

Dem Thema Kriegsgewinnler haben sich auch der Film und die Dokumentation angenommen. So geht es in „Spiel der Geier“ von 1978 um einen Waffenhändler. Dieser versucht Hubschrauber an das vom Embargo betroffene südafrikanische Militär zu liefern. In „Lord of War“ mit Nicolas Gage schildert ein international tätiger Waffenverkäufer seine Aktivitäten sowie die damit verbundenen Probleme. Hierbei werden jedoch auch die Verbindungen zwischen den einzelnen Machtzentren angedeutet. Die Dokumentation „“9/11“ von Michael Moore beschäftigt sich mit zahlreichen Fragen, die die Verbindungen zwischen dem Waffenhandel und den Anschlägen auf das World Tradecenter beleuchten sollen.

Onkel Wanja: Bedeutung, Definition, Erklärung


„Onkel Wanja“ ist der Name eines Dramas in vier Akten von Anton Tschechow und es soll der Name einer russischen Fast-Food-Kette sein, die McDonalds in Russland ersetzen soll.

Onkel Wanja: Russland, McDonalds

McDonalds zog sich wegen dem russischen Angriff auf die Ukraine (2022) aus Russland zurück und schloss seine Filialen in Russland. (Eine Liste der Firmen, die sich Russland zurückgezogen haben, findest du hier.) Der Kreml will nun die Fast-Food-Kette (und seine 800 geschlossenen Filialen) durch eine heimische Fast-Food-Kette namens „Onkel Wanja“ (kyrillisch Дядя Ваня) ersetzen.

Das am 18. März 2022 veröffentlichte Logo von „Onkel Wanja“ sieht dabei dem McDonalds-Logo sehr ähnlich. Das McDonalds-M wurde um 90 Grad nach rechts auf die Seite gedreht und ein horizontaler Strich verbindet die Enden der beiden Bogen miteinander, so dass optisch ein „B“ (im Sinne des lateinischen Alphabets) entsteht. Im Kontext des kyrillischen Alphabets sieht der Buchstabe wie ein lateinisches „B“ aus, wird aber als „w“ (im deutschen) ausgesprochen. Das „W“ steht für „Wanja“. Das Farbdesign von „Onkel Wanja“ verwendet wie McDonalds einen gelben Buchstaben auf rotem Grund.

Die Netzgemeinde reagierte mit Spott auf den Vorschlag und schlug weitere Alternativen vor: Aus Netflix solle „Njetflix“ werden.

Die Moskauer Verwaltung erklärte, dass sie das Projekt „Onkel Wanja“ zusammen mit Geschäftsleuten unterstützen werde und in den Läden nur Produkte angeboten werden die „hundertprozentig russisch“ sind.

Auf der Homepage des russischen Unternehmens „Onkel Wanja“ äußerte sich die Firma, dass sie keine Absicht hat ein Netzwerk von Gastronomiebetrieben zu gründen. Siehe Quelle: Übersetzung der russischen Webseite von Onkel Wanja: hier.

Onkel Wanja: Anton Tschechow

Das Drama „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow erschien 1896 und wurde 1899 in Moskau uraufgeführt.

Resignation

Iwan Petrówitsch Wojnizkij (Onkel Wanja) ist gemeinsam mit Sonja (seine Nichte), der rechtmäßigen Eigentümerin des Gutshofes seiner toten Schwester, Verwalter desselben. Mit den Erträgen subventioniert er die Karriere und das ausschweifende Leben seines Schwagers, Professor Serebrjaków, den Wanja bewundert und verehrt. Nur zu gerne hätte er selbst sein Leben der Kunst gewidmet, wie Serebrjaków. Seine Tochter Sonja, bei ihrem Onkel Wanja auf dem Gutshof aufgewachsen, ist volljährig und zu ihrem Leidwesen nicht sehr hübsch. Schon lange schwärmt sie für Wanjas Freund Ástrow, den Bezirksarzt. Dieser aber ist verbittert vom eintönigen Landleben, überarbeitet und obendrein ein Trinker. Er hat keine Augen für Sonja.

Veränderung und Erkenntnis

Serebrjaków ist bereits im Ruhestand, als er sich entschließt, mit seiner zweiten, recht jungen Ehefrau Jeléna auf den Gutshof zurückzukehren. Das Leben der Bewohner ändert sich. Jelénas Schönheit zieht Wanja magisch an, aber sie hegt lediglich freundschaftliche Gefühle für ihn und zeigt ihm die kalte Schulter. Wanja erkennt überdies, dass er sich in Serebrjaków getäuscht hat. Er ist gar kein hochdotierter Wissenschaftler, vielmehr ein ausgefuchster Lebemann mit hypochondrischen Neigungen.

Eskalation

Aus dem Nichts eröffnet Serebrjaków den Bewohnern des Gutshofes, dass er den Hof verkaufen werde und den Ertrag in Aktien anlegen, um sein Stadtleben wieder aufzunehmen. Wanjas Lebenswerk steht vor dem Aus. Kurz vorher erwischt Wanja seine verehrte Jeléna und Ástrow in einer zweideutigen Situation. Aufgewühlt von den Geschehnissen lässt er die Lage ohne Vorankündigung völlig eskalieren und greift im Affekt zur Waffe. Zweimal schießt er auf Serebrjaków, aber trifft ihn nicht.

Umkehr

Nach Wanjas Suizidgedanken und der Suche nach einem gestohlenen Fläschchen Morphium versucht Ástrow noch, die schöne Jeléna zum Bleiben zu überreden. Doch alle Bemühungen nach Veränderungen und neuen Impulsen verlaufen im Sande. Die Gutshofbewohner erkennen, dass sie in ihr altes Leben zurückzukehren müssen und nichts sich ändern wird.

What is a „Putinversteher“? Meaning, definition, explanation


„Putinversteher“ is a german pejorative term for someone who thinks the (political) actions of Russian President Vladimir Putin are good, glosses over them, relativizes them and/or defends him against criticism. This applies in general to Russian daily and domestic politics and in particular to the Russian attack on Ukraine.

About the word „Putinversteher“

„Putinversteher“ is a german word, which is used in the english speaking world.

The expression „Putinversteher“ has a special meaning and connotation that English translations such as „Putin savant“, „Putin savvy“, „Putin understanding“ or „Putin understander“ do not have. Therefore, the expression „Putinversteher“ is used.

What is a „Putinversteher“? Meaning, definition, explanation

In general, a Putinversteher has an understanding for the morally wrong, aggressive and undemocratic policy of Vladimir Putin. A Putinversteher has made it his business to understand Putin’s position, to show understanding and to agree. A Putinversteher harbors sympathy for the Russian president.

A Putinversteher reproduces and reproduces the worldview of Vladimir Putin. Putinversteher spread Vladimir Putin’s claims and false claims unchecked. (In the worst case)

A Putinversteher is usually called a „Putinversteher“ person by others and would not give himself (or herself) this label. To accusations against or criticism of the policy of Vladimir Putin, a Putinversteher reacts with relativizations, appeasements, whatsaboutisms, denials, fake news or propaganda accusations. Putinversteher wish that the claims of Vladimir Putin in the West are taken seriously (more).

For Putinversteher, Vladimir Putin’s policies are misunderstood or misconstrued by the West. Putin misunderstanders name the mistakes of the West and criticize the USA and Germany for it.

Especially in the context of Russia’s international relations with Europe, the USA and NATO and Russia’s attack on Ukraine in the spring of 2022, Putinversteher see Putin and Russia as victims of Western policy rather than aggressors. For Putinversteher, Russia’s role in international relations is always one in which Russia is in a bind and suffers the policies of the West. For Putinversteher, Vladimir Putin is not an enemy. For Putinversteher the west breaks crimes and is the west war-monger.

It can also be said about Putinversteher that they also want a leader like Vladimir Putin for the USA or Germany, because in their eyes he radiates strength, dominance and masculinity. He is thus the opposite of liberal politicians, who often choose diplomatic words, appear soft, seek compromises, do not show a hard edge and are open to social developments such as gender and veganism.

In a positive view, Putinversteher wish for a better German and European Russia policy. They would like to see more cooperation with Russia. In a broader positive sense, Putinversteher can be said to be against one-sidedness in viewing international relations.

Conclusion: You notice that there are several gradations of Putinversteher. There are Putinversteher who want less one-sidedness in looking at international relations (and conflicts). There are Putinversteher who want better relations with Russia. There are Putinversteher who reproduce, reproduce, and disseminate Putin’s worldview. There are Putinverstehers who wish such a strong man for their country.

History of the term „Putinversteher“

The term „Putinversteher“ became popular (in Germany) in March 2014. This correlates with the Russian annexation of Crimea on March 18, 2014. Through 2015 and 2016, the term continued to be quite popular. Between 2014 and 2016, Putinversteher defended and explained Russia’s annexation of Crimea. Putinversteher condemned the sanctions imposed on Russia in 2014. In general, Putinversteher criticized the poor German and European relationship with Russia. At the same time, they called for more understanding for Putin and an approach toward him.

Since February 24, 2022, the expression „Putinversteher“ is becoming popular again. On February 24, 2022, the Russian attack on Ukraine began.

A well-known Putinversteher is Silvio Berlusconi. There are many Putinverstehers in the german political parties „Die Linke“ and AfD.

Is it possible to understand Putin without being a Putinversteher?

Yes, it is a useful enterprise to try to understand Vladimir Putin. However, this endeavor should be designed to find out why Vladimir Putin behaves, how he behaves, what he wants, and what he fears. All of these findings can ideally be used to better predict and assess future behavior of the Russian president.

Here, of course, a red line must be drawn. No understanding must be shown for immoral behavior, starting a war, anti-democratic and anti-liberal policies.

Furthermore, the critic must ask himself here whether he represents a value relativism or universalism. With a relativism it is ok, if in Russia other values (or laws) are valid than in Germany. With a universalism not!

The problem with the desires of the Putinversteher to be more responsive to Putin is this: Putin is an autocrat, just like Erdogan. Putin speaks the language of strength. He is concerned with power, not empathy, friendly accommodation and democratic compromise. Germany is a liberal country governed by liberal politicians. They are democrats and work within the structures of the separation of powers. This is where two worlds meet.

Further meaning of „Putinversteher

„Putin-Versteher: Warum immer mehr Deutsche Verständnis für Russland haben“ is a german paperback published in 2015.

Was ist ein Putinversteher? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Putinversteher“ ist eine abwertende Bezeichnung für jemanden, der das (politische) Handeln des russischen Präsidenten Wladimir Putin gut findet, schön redet, relativiert und/oder ihn gegenüber Kritik verteidigt. Dies gilt im Allgemeinen für russische Tages- und Innenpolitik und im Besonderen für den russischen Angriff auf die Ukraine.

Was ist ein Putinversteher? Bedeutung, Definition, Erklärung

Generell gilt für einen Putinversteher, dass dieser (oder dass die Putinversteherin) Verständnis für die moralisch-falsche, aggressive und undemokratische Politik Wladimir Putin hat. Ein Putinversteher hat es sich zur Aufgabe gemacht die Position Putins zu verstehen, Verständnis zu zeigen und zuzustimmen. Ein Putinversteher hegt Sympathie für den russischen Präsidenten.

Ein Putinversteher reproduziert und gibt die Weltanschauung von Wladimir Putin wieder. Putinversteher verbreiten die Behauptungen und Falschbehauptungen Wladimir Putins ungeprüft. (Im schlimmsten Fall)

Ein Putinversteher wird in der Regel von anderen als Putin-Versteher bezeichnet und würde sich selbst dieses Label nicht geben. Auf Vorwürfe gegen oder Kritik an der Politik Wladimir Putins reagiert ein Putinversteher mit Relativierungen, Beschwichtigungen, Whatsaboutisms, Abstreiten, Fake-News- oder Propaganda-Vorwürfen. Putinversteher wünschen sich das die Ansichen Wladimir Putins im Westen ernst(er) genommen werden.

Für Putinversteher wird die Politik Wladimir Putins vom Westen falsch verstanden oder missverstanden. Putinversteher benennen die Fehler des Westens und kritisieren die USA und Deutschland dafür.

Gerade im Kontext der internationalen Beziehungen von Russland zu Europa, den USA und der Nato und dem russischen Angriff auf die Ukraine im Frühjahr 2022 betrachten Putinversteher Putin und Russland als Opfer westlicher Politik und nicht Aggressor. Für Putinversteher ist die Rolle Russlands in internationalen Beziehungen stets eine Rolle in der Russland in einer Zwickmühle ist und die Politik des Westens erleidet. Für Putinversteher ist Wladimir Putin kein Feindbild. Für Putinversteher bricht der Westen Verbrechen und ist der Westen Kriegstreiber.

Über Putinversteher kann auch gesagt werden, dass diese sich für Deutschland auch einen Anführer wie Wladimir Putin wünschen, da dieser in ihren Augen Stärke, Dominanz und Männlichkeit ausstrahlt. Er ist damit das Gegenteil der liberalen Politiker, die oft diplomatische Worte wählen, weich wirken, Kompromisse suchen, keine harte Kante zeigen und offen gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen wie Gender und Veganismus sind.

In einer positiven Sichtweise wünschen sich Putinversteher eine bessere deutsche und europäische Russlandpolitik. Sie wünschen sich mehr Zusammenarbeit mit Russland. In weiterem positiven Sinne kann man sagen, dass Putinversteher gegen die Einseitigkeit in der Betrachtung internationaler Beziehungen sind.

Fazit: Sie merken, dass es mehrere Abstufungen der Putinversteher gibt. Es gibt Putinversteher, die sich weniger Einseitigkeit in der Betrachtung internationaler Beziehungen (und Konflikte) wünschen. Es gibt Putinversteher, die sich bessere Beziehungen zu Russland wünschen. Es gibt Putinversteher, die die Weltsicht Putins reproduzieren, wiedergeben und verbreiten. Es gibt Putinversteher, die sich solch einen starken Mann für ihr Land wünschen.

Geschichte vom Begriff „Putinversteher“

Der Ausdruck „Putinversteher“ wurde im März 2014 populär. Dies korreliert mit der russischen Annexion der Krim am 18. März 2014. Bis 2015 und 2016 war der Begriff weiterhin recht populär. Zwischen 2014 und 2016 verteidigten und erklärten Putinversteher die russische Annexion der Krim. Die Putinversteher verurteilten die Russlandsanktionen, die 2014 verhängt wurden. Generell kritisierten Putinversteher das schlechte deutsche und europäische Verhältnis zu Russland. Gleichzeitig forderten sie mehr Verständnis für Putin und ein auf ihn zugehen.

Seit dem 24. Februar 2022 wird der Ausdruck „Putinversteher“ wieder populärer. Am 24. Februar 2022 begann der russische Angriff auf die Ukraine.

Ein bekannter Putinversteher ist Silvio Berlusconi. Auch Alice Schwarzer war Putinversteherin und Sarah Wagenknecht war stets eine Putinversteherin. Viele Putinversteher gibt es in der Partei „Die Linke“ und der AfD.

Kann man Putin verstehen ohne Putinversteher zu sein?

Ja, es ist ein sinnvolles Unternehmen zu versuchen Wladimir Putin zu verstehen. Dieses Unterfangen sollte aber darauf ausgelegt sein, zu ergründen, warum Wladimir Putin sich verhält, wie er sich verhält, was er will und was er fürchtet. All diese Ergebnisse können im Idealfall genutzt werden, um künftiges Verhalten des russischen Präsidenten besser vorherzusagen und einzuschätzen.

Hierbei muss natürlich eine rote Linie gezogen werden. Für unmoralisches Verhalten, das Beginnen eines Krieges, anti-demokratische und anti-liberale Politik muss kein Verständnis gezeigt werden.

Ferner muss sich hier der Kritiker fragen, ob er einen Werte-Relativismus oder -Universalismus vertritt. Bei einem Relativismus ist es ok, wenn in Russland andere Werte (oder Gesetze) gelten als in Deutschland. Bei einem Universalismus nicht!

Das Problem mit den Wünschen der Putinversteher, mehr auf Putin einzugehen, ist folgendes: Putin ist ein Autokrat, genau wie Erdogan. Putin spricht die Sprache der Stärke. Ihm geht es, um Macht, nicht um Einfühlungsvermögen, freundliches Entgegenkommen und demokratische Kompromisse. Deutschland ist ein liberales Land, dass von liberalen Politikern regiert wird. Sie sind Demokraten und arbeiten in den Strukturen der Gewaltenteilung. Hier treffen zwei Welten aufeinander.

Weitere Bedeutung von „Putin-Versteher“

Übrigens: Der Ausdruck „Putinversteher“ hat sich international verbreitet. In der englisch-sprechenden Welt wird das Wort in seiner deutschen Schreibweise verwendet. Eine entsprechende Übersetzung „Putin understander“ ist kaum verbreitet.

„Putin-Versteher: Warum immer mehr Deutsche Verständnis für Russland haben“ ist ein 2015 erschienenes Taschenbuch.

Was bedeutet „Ende der Geschichte“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff Ende der Geschichte ist heute eng verknüpft mit einem Essay des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama. Er stellte 1989 die Theorie auf, dass es nach dem Fall der Sowjetunion zu einer natürlichen Verbreitung des Liberalismus komme – und ein Ende der internationalen ideologischen Konflikte, die sich geschichtlich lange abzeichneten, folgen würde. Francis Fukuyama stützt sich in seiner Grundidee auf Vordenker wie Georg Friedrich Wilhelm Hegel oder Alexandre Kojève. Die Theorie Fukuyamas wird im Angesicht aktueller politischer Entwicklungen allerdings nicht unkritisch gesehen.

Bedeutung und Entstehung der These vom Ende der Geschichte

In der US-amerikanischen konservativen Zeitschrift The National Interest erschien Mitte 1989 ein Essay von Francis Fukuyama. Darin stellte er die These auf, dass die Geschichte auf einen logischen Endpunkt zuläuft, dem Ende der Geschichte. Dieser Punkt, unterstrichen vom Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Fall der Mauer, würde das politische Systemdenken überwinden und in einer international weit verbreiteten liberalen Demokratie mit freier Marktwirtschaft münden.

In seinem späteren Buch The End of History and the Last Man (1992) arbeitete Fukuyama seine Ansichten weiter aus. Darin unterstreicht er argumentativ die Schwäche totalitärer, diktatorischer und repressiver Systeme. Menschen, so Fukuyama, würden sich natürlich zum Liberalismus mit seinen Grundrechten und seiner Freiheit hingezogen fühlen. Daher sei der Liberalismus und die liberale Demokratie das logische Ende der Geschichte.

Fukuyamas Thesen waren fraglos beeinflusst durch das Ende der Sowjetunion, welche sich mit der Veröffentlichung seines Artikels im Jahr 1989 akut entwickelte – und auch mit der Veröffentlichung seines Buches 1992 weiter international folgenreich war. Doch die Entwicklung der Geschichte nach den 90er-Jahren – von 9/11 bis zur russischen Invasion in die Ukraine – überschatten heute die Hauptthese seines Werkes, das in den 90er-Jahren fraglos große Reichweite erringen konnte.

Wer ist Francis Fukuyama?

Francis Fukuyama ist heute ein anerkannter Politikwissenschaftler, der insbesondere mit seiner These zum Ende der Geschichte internationale Aufmerksamkeit erlangen konnte. Als Sohn japanischer Auswanderer legte er eine beachtliche akademische Karriere in den USA vor. In den 70er- und 80er-Jahren lieferte er Gutachten zum Konflikt mit der Sowjetunion für Denkfabriken wie die RAND Corporation. Später war er als Professor in Washington und Baltimore tätig.

Ihm wurden beruflich zahlreiche Positionen als Gastdozent, Gastwissenschaftler und Ehrendoktor zuteil. Das internationale Ansehen Fukuyama ließ ihn zu einem der bekanntesten Politikwissenschaftler der USA werden. Dabei fühlte sich Fukuyama selbst lange Zeit zu neokonservativen Positionen hingezogen, versuchte sich aber später davon zu distanzieren – gerade unter dem Eindruck des Irakkriegs und der Regierungszeit von George W. Bush.

Neben der vielleicht populärsten These Fukuyamas über das Ende der Geschichte, befasste sich der Wissenschaftler auch mit Theorien über die Informationsgesellschaft und lieferte eine kritische Auseinandersetzung mit der modernen Biotechnologie in seinem Werk Das Ende des Menschen (2002). Vor dem Eindruck internationaler Entwicklungen, insbesondere der Invasion Russlands in die Ukraine im Jahr 2022, begann Francis Fukuyama Teile seiner eigenen Theorie von dem Ende der Geschichte zu überarbeiten.

More, Hegel und Kojève – Vordenker von Fukuyama

Fukuyamas Idee von einem Ende der Geschichte geht streng davon aus, dass die Menschheit einen sogenannten Idealzustand erreichen kann, in dem jeder friedlich und prosperierend miteinander kooperiert – sozusagen in einem optimalen System. Fukuyamas Thesen haben geschichtlich eine lange Reihe von Vordenkern, die Facetten dieses Gedanken bereits vor Fukuyama formulierten.

Bereits in der Renaissance träumte der britische Philosoph und Humanist Thomas More (1478-1535) in seinem Werk Utopia von einem gesellschaftlichen Idealzustand. In seiner Geschichtsphilosophie geht der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) von einer zielgerichteten Geschichte aus. D.h. die Geschichte der Menschheit ist ein Prozess, ein dialektischer Stufengang – in seinen Worten, hin zur maximalen Freiheit des Menschen. Hegels Geschichtsphilosophie war extrem einflussreich und inspirierte Karl Marx aber auch den russisch-französischen Vordenker Alexandre Kojève (1902-1968).

Fukuyamas Theorien zum Ende der Geschichte sind sichtbar von Kojève aber auch dessen Vorbild Hegel beeinflusst. So träumt bereits Kojève von einem Ende der Geschichte, das er in einer universellen Zivilgesellschaft sieht, angeleitet vom freien Bürger, dem Citoyen. Dass Kojève wie bereits Hegel das Ende der Geschichte im napoleonischen Europa sah – gibt in der Rückschau Anlass zur kritischen Betrachtung.

Kritik und Diskussionen zu das Ende der Geschichte

Viele Kritiker sehen in Francis Fukuyamas Essay nicht nur eine übermäßig optimistische Betrachtungsweise internationaler Entwicklungen, sondern in ihr auch eine weitere ideologische Position, die den Liberalismus und Kapitalismus als universellen Idealzustand darstellt. Sein Werk enthält die sehr voraussetzungsreiche These, dass der westliche Liberalismus und die darin verwobene Marktwirtschaft das ultimative politische Ziel aller Gesellschaften – unabhängig von ihrer Kultur – ist. Viele Entwicklungen der Gegenwart lassen zumindest an der Absolutheit dieser These Zweifel aufkommen.

Eine häufig vorgebrachte Kritik an Fukuyamas Theorie zum Ende der Geschichte ist die darin enthaltene Verklärung des Kapitalismus. Diese positive Darstellung der westlichen freien Marktwirtschaft – auf Basis des Neoliberlismus – trägt so selbst ideologische Züge. Zugleich scheinen viele fundamentale Ideologien – vom islamischen Fundamentalismus im Nahen Osten bis zum modernen China und Russland – sichtbar unwillig, den Kapitalismus und den Liberalismus vollständig zu übernehmen. Auch Armut, Ausbeutung und innergesellschaftliche Konflikte konnten durch die liberale Demokratie bisher nicht überwunden werden. Das Ende der Geschichte bleibt damit vorerst eine unerreichte Idealvorstellung.

In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich deshalb alternative politikwissenschaftliche Konzepte hervorgetan, die wesentlich nuancierter auf die von Fukuyama nur teilweise behandelten Probleme antworten. Im Jahr 2004 etablierte der Brite Colin Crouch den Begriff der Postdemokratie, nach dem Demokratie durch den Neoliberalismus, Wahlen als Spektakel und die systematische Erodierung von Sozialprogrammen selbst in Gefahr gerät und in eine Postdemokratie erodieren kann. Laut dieser These muss Demokratie immer wieder aufs neue aktiv erkämpft werden. Fukuyamas Vorstellung, dass die Demokratie, wenn sie einmal da ist, ein nachhaltiges stabiles Gebilde – einen Idealzustand – darstellt, in dem alle ihrem Glück nachkommen können, ist rückblickend als naiv einzuordnen. Der Gedanke, die liberale Demokratie und der freie Markt würden gemeinsam automatisch dafür sorgen, dass alle nachhaltig Glück und Wohlstand erreichen, wird durch Thesen wie die von Crouch sichtbar infrage gestellt. Donald Trump und die russische Invasion in die Ukraine beweisen, dass Demokratie auch heute nicht selbstverständlich ist. Vom Ende der Geschichte kann also in Betracht der gewaltigen Konflikte in der Gegenwart noch nicht geredet werden.

Wie Fukuyama auf die Kritik reagiert

Fukuyamas klassische These bleibt die Antwort auf die Frage schuldig, warum autoritäre Staaten wie Russland oder China langfristig das liberale Konzept und den Kapitalismus erstreben. Die gegenwärtigen Entwicklungen in der Welt haben auch Fukuyama zum Nachdenken gebracht. Wobei Fukuyama Teile seiner These weiter für richtig hält: So sei der Wahlsieg von Joe Biden im Jahr 2020 ein Hinweis darauf, dass das demokratische System auf Herausforderungen wie Donald Trump antworten kann.

In einem Interview mit dem Handelsblatt 2019 möchte Fukuyama seine These zum Ende der Geschichte nicht als unkritische Hymne auf die liberale Demokratie verstanden wissen. Vielmehr präsentierte Fukuyama sein Werk als Gegenmodell zu Karl Marx, der den Marxismus als Ende der Geschichte verstand. Der noch immer sichtbare moderne Konflikt liberaler Gesellschaften würde so zwischen der regional verwurzelten ländlichen Bevölkerung und der urbanen städtischen Bevölkerung liegen, durch die ein politischer Riss zieht. So würde überall auf der Welt an Orten mit einer geringen Bevölkerungsdichte eher rechts gewählt – von Donald Trump bis Victor Orban.

Fukuyama unterstreicht in aktuellen Artikeln und Interviews, dass die weiter existierende Ungleichheit in der Welt dem Ende der Geschichte, wie er es beschrieben hat, tatsächlich widerspricht. Dabei sieht er einen Grund für den Erfolg bei rechten Bewegungen, darin, dass sie das Gefühl der Ungerechtigkeit besser aufgriffen hätten als linke Bewegungen, die sich statt mit den Problemen des einfachen Mannes auf ausgewählte Minderheiten fokussieren würden. Fukuyama verlässt mit dieser Feststellung ein weiteres Mal den Boden der neutralen Theorie und zeigt Züge seines frühen Neokonservativismus. So äußert er sich auch kritisch über die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel und skeptisch gegenüber der fortschreitenden Integration von Europa.

Fukuyama schwenkt indirekt auch auf neuere Theorien ein, wie die von Colin Crouch – und erkennt an, dass Demokratie immer wieder aufs neue verteidigt werden muss. Im Kontext der russischen Invasion 2022 sieht er hingegen im erbitterten Widerstand der Ukrainer einen Hinweis, dass es einen neuen Aufschwung der Freiheit geben könnte. Fukuyama hat damit seine Theorie vom Ende der Geschichte noch nicht vollends ad acta gelegt.

Fazit – Das Ende der Geschichte und seine Kontroversen

Das Konzept vom Ende der Geschichte wurde 1989 durch den US-amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama verbreitet. Aufbauend auf Theorien von Hegel und Kojève, wird darin die liberale Demokratie mitsamt Marktwirtschaft als Idealzustand und Ende der Geschichte charakterisiert – ein Gegenkonzept zum Marxismus. Doch vor dem Hintergrund gegenwärtiger Entwicklungen – von Donald Trump bis zur russischen Invasion 2022 – geriet Fukuyamas Theorie an ihre Grenzen. Fukuyama selbst scheute sich im Anschluss nicht vor einer Überarbeitung der Theorie, sieht jedoch im Wahlsieg von Joe Biden und dem Widerstand der Ukraine klare Hinweise auf die Widerstandsfähigkeit der marktwirtschaftlichen Demokratie.

Was sind „Freiheitsenergien“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Den Ausdruck „Freiheitsenergien“ gebrauchte Bundesfinanzminister Christian Lindner kurz nach Ausbruch des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 für die erneuerbaren Energien, als es bei einer Debatte im Deutschen Bundestag darum ging, dass sich Deutschland nicht ohne Weiteres mit einem Embargo von russischem Gas, Öl und russischer Kohle verabschieden könne, ohne die eigene Energiesicherheit zu gefährden.

Der FDP-Politiker Lindner mutierte angesichts dieser Sachlage blitzschnell zum ökologischen Vorreiter: Man müsse nun die erneuerbaren Energien so schnell und energisch wie möglich ausbauen, um Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu erreichen und somit auch nicht mehr von den Energielieferungen eines Aggressors wie Russland abhängig zu sein. Diese Energien seien daher „Freiheitsenergien“.

Zustimmung zu den „Freiheitsenergien“ von vielen Seiten

Auch wenn es nicht in sein Ressort fällt, stimmte als erstes Regierungsmitglied Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) seinem Ministerkollegen zu. Es sei richtig, so Lauterbach, dass die Energiesicherheit unter dem Licht der russischen Aggression in der Ukraine eine neue Bedeutung erfahre und man daher die Energieplanung an diese Lage anpassen müsse. Lauterbach schrieb auf Twitter, dass wir uns „unabhängig von Gas und Öl aus allen Ländern machen müssen, die uns erpressen könnten.“ Auch von fachlicher Seite kommt große Zustimmung zu Lindners Statement. Die Energieprofessorin am DIW (Deutsches Institut für Wirtschaft) Claudia Kemfert schrieb auf Twitter, dass Lindner „vollkommen recht“ habe. Kemfert ist eine Expertin, die sich schon lange mit der Möglichkeit befasst, die einheimische Energieversorgung vollkommen auf erneuerbare Energien umzustellen (siehe weiter unten). „Die Energiewende mit erneuerbare Energien sichert den Frieden!“, so die Professorin.

Wie weit geht Lindner mit den Freiheitsenergien?

Am 10. März 2022 äußerte der Bundesfinanzminister, dass er gegen Russland alle Sanktionen für denkbar hält – auch die totale Abkopplung im Energiebereich. Demnach befürchtet Lindner nicht, dass ein Importstopp von russischen Energieträgern die deutsche Wirtschaft zusammenbrechen lässt. Diese Option läge auf dem Tisch, so der Minister in der zweiten Märzwoche 2022 nach einem Arbeitstreffen mit der Wirtschaftsministerin Spaniens Nadia María Calviño. Er wolle allerdings vorerst bei den Sanktionen andere Instrumente nutzen.

Dennoch könnte ein Energieembargo das wirklich scharfe Schwert gegen Russland sein. Das lässt sich daran ablesen, dass Putin am 13. März 2022 sehr deutlich kommuniziert hatte, dass Russland an seinen Lieferverpflichtungen bei Öl, Gas und Kohle festhalten werde. Zwar hatte es aus russischen Regierungskreisen noch am 11. und 12. März geheißen, man könne durchaus die Gasdurchleitung durch Nordstream 1 beenden, doch offenbar hatten russische Wirtschaftsexperten ihre Regierung gleich danach vor dem wirtschaftlichen GAU infolge eines solchen Schrittes gewarnt. Putin ruderte also zurück.

Der deutsche Finanzminister Lindner wiederum äußerte sich optimistisch, dass die deutsche Exportwirtschaft und ebenso die Finanzmärkte den Krieg in der Ukraine verkraften könnten. Die Auswirkungen seien beherrschbar und kalkulierbar, so Lindner, selbst wenn man an ein Embargo russischer Energielieferungen denke. Er schränkte freilich ein, dass es bei längerem Kriegsverlauf zu unterbrochenen Lieferketten und infolge zu hoher Energiepreise auch zu ernsthaften wirtschaftlichen Verwerfungen kommen könne. Dennoch müsse man jetzt Russland den „höchstmöglichen Preis“ für den Krieg auferlegen, so der Minister.

Welche Rolle spielen unsere Energieimporte aus Russland für die Kriegsfinanzierung?

Das lässt sich nur grob schätzen. Nach unterschiedlichen Aussagen überweist die EU an Russland täglich zwischen rund 500 bis 800 Millionen Euro für die Energieimporte. Diese Summe ist nach Kriegsausbruch durch den Schock an den Märkten gestiegen. So stieg etwa der Ölpreis bei der Sorte Brent unmittelbar nach Kriegsausbruch von rund 95 auf zunächst 133 Dollar pro Fass, inzwischen (Stand 14.03.2022) ist er wieder auf 105 Dollar gefallen. Der Gaspreis bewegt sich fast parallel zum Ölpreis. Das bedeutet: Bei gleichen Produktions- und Distributionskosten konnten Rohstofflieferanten (also auch Russland) 40 % mehr einnehmen. Da sich an den Förder- und Distributionskosten nichts geändert hat, fließt dieser Gewinn direkt in die Kassen der Lieferanten. Diese erzielen im Normalfall eine Gewinnmarge von rund 30 bis 40 %, die sich nun in etwa verdoppelt hatte.

Dennoch ist es falsch, wenn manche Kommentatoren behaupten, wir würden mit unseren Energieimporten aus Russland den Krieg direkt finanzieren, weil dieser knapp eine Milliarde Dollar pro Tag kosten soll, also nur wenig mehr, als Russland aus der EU für seine Rohstofflieferungen erhält. Der Gesamtpreis enthält schließlich auch einen Kostenfaktor für Russland. Dennoch ist es sicher nicht falsch zu behaupten, dass wir mit den Energieimporten die Kriegskosten in etwa zu einem Drittel mitfinanzieren. Das ist eine bittere Pille.

Wie kommen wir von Russlands Energielieferungen weg?

So sehr es uns schmerzt: Der Umbau zu einer ökologischen, von fossilen Rohstoffen (und damit auch dem CO₂-Ausstoß) unabhängigen Energieversorgung dauert lange und ist nicht zum Nulltarif zu haben. Die Frage kann sich jeder Autofahrer privat stellen: Warum steigen wir nicht schnellstmöglich auf ein E-Auto um, das doch sogar enorm staatlich gefördert wird?

Es ist einfach zu kompliziert, zu teuer und möglicherweise zu unkomfortabel. Und so sieht es mit der gesamten Energiewirtschaft aus. Das erkennen wir daran, dass es seit Ende Februar 2022 in Deutschland Diskussionen gibt, die restlichen Atomkraftwerke doch nicht abzuschalten und auch Kohlekraftwerke in größerem Umfang zu nutzen. Sogar der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck schließt sich solchen Gedankenspielen an.

Doch Lindner hat nun unter dem Eindruck des Krieges die ökologische Transformation der Wirtschaft zum erklärten Ziel ausgerufen und sollte auch daran festhalten, weil sie gelingen kann. Das haben Experten schon vor einiger Zeit durchgerechnet, unter ihnen die oben zitierte Professorin Claudia Kemfert. Ihre Arbeitsgruppe am DIW hat schon 2019 ausgerechnet, dass Deutschland seinen Energiebedarf vollständig aus den erneuerbaren Energien Solarstrom, Windkraft und Biomasse decken könnte. Vor allem der Ausbau der Wind- und Solarenergie müsste aber hierfür sehr stark forciert werden.

Die Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Kemfert ermittelte hierfür im Jahr 2019 ein realistisches Szenario mit einem Zeitrahmen von 10 bis 15 Jahren. Die gute Nachricht: Das wäre nicht nur technisch möglich und ökologisch ungemein wertvoll (sowie nach neuestem Stand der Betrachtung auch geopolitisch essenziell), sondern auch ökonomisch effizient. Wir hätten am Ende günstigeren Strom und wären mit diesen „Freiheitsenergien“ auch vollkommen unabhängig von Potentaten wie Putin. Dass wir dabei das Klima retten, kommt als Bonus obendrauf. Da nun die fossilen Energien durch den Krieg so teuer geworden sind, wäre es sinnvoll, diese Mehrkosten doch gleich in den Ausbau der erneuerbaren Energien zu stecken. Das dürfte Christin Lindner mit den „Freiheitsenergien“ gemeint haben.

Was bedeutet „Pootin“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der englische Ausdruck „Pootin“ ist eine herabsetzende, abwertende und diffamierende Bezeichnung für den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin.

Hinweis: Dieser Beitrag berichtet über den Gebrauch und die Verbreitung des Ausdrucks „Pootin“. Der Beitrag ist keine Meinungsäußerung.

Was bedeutet “Pootin”? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Ausdruck „Pootin“ setzt sich aus dem englischen Wort „Poo“ und dem Nachnamen Putins zusammen. Der englische Ausdruck „Poo“ bedeutet auf deutsch „Kacke“. Er ist also ein eher vulgärer Ausdruck, der beleidigend verstanden werden kann. Auf jeden Fall drückt der Ausdruck Geringschätzung und Ablehnung bis Missachtung aus.

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 verbreitete sich der Ausdruck „Pootin“ in den USA, Kanada, Australien, UK, Deutschland, Polen, Indien und Schweden sehr stark. (Quelle: Google Trends) (Ein weiterer Ausdruck der sich verbreitet, war „Putler„.)

Der Ausdruck „Pootin“ wird von Menschen verwendet, die Wladimir Putin, den Angriff auf die Ukraine und seine Politik ablehnen. Ins Besondere finden sich in den sozialen Medien Menschen, die Wladimir Putin in ihren Nachrichten direkt mit „Pootin“ ansprechen oder die über ihn als „Pootin“ sprechen.

Der Ausdruck „Pootin“ verbreitete sich als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 stark. Jedoch war der Ausdruck auch schon vorher bekannt und verbreitet. Hier kann es aber zu Verwechselungen kommen. Denn in der südlichen USA war der Ausdruck „Pootin“ bzw. „Pootine“ ein regionaler Slang-Begriff für Flatulenzen (entweichen lassen) bzw. Pupsen. (Dies zeigen alte Einträge auf Urban Dictionary.) Daher erklärt sich auch, warum ein Badezimmer-Raumspray namens „Pootin“ vertrieben wurde.

Weitere Bedeutung von Pootin

Im Internet finden sich zum Ausdruck „Pootin“ verschiedenste Ergebnisse. So verbreitete sich ein 3D-Bild und Druck von einem Kothaufen auf den das Gesicht Wladimir Putin angebracht wurde.

Achtung: Der Ausdruck „Pootin“ sollte nicht mit dem Wort „Poutine“ verwechselt werden. („Poutine“ ist ein kanadisches Fast-Food-Gericht.)

Kritik der Redaktion: Der russische Angriff auf die Ukraine wurde mit Fassungslosigkeit, Empörung und Wut von vielen aufgenommen. Da liegt es nahe, dass man diesen Gegner beleidigen und geringschätzen möchte. Doch dies kann zu kurz gedacht sein, denn es wird eine Welt nach dem Krieg geben und Russland und Wladimir Putin werden Teil dieser Welt sein.

Russland Mediengesetz (2022): Inhalt, Erklärung, Strafen, Pressefreiheit


Das am 4. März 2022 von der russischen Regierung verabschiedete Gesetzespaket zur Tätigkeit in- und ausländischer Medien stellt die Verbreitung von absichtlichen Falschinformationen über den Einsatz russischen Streitkräfte unter Strafe. Angedroht werden den Verbreitern solcher Nachrichten Geld- und Gefängnisstrafen. Letztere können bis maximal 15 Jahre Haft reichen. Mit Medien sind auch Social-Media-Kanäle von Privatpersonen gemeint. Damit können die Strafen auch gegen private Blogger und Vlogger verhängt werden, was mit Stand 9. März 2022 bereits geschehen ist.

Was verbietet das neue russische Mediengesetz konkret? Inhalt, Erklärung

Konkret geht es um die russischen Streitkräfte und um die Durchführung der sogenannten „militärischen Spezialoperation“, wie es im offiziellen russischen Sprachduktus heißt. Verboten sind:

  • sogenannte „Falschinformationen“ über russische Streitkräfte (pauschalisierter Begriff, der jegliche Interpretation zulässt)
  • Verunglimpfung der russischen Armee
  • Verwendung der Begriffe „Angriff“, „Kriegserklärung“ und „Invasion“ für den russischen Einmarsch
  • Verbreitung von Opferzahlen (zivile und militärische Opfer) sowie Angaben zu materiellen Schäden beider Seiten, die nicht von offiziellen staatlichen russischen Stellen stammen
  • Zuweisung einer Schuld am Geschehen gegenüber dem russischen Staat oder einem seiner Vertreter

Was bedeutet der Wortlaut des Gesetzes in juristischer Hinsicht?

Juristisch verschafft das Gesetz dem russischen Rechtssystem eine Handhabe, gegen jede Person mit einer Geld- und/oder Gefängnisstrafe vorzugehen, die sich abweichend von der offiziellen russischen Linie zum Kriegsgeschehen äußert. Die Abweichung muss nicht groß sein, um bestraft zu werden. Diesen Schluss legen die schwammigen Punkte des Gesetzes nahe.

Es spielt auch keine Rolle, wo die betreffende Person ihre Äußerungen tätigt und welcher Staatsangehörigkeit sie ist. Das bedeutet konkret, dass auch ausländische Journalisten oder Privatpersonen unter dieses Gesetz fallen, und zwar selbst dann, wenn sie an ihrem heimischen Computer irgendwo in der Welt in einem Blog oder in einem Kommentar auf Facebook, Instagram, YouTube & Co. eine von der russischen Linie abweichende Meinung äußern. Gemeint sind allerdings alle Äußerungen ab dem Erlass des Gesetzes am 04.03.2022. Dementsprechend warnte das Auswärtige Amt Deutschlands unmittelbar nach diesem Erlass alle Bürger*innen hierzulande, sich ab sofort zu überlegen, was sie online zum Kriegsgeschehen posten.

Was könnte einem deutschen Blogger, Vlogger oder Verbreiter eines privaten Posts oder Kommentars drohen?

Das rein juristische Szenario sieht so aus: Wer gegen das Gesetz verstößt, kann nach entsprechenden Ermittlungen der russischen Behörden verurteilt werden und müsste sich darauf einstellen, dass die russische Justiz dieses Urteil durchsetzt, wenn diese Person russischen Boden betritt. Dass der deutsche Staat oder andere westliche Staaten jedoch Rechtshilfe leisten, wenn diese Person sich nicht in Russland oder einem mit Russland befreundeten Staat aufhält, ist undenkbar. Mit Russland befreundete Staaten sind derzeit unter anderem Belarus, Syrien, Eritrea, Kuba, Venezuela, Nicaragua, Nordkorea und China.

Wie wahrscheinlich ist so ein Szenario?

Für eine Privatperson, die beispielsweise in einem sozialen Netzwerk ihre Solidarität mit der Ukraine äußert und sich in diesem Kontext auch negativ zur russischen Armee, ihrer Führung (inklusive Wladimir Putin) und zu nicht von Russland gemeldeten Opfer- und Schadenszahlen äußert, ist die Wahrscheinlichkeit gering, von einer Strafverfolgung russischer Behörden betroffen zu sein. Diese würde ohnehin erst einsetzen, wenn diese Person irgendwann ins Hoheitsgebiet der russischen Justiz gelangt. Diese hätte mit der Strafverfolgung zwei Probleme:

  • #1 Sie müsste solche Äußerungen überhaupt erst einmal filtern und würde sich dabei kaum auf ausländische Privatpersonen und einzelne Posts, sondern eher auf journalistische Äußerungen in großen Medien konzentrieren. Auszuschließen ist so eine Filterung dennoch nicht, denn soziale Netzwerke lassen sich digital nach jedem erdenklichen Stichwort filtern.
  • #2 Wenn diese Person irgendwann nach Russland, Belarus oder einen anderen mit Russland befreundeten Staat reist, müsste das Interesse der russischen Behörden groß genug sein, diese Person bei der Einreise aufzuspüren und dann die Strafverfolgung aufzunehmen. Auch dieser Aufwand wäre erheblich, aber prinzipiell (auf digitalem Weg) zu stemmen. Dann stellt sich noch die Frage, inwieweit das russische Mediengesetz Verjährungsfristen vorsieht.

Nicht auszuschließen ist indes, dass die russischen Behörden irgendwann einmal gegen irgendeine ausländische Person ein Exempel statuieren. Doch die Wahrscheinlichkeit für jede einzelne Person, davon betroffen zu sein, ist prinzipiell sehr gering.

Was bedeutet das russische Mediengesetz für die unabhängige Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine?

Für die Berichterstattung aus Russland ist es der GAU, ansonsten spielt es keine Rolle, wie wir seit dem 4. März 2022 schließlich in unseren Medien besichtigen können: Sie berichten nach wie vor über den Krieg und beleuchten das Geschehen aus allen erdenklichen Perspektiven. Die Bundesregierung jedoch, Journalistenverbände und Medienunternehmen zeigten sich bezüglich der Arbeit unserer Journalisten in Russland besorgt.

Die westlichen Medien riefen in großer Zahl ihre Journalisten zurück, allerdings nicht komplett: Der WELT-Korrespondent Christoph Wanner etwa berichtet nach wie vor und wie gewohnt kritisch aus Moskau (Stand: 9. März 2022). Die Einordnung des Gesetzes durch das Berliner Auswärtige Amt fiel allerdings gravierend aus: Man konstatierte dort den kompletten Wegfall der Pressefreiheit in Russland, jedenfalls bezogen auf den Krieg in der Ukraine, und befürchtet seither „drakonische“ Strafen gegen Journalisten und Privatpersonen. Nun müsse man beobachten, wie die russische Justiz dieses Gesetz anwende, hieß es dazu aus dem Auswärtigen Amt. Man sei jedoch besorgt wegen der vielen unbestimmten Begriffe im Gesetzestext, die alle möglichen Auslegungen zuließen. Daher rate man Journalisten und Privatpersonen, mit der Situation „problembewusst und sensibel“ umzugehen. Dass die Sicherheit von Journalisten in Russland nicht mehr gewährleistet ist, steht für einige Insider außer Frage.

So forderte der DJV-Vorsitzende Frank Überall (Deutscher Journalisten-Verband) alle deutschen Auslandsreporter auf, Russland schnellstmöglich zu verlassen. ZDF-Chefredakteur Peter Frey nahm zur Entscheidung von ARD und ZDF Stellung, vorerst die Berichterstattung aus Russland auszusetzen: Man müsse die Journalisten vor Ort schützen, solange man nicht wisse, wie das russische Mediengesetz auf ausländische Korrespondent*innen angewendet werde.

Zuvor hatten schon BBC (Großbritannien), CNN, CBS, Bloomberg (alle USA) und CBC (Kanada) ihre Journalist*innen aus Russland abgezogen. BBC-Chef Tim Davie äußerte sich empört und besorgt zum Gesetz. Jedoch wolle sein Sender die russischsprachige Arbeit von Stationen außerhalb Russlands fortsetzen. Nur könne man nicht die eigenen Mitarbeiter*innen in Russland dem Risiko einer Strafverfolgung aussetzen.

Erste Verurteilungen nach dem neuen Mediengesetz (2022) in Russland

In Russland gab es schon kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes erste Verurteilungen. Ein 26-jähriger Mann wurde zu einer Geldstrafe von 30.000 Rubel (knapp 200 Euro) verurteilt, weil er die russische Armee verunglimpft haben soll. Er hatte in der Kleinstadt Pljos ein Plakat gegen den Krieg aufhängen wollen. Dieselbe Strafe ereilte einen anderen Mann aus Kostroma wiederum wegen eines Plakates, das die Kosten des Krieges thematisiert hatte.

Solche Fälle listet das Portal Meduza auf, das bislang noch arbeitet und sich kritisch gegenüber der eigenen Staatsführung positioniert. Wer in Russland gegen den Krieg demonstriert, muss umgehend mit bis zu 15 Tagen Haft rechnen. Die Behörden hatten zwischen dem 24. Februar (Einmarsch der russischen Truppen) und dem 8. März 2022 landesweit rund 13.000 Menschen bei Protesten festgenommen.

Russland: Weitere Maßnahmen gegen die Medien

Am 8. März hat Russland den Zugang zu YouTube, Facebook und Twitter stark eingeschränkt, bestimmte Kanäle sind gesperrt. Facebook war teilweise gar nicht mehr erreichbar, jedoch sperrten die Russen wohl noch nicht das zu Facebook gehörende Instagram. Offen denkt Putin über ein inländisches russisches Internet ohne Kontakt zur restlichen Welt nach. Darüber hinaus sind kritische russische Medien sehr stark betroffen.

Das unabhängige Portal „Znak“ aus Jekaterinburg stellte seine Arbeit schon am 5. März 2022 ein. Von ihm kam das größte unabhängige Informationsangebot außerhalb der Metropolen Moskau und St. Petersburg, in denen es noch weitere unabhängige Medien gibt. Die Redakteure von Znak kommunizierten, dass man es ihnen schon vor dem 4. März 2022 sehr schwer und oft unmöglich gemacht hatte, unabhängig zu berichten.

Die „Novaja Gaseta“ gilt als wichtigstes unabhängiges Nachrichtenportal in Russland. Ihr Chefredakteur Dmitri Muratow erhielt 2021 den Friedensnobelpreis. Er gab am 6. März 2022 in Absprache mit seiner Redaktion bekannt, dass man ab sofort nicht mehr über das Geschehen in der Ukraine berichten werde. Der für seine unabhängige Berichterstattung sehr beliebte Radiosender „Echo Moskwy“ löste sich am 5. März 2022 auf:

Die Behörden hatten ihn mit einem Sendeverbot wegen seiner Berichterstattung zur russischen Invasion im Nachbarland belegt. Den unabhängigen Fernsehsender „Doschd“ verboten die Behörden gleich komplett, was auch seine wirtschaftlichen und juristischen Strukturen betraf. Westliche Medien wie die Deutsche Welle, Radio Free Europe und Voice of America sperrten russische Techniker vom russischen Internet aus.

Die Nachrichtenagentur dpa ließ diesen Vorgang eigene Experten für Cybersecurity überprüfen. Diese konnten unter anderem belegen, dass die Webseite dw.com schon vor dem offiziellen Inkrafttreten des russischen Mediengesetzes in der Nacht von Donnerstag, dem 3. März 2022, auf Freitag, dem 4. März (Veröffentlichung des Gesetzestextes) in Russland in allen Sendesprachen gesperrt worden war. Seither veröffentlicht die Deutsche Welle auf weiteren ausländischen Webseiten Beiträge zu technologischen Möglichkeiten, mit denen sich die russische Sperre umgehen lässt.

Fazit: Lässt sich die Wahrheit auf diese Weise unterdrücken?

Man möchte laut ausrufen: Nein, das geht nicht! Doch so einfach ist es leider nicht. Nachrichten basieren auf einer Informationsfülle aus verschiedenen Quellen, Meinungen werden gemacht. Wenn man die Quellen abschneidet und nur noch eine dem Diktator genehme Meinung verbreiten lässt, hilft ihm das. Putin genießt in seinem Volk nach wie vor mehrheitlich eine große Zustimmung. Mit dem Schlag gegen die Medien dürfte er seine Position festigen.

Was ist Denazifizierung? Bedeutung, Definition, Erklärung


Im Zuge der russischen Aggression gegen die Ukraine wurde vor allem die „Denazifizierung“ als Grund angeführt, warum es eine Intervention der russischen Armee in der Ukraine braucht. Während es sich dabei natürlich nur um einen weiteren vorgeschobenen Grund der russischen Führung für einen Angriffskrieg handelt, ist der Begriff an sich durchaus berechtigt. Der Ansatz der Denazifizierung ist nicht neu und wurde besonders nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland zu einem wichtigen Punkt für die Neugründung der Republik. Ein genauer Blick auf die Umstände zeigt aber recht schnell, dass die Denazifizierung in der Ukraine in Deutschland ganz unterschiedliche Zwecke und eine ganz unterschiedliche Berechtigung verfolgte.

Was lässt sich unter dem generellen Begriff der Denazifizierung verstehen? Erklärung, Bedeutung, Definition

Die Ursprünge des Begriffes der Denazifizierung gehen auf das Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Nachdem klar wurde, dass das Reich von Adolf Hitler irgendwann zusammenbrechen würde, mussten sich die Alliierten darüber Gedanken machen, wie sie mit all den Personen umgehen sollten, die eine Rolle in dem mächtigen Apparat der nationalsozialistischen Führung gespielt haben. Viel wichtiger war dabei die Frage, wie viele dieser Personen tatsächlich ideologisch an dem diktatorischen System beteiligt waren und welche Personen beispielsweise eine wichtige Rolle in den Angriffskriegen und dem Holocaust gespielt haben.

Letztlich ist der heutige Begriff der „Entnazifizierung“ deutlich präsenter in der deutschen Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Alliierten verschiedene Prozesse in die Wege geleitet, mit denen sie die führenden Menschen in den NS-Ministerien und NS-Organisationen zur Verantwortung ziehen wollten. Auch innerhalb der Bevölkerung, der Ämter, der Gerichte und der Vereine, ebenso im städtischen Wesen sollte überprüft werden, wie sehr die Menschen mit der tatsächlichen Ideologie der Nazis verknüpft waren und welche Rolle sie dabei gespielt haben. Dabei wurden sowohl ihre eigenen Aussagen als auch jene von Zeugen für das Urteil genutzt.

Das Problem bei der Entnazifizierung waren die unterschiedlichen Standards, die die Besatzungstruppen der Alliierten aufgebracht haben. Wer in der SS dienste war nicht zwangsläufig ein Kriegsverbrecher und während er in der Besatzungszone der Sowjetunion vermutlich vor Gericht gelandet ist, kann er besonders in der westlichen Besatzungszone recht schnell von seinen Verbrechen frei gesprochen worden sein. Das hat am Anfang für einen schnellen Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg geführt – aber eben auch zu vielen Protesten im Laufe der Jahrzehnte.

Vor allem ab den 1960er Jahren wurden die Begriffe der Denazifizierung beziehungsweise der Entnazifizierung in Deutschland mit einer umfassenden gesellschaftlichen Debatte in das Licht gerückt. Erst durch die Aufarbeitung davon, wie viele Teilhaber und Verbrecher der Nazi-Regierung in Deutschland wieder in Amt und Würden gelandet sind, wurde einem großen Teil der Bevölkerung klar, wie sehr die Entnazifizierung in Deutschland versagt hatte. Das zieht sich mitunter bis heute, weil selbst heute noch Täter aus den damaligen Regimen vor Gericht gebracht werden, die zu keinem Zeitpunkt in früheren Jahren von Staatsanwaltschaften verfolgt worden sind.

Der Begriff der Denazifizierung im Kontext der russischen Invasion auf die Ukraine

Eine der deutlichsten Begründungen, die der russische Kreml, das Regierungsorgan der russischen Föderation, für dein Einmarsch in die Ukraine verlautbaren ließ, war eine Denazifizierung der Regierung der Ukraine. Natürlich lässt sich dies recht einfach als eine Form der Propaganda entschlüsseln, alles in allem gibt es aber durchaus Grund, warum gerade dieses bestimmte Argument gewählt wurde. Das lässt sich vor allem auf die Proteste des sogenannten Euromaidan im Jahr 2014 zurückführen, in denen es um den möglichen Beitritt der Ukraine in die EU ging und die schließlich in den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine und die völkerrechtswidrige Annektierung der Krim geführt haben.

Während der Demonstrationen über das Schicksal der Ukraine gab es eine Gruppe von Nationalisten und von Neo-Nazis, die sich den Aufständischen gegen die Gruppen der damaligen Regierung und auch gegen die russlandtreuen Demonstranten angeschlossen haben. Diese waren deutlich mit entsprechenden Kennzeichen zu sehen und haben auch nach dem Ende der Proteste noch eine Rolle gespielt. Auch im Bürgerkrieg in der Ostukraine gab es eine Gruppierung unter Soldaten, die durch deutlichen Antisemitismus und durch Neo-Nazi Kennzeichen aufgefallen ist. Entsprechend war der Vorwurf, dass die Ukraine von Neo-Nazis oder einfach von Nazis unterwandert ist eine willkommene Möglichkeit, die Regierung der neuen Ukraine zu delegitimieren.

Tatsächlich gibt es aus neutraler Ansicht keine wirklichen Anzeichen dafür, dass Nazis oder rechtsnationale Personen eine übermäßige Präsenz innerhalb der ukrainischen Institutionen haben. Zwar gibt es einen Deutungsstreit über einige Personen und Figuren der Vergangenheit, die eine überaus zweifelhafte Historie haben – aber trotzdem in der Ukraine verehrt werden – damit unterscheiden sich die Ukrainer aber nicht wesentlich von diversen anderen Ländern in Europa oder der Welt.

Der Begriff der Denazifizierung in der modernen Anwendung

Alles in allem werden die Begriffe aber heute höchstens noch in einem historischen Kontext wirklich korrekt benutzt. Sowohl im diplomatischen als auch im politischen Dialog haben sich sowohl „Entnazifizierung“ als auch „Denazifizierung“ vor allem zu Kampfbegriffen entwickelt, mit denen man über die eigentlichen Beweggründe hinwegtäuschen oder andere Parteien delegitimieren möchte – so wie es auch zuletzt beim Einfall Russlands in die Ukraine der Fall war.

Was ist der Eurasismus? Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Ideologie des Eurasismus wurde in den 1920-er Jahren von russischen Emigranten aufgestellt. Eurasisten gehen davon aus, dass sich zwischen Europa und Asien ein von Russland beherrschter Kontinent namens Eurasien befindet. Eurasien steht dabei in einem krassen Gegensatz zur westlichen Welt mit ihrer romano-germanischen Prägung.

Um den klassischen Eurasismus zu verstehen, ist es zunächst notwendig, sich mit der Entstehungsgeschichte der Strömung zu befassen. Dabei begeben wir uns in die Zeit zwischen den Kriegen, welche ohnehin voller Krisen und sozialer Spannungsherde erscheint. Nach der Abschaffung der alten Monarchie in Europa herrschte unter der Bevölkerung Orientierungslosigkeit und zahlreiche politische Ideen keimten auf. In diese Zeit des geistigen Umbruchs kann der Eurasismus eingeordnet werden.

Die Entstehung der Bewegung des Eurasismus

Im Jahre 1921 wurde in Sofia der Sammelband „Exodus nach Osten“ herausgebracht. Das in einem russischen Emigrantenverlag herausgegebene Werk enthielt verschiedene Aufsätze. Autoren wie der Theologe Georgi Florowski, der Musikologe Pjotr Suwtschinski oder Ökonom und Philosoph Pjotr Sawizki stehen stellvertretend für das in dem Band vorgestellter Konzept, dem sie die Bezeichnung Eurasismus gaben.

Als einige Anhänger der Bewegung Lehraufträge in Prag erhielten, verlagerte sich das Zentrum der Bewegung. In Berlin wurde der Eurasische Verlag ins Leben gerufen. Mehr und mehr Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bekannten sich zur Bewegung. Darunter der Literaturwissenschaftler Dmitri Swjatopolk-Mirski.

Die Anhänger der Bewegung erarbeiteten Pläne, im Untergrund eine Partei zu gründen, welche den Sturz der Bolschewiki zum Ziel hatte. Infiltriert vom russischen Geheimdienst sagten sich vermehrt Anhänger los und es bildete sich Ende der 1920-er Jahre ein antisowjetischer und ein prosowjetischer Flügel heraus.

Zum Sitz der „linken Eurasier“ wurde Paris erklärt. In den 1930-er Jahren verließen mehrere Vertreter Frankreich und siedelten in die Sowjetunion über. Während der Stalin-Diktatur kamen Vertreter der Eurasier ums Leben. Ihnen wurde der Prozess aufgrund der Mitgliedschaft in einer „weißgardistischen Organisation“ gemacht.

Verfall und Renaissance

Die eurasische Bewegung wird zu den originellsten Strömungen der russischen Emigrationswelle zwischen 1920 und 1940 gezählt. Die Themen der Bewegung sorgten für Diskussionsstoff im russischen Exil. Der Zerfall der Bewegung kündigte sich Ende der 1930-er Jahre an.

Fünfzig Jahre später lebte der Eurasismus wieder auf. Als das Ende von Gorbatschow`s Perestroika sich ankündigte, wurde nach neuen Formen gesucht, das sowjetische Reich zu einen. Dabei stieß man, eher zufällig, auf den eurasischen Gedanken.

Die Eurasismus-Ideologie unter der Lupe

Nach der Weltsicht der Eurasier befand sich in etwa auf dem Areal des früheren russischen Zarenreichs der Kontinent Eurasien und mit ihm eine unüberwindbare Grenze zur Ideologie des westlichen, romanisch-germanisch geprägten Europas.

Um die Ideologie verstehen und allgemein anwenden zu können, begeben wir uns in deren Zentrum, den „Raum“. Der Raum steht für die Annahme, dass jede Kultur auf ein gewisses Territorium beschränkt bleibt. Auf Russland bezogen, wird von einer eurasischen Kultur ausgegangen, einer Kultur, die von asiatischer Seite aus beeinflusst wird. Der westliche Kulturkreis wird dabei nicht abgelehnt, lediglich als ungeeignet für Russland betrachtet. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass sich westeuropäische Kulturen im Verfall befinden.

Die Ziele der Eurasier

Als Ziel strebte die Vereinigung an, die christliche Kirche zu vereinigen. Die Führung soll von der russisch-orthodoxen Kirche ausgehen. Der Katholizismus wird abgelehnt und als Verfälscher des ursprünglichen Christentums angesehen. Der Staat Eurasien soll auf christlichem Fundament stehen und von einem Zaren regiert werden.

Angestrebt wird die Gleichberechtigung aller Nationalitäten. In diesem eurasischen Reich soll auch der Ukraine ein Platz zugewiesen werden. Für den Anspruch ukrainischer Nationalisten, sich Europa zugehörig zu fühlen, gebe es laut Eurasismus keinen historischen Grundsatz. Als wichtigster Nachbar Eurasiens wird China betrachtet.

Neo-Eurasismus – die Gegenströmung

Zu Beginn der 1990er Jahre propagierte der russische Philosoph und Autor Alexander Dugin mit dem Neo-Eurasismus eine Gegenströmung. Der Neo-Eurasismus geht nicht davon aus, dass mit Eurasien ein dritter Kontinent zwischen Europa und Asien existiert. Eurasien wird stattdessen als Europa und Asien definiert.

Dugin setzt sich für die Schaffung eines eurasischen Imperiums ein, welches sich zwischen Dublin und Wladiwostok erstrecken soll und unter der Führung Russlands steht. Der Neo-Eurasismus sieht den wahren Grenzverlauf Russlands bei Cadiz und Dublin. Europa ist laut Dugins Auffassung dazu bestimmt, sich der Sowjetunion anzuschließen.

Beide Strömungen begegnen einem Hauptfeind. Klassische Eurasier sehen das kulturell abweichend geprägte Europa als Feind an. In der Vorstellung der Neo-Eurasier führen eurasische Landstreitkräfte unter russischer Führung einen Krieg mit Seemächten unter der Führung der Vereinigten Staaten. Dugin sieht Europa von Amerika belagert und schreibt Russland die Rolle des Befreiers zu. Das russische Volk bestimmt in seiner Erstarkung den Erfolg der eurasischen Idee. Die Weltsicht Dugins erreicht apokalyptische Züge und schafft vor dem geistigen Auge ein End-Szenario aus Land- und Seeschlacht.

Dugin rief im Jahre 2003 die Internationale Eurasierbewegung ins Leben. Die Bewegung tritt unter anderem bei Kranzniederlegungen am Grabe Stalins öffentlich in Erscheinung. Dugin ist auch in der extremen rechten Szene Deutschlands kein Unbekannter. Der rechtsextreme Verleger Dietmar Munier vertreibt seine Publikationen.

Russland und der Ukraine-Konflikt im Spiegel der eurasischen Ideologie

Russland positioniert sich zunehmend als Großmacht zwischen Europa und Asien. Viele haben nicht daran geglaubt, dass Putin die Ukraine angreift. Die Welt wurde eines Besseren belehrt. Taucht die Frage auf, was sich in Putins Kopf abspielt und ob sich der Angriff vorhersehen ließ, lohnt die Spurensuche.

Tatsächlich hat Putin schriftlich Stellung bezogen, wohlgemerkt, ohne öffentlich ernst genommen worden zu sein. In Verbindung mit dem 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges sind einige Aufsätze aus Putins Feder aufgetaucht. Dort bezieht er klar Stellung und bezeichnet die Ukraine als ein von Russland abgespaltenes Gebiet, welches keine Anerkennung als selbstständiger Staat verdient.

Die Ukrainer stellen, nach Putins Auffassung, keine eigenständige Nation dar, sondern sind als Teil der großrussischen Nationen zu sehen und zu verstehen. Putin bemängelt den Rückgang der russischen Sprache auf ukrainischem Gebiet.

Seine Position wurde damit deutlich, nicht aber die Bereitschaft, einen Krieg zu beginnen, dessen Ausmaße und Ungeheuerlichkeiten in der aktuellen Zeitgeschichte keine Parallelen finden.

Putin – eine Rückschau

Putin wuchs auf als Kind des Kalten Krieges und stieg als Erwachsener zum Mann des Geheimdienstes auf. Zu Beginn seiner Amtszeit wird Putin als sachlicher Gesprächspartner beschrieben. Doch plötzlich ging eine Veränderung mit dem Kreml-Chef vor. Putin sympathisierte mit den russischen Philosophen-Schulen des 19. Jahrhunderts.

Im Jahre 2011 begleitete Putin das Amt des russischen Ministerpräsidenten. Im Herbst selben Jahres lässt eine Veröffentlichung in der Zeitschrift „Iswestija“ aufhorchen. Dort stellte Putin sein Gegengewicht zur Europäischen Union vor und sprach sich für die Schaffung einer Eurasischen Union aus.

Die Vision von Putins „Großeuropa“ wurde spätestens im Jahre 2014 zerschlagen, als sich die Ukraine von Russland abwandte. Anstelle des gescheiterten „Großeuropa“ trat nun „Großeurasien“ als russischer Machtfaktor. Putin weiß, dass sich dies nur realisieren lässt, wenn Russland seine Machtposition stärkt und nicht ein Einfluss verliert.

Eurasien als Zündstoff des Krieges

Zu Putins engsten Stichwortgebern zählt Alexander Dugin und dessen propagiertes Großrussisches Reich, zwischen Dublin und Wladiwostok. Diese Gedankengänge haben den Ukraine-Konflikt geschürt und letztlich das Feuer des Krieges entfacht.

Die Ukraine ist für Putin ein unverzichtbarer Teil seines eurasischen Projektes. Tatsächlich hat sich das Land in Richtung Europäische Union gewandt. Zunächst ging es um einen wirtschaftlichen Vorteil. Anschließend stellte der Westen die Ukraine vor eine Entscheidungsfrage, welche im Nachhinein wohl so nicht hätte formuliert werden sollen.

Wie stark ist die Macht Russlands?

Die im Jahre 2015 gegründete Eurasische Wirtschaftsunion hat ihren Einfluss auf die Nachbarstaaten gefestigt. Hervorgegangen aus der Zollunion zwischen Russland, Kasachstan und Weißrussland, zählen heute auch Kirgistan und Armenien zum Bündnis.

Die Mitglieder haben sich zur Schaffung eines einheitlichen Marktes und der freien Zirkulation von Personen, Waren und Dienstleistungen verpflichtet. Damit werden Parallelen zur Vorgehensweise in der EU deutlich. Im Vordergrund der Bemühungen steht die Wiederherstellung der Sowjetunion.

Russlands Interesse scheint dabei nur bedingt wirtschaftlichen Ursprungs. Auf die vier Mitgliedsstaaten entfallen nur gerade einmal vier Prozent des russischen Gesamthandelspakets. Worum es Russland wirklich geht, ist die Geopolitik. Russland möchte seine internationale Bedeutung durch regionale Allianzen stärken. Das Ziel besteht in einer Art Pförtnerrolle, welche alle Bewegungen überwacht und ein mögliches Ausscheren verhindert.

Russland hat sein Ziel, eine vollwertige Wirtschaftsgemeinschaft zu schaffen, noch längst nicht erreicht. Doch das Projekt gewinnt an Wertigkeit. Die Handelsbeziehungen entwickeln sich positiv. Meinungsumfragen fördern zutage, dass die Mehrheit der Bevölkerung einer Annäherung der früheren Sowjetrepubliken positiv gegenübersteht.

Eurasismus: Welche Entwicklungen sind denkbar?

Welchen Entwicklungsverlauf die Eurasische Union nimmt, ist nicht zuletzt von der Rolle Europas abhängig. Auch wenn Asien an Bedeutung gewinnt, bleibt die EU nach wie vor der wichtigste wirtschaftliche Partner der Eurasischen Union. Brüssel verweigert die Dialogaufnahme, während Asien sich als willkommener Kooperationspartner darzustellen weiß. Sollte es nicht baldmöglichst zu einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Europa und Russland kommen, ist die Verschiebung der Handelsströme in Richtung Osten wohl als logische Folge zu betrachten.

Behalten wir Putins Vorstellungen von einem großrussischen Reich zwischen Pazifik und Atlantik im Auge, sind die weiteren Entwicklungen schwer abzuschätzen. Eine mögliche Vorstellung wäre ein Angriff auf das Baltikum. Damit wäre die NATO direkt in diesem Krieg involviert und die Folgen nicht abzusehen.

Was bedeutet „Slava Ukraini“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Slava Ukraini (Слава Україні) heißt „Ruhm der Ukraine“. Man könnte es auch als „Hoch lebe die Ukraine“ oder „Ehre der Ukraine“ übersetzen.

Wörtlich bedeutet Слава „Herrlichkeit“. International wurde der Slogan durch die Ansprachen des ukrainischen Präsidenten Selenskyj an sein Volk ab dem Kriegsausbruch im Februar 2022 bekannt, doch in der Ukraine selbst ist er schon immer eine gängige Grußform. Die ukrainischen Streitkräfte grüßen einander seit 2018 offiziell mit „Слава Україні, Героям Cлава“ (Ruhm der Ukraine und Ruhm ihren Helden).

Antwort auf Slava Ukraini: Herojam Slawa

Auf „Slava Ukraini“ wird geantwortet: „Ruhm den Helden“ („Героям слава!“; romanisiert: Herojam Slawa))

Was bedeutet „Slava Ukraini“? Geschichte, Bedeutung, Definition, Erklärung

Gesichert überliefert ist die Phrase spätestens seit 1840. Damals verwendete sie der ukrainische Nationaldichter Taras Schewtschenko in einem Gedicht (До Основ’яненка = „Für Osnowajenko“). Im späten 19. Jahrhundert dann verwendete die ukrainische Studentengemeinschaft in Charkiw den Slogan zusammen mit der Ergänzung „Ruhm auf der ganzen Erde!“

Zwischen 1917 und 1921 führte die Ukraine einen Unabhängigkeitskrieg gegen die in Russland siegreichen Bolschewisten, die an ihrem Sowjetreich arbeiteten und in diesem Zuge auch die Ukraine beherrschen wollten. Ukrainische Partisanen begrüßten sich mit Slava Ukraini. Einer von ihnen, der Schriftsteller Jurij Horlis-Horskyj, schilderte später, dass Partisanen den üblichen Gruß „Guten Tag“ stets mit „Slava Ukraini“ beantworteten. Die Kosaken der Region, welche erbitterte Gegner der Bolschewiki waren, ergänzten den Gruß um „Kosakam Slava!“ (Ehre den Kosaken!). Dieser Gruß soll sogar schon zusammen mit „Ehre dem Hetmanat“ und „Ruhm der Ukraine“ ab dem 16. Jahrhundert verbreitet gewesen sein. Das Hetmanat war ein Kosaken- und Tatarengebiet in der Region der heutigen Ukraine zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Nach dem Ende des erfolglosen Unabhängigkeitskrieges gegen die Boschewiki und dem Anschluss der Ukraine an die Sowjetunion als „Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik“ ab 1922 bemächtigten sich ukrainische Nationalisten des Ausdrucks Slava Ukraini, den sie wiederum mit „Ruhm den Kosaken“ verknüpften. Ab 1939 nahm die OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten) den Slogan auf. Diese Organisation kämpfte im Zweiten Weltkrieg sowohl gegen die deutschen als auch gegen die sowjetischen Truppen, gegen Letztere noch bis 1952. Danach unterlag sie, die Ukraine blieb eine Sowjetrepublik, die Sowjetmacht verbot daraufhin den Slogan Slava Ukraini. Wichtig zu wissen: Die OUN-Kämpfer waren keine Waisenknaben. Sie begingen wie die deutschen und sowjetischen Truppen auch Kriegsverbrechen. Sie waren aber keine Faschisten, wenngleich Antikommunisten, sondern schlicht Nationalisten. Diese Bewegung lebt bis heute in der Ukraine. Sie beruft sich auf die Tradition der Kosaken, die auch nach 1952 fortgeführt wurde. So griff beispielsweise der ukrainische Autor Mychajlo Stelmach 1957 in einem Roman den Slogan wieder auf und forderte gleichzeitig, den in der Ukraine existierenden Kosakenruhm zu verteidigen. Sein Buch wurde von den sowjetischen Behörden nicht verboten, aber falsch ins Russische übersetzt, um die nationalistische Tendenz aufzuweichen. Hierzu ist es wichtig zu wissen, dass im gesamten stalinistischen Herrschaftsgebiet einschließlich der Ostblockstaaten (auch in der DDR) nationalistische Tendenzen bis zu einem gewissen Umfang toleriert wurden, weil die kommunistischen Herrscher davon ausgingen, dass man sie nicht komplett unterdrücken kann. Die DDR beispielsweise ließ deshalb die Blockpartei NDPD zu (Nationaldemokratische Partei Deutschlands), in der sich eher rechtskonservative Ideen versammelten. Dennoch achteten die Kommunisten darauf, dass diese Ideen keinen zu großen Raum bekommen.

Im Vielvölkerstaat Sowjetunion war das besonders wichtig. Wenn nun im Jahr 2022 Wladimir Putin immer wieder von „Nazis“ in der ukrainischen Regierung spricht, beruft er sich darauf, dass die gegenwärtige ukrainische Regierung unter Selenskyj den Slogan Slava Ukraini recht offensiv verwendet und damit eine nationalistische Tradition aufgreift. Der Slogan hat aber nichts mit Faschismus (Nazis) zu tun, sondern mit Nationalismus.

Dass der Postkommunist Putin hier andockt, ist indes kein Wunder: Es ist nämlich eine probate Methode der Kommunisten, alle ihre Gegner als Antikommunisten und gleichzeitig als Nazis zu diffamieren, weil sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts durchaus als großer Konflikt zwischen Kommunismus und Faschismus lesen lässt. Demnach sind alle Antikommunisten automatisch Nazis. Das wurde auch in der DDR probiert: Dort stellte man beispielsweise rechtskonservative Politiker wie Franz-Josef Strauß (CSU) gern in die Nazi-Ecke. Doch das ist falsch. Die wichtigere Konfliktlinie verläuft (und verlief auch schon während des Zweiten Weltkrieges) zwischen Demokratien und extremistischen Ideologien wie dem Kommunismus, dem Faschismus und seit einigen Jahrzehnten auch dem Islamismus. Nationalisten sind keine Ideologen, auch wenn sie manchmal in ihrem Freiheitsbestreben zu extremen Methoden greifen. Sie halten einfach ihre historisch gewachsene Nationalität hoch.

Renaissance von Slava Ukraini ab den späten 1980er-Jahren

Im 1985 wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär der ZK der KPdSU, 1990 schließlich Staatspräsident der Sowjetunion. Schon als Generalsekretär hatte er großen Einfluss. Er leitete das Ende der klassischen kommunistischen Herrschaft ein, wofür ihm Osteuropa (inklusive Ostdeutschland) aus ganzem Herzen dankt und ihn der Rest der Welt zumindest bewundert, während er in Russland viele Gegner (einschließlich Wladimir Putin) hat.

Gorbatschow lockerte schon in den späten 1980er-Jahren den eisernen Zügel des sowjetischen Regimes, was in den Sowjetrepubliken nationalistische Bestrebungen erstarken ließ. In der Ukraine hörte man seitdem wieder ganz offen den Slogan Slava Ukrajini. Auf Demonstrationen wurde er alsbald zum Schlachtruf, doch auch Intellektuelle griffen ihn auf wie 1989 auf einer Kundgebung der Menschenrechtler Wjatscheslaw Tschornowil. Die Ukraine wurde damals noch vom prorussischen Präsidenten Leonid Krawtschuk regiert, der sich in den frühen 1990er-Jahren der von Russland initiierten Union Souveräner Staaten anschließen wollte. Dagegen protestierten viele Ukrainer ab 1991 mit dem Ruf „Ruhm der Ukraine“, den sie um „Schande Krawtschuk“ ergänzten.

Im Jahr 2004 schließlich gelangte der prorussische Wiktor Janukowytsch mit einer offenkundig gefälschten Präsidentschaftswahl an die Macht. Dagegen protestierten die Ukrainer machtvoll („Orangene Revolution“). Ihr Oppositionsführer Wiktor Juschtschenko wandte sich an die Demonstranten mit Slava Ukraini, das er um „Ehre unserem Gott, Ehre jedem von euch!“ ergänzte.

Nachdem Janukowytsch 2013 unter russischem Druck und wohl auch aus eigener Überzeugung ein Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnete, begannen Proteste, die als „Euromaidan“ in die Geschichte eingingen, weil ihr Zentrum der Kiewer Maidanplatz war, und bei denen der Slogan Slava Ukraini eine ganz entscheidende Rolle spielte. Dabei gab es auch viele Todesopfer unter den Demonstranten, die aber nicht aufgaben und schließlich erreichten, dass Janukowytsch abgesetzt wurde und nach Russland flüchtete. Es entstand ab 2014 eine Übergangsregierung, später eine Regierung unter dem Milliardär Petro Poroschenko, ab 2019 regierte nach regulären Wahlen Wolodymyr Selenskyj. Auch dieser orientierte sich an Slava Ukraini, allerdings zunächst wenig offensiv. Er hatte mit harten Fakten zu kämpfen: Im Donbass herrschte Krieg gegen eine abtrünnige russischstämmige Bevölkerung, die Krim war 2014 von Russland annektiert worden. Das Damoklesschwert einer russischen Invasion schwebte praktisch schon seit 2014 über dem Land. Als diese im Februar 2022 schließlich begann, besann sich Selenskyj auf den Slogan Slava Ukraini, der spätestens seit dem Euromaidan für das Bestreben des ukrainischen Volkes steht, selbstbestimmt seine Westbindung voranzutreiben, um als demokratischer, liberaler Rechtsstaat bestehen zu können.

Es ist allerdings zu beachten, dass der Slogan deshalb nicht seine nationalistische Konnotation verliert. Diese ist vielleicht auch nötig, denn in der Ukraine, in der viele Menschen mit russischen Wurzeln leben, bedarf es eines starken nationalen Selbstverständnisses. Eine Volkszählung der frühen 2000er-Jahre ermittelte im Land 77,8 % Ukrainer, gefolgt von 17,3 % Russen. Hinzu kommen mehr als 100 weitere Ethnien. Nachdem Putin nun einen echten Krieg gegen das große Nachbarland mit 44 Millionen Einwohnern entfesselt hat, ist Slava Ukraini der Schlachtruf schlechthin für das Unabhängigkeitsbestreben und den Freiheitswillen der Ukrainer geworden. Daher beendet Selenskyj jede seiner heldenhaften Ansprachen aus dem umzingelten Kiew mit diesem Slogan (Stand: 9. März 2022).

Gegenwärtige Bedeutung von Slava Ukraini

In der Ukraine ist Slava Ukraini schon seit 2013 eine überall verbreitete Grußform unter demokratisch gesinnten Bürgerinnen und Bürgern, die die große Mehrheit der Bevölkerung stellen (darunter auch viele Menschen mit russischen Wurzeln). Der Slogan steht seither für diese Werte:

  • staatliche Unabhängigkeit (vor allem von Russland)
  • Demokratie und Westbindung
  • Freiheit
  • Einheit des Landes

Die Ergänzung „Ruhm den Helden“ erhielt ebenfalls einen neuen Inhalt. Sie steht seit dem Euromaidan für diejenigen Aktivisten, die ihr Leben beim Kampf gegen die Janukowytsch-Regierung verloren. Es gab beim Euromaidan immerhin allein am 18. Februar 2014 über 100 Todesopfer durch Polizeigewalt: Sogar Scharfschützen hatten in die protestierende Menge geschossen. In der Ukraine heißen diese Helden seither das „Himmlische Hundert“.

Die Gesetzgebung der Ukraine ist heute von den Ideen des Euromaidans beeinflusst. Dieser wurde zu einem Gründungsmythos der modernen, westlich orientierten Ukraine. Mit dem nun im Kriegsgeschehen verwendeten Slava Ukraini etabliert sich ein neuer, noch tieferer Mythos, der bereits auf Wurzeln basiert: Etwa seit 2015 wurden alle offiziellen Reden im Land obligatorisch mit Slava Ukraini beendet. Die ukrainische Fußballnationalmannschaft trägt den Slogan auf ihren Trikots. Selbst international kennt man ihn schon länger.

Sogar Staatsoberhäupter anderer Länder verwenden ihn. So begrüßte 1995 der damalige US-Präsident Bill Clinton in einer Rede, dass die Ukraine sich von der Sowjetunion abgewandt und gleichzeitig atomar abgerüstet hatte. Seine Rede endete mit „God Bless America“ und „Slava Ukraini“. Kanadas Premier Justin Trudeau grüßt die Ukraine alljährlich zum Unabhängigkeitstag mit diesen Worten, der frühere deutsche Außenminister Sigmar Gabriel verwendete sie auch schon zu feierlichen Anlässen. Dem schloss sich 2016 die Staatspräsidentin Litauens Dalia Grybauskaitė an.

Was den Politikern recht ist, empfanden manche Sportler nur als billig: Die kroatischen Profis Domagoj Vida und Ognjen Vukojević, beide früher Spieler bei Dynamo Kiew, begrüßten den Sieg Kroatiens gegen Russland beim Viertelfinale der WM 2018 in Russland mit „Slava Ukraini“ und wurden daraufhin nach Protesten Russlands von der FIFA verwarnt. Dieser Vorfall zeigte schon seinerzeit, dass Slava Ukraini heute vor allem für die Emanzipation des Landes vom großen, übermächtigen und expansionslüsternen Nachbarn steht.

Was bedeutet „potemkinsche Armee“? Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff der potemkinschen Armeen wurde vor allem im Zuge der Invasion Russlands in der Ukraine bekannt und nimmt dabei Anlehnung an die berühmten potemkinschen Dörfer. Allerdings war die Begrifflichkeit bereits früher in der Benutzung und wurde auch schon für die Bundeswehr genutzt. Im Kern geht es dabei darum, dass die Armeen auf dem Papier oder aus der Ferne deutlich besser aussehen, als sie sich in jedem möglichen Konflikt schlagen würden. Das nimmt Bezug auf die potemkinschen Dörfer, die ihren Ursprung in Russland haben. Fassaden waren zwar hübsch hergerichtet, tatsächlich galt der Eindruck aber alleine der Repräsentation – niemand hätte in den Häusern wohnen können. Ähnlich verhält es sich nun anscheinend mit einigen Armeen auf der Welt.

Was ist eine „potemkinsche Armee“ bzw. „potemkinsches Militär“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Ähnlich den potemkinschen Dörfern bietet eine potemkinsche Armee nur auf den ersten Blick einen wirklichen Glanz. Was bei den Dörfern die aufgehübschten Fassaden sind, während im Hintergrund Elend und Verfall herrscht, kann ähnlich auf eine Armee umgemünzt werden. So verfügt eine potemkinsche Armee beispielsweise über einige Militärfahrzeuge und militärischen Geräte, die dem neusten Stand der Technik entsprechen und ein gewisses Begehren und nicht zuletzt Furcht bei anderen Nationen verursachen. Diese besonderen Einheiten, die dann auch bei jeder Präsentation vorgezeigt werden, sollen aber nur über den tatsächlichen Zustand der Armee hinwegtäuschen.

Bereits die Bundeswehr wurde in der gegenwärtigen Form als eine potemkinsche Armee bezeichnet. Zwar hat man mit den Leopard-Panzern und den Eurofightern einige der besten militärischen Geräte der Welt in ihrer Gattung zur Verfügung, das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der eigentliche Zustand der Bundeswehr desaströs ist. Neben Munition mangelt es selbst an den absoluten Grundlagen der Ausstattung – da hilft es auch nicht, wenn man über besonderes Equipment verfügt, das in sehr spezialisierten Bereichen dem aktuellsten Stand der Technik entspricht.

Ein anderer Ausdruck für „potemkinsche Armee“ ist „potemkinsches Militär“.

Wieso wird die russische Armee eine potemkinsche Armee genannt?

Nach dem Ende der Sowjetunion und besonders in den letzten Jahren hat die russische Armee massiv in die Forschung und Entwicklung von neuem Militärgerät investiert. Neben neuen Panzern und Flugzeugen gab es neue U-Boote, verbesserte Raketen und allerlei weitere Entwicklungen. Der Sinn dahinter war klar: Man wollte beweisen, dass man mit der militärischen Entwicklung der USA mithalten kann und daher weiterhin die militärische Großmacht ist, die man bereits während des Kalten Krieges war. Tatsächlich waren Experten beeindruckt von den Einheiten, die bei den jährlichen Militärparaden von Russland präsentiert wurden. Allerdings war wenig über das komplette Equipment der russischen Armee bekannt.

Wie die Invasion in der Ukraine schließlich zeigte, scheinen die besonderen Geräte auch hier ein Versuch gewesen zu sein, darüber hinwegzutäuschen, dass es um die Kernarmee weniger gut bestellt ist. Der Angriff erfolgte mitunter mit Ausrüstung, die noch aus den 60er und 70er Jahren stammte, in der Sowjetunion produziert wurde und anscheinend seit einigen Jahren nicht mehr ausprobiert wurde. Das ließ sich aus den Eroberungen aber auch Zerstörungen in den ersten Tagen des Konfliktes absehen. Da die schiere Masse der Ausrüstung der russischen Armee ganz und gar nicht den modernen Anforderungen entspricht, wird inzwischen für die russische Armee der Begriff einer potemkinschen Armee verwendet.

Was ist der NATO-Bündnisfall? Regeln, Realität, Erklärung, Bedeutung, Definition


Während sich die Mitglieder der NATO in der Regel vor allem als ein verteidigungspolitischer Block positionieren und sicherheitspolitische Interessen der Mitglieder vertreten, darf nicht vergessen werden, dass es sich eigentlich um ein militärisches Bündnis handelt. Der hauptsächliche Sinn der NATO besteht im gegenseitigen Beistand bei einem Angriff auf eines der Mitgliedsländer. Die Aktivierung des sogenannten NATO-Bündnisfall würde mit einem Schlag dafür sorgen, dass sich gleich mehrere Länder in einem Krieg mit einem Feind befinden. Besonders unter dem Eindruck der Aggressionen durch Russland im Jahr 2022 wird eben dieses Szenario unter Sicherheitspolitikern wieder ausgiebig diskutiert.

Die Folgen des NATO-Bündnisfalls und die direkten Auswirkungen

Der Bündnisfall der NATO wird in Artikel 5 des Vertrags des Nordatlantik-Paktes geregelt und nimmt dabei Bezug auf Artikel 51 in der Charta der Vereinten Nationen. Diese besagt, dass ein Land im Fall eines Angriffs das Recht auf Selbstverteidigung hat und entsprechend auch ohne ein gesondertes UN-Mandat zum Schutz der eigenen Grenzen agieren darf. Was in den Verträgen mitunter komplex dargestellt wird, sagt in der Realität einfach, dass die Mitglieder der NATO einem anderen Land beistehen würden, sofern es angegriffen wird und im nächsten Schritt sowohl defensive Maßnahmen zum Schutz als auch offensive Maßnahmen zur Eindämmung der Gefahr übernehmen werden.

Dabei sollte festgehalten werden, dass dieser Fall nicht vollkommen automatisch eintritt. Es ist weiterhin der Bundestag, der über einen solchen Fall entscheiden würde. Selbst nach einem Angriff ist es also das deutsche Parlament, das am Ende entscheiden würde, ob man tatsächlich die Verbündeten militärisch und wirtschaftlich unterstützt. Dabei muss man von der Theorie reden, denn tatsächlich ist dieser Fall in seiner eigentlichen Denkweise niemals eingetreten. Ursprünglich für den Fall des Angriffs der Sowjetunion auf einen Mitgliedsstaat geschaffen, hat sich durch die NATO-Osterweiterung vor allem die russische Föderation zum neuen möglichen Feindbild dieser Doktrin entwickelt und soll vor allem die osteuropäischen Staaten, die Mitglied der NATO sind, vor einem Angriff schützen.

Das Prinzip hinter dem Bündnisfall ist also wie das Prinzip der NATO selbst: Der Angriff auf ein Mitgliedsland des Paktes wird als ein Angriff auf das Territorium eines jeden Mitgliedsstaates gesehen. Das gilt bis heute als eine effektive Abschreckung von Aggressoren selbst bei kleineren Staaten wie dem Baltikum. Da ein Angreifer damit rechnen muss, dass auch Atommächte wie die USA, Frankreich oder Großbritannien sich durch die Beistandsklausel angegriffen sehen, würde diese eine erheblich stärkere militärische Intervention nach sich führen. Im schlimmsten Fall kann dies bis zum Einsatz von Atomwaffen eskaliert werden.

Der NATO-Bündnisfall in der Realität und den Überlegungen

Während das Papier dieser Verträge recht ergiebig ist, ist es natürlich so, dass dieser Bündnisfall in seiner klassischen Form nie ausgelöst wurde. Im Kalten Krieg kam es nie zu direkten Angriffen auf das Territorium der NATO-Staaten – wenn, dann wurden Konflikte über Stellvertreterkriege in anderen Teilen der Welt ausgelebt. Dadurch kann die tatsächliche Dynamik des Falls auch bisher nicht wirklich bewertet werden. Es gab allerdings eine Situation, in der der Bündnisfall zumindest in einer erweiterten Form durch die Mitglieder ausgerufen wurde.

Nach dem 11. September präsentierten die Amerikaner Beweise für gezielte Terrorangriffe durch die Al-Qaida in Afghanistan auf ihr Territorium. Nach umfassenden Beratungen wurde der Bündnisfall mit Einschränkungen ausgerufen. Auch die Operation Enduring Freedom in Afghanistan wurde auf diese Weise mit dem NATO-Bündnisfall nicht nur erklärt, sondern auch direkt verbunden. Auch bei den Anschlägen in Frankreich 2015 gab es Überlegungen, ob es sich hier um einen Bündnisfall im Sinne der NATO handelt.

Wie fragil das Gebilde, besonders mit dem stetigen Wachstum der NATO, ist, zeigt auch die Situation in der Türkei. Da die Türkei in Nordsyrien als ein Aggressor aufgetreten ist, gab es durchaus Befürchtungen, dass ein möglicher Gegenschlag durch die Syrer automatisch zu einem Bündnisfall werden könnte. Da dieser Fall aber nie eingetreten ist und die Offensive der Türkei recht schnell beendet war, führte dies nur zu theoretischen Überlegungen über das Szenario, was eigentlich passiert, wenn ein NATO Staat selbst Angriffe auf sein Territorium durch eine Offensive provoziert.

Darüber hinaus gibt es in den letzten Jahren Überlegungen, auf welche Weise der Bündnisfall sich auf die neuen Realitäten in der Sicherheitspolitik der Welt anwenden lässt. Besonders das Thema der Cyberangriffe rückt in den Fokus. Während die Beistandsklausel eigentlich für konventionelle oder atomare Kriege ausgelegt ist, können Cyberangriffe heute auch als eine Kriegserklärung verstanden werden, da diese ebenfalls in der Lage sind deutlichen Schaden in einem Land anzurichten. Nach Aussagen des NATO-Generalsekretärs Stoltenberg im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine würde die NATO auch Cyberangriffe als einen möglichen Angriff auf das Territorium von Mitgliedsstaaten und somit einen Auslöser für den NATO-Bündnisfall sehen.

Der theoretische Ablauf nach dem Ausrufen des Bündnisfalls

Es ist der NATO-Rat, der im Zweifel feststellt, ob ein Bündnisfall nach Artikel 5 eingetreten ist. In diesem Fall werden die Mitgliedsstaaten informiert, die dann, entsprechend nationaler Gesetzgebung, agieren müssen. In Deutschland könnte theoretisch schnell agiert werden, wenn eine gewisse Dringlichkeit vorliegt. Allerdings müsste man sich dann rückwirkend die Erlaubnis vom Bundestag holen, um entsprechend des Bündnisfalls zu agieren.

Je nach Szenario würde es zu einer Mobilmachung der Bundeswehr kommen. Entsprechend der Kapazitäten würden Truppen in das Einsatzgebiet verlagert, wobei davon auszugehen ist, dass in einem Krisenfall bereits schnelle Einsatzgruppen vorhanden sind. Die Amerikaner würden über den Stützpunkt in Ramstein aktiv werden und beispielsweise ein Land in Osteuropa mit Truppen versorgen. Deutschland würde sich recht schnell als Kriegspartei in einem Konflikt befinden, wobei der Umfang des Konflikts wohl darüber entscheiden würde, ob auch ein Angriff auf das eigene Territorium droht.

Der Bündnisfall sieht eine aktive Verteidigung vor, wobei auch der Einmarsch in das Land des Aggressors zu einer Beendigung möglicher Aggressionen vorgesehen wird. Schließlich sind es auch der NATO-Rat und der Bundestag, die darüber entscheiden, ob der Bündnisfall wieder beendet wird.

Der Sonderfall der Beistandsklausel in den EU-Verträgen

Die NATO hat sich zwar inzwischen über einen großen Teil von Europa erstreckt, es sind aber nicht alle Mitgliedsländer tatsächlich im Nordatlantikpakt. Besonders prominent sind hier Österreich, Schweden und Finnland. Finnland sieht sich aufgrund der gegenwärtigen geopolitischen Lage ebenfalls durch die russische Föderation bedroht und könnte ein neues Mitglied in der NATO werden. Bis dahin sind diese drei (und Zypern, Malta und Irland als weitere Staaten) Länder aber durch Artikel 42 Absatz 7 der EU-Verträge von Lissabon ebenfalls in einer gewissen Weise zum Beistand verpflichtet.

Konkret sagt der Vertrag: „Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung, im Einklang mit Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen. Dies lässt den besonderen Charakter der Sicherheits- und Verteidigungspolitik bestimmter Mitgliedstaaten unberührt.“

Das kann im Zweifel auch bedeuten, dass diese Unterstützung bei dem Angriff auf ein EU-Land nicht in militärischer, sondern in wirtschaftlicher Form zu erfolgen hat. Auch mögliche Sanktionen durch die EU sind zu unterstützen und umzusetzen. Dabei wird im weiteren Teil von Artikel 42 Absatz 7 auch wieder Bezug auf die NATO genommen, die aufgrund ihrer Verbreitung weiterhin der wichtigste Bestandteil der Verteidigung in militärischer Hinsicht ist.

Liste der Unternehmen, die sich aus Russland zurückgezogen haben:


Folgende Unternehmen haben Ihre Geschäfte in und/oder nach Russland temporär ausgesetzt: (Stand 9. März 2022)

Unternehmen, die sich aus Russland zurückgezogen haben: A bis I

  • Adidas stoppte seine Partnerschaft mit dem Russischen Fußballverband.
  • Airbnb stoppte sein Geschäft in Russland.
  • Airbus liefert nicht mehr nach Russland.
  • Amazon hat sein Geschäft in Russland ausgesetzt. Der Streaming-Dienst „Prime“ wurde ebenfalls ausgesetzt.
  • American Express setzte seine Geschäfte in Russland aus.
  • Apple setzte sein Verkaufsgeschäft in Russland aus. Der Export von Produkten nach Russland wurde eingestellt. Die Apps von “RT” und “Sputnik” sind nur noch Apple-Geräten in Russland zugänglich.
  • Apple Pay wurde eingeschränkt.
  • Asos hat seine Filialen in Russland geschlossen.
  • Aston Martin exportiert nicht mehr nach Russland.
  • BMW exportiert keine weiteren Autos nach Russland. Die Produktion in russischen Werken wurde eingestellt.
  • Boeing liefert nicht mehr nach Russland.
  • Bombardier hat sein Russland-Geschäft eingestellt.
  • BP hat seine Anteile am russischen Ölkonzern Rosneft veräußert. Dies waren knapp 20 Prozent.
  • Chanel hat seine Verkäufe in Russland gestoppt.
  • Coca-Cola zog sich komplett aus Russland zurück. Das Geschäft wurde ausgesetzt.
  • Daimler Truck hat sein Geschäft in Russland eingestellt. Die Zusammenarbeit mit dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz wurde eingestellt.
  • Danone stoppte alle Investitionen in Russland.
  • Dell setzte sein Verkaufsgeschäft aus.
  • DHL befördert keine Post und Pakete mehr nach Russland.
  • Electrolux stoppte alle Geschäfte in Russland.
  • FedEx liefert nicht mehr nach Russland.
  • Ford hat sein Russlandgeschäft ausgesetzt.
  • General Motors (GM) hat seine Exporte nach Russland eingestellt.
  • Google setzte sein Anzeigengeschäft in Russland aus. Dies betrifft die Suche, YouTube und das Anzeigengeschäft mit Webseiten. Außerdem wurden die sender “RT” und “Sputnik” von YouTube und dem Playstore entfernt.
  • Gucci hat seine Stores geschlossen.
  • H&M hat seine Läden in Russland geschlossen und sein Verkäufsgeschäft gestoppt.
  • Harley Davidson hat seine Geschäfts in Russland eingestellt. Exporte nach Russland wurden eingestellt.
  • Hermès hat seine Läden in Russland geschlossen.
  • Hugo Boss hat seine Läden in Russland geschlossen. (13 Läden gibt es in Russland.)
  • Intel stoppte alle Exporte nach Russland. Prozessoren werden nicht mehr in und nach Russland verkauft.
  • Ikea stoppte alle Importe nach Russland und Belarus. Außerdem stoppte Ikea alle Exporte aus Russland und Belarus. Auch die Produktion in Russland wurde eingestellt. Drei Produktionsstätten und 17 Möbelhäuser wurden geschlossen. 15.000 Mitarbeiter sind betroffen.

Unternehmen, die sich aus Russland zurückgezogen haben: J bis Z

  • Jaguar Land Rover exportiert nicht mehr nach Russland.
  • Kering hat seine Läden in Russland geschlossen.
  • KPMG stoppte sein Russlandgeschäft.
  • Die Lufthansa fliegt nicht mehr nach Russland.
  • Lufthansa Technik hat ihre Serviceleistungen eingestellt.
  • LVMH hat seine 124 Läden geschlossen.
  • Mastercard setzte seine Geschäfte in Russland aus.
  • McDonalds hat 850 Filialen in Russland geschlossen. Die 62.000 Mitarbeiter erhalten weiterhin ihr Gehalt. Seit Anfang der 1990er Jahre gibt es McDonalds in Russland. (Zum Vergleich: In Deutschland gibt es rund 1450 McDonalds-Restaurants.)
  • Mercedes-Benz stellte seine Exporte nach Russland ein. Die lokale (russische) Fertigung wurde eingestellt.
  • Microsoft stellte sein Russland-Verkaufsgeschäft ein.
  • Netflix stellte den Betrieb in Russland ein. (Neuanmeldungen sind nicht mehr möglich. Bisherige russische Kunden können bis zur Fälligkeit der nächsten monatlichen Zahlung den Dienst nutzen.)
  • Netto kündigte an keine weiteren russischen Produkte zu verkaufen.
  • Nike hat seine Filialen in Russland geschlossen. Der Online-Verkauf wurde ebenfalls eingestellt.
  • Nokia stoppte alle Lieferungen nach Russland.
  • Obi stoppte sein Geschäft in Russland. (Betroffen sind 27 Baumärkte und rund 4.900 Mitarbeiter.)
  • Paypal stoppte seinen Bezahldienst in Russland.
  • Pepsico setzte die Herstellung und den Verkauf von einigen seiner Produkten (Pepsi, 7Up, Mirinda) aus. Milchprodukte und Baby-Nahrung werden weiterhin verkauft. Pepsico stoppte alle Werbe- und Marketingaktivitäten in Russland.
  • Playmobil stoppte seine Exporte nach Russland.
  • Porsche stellte seine Produktion in Russland ein. Auch Lieferungen nach Russland wurden eingestellt.
  • Prada hat seine Geschäfte in Russland gestoppt.
  • Puma stoppte seine Geschäfte in Russland.
  • PwC stoppte seine Russlandgeschäfte.
  • Renault hat die Arbeit in seinen russischen Werken eingeschränkt.
  • Rewe hörte auf russische Produkt in Deutschland zu verkaufen.
  • Samsung stoppte seine Lieferungen nach Russland.
  • Shell beendete seine Geschäfte in Russland und will kein russisches Gas und Erdöl mehr kaufen. Bestehende Verträge sollen nicht erneuert werden. Shell-Tankstellen in Russland sollen geschlossen werden. Beteiligungen an russischen Öl- und Gasfeldern gibt Shell auf.
  • Siemens stoppte seine Geschäfte in Russland. Alle Lieferungen nach Russland wurden eingestellt.
  • Siemens Energy stoppte sein Neugeschäft in Russland.
  • Spotify hat sein Russland-Büro geschlossen.
  • Starbucks stellte alle Geschäftsaktivitäten in Russland ein. Davon sind 130 Starbucks-Cafés betroffen. (Zum Vergleich: In Deutschland gibt es rund 160 Starbucks-Cafés.)
  • Toyota hat die Arbeit in seinem russischen Werk in St. Petersburg eingestellt.
  • Twitch stellte seine Zahlungen an russische Twitch-Streamer ein.
  • UPS liefert nicht mehr nach Russland.
  • Visa setzte seine Geschäfte in Russland aus.
  • Volvo exportiert keine weiteren Autos nach Russland.
  • VW hat seine Exporte nach Russland gestoppt. Die Arbeit an russischen Fertigungsstandorten (Werken) in Kaluga und Nischi Nowgorod wurde eingestellt.
  • Zara hat seine Geschäfte in Russland geschlossen. (86 Geschäfte sind betroffen.)

Unternehmen, die sich aus Russland zurückgezogen haben: Ausführungen und Erklärungen

Zu allen oben genannten Unternehmen und Unternehmengruppen gilt, dass ihre Maßnahmen temporär sind. Geschäfts- und Exporteinstellungen haben also ein (unbestimmtes) Ablaufdatum. Es wird also eine Zeit nach dem russischen Angriff auf die Ukraine geben und es wird wieder Frieden geben.

Kommentar der Redaktion: Wer hätte gedacht, dass die Unternehmen der westlichen Welt so reagieren? Denn eigentlich wird doch diesen Unternehmen immer ihre Profitgier unterstellt. Dass diese Unternehmen das unmoralische Verhalten des russische Präsidenten Wladimir Putin verurteilen erstaunt. Denn damit verringern die Firmen ihre Umsätze und Gewinne, zeigen aber Haltung. Bravo!

Doch, wem nützen diese Einschränkungen? Und wem schaden sie? Wie leider so oft, wird die russische Bevölkerung die Einschränkungen zu spüren bekommen. Wer Fastfood essen wollte, kann nicht mehr zu McDonalds, sondern muss wo anders hingehen oder verzichten. Wer bei IKEA Möbel kaufen wollte, kann dies auch nicht mehr tun. Wer ein IPhone will, bekommt dieses nicht mehr von Apple. Das nervt und schürt Frust. Frust auf wen? Auf die Unternehmen oder auf die russische Regierung? Das wird sich zeigen.

Ferner noch werden die Russen aus den Konsummöglichkeiten der ersten Welt ausgeschlossen. Sie müssen zuschauen.

Die Maßnahmen zeigen aber auch, wie vernetzt unsere Welt ist.

Zwei Beispiele, wie die obrigen Maßnahmen Existenzen zerstören:

Russische Bürger, die Mitarbeiter in einem westlichen Unternehmen waren, müssen vermutlich mit der Arbeitslosigkeit rechnen. Außer die Unternehmen bezahlen ihre Mitarbeiter weiter. Bisher ist der Redaktion dies nur von McDonalds bekannt.

Das russische Arbeitslosengeld reicht nicht zum Leben. Wie Deutschlandfunk berichtete, gibt es maximal 8000 Rubel im Monat. Dies waren 2020 rund 110 Euro und sind im März 2022 rund 60 Euro. Davon kann man nicht leben. Es muss als schnellstmöglich ein neuer Job gesucht werden.

Wer sich online eine Existenz aufbauen wollte (oder aufgebaut hat), kommt um PayPal nicht mehr herum. Auch diese Webseite braucht PayPal. Denn die Werbeeinnahmen werden in US-Dollar per PayPal ausgezahlt. Der Bezahldienst ist einfach ubiquitär. (Wäre diese Webseite in Russland so wäre BedeutungOnline.de pleite.) Russische Streamer, die mit Streams auf Twitch Geld verdienen wollten, können dies komplett vergessen. Denn die Plattform zahlt nicht mehr aus.

Was ist der Unterschied zwischen einem Krieg und „bewaffneten Konflikt“? Völkerrecht, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Unterschied zwischen einem Krieg und einem bewaffneten Konflikt besteht darin, dass ein Krieg eine förmliche Kriegserklärung voraussetzt, die nach dem modernen Völkerrecht nicht mehr erlaubt ist. Schon seit Ende der 1920er-Jahre ist Krieg im Völkerrecht als Mittel der Auseinandersetzung geächtet, auch wenn zumindest bis zum Zweiten Weltkrieg sich auch Großmächte noch gegenseitig den Krieg erklärten. Spätestens nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verzichtet man im völkerrechtlichen Sprachgebrauch auf den formalen Begriff des Krieges und ersetzt diesen durch den Begriff des bewaffneten Konflikts.

Bedeutung der Feststellung eines bewaffneten Konflikts

Auch wenn der bewaffnete Konflikt heute vom Krieg nach förmlicher Kriegserklärung unterschieden wird, ist seine Feststellung in völkerrechtlicher Hinsicht immer noch relevant. Das humanitäre Völkerrecht wird nach wie vor auf bewaffnete Konflikte angewendet. Bestimmte Regeln legte schon die Haager Landkriegsordnung von 1907 fest, so etwa den Schutz von Verletzten der gegnerischen Kriegspartei und den Schutz der Zivilbevölkerung. Das ist ein Grund dafür, dass Russland seit der Invasion der Ukraine darauf besteht, von einer Militäroperation zu sprechen. Dennoch handelt es sich eindeutig um einen bewaffneten Konflikt, den der Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag immer dann annimmt, wenn Konfliktparteien in ausgedehnter andauernder Weise gegeneinander Waffengewalt anwenden. Ob es sich um ein bloßes Scharmützel mit Waffen an einer Grenze, um einen terroristischen Akt oder um einen echten bewaffneten Konflikt handelt, bemisst der IGH an bestimmten Fakten. Zu diesen gehören:

  • Zahl der einzelnen bewaffneten Konfrontationen
  • deren Dauer und Intensität
  • Art der eingesetzten Waffen
  • Zahl der beteiligten Soldaten bzw. sonstigen Kämpfer
  • Zahl der Opfer
  • Ausmaß der Zerstörung
  • Zahl der fliehenden Zivilisten

Diese Zahlen werden bei der Beschreibung von bewaffneten Konflikten daher auch immer wieder genannt. Wenn also Konfliktparteien die gegenseitigen Angriffe, getöteten Gegner, Gefangenen und Geflohenen in Zahlen benennen, hat dies auch einen völkerrechtlichen Hintergrund.

Krieg und bewaffneter Konflikt im Sprachgebrauch nach 1945

Das Wort „Krieg“ wurde nach 1945 als völkerrechtlich relevante Klassifizierung für bewaffnete Konflikte kaum noch verwendet. Dahinter steht seit jener Zeit die Völkerrechtsauffassung, dass es für den Krieg a) eine förmliche Kriegserklärung geben muss und b) die kriegführenden Parteien unter Umständen kriegsrechtliche Regeln nach eigenem Belieben auslegen könnten, was dem humanitären Völkerrecht widerspricht. Dieses verbietet grundsätzlich den Angriffskrieg.

Relativ eindeutige Formulierungen im Völkerrecht bezüglich dieses Verbots finden sich schon im Versailler Friedensvertrag von 1919, der den Ersten Weltkrieg beendete, und im Pariser Briand-Kellogg-Pakt von 1928, der den Krieg erstmals völkerrechtlich bindend ächtete. Nach 1945 zog man diesen Pakt für die Verurteilung Deutschlands und Japans als verbrecherische kriegführende Nationen heran. Bis zum Ersten Weltkrieg hatte in der Rechtslehre wenigstens teilweise die Auffassung bestanden, dass Staaten durchaus das Recht zur Kriegsführung haben (nach römischem Recht „ius ad bellum“).

Nach dem Ersten Weltkrieg verwarfen führende Staaten der Welt dieses Recht, das schon spätestens seit 19. Jahrhundert stark umstritten gewesen war. Positivrechtlich verboten wurde es aber erst im 20. Jahrhundert. In Deutschland steht der Angriffskrieg nach Artikel 26 des Grundgesetzes unter Strafe. Nochmals formulierte die Genfer Konvention von 1949 das Verbot des Angriffskrieges aus. Seitdem spricht man fast ausschließlich von einem bewaffneten Konflikt. Wichtig ist in diesem Kontext festzustellen, dass alle völkerrechtlichen Versuche, den Angriffskrieg zu ächten, diesen letztendlich nicht vereiteln konnten. Das jüngste Beispiel zeigt die Invasion Russlands in der Ukraine seit dem 24. Februar 2022.

Kriegserklärungen im Zweiten Weltkrieg

Wie schwach das Völkerrecht in Bezug auf erklärte Kriege sein kann, zeigen die Kriegserklärungen im Zweiten Weltkrieg. Wie im vorigen Abschnitt erwähnt erklärte der Briand-Kellogg-Pakt von 1928 jeden Angriffskrieg als völkerrechtswidrig. Unterzeichnet hatten diesen Pakt anfangs die USA, Kanada, Australien, das Deutsche Reich, die Tschechoslowakei, Großbritannien, Irland, Indien, Italien, die Südafrikanische Union, Neuseeland, Polen, Frankreich, Belgien und Japan. Bis 1939 ratifizierten ihn dann insgesamt 63 Staaten der Welt einschließlich der Sowjetunion. Das hinderte diese Staaten nicht daran, sich im Zweiten Weltkrieg gegenseitig den Krieg zu erklären. Hier einige Beispiele dieser Kriegserklärungen:

  • Großbritannien, Frankreich, Australien, Indien, Neuseeland, Südafrika, Kanada gegen Deutschland 1939
  • Deutschland gegen USA 1941
  • Sowjetunion gegen Japan 1941
  • Tuwinische Volksrepublik (ehemaliger Staat in Sibirien) gegen Deutschland 1941
  • China gegen Deutschland schon 1937 (nach dem japanischen Angriff auf China)
  • Luxemburg gegen Deutschland 1942
  • Italien gegen Deutschland 1943
  • Ungarn gegen Deutschland 1944
  • Bulgarien gegen Deutschland 1944
  • Rumänien gegen Deutschland 1944
  • Finnland gegen Deutschland 1945 (rückwirkend ab September 1944)

Weitere Staaten, die Kriegserklärungen ab den frühen 1940er-Jahren versandten, waren unter anderem die Philippinen, Costa Rica, Guatemala, Kuba, Panama, die Tschechoslowakei sowie die meisten anderen süd- und mittelamerikanischen Staaten. Auch afrikanische Staaten traten formell in den Krieg ein. Etliche dieser Staaten waren nie an Kriegshandlungen beteiligt. Umgekehrt fanden die weitaus größten Kämpfe ohne jede Kriegserklärung statt, so der Überfall Deutschlands auf Polen und die Sowjetunion. Deutschland, Italien (unter Mussolini) und Japan hatten kaum irgendeinem Staat den Krieg erklärt, waren aber als faschistische Drei-Achsen-Mächte die eigentlichen Kriegstreiber.

Welche Rolle spielt das Völkerrecht für Kriege oder bewaffnete Konflikte?

Die Sicht mag pessimistisch erscheinen, ist aber wahrscheinlich realistisch und vielfach belegt: Was völkerrechtlich bindend ist, spielt für einen Aggressor kaum eine Rolle. Auch die Bezeichnung eines bewaffneten Konflikts als solchen oder als Krieg oder als Militäroperation oder -intervention ist unerheblich.

Selbst das Mantra der NATO, ein rein defensives Bündnis zu sein, taugt nicht viel: In den Kosovo-Krieg griff die NATO 1999 ein, ohne dass der Bündnisfall nach Artikel 5 eingetreten wäre, der ihr militärisches Eingreifen nur vorsieht, wenn eines ihrer Mitglieder angegriffen wird. Die NATO hatte 1999 nicht einmal ein UN-Mandat, ihre Kriegführung widersprach offensichtlich dem Völkerrecht. Der Grund war, dass die jugoslawische Regierung sich geweigert hatte, den Vertrag von Rambouillet zu unterzeichnen, den die NATO ausgearbeitet hatte und der den Konflikt zwischen Jugoslawien und den Kosovo-Albanern beenden sollte.

Die NATO befürchtete nach dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 einen weiteren Völkermord, den sie dieses Mal mit militärischer Gewalt unterbinden wollte. Sie bomardierte zwischen März und Juni 1999 überwiegend die serbischen Städte Belgrad, Pančevo, Priština, Podgorica und Novi Sad. Dabei kamen unter anderem vier chinesische Botschaftsangehörige ums Leben, der Belgrader Fernsehturm wurde zerstört, die NATO flog etliche Luftangriffe gegen zivile Ziele. Sie verhielt sich dabei eindeutig völkerrechtswidrig.

Nun mag es am 8. März 2022, dem 13. Tag der russischen Invasion in der Ukraine, höchst ketzerisch erscheinen, auf dieses Faktum zu verweisen: Doch Wladimir Putin, der international geächtete Kriegstreiber, hat durchaus gute (militärische) Gründe, das Vorrücken der NATO per Osterweiterung an die Grenzen Russlands mit großen Bedenken zu betrachten. Es ist eigentlich nur erstaunlich, dass er nicht argumentativ auf das Eingreifen der NATO im Kosovo-Krieg 1999 verweist. Vielleicht macht er das in Russland sogar, nur wir bekommen es hier im Westen nicht mit. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Nichts rechtfertigt seinen Überfall auf die Ukraine. Es ist nur für die Betrachtung des Themas wichtig, realpolitisch zu denken.

Die Welt der Diplomatie macht seit mittlerweile rund 100 Jahren den spitzfindigen semantischen Unterschied zwischen „Krieg“ und „bewaffnetem Konflikt“. Wenn es aber dazu kommt, sind Kriegserklärungen, vertragliche Verpflichtungen und alle sonstigen Lippenbekenntnisse sowie semantischen Spitzfindigkeiten völlig unerheblich.

Wie liefen früher Kriegserklärungen ab?

Die Kriegserklärung hat eine sehr lange Geschichte. Dass die Menschheit den Krieg als Mittel der Auseinandersetzung eigentlich ächtet, ist eine historisch sehr junge Auffassung (wie beschrieben): Über die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte war man der Auffassung, dass man ruhig gegeneinander gelegentlich Krieg führen kann. Berühmte Staatsführer waren eher Eroberer und Kriegshelden als Friedensfürsten.

Jedoch beschloss man im Laufe der Zeit, diese Kriegführung doch etwas zu kultivieren und sich auch förmlich den Krieg zu erklären, was mit einem Fair Play im Sport verglichen werden könnte. Man wollte dem Gegner die Gelegenheit verschaffen, sich auf den Krieg einzustellen und Vorbereitungen für den Schutz der eigenen Zivilbevölkerung zu treffen. Der Kampf der Soldaten gegeneinander galt als edel, Massaker an Zivilisten, Brandschatzungen und Plünderungen hingegen als barbarische, verachtenswerte Taten.

Ganz verhindern lassen sich diese in einem Krieg allerdings nicht, was die moderne Politik euphemistisch als „Kollateralschaden“ bezeichnet. Also sollte doch in früheren Zeiten der Gegner gleich wissen, was auf ihn zukommen wird: Daher stellte man ihm die Kriegserklärung zu. Das klassische Völkerrecht kannte diese als einseitige Willenserklärung eines Staates gegenüber einem anderen Staat. Diesem teilte man mit, dass man sich ab sofort mit ihm im Krieg befinde.

Die Zustellung erfolgte vor Beginn der Kampfhandlungen. Die Kriegserklärung konnte begründet werden (mit einer Bedrohung der eigenen Existenz und/oder Interessen) oder auch nicht. In jedem Fall betrachtete der Staat, der eine Kriegserklärung versandte, alle diplomatischen Lösungsversuche als gescheitert. Darüber hinaus konnten auch Bündnisverpflichtungen einen Staat zur Kriegserklärung gegenüber einem anderen Staat verpflichten. Die diplomatischen Beziehungen wurden mit der Kriegserklärung abrupt abgebrochen. Bis heute gilt der Rückruf von Botschaftern als ernstes Zeichen, dass ein bewaffneter Konflikt bevorstehen könnte.

Fazit

Die Bezeichnung als Krieg oder bewaffneter Konflikt ist nur ein semantischer Unterschied. Für die Kriegshandlungen selbst ist dieser unerheblich. Auch die völkerrechtliche Ächtung von Angriffskriegen und die Verurteilung eines solchen Krieges durch einen Gerichtshof wie den IGH in Den Haag hat praktisch kaum Konsequenzen. Am Ende gilt das Recht des Stärkeren.

Wer sind die Atlantiker / Transatlantiker? Bedeutung, Definition, Erklärung


Als Atlantiker bzw. Transatlantiker verstehen sich Personen und Institutionen, die auf das Bündnis der demokratischem Staaten beiderseits des Atlantiks setzen. Transatlantisch bedeutet, dass die Beziehungen dieser Staaten den Atlantik überspannen. Auf der einen Seite des Atlantiks liegen die USA und Kanada als nordamerikanische Mächte, auf der anderen Seite die westeuropäischen Staaten. Die ursprüngliche Idee einer transatlantischen Partnerschaft wurde schon in den frühen 1940er-Jahren während des Zweiten Weltkrieges durch die damaligen Alliierten USA und Großbritannien formuliert.

Grundsätzliche Ideen der Transatlantiker

Die Atlantiker oder Transatlantiker orientieren sich in ihrer Identitätsfindung an bestimmten Werten, jedoch nicht an einem Nationalstaat des transatlantischen Bündnisses aus USA, EU, NATO und deren einzelnen europäischen und nordamerikanischen Nationalstaaten. Die empfundenen Werte sind:

  • Marktwirtschaft
  • Demokratie
  • Liberalismus
  • Meinungsfreiheit
  • freie Medien
  • grundsätzliche Freizügigkeit wie Reisefreiheit und Freiheit der wirtschaftlichen Tätigkeit

Allerdings sehen die Transatlantiker diese Ideen nur in den genannten Staaten realisiert. Daher kommt auch die Begrifflichkeit Atlantiker oder Transatlantiker. Sie stammt von den zwischen den USA und Westeuropa aufgenommenen transatlantischen Beziehungen, die schon im Zweiten Weltkrieg entstanden und später im Kalten Krieg die Entwicklung Westeuropas prägten.

Ohne transatlantische Beziehungen hätte es weder den Marshall-Plan – entscheidend für die ökonomischen Aufbau Westdeutschlands nach dem Krieg – noch den militärischen Schutz Westeuropas durch die NATO ab 1949 gegeben. Im Kern entstanden diese Beziehungen zunächst zwischen den USA und Großbritannien. Diese beiden Staaten formulierten schon im Zweiten Weltkrieg in der Atlantik-Charta gemeinsame außenpolitische Grundsätze. Diese Charta war eine gemeinsame Erklärung des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und des britischen Premiers Winston S. Churchill vom August 1941. Mitten im Krieg gegen Nazideutschland, der damals noch längst nicht entschieden war, formulierten die beiden Staatschefs in dieser Charta gemeinsame Grundsätze einer internationalen Politik, die von der Hoffnung auf künftig bessere Zeiten getragen wurde.

Entstehung der Atlantik-Charta

Die Atlantik-Charta wurde auf der Atlantik-Konferenz vom 09. bis zum 12.08.1941 zwischen Roosevelt und Churchill unterzeichnet. Die beiden Staatschefs trafen sich nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion (ab 08.05.1945) nur drei Monate später auf einem britischen Schlachtschiff: Die HMS „Prince of Wales“ lag vor Neufundland (Placentia Bay) vor Anker, das Treffen fand unter absoluter Geheimhaltung statt. Eigentlich ging es auf dieser Konferenz um mehr Waffen aus den USA für die UdSSR und Großbritannien, damit diese beiden Kriegsmächte den deutschen Truppen besser widerstehen konnten. Die USA waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht in den Krieg involviert, sie traten erst im Dezember 1941 ein. Im Zuge ihrer Beratungen vereinbarten Roosevelt und Churchill auch die Atlantik-Charta. Sie wurde zwei Tage nach der Konferenz veröffentlicht. Im Wesentlichen enthielt die Charta Verpflichtungen der beiden ersten transatlantischen Mächte USA und Großbritannien zu diesen Punkten:

  • freiwilliger Verzicht auf eine Ausdehnung des eigenen Territoriums
  • gleichberechtigter Zugang aller Staaten zu Rohstoffen und zum Welthandel
  • Verzicht auf Gewaltanwendung in den internationalen Beziehungen
  • Selbstbestimmungsrecht von Nationen
  • Schaffung von Möglichkeiten der engen wirtschaftlichen Kooperation zwischen Nationen
  • Stärkung der Weltwirtschaft mit dem Ziel besserer Arbeitsbedingungen
  • Schutz von Arbeitenden
  • wirtschaftlicher Ausgleich zwischen Nationen
  • Sicherheit für Völker vor Tyrannei
  • Entwaffnung der Nationen für mehr Sicherheit in der Welt
  • Freiheit der Meere

Viele – aber nicht alle – dieser Punkte flossen in die Charta der 1945 gegründeten UNO und der 1949 gegründeten NATO ein. Die UNO berief sich bei ihrer Gründung explizit auf die Atlantik-Charta. Jene wurde schon im September 1941 auch von anderen Staaten unterzeichnet, nämlich der Sowjetunion und den Exilregierungen von Belgien, Jugoslawien, Griechenland, Luxemburg, Norwegen, den Niederlanden, Polen, Frankreich und der Tschechoslowakei.

Der Druck zur Einigung auf die transatlantischen Beziehungen war durch den Zweiten Weltkrieg besonders groß geworden, allerdings hatten die formulierten Ideen für ein Völkerrecht durchaus historische Vorläufer. Ähnlich hatte sie schon Woodrow Wilson, 28. US-Präsident, 1918 unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges in einem 14-Punkte-Plan formuliert. Darüber hinaus sind bis heute (2022) einige Punkte der Charta umstritten oder müssen als utopisch gelten, so etwa der Punkt der Entwaffnung von Nationen. Die Welt geht vor allem seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges im Februar 2022 eher den umgekehrten Weg und entschließt sich zu verstärkter Aufrüstung, um Despoten begegnen zu können. Schon 1941 stimmte außerdem Großbritannien nur widerwillig dem Punkt zu, den Nationen ein grundsätzliches Selbstbestimmungsrecht einzuräumen: Das durch Kolonialkriege früherer Jahrhunderte entstandene britische Commonwealth existierte schließlich noch (fast) vollumfänglich. Die Briten waren damals nicht daran interessiert, dass einzelne Staaten sich daraus verabschieden könnten. Auch dem freien Welthandel wollten die Briten nicht unbedingt zustimmen, denn damals schotteten sie sich handelspolitisch noch überwiegend ab. Daher setzte Churchill durch, dass Großbritannien sein Commonwealth aus solchen Punkten der Charta herauslassen kann.

Ähnlich ging die UdSSR vor: Sie beanspruchte später, dass einzelne Staaten ihrer Interessensphäre (besonders Polen und das Baltikum) aus den formulierten Zielen der Atlantik-Charta herausgelassen werden können. Selbst die Exilregierungen von Polen, Jugoslawien und der Tschechoslowakei wollten nicht allen Punkten zustimmen, weil sie eigene Gebietsansprüche im damals durch die deutsche Wehrmacht besetzten Europa hatten. Optimistisch gingen die Regierungschefs davon aus, dass man Deutschland besiegen und anschließend Europa neu aufteilen werde, wie es 1945 tatsächlich geschah. Daher hatte es die Atlantik-Charta von Anfang an schwer.

Atlantiker heute

Nach wie vor treten Atlantiker (Transatlantiker) für die größtmögliche Kooperation zwischen den USA und Europa vor allem bei der Außen- und Sicherheitspolitik ein. Es geht aber schon längst nicht mehr um eine Entwaffnung der Nationen. Dieses Ziel hat sich als unrealistisch herausgestellt.

Andere Punkte der Atlantik-Charta wie der freie Welthandel wurden jedoch umgesetzt, was zum paradoxen und prekären Zustand geführt hat, dass Europa und die USA im März 2022 derart stark von russischen Öl-, Gas- und Kohlelieferungen abhängig sind, dass ihnen ein echtes wirtschaftliches Druckmittel gegen den Aggressor im Ukraine-Krieg fehlt. Wenn sie sich von diesen Lieferungen abrupt verabschieden würden, um Russland wirklich zu schaden, könnte das zu einem ökonomischen Desaster in den westlichen Wirtschaftssystemen führen. Das ist übrigens historisch nicht neu: Auch im Zweiten Weltkrieg gab es US-Firmen, die mit Nazideutschland noch Handel betrieben. Es ist ungeheuer schwierig, wirtschaftliche Beziehungen vollkommen zu entflechten, ohne massivsten eigenen Schaden zu erleiden.

Ein Umdenken hat indes eingesetzt: Als erstes Land des transatlantischen Bündnisses hat Kanada Anfang März 2022 seine Rohölimporte aus Russland komplett eingestellt. Das Volumen lag in den letzten Jahren bei mehreren 100 Millionen kanadischen Dollar. Dennoch ist die kanadische Wirtschaft von russischem Öl viel weniger abhängig als die US-Wirtschaft oder viele europäische Volkswirtschaften (inklusive der deutschen) von russischem Gas. Im Atlantikraum wiederum gibt es weder Öl- und Gasvorkommen noch entsprechende technische Kapazitäten für ihre Förderung und Verteilung in einem Umfang, mit dem sich die westliche Welt schmerzarm von den russischen Rohstoffen abkoppeln könnte. Hier stößt die transatlantische Idee eindeutig an ihre Grenzen.

Man wird sie daher in den kommenden Jahren neu bewerten. Es ist eine Idee, die einen geografischen Raum zum Bezugspunkt erklärt hat, nämlich die östlichen und westlichen Anrainer des Atlantiks. Scheinbar können diese Staaten jedoch nicht durch einen eigenen Wirtschaftskreislauf ohne Verbindungen zu anderen Regionen des Globus ihre Wirtschaftskraft aufrechterhalten, was vor allem am Rohstoffbedarf liegt.

Entwicklung und Wahrnehmung des Begriffs „Atlantiker“ oder „Transatlantiker“

Der ursprüngliche Begriff war „transatlantisch“ und wurde sowohl östlich als auch westlich dieses Weltozeans für das jeweils andere Ufer verwendet. Er war ab etwa 1850 eine Abgrenzung zum Begriff „überseeisch“, mit dem auch Regionen jenseits des Mittelmeers, des Pazifiks oder anderer Meere gemeint sein konnte.

Diese Begrifflichkeit hatte während des Kolonialzeitalters ab dem 16. Jahrhundert die größere Rolle gespielt, weil die damaligen (europäischen) Kolonialmächte Gebiete überall auf der Welt besetzten, so beispielsweise auch im Pazifikraum.

Schon im 19. Jahrhundert kristallisierte sich der transatlantische Raum allerdings als stärkste ökonomische und geopolitische Region der Welt heraus. Der Fokus der Betrachtung richtete sich also auf den transatlantischen Raum, die Begrifflichkeit „transatlantisch“ entstand und verdichtete sich im Sprachgebrauch ab dem späten 19. Jahrhundert auf die Charakterisierung der Beziehungen zwischen Nordamerika (besonders USA) und Europa. Das ist geografisch betrachtet nicht ganz logisch, denn auch Südamerika und Afrika liegen beiderseits des Atlantiks. In diesen Weltregionen hatten die Staaten aber im 20. Jahrhundert andere Probleme als die Förderung ihrer gegenseitigen transatlantischen Beziehungen. Sowohl in Mittel- und Südamerika als auch in Afrika löste man sich von früheren Kolonien, gründete neue Staaten und baute zunächst die binnenkontinentale Wirtschaft auf.

In Afrika spielt heute China als wirtschaftlicher Akteur eine große Rolle. Daher meinen Atlantiker bzw. Transatlantiker schon seit der Atlantik-Charta von 1941 eigentlich nordatlantische Beziehungen. Die NATO hat das in ihren Namen auch logisch aufgenommen: „North Atlantic Treaty Organisation“.

Wichtige transatlantische Organisationen

Eine Vielzahl von Organisationen auch außerhalb der NATO hat den transatlantischen Gedanken zum Programm erhoben. Beispiele wären:

  • Atlantische Initiative (NGO)
  • Atlantische Brücke e.V.
  • Transatlantic Policy Network (Wirtschaftsorganisation)
  • Transatlantisches Telefonkabel
  • Transatlantisches Freihandelsabkommen
  • Transatlantic Academy
  • Transatlantikregatta
  • TransAtlantic (ab 2000 entstandene Progressive-Rock-Band)

Fazit

Der transatlantische Gedanke existiert nach wie vor und dürfte mit dem Krieg in der Ukraine, der sich zum nuklearen Weltkrieg auszuwachsen droht (Stand: 06.03.22), noch an Bedeutung gewinnen. Dem steht gegenüber, dass die Staaten beiderseits des Nordatlantiks ohne Kooperation mit dem Rest der Welt wirtschaftlich extrem zurückfallen könnten.

Warum greift die Nato in den russischen Angriff auf die Ukraine nicht ein? Erklärung


Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine stellt eine Zeitenwende dar. Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 tobt ein brutaler Krieg auf europäischem Boden. Die militärische Großmacht Russland hat es bereits 2014 auf seinen westlichen Nachbarn abgesehen. Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim sorgte international für Entsetzen und sollte rückblickend erst den Beginn der russischen Invasion darstellen.

NATO als starker und verlässlicher Partner

Die NATO – ‚North Atlantic Treaty Organization‘ – ist das größte Verteidigungsbündnis der Welt. Die 30 Mitgliedsstaaten des 1949 gegründeten Bündnisses bestehen neben der Großmacht USA und Kanada aus vielen kleineren europäischen Mitgliedsstaaten, die mit ihrem Zusammenschluss das erklärte Ziel verfolgen, im Falle eines Angriffs auf eines dieser Mitgliedsstaaten gemeinsam darauf zu reagieren. Der Schutz des eigenen Territoriums gilt als unantastbar und unverhandelbar. Ein Angriff auf einen der Bündnisparter ist gleichzusetzen mit einem Angriff auf alle anderen. Die NATO gewährleistet den Schutz ihrer Partner und verfolgt darüber hinaus das Ziel politischer Sicherheit und Stabilität. Gegenwärtig kann das Bündnis auf rund 3,4 Millionen aktive Soldaten sowie 1,3 Millionen Reservisten zurückgreifen, was es zum stärksten Verteidigungsbündnis der Welt macht.

Ukraine und der russische Angriff: NATO zum Zuschauen gezwungen

Ungeachtet ihrer Übermacht, sind der NATO im Ukraine-Krieg gewissermaßen die Hände gebunden. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die Ukraine ist kein NATO-Mitglied (Sie ist nur Nato-Partner) und damit im Kampf gegen ihren schier übermächtigen Aggressor aus Russland auf sich allein gestellt, denn ein Eingreifen der NATO in den Krieg würde den Beginn des 3. Weltkriegs bedeuten. Die russische Regierung ist sich dieser Tatsache bewusst und hat ‚lediglich‘ die Truppen der Ukraine zu fürchten. Diese allerdings erweisen sich als äußerst tapfer und kämpfen um jeden Zentimeter ihres wertvollen Territoriums. Eine derart große Gegenwehr haben die Mächtigen aus Moskau offenbar nicht für möglich gehalten. Die stolzen ukrainischen Streitkräfte erhalten zudem tatkräftige Unterstützung in Form von Waffenlieferungen aus zahlreichen Ländern aus der EU. Aufgrund dieser passiver Maßnahmen umgeht die NATO eine aktive militärische Auseinandersetzung mit Russland. Jedoch sind auch die Waffenlieferungen ein politisches Reizthema, denn sie werden von Moskau als Provokation aufgefasst und gießen zusätzlich Öl ins Feuer. Neben umfassender Wirtschaftssanktionen gegen das russische Regime, die innerhalb der EU fast einstimmig erfolgten, herrscht in puncto Waffenlieferung mehr Skepsis. Nicht alle Staaten (Ungarn lehnt Waffenlieferungen über ihr Staatsgebiet ab) möchten demnach indirekt in den Krieg involviert werden.

Ukraine: NATO ist sich ihrer Verantwortung bewusst

Die Funktionäre der NATO wissen, was die Stunde geschlagen hat. Sie reagieren mit Besonnenheit, aber größter Alarmbereitschaft auf die Aggressionen von russischer Seite. Die derzeitige Situation in der Ukraine ist und bleibt brandgefährlich. Ein Übergreifen des Kriegs auf Polen oder die baltischen Staaten würde die NATO zwangsläufig zum Handeln zwingen. Ein globaler Flächenbrand scheint derzeit (noch) unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Es scheint, als könnte ein Funken – eine fehlgeleitete Rakete, Missverständnis oder der Einsatz geächteter Waffen – ausreichen, um die Eskalation in der Ukraine zu einem Weltkrieg zu erweitern. Das Potenzial dafür besitzt der Krieg allemal. Insbesondere die Vereinigten Staaten besitzen Abschreckungspotenzial auf den Kreml. Die USA sind hinter Russland die zweitgrößte Nuklearmacht und konkurrieren mit der Russischen Föderation und China um die Weltmacht. Immer wieder ist von NATO-Seite zu hören, man werde sich militärisch nicht in den Krieg einmischen und man wolle diese Strategie beibehalten, auch wenn die Ukraine dadurch ihrem Feind fast schutzlos ausgeliefert ist. Das Risiko einer globalen Katastrophe erscheint zu groß.

Europa schwach, aber vereint

Die militärische Stärke Europas ist nicht ausreichend, um sich einem Angriff Russlands entgegenzustellen, zu sehr wurden die europäischen Streitkräfte heruntergewirtschaftet. Die russische Führung nutzte die Gunst der Stunde und überfiel seinen Nachbarn in der Nacht zum 24. Februar auf Anorndung von Russland-Präsident Vladimir Putin. Das militärisch schwächelnde Europa zeigt sich dennoch ungewohnt entschlossen und vereint. An einem Strang ziehend werden politische und wirtschaftliche Maßnahmen gefällt, als wäre die europäische Einigkeit selbstverständlich.

NATO und Europa zeigen Flagge

Eine nie dagewesene Welle der Solidarität auf den Straßen Europas ist die Folge des russischen Angriffskriegs. Zehntausende demonstrieren seit Beginn der Invasion täglich gegen Russland-Autokrat Putin. Die Ukraine ist fester Bestandteil Europas. Wohin die Reise für das osteuropäische Land und insbesondere für ihre Einwohner nun geht, ist völlig unklar. Fest steht: Es wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis die Kollateralschäden beseitigt sein werden. Noch gravierender: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint noch nicht einmal das Schlimmste überstanden zu sein. Der Krieg in der Ukraine ist nicht beendet. Wann er endet, weiß nur einer – der Kriegsherr selbt.

Was bedeutet „Vladdy Daddy“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Vladdy Daddy“ ist ein Spitzname für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Mit „Vladdy Daddy“ ist konnotiert, dass er männlich ist und Authorität hat.

„Vladdy Daddy“ wird in einer sexualisierten oder ironischen Weise verwendet. Der Term kann auch genutzt werden, um den Adressaten lächerlich zu machen.

Woher kommt der Ausdruck „Vladdy Daddy“? Bedeutung, Definition, Erklärung

„Vladdy Daddy“ setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: Das Wort „Daddy“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „Papa“ oder „Vati“. Kinder sprechen ihren Vater mit diesem Kosenamen an. Seit 2010 wird „Daddy“ verstärkt mit einer sexuellen Konnotation verwendet. Als „Daddy“ werden Männer angesprochen, deren sexuelle Ausstrahlung oder Kraft man hervorheben will.

Der Zusatz „Vladdy“ ist eine Verniedlichungs von Putins Vornamen Wladimir. Dieser Spitzname Putins wird vorrangig von Jugendlichen in sozialen Netzwerken verwendet. Durch die Abkürzung drückt sich eine scheinbare Nähe zu Putin aus.

Der zusammengesetzte Term „Vladdy Daddy“ tritt verstärkt seit 2016 auf. Vor allem anonyme Personen nutzen ihn, um Donald Trump ins Lächerliche zu ziehen. Die Nutzer:innen scherzen über Trumps Unterwürfigkeit Putin gegenüber.

Im August 2018 postet der Nutzer „leachwarren“ eine Fanfiction über Putin und Trump auf dem Portal „Daily KOS“. Diese trägt den Namen „Putin’s Punk or (Who’s your Vladdy Daddy?)“ – auf Deutsch: „Putins Punk oder (Wer ist dein Vladdy Daddy?)“. Hier wird eine sexuelle Beziehung zwischen Donald Trump und Wladimir Putin ins Leben gerufen. In dieser befindet Putin sich in einer Machtposition.

Seit Ende der 2010er Jahre gibt es zahlreiche Memes, die das Verhältnis zwischen Putin und Trump thematisieren. Dabei wird Putin meist in einer kraftvollen Position über Trump gestellt.

Warum nennen Jugendliche Putin „Vladdy Daddy“? Erklärung, Bedeutung

Ursprünglich bekam Putin den Namen Vladdy Daddy zugeschrieben, weil Trumps Verhalten ihm gegenüber unterwürfig war. Diese auffällige Unterwürfigkeit des ehemaligen amerikanischen Präsidenten wurde in ein sexualisiertes Verhältnis gezogen und dadurch lächerlich gemacht.

Allerdings nutzen Teenager den Begriff auch, um Putin mit Respekt aufgrund seiner Machtposition zu begegnen. Als „Vladdy Daddy“ sprechen sie ihm neben seiner Macht auch eine Vaterposition zu.

In welchen Kontexten wird der Begriff „Vladdy Daddy“ verwendet?

Ende der 2010er Jahre war „Vladdy Daddy“ vor allem ein Begriff der Memes. Die Beziehung zwischen Putin und Trump wurde sexualisiert und lächerlich gemacht. Auch in Portalen, wo Fanfictions geschrieben und gelesen werden können, kursierte dieser Ausdruck. Hier wurde Wladimir Putins Überlegenheit Trump gegenüber ebenso wie Trumps Unterwürfigkeit zum Erfreuen der Leser:innen thematisiert.

Seit sich im Jahr 2022 die Krise zwischen Russland und der Ukraine zuspitzt, findet der Term „Vladdy Daddy“ vermehrt Platz auf Plattformen wie TikTok und Instagram. Als Hashtag oder Schlagwort taucht VladdyDaddy in den Trends solcher Netzwerke auf. Dort steht er häufig im Zusammenhang mit Bitten von Jugendlichen. Sie hoffen, Putin möge seine Bedrohung einstellen und den nahenden beziehungsweise den ausgebrochenen Krieg stoppen. Bekannte TikToker oder Youtuber senden Nachrichten oder Videobotschaften an Accounts, welche auf Putins Namen laufen. In diesen nutzen sie „Vladdy Daddy“ als Anrede für den Präsidenten. Außerdem wird VladdyDaddy unter die Botschaften gesetzt oder in ihrem Titel verwendet. Beiträge in den sozialen Netzwerken mit diesem Schlagworten erhalten aktuell hohe Klickzahlen.

Teilweise nutzen die Verfasser solcher Botschaften den Ausdruck auch in dem vermeintlichen Versuch, Putin wachzurütteln. Sie sagen, mit seinem aktuellen Verhalten sei er „nicht er selbst“. Außerdem äußern sie den Wunsch, er möge herunterkommen und seine Meinung ändern.

Was bedeutet das „Z“ der Russen / Russlands? Bedeutung Symbol, Definition, Erklärung


Beim Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wurden erstmals unterschiedliche Kennzeichnungen auf russischen Panzern beobachtet. Auffällig häufig war ein mit weißer Farbe aufgemaltes „Z“. Eine offizielle Erklärung oder Stellungnahme der russischen Regierung oder des Militärs gab es dazu lange nicht. Experten halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Kennzeichnung dazu dient, russische von ukrainischen Truppen zu unterscheiden, da sich die Ausrüstung ähnelt. So soll im Gefecht „friendly fire“ vermieden werden, also der Angriff auf eigene Truppen.

Eine Woche nach dem ersten Angriff auf die Ukraine gab das russische Militär auf Instagram bekannt, dass das Z für „Za pobyedu“ steht, was „Für den Sieg“ bedeutet.

Das weiße „Z“ – erstmalige Sichtung auf russischen Panzern

Erstmals über die Markierungen berichtet hatte die New York Post. Diese bezieht sich unter anderem auf den Doktoranden und Beobachter der russischen Verteidigungspolitik, Rob Lee. Bereits am 19.02.2022 beobachtete er die Markierungen an Panzern nahe der ukrainischen Grenze und teilte seine Vermutung auf Twitter, es könne sich um Markierungen handeln, die die einzelnen Einsatzkräfte oder Staffeln identifizierten.

Weitere Vermutungen zur Bedeutung von Politikexperten

Auch Politikexperten können keine sichere, eindeutige Antwort liefern. Von allen Experten am wahrscheinlichsten gehalten wird jedoch auch hier die Markierung zur Unterscheidbarkeit der Truppen. Denn sowohl die ukrainischen als auch die russischen Streitkräfte nutzen eine sehr ähnliche Ausstattung aus sowjetischer Produktion.

Osteuropa- und Militärexperte Gustav Gressel stellte gegenüber der Süddeutschen Zeitung fest, dass sich die Markierungen je nach Stoßrichtung unterscheiden.

Laut der Militär-Plattform „SOFREP“ enthält die ukrainische und russische Kriegsausstattung – anders als bei westlichen Streitmächten üblich – kein elektronisches Identifikationssystem. So kann aus der Ferne aufgrund der ähnlichen Ausstattung Freund nicht von Feind unterschieden werden, was eine Markierung erforderlich macht.

Gegen diese Theorien spricht, dass die Markierungen zum Teil klein gehalten sind und aus sehr weiten Entfernungen oder aus der Luft eventuell nicht gesehen werden.

Das freistehende weiße „Z“ ist dabei nur eine von mehreren Markierungsarten. Neben dem freistehenden „Z“ wurde ein „Z“ in einem Quadrat oder Dreieck beobachtet. Daneben konnte häufig der Buchstabe „V“ gesichtet werden.

Stellungnahme der russischen Armee und Bedeutung des Z

Via Instagram gab die russische Arme bzw. das russische Verteidigungsministerium eine Woche nach dem ersten Angriff im Februar 2022 durch Fotos mit den jeweiligen Buchstaben die mögliche Bedeutung bekannt.

So soll das „Z“ für „Za pobyedu“ stehen, was übersetzt „Für den Sieg“ bedeutet.

Das V soll für „Sila v pravdye“ stehen, was „In der Wahrheit liegt die Kraft“ bedeutet. Das V soll dabei nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf den Kultfilm „Brat 2“ zurückgehen, in welchem ein junger russischer Held einen Amerikaner frage, worin die Kraft oder Stärke liege. Die Antwort gibt er sich daraufhin selbst und sagt, dass diese Kraft nicht in dem Geld liege, von dem die Amerikaner so viel hätten, sondern in der Wahrheit, die auf der Seiten der Stärkeren läge. Dieses Zitat soll laut FAZ auch schon von Vladimir Putin angebracht worden sein, um gegen eine materielle Übermacht Hoffnung zu erzeugen.

Auf einem weiteren Bild mit dem „V“ des russischen Verteidigungsministeriums war das „V“ mit dem Slogan „Sadatscha budjet wuipolnjena“ unterschrieben, was im Deutschen so viel bedeutet, wie „Die Mission wird erfüllt werden“. Auch das „Z“ wird zum Teil mit anderen Bedeutungen in den sozialen Medien in Verbindung gebracht oder vom russischen Verteidigungsministerium verwendet.

„Z“ Symbol Russlands: Nutzung in den sozialen Medien

Seit der offiziellen Erklärung werden die Buchstaben nun genutzt, um Propaganda für Putin und den Angriffskrieg zu betreiben, der von den Staatsmedien als „Spezialoperation“ bezeichnet wird. So wird durch Staatsvertreter in den sozialen Medien aufgefordert, durch ein weißes „Z“ auf der Kleidung die Solidarität und Unterstützung für die Armee und Putin zu demonstrieren.

Bilder mit russischen Panzern und der Markierung „Z“ oder „V“ werden von beiden Seiten in den sozialen Medien genutzt, um die eigene Wahrnehmung und Meinung bildgewaltig zu verbreiten. So sieht man in russischen Medien diese so gekennzeichneten Panzer mit motivierten Soldaten. In den ukrainischen Medien zerstörte Panzer mit der Markierung und zum Teil toten Soldaten.

Unklar ist, ob dies von Anfang an die Intention der Buchstaben war oder nun im Nachgang eine Bedeutung zugeschrieben wurde, um die Motivation und Solidarität zu steigern und von der eigentlichen Bedeutung und der Unfähigkeit zur Unterscheidung abzulenken, nachdem die Markierung weltweit aufgefallen ist und in den Medien diskutiert wurde. Denn der Krieg wird mittlerweile nicht nur auf dem Schlachtfeld geführt. Die russische Regierung nutzt intensiv auch die sozialen Medien, um ihre Position oder strategisch platzierte Informationen sowie Fehlinformationen zu verbreiten.

Was will Putin mit dem Krieg in der Ukraine erreichen? Erklärung, Bedeutung, Russland


Dieser Beitrag ist eine Erklärung zum russischen Angriff auf die Ukraine. Im Beitrag wird die russische Position dargelegt. Es wird dargelegt, wie Russland zur Nato steht, welche Sorgen Russland bezüglich der Nato und Osteuropa hat, welche wirtschaftlichen Interessen Russland antreiben und wie die Wasserversorgung der Krim Russland antreibt.

1. Russische Position zur Nato und Geografie in Osteuropa

1.1 Was ist Russlands aktuelles Problem mit der NATO und der Ukraine?

Russland ist vor Kanada der flächenmäßig größte Staat der Welt. Seine Gesamtfläche beträgt etwas mehr als 17 Millionen km², was 11 % der Landfläche der Erde entspricht. Die Russische Föderation nimmt zwei Kontinente ein: Der europäische Teil erstreckt sich westlich des Uralgebirges, der asiatische Teil östlich davon. Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist Russland verkleinert und von den ehemaligen Sowjetrepubliken umgeben. Seine Meeresfront schrumpft und sein geostrategischer Einfluss wird dadurch verringert.

Die NATO – die Nordatlantikvertragsorganisation – ist ein Militärbündnis, das 1949 von 12 Ländern, darunter die USA, Kanada, das Vereinigte Königreich und Frankreich, gegründet wurde. Die Mitglieder vereinbaren, sich im Falle eines bewaffneten Angriffs auf einen der Mitgliedstaaten gegenseitig zu unterstützen. Ziel war ursprünglich, der Bedrohung durch die russische Expansion in Europa nach dem Krieg entgegenzuwirken. 1955 reagierte Sowjetrussland auf die NATO, indem es ein eigenes Militärbündnis mit den kommunistischen Ländern Osteuropas, den Warschauer Pakt, gründete. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wechselten eine Reihe ehemaliger Warschauer-Pakt-Länder die Seiten und wurden Mitglieder der NATO. Das Bündnis hat heute 30 Mitglieder.

Die Ukraine ist eine ehemalige Sowjetrepublik, die gemeinsame Grenzen mit Russland und der Europäischen Union hat. Sie hat eine große ethnisch-russische Bevölkerung und unterhält enge soziale und kulturelle Beziehungen zu Russland. Aus strategischer Sicht betrachtet der Kreml sie als Russlands Hinterhof. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte kürzlich, dass die Ukraine tatsächlich ein Teil Russlands sei. In den letzten Jahren hat sich die Ukraine jedoch dem Westen zugewandt. Ihre Ziele, der EU und der NATO beizutreten, sind in ihrer Verfassung verankert. Derzeit ist sie ein „Partnerland“ der NATO. Das bedeutet, dass davon ausgegangen wird, dass es der Ukraine in Zukunft erlaubt sein könnte, dem Bündnis beizutreten. Russland möchte von den Westmächten die Zusicherung erhalten, dass dies niemals geschehen wird. Die USA und ihre Verbündeten weigern sich jedoch, die Ukraine aus der NATO auszuschließen, und argumentieren, dass die Ukraine als souveräne Nation die Freiheit haben sollte, über ihre eigenen Sicherheitsbündnisse zu entscheiden.

1.2 Worüber macht sich Russland Sorgen?

Präsident Putin glaubt, dass die westlichen Mächte die Allianz benutzen, um sich in Russland einzumischen. Er möchte, dass die NATO ihre militärischen Aktivitäten in Osteuropa einstellt. Er behauptet seit langem, dass die USA ihre 1990 gegebene Garantie, die NATO werde sich nicht nach Osten ausdehnen, nicht eingehalten haben. Die USA dagegen versichern, dass sie ein solches Versprechen nicht gegeben haben. Die NATO behauptet, dass nur einige wenige ihrer Mitgliedstaaten gemeinsame Grenzen mit Russland haben und dass es sich um ein Verteidigungsbündnis handelt. Im März 2014 wurde die Halbinsel Krim, die seit 1954 zur Ukraine gehörte, an Russland angegliedert. Wenige Wochen später erklären prorussische Separatisten im Osten des Landes die Abspaltung ihrer Regionen und greifen mit Unterstützung Moskaus zu den Waffen gegen die Regierung in Kiew. Der Krieg im Donbass beginnt. Bis zum heutigen Tag hat er bereits 14.000 Menschenleben gefordert.

Siehe:

1.3 Wie rechtfertigt Putin seinen Krieg in der Ukraine?

Zu Beginn der Krise forderte Putin den Abzug der NATO-Streitkräfte aus den grenznahen Mitgliedstaaten sowie ein neues Abkommen mit den USA über die Frage der Mittelstreckenraketen. In der vergangenen Zeit schien er vor allem auf die erzwungene Neutralisierung der Ukraine zu drängen, die aufgerufen wird, sich selbst den Beitritt zur NATO zu verbieten. In der Zeit der Invasion geht es darum, die Ukraine zu „entnazifizieren“ und zu „entmilitarisieren“. Das Thema der Verteidigung der russischen Minderheiten, „der russischen Welt“, auch jenseits der Grenzen, ein Leitmotiv, wird wiederbelebt. Wie 2014 bei der Annexion der Krim dominiert das gleiche Argument, das eines ewig belagerten Russlands: Putin will Russland gegen einen Westen verteidigen, der versucht, ihm zu schaden.

Doch darüber hinaus zielt Putins Diskurs seit langem auf eine Revision der Geschichte ab. Die russischen Schulbücher wurden umgeschrieben. Die NGO Memorial, deren Ziel es war, die Verbrechen der kommunistischen Periode aufzuzeichnen, wurde im Dezember 2021 aufgelöst. In seiner Rhetorik taucht immer wieder der Vorwurf auf, die USA hätten ihr 1991 gegebenes Versprechen gebrochen, die NATO nach dem Ende der UdSSR, die als „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wurde, nicht nach Osten auszudehnen. Bereits im Februar 2007 prangerte Putin in München eine unipolare amerikanische Welt, die unannehmbar ist, an. Im Grunde genommen akzeptiert Putin nicht die Konsequenzen der russischen Niederlage im Kalten Krieg, den der Westen vor 30 Jahren gewonnen hatte. In der russischen Vorstellung nimmt die Ukraine einen besonderen Platz ein: Sie sei laut Putin ein integraler Bestandteil in der russischen Geschichte, der russischen Kultur und des russischen geistigen Raums. Die Ukraine habe seiner Meinung nach auch nie eine stabile Tradition eines echten Staates gehabt.

Mit der vollständigen Invasion der Ukraine scheint das ultimative Ziel tatsächlich darin zu bestehen, die legitime Macht in Kiew zu stürzen und sie durch ein Regime unter der Fuchtel des Kremls zu ersetzen. Experten des Royal United Services Institute behaupten, dass die russischen Dienste bereits ukrainische Politiker identifiziert haben, die bereit sind, nach der Niederlage der Armee in das Spiel der Kollaboration einzusteigen. US-Beamte berichten von einer Liste russischer und weißrussischer Oppositioneller, die in Kiew im Exil leben, sowie von Politikern, die Moskau physisch ausschalten will.

2. Welche Bedeutung hat das russische Gas für die EU?

Gas ist ein wesentlicher Bestandteil einiger industrieller Prozesse, wie zum Beispiel der Herstellung von Wasserstoff, der bei der Herstellung von Ammoniak und Düngemitteln für die Landwirtschaft verwendet wird. Die Europäische Union ist von russischem Gas abhängig, da Russland ihr Hauptlieferant ist und etwa ein Drittel des in der EU verbrauchten Gases in diesem Land produziert wird. Der Anteil Russlands an den EU-Importen ist zwischen 2008 und 2018 sogar gestiegen, wie aus den Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat hervorgeht. Im Jahr 2018 entfielen allein beim Gas 40,4 % der EU-Importe auf Russland, weit vor Norwegen, dem zweitgrößten Lieferanten (18,1 %), und Algerien, dem drittgrößten (11,8 %). Auf diese drei Länder entfallen mehr als zwei Drittel der Gasimporte.

Die Europäische Union hat seit der Krise zwischen der Ukraine und Russland im Jahr 2006, als Moskau den Gashahn zudrehte und damit enorme Versorgungsprobleme für die östlichsten Länder der Europäischen Union verursachte, große Fortschritte bei den Verbindungsleitungen mit einem bidirektionalen System zur Verteilung der Gasvorräte gemacht. Frankreich importiert daher 99 % des von ihm verbrauchten Erdgases. Im Jahr 2019 kamen die Importe hauptsächlich aus Norwegen (30 %), Russland (20 %), den Niederlanden (10 %), Nigeria (7 %) und zu 33 % aus anderen Ländern wie Katar und Ägypten.

2.1 Ist Europa so abhängig von russischem Gas?

Die Ukraine, in der die wichtigsten Gaspipelines zwischen Europa und Russland verlaufen, ist reich an unerschlossenen Gasreserven. Diese könnten es Kiew ermöglichen, sich von seiner Abhängigkeit von russischen Importen zu lösen. Der Großteil dieser Ressourcen befindet sich jedoch vor der Küste der besetzten Krim.

Darüber hinaus kam es in den letzten zwei Jahrzehnten zu mehreren Konflikten zwischen Gazprom, dem größten russischen Gasproduzenten, und dem Unternehmen Naftogaz, das dieses Gas von Russland nach Europa transportiert und zu 100 % im Besitz der ukrainischen Regierung ist. Auf der einen Seite will Gazprom – das enge Beziehungen zum Kreml unterhält – den Preis für die Durchleitung seines Gases erhöhen, und auf der anderen Seite spielt Naftogaz mit der russischen Abhängigkeit von seinen Pipelines, um die Konzession so billig wie möglich zu halten. Die Druckmittel Kiews bleiben jedoch begrenzt, da die Ukraine derzeit etwa 60% ihres Gasverbrauchs über Russland importiert. Dies gibt Moskau somit einen Hebel in die Hand, um die ukrainische Regierung und Naftogaz im Falle eines Preisstreits zum Einlenken zu bewegen.

2.2 Reserven auf der Krim

Langfristig könnte die Ukraine theoretisch ohne russisches Gas auskommen und ihren gesamten Gasverbrauch im eigenen Land fördern. Es wird geschätzt, dass im ukrainischen Untergrund eine Billion Kubikmeter Gas lagern. Das ist zwar weit entfernt von den 47 Billionen, die Russland besitzt, aber es würde ausreichen, um Kiew in die Lage zu versetzen, ganz ohne russische Importe auszukommen und sogar einen Teil seines Gases nach Europa zu exportieren, das damit einen Teil seiner Abhängigkeit von Moskau verringern würde. All dies bleibt im Konjunktiv, denn schon vor der russischen Invasion standen zwei große Probleme vor der Ukraine. Erstens würde die Erschließung dieser Reserven Investitionen erfordern, die sich Kiew nicht leisten kann. Eine Studie des Ukraininan Institute of the Future schätzte 2016, dass eine solche Ausbeutung fast 20 Milliarden US-Dollar kosten würde. Eine Summe, die Kiew schlichtweg nicht hat. Zweitens befindet sich der Großteil dieser Reserven im Schwarzen Meer vor der Krim, die Russland 2014 überfallen hat. Dadurch wurde die Ukraine ihrer größten Hoffnung beraubt, eines Tages energiepolitisch unabhängig sein zu können. Auf der anderen Seite stellte Moskau sicher, dass es weiterhin mit der Drohung drohen konnte, die Ventile zu schließen, um seine Preise durchzusetzen.

3. Gefundene Rohstoffvorkommen in der Ukraine

Weizen und Sonnenblumen oder Titan, Aluminium und Nickel: Russland und die Ukraine spielen eine Schlüsselrolle bei der weltweiten Versorgung mit strategischen Rohstoffen, die für die Industrie oder als Nahrungsmittel verwendet werden. Die Ukraine ist der viertgrößte Mais-Exporteur der Welt und auf dem besten Weg, hinter Russland und den USA zum drittgrößten Weizenexporteur zu werden. Die Getreideversorgung von Ländern wie Ägypten, Algerien, dem Nahen Osten oder auch Afrika, ist zunehmend von russischem und ukrainischem Weizen abhängig. Die Ukraine, die zudem für ihre endlosen Sonnenblumenfelder berühmt ist, ist außerdem der weltweit größte Produzent von Sonnenblumenkernen und der weltweit größte Exporteur von Sonnenblumenöl.

4. Wasserversorgung der Krim

Die Halbinsel Krim leidet unter einer beispiellosen Wasserknappheit. Während der diplomatische Konflikt eine Rolle spielt, da die Ukraine den wichtigsten Versorgungskanal geschlossen hat, leidet die Krim unter den Folgen des Klimawandels. Einige Kilometer südöstlich von Simferopol, der Hauptstadt der Krim, ist ein riesiger künstlicher See mit einem Fassungsvermögen von 35 Millionen Kubikmetern fast leer. Der Wasserspiegel ist so weit gesunken, dass man Hunderte von Metern zurücklegen muss, um seine Oberfläche zu erreichen. Eine dramatische Situation für die 330.000 Einwohner der Stadt, die von diesem Wasser abhängig sind.

Seit Anfang des Jahres 2020 ist die Halbinsel Krim mit einer beispiellosen Dürre konfrontiert. Die beiden am stärksten betroffenen Gebiete sind die Regionen Simferopol und Bachtschissaraj. Die künstlichen Wasserreservoirs auf der Krim sind im Durchschnitt nur zu 15% ihrer Kapazität gefüllt. Der künstliche See von Simferopol erstreckt sich über eine Länge von fast 5 km. Anfang November wurden seine Reserven auf weniger als 5 Millionen m3 Wasser von einem Gesamtkonzeptionsvolumen von 35 Millionen m3 geschätzt.

Angesichts der Verschärfung des Problems wurden Sofortmaßnahmen ergriffen, wie das Bohren neuer Brunnen oder der Bau einer Leitung im Sommer, um Wasser aus dem Reservoir in der benachbarten Region Belogorsk in das Reservoir in Simferopol zu leiten. Die Stadt beschränkte außerdem die Wasserversorgung in einigen Stadtteilen auf wenige Stunden morgens und abends und stellte in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten und Wohngebieten riesige blaue Plastiktanks mit Trinkwasser auf. Um den Verlust des Kanalwassers zu kompensieren, wurden auf der Krim vermehrt Bohrungen vorgenommen, darunter viele wilde, nicht registrierte Brunnen. In den Gebieten in Meeresnähe nimmt das Meerwasser den Platz des Süßwassers ein, wenn es im Grundwasser knapp wird. Der 400 Kilometer lange Nordkrimkanal wurde vom Fluss Dnepr gespeist und versorgte 22 große Stauseen und über 10.000 Nebenkanäle.

Seit der Schließung des Kanals litten vor allem die nördlichen und östlichen Gebiete der Krim unter Wasserknappheit, wo viele Landwirte ihre Produktion umstellen oder aufgeben mussten. Auf der Krim verschärft die Wasserverschwendung, die vor allem mit der veralteten Infrastruktur und deren mangelnder Wartung zusammenhängt, das Problem der Wasserknappheit auf dramatische Weise. In Simferopol und Sewastopol gehen nach Angaben der Behörden 60-70% des Wassers in den städtischen Netzen aufgrund des schlechten Zustands der Rohre verloren. Die für den Kreml so strategisch wichtige Halbinsel Krim ist jedoch völlig von russischem Territorium abgeschnitten und von der Energie- und Wasserversorgung der Ukraine abhängig. Während Moskau dringend eine Energiebrücke zwischen dem russischen Territorium und der Krim errichtet hat, wird die Wasserversorgung der Krim weiterhin von Kiew abgeschnitten.

Was ist die OVKS (CSTO)? Russland, Bedeutung, Definition, Erklärung


Die OVKS ist eine militärische „Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit“ unter Führung der Russischen Föderation. Das Kürzel in kyrillischen Buchstaben lautet ОДКБ (lateinische Buchstaben: ODKB) und steht für „Организация Договора о коллективной безопасности“. Im englischsprachigen Raum wird von „Collective Security Treaty Organization“ (CSTO) gesprochen.

Es handelt sich um ein reines Militärbündnis unter russischer Führung. Sein oberstes Organ ist ein „Rat für kollektive Sicherheit“, das Hauptquartier befindet sich in Moskau. Das Bündnis kann schnelle militärische Eingreiftruppen einsetzen.

Mitglieder OVKS (CSTO)

Zur OVKS gehören mit Stand März 2022:

  • Russische Föderation
  • Belarus
  • Armenien
  • Kasachstan
  • Tadschikistan
  • Kirgisistan

Ehemalige Mitglieder waren Aserbaidschan, Georgien und Usbekistan. Darüber hinaus haben Serbien, Afghanistan und die Russisch-Belarussische Union einen parlamentarischen Beobachterstatus inne.

Geschichte der OVKS

Die Gründung der OVKS erfolgte im Oktober 2002 in Chișinău, der Hauptstadt der Republik Moldawien. Es gab mit der VKS eine 1992 gegründete Vorläuferorganisation. Im Jahr 2003 ließ Tadschikistan, das in jenem Jahr den turnusmäßigen Vorsitz der OVKS innehatte, bei der UNO die OVKS nach Artikel 102 der UN-Charta registrieren.

Aufgaben, Zielsetzung und Strukturen

Das Bündnis möchte die Sicherheit und Souveränität seiner Mitglieder gewährleisten. Die Kooperation erfolgt militärisch, in der Außenpolitik und in der Terrorbekämpfung. In den Statuten der OVKS ist auch ein Bekenntnis zum Völkerrecht und zur demokratischen Weltordnung festgeschrieben. Die Mitgliedsstaaten führen häufige gemeinsame Militärmanöver durch und bekämpfen unter anderem den Rauschgiftschmuggel. Seit 2011 kooperiert das UNODC (UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung) mit der OVKS, wobei der Fokus auf der Bekämpfung des Heroinschmuggels aus Afghanistan liegt. Organe der OVKS sind der Rat für kollektive Sicherheit (Gremium der jeweiligen Staatschefs), der Rat der Außenminister, der Rat der Verteidigungsminister und das Komitee der Sekretäre. Letzteres arbeitet permanent, es hat seinen Sitz in Moskau und wird in der Regel durch einen General aus einem Mitgliedsstaat geführt, der den Posten für jeweils drei Jahre ausübt. Seit Januar 2020 ist dieser Generalsekretär der Belarusse Stanislau Wassilewitsch Sas, der über den militärischen Rang eines Generalleutnants verfügt.

OVKS-Operation „Kanal“ 2003

Die Operation Kanal der OVKS wurde 2003 gestartet. Sie begann mit sechs Staaten der OVKS, zwischenzeitlich hatten 21 Staaten auch aus anderen Weltregionen einen Beobachter- und auch Teilnehmerstatus. Die Operation richtete sich gegen den Rauschgiftschmuggel vornehmlich aus Afghanistan und seinen Nachbarländern oder über diese. Die Operation Kanal dauerte bis 2008. In diesen Jahren konnten die eingesetzten Fahnder und Militärs 75 Tonnen Rauschgift beschlagnahmen. Sie leiteten etwa 130.000 Strafrechtsfälle ein. Neben den Staaten der OVKS beteiligten sich auch die USA, China, Iran, Afghanistan und europäische Staaten an der Operation. Sie alle sind von der Opiumschwemme aus Afghanistan betroffen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow regte 2011 beim NATO-Russland-Rat an, solche Operationen künftig auch mit der NATO zu koordinieren.

Einsatz in Kasachstan 2022

In Kasachstan brachen mit dem Jahreswechsel 2021/2022 Unruhen aus, die sich zunächst gegen Preissteigerungen und alsbald auch gegen die Regierung richteten. Am 5. Januar 2022 erreichten sie ihren Höhepunkt, woraufhin die Regierung des Landes fast komplett zurücktrat. Der Präsident Qassym-Schomart Toqajew blieb jedoch im Amt und rief die OVKS zu Hilfe, die ab dem 6. Januar ihre Truppen nach Kasachstan schickte. Unter der Führung Russland beteiligten sich auch Militärverbände aus Belarus, Tadschikistan, Armenien und Kirgisistan an der Operation. Es gelang ihnen bis zum 18. Januar eine Niederschlagung des Aufstandes, ab dem 19. Januar zogen sie wieder ab. Dabei waren 225 Personen getötet und rund 4.600 verletzt worden. Mit Stand März 2022 gilt diese Operation als eine weitere Blaupause für den Krieg gegen die Ukraine – neben dem Krieg gegen Georgien 2008 und der Besetzung der Krim 2014. Es ist nämlich nicht zu bestimmen, ob Toqajew von sich aus oder auf Anregung Putins die OVKS-Truppen ins Land geholt hatte. Zumindest zeigten sich westliche Sicherheitskreise von diesem Einsatz überrascht, da die OVKS bis zu diesem Zeitpunkt niemals direkt militärisch interveniert, sondern – wie mit der Operation Kanal – eher polizeiliche Aufgaben übernommen hatte.

Toqajews hatte den nach internationalen Beobachtungen ökonomisch motivierten Aufstand als Staatsstreich organisierter Terroristen bezeichnet und auch Unternehmen des Landes beschuldigt, darin verwickelt zu sein. Das passt relativ gut zu den obskuren Denk- und Begründungsmustern, die seit 2021 in der russischen Führung und besonders bei Putin selbst zu beobachten sind. Die Militärmanöver der Russen an der ukrainischen Grenze liefen im Januar 2022 bereits. Die These mag etwas weit hergeholt sein, doch es wäre auch nicht auszuschließen, dass die Unruhen provoziert worden waren, damit Putin unter dem OVKS-Mantel den blitzschnellen Einsatz russischer und verbündeter Truppen in einem fremden Land testen kann – so, wie es ab Ende Februar 2022 in der Ukraine geschah. Der einzige Verbündete war in letztgenannten Fall allerdings Belarus (Stand: 2. März 2022). Zudem ließ sich die Ukraine nicht in wenigen Tagen überrennen. Interessant ist im Vergleich auch der Ablauf der OVKS-Operation im Januar 2022 in Kasachstan mit der Ukraine-Operation ab Ende Februar:

  • Die Truppen wurden formal für die „Friedenssicherung“ ins Land geschickt. Die gleiche Formulierung verwendete Putin einige Wochen später beim Einmarsch russischer Truppen in die ukrainischen Provinzen Donezk und Luhansk.
  • Die Truppen sollten angeblich nur wichtige staatliche Einrichtungen beschützen.
  • Es sollten keinerlei Angriffe durch die Truppen gegen Zivilisten stattfinden. Nicht einmal Aufstände sollten sie niederschlagen.
  • In Wahrheit landeten aber schon am 6. Januar 2022 russische Fallschirmjäger in Kasachstan. Dasselbe fand Ende Februar in der Ukraine statt.
  • Schon am ersten Tag gab es 18 Todesopfer und 752 Verletzte.

Toqajew erlaubte schließlich am 7. Januar seinen eigenen Sicherheitskräften den Schusswaffengebrauch gegen Demonstranten ohne Vorwarnung. Danach gab es die für den kurzen Zeitraum und die relativ wenigen Einwohner (reichlich 18 Millionen) enorme Zahl an Todesopfern. Zu diesem Zeitpunkt standen die OVKS-Truppen im Land. Wer wirklich geschossen hat (kasachische Polizisten oder vorrangig russische Soldaten), lässt sich von außen nicht überprüfen. Jedenfalls endete die Aktion aus russischer Sicht und der des kasachischen Präsidenten erfolgreich: Die Demonstranten gaben auf.

OVKS vs. NATO

Die OVKS soll eigentlich ein Pendant zur NATO sein. Ein direkter Vergleich zwischen beiden Bündnissen ist aktuell unter dem Eindruck des soeben begonnenen Ukraine-Krieges schwer durchzuführen, wenn man objektiv bleiben will. Fest steht: Die OVKS wird von Russland dominiert, Russland wird von Wladimir Putin dominiert. Eine derartige Figur mit dieser Machtfülle (Putin kann bis 2036 im Amt bleiben) gibt es im Westen nicht. Es gibt allerdings in der NATO die Dominanz der US-Streitkräfte und somit der US-Regierung.

Die NATO versteht sich als ein rein defensives Bündnis und trägt gerade aktuell dieses Mantra beschwörend vor sich her, um Putins Sicherheitsbedenken wegen des Vorrückens der NATO an die russischen Grenzen für absurd zu erklären. Doch NATO-Truppen griffen 1999 in den Kosovo-Krieg ein, wobei keine der ursprünglichen Kriegsparteien NATO-Mitglied war, sie besetzten auch 2001 Afghanistan wegen der Vermutung, dass sich die Verantwortlichen der Terroranschläge des 11. September 2001 (auf das New Yorker World Trade Center und weitere Orte in den USA) dort aufhielten. Wegen dieser Anschläge hatte die NATO den Bündnisfall ausgerufen, sodass NATO-Staaten wie Deutschland nicht etwa nur aus freien Stücken, sondern aus der Verpflichtung aus Artikel 5 des NATO-Vertrages („Bündnisfall“) sich militärisch in Afghanistan engagieren mussten, nachdem das Land zum Feind auserkoren worden war.

Wir sehen an diesen Beispielen, dass ein Militärbündnis immer Gründe findet, irgendwo einzugreifen. Es geht dann um die militärische Stärke und die möglichen Folgen: Beides liefert Argumente für und wider eine Intervention. In diesem Sinne ist die OVKS tatsächlich ein kleines NATO-Pendant. Einzig die Dominanz Russlands unter Wladimir Putin, der inzwischen als unberechenbar bis unzurechnungsfähig gilt, muss aktuell beunruhigen. Diese Argumentation soll auch keinesfalls unterschlagen, dass aus Putin mit der Ukraine-Invasion ein Kriegsverbrecher wurde.

Siehe:

Was ist die Suwalki-Lücke? Russland, Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Suwalki-Lücke wird im deutschsprachigen Raum gelegentlich auch als Suwalki-Korridor bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Gebietsbezeichnung im Dreiländereck zwischen Polen, Litauen und Russland. Auf einem kurzen Abschnitt grenzt die Suwalki-Lücke außerdem an Belarus an. Die Engländer und Amerikaner sprechen von der Suwalki Gap, in Polen wird das Gebiet als Przesmyk Suwalski bezeichnet.

Wo genau befindet sich der Suwalki-Korridor?

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Die Suwalki-Lücke ist ein Stück Grenze zwischen Polen, Litauen und dem russischen Kaliningrad.

Die Suwalki-Lücke befindet sich in ihrer kompletten Ausdehnung auf polnischem Staatsgebiet. Zur Suwalki-Lücke zählen die Distrikte Suwałki, Augustów und Sejny. Somit ist die Suwalki-Lücke ein zusammenhängendes Gebiet im äußersten Nordosten Polens, das aus den eben zuvor genannten Städten und umliegenden Dörfern, Gemeinden und Landschaftsflächen besteht. Die Länge des Suwalki-Korridor beträgt etwa 100 Kilometer, sofern man sie am Boden vermisst. Nimmt man die entsprechende Luftlinie zur Vermessung heran, dann kommt die Suwalki-Lücke auf eine Länge von exakt 65,4 Kilometern. An der Südspitze des Suwalki-Korridor liegt belarussisches Staatsgebiet. An der nördlichen Spitze befindet sich die zu Russland gehörende, aber nicht mit dem restlichen russischen Staatsgebiet verbundene russische Exklave Kaliningrad. Links und rechts der Suwalki-Lücke schließlich sind die beiden Staaten Litauen und Polen auszumachen.

Welche Bedeutung hat die Suwalki-Lücke international gesehen?

Die Suwalki-Lücke hat primär eine militärische Bedeutung. Dies ist mit der Lage des Gebietes, auf dem sich die Suwalki-Lücke befindet, zu erklären. Neben Litauen und Polen teilt sich die Suwalki-Lücke ihre Grenzen mit Belarus und Russland. Das bedeutet, dass hier zwei EU-Staaten, nämlich Polen und Litauen, an die beiden ehemaligen Sowjet-Länder Russland und Belarus angrenzen. Belarus und Russland treten weiterhin als enge Partner und Verbündete auf. Die ehemaligen Ostblockstaaten Litauen und Polen hingegen haben sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von der ehemaligen Sowjetunion und deren Nachfolgestaat Russland emanzipiert. Belarus und Russland sorgen politisch immer wieder für Konfliktpotential gegenüber umliegenden Staaten. Oftmals sind darunter welche, die einstmals den Sowjetreich angehörten, wie zum Beispiel die Ukraine. Deshalb steht der Suwalki-Korridor aus westlicher Sicht immer wieder im Fokus. Westliche Staaten befürchten, dass Belarus und Russland die Suwalki-Lücke versuchen könnten anzugreifen und einzunehmen.

Warum wäre eine Besetzung der Suwalki-Lücke durch Russland oder Belarus so negativ für den Westen?

Litauen und Polen sind nicht nur Mitglieder der Europäischen Union, sondern auch des Militär- und Verteidigungsbündnisses NATO. Das bedeutet, dass sie bei einem Angriff aus dem Osten im Krisenfall auf militärische Unterstützung weiterer EU- und NATO-Staaten hoffen könnten. Allerdings ist die Suwalki-Lücke auch als ein Symbol der Teilung der Welt in einen westlichen und einen östlichen Block zu verstehen. Wäre die Suwalki-Lücke durch die östlichen Staaten Russland und Belarus besetzt worden, würde das bedeuten, dass die hinter diesem Korridor liegenden baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland territorial gesehen von ihren westlichen Verbündeten abgeschnitten wären. Dann wäre auch unklar, ob im Kriegs- oder Konfliktfall weiterhin Versorgungsgüter wie Lebensmittel und Medikamente, aber auch militärisches Material aus dem Westen in diese Staaten befördert werden könnte. Im Ernstfall würde dies dem Osten erleichtern auch die baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland militärisch einzunehmen und sie in der Folge dessen zu besetzen.

Wie geht der Westen mit den Gefahren um die Suwalki-Lücke um?

Besonders der NATO-Partner USA sorgt sich um die Stabilität der Suwalki-Lücke. Die USA glauben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Suwalki-Lücke zum Zankapfel zwischen Ost und West werden könnte hoch ist. Dabei sehen sie nicht nur die Gefahr, dass die Suwalki-Lücke an sich angegriffen werden könnte. Im Falle eines Konflikts der Russen oder Belarussen mit den Litauern, Letten oder Esten sehen sie es als äußerst wahrscheinlich an, dass die Suwalki-Lücke aus strategischen Gründen zügig angegriffen wird, um sie zu besetzen. Damit wäre das angenommene Ziel der östlichen Staaten, die baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland vom Westen und von Nachschublieferungen abzuschneiden, schnell erreichbar. Die USA, Kanada, Deutschland und auch Großbritannien bemühen sich auf Grund dessen immer wieder darum das Gebiet um die Suwalki-Lücke bei Bedarf auch militärisch mit Streitkräften zu sichern. Bislang kam es nicht zu militärischen Auseinandersetzung an der Suwalki-Lücke.

Was bedeutet „Putler“? Bedeutung, Definition, Erklärung


„Putler“ ist eine abwertende und diffamierende Bezeichnung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Im Spruch „Putler kaput!“ wird der Ausdruck verwendet.

In Deutschland verbreitete sich der Ausdruck „Putler“ nach dem der russische Angriffskrieg auf die Ukraine am 24. Februar 2022 begann.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Meinungsäußerung der Redaktion, sondern stellt die Verwendung und den Gebrauch des Wortes „Putler“ dar.

Was bedeutet „Putler“? Bedeutung, Definition, Erklärung

„Putler“ ist ein Kofferwort aus den Worten „Putin“ und „Hitler“. Es wird also der russische Präsident Wladimir Putin mit dem Diktator des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, verglichen.

Der Ausdruck „Putler“ wird von Menschen verwendet, die die Politik Wladimir Putins im Allgemeinen und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Besonderen ablehnen.

Bei dem Ausdruck „Putler“ wird Wladimir Putins Angriffskrieg auf die Ukraine mit dem Überfall Nazideutschlands auf Polen verglichen. Aber auch Wladimir Putins politisches Gebahren, seine Vertrauenswürdigkeit und geheimen Absichten werden mit denen Hitlers verglichen.

Der Ausdruck „Putler“ ist jedoch schon länger existiert und verbreitet.

Siehe auch: Was bedeutet „Pootin“?

Geschichte: Putler

In Russland ist der Ausdruck „Putler“ seit Ende der 2010er Jahren unter Oppositionellen verbreitet. In der Ukraine ist das Wort „Putler“ auch verbreitet.

Im Jahr 2009 musste sich ein Protestierender in Russland vor der russischen Staatsanwaltschaft wegen eines Plakates verantwortlichen. Das Plakat zeigte Putin mit einem Hitlerbart und erhobenem rechten Arm. Auf dem Plakat stand „Putler kaputt“. Die russische Staatsanwaltschaft warf dem Mann Extremismus vor.

Im Jahr 2014 annektierte Russland die Krim. Diese Annektion wurde mit der Annektion Österreichs im Jahr 1938 durch Nazideutschland verglichen.

Laut dem russischen Linguisten Boris Sharifulli wurde der Ausdruck „Putler“ in Russland geprägt. Die französische Historikerin Marlène Laruelle behauptet, dass der Ausdruck „Putler“ in der Ukraine geprägt wurde.

Siehe: Was will Putin mit dem Krieg in der Ukraine erreichen?

Verbreitung: Putler

Seit dem 24. Februar 2022 verbreitete sich der Ausdruck „Putler“ im deutschen Sprachraum. Bei Google Deutschland gingen seit diesem Tag vermehrt Suchanfragen nach „Putler“ ein.

In den sozialen Medien wird Wladimir Putin als „Wladolf Putler“ pder „Adolfmir Putler“ bezeichnet. Es wird der Hashtag #Putler verwendet.

Kritik am Begriff „Putler“

Der Ausdruck „Putler“ muss aber auch kritisiert werden, denn er kann eine Verharmlosung des Holocausts darstellen. Der russische Präsident Wladimir Putin ist verantwortlich für den russischen Angriff auf die Ukraine, aber eines Holocausts ist Wladimir Putin nicht verantwortlich.

Weitere Bedeutung von Putler

„Putler“ ist der Name verschiedener Software-Anwendungen. Außerdem ist „Putler“ ein Nachname.