Was ist ein Konsumstreik? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist ein Konsumstreik, Bedeutung, Definition, Erklärung


Bei einem Konsumstreik kaufen die Verbraucher einer Volkswirtschaft weniger ein. Bestimmte Produkte fragen sie gar nicht nach. Ein allgemeiner Konsumstreik wäre die Totalverweigerung der Verbraucher, die sich aber nicht lange durchhalten lässt und daher praktisch kaum beobachtet wird. Ein besonderer Konsumstreik richtet sich gegen bestimmte Produkte und Produktgruppen. Er ist mit definierten Zielen verknüpft.

Bedeutung, Definition: Der besondere Konsumstreik

Der besondere Konsumstreik ist gelegentlich durchaus zu beobachten. Die Zielrichtungen sind in der Regel gesellschaftspolitischer Natur oder sollen die Gesundheit der Verbraucher schützen. Daher ist ein besonderer Konsumstreik sehr eng mit einem Boykott verwandt, es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: Das Motiv des besonderen Konsumstreiks besteht prinzipiell nicht (wie beim Boykott) darin, einem Hersteller wegen seiner moralischen Verfehlung einen konkreten Schaden zuzufügen. Vielmehr lehnen die Konsumenten eine bestimmte Produktgruppe ab. Damit können sie einen bestimmten Hersteller treffen, wenn er überwiegend diese Produktgruppe vertreibt. Doch es geht den Verbrauchern um eigennützige oder gemeinnützige Motive. Paradefälle sind die Vermeidung von Gesundheitsrisiken durch den Verzehr von Fleisch und Wurst oder der Schutz der Umwelt durch den Verzicht auf ökologisch bedenkliche Artikel.

Beispiele für den besonderen Konsumstreik

Während der BSE-Krise mieden die Konsumenten massiv jegliches Rindfleisch.

  • Verbraucher mit ökologischem Bewusstsein vermeiden Fleisch aus Massentierhaltung und Getreideprodukte aus konventioneller Landwirtschaft.
  • Personen mit starkem Gerechtigkeitsempfinden bestreiken jegliche Kleidung und Kaffee aus traditionellen Lieferketten, an deren Anfang die Produktion in Billiglohnländern steht. Sie kaufen nur Fair-Trade-Produkte. Dabei boykottieren sie nicht bewusst bestimmte Firmen, die besonders für schlechte Arbeitsbedingungen in den Produzentenländern der Dritten Welt berüchtigt sind. Sie bestreiken einfach alles, was dem billigen Mainstreamkonsum entspricht.

Beispiele für den allgemeinen Konsumstreik

Beispiele für den allgemeinen Konsumstreik sind wie erwähnt schwer zu finden, doch es gibt sie. Einige Personen stehen dem Konsumismus und manchmal auch generell dem Konsum kritisch gegenüber. Sie kaufen insgesamt weniger Waren, was sie mit öffentlicher Konsum- und Wachstumskritik verknüpfen. Beim allgemeinen Konsumstreik gibt es Abstufungen:

  • Einige Totalverweigerer bauen sich ein ökologisches Holzhaus im Wald und betreiben dort die vollkommene Selbstversorgung. Diese Gruppe ist sehr klein, weil so eine Lebensweise höchst aufwendig und unkomfortabel ist.
  • Eine relativ große Gruppe verweigert den Konsum höherpreisiger Güter. So verzichten zunehmend (jüngere) Menschen auf ein eigenes Auto. Dieses hat in ihren Augen als Statussymbol total ausgedient und bringt auch sonst nur wenige praktische Vorteile mit sich, hat aber viele Nachteile. Viele Angehörige dieser Gruppe kaufen auch keine Luxusbekleidung, unternehmen keine teuren Reisen und besuchen keine Bars und Restaurants. All das ist in ihren Augen überflüssiger Konsum. Da auf diese Weise recht viele Produktgruppen vom Verzicht der Verbraucher betroffen sind, dürfen wir von einer allgemeinen Konsumverweigerung sprechen.
  • Während einer Rezession und auch während einer Deflation (sinkende Preise) halten sich alle Verbraucher bei allen Käufen etwas mehr zurück. Das ist zwar kein totaler und allgemeiner Konsumstreik, doch es führt signifikant zum Schrumpfen der Binnennachfrage und damit der Gesamtwirtschaft. Dieses Phänomen wirft auch ein Licht auf eine der Ursachen von Konsumstreiks.

Verschiedene Ursachen von Konsumstreiks

Einige der Ursachen haben wir schon benannt:

  • Schutz der eigenen Gesundheit
  • Bedürfnis, ökologisch und nachhaltig zu leben
  • Gerechtigkeitsempfinden

Es gibt aber weitere Ursachen wie die Angst vor einem persönlichen wirtschaftlichen Niedergang während einer Rezession und damit der Wunsch, Geld zu sparen, sowie die Erwartung weiter sinkender Preise während einer Deflation. In solchen Momenten wird den Menschen der höhere Wert von Bargeld gegenüber Waren und erst recht Dienstleistungen bewusst: Der Wert des Geldes verfällt deutlich weniger stark. Dieser Fall ist während einer Deflation ganz real gegeben: Bei sinkenden Preisen steigt schließlich der Wert des Geldes. Wenn der Verbraucher darauf mit einer Konsumverweigerung reagiert, verhält er sich in ökonomischer Hinsicht logisch. Es gibt aber paradoxerweise auch das Phänomen des zusammenbrechenden Handels bei einer Hyperinflation, weil niemand mehr das Geld annehmen möchte. Doch die Ursache hierfür ist kein Konsumstreik, sondern eher ein Handelsstreik. Der Konsumstreik kann wiederum höherpreisige Güter treffen, wenn es sich eher lohnt, das Geld in Kapitalanlagen zu stecken. Das einfachste Beispiel wäre der Verzicht auf einen Immobilienkauf, weil Immobilien zwar möglicherweise etwas im Wert steigen, doch bei Aktien eine noch viel höhere Wertsteigerung zu erwarten ist.

Ist wenig Konsum immer ein Konsumstreik?

Nein, eindeutig nicht. Der Konsumstreik ist eine bewusste Entscheidung. Die Verbraucher könnten konsumieren, unterlassen es aber aus definierten Gründen (siehe oben). Wenig Konsum ergibt sich natürlich auch aus Armut. Zudem lässt die Konsumneigung im höheren Lebensalter nach, weshalb sich die Werbung bewusst an Verbraucher zwischen dem 14. und 49. Lebensjahr richtet. Ab dem 50. Lebensjahr ändern sich in der Tat die Präferenzen, Konsum erscheint vielen Menschen nicht mehr so wichtig.

Folgen von Konsumstreik

Ein besonderer Konsumstreik kann bestimmten Branchen wie zum Beispiel die Fleischindustrie hart treffen. Ein allgemeiner Konsumstreik wegen Deflation oder Rezession kann sich höchst prekär auf die Volkswirtschaft auswirken. Diese lebt vom Konsum. Er mag in Teilbereichen völlig zu Recht kritisch betrachtet werden, doch unser Wirtschaftsmodell basiert darauf, dass wir produzieren und konsumieren.

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