Was ist „Freiwilligentourismus“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Freiwilligentourismus, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Freiwilligentourismus, international vor allem Voluntourism genannt, gehört zu den am schnellsten wachsenden Bereichen im globalen Tourismus. Diese Reiseform kombiniert, wie der Name schon andeutet, die touristischen Möglichkeiten einer Urlaubsreise mit den gemeinnützigen Aspekten der Freiwilligenarbeit.

Was ist „Freiwilligentourismus“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass viele junge Menschen nicht einfach nur Ferien im Ausland verbringen möchten, sondern in der Verknüpfung von Reise mit freiwilliger ehrenamtlicher Arbeit einen tieferen Sinn erkennen. Gemeinnützige Freiwilligendienste bieten entsprechende Programme bereits seit Jahren an, allerdings sind diese grundsätzlich so strukturiert, dass der Auslandsaufenthalt zumindest mehrere Wochen dauert und die Projektarbeit vor Ort hohe Priorität besitzt. Viele Menschen sind nicht bereit, soviel Zeit zu investieren und gleichzeitig auf touristische Annehmlichkeiten verzichten zu müssen. Diese Marktlücke haben kommerzielle Agenturen erkannt und bieten seit einigen Jahren Pakete an, die genau auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnitten sind.

So ist es beispielsweise möglich, einen Roadtrip durch Laos oder eine Safari in Südafrika zu buchen und anschließend für eine Woche ein lokales Umwelt- oder Sozialprojekt zu unterstützen. Alles ist wie eine Pauschalreise organisiert, neben den üblichen Urlaubskosten muss der Volontär allerdings noch Gebühren für sein gesellschaftliches Engagement entrichten. Der Vorteil einer solchen Reise ist jedoch, dass der Freiwillige nichts selbst planen muss, sondern die Agentur die Reise organisiert und alle Aspekte seines Einsatzes vorbereitet.

Welche Zielgruppen und Motive charakterisieren den Freiwilligentourismus? Erklärung, Bedeutung

Die Angebote im Freiwilligentourismus sollen insbesondere junge Erwachsene ansprechen. Bevozugte Zielgruppe der Agenturen sind die 25- bis 34-Jährigen, da sie bereits eine gewisse (Lebens-)Erfahrung mitbringen, tatsächlich sind es häufig Menschen in der Altersgrupe 18 bis 24, die, nicht selten von ihren Eltern alimentiert, an derartigen Reiseprojekten teilnehmen.

Der Wunsch, sofort nach dem Schulabschluss die Welt zu entdecken, steht oftmals im Vordergrund, gleichzeitig sind Konsumverzicht und Sinnhaftigkeit wesentliche Intentionen. Diese Einstellung entspricht dem Zeitgeist der Generation, mit Argumenten wie „etwas zurückgeben“, „positives bewirken“ oder „kulturell dazulernen“ begründen viele ihre persönliche Motivation. Der Freiwilligentourismus basiert somit grundsätzlich auf altruistischen Überlegungen, egoistische Beweggründe wie die Aufwertung des eigenen Lebenslaufes können allerdings ebenfalls eine Rolle spielen.

Über die tatsächlichen Beweggründe für eine Reiseentscheidung lässt sich grundsätzlich nur spekulieren, der hohe Frauenanteil im Freiwilligentourismus ist hingegen statistisch verifiziert. Auswertungen der Veranstalter haben ergeben, dass mehr als 60% der Reisenden in diesem Segment weiblich sind und über ein höheres Engagement und bessere Sprachkenntnisse verfügen.

Welche Ziele und welche Einsatzschwerpunkte existieren im Freiwilligentourismus? Bedeutung

Im Freiwilligenstourismus ist für die Auswahl geeigneter Destinationen entscheidend, ob im Rahmen der Reise soziale, kulturelle oder ökologische Aspekte im Vordergrund stehen. Planbarkeit und Sicherheit sind ebenfalls wichtige Einflussfaktoren, da im kommerziellen Volontourismus Reisen in Krisengebiete oder akut von Naturkatastrophen betroffene Regionen unüblich sind. Die touristische Attraktivität des Ziellandes und ein geringer Entwicklungsstand der Region sind für Agenturen allerdings weiterhin die maßgeblichen Kriterien. Viele Reisen führen deshalb auf den afrikanischen Kontinent oder nach Süd- und Südostasien, Destinationen in Lateinamerika und Osteuropa besitzen allerdings ebenfalls eine gewisse Bedeutung.

Die Einsatzsmöglichkeiten orientieren sich grundsätzlich an den Präferenzen der jungen Reisenden. Umwelt- und Entwicklungshilfeprojekte sind sehr beliebt und bieten den Veranstaltern langfristige und sichere Planungsmöglichkeiten, daneben ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen für viele Volontäre attraktiv. Die Teilnehmer werden in Schulen, Waisenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen eingesetzt und übernehmen überwiegend Betreuungs- und Bildungsaufgaben. Programme mit kulturellem Hintergrund bieten die Möglichkeit, Freiwillige an historischen Stätten beispielsweise als Guides einzusetzen, ein ähnliches Aufgabenspektrum erwartet die Reisenden bei internationalen Sportevents. Olympische Spiele und Weltmeisterschaften sind wichtige Großereignisse, bei denen Agenturen bis zu 40.000 Freiwillige vermitteln.

Welchen Nutzen hat Freiwilligentourismus?

Das wichtigste Ziel von Freiwilligentourismus ist es, Menschen und Organisationen in Entwicklungsländern dauerhaft und möglichst kostenneutral zu unterstützen. Junge Menschen erhalten gleichzeitig die Möglichkeit, andere Sprachen und Kulturen kennenzulernen und tragen durch ihr Engagement vor Ort zur Völkerverständigung bei.

Das setzt allerdings voraus, dass sich die Reiseveranstalter im Volontourismus streng an ethische Grundsätze halten und die Teilnehmer über genügend Erfahrung und Vorbereitung verfügen, um in ihrem Einsatzbereich vor Ort von Nutzen zu sein. Interessierte sollten deshalb bei der Auswahl eines Programmes nicht nur die touristische Attraktivität des Landes berücksichtigen, sondern insbesondere ihre eigenen Fähigkeiten und die Sinnhaftigkeit des Projektes hinterfragen.

Freiwilligentourismus hat eine gemeinnützige Komponente, ist aber in erster Linie ökonomisch attraktiv. Nutznießer sind vor allem die Agenturen, die zwischen 50 und 150 Euro pro Tag von den Teilnehmern verlangen, aber auch die eingebundenen Partner vor Ort und das jeweilige Land als touristische Destination profitieren finanziell.

Kritik: Was wird am Freiwilligentourismus kritisiert?

Am Freiwilligentourismus wird insbesondere seine kommerzielle Ausrichtung kritisiert. Anders als Hilfsorganisationen, bei denen die gemeinnützige Tätigkeit im Vordergrund steht, bieten professionelle Agenturen ihre Programme oftmals wie Ferienreisen an. Der touristische Aspekt steht im Vordergrund, der Einsatz als Volontär vor Ort ist nur ein Bestandteil des Pauschalangebotes. Die Ähnlichkeit zur Urlaubsreise spiegelt sich auch in der Dauer der Programme wieder, denn nur selten sind die Teilnehmer länger als drei Wochen unterwegs.

Die Kürze des Einsatzes vor Ort lässt auch keine intensive Vorbereitung der Teilnehmer zu. Nur jede fünfte Agentur lädt ihre Bewerber zu Vorstellungsgesprächen ein, in 20% der Fälle wird nicht einmal ein Lebenslauf von den Kandidaten verlangt. Im Gegensatz dazu verpflichtet die halbstaatliche Agentur „weltwärts“ ihre Teilnehmer zu einem mehrtägigen Seminarprogramm, das der intensiven Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung der Reise und der Tätigkeit im Zielland dient.

Viele Programme kommerzieller Anbieter sind zudem schlecht geplant und wirken sich auf die lokalen Projekte negativ aus. Die Verantwortlichen vor Ort werden oft nicht gefragt, wie viele Freiwillige sie für den Einsatz benötigen, zudem sind die Teilnehmer oft nicht ausreichend qualifiziert oder verfügen über sprachliche Defizite.

In einigen Ländern wird die Kommerzialisierung der Freiwilligenarbeit sogar zu einem gesellschaftlichen Problem. In Asien hat das Geschäft mit Touristen und Freiwilligendiensten in manchen Regionen die Gründung neuer Waisenhäuser erst angeregt, zum Teil wurden zu diesem Zweck sogar Kinder von ihren Eltern getrennt. In anderen Gegenden wirkt sich der Freiwilligentourismus wiederum negativ auf den lokalen Arbeitsmarkt aus, da durch das kostenlose Engagement europäischer Volontäre Arbeitnehmer aus ihren Berufen verdrängt worden sind.

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