Was ist Oneirologie? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Oneirologie, Bedeutung, Definition, Erklärung


Oneirologie ist die Lehre der Deutung von Träumen, bzw. der Traumanalyse. In der Alltagssprache wird meist der Begriff Traumdeutung genutzt. Das Wort Oneirologie leitet sich von den griechischen Begriffen Oneiros für Traum und Logos für Lehre ab.

Oneirologie: Definition, Bedeutung, Erklärung

Die Traumdeutungslehre bezeichnet Versuche, in Träumen erlebte Handlungen, Bilder oder Emotionen einer methodischen Deutung zu unterziehen, um daraus Erkenntnisse und/oder Handlungsanweisungen abzuleiten.

Die Idee der Traumdeutung ist schon sehr alt und in nahezu allen Kulturen bekannt. Dabei werden und wurden unterschiedliche Ansätze verfolgt.
In der Vergangenheit wurden Träume häufig als Botschaften gedeutet, die Menschen zu bestimmten Handlungen bewegen sollten. Diese Botschaften konnten dabei sowohl göttlichen als auch teuflischen Ursprungs sein.
Zu den bekanntesten neuzeitlichen Vertretern der Oneirologie zählen Sigmund Freud und C.G. Jung, die Traumerlebnissen eine tiefenpsychologische Bedeutung beimaßen. Die Interpretation von Träumen sollte dementsprechend Informationen über die unbewussten Anteile der Psyche liefern.

Die Traumdeutung spielt auch im Volks- und Aberglauben eine Rolle. Dabei werden einzelne Traumsymbole meist mit einer mehr oder weniger festen Bedeutung verknüpft. Die Deutung verschiedener Traumsymbole erfolgt dabei weniger individuell, sondern eher nach populären Deutungsschemata.

Die Traumdeutung in der Psychologie

Mit der Analyse von Träumen haben sich vor allem Vertreter der Tiefenpsychologie und Psychoanalyse auseinandergesetzt. In der Tiefenpsychologie gelten die unbewussten Anteile der menschlichen Psyche als entscheidender Faktor für das individuelle Denken und Handeln. Ihnen auf die Spur zu kommen, soll helfen, psychische Probleme, wie etwa Komplexe, zu erklären und bestenfalls aufzulösen. Als bedeutendster Vertreter dieses Ansatzes und Begründer der Psychoanalyse gilt Sigmund Freud. Träume und deren Interpretation sah er als einen entscheidenden Zugangsweg zum Unbewussten an.

Auch der Begründer der analytischen Psychologie C.G. Jung maß Träumen in dieser Hinsicht Bedeutung zu. Er unterschied dabei auch zwischen unterschiedlichen Arten von Träumen:

  • Wiederholungsträume: Eine Erfahrung oder ein Problem dringt durch den Traum wiederholt ins Bewusstsein, um aufgearbeitet zu werden.
  • Kompensatorische Träume: Der Traum stellt eine Gegenwelt zur nicht zufriedenstellenden Realität dar.
  • Archetypische Träume: Träume, die nicht im individuellen, sondern im kollektiv Unterbewussten verankert sind.
  • Präkognitive Träume: Traumwahrnehmungen, die durch bekannte Wissensquellen nicht erklärt werden können.

Jung schrieb Träumen eine bewusstseinserweiternde Kraft zu, die Potenziale eröffnet, die im Wachzustand nicht ausgeschöpft werden können.

Ein weiterer bekannter psychologischer Ansatz zur Traumdeutung ist die Traumbearbeitung in der Gestalttherapie nach Fritz Perls. Dabei wird in mehreren Schritten vor allem das szenische Erleben des Traums entschlüsselt, um dessen Botschaft auf die Spur zu kommen. Perls Herangehensweise legt Wert auf die Unterscheidung zwischen dem erfahrenen Trauminhalt und dem zugrunde liegenden Traumgedanken.
Von den tiefenpsychologischen Ansätzen ist die Psychologie heute großteils abgerückt. Dennoch kommt der Interpretation von Träumen mitunter eine Bedeutung zu, da das Traumerleben häufig mit tatsächlichen Erfahrungen und Emotionen verknüpft ist und somit der Selbstreflexion dienen kann.

Alltagsdeutung von Träumen

Bei der Alltagsdeutung von Träumen liegt der Fokus meist auf der Betrachtung bestimmter Traumbilder, denen eine symbolische Bedeutung zugeschrieben wird. Sie können in zahlreichen Traumlexika und Glossaren nachgeschlagen werden oder werden von Mund zu Mund überliefert. So wird beispielsweise das Träumen von einer Spinne als Zeichen für eine Intrige interpretiert oder das Träumen von einem ausfallenden Zahn als bevorstehender Todesfall.

Aus wissenschaftlicher Sicht fällt diese Art der Traumdeutung häufig eher in den Bereich des Aberglaubens, da das Träumen ein sehr individueller Vorgang ist, der sich kaum allgemeingültig deuten lässt. Unter anderem ist das sozio-kulturelle Umfeld entscheidend dafür, welche (Be-)Deutung bestimmten Dingen und Ereignissen beigemessen wird. Auch individuelle Erfahrungen und Gefühle lassen sehr unterschiedliche Interpretationen zu. Träumt beispielsweise ein Metzger davon ein Schwein zu zerlegen, lässt sich das nicht auf die gleiche Weise interpretieren, wie wenn ein überzeugter Vegetarier denselben Traum hat.

Allerdings sehen auch einige Psychologen Muster in bestimmten Traumbildern, die sich relativ verlässlich deuten lassen. Ein Beispiel dafür wäre das Verfolgtwerden im Traum als Ausdruck dafür einer Situation oder einem Problem ausweichen zu wollen.

Erkenntnisse der Traumforschung

Träume werden nicht nur psychologisch, sondern in jüngerer Zeit auch neurowissenschaftlich erforscht. Moderne Technik macht das möglich. So werden beispielsweise in Schlaflaboren die Gehirnströme Träumender aufgezeichnet.

Dennoch gibt es zur Funktion, Bedeutung und möglichen Deutung von Träumen bislang wenig eindeutige Erkenntnisse. Und so ist auch die Oneirologie bis heute wissenschaftlich umstritten.


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Es gibt verschiedene Theorien, warum Träume entstehen. Während einige Wissenschaftler glauben, Träume seien möglicherweise nur zufällig Begleiterscheinungen des Schlafens, sind andere Forscher der Meinung, dass im Traum Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet werden. Eine weitere Theorie sieht Träume als eine Art Trainingssimulation für das Gehirn an, die dann im realen Leben dabei hilft, bestimmte Situationen zu meistern.

Es ist wahrscheinlich, dass das Träumen letztendlich mehrere Funktionen erfüllt.

Hirnscans zeigen, dass während des Träumens insbesondere die für Emotionen zuständigen Regionen des Gehirns besonders aktiv sind. Das emotionale Erleben und Verarbeiten scheint also eine entscheidende Rolle zu spielen. Der frontale Cortex, unter anderem zuständig für das logische Denken, ist hingegen im Schlaf meist weitgehend inaktiv. Das liefert eine Erklärung dafür, warum Traum und Realität im Schlaf normalerweise nicht auseinandergehalten werden können.

Luzides Träumen – Was ist dran?

In jüngster Vergangenheit macht des Öfteren das Phänomen des sogenannten luziden Träumens von sich reden. Es ist bereits seit den 1980er Jahren bekannt, durch neueste Untersuchungen aber wieder ins Forschungsinteresse gerückt. Beim luziden Träumen oder auch Klarträumen soll es möglich sein, Träume bewusst als solche wahrnehmen und sie mitunter sogar beeinflussen und steuern zu können. Das soll durch gezieltes Training möglich sein und entwickelt sich zu einem regelrechten Trend.

Traumforscher haben auch dieses Phänomen untersucht und die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Menschen offenbar tatsächlich einen gewissen Zugang zu ihren Träumen bekommen können.

Messungen zeigten beispielsweise, dass bei dieser Art des Träumens der frontale Cortex aktiver ist als bei normalen Schläfern. Geübte Klarträumer könnten also tatsächlich ihre Traumerlebnisse reflektiert betrachten. Andere Untersuchungen legen nahe, dass auch das bewusste Eingreifen in das Traumerleben möglich zu sein scheint.

Nun wird erforscht, wie und ob sich das luzide Träumen vielleicht nutzbar machen lässt. Menschen mit Prüfungsangst könnten dann zum Beispiel Prüfungssituationen im Traum bewusst trainieren, um ihre Angst abzulegen.

Inwiefern jeder mit entsprechenden Techniken das luzide Träumen lernen und es sich vielleicht sogar zunutze machen kann, ist unklar. Viele Traumforscher sehen hier aber interessantes Potenzial für die Forschung und Psychologie.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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