Was bedeutet „Algokratie“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet Algokratie, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Algokratie“ bedeutet im Wortsinn „Herrschaft der Algorithmen“. Es handelt es sich dabei um ein Kunstwort, das vereinfacht dafür steht, dass eine Gesellschaft und dass Handeln von Menschen von Algorithmen bestimmt und optimiert wird.

Ferner steht die „Algokratie“ für den Sieg von Maschinen über den Menschen und dafür, dass in der weiteren Entwicklung der Menschheit Algorithmen, also eigentlich ganz einfache künstliche Intelligenzen sogar die Staatsgewalt übernehmen und die Menschen beherrschen könnten.

Was bedeutet „Algokratie“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Nach der wissenschaftlichen Definition ist ein Algorithmus einfach eine genau definierte Anweisung, wie ein ganz bestimmtes Problem zu lösen ist. Über 1000 Jahre lang waren Logarithmen in erster Linie Rechenregeln zur Lösung eines mathematisch darstellbaren Problems. Erst jetzt im Computer- und Internetzeitalter nehmen sie uns immer mehr das Suchen, das Entscheiden, ja sogar das Denken ab. Algorithmen analysieren die Milliarden von Datenspuren, die wir im Netz hinterlassen. Sie erkennen daran unsere Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen. So erschließen sich ihnen unsere Verhaltensmuster und sie können können daraus alles ableiten, was sie über uns wissen möchten. Natürlich hat das in der Praxis sehr viele Vorteile. Algorithmen können unsere Haushaltsgeräte steuern und besser Schach spielen als wir. Sie können uns genau passende Einkaufsvorschläge machen und uns den besten Weg von A nach B finden lassen. Sie können unsere Gesundheit überwachen, Krankheiten diagnostizieren und an der Börse Handel treiben. In naher Zukunft werden sie ungefragt unsere Kühlschränke füllen, unser Auto, Züge und Flugzeuge steuern und vieles andere. Das ist bequem, es spart uns Zeit, Mühe und Kraft, macht unser Leben leichter und angenehmer. Aber nur positiv betrachten kann man die Entwicklung trotzdem nicht.

Übrigens: 2020 wurde eine weitere Form der Herrschaft diskutiert: Kennen Sie Virokratie?

Algokratie: Gefahr, Möglichkeiten und Macht

Zum einen sind die Systeme, die unser Leben erleichtern auch angreifbar. Fehler bei der Programmierung, Hacker-Angriffe und Sabotage können dazu führen, dass sie nicht mehr so funktionieren wie sie sollten und das kann zu großen Schwierigkeiten und chaotischen Zuständen in allen Wirtschafts-und Lebensbereichen führen. Noch schlimmer aber ist es, dass die durch Algorithmen gesteuerten künstlichen Intelligenzen uns auch in bestimmte Richtungen drängen und manipulieren können. Es ist kein Zufall, dass wir bei jeder Internetrecherche immer zuerst auf die Seiten stoßen, bei denen die Meinung vertreten wird, die wir selbst zu einer Sache haben. Das schränkt eine objektive Information schon sehr stark ein und ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Daraus kann Stimmungsmache zum Beispiel durch Fake-News geschehen und es auch zu anderen sehr undurchsichtige Arten von Manipulation kommen. Dazu kommt die Gefahr, sozusagen ein „gläserner Mensch“ zu werden und oft auch nicht gerecht einschätzt zu werden.

Letztlich muss auch beachtet werden, dass die Algorithmen, die unser Leben gerade vereinfachen von Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht entwickelt werden. Diese Unternehmen haben kapitalistische Interessen und wollen Geld verdienen. Diese Interessen dürfen sie auch haben, aber eignen sich ihre Algorithmen dann als Basis für eine Demokratie?

Bedeutung Algokratie: Viele Fragen sind zu beantworten

Algorithmen bestimmen zum Beispiel unsere Kreditwürdigkeit und die Höhe der zu zahlenden Zinsen. Sie beeinflussen auch, ob wir einen Job gekommen oder einen Mietvertrag. Außerdem stellt sich auch die Frage, wie sich künstliche Intelligenzen in Systemen verhalten, die sie selbstständig steuern können. Handeln sie dann wirklich vernünftig oder rational? Können sie von programmierten Skripts abweichen, wenn die konkrete Situation das verlangt? Dazu kommt, dass es immer schwerer wird, zu erkennen wer hinter einem Programm steckt, wie der Algorithmus geschrieben wurde, welch Ziele er verfolgt, von welchen Annahmen er ausgeht und welche Filter er enthält.

Auch moralische Fragen stellen sich in einer Algokratie. Denn die Frage, ob ein Algorithmus gut oder schlecht ist, müssen Menschen beantworten. Nach welcher Ethik soll hier entschieden werden? Ist ein Algorithmus gut, wenn er das größte Glück für die größte Zahl (an Menschen) bringt? Was würde dann aus dem Minderheitschutz oder würde dieser einfach für das Glück der Mehrheit geopfert?

Auch muss gefragt werden, wer überwacht den Algorithmus? Sollte er sich selbst überwachen, sollten Techniker (Informatiker) oder Politiker den Algorithmus überwachen? Sollte ein Rat aus verschiedenen Menschen den Algorithmus überwachen? Und hier stellt sich letztlich wieder die Frage: Woher sollen wir wissen, ob diese Menschen gut sind und ob sie gute Entscheidungen treffen?

Auch muss gefragt werden, wer optimiert den Algorithmus und passt ihn an neue Situationen (Klimanotstand) an? Kann der Algorithmus sich selbst optimieren oder sollten dies Menschen machen? (Und wenn der Algorithmus sich selbst optimiert, woher weiß der Algorithmus, dass er sich in eine gute Richtung optimiert hat?)

Letztlich muss natürlich gefragt werden, welches Menschenbild liegt dem Algorithmus zu Grunde? Ist es ein Menschenbild in dem Menschen gelenkt, gestubst und geleitet werden sollen oder ist es Menschenbild in dem Menschen befähigt werden sollen selbst (kritisch) zu denken?

Leben wir vielleicht schon in der „Algokratie“, ohne es zu wissen?

Nein das tun wir nicht. Wir leben immer noch in einer funktionierenden Demokratie, aber wir müssen immer wachsam, selbstbestimmt und demokratisch mit Algorithmen umgehen. Wenn wir die Politik der Algorithmen einfach geschehen lassen und sie nicht gemeinsam kontrollieren und immer wieder verhandeln, würden wir uns ihr unterwerfen.

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