Was bedeutet “Slava Ukraini”? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet, Slava Ukraini, Bedeutung, Definition, Erklärung


Slava Ukraini (Слава Україні) heißt „Ruhm der Ukraine“. Man könnte es auch als „Hoch lebe die Ukraine“ oder „Ehre der Ukraine“ übersetzen.

Wörtlich bedeutet Слава „Herrlichkeit“. International wurde der Slogan durch die Ansprachen des ukrainischen Präsidenten Selenskyj an sein Volk ab dem Kriegsausbruch im Februar 2022, doch in der Ukraine selbst ist er schon immer eine gängige Grußform. Die ukrainischen Streitkräfte grüßen einander seit 2018 offiziell mit „Слава Україні, Героям Cлава“ (Ruhm der Ukraine und Ruhm ihren Helden).

Antwort auf Slava Ukraini: Herojam Slawa

Auf “Slava Ukraini” wird geantwortet: “Ruhm den Helden” (“Героям слава!”; romanisiert: Herojam Slawa))

Was bedeutet “Slava Ukraini”? Geschichte, Bedeutung, Definition, Erklärung

Gesichert überliefert ist die Phrase spätestens seit 1840. Damals verwendete sie der ukrainische Nationaldichter Taras Schewtschenko in einem Gedicht (До Основ’яненка = „Für Osnowajenko“). Im späten 19. Jahrhundert dann verwendete die ukrainische Studentengemeinschaft in Charkiw den Slogan zusammen mit der Ergänzung „Ruhm auf der ganzen Erde!“

Zwischen 1917 und 1921 führte die Ukraine einen Unabhängigkeitskrieg gegen die in Russland siegreichen Bolschewisten, die an ihrem Sowjetreich arbeiteten und in diesem Zuge auch die Ukraine beherrschen wollten. Ukrainische Partisanen begrüßten sich mit Slava Ukraini. Einer von ihnen, der Schriftsteller Jurij Horlis-Horskyj, schilderte später, dass Partisanen den üblichen Gruß „Guten Tag“ stets mit „Slava Ukraini“ beantworteten. Die Kosaken der Region, welche erbitterte Gegner der Bolschewiki waren, ergänzten den Gruß um „Kosakam Slava!“ (Ehre den Kosaken!). Dieser Gruß soll sogar schon zusammen mit „Ehre dem Hetmanat“ und „Ruhm der Ukraine“ ab dem 16. Jahrhundert verbreitet gewesen sein. Das Hetmanat war ein Kosaken- und Tatarengebiet in der Region der heutigen Ukraine zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Nach dem Ende des erfolglosen Unabhängigkeitskrieges gegen die Boschewiki und dem Anschluss der Ukraine an die Sowjetunion als „Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik“ ab 1922 bemächtigten sich ukrainische Nationalisten des Ausdrucks Slava Ukraini, den sie wiederum mit „Ruhm den Kosaken“ verknüpften. Ab 1939 nahm die OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten) den Slogan auf. Diese Organisation kämpfte im Zweiten Weltkrieg sowohl gegen die deutschen als auch gegen die sowjetischen Truppen, gegen Letztere noch bis 1952. Danach unterlag sie, die Ukraine blieb eine Sowjetrepublik, die Sowjetmacht verbot daraufhin den Slogan Slava Ukraini. Wichtig zu wissen: Die OUN-Kämpfer waren keine Waisenknaben. Sie begingen wie die deutschen und sowjetischen Truppen auch Kriegsverbrechen. Sie waren aber keine Faschisten, wenngleich Antikommunisten, sondern schlicht Nationalisten. Diese Bewegung lebt bis heute in der Ukraine. Sie beruft sich auf die Tradition der Kosaken, die auch nach 1952 fortgeführt wurde. So griff beispielsweise der ukrainische Autor Mychajlo Stelmach 1957 in einem Roman den Slogan wieder auf und forderte gleichzeitig, den in der Ukraine existierenden Kosakenruhm zu verteidigen. Sein Buch wurde von den sowjetischen Behörden nicht verboten, aber falsch ins Russische übersetzt, um die nationalistische Tendenz aufzuweichen. Hierzu ist es wichtig zu wissen, dass im gesamten stalinistischen Herrschaftsgebiet einschließlich der Ostblockstaaten (auch in der DDR) nationalistische Tendenzen bis zu einem gewissen Umfang toleriert wurden, weil die kommunistischen Herrscher davon ausgingen, dass man sie nicht komplett unterdrücken kann. Die DDR beispielsweise ließ deshalb die Blockpartei NDPD zu (Nationaldemokratische Partei Deutschlands), in der sich eher rechtskonservative Ideen versammelten. Dennoch achteten die Kommunisten darauf, dass diese Ideen keinen zu großen Raum bekommen.

Im Vielvölkerstaat Sowjetunion war das besonders wichtig. Wenn nun im Jahr 2022 Wladimir Putin immer wieder von „Nazis“ in der ukrainischen Regierung spricht, beruft er sich darauf, dass die gegenwärtige ukrainische Regierung unter Selenskyj den Slogan Slava Ukraini recht offensiv verwendet und damit eine nationalistische Tradition aufgreift. Der Slogan hat aber nichts mit Faschismus (Nazis) zu tun, sondern mit Nationalismus.

Dass der Postkommunist Putin hier andockt, ist indes kein Wunder: Es ist nämlich eine probate Methode der Kommunisten, alle ihre Gegner als Antikommunisten und gleichzeitig als Nazis zu diffamieren, weil sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts durchaus als großer Konflikt zwischen Kommunismus und Faschismus lesen lässt. Demnach sind alle Antikommunisten automatisch Nazis. Das wurde auch in der DDR probiert: Dort stellte man beispielsweise rechtskonservative Politiker wie Franz-Josef Strauß (CSU) gern in die Nazi-Ecke. Doch das ist falsch. Die wichtigere Konfliktlinie verläuft (und verlief auch schon während des Zweiten Weltkrieges) zwischen Demokratien und extremistischen Ideologien wie dem Kommunismus, dem Faschismus und seit einigen Jahrzehnten auch dem Islamismus. Nationalisten sind keine Ideologen, auch wenn sie manchmal in ihrem Freiheitsbestreben zu extremen Methoden greifen. Sie halten einfach ihre historisch gewachsene Nationalität hoch.

Renaissance von Slava Ukraini ab den späten 1980er-Jahren

Im 1985 wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär der ZK der KPdSU, 1990 schließlich Staatspräsident der Sowjetunion. Schon als Generalsekretär hatte er großen Einfluss. Er leitete das Ende der klassischen kommunistischen Herrschaft ein, wofür ihm Osteuropa (inklusive Ostdeutschland) aus ganzem Herzen dankt und ihn der Rest der Welt zumindest bewundert, während er in Russland viele Gegner (einschließlich Wladimir Putin) hat.

Gorbatschow lockerte schon in den späten 1980er-Jahren den eisernen Zügel des sowjetischen Regimes, was in den Sowjetrepubliken nationalistische Bestrebungen erstarken ließ. In der Ukraine hörte man seitdem wieder ganz offen den Slogan Slava Ukrajini. Auf Demonstrationen wurde er alsbald zum Schlachtruf, doch auch Intellektuelle griffen ihn auf wie 1989 auf einer Kundgebung der Menschenrechtler Wjatscheslaw Tschornowil. Die Ukraine wurde damals noch vom prorussischen Präsidenten Leonid Krawtschuk regiert, der sich in den frühen 1990er-Jahren der von Russland initiierten Union Souveräner Staaten anschließen wollte. Dagegen protestierten viele Ukrainer ab 1991 mit dem Ruf „Ruhm der Ukraine“, den sie um „Schande Krawtschuk“ ergänzten.

Im Jahr 2004 schließlich gelangte der prorussische Wiktor Janukowytsch mit einer offenkundig gefälschten Präsidentschaftswahl an die Macht. Dagegen protestierten die Ukrainer machtvoll („Orangene Revolution“). Ihr Oppositionsführer Wiktor Juschtschenko wandte sich an die Demonstranten mit Slava Ukraini, das er um „Ehre unserem Gott, Ehre jedem von euch!“ ergänzte.

Nachdem Janukowytsch 2013 unter russischem Druck und wohl auch aus eigener Überzeugung ein Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnete, begannen Proteste, die als „Euromaidan“ in die Geschichte eingingen, weil ihr Zentrum der Kiewer Maidanplatz war, und bei denen der Slogan Slava Ukraini eine ganz entscheidende Rolle spielte. Dabei gab es auch viele Todesopfer unter den Demonstranten, die aber nicht aufgaben und schließlich erreichten, dass Janukowytsch abgesetzt wurde und nach Russland flüchtete. Es entstand ab 2014 eine Übergangsregierung, später eine Regierung unter dem Milliardär Petro Poroschenko, ab 2019 regierte nach regulären Wahlen Wolodymyr Selenskyj. Auch dieser orientierte sich an Slava Ukraini, allerdings zunächst wenig offensiv. Er hatte mit harten Fakten zu kämpfen: Im Donbass herrschte Krieg gegen eine abtrünnige russischstämmige Bevölkerung, die Krim war 2014 von Russland annektiert worden. Das Damoklesschwert einer russischen Invasion schwebte praktisch schon seit 2014 über dem Land. Als diese im Februar 2022 schließlich begann, besann sich Selenskyj auf den Slogan Slava Ukraini, der spätestens seit dem Euromaidan für das Bestreben des ukrainischen Volkes steht, selbstbestimmt seine Westbindung voranzutreiben, um als demokratischer, liberaler Rechtsstaat bestehen zu können.

Es ist allerdings zu beachten, dass der Slogan deshalb nicht seine nationalistische Konnotation verliert. Diese ist vielleicht auch nötig, denn in der Ukraine, in der viele Menschen mit russischen Wurzeln leben, bedarf es eines starken nationalen Selbstverständnisses. Eine Volkszählung der frühen 2000er-Jahre ermittelte im Land 77,8 % Ukrainer, gefolgt von 17,3 % Russen. Hinzu kommen mehr als 100 weitere Ethnien. Nachdem Putin nun einen echten Krieg gegen das große Nachbarland mit 44 Millionen Einwohnern entfesselt hat, ist Slava Ukraini der Schlachtruf schlechthin für das Unabhängigkeitsbestreben und den Freiheitswillen der Ukrainer geworden. Daher beendet Selenskyj jede seiner heldenhaften Ansprachen aus dem umzingelten Kiew mit diesem Slogan (Stand: 9. März 2022).


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Gegenwärtige Bedeutung von Slava Ukraini

In der Ukraine ist Slava Ukraini schon seit 2013 eine überall verbreitete Grußform unter demokratisch gesinnten Bürgerinnen und Bürgern, die die große Mehrheit der Bevölkerung stellen (darunter auch viele Menschen mit russischen Wurzeln). Der Slogan steht seither für diese Werte:

  • staatliche Unabhängigkeit (vor allem von Russland)
  • Demokratie und Westbindung
  • Freiheit
  • Einheit des Landes

Die Ergänzung „Ruhm den Helden“ erhielt ebenfalls einen neuen Inhalt. Sie steht seit dem Euromaidan für diejenigen Aktivisten, die ihr Leben beim Kampf gegen die Janukowytsch-Regierung verloren. Es gab beim Euromaidan immerhin allein am 18. Februar 2014 über 100 Todesopfer durch Polizeigewalt: Sogar Scharfschützen hatten in die protestierende Menge geschossen. In der Ukraine heißen diese Helden seither das „Himmlische Hundert“.

Die Gesetzgebung der Ukraine ist heute von den Ideen des Euromaidans beeinflusst. Dieser wurde zu einem Gründungsmythos der modernen, westlich orientierten Ukraine. Mit dem nun im Kriegsgeschehen verwendeten Slava Ukraini etabliert sich ein neuer, noch tieferer Mythos, der bereits auf Wurzeln basiert: Etwa seit 2015 wurden alle offiziellen Reden im Land obligatorisch mit Slava Ukraini beendet. Die ukrainische Fußballnationalmannschaft trägt den Slogan auf ihren Trikots. Selbst international kennt man ihn schon länger.

Sogar Staatsoberhäupter anderer Länder verwenden ihn. So begrüßte 1995 der damalige US-Präsident Bill Clinton in einer Rede, dass die Ukraine sich von der Sowjetunion abgewandt und gleichzeitig atomar abgerüstet hatte. Seine Rede endete mit „God Bless America“ und „Slava Ukraini“. Kanadas Premier Justin Trudeau grüßt die Ukraine alljährlich zum Unabhängigkeitstag mit diesen Worten, der frühere deutsche Außenminister Sigmar Gabriel verwendete sie auch schon zu feierlichen Anlässen. Dem schloss sich 2016 die Staatspräsidentin Litauens Dalia Grybauskaitė an.

Was den Politikern recht ist, empfanden manche Sportler nur als billig: Die kroatischen Profis Domagoj Vida und Ognjen Vukojević, beide früher Spieler bei Dynamo Kiew, begrüßten den Sieg Kroatiens gegen Russland beim Viertelfinale der WM 2018 in Russland mit „Slava Ukraini“ und wurden daraufhin nach Protesten Russlands von der FIFA verwarnt. Dieser Vorfall zeigte schon seinerzeit, dass Slava Ukraini heute vor allem für die Emanzipation des Landes vom großen, übermächtigen und expansionslüsternen Nachbarn steht.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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