Warum werden Amerikaner auch „Yankees“ genannt? Erklärung

Warum werden Amerikaner auch Yankees genannt, Erklärung


Die Entstehungsgeschichte des Begriffes „Yankee“ ist nicht einheitlich definiert. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass er bereits in der Kolonialzeit der heutigen Vereinigten Staaten entstanden ist. Viele Theorien bringen die Wortschöpfung mit den niederländischen Kolonisten in Verbindung, die bis ins späte 17. Jahrhundert am Hudson River ihren Einflussbereich in Nordamerika hatten. Das holländische Gebiet war größtenteils von englischen Kolonien umgeben, die auf der Insel Manhattan gelegene Hauptstadt „Nieuw Amsterdam“ wurde deshalb im zweiten niederländisch-englischen Krieg 1664 von den Briten erobert. Angeblich hießen viele der damaligen holländischen Einwanderer „Jan“ oder „Kees“, so dass sie als „Jankees“ verspottet wurden. Andere Legenden behaupten, dass die abwertende Bezeichnung „Janke“ (Verkleinerung von „Jan“, ähnlich wie „Hänschen“ im Deutschen) oftmals für die Niederländer verwendet wurde und sich daraus der Begriff „Yankee“ entwickelte.

Warum werden US-Amerikaner auch „Yankees“ genannt? Erklärung

Eine weitere Variante leitet die Herkunft vom französischen Wort für Engländer „L’anglais“ ab. Angeblich konnten die Angehörigen des mit den Franzosen verbündeten Stammes der Huronen dieses Wort nicht korrekt aussprechen und sagten stattdessen „Y’n-gee“, woraus die Bezeichnung „Yankee“ für die Briten entstand. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass sich das Wort aus dem Adjektiv „yankee“ ableitet, das soviel wie „ausgezeichnet“ bedeutet und dessen frühe Verwendung im Umfeld der Havard University nachgewiesen ist. Der Begriff ist demnach seit mindestens 1713 bekannt und war, wie weitere Quellen bestätigen, bereits zu dieser Zeit als Spitzname für die Bewohner Neuenglands in Gebrauch. Da die niederländische Kolonialzeit ein halbes Jahrhundert früher endete und auch der Kontakt zu den Huronen bereits lange vorher bestand, kann eine daraus resultierende Wortschöpfungsgeschichte jedoch ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

Eine erste größere Bedeutung bekam die Bezeichnung „Yankee“ im Verlauf des 7-jährigen Krieges zwischen 1756 und 1763. In Europa stritten zu dieser Zeit Preußen und Österreich um den Besitz Schlesiens, während der preußische Verbündete Großbritannien in Amerika versuchte, die kolonialen Besitzungen des mit den Habsburgern paktierenden Frankreichs zu erobern. Diese Bemühungen waren letztendlich sehr erfolgreich und der abwertende Begriff „Yankee“ sowohl bei den Franzosen als auch bei den mit ihnen kämpfenden Native Americans als Schimpfwort damals weit verbreitet.

Bedeutung des Wortes „Yankee“ innerhalb der USA

Die Kämpfe der amerikanischen Kolonisten gegen das Mutterland Großbritannien brachten den Vereinigten Staaten zwar 1776 die Unabhängigkeit, der Begriff „Yankee“ als ursprüngliche Bezeichnung für die Engländer verschwand deshalb jedoch nicht. Er wurde fortan für die Bewohner der sechs Neuengland-Staaten im Nordosten der neuen Nation verwendet, die traditionell als besonders britisch galten. Die Bezeichnung hatte sich für die Bewohner dieser Landesteile bereits im 18. Jahrhundert manifestiert, mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges wurde allerdings jeder ein „Yankee“, der nördlich der Mason-Dixon-Linie lebte und gegen die Sklavenhalterstaaten im Süden kämpfte. Die Bezeichnung „Yankee“, die vor dem Krieg sogar in der Armee zur Verspottung niedriger Dienstgrade gedient hatte, wurde plötzlich ein Identifikationsbegriff der Unions-Truppen und „Yankee Doodle“ ihr berühmtes und mit der Zeit gefürchtetes Schlachtlied.

Diese Spaltung in Nord- und Südstaaten ist in den Vereinigten Staaten bis heute zu spüren. Menschen aus dem Norden der USA werden im Süden weiterhin abwertend als „Yankees“ bezeichnet, während sich die ehemaligen Sklavenhalterstaaten selbst den Namen „Dixieland“ gegeben haben. Im Norden selbst ist den Menschen die negative Konnotierung des Begriffes „Yankee“ durchaus bewusst, doch wie vor 150 Jahren wird sehr selbstbewusst mit dieser Bezeichnung umgegangen. Das Yankee-Stadium und die New York Yankees sowie zahlreiche Ortsbezeichnungen in allen Teilen der USA zeugen davon, dass Teile der Amerikaner stolz darauf sind, Yankees zu sein.

Bedeutung des Begriffes „Yankee“ außerhalb der USA

Die Bezeichnung „Yankee“ ist außerhalb der Vereinigten Staaten selten schmeichelhaft gemeint. Es ist heute ein abwertender Begriff für US-amerikanische Bürger im Allgemeinen und Angehörige der Streitkräfte im Besonderen. Die globale Präsenz der US-Armee als Institution hat in vielen Teilen der Welt zu einer negativen Sicht auf die Vereinigten Staaten beigetragen, gerade in Ländern, die schon einmal von amerikanischen Truppen besetzt waren, ist der Ausspruch „Yankee go home“ eine weit verbreitete Floskel.

Der Begriff „Yankee“ wird allerdings auch gegenüber Zivilpersonen verwendet, wenn dadurch eine tiefe Abneigung gegenüber ihnen oder ihrem Herkunftsland ausgedrückt werden soll. In Deutschland ist die Bezeichnung „Yankee“ deshalb als negative Variante der als relativ neutral angesehenen Begriffe „Amerikaner“ oder „Ami“ zu verstehen. Die Ablehnung ist oftmals auf die militärische, politische und wirtschaftliche Dominanz der Vereinigten Staaten zurückzuführen, kann allerdings auch manchmal als Kritik am „American Way of Life“ gemeint sein. Fastfood, Rockmusik oder Neoliberalismus werden nicht von jedem als Errungenschaft angesehen und Einzelpersonen eignen sich oftmals gut, um sie als Projektionsfläche für solche Abneigungen zu benutzen. Im Zweifel ist dann der „böse Ami“ oder „Yankee“ wieder einmal schuld.

In Japan steht der Begriff „Yankee“ zwar ebenfalls für unbeliebte Amerikaner, hat allerdings gleichzeitig eine Doppelbedeutung erlangt. Das ostasiatische Land war nach dem 2. Weltkrieg noch stärker als Deutschland amerikanischen Einflüssen ausgesetzt, was zu Veränderungen innerhalb der Jugendkultur geführt hat. In den 50er und 60er Jahren wurden deshalb junge Japaner, die sich zu sehr dem „American Way of Life“ zuwandten, als „Yankis“ bezeichnet. Heute ist der Begriff noch viel negativer besetzt und wird vor allem für junge Unruhestifter und Straftäter verwendet. Die Bezeichnung „Yanki“ hat deshalb in Japan ungefähr den Stellenwert, den der Begriff „Rowdie“ lange Zeit in Deutschland hatte.

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