Was ist Co-Parenting? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Co-Parenting, Bedeutung, Definition, Erklärung


Unter Co-Parenting wird verstanden, dass mindestens zwei, unter Umständen jedoch auch mehr Menschen, eine Familie gründen, ohne dabei in einer Liebesbeziehung zu sein.

Ziel der erwachsenen Personen, die sich zum Co-Parenting zusammenschließen, ist alleine die Familiengründung. Das heißt es soll mindestens ein Kind von den Beteiligten gemeinsam betreut und erzogen werden. Gegebenenfalls kommen später noch mehr Kinder dazu, die vom gleichen Elternpaar gezeugt wurden. Dabei können die am Co-Parenting beteiligten Elternteile unterschiedlichen oder auch gleichen Geschlechts sein. Es müssen aber mindestens ein Mann und mindestens eine Frau beteiligt sein, damit die Zeugung des Kindes zwischen diesen beiden Personen erfolgen kann.

Wie kommen Eltern im Rahmen von Co-Parenting zu einem Kind?

Zunächst einmal steht der Entschluss von mindestens zwei Erwachsenen ein Kind bekommen und aufziehen zu wollen. Meist verspüren die Beteiligten den Wunsch das Kind nicht alleine bekommen und betreuen zu wollen. Entweder leben sie grundsätzlich nicht in einer Partnerschaft, und können deshalb alleine kein Kind zeugen, oder aber sie leben in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Unter den gleichgeschlechtlichen Partnern ist eine direkte Zeugung eines Kindes ebenfalls nicht möglich. Um ihr Ziel der Elternschaft zu erreichen schließen sich somit am Co-Parenting interessierte Personen mit anderen Interessierten zusammen.

Die Anbahnung des Co-Parenting erfolgt entweder über persönliche Kontakte und Gespräche, oder über einschlägige soziale Netzwerke und Websites. So werden die für den biologischen Prozess einer Befruchtung notwendigen weiblichen und männlichen Partner miteinander in Kontakt gebracht. Gegebenenfalls, sofern gleichgeschlechtliche Menschen sich für das Co-Parenting Modell interessieren, sind auch deren gleichgeschlechtliche Partner in einen Kennenlernprozess zwischen den zukünftigen Co-Parents beteiligt. So ist es zum Beispiel auch möglich, dass sich drei oder vier Erwachsene am Modell des Co-Parenting für ein Kind beteiligen.

Die Zeugung des Kindes erfolgt nach der Auswahl der potentiellen Mit-Eltern in aller Regel ohne Geschlechtsverkehr zwischen dem biologischen Vater und der biologischen Mutter. Üblich ist eine Form der künstlichen Befruchtung. Beliebt ist die Bechermethode. Dabei befördert der potentielle biologische Vater seinen Samen mit Hilfe von Masturbation in einen Becher und übergibt diesen an die potentielle biologische Mutter des Kindes. Je schneller dies nach der Ejakulation geschieht, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Eizelle der Frau erfolgreich durch den Samen des Mannes befruchtet wird. Die potentielle biologische Mutter führt hierfür den Samen nach der Übergabe des Bechers in ihre Scheide ein, am besten mit einer Spritze oder ähnlichem. Beachtet werden sollte bei der Anwendung dieser Methode vor allem auch der Zyklus der Frau.

Welche Vorteile das Modell des Co-Parenting hat

Der größte Vorteil des Co-Parenting ist ganz bestimmt der, dass die beteiligten Eltern sich ganz bewusst für die Geburt ihres Kindes entscheiden. Zuerst steht immer der Kinderwunsch. Dann erfolgt die Auswahl eines passenden Partners, und zwar nach rein objektiven Gesichtspunkten. Nun schließt sich die Zeugung des Kindes, die mit viel Aufwand verbunden ist, an. Da dieser komplette Vorgang Zeit und Kraft in Anspruch nicht ist davon auszugehen, dass Kinder, die im Rahmen von Co-Parenting entstanden sind Wunschkinder sind, die sowohl von ihrem biologischen Vater als auch von ihrer biologischen Mutter gewünscht sind.

Bei traditionellen Familienmodellen, in denen Kinder in einer hetero Beziehung, oder gelegentlich auch durch eine rein geschlechtliche Beziehung zweier Erwachsener gezeugt werden, ist dies nicht zwingend der Fall. Weiterhin ermöglicht Co-Parenting auch Singles, die keinen Partner finden, oder keinen Partner für eine Liebesbeziehung haben möchten die Elternschaft. Beteiligen sich mehr als zwei Erwachsene am Co-Parenting verteilt sich die Last der Erziehung auf umso mehr Schultern. Dies kann von Vorteil für Eltern und Kinder sein. Die Eltern können ihre individuellen Zeitpläne besser mit ihrer Elternschaft vereinbaren. Für die Kinder erhöht sich die Anzahl möglicher Bezugspersonen. Sie haben mehr Ansprechpartner und genießen in aller Regel auch mehr Aufmerksamkeit als Kinder, die in traditionellen Familien aufwachsen.

Weiterhin wird die Kindererziehung meist nicht von emotionalen Störungen zwischen den Erwachsenen belastet. Da die Eltern keine Liebesbeziehung miteinander führen, verbindet sie ausschließlich die Elternschaft, und eventuell eine Freundschaft, miteinander. Letzteres muss für ein erfolgreiches Co-Parenting allerdings nicht zwingend der Fall sein. So kann es nicht zu Problemen, wie Unstimmigkeiten auf Grund von Fremdgehen eines Partners, die auch das Kind belasten könnten, kommen. Auch in finanzieller Hinsicht kann Co-Parenting für alle entspannter sein, als die Elternschaft in einer traditionellen Familie. Je mehr Elternteile am Co-Parenting beteiligt sind, desto mehr finanzielle Mittel zur Versorgung des Kindes sind üblicherweise vorhanden. Verliert ein Elternteil die Arbeit, können gegebenenfalls bis zu drei weitere Erwachsene finanziell einspringen. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Kinder aus, sondern wirkt auch emotional entlastend auf die einzelnen Elternteile.

Die Co-Parenting Familie noch einen Schritt weiter gedacht

Je mehr Elternteile vorhanden sind, desto mehr weitere Verwandte tummeln sich natürlicherweise im Umkreis von Eltern und Kind. So kann es vorkommen, dass Kinder, die im Rahmen von Co-Parenting geboren wurden, acht Großeltern haben. Auch das entspannt die Betreuungssituation. Außerdem können Kinder umso mehr lernen je mehr Bezugspersonen sie haben. Neben mehreren Großeltern können natürlich mehr Tanten, Onkel, Cousins oder Cousinen im Leben der Kinder eine festen Platz haben. Co-Parenting kann so die moderne Form der vom Aussterben bedrohten Großfamilie sein.

Was beim Co-Parenting zu Problemen führen kann

Da die Elternteile meist nicht alle zusammen mit dem Kind in einem Haushalt leben, kann Unruhe durch vermehrte Ortswechsel in die Gemeinschaft kommen. Co-Parents möchten bewusst ein Kind bekommen, und möchten sich deshalb üblicherweise auch das Sorgerecht teilen. So kommt es, dass das Kind meist einen Teil seiner Zeit beim einen biologischen Elternteil, und einen Teil seiner Zeit beim anderen biologischen Elternteil zubringt. Dies kann die Eltern vor organisatorische Herausforderungen stellen, besonders dann, wenn die Wohnorte weiter auseinander liegen. Verschärfen kann sich die Situation außerdem, wenn noch Geschwisterkinder vorhanden sind, die in einer anderen Konstellation gezeugt wurden, und mindestens ein anderes Elternteil haben. Das Gedankenspiel lässt sich beliebig um Stiefgeschwister erweitern. Je mehr Elternteile am Co-Parenting Modell beteiligt sind, desto verworrener können auch die verwandtschaftlichen und emotionalen Beziehungen im Familien-Konstrukt werden.

Weiterhin können abweichende Vorstellungen von der Erziehung des Kindes zum Problem werden. Wie innerhalb von traditionellen Familien auch erkennt man selbst meist erst, wenn das Kind geboren wurde, welchen Erziehungsstil man bevorzugt. Dadurch, dass Co-Parents eher selten in einem gemeinsamen Haushalt leben, kann es außerdem zu Kommunikationsproblemen kommen. Auch was die Aufgabenverteilung unter den Elternteilen anbetrifft, kann es Konfliktpotential geben, und zwar in beide Richtungen. Möglicherweise sieht ein Elternteil das andere als sich zu wenig einbindend an. Es kann jedoch auch zu Eifersüchteleien kommen.
Sind mehr als zwei Erwachsene am Familienmodell des Co-Parenting beteiligt, können sich die Partner, die nicht biologische Elternteile sind, aus dem Familienverbund leicht ausgeschlossen fühlen. Unstimmigkeiten gibt es zudem oft dann, wenn der Partner oder die Partnerin eines biologischen Elternteils sich kaum, oder gar nicht, an der Kinderbetreuung beteiligen möchte. Dies ist besonders häufig der Fall, wenn die Partner erst nach der Geburt des Kindes zur Gemeinschaft hinzustoßen.

Was ist rechtlich beim Co-Parenting zu beachten?

In der Theorie ist Co-Parenting ein einfaches Familienmodell. Kalkuliert man jedoch mit ein, dass es in nahezu allen Familien irgendwann kleinere und größere Streitigkeiten gibt, sollten sich besonders Co-Parents, vor der Geburt eines gemeinsamen Kindes, rechtlich absichern. Der erste Faktor, der bedacht werden muss ist der, dass Co-Parents in der Regel nicht miteinander verheiratet sind. Deshalb behandelt sie der deutsche Staat wie alle anderen unverheirateten Eltern auch, was besonders für den biologischen Vater Probleme nach sich ziehen kann. Er sollte deshalb von der Mutter als Vater anerkannt werden und seinerseits eine Sorgerechtserklärung unterschreiben. So können beide Elternteile das gemeinsame Sorge- und Umgangsrecht für ihr Kind erhalten. Für den Vater bedeutet das aber auch, dass er somit unterhaltspflichtig für das Kind ist.

Gegebenenfalls kann er auch Unterhalt für die Mutter des Kindes zahlen müssen. Die Rechtslage ist hier kompliziert und sehr vom Einzelfall abhängig. Deshalb sollten Personen, die sich für das Modell des Co-Parenting interessieren vor der Geburt eines Kindes rechtlich beraten lassen. Gut ist es in jedem Fall einen Vertrag für das gemeinsame Co-Parenting auszuarbeiten, in dem alle Punkte festgeschrieben werden, die den beiden Elternteilen wichtig sind. Kommt es später zum Streit, kann man sich auf die Vertragsinhalte berufen.


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Das kann man selbst dafür tun, dass das Familienmodell Co-Parenting gelingt

Das A und O ist eine gute Auswahl des Partners für das angestrebte Familienmodell. Denn mit dieser Person geht man, auch wenn man keine Liebesbeziehung mit ihr führt und sich nicht heiratet, eine lebenslange Verbindung ein. Das andere Elternteil wird immer auch ein Elternteil des eigenen Kindes bleiben. Selbst dann, wenn das Kind bereits erwachsen ist. Man sollte also bei der Auswahl darauf achten, dass man mit der Person gut kommunizieren kann und ähnliche Wertvorstellungen verfolgt. Vorab müssen Fragen geklärt werden, die das familiäre Konstrukt regeln. Wo soll das Kind leben? An welchem Tag wird es von wem betreut? Wer bezahlt was für das Kind? Wer fährt wann mit dem Kind in die Ferien? Welche Rechte und Pflichten sollen eventuelle weitere Elternteile haben, die nicht biologische Elternteile sind? Welche Rechte und Pflichten sollen Großeltern bekommen? Besonders, wenn keine ausgewogene Elternschaft angestrebt wird, besteht viel Kommunikations- und Klärungsbedarf im Vorfeld.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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