Was ist das Web3? Erklärung, Definition, Bedeutung

Was ist das Web3, Erklärung, Definition, Bedeutung


Das Web3 ist die jüngste Evolutionsstufe des Internets. Eine zusätzliche Begrifflichkeit ist „semantisches Web“. Hinter dem Web3 stehen vor allem neue Technologien wie die Blockchain, die eine viel stärker Dezentralisierung des Internets ermöglichen und damit auch die Macht einzelner Onlinegiganten wie Google und Facebook brechen könnten.

Was ist das Web3? Erklärung, Definition, Bedeutung

Den Begriff Web3 prägte Tim Berners-Lee, dem maßgeblich die Entwicklung des gegenwärtigen Web 2.0 – also des heute (2021) existierenden Internets mit dem schlichten Namen World Wide Web (www) – zugeschrieben wird. Dass die Entwicklung fortschreitet, war zwangsläufig zu erwarten.

Mit der Bezeichnung Web3 wird folgerichtig angedeutet, dass es bislang zwei Stufen des Internets (Web 1.0 und Web 2.0) gab, auch wenn sie niemand explizit so bezeichnet hat. Web3 (oder auch Web 3.0) wäre nun die dritte Stufe. Es geht im Web3 um die rein maschinelle Auswertung aller Informationen, welche die Nutzer des Internets verbreiten. Darüber hinaus werden Informationen überwiegend und in manchen Bereichen ausschließlich von Maschinen generiert.

Welche Unterschiede erkennen wir zwischen dem Web 2.0 und Web3?

Beim immer noch existierenden Web 2.0 generieren die Nutzer die Inhalte selbstständig. Im Web3 liegt der Fokus darauf, nutzergenerierte Informationen mit eindeutigen Beschreibungen zu versehen. Daher kommt die Bezeichnung als semantisches Web. Die Semantik muss so beschaffen sein, dass sie Computer verarbeiten können. In diesem Fall kann die Maschine Abfragevarianten zu jeder Information generieren, welche den Nutzern zur Verfügung stehen. In Ansätzen existiert diese Semantik schon.

Wenn Nutzer bei Google eine Suchanfrage eingeben, ergänzt die Suchmaschine die ersten Buchstaben- und Worteingaben semantisch so, wie es der Suchintention des Nutzers entsprechen könnte. Das funktioniert immer dann sehr gut, wenn es sich um eine gängige Suchanfrage handelt, die viele andere Nutzer schon gestellt haben. Das Web3 perfektioniert diese semantische Suche und bezieht viel mehr ungewöhnliche Varianten mit ein.

Es ist auch in der Lage, Informationen zu Menschen, Dingen oder auch Ländern zueinander in Relation zu setzen. So könnte die Abfrage zu einem antiken Gebäude in Rom automatisch die Antwort „Kolosseum“ generieren. Zur Information: Das Kolosseum taucht auch jetzt schon als Antwort auf (Stand Dezember 2021), doch es steht nur an der Spitze einer ganzen Reihe von antiken römischen Gebäuden (gefolgt beispielsweise dem Pantheon, der Engelsburg und dem Titusbogen), weil die gegenwärtige Googlesuche noch nicht zwischen „antikes“ und „antike“ Gebäude in Rom unterscheidet (Einzahl und Mehrzahl). Das Web3 soll in der Lage sein, aus der Semantik der in der Einzahl gestellten Suchanfrage und der Intention der meisten Nutzer das Kolosseum herauszufiltern: Wer nur ein, und zwar das antike Gebäude in Rom schlechthin sucht, meint damit das Kolosseum. Das ist die Idee des semantischen Web3.

Ist das Web3 dem Web 2.0 zwangsläufig überlegen?

Nicht unbedingt, jedenfalls nicht mit dem Stand Ende 2021. Um bei dem genannten Beispiel zu bleiben: Vielleicht war ja der suchende Nutzer ein Gymnasiast, der für eine Hausarbeit irgendein antikes Gebäude in Rom beschreiben soll und nicht unbedingt das Kolosseum meint, das seine Mitschüler*innen bestimmt überwiegend wählen. Er möchte schon etwas Besonderes beschreiben. Die Idee, dass er in der Mehrzahl nach allen antiken römischen Gebäuden suchen und dann eines selbstständig auswählen müsste, könnte ihm nicht gleich kommen. In diesem Fall hätte ihn das Web3 verwirrt. Es bleibt nämlich dabei, dass Menschen schon ganz eigene Vorstellungen davon haben, was sie mit ihrer Suche meinen. Das Web3 soll ihnen aber offenkundig mit seiner Semantik das Denken ein Stück weit abnehmen, was nur mehr oder weniger gewollt ist. Es ist zu beachten, dass die Semantik des Internets (auch die gegenwärtig schon existierende) die menschliche Intelligenz beeinflusst. Assoziationen und Suchintentionen werden zunehmend davon geprägt, wie die am schnellsten zu findenden Informationen – die in der Suchmaschine – aufbereitet werden.

Wer vertritt das Web3

Wie bei den bisherigen Varianten des Internets gibt es auch für das Web3 eine Foundation (Web3 Foundation und Web3 Community). Diese Verfechter der Evolution wünschen, dass die Blockchain oder vergleichbare Technologien wie der DAG (Directed Acyclic Graph) zur technischen Basis des Web3 werden. Sie argumentieren, dass sich der technologische Fortschritt ohnehin nicht aufhalten lässt und seinen Niederschlag im Internet finden muss. Ein Verfechter der Evolution zum Web3 ist beispielsweise der Mitbegründer von Protocol Labs Juan Benet. Er sagte auf einem Web3-Gipfel im Jahr 2018, dass schon die gegenwärtige Kommunikationsgeschwindigkeit alles übertrifft, was Menschen seit vielen Jahrtausenden gewohnt waren, doch dass sich durchaus noch ein viel schnellerer Datendurchsatz inklusive der Aufnahme dieser Informationen durch Menschen denken lässt. Auch die zunehmende, aber längst nicht abgeschlossene Vernetzung der gesamten Menschheit sprach er an. Nach seiner Auffassung muss es ein Web3 geben, um die grenzenlose Kommunikation dann zu ermöglichen, wenn wirklich jede Person in jedem Winkel des Planeten Zugang zum Internet hat und sich Menschen über Länder- und Sprachgrenzen hinweg blitzschnell austauschen können.

Das Web3 solle ihnen dann helfen, so Benet, diejenigen Informationen zu filtern, die sie wirklich benötigen. Ansonsten würden alle Menschen in einem Meer von Informationen ertrinken. Diese nötige Filterung wiederum könne nur ein semantisches Web3 bewältigen. Gleichzeitig räumte Benet zumindest im Jahr 2018 noch die bestehenden Unzulänglichkeiten ein. Nach den bisherigen Erfahrungen ist allerdings davon auszugehen, dass diese behoben werden.

Welche Rolle spielen dezentrale Netze wie die Blockchain und DAG?

Die Blockchain- und DAG-Technologien, die bislang vorrangig durch Kryptowährungen allgemein bekannt sind, aber längst auch in der Industrie und in der allgemeinen Informationsverarbeitung genutzt werden, sollen zu viel mehr Demokratie im Web3 führen. So, wie schon gegenwärtig die Kryptowährungen über das Potenzial verfügen, die finanzielle Macht von Zentralbanken zu brechen, könnten dieselben Technologien im Web3 auch die Macht von Konzernen brechen, welche gegenwärtig die Informations- und Kommunikationswelten dominieren. Gemeint sind eindeutig Google und Facebook. Wenn die Vernetzung im Web3 über eine sichere, aber dezentrale Datenhaltung via Blockchain oder DAG stattfindet, kann nicht mehr ein einzelner Konzern die Spielregeln im Netz bestimmen. Vielmehr würden die Nutzer die Informationen untereinander austauschen. Dies erscheint zwar gegenwärtig auch so, doch in Wahrheit bestimmen die Algorithmen von Google, Facebook, Amazon & Co, welche Informationen wir im Netz zuerst finden (Google), mit wem wir vorrangig kommunizieren (Facebook) und was wir bevorzugt kaufen (Amazon).

Allerdings bedarf es hierfür einer gänzlich neuen Architektur des Web3, die nicht mehr von Algorithmen geprägt wird, die ein einzelner Konzern verantwortet und auch noch geheim hält. Darauf wies Juan Benet auf dem Web3-Gipfel-Rede 2018 ebenfalls hin: Er wies die teilnehmenden Entwickler und Programmierer darauf hin, dass sie diese Architektur verantworten würden und daher genau bedenken sollten, wie das Web3 beschaffen sein muss.

Entwickung zum Web3

Um die generische Entwicklung zum Web3 zu verstehen, ist es wichtig, sich das Web1 und Web 2.0 anzuschauen. Das Web1 entwickelte sich als öffentlich zugängliches Internet in den 1970er-Jahren aus dem ARPANET (für Advanced Research Projects Agency Network), einem Netzwerk der US-Army, das schon in den späten 1960er-Jahren entstanden war. Lange Zeit lief es über Modems, auf welche Telefonhörer gelegt wurden. Es knarzte dementsprechend und war sehr langsam. Suchmaschinen im heutigen Sinne gab es noch nicht, Google entstand erst 1998. Man könnte diese Phase als Übergang zum Web 2.0 bezeichnen, die aber auch durch entscheidende technologische Veränderungen geprägt war, nämlich vor allem den Aufbau von viel mehr Internetknoten auf der Welt und der redundanten Datenvorhaltung auf verschiedenen Servern.

Erst mit dem Web 2.0 entstand ein Zustand, in welchem einmal ins Netz eingespeiste (und nicht vorsätzlich und total gelöschte) Informationen praktisch nicht mehr verloren gehen können. Im Web1 lagen sie vielfach nur auf einem Server, auf den zwar theoretisch (bei entsprechender Freigabe) die ganze Welt zugreifen konnte, dessen Daten aber auch physisch vernichtet werden konnten. Zwar gab es Backups, aber nicht wie im späteren Web 2.0 etwa ab den 2010er-Jahren in einer Cloud und im Sekundentakt. Der größte Unterschied zwischen dem Web1 und dem Web 2.0 besteht sicherlich in der sicheren Datenspeicherung durch Redundanz und permanente Cloudspeicherung. Dies bedeutet: Wer etwa ab 2000 etwas ins Netz gestellt hat, hat sich damit verewigt, wenn nicht eine gigantische Katastrophe die Menschheit bzw. ihre komplette Technologie auslöscht.


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Das Web3 nun wird wieder zu einem revolutionären Schritt führen, wenn auch gänzlich anderer Art. Es wird die Dominanz von Internetkonzernen überwinden und damit eine grenzenlose Netzdemokratie zulassen, außerdem wird es unsere Informationsverarbeitung durch Semantik völlig neu organisieren. Beides ist nötig. Dass uns Google- und Facebookalgorithmen unser Informationsstreben und Kommunikationsleben diktieren und dabei nicht einmal durchschaubar sind, ist ein unhaltbarer Zustand. Die Auswirkungen sind sichtbar: Es entwickeln sich weltweit extremistische Bewegungen, weil die Menschen im Netz finden, was sie finden wollen (via Googlealgorithmus), und weil Hasstiraden durch Facebookalgorithmen unterschwellig gefördert werden. Abweichende Meinungen und Intentionen (auch harmlose wie alternative Kaufangebote) erscheinen gar nicht mehr. Wir müssten zu lange danach suchen, das schaffen wir nicht. Diesen Zustand soll das Web3 überwinden.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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