Was ist Karoshi (Tod durch Überarbeitung)? Bedeutung, Fakten, Daten, Zahlen

„Karoshi“ ist das japanische Wort für „sich zu Tode arbeiten“ bzw. für „Tod durch Überarbeitung“. „Karōshi“ heißt auf japanisch: 過労死.

„Karoshi“ bedeutet, dass eine Person plötzlich an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall verstirbt. Die Ursachen dafür liegen im dauerhaften (Arbeits-)Stress, dauerhafte Überforderung, zu vielen Überstunden, schlechter Ernährung, zu wenig Sport, zu wenig Ruhe und Erholung.

„Karoshi“ ist in Asien weit verbreitet. In Südkorea heißt das Phänomen „kwarosa“. In China wird es „guòláosǐ“ genannt.

Suizide von verzweifelten und depressiven Angestellten oder Arbeitern zählen nicht als Karoshi. Dies Suizid-Fälle werden „karōjisatsu“ genannt. „Karojisatsu“ bedeutet auf deutsch: „Selbstmord wegen Überarbeitung“.

Von „Karoshi“ sind meistens jene betroffen, die massiv viele Überstunden arbeiten. Übrigens: Überstunden werden in Japan nicht bezahlt.

Karoshi kurz und bündig:

Karoshi bedeutet, dass jemand sich zu Tode arbeitet. Die Person opfert sich (wortwörtlich) für ihre Arbeit und ihre Gemeinschaft auf.

Diese Person verzichtet auf Pausen und Zeiten der Regeneration. Meist geht mit Karoshi schlechte Ernährung, viel Stress und wenig Bewegung einher, sowie viel Druck und der Wunsch „etwas zu leisten“.

Geschichte von Karoshi

Der Ausdruck „Karoshi“ wurde 1978 geprägt, als darüber berichtet wurde, dass mehrere Personen an Herz- oder Schlaganfällen gestorben sind und dies auf Überarbeitung zurückgeführt wurde. Dabei wurde auch der erste Karoshi-Fall dargestellt: 1969 verstarb ein 29-jähriger Versand-Mitarbeiter plötzlich an einem Herzinfarkt.

Durch ein 1982 veröffentlichtes Buch ging der Begriff „Karoshi“ in den allgemeinen japanischen Sprachgebrauch ein.

Doch erst Mitte der 1980er Jahre wurde „Karoshi“ der japanischen Öffentlichkeit bewusst, nach dem mehrere Manager plötzlich und unerwartet, sowie ohne vorherige Anzeichen, verstarben. Im Jahr 1987 veröffentlichte das japanische Arbeitsministerium Statistiken über Karoshi.

Beispiele für Karoshi:

2015 nahm sich eine Angestellte einer Londoner Firma das Leben, nach dem sie massiv zu viel gearbeitet hatte.

Eine Japanerin arbeite 159 Überstunden in einem Monat und arbeite dauerhaft zu viel. Sie starb 2013 im Alter von 31 Jahren.

2007 verstarb eine japanische McDonalds-Mitarbeiterin nach Überarbeitung an einer Hirnblutung. Sie arbeitete mehr als 80 Überstunden im Monat.

Ein Busfahrer arbeite in einem Jahr 3000 Stunden und hatte seit 15 Jahren keinen freien Tag. Er starb an einem Herzinfarkt im Alter von 37. (Die gesetzlich geregelte jährliche Arbeitszeit für Deutsche beträgt rund 2035 Stunden pro Jahr.)

Ein Japaner arbeitete sogar 4320 Stunden in einem Jahr und arbeite Nachtschichten. Er starb im Alter von 58 an einem Herzinfarkt.

Eine Krankenschwester starb im Alter von 22 Jahren nach dem sie 34 Stunden durcharbeitete.

Ursachen für Karoshi: Wer ist gefährdet?

Dem Risiko durch Karoshi zu sterben, sind Personen ausgesetzt, die unter anderem wie folgt arbeiten:

  • Jahrelang sechs bis sieben Tage pro Woche arbeiten (Ohne Urlaub und ohne dass sie Erschöpfung oder anderes spüren.)
  • Täglich und regelmäßig mehr als 12 Stunden arbeiten.
  • Mehr als 60 Stunden pro Woche arbeiten
  • Mehr als 100 Überstunden pro Woche Monat arbeiten

Karoshi: Situation in Deutschland

Auch Deutschland ist eine Leistungsgesellschaft und Arbeit gilt als etwas erstrebenswertes. Aus Angst davor den Job zu verlieren, arbeiten viele freiwillig Überstunden. Andere sind durch auf Aufstiegswünsche motiviert.
In Deutschland sind verschiedene Berufsgruppe von Karoshi bedroht:

  • Ärzte – Sie arbeiten teils sehr viel und tragen viel Verantwortung für Patienten. 24-Stunden-Schichten sind in diesem Beruf keine Seltenheit.
  • Krankenschwestern

Wer vorsorgen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Die Work-Life-Balance ist eine dieser Stellschrauben mit denen die Arbeitspensum geregelt wird. Weitere Techniken die helfen sind: Zeiträume für Entspannung und Ruhe einrichten, sich Quality time nehmen, weniger arbeiten und andere Möglichkeiten.

Geschichte: Wie entstand Karoshi?

Karoshi entstand im Japan nach dem Zweiten Weltkrieg. Japan musste wieder aufgebaut und Reparationszahlungen mussten geleistet werden. Das verlangte von den Menschen große Anstrengung und führte zu dem wirtschaftlichen Aufschwung den Japan erlebte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg galten in Japan Arbeitstage von mehr als 12 Stunden und 6 bis 7 Tage durcharbeiten als normal.

Die japanische Gesellschaft legt mehr Wert auf die Gruppe als auf das Individuum. (Im Westen und in Deutschland ist es umgekehrt. Das Individuum ist wichtiger als die Gruppe.) Das führte dazu, dass durch sozialen Druck und soziale Kontrolle Japaner angehalten wurden, mehr zu arbeiten. Damit sind Gemeinschaftsbedürfnisse wichtiger als individuelle Bedürfnisse wie Entspannung, Ruhe oder Selbstverwirklichung.

Die Hierarchie ist in Japan sehr wichtig und wird nicht verletzt. Außerdem gilt es für Japaner als Schande, wenn sie aufgeben, Schwäche zeigen oder anderen auf der Tasche liegen. Auch ist unter Japanern die Angst groß ihren Arbeitsplatz zu verlieren. All dies führt dazu, dass häufig zu viel gearbeitet wird.

Karoshi: Situation heute in Japan

In einer Umfrage im Jahr 2016 gab fast jede vierte japanische Firma an, dass es Mitarbeiter gebe, die regelmäßig pro Monat über 80 Überstunden leisten.

Aktuell sollen mehr als hundert Japaner pro Jahr an Karoshi sterben.

2015 gab es offiziell 93 Karoshi-Fälle.

Mehr als 40 Kliniken existieren mittlerweile in Japan, die Menschen behandeln, die von Karoshi bedroht sind.

Die japanische Regierung erlies 2014 ein Gesetz, dass die Arbeitszeit begrenzte.

Reaktionen auf Karoshi:

In Japan ist Karoshi eine haftungspflichtige Todesart. Das führt dazu, dass Hinterbliebene Arbeitgeber auf Entschädigungen verklagen. Teils gehen über tausend bis zu mehreren tausend Karoshi-Entschädigungsklagen jährlich an japanischen Gerichten ein.

Außerdem wurden in Japan Karoshi-Hotlines eingerichtet, an die sich Interessierte und Arbeitnehmer wenden können. Die Hotlines beraten und geben Ratschläge.

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