Was ist Lazy Parenting? Bedeutung, Erklärung, Definition

Was ist Lazy Parenting, Bedeutung, Erklärung, Definition


Lazy Parenting bedeutet wörtlich „faule Erziehung“, ist aber nicht wörtlich zu nehmen: Vielmehr nehmen sich die Eltern bei diesem Erziehungsstil sehr stark zurück, lassen vielen Dingen ihren Lauf, entlasten sich und ihre Kinder von der anstrengenden Erziehungsarbeit und erreichen meistens dasselbe oder ein besseres Ergebnis als überengagierte Eltern.

Lazy Parenting als Trend: Bedeutung, Erklärung, Definition

Natürlich ist Lazy Parenting auch ein Trend der späten 2010er-Jahre und zeigt daher wie jeder Trend gewisse Übertreibungen. Gleichzeitig basiert er wie jeder Erziehungstrend auf „cum grano salis“ (einem Körnchen Wahrheit), denn allzu viel Erziehung ist tatsächlich nicht immer der Weisheit letzter Schluss, was freilich auch vom betreffenden Kind und der Eltern-Kind-Beziehung abhängt. Wichtig zu wissen: Lazy Parenting bedeutet weder Vernachlässigung noch antiautoritäre Erziehung (ein Konzept der späten 1970er-Jahre). Es geht dabei vielmehr darum, dass sich Eltern geduldig zurückzunehmen und genau damit die gesunde Entwicklung eines Kindes unterstützen. Es geht vorrangig um Geduld, die unserer fleißigen Gesellschaft fehlt, über die faule Menschen aber von Natur aus verfügen. Daher der Begriff Lazy Parenting.

Konzept hinter dem Lazy Parenting

Das Konzept geht davon aus, dass Kinder Raum für ihre eigenen Entscheidungen benötigen, den wir ihnen zugestehen müssen. Damit erzielen wir mehrere Effekte:

  • #1 Wir bringen den Kindern Respekt entgegen. Dieser war schon immer ein guter Ratgeber für zwischenmenschliche Beziehungen, um die es sich schließlich bei der Kindererziehung handelt.
  • #2 Wir fördern das Selbstwertgefühl der Kinder. Allerdings ist zu beachten, dass an dieser Stelle Übertreibungen beim Lazy Parenting drohen, denn bei Kindern kann der Übergang von einem hohen Selbstwertgefühl zum Größenwahnsinn sehr knapp bemessen sein. Ab und an brauchen Kinder Grenzen.
  • #3 Das Kind lernt aus Fehlern, wenn wir es diese machen lassen.
  • #4 Im günstigsten Fall entwickelt das Kind Resilienz, wenn Fehler auch einmal schmerzen, wir aber darauf achten, dass kein großer Schaden entsteht. Daher darf diese Erziehung nicht allzu faul sein.
  • #5 Das Kind wird schneller unabhängig. Dies ist in unserer hochgradig strukturierten, teilweise chaotischen, aber mit unendlichen Möglichkeiten gesegneten Welt relativ wichtig. Berufstätige der kommenden Jahrzehnte werden keine Befehlsempfänger mehr sein, sondern sehr viele Entscheidungen unabhängig treffen müssen.

Schauen wir uns nun an, mit welchen Strategien sich Lazy Parenting durchführen lässt.

Me-Time für die Eltern

Stress in der Erziehung entsteht vielfach dadurch, dass die Eltern keine Zeit mehr für sich haben. Sie sind nur noch mit dem Verhalten der Kinder befasst. Das ist für beide Seiten nicht gut. Kinder sollten sich allein beschäftigen können, Eltern sollten ihre Auszeit bekommen. Der Umgang miteinander entspannt sich dadurch. Allerdings braucht das Kind hierfür eine sichere Umgebung, die ihm außerdem genug Anregung bietet (im Idealfall mit einem Geschwisterkind). Es könnte auch versuchen, Mama oder Papa in Beschlag zu nehmen. Hier müssen Sie Grenzen setzen. Das Kind wird diese lernen.

Siehe: Was ist Me-Time? , Was ist Quality Time?

Die Ja-Zone

Bei Antworten von Politikern auf kritische Journalistenfragen und bei Antworten von Eltern auf die Fragen und Bitten ihrer Kinder ist das Nein als erstes Wort der Standard. Es wirkt in den Politikerinterviews kurios bis absurd, in der Familie wirkt es frustrierend. Lazy Parenting setzt daher auf die Ja-Zone. Innerhalb dieser Zone darf das Kind vollkommen eigene Entscheidungen. Die Zone ist wörtlich zu nehmen: Es könnte sich um eine Kreideküche im Garten handeln. In den mit Kreide aufgemalten Grenzen kann es sich so schmutzig machen, wie es will, und kann mit den dort vorhandenen (ungefährlichen) Sachen spielen, wie es will. In der Hauptsache handelt es sich um Kreide und Wasser.

Siehe: Was ist der Yes-Day?

Zulassen natürlicher Konsequenzen

Das Kind muss lernen, dass jedes Verhalten eine von den Eltern unabhängige Konsequenz hat, die allein die Natur vorgibt. Ein Paradebeispiel hierfür ist: Es regnet, die Straße ist voller Pfützen, das Kind will aber Sandalen statt Gummistiefel anziehen. Bitteschön! Es sollte einmal die Erfahrung nasser Füße machen. Achten Sie nur darauf, dass diese nicht zu lange dauert, um eine Erkältung zu vermeiden.

Konflikte die Geschwister (und Freunde) selbst lösen lassen

Kinder streiten miteinander, Eltern wollen gern vermitteln. Das ist gut gemeint, lehrt die Kinder aber nicht, wie sich Konflikte lösen lassen und wie sie sich entwickeln, wenn sie nicht gelöst werden. Nur wenn einem Kind nach vielfachem Anlauf keine Konfliktlösungsstrategie einfällt und es droht, gewalttätig oder depressiv zu werden, sollten Sie mit Ratschlägen einschreiten. Das ist aber eher selten! Sie werden staunen, welch kreative Lösungen die Kinder untereinander aushandeln. Seien Sie faul, schauen Sie zu, amüsieren Sie sich und lernen Sie etwas dazu!

Verantwortung abgeben

An bestimmten Stellen dürfen Sie auch richtig faul im Wortsinn sein: Lassen Sie die Kinder im Haushalt helfen. Erzieherisch ist das ohnehin angebracht. Doch Vorsicht: Übertragen Sie ihnen Aufgaben, von deren Nichterledigung sie selbst betroffen sind, wie etwa eine einfache Essenszubereitung für sich selbst. Ansonsten fallen Sie nämlich ins alte Erziehungsmuster zurück: Sie versuchen mit Macht die Anweisung durchzusetzen. Das ist bekanntlich super anstrengend, wenn das Kind nicht will, und damit das Gegenteil von Lazy Parenting.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

Hallo, ich bin Autor und Macher von BedeutungOnline. Bei BedeutungOnline dreht sich alles um Worte und Sprache. Denn wie wir sprechen und worüber wir sprechen, formt wie wir die Welt sehen und was uns wichtig ist. Das darzustellen, begeistert mich und deswegen schreibe ich für dich Beiträge über ausgewählte Worte, die in der deutschen Sprache gesprochen werden. Seit 2004 arbeite ich als Journalist. Ich habe Psychologie und Philosophie mit Schwerpunkt Sprache und Bedeutung studiert. Ich arbeite fast täglich an BedeutungOnline und erstelle laufend für dich neue Beiträge.


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