Mehrzahl Komma: Was ist der korrekte Plural Kommas oder Kommata? Bedeutung, Wortherkunft


Für das Wort „Komma“ gibt es laut Duden offiziell zwei zulässige Pluralformen: „Kommas“ und „Kommata“. Aber warum, gibt es zwei Pluralformen?

Korrekte Mehrzahl vom Wort „Komma“: Kommas und Kommata

Beim Wort „Komma“ passiert, was oft in der deutschen Sprache passiert: Zwei Grammatiken vermischen sich. Beim Plural „Kommas“ wurde die deutsche Pluralbildung angewendet. Beim Plural „Kommata“ wurde die altgriechische Pluralbildung angewendet.

Kommata = griechische Pluralbildung
Kommas = deutsche Pluralbildung

Für deutsche Muttersprachler ist es normal, dass die Mehrzahl mit einem angehängten „-s“ oder „-e“ gebildet wird. Daher wird aus „Komma“ auch „die Kommas“. Jedoch wirkt die griechische Herkunft des Wortes „Komma“ noch mit, so dass einige auch die griechische Pluralbildung „Kommata“ nutzen. Beide Varianten sind zulässig und erlaubt. (Und eine Frage muss noch gestellt, aber nicht beantwortet werden: Warum sollte griechische Grammatik in der deutschen Sprache für das eingewanderte griechische Wort „Komma“ gelten?)

Hier zeigt sich eine Besonderheit von Sprache. Sie mag logisch erscheinen, sie ist aber nicht logisch. Sprache ist stets eine Vereinbarung unter Menschen. Diese Vereinbarungen können an manchen Stellen logisch sein und an anderen Stellen wirr und widersprüchlich. So ist Sprache eben. Ein Beispiel gefälligst? Mit einem Kehrer kehrt man. Mit einem Besen „best“ man? Nein, man fegt mit einem Besen.

Auch entwickelt Sprache sich stets weiter. Worte wandern ein, Worte sterben aus und Worte entwickeln sich weiter.

Siehe auch:

Wortherkunft: Wo kommt das Wort „Komma“ her?

Dem altgriechischen Ursprung des Wortes entspricht der Plural „Kommata“. Allerdings ist diese Form nur noch fachsprachlich gebräuchlich, während sich in der Alltagssprache die deutsche Mehrzahlendung -s eingebürgert hat. Nachschlagewerke führen „Kommata“ deshalb nachrangig, es gilt als veraltet oder bildungssprachlich.

„Komma“ bezeichnet im Altgriechischen einen Abschnitt oder ein Gepräge. Tatsächlich nutzten die Griechen das Komma bereits in ihrer Rhetorik zum Strukturieren. Ab dem 15. Jahrhundert fand der Begriff Eingang ins Neulateinische und somit in die wissenschaftliche Sprache. Allerdings ist der Urheber dieser Entlehnung nicht die akademische Gemeinschaft, sondern der frühe Buchdruck: Mit dem Satzzeichen konnte der Drucker die Texte so gliedern, dass sie gut lesbar waren. Auf diese Zeit geht auch die bis heute übliche Form des gedruckten Kommas zurück. Inhaltlich hält sich das neulateinische Comma sehr nahe an das altgriechische Komma, es bezeichnet einen Abschnitt oder eine Zäsur.

Verwendet wird das Zeichen überall dort, wo eine sinnhafte Trennung mehrerer Abschnitte markiert werden soll. Unter anderem gibt es das Komma in der Musik, in der Diplomatie, in der Dichtkunst, in der Mathematik und in den Sprachwissenschaften. Gemeinsam ist allen Kommas, dass sie zum Innehalten auffordern und den Leser oder Hörer auf einen Wechsel (Rhythmus, Geschwindigkeit, inhaltliche Ausrichtung oder Gewichtung) hinweisen.

Geschichte „Komma“: Plural und Mehrzahl Kommas oder Kommata

Viele nord-, mittel- und westeuropäische Sprachen haben den Begriff übernommen und in ihre jeweilige Grammatik eingefügt, so wie es im Deutschen geschehen ist. Jedoch gilt das nicht für alle: Einige Mittelmeeranrainer bevorzugen die ältere lateinische Bezeichnung „virgula“. In Frankreich entstand daraus „virgule“, die Italiener sprechen von der „virgola“ und die Türken von „virgül“. Die portugiesische Sprache hat die lateinische Form beibehalten, kennt aber als veralteten Begriff „coma“. Die Virgula ist ein Stäbchen oder ein dünner Zweig. Das Wort beschreibt also die Form des Zeichens, während „Komma“ sich auf dessen Zweck oder Sinn bezieht.

Eine sprachhistorische Besonderheit gilt für das Komma in der deutschen Grammatik: Im 17. Jahrhundert wurde das neulateinische „Komma“ zum deutschen „Beistrich“. Zu verdanken ist diese Verdeutschung dem Barockdichter Philipp von Zesen, der zahlreiche Fremdwörter ins Deutsche übertrug. Nicht alle seine Vorschläge haben die Jahrhunderte überdauert, aber viele von ihnen nutzen wir ganz selbstverständlich. „Beistrich“ darf als erfolgreich gelten, denn in Österreich ist die Bezeichnung geläufig. In der deutschsprachigen Schweiz und in Deutschland findet sie sich zwar in Nachschlagewerken, sie konnte sich in der lebendigen Sprache aber nicht endgültig durchsetzen. Spätestens seit „Komma“ den Regeln deutscher Grammatik folgt, ist „Beistrich“ hierzulande obsolet.

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