Was ist Misokinesie? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Misokinesie, Bedeutung, Definition, Erklärung


Wer an Misokinesie leidet, hat ein ausgeprägtes Problem mit zappeligen und sich bewegenden Mitmenschen. Wer an Misokinesie leidet, wünscht sich, dass die Mitmenschen still sitzen, stehen oder sein sollen.

Was ist Misokinesie? Bedeutung, Definition, Erklärung

Mit Misokinesie wird ein Leiden bezeichnet, das Menschen intolerant gegenüber von anderen verursachten Bewegungen macht. Diese Bewegungen sind jeweils in kurzen Abständen wiederkehrend und verursachen unter Umständen zusätzlich auch Geräusche. Beispiele hierfür sind Fingertippen, Fußwackeln und ein allgemeines Herumgezapple wie etwa ständiges auf einem Stuhl Herumrutschen. Wer Misokinesie hat, den treibt all das sprichwörtlich in den Wahnsinn. Dabei sind sowohl der Anblick der beschriebenen Bewegungen, als auch die damit verbundenen eventuellen Geräusche für Menschen mit Misokinesie unerträglich. Misokinesie wird darüber hinaus auch als Hass auf Bewegungen bezeichnet.

Wie viele Menschen sind von Misokinesie betroffen?

Es sind tatsächlich sehr viele Menschen von Misokinesie betroffen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass ungefähr ein Drittel der Weltbevölkerung an Misokinesie leidet. Allerdings ist die Ausprägung sehr unterschiedlich stark. Bei manchen Personen äußert sich Misokinesie lediglich als leichtes Missfallen. Diese Menschen sind von Fußwippen oder Fingertippen ein wenig genervter als andere. Wer jedoch an einer ausgeprägten Form von Misokinesie leidet, für den können diese Bewegungen eine schlimme Alltagsbeeinträchtigung darstellen.

Symptome: Misokinesie

Werden wiederkehrende Bewegungen bei einer anderen Person bemerkt, dann empfinden Menschen, die Misokinesie haben erhöhten Stress und fühlen sich durch die Bewegung extrem gestört. Ihre Aufmerksamkeit kann außerdem nicht mehr von der als störend empfundenen Bewegung abweichen. Es gelingt betroffenen Personen oftmals kaum noch, oder auch gar nicht mehr, sich auf etwas anderes als die Störbewegung zu konzentrieren. Innerlich steigt in ihnen zudem häufig Wut hoch, die sich nicht nur gegen die Bewegung selbst, sondern auch gegen die Person, die die Bewegung verursacht, richtet. Teilweise empfinden Menschen mit Misokinesie auch Ekel, der durch die Bewegungen verursacht wird.

Wer ist von Misokinesie betroffen?

Grundsätzlich kann jeder Mensch an Misokinesie leiden. Allerdings sind Frauen ganz offensichtlich häufiger betroffen als Männer. Auch ältere Menschen klagen häufiger über Misokinesie als junge. Dies hängt damit zusammen, dass die Empfindlichkeit von Menschen gegenüber ihrer Umwelt mit dem Alter ganz allgemein ansteigt. Misokinesie wird zudem verstärkt bei Personen diagnostiziert, die zudem an Misophonie leiden. Misophonie ist der Hass auf von anderen Personen verursachte Geräusche. Dies können zum Beispiel Kau- oder Schluckgeräusche sein.

Welche Ursachen gibt es für Misokinesie?

Vermutlich sind neuronale Prozesse im menschlichen Organismus für das Entstehen von Misokinesie verantwortlich. Sogenannte Spiegel­neuronen spielen wahrscheinlich die Hauptrolle beim Hass auf Bewegungen. Spiegel­neuronen werden deshalb so genannt, weil sie wie eine Art Spiegel funktionieren. Erkennt eine Person bei ihrem Gegenüber die besagten Bewegungen, dann werden diese über die Spiegel­neuronen im eigenen Gehirn gespiegelt. Normalerweise haben Spiegel­neuronen eine positive Wirkung. Erkennt man zum Beispiel, dass die Freundin, die einem gegenüber sitzt gerade sehr traurig ist, empfindet man Empathie mit ihr.

Man kann ihren Schmerz verstehen, und fühlt ihn bis zu einem gewissen grad selbst. Dadurch gelingt es Menschen auf andere zuzugehen und sie zu trösten. Spiegel­neuronen haben die Aufgabe Menschen hinter die Fassade ihrer Mitmenschen blicken zu lassen. Ist also die Freundin traurig, dann gelingt es einem, durch die Arbeit der Spiegel­neuronen, sich vorzustellen weshalb sie traurig sein könnte. Geht es nun um als unangenehm empfundene Bewegungen, tun die Spiegel­neuronen im Grunde nichts anderes, als im Beispiel mit der traurigen Freundin. Ein Mensch nimmt die Wippbewegungen des Anderen wahr und die Spiegel­neuronen helfen dabei zu vermuten weshalb die andere Person die dauernden Bewegungen ausführt. Da ständige Bewegungen das Gehirn oft Nervosität oder Angst als Ursache vermuten lassen, empfindet der Betrachter diese negativen Gefühle selbst. Dies könnte, laut Wissenschaftlern, ein Grund dafür sein, weshalb so viele Menschen sich dauernd wiederholende Bewegungen als unangenehm empfinden.

Die Diagnose von Misokinesie

Bislang gibt es noch keine feststehenden Diagnoseverfahren für Misokinesie. Es gibt zum Beispiel keinen Test, der auf Patienten angewandt werden könnte, mit dem sich Misokinesie zweifelsfrei feststellen lassen würde. Deshalb wird Misokinesie häufig im Ausschlussverfahren diagnostiziert. Da Misokinesie darüber hinaus eine noch relativ unerforschte Form von psychischer Erkrankung ist, nehmen sie selbst Hausärzte bislang nicht immer ernst. Wer glaubt eventuell an Misokinesie zu leiden sucht deshalb am besten einen Facharzt auf. Das kann ein Nervenarzt oder ein Psychiater sein.

Gibt es eine Therapie gegen Misokinesie?

Eine Therapie, die Misokinesie komplett heilen könnte, gibt es bislang nicht. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann das Leiden Betroffener jedoch mildern.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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