Was bedeutet „Expected Goals“ / xGoals in der Bundesliga? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet Expected Goals, xGoals in der Bundesliga, Bedeutung, Definition, Erklärung


In der Fußballberichterstattung hören wir immer häufiger von den „Expected Goals“ (abgekürzt xGoals oder xG). Das sind die zu erwartenden Tore, die sich aus einer Spielsituation ergeben. Eine herausgespielte Torchance könnte beispielsweise den xG-Wert von 0,25 haben, was eine Chance von 25 % bedeutet, in dieser Spielsituation ein Tor zu erzielen. Expected Goals gehören zu den statistischen Modellen, mit denen die Leistungen von Einzelspielern und Mannschaften gemessen werden.

Was bedeutet „Expected Goals“ / xGoals in der Bundesliga? Bedeutung, Definition, Erklärung

Als Fußballfans kennen wir alle die Situation: Der Stürmer unserer Lieblingsmannschaft kommt in bester Position vor dem gegnerischen Tor an und schießt dann vorbei. „Den hätte er machen müssen!“ ist der Standardkommentar des erbosten Fans. Nach seiner Meinung hatte es sich um eine 100%ige Torchance gehandelt. Eben das ist aber die Frage. Gibt es wirklich 100%ige Chancen? Das Modell der Expected Goals sagt: Nein, es gibt sie nicht. Ob der Abschluss, also der finale Torschuss, wirklich zu einem Tor führen kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Unter anderem gehören dazu

  • der genaue Platz auf dem Feld, von dem aus der Spieler schießen konnte,
  • der Winkel zwischen Spielerposition und Tor,
  • die Zahl der Gegenspieler zwischen Angreifer und Tor,
  • die Stellung und Bereitschaft des Torwarts und
  • die Entfernung zum Tor.

In jedem Fall gilt der xG-Wert als deutlich aussagekräftiger gegenüber der normalen Statistik zu allen Torschüssen. In dieser zählt nämlich ein Pfostentreffer aus vier Metern Torentfernung ebenso viel wie ein herangerollter Ball aus 20 Metern. Angegeben wird der xG-Wert immer als Zahl zwischen 0,0 und 1,0. Er spielt erst dann eine Rolle, wenn es eine tatsächliche Torchance gab. Dann bestimmt er ganz klar, mit welcher Wahrscheinlichkeit diese Chance verwertet werden konnte. Ein xG-Wert von 0,25 bedeutet: Von 100 Schüssen aus der betreffenden Position und unter Berücksichtigung der übrigen Umstände (Gegenspieler, Torwartposition etc.) führen 25 Schüsse zu einem Treffer. Dass man heute den xG-Wert wirklich verwenden kann, liegt daran, dass in den letzten 25 Jahren dazu riesige Datenmengen aus unzähligen Spielen gesammelt wurden. Der xG-Wert belegt, was wir schon immer fühlten: Es gibt deutlich bessere und auch sehr viel schlechtere Positionen, aus denen heraus ein Torschuss erfolgreich sein kann. Mit dem xG-Wert erhält dieses Gefühl einen statistischen Wert.

Wer hat die Expected Goals (xGoals) erfunden? Bedeutung, Definition

Die ersten Untersuchungen dazu stammen aus dem englischen Fußball. In den 1990er-Jahren äußerten sich Vic Barnett und Sarah Hilditch in einer Studie zu dieser Metrik. Sie resümierten, dass nicht alle Torschüsse die gleiche Chance auf ein tatsächliches Tor aufweisen. Daraus entwickelten sie ein mathematisches Modell, das nach klassischen Verfahren der Statistik die Wahrscheinlichkeit eines erzielten Tores in einer bestimmten Spielsituation errechnen konnte. Das sind seither die Expected Goals. Das Modell wurde allerdings in den kommenden 20 Jahren stetig weiterentwickelt. So verwiesen andere britische Forscher um 2007 auf noch bestehende Unzulänglichkeiten, die es auszumerzen gelte. Durchbrüche hinsichtlich einer größeren Genauigkeit der Berechnung erzielten Howard Hamilton im Jahr 2009 und Sander Itjsma im Jahr 2011. Das Ziel aller Untersuchungen bestand immer darin, die Chance auf ein Tor in einer bestimmten Spielsituation den Chancen durch alle herausgespielten günstigen Situationen für eine Mannschaft gegenüberzustellen. Die Forscher verwiesen gleichzeitig darauf, dass man durchaus auch andere Betrachtungen anwenden könne. So sei es durchaus nützlich, neben den Expected Goals auch das Offensiv- und Defensivspiel einer Mannschaft oder die Spielbalance zwischen Gesamtleistung und herausgespielten Chancen zu bewerten. Auch darauf gehen bekanntermaßen Fußballkommentatoren ein. Allerdings konnten die Expected Goals inzwischen (2020) den Status einer handfesten Auswertungsmethode erreichen. Sie wird auch für andere Sportarten verwendet, so beispielsweise im Eishockey. Im modernen Fußball verwenden Trainer die Metrik der Expected Goals dazu, den Sturm in die Bereiche des Spielfeldes zu schicken, aus denen heraus mit größter Wahrscheinlichkeit Torchancen zu verwerten sind. Umgekehrt lassen sie die Defensivspieler diese Bereiche am stärksten verteidigen.

Welchen xG-Wert hat ein Elfmeter?

Auch der Elfmeter schafft bekanntermaßen keine 100%ige Torchance. Vielmehr liegt sein xG-Wert bei 0,76. Das ist schon erstaunlich, denn angesichts der vielen verwandelten Elfmeter hätten wir vielleicht einen xG von 0,9 bis 0,95 erwartet. Immerhin liegt der Ball in einer wirklich kurzen Entfernung vor dem Tor. Das einzige Hindernis ist der Torwart – und die Schussgenauigkeit des Spielers. Es gibt ja immer wieder Fußballer, die auch beim Elfmeter am Tor vorbeischießen. Der Wert von xG = 0,76 bedeutet nun, dass durchschnittlich drei von vier Elfmeterschüssen verwandelt werden. Dabei ist wichtig zu wissen, dass dieser Wert unabhängig vom ausführenden Spieler existiert. Er ergibt sich wie erwähnt aus den zahllosen Elfmetersituationen, die inzwischen ausgewertet wurden. Ob also der ausgewiesene Torjäger Robert Lewandowski von Bayern München zum Elfer antritt oder ein absoluter Abwehrspieler, hat keinen Einfluss auf den xG-Wert. Die vorhergehende Entstehung dieser Chance spielt natürlich ebenfalls keine Rolle.

Wie hilft nun der xG-Wert den Trainern, Spielern und Mannschaften?

Das Expected-Goal-Modell ist hilfreich, um die Spielleistung einzelner Spieler und Mannschaften genauer beurteilen zu können. Nehmen wir Beispiel die Partie der Bayern gegen Borussia Mönchengladbach am 31. Spieltag in der Saison 2019/20. Gegen Ende des Spiels lag der xG-Wert der Borussia bei 0,7, bei den Bayern betrug er 0,5. Es wurden für die Ermittlung die xG-Werte sämtlicher Torchancen während des Spiels addiert und dann durch die Zahl der Chancen dividiert, um den Durchschnitt zu ermitteln. Mönchengladbach hatte den besseren Wert und war damit in statistischer Hinsicht die bessere Mannschaft. Dennoch gewannen die Bayern mit 2:1. Das bedeutet: Die Expected Goals sind aufschlussreich, aber kein Orakel. Eine Mannschaft kann trotz bester Chancen verlieren. Trotzdem ist es wichtig, die Expected Goals zu berechnen, weil sie in diesem Fall beweisen, was für eine gute Mannschaft Borussia Mönchengladbach ist. Im Spiel hilft natürlich manchmal auch Glück zeigen, das in diesem Fall auf der Seite der Bayern war.

XGoals / Expected Goals: Anwendung auf einzelne Spieler

Für einen einzelnen Spieler können wir als Beispiel den Spieler Timo Werner heranziehen. Dieser hatte in jüngster Zeit einen sehr hohen xG-Wert, der sich auch tatsächlich in seiner Torbilanz widerspiegelt. Für den RB Leipzig hatte er in der Saison 19/20 bis zum 32. Spieltag schon 25 Treffer erzielt.

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