Was ist ein schwarzer Schwan? Bedeutung, Definition, Herkunft

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Als „schwarzer Schwan“ wird in der Wirtschaft und an der Börse ein seltenes, unerwartetes und unvorhergesehenes Ereignis bezeichnet, dass eine große Tragweite und mächtigen Einfluss auf die aktuelle Situation hat. Ein schwarzer Schwan beendet die bisher herrschende Normalität. Er kann Börseneinbrüche verursachen und Märkte aus ihrer Bahn werfen.

Was ist ein Schwarzer Schwan? Was bedeutet die Metapher? Bedeutung, Definition

Der „schwarze Schwan“ als Metapher steht letztlich für zwei Dinge: Es gibt immer ein Restrisiko und man kann sich nie auf alles vorbereiten. Denn man kann sich auf einen schwarzen Schwan nicht vorbereiten, er überrascht uns und trifft uns unwartet. Er passiert einfach und keiner hat es geahnt! (Diese deutsche Redewendung passt hier auch gut: „Es kommt immer anders als man denkt.“) Als Schlußfolgerung daraus gilt, dass man sich nie zu sichern sein sollte, dass man Gewissheiten in Frage stellen sollte und dass man Dinge nie zu einseitig sehen sollte. Es gilt, dass die Welt unberechenbar bleibt und der schwarze Schwan uns Menschen daran erinnert hat.

Auch, wenn man sich auf einen schwarzen Schwan nicht vorbereiten kann, so kann aus ihm gelernt werden. Denn der schwarze Schwan zeigt Schwächen und Unzulänglichkeiten auf. Er zeigt, dass bestimmte Risiken bisher unterschätzt wurden, wenn sie denn beachtet wurden.

Schwäne treten in der Natur stets als Paar auf. Für „Schwarze Schwäne“ gilt dies nicht. Sie sind singuläre Ereignisse.

Die Metapher „schwarzer Schwan“ wird mittlerweile nicht nur in der Wirtschaft, an Finanzmärkte und der Börse verwendet, sondern auch in der Politik und Wissenschaft.

Beispiele für einen schwarzen Schwan sind: Lehman-Brothers-Pleite 2008, Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011, Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland 2011, Corona-Virus (Covid-19) 2019/2020

Ein Lottogewinn ist ein schwarzer Schwan. Möglich, aber sehr unwahrscheinlich!

In der englischen Sprache heißt schwarzer Schwan direkt übersetzt „Black Swan“.

Teils wird auch vom „Schwarzen Schwan“-Effekt oder „Schwarzen Schwan“-Ereignis gesprochen. Analog wird in der englischen Sprache der Ausdruck „Black Swan“-Event verwendet.

Woher kommt der Ausdruck „Schwarzer Schwan“? Bedeutung, Wortherkunft

Den Ausdruck „Schwarzer Schwan“ hat der Publizist und Börsenhändler Nassim Nicolas Taleb mit seinem Buch „Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse“ geprägt. In diesem Buch bezeichnet er Ereignisse, die sehr unwahrscheinlich sind und heftige Konsequenzen haben als „schwarzen Schwan“. (Nassim Nicolas Taleb veröffentlichte das Buch im Jahr 2007.)

Nassim Nicolas Taleb hat die Metapher „schwarzer Schwan“ für Ereignisse mit positiven und negativen Ausgängen verwendet.

Nassim Nicolas Taleb schreibt darüber, dass Menschen sich in einer „Zone des Vorhersagbaren“ einrichten und dort ihre Komfortzone finden. Dies führt dazu, dass sie extrem unwahrscheinliche Ereignisse nicht mehr betrachten und mit falscher Gewissheit glauben „alles“ unter Kontrolle zu haben. Laut Taleb sehen selbst Experten „Schwarze Schwäne“ nicht vorher. Auch sind „Schwarze Schwäne“ kaum ableitbar aus Erfahrungen oder der Geschichte.

Ferner äußert sich Taleb, dass Menschen viel weniger wissen, als sie glauben. Auch wenn sie meinen, aus der Vergangenheit zu lernen und bessere Prognosen zu stellen, so verzerren sie ihre Erinnerungen und schreiben die Vergangenheit teils um. (Stichwort: Rückschaufehler) Taleb äußert sich, dass es eine Illusion sei zu glauben, dass wir Menschen gegenwärtig stattfindende Ereignisse komplett verstehen und richtig einordnen.

Entdeckung der schwarzen Schwäne

Die Metapher und Idee des schwarzen Schwans geht auf den römischen Dichter Juvenal zurück. Dieser lebte im 1. und 2. Jahrhundert. Er kannte nur weiße Schwäne. In einem seiner Texte äußerte er sich, dass eine treue Ehefrau wie ein seltener Vogel sei, den es nur in fremden Ländern gibt. Ein seltener Vogel vergleichbar mit einem schwarzen Schwan. (Anmerkung: Was er damit eigentlich sagte, war, dass es keine treuen Ehefrauen gibt bzw. dass es für Ehefrauen – seiner Meinung nach – unmöglich sei, treu zu sein.)

Auch im Mittelalter hielt sich der Glaube, dass es nur weiße Schwäne gibt. Schwarzen Schwänen wurde sogar eine unheilbringende Wirkung nachgesagt, so dass niemand je einen sehen wollte oder sich vorstellen konnte, dass es schwarze Schwäne gibt. (Mit der Farbe schwarz wurde und wird Krankheit, Leid und Tod verbunden.)

Schwarze Schwäne galten aufgrund ihrer Farbe als unrein, dreckig und verschmutzt. Weiße Schwäne hingegen, waren aufgrund ihrer weißen Farbe, ein Symbol für Reinheit und Macht. Dies führte dazu, dass viele Adlige den Schwan als Wappentier verwendeten und auch Orte nach ihm benannten. Hier seien nur zwei berühmte Schlösser genannt: Neuschwanstein und Hohenschwangau.

Bis in das 17. Jahrhundert waren schwarze Schwäne in Europa unbekannt. Die Menschen kannten nur weiße Schwäne. (Es war für sie undenkbar, dass Schwäne auch schwarz sein konnten.) Erst der Europäer und niederländische Seefahrer, Willem de Vlamingh, sah 1697 in Australien reale schwarze Schwäne. Berichte über diese Sichtungen verbreiten sich unter Seefahrern. In der englischen Sprache entstand die Metapher des schwarzen Schwans, ein unwahrscheinliches aber nicht unmögliches Ereignis.

In Europa sorgte der schwarze Schwan für Aufregung und war eine zoologische Sensation. Denn die bisher geglaubte Wahrheit, dass alle Schwäne weiß seien, erwies sich als falsch.

Karl Popper und Schwarze Schwäne

Karl Popper (1902-1994) verwendete die Metapher „Schwarzer Schwan“ auch in seiner Arbeit über die Grenzen der empirischen Forschung. Die Metapher diente ihm zur Verdeutlichung, dass Beobachtungen nie Hypothesen verifizieren, aber falsifizieren können.

Beispiel: Jemand beobachtet Schwäne und möchte ermitteln, welche Farbe diese haben. Der Schwanbeobachter sieht nun 50 Schwäne und alle sind weiß. Daraus schlußfolgert er, dass das Gefieder aller Schwäne weiß ist. Diese Beobachtung stößt auf ein Problem, denn der Schwanbeobachtet kann nie alle Schwäne (in dieser Welt) anschauen. So bleibt es offen, ob es eventuell einen Schwan gibt, der nicht weiß ist. Damit kann die Aussage „Alle Schwäne sind weiß“ nie verifiziert werden.

Jedoch ist das Gegenteil möglich. Die Aussage „Alle Schwäne sind weiß“ kann widerlegt werden. Dafür muss nur ein (1!) Schwan gefunden werden, der nicht weiß ist.

In Folge kann der Schwan-Beobachter seine Aussage relativieren: „Nicht alle Schwäne sind weiß“.

Weitere Bedeutung von Schwarzer Schwan

Es gibt eine Schwanart, die tatsächlich schwarz ist. Diese Art wird Trauerschwan bzw. Schwarzschwan genannt. Ihr wissenschaftlicher Name ist „Cygnus atratus“.

Ein Synonym für „Schwarzer Schwan“ ist „Weißer Rabe“.

„Black Swan“ ist ein 2010 veröffentlichter Film vom Regisseur Darren Aronofsky mit Natalie Portman in der Hauptrolle.

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