Was ist die Hustle Culture? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist die Hustle Culture, Bedeutung, Definition, Erklärung


Die sogenannte „Hustle Culture“, auch unter den Synonymen „Burnout Culture“, „Workaholism“ oder „Toxic Productivity“ bekannt, ist eine aus dem US-amerikanischen Raum stammende Bezeichnung, die das Phänomen des Arbeitens über die körperliche Belastungsgrenze hinaus beschreibt. Anhänger der Hustle Culture stellen das Streben nach Geld, Reichtum und Anerkennung über ihre eigene Gesundheit. Dafür ordnen sie ihr gesamtes Privatleben sowie ihre Freizeit komplett dem Arbeiten in einem oder mehreren Jobs unter. Daraus resultierende gesundheitliche Nachteile werden billigend in Kauf genommen.

Was ist die Hustle Culture? Bedeutung, Definition, Erklärung

Das englische Nomen hustle bedeutet auf Deutsch übersetzt so viel wie Abzocke oder Schwindel. Ursprünglich stammt es vom Verb to hustle ab, was eher mit drängen oder stoßen übersetzt werden kann. Aus diesen beiden Wortbedeutungen hat sich der Begriff Hustler entwickelt. Ein Hustler ist jemand, der möglichst schnell und ohne jegliche Skrupel Geld verdienen möchte. Als mögliche Verdienstquellen kommen insbesondere der Drogenhandel und andere illegale Geschäfte sowie auch die freiwillige Prostitution in Frage.

Geprägt wurde der Begriff Hustler durch einen Song des US-Rappers Rick Ross aus dem Jahre 2006. In diesem inszeniert sich der Musiker als erfolgreicher Drogenbaron, der durch konsequentes hustlen Anerkennung, Luxus und Erfolg beim weiblichen Geschlecht erreicht hat. Insbesondere in der Alterskohorte der Millennials (Jahrgänge von 1980 bis zu den späten 1990ern) sowie der Generation Z (Jahrgänge der späten 1990er bis ca. 2010) ist hustlen durch diesen Song ein Ausdruck für das starke Anstrengen im Bereich Schule oder Arbeit geworden.

Siehe auch:

Genaue Bedeutung von Hustle Culture: Eigenschaften

Diejenigen Personen, die sich der Hustle Culture verschrieben haben, ordnen ihrer Karriere und dem Erreichen bestimmter monetärer Ziele alles unter. Dies kann unter anderem folgende Aspekte mit einschließen:

  • das ständige Leisten von Überstunden,
  • Wochenendarbeit,
  • die Annahme eines oder gar mehrerer Nebenjobs,
  • der Start einer selbstständigen Tätigkeit,
  • das Negieren von Schlafmangel und Müdigkeit,
  • das Aufputschen mit übermäßigem Koffeinkonsum oder gar mit Drogen,
  • das Vernachlässigen von Beziehungspartnern, Familie und anderen sozialen Kontakten,
  • das Schlechtreden jeglicher Bedürfnisse nach Ruhe und Entspannung.

Freizeit und soziale Interaktionen werden also zurückgestellt, körperliche Warnsignale sogar bewusst ignoriert. Menschen, die in der Hustle Culture gefangen sind, versprechen sich durch diesen bedingungslosen Einsatz ein zu einem späteren Zeitpunkt entspanntes und in jeglicher Hinsicht erfülltes Leben.

Äußere Einflussfaktoren für die Hustle Culture

Unter anderem durch die 2008 grassierende Wirtschaftskrise hat sich bei vielen jüngeren Leuten der Glaubenssatz verfestigt, dass die volle Fokussierung auf den Job zulasten der Freizeit und des Privatlebens zum Erreichen des erwünschten Wohlstands nötig sei.

Diese Art der Arbeitsmoral wird heutzutage auch durch Social Media Plattformen wie YouTube oder Instagram verfestigt. Zum einen wächst der soziale Druck dadurch, dass viele Leute ihren Arbeitsalltag, ihre Verdienste sowie ihre materiellen Besitztümer freizügig mit der ganzen Welt teilen. Durch das ständige Vergleichen mit anderen gewinnen viele jüngere Frauen und Männer den Eindruck, ebenfalls so hart arbeiten zu müssen wie die Vergleichsperson. Zudem motivieren viele Influencer, Entrepreneure, Erfolgscoaches und Persönlichkeitsentwickler Menschen dazu, Nebentätigkeiten aufzunehmen und härter zu arbeiten als andere. So versprechen sie das Entkommen aus dem berüchtigten Hamsterrad. Doch nicht nur der Vergleich mit Fremden, sondern auch der mit Freundinnen und Freunden, die sich in den sozialen Medien selbst präsentieren, trägt zum Aufbau des sozialen Drucks bei.

Ein weiterer Grund für die Hustle Culture liegt in dem schnellen technologischen Fortschritt. Viele Arbeitsplätze drohen durch Automatisierung wegzufallen. Zudem wird in nahezu allen Studiengängen das Mantra des lebenslangen Lerners gepredigt. Das Motto dahinter ist, dass diejenigen, die nicht mit der Zeit gehen und sich den ständig wechselnden Anforderungen anpassen, den Anschluss verlieren. Konkurrenzdruck existiert somit auch unmittelbar am Arbeitsplatz. Vielfach erklimmen diejenigen am schnellsten die Karriereleiter, die besonders fleißig sind und entsprechend hart arbeiten. In vielen Unternehmen gilt es als Selbstverständlichkeit, dass Arbeitnehmer Überstunden machen. Tesla-Chef Elon Musk, der selbst als Workaholic gilt und angeblich des Öfteren in Fabrikgebäuden nächtigt, prägte den Satz: „There are way easier places to work, but nobody ever changed the world on 40 hours a week.“ Dieses Motto steht sinnbildlich für die vielfach vorherrschende Mentalität.

Nachteile der Hustle Culture

Dass bei der Hustle Culture von einer Kultur gesprochen wird, macht deutlich, wie fest verankert das zugrundeliegende Mindset in der heutigen Gesellschaft ist. Es ist somit für viele Leute schwer, sich der Hustle Culture zu entziehen. Doch sich ihr wehrlos hinzugeben, bringt für Betroffene eine Menge Nachteile mit sich.

Zum einen wird der Zukunft die höchste Priorität beigemessen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Leben in der Gegenwart oftmals sträflich vernachlässigt wird. Dadurch entgehen Betroffenen oftmals viele schöne und eigentlich einprägsame Momente. Dies geht Hand in Hand mit der bereits beschriebenen Vernachlässigung sozialer Kontakte, was zu Vereinsamung führen kann.

Da die Hustle Culture naheliegenderweise auch als Burnout Culture bezeichnet wird, sind bei Betroffenen oftmals typische Burnout-Symptome zu beobachten. Hier wären unter anderem permanente körperliche Erschöpfung, Migräne, kardiovaskuläre Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck oder Herzinfarkte) sowie Depressionen, Suizidgedanken und im schlimmsten Falle Suizidversuche anzuführen. Doch auch Arbeitgeber sollten die gravierenden Nachteile im Blick haben. Schließlich haben gestresste Mitarbeiter eine schlechtere Arbeitsproduktivität, eine höhere Fehlerquote beim Erledigen von Aufgaben sowie mehr Krankheitstage aufzuweisen.

Für Menschen, die sich am Arbeitsplatz permanent gestresst fühlen und einige der oben genannten Symptome bei sich selbst wahrnehmen, ist wichtig: Sobald man körperliche Warnsignale erkennt, müssen diese ernst genommen werden. Verdrängung verschlimmert die Probleme nur. Allen Betroffenen ist daher dringend anzuraten, sich selbst Grenzen zu setzen, bewusst Pausen zu machen und Entspannungsmöglichkeiten wahrzunehmen. Auch wenn es einige Ausnahmefälle wie etwa den angesprochenen Elon Musk gibt, so gilt für die Mehrzahl der Leute, dass eine gewisse Work-Life-Balance Pflicht ist, um gesund zu bleiben. Außerdem sollte beachtet werden, dass man sich mit Geld zwar vieles kaufen kann, allerdings keine Gesundheit. Ein weiterer hilfreicher Tipp wäre, sich nicht ständig mit anderen Menschen zu vergleichen, denn dies bringt außer mehr Stress meistens keinerlei Mehrwert.


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Autor: Pierre von BedeutungOnline

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