Warum heißt der Waschbär „Waschbär“? Erklärung

Warum heißt der Waschbär Waschbär, Erklärung


Jeder kennt den knuffigen, kleinen Maskenträger mit dem dichten, grauen Fell. Und obwohl Waschbären auf den ersten Blick gemütlich und behäbig aussehen, sind sie doch flinke Raubtiere, die in Wohnsiedlungen zur Plage werden. Heute kennen wir Waschbären nämlich häufig als Kulturfolger, die in der Nähe menschlicher Siedlungen wohnen und Mülleimer oder Scheunen plündern. Da erinnert nichts mehr an den Namen Waschbären, der an eine Herkunft in Ufernähe denken lässt. Und dennoch ist genau dort die Bedeutung des Namen Waschbären zu suchen.

Waschbär: Zu klein für einen Bären?

Wenn man an Bären denkt, hat man meistens einen Braunbären oder Eisbären vor seinem geistigen Auge. Diese gehören gemeinsam mit dem Großen Panda, dem Schwarzbären und dem Brillenbären zu den Großbären.

Daneben gibt es aber auch noch die Familie der Kleinbären, die in ihrer Körperform viel diverser sind als die Großbären. So gehören zum Beispiel der Nasenbär oder der Wickelbär zu den Kleinbären. Auch der Waschbär ist in dieser Familie zu finden, was das „Bär“ in seinem Namen rechtfertigt.

Großbären und Kleinbären gehören beide zu den Hundeartigen Raubtieren, sind also zwei sehr nah miteinander verwandte Familien. Daneben gibt es noch eine Reihe an weiteren Tierarten, die in der deutschen Sprache den Wortteil „Bär“ im Namen tragen, ohne ein Bär zu sein. Dazu gehören zum Beispiel der Seebär, der Koalabär und der Ameisenbär. Die letzten beiden sind noch nicht einmal Raubtiere!

Was wäscht der Waschbär? Namensherkunft

Der seltsamere Teil im Namen des Waschbären ist jener, der auf eine waschende Lebensweise hindeutet. Für uns ist die Vorstellung eines waschenden Tieres skurril, scheint doch der Hang zur perfekten Sauberkeit eine typisch menschliche Eigenschaft zu sein. Und tatsächlich ist diese auch dem Waschbären nicht sonderlich wichtig.

Das namensgebende Verhalten des „Waschens“ der Nahrung wurde zunächst bei Tieren in Gefangenschaft beobachtet. Diese drehten und wendeten ihr Futter wiederholt in einer Wasserquelle in ihrem Gehege, bevor sie zum Verzehr übergingen. Daher nahmen Zoologen zunächst an, dass der Waschbär seine Nahrung von Unreinheiten befreit oder einweicht, um sie besser schlucken zu können.

Tatsächlich ist diese Verhaltensweise in freier Natur aber nicht zu beobachten und sogar höchst umstritten. Dort ernähren sich Waschbären nämlich von Insekten, Würmern, Fischen, Amphibien, Obst und Nüssen. Je nach Jahreszeit finden sie ihre Nahrung häufig im und um das Wasser, es ist ihnen also durchaus vertraut.

Allerdings fällt in menschlicher Obhut der Großteil der Nahrungssuche weg. Waschbären aber sind sehr intelligente Tiere, die gerne bei der Nahrungssuche gefordert sind und geeignete Lösungswege suchen. Da ihnen diese Möglichkeit genommen wird, führen sie als Ersatzhandlung das „Waschen“ durch. Damit sind zumindest ihre Hände für eine gewisse Zeit beschäftigt. Die Handlung ähnelt nämlich der Bewegung der Hände bei der Suche nach Nahrung im Uferschlamm.

Der Lebensraum des Waschbären

Ursprünglich stammt der Waschbär aus Nordamerika, wo er von Mexiko bis Kanada häufig anzutreffen ist. Anfang des 20. Jahrhunderts entkamen in Europa einige Tiere aus Pelztierfarmen, die sich bis heute beinahe explosionsartig vermehren konnten. Der Lebensraum in Europa ähnelt jenem in Nordamerika. Allerdings fehlen dem Waschbären in Europa Feinde und Konkurrenz, was ihm die Verbreitung leichtmacht. Mittlerweile ist er selber dafür verantwortlich, viele in Europa heimische Tierarten zu verdrängen.

Allein in Deutschland beläuft sich der Waschbärbestand heute auf eine sechsstellige Zahl. Da diese langsam zu hoch wird, wird der Waschbär in der Bundesrepublik bejagt. So finden jährlich über 100 000 Waschbären den Tod.

Sowohl in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet als auch in Europa wird der Waschbär in Siedlungsgebieten zusehends zur Plage. Aufgrund seiner Intelligenz und Anpassungsfähigkeit ist es ihm ein leichtes, Mülleimer zu plündern und in Gebäude einzubrechen.

Der Waschbär in anderen Sprachen

In den meisten Sprachen besteht der Name des Waschbären aus den Wortteilen „waschen“ und „Bär“. So heißt er auf Niederländisch wasbeer, auf Schwedisch tvättbjörn oder auf Französisch raton laveur.

Siehe: Bambusbjörn

Das englische Wort raccoon geht auf die Sprache der Algonkin zurück, einem Stamm amerikanischer Ureinwohner. Auch dieses Wort bedeutet „der mit seinen Händen schrubbt und kratzt“.

Der wissenschaftliche Name des Waschbären lautet Procyon lotor, was so viel bedeutet wie „hundeähnlicher Wäscher“.

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