Opferrolle: Was bedeutet „rumopfern“? Bedeutung, Definition


„Rumopfern“ bedeutet, dass jemand sich selbst als Opfer inszeniert und ausgibt, um Aufmerksamkeit, Empathie, Sympathie und Wiedergutmachung zubekommen. Die Schuld für das empfundene Leid wird dabei anderen gegeben. „Rumopfern“ wird teils als Identitätsstiftende Maßnahme verwendet.

Eine anderer Ausdruck für „rumopfern“ ist „Die Opferrolle beziehen“ oder „In die Opferrolle gehen“. „Rumopfern“ ist eine Verbisierung aus dem Phänomen der Opferrolle. Es sorgt dafür, dass der Gang in die Opferrolle durch das Verb aktiver klingt und weniger nach passivem Erleiden.

Gründe für „Rumopfern“ können empfundene Benachteiligungen sein wie:

  • Ungleichbehandlung
  • Ungerechtigkeit
  • Unterdrückung
  • Unhöflichkeit
  • Benachteiligung
  • Diskriminierung
  • Bevormundung
  • Übergangen werden

Die Person, die „rumopfert“ kann behaupten, dass die empfundenen Benachteiligungen strukturell oder Teil einer Kultur sein können.

Beispiele mit „rumopfern“:

  • „Jetzt opfern die wieder rum. Die sollen einfach Fehler eingestehen.“
  • „Nicht rumopfern!“
  • „Du versinkt wieder im Selbstmitleid und opferst nur rum.“
  • „Geh jetzt nicht in die Opferrolle. Schätze was du hast!“

Rumopfern tritt oft mit „Mimimi“ auf.

Die Ausdrücke „rumopfern“ bzw. „herumopfern“ sind Verbisierungen dafür, dass jemand in die Opferrolle geht bzw. die Opferrolle bezieht. „Rumopfern“ entsteht durch die Verbkonstruktion mit „rum“ bzw. „herum“.

Die Opferrolle wird in allen Bereichen des Lebens bezogen. So unter anderem in der Politik, den Medien, der Wirtschaft, der Gesellschaft und Familien.

Psychologie hinter Rumopfern und der Opferrolle

Personen, die „rumopfern“ wollen mit diesem Verhalten Aufmerksamkeit, Empathie, Sympathie oder Wiedergutmachung. Dahinter versteckt sich der Glaube, dass viele mit Schwächeren oder Unterlegenen Sympathie haben und diese unterstützen.

Die Opferrolle zu beziehen, sorgt dafür, dass jemand sein eigenes Verhalten nicht überdenken muss. Es ist einfach und bequem in die Opferrolle zu gehen und anderen die Schuld an empfundenen Leid zugeben. Damit wird die Verantwortung für das eigene Verhalten vermeintlich reduziert.

Wer in die Opferrolle geht, dem kann geringes Selbstbewusstsein zugesprochen werden.

Wer in der Opferrolle ist, projiziert seine eigenen negativen Emotionen auf andere. Das nimmt Verantwortung und sorgt nicht für eine Lösung der Situation.

Kritiker werfen Personen, die „rumopfern“ vor, dass diese unfähig sind Unangenehmes auszuhalten oder Fehler einzugestehen. Gerade bei letzterem wird „rumopfern“ als Strategie gebraucht, um Anschuldigungen abzuwehren oder Antworten zu vermeiden.


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Opfer und Täter – Beide brauchen einander

„Rumopfern“ und die Opferrolle funktionieren nur, weil es die Dichotomie aus Opfer und Täter gibt.

Der Gang in die Opferrolle funktioniert nur solange, wie andere in eine vermeintliche Täter-Rolle gelangen, in der sie sich als Verursacher für die negativen Empfindungen des Opfers rechtfertigen müssen. Schlüpfen andere nicht die rechtfertigende Position so funktioniert die Opferrolle nicht.

Menschen erlernen die Opferrolle, wenn sie den Eindruck haben, dass es leichter ist sich zu beschweren, anstatt sich gegen etwas oder jemanden aufzulehnen. Menschen in der Opferrolle nehmen Vorgesetzte, Eltern oder Politiker als übermächtig wahr und benutzen sie als Projektionsfläche für ihre eigene Ohnmächtigkeit oder negativen Emotionen.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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