Was ist „Niksen“? Bedeutung, Definition, Erklärung, Ursprung

Was ist Niksen, Bedeutung, Definition, Erklärung, Ursprung


Nicht einmal im Urlaub bleibt das Handy Zuhause. Ständig erreichbar sein und sich von der Schnelllebigkeit des Alltags treiben lasse. Dagegen haben die Holländer ein gutes Rezept: Niksen.

Was ist „Niksen“? Bedeutung, Definition, Erklärung, Ursprung

Bei „Niksen“ handelt es sich um ein Lebensgefühl, das sich dem gesellschaftlichen Druck in die Quere stellt und erlauben soll, auch einmal schlicht gar nicht zu tun. Gerade in der schnelllebigen Zeit, in den wir alle viele Möglichkeiten haben, liegt der Fokus oft in der Produktivität. Niemand möchte am Ende des Tages ins Bett gehen und sich selbst vorwerfen, heute nichts Sinnvolles getan zu haben, sondern kostbare Lebenszeit verschwendet zu haben. Trotzdem besteht bei vielen Menschen der Wunsch nach Atempausen und Erholung. Das verdeutlicht auch die Tatsache, dass diese Trends in der Vergangenheit zunehmen.

Schon das dänische Lebensgefühl „Hygge“ ließ den Fokus wieder auf die Gemütlichkeit richten und uns an Momente und Orte erinnern, an welchen wir uns geborgen und wohlfühlen. Ebenso das schwedische „Lagom“ und die damit verbundene Idee, das Leben durch bestimmtes Maßhalten wieder in den Ausgleich zu bringen.

Bedeutung Niksen: Die Kraft aus dem Nichtstun

Menschen sind immer und überall bestrebt, die freie Zeit, die sie haben, sinnvoll zu nutzen. Auf dem Weg mit dem Auto einen Podcast hören, ein Buch im Warteraum des Arztes lesen oder das Radio laufen lassen während dem Bügeln. Nichts ist schlimmer, als der Gedanke Zeit sinnvoll verstreichen zu lassen. Dabei haben wir verlernt, mit uns selbst allein zu sein und dem Kopf die Möglichkeit zu geben, einmal abzuschalten.

Wer nikst, der gibt Körper und Geist die Chance, sich zu regenerieren und schafft zudem mehr Platz für Kreativität und Gedanken. Diese Theorie klingt zunächst einmal logisch und leicht, in der Realität ist dies allerdings gar nicht so einfach. Einfach einmal eine Stunde die Seele baumeln lassen oder ohne Aufgabe aus dem Fenster sehen ist zunächst einmal sehr ungewohnt und die Zeit mag gar nicht vergehen. Nicht nur, dass wir uns das bewusste Durchatmen gar nicht erlauben möchten, schlimmer noch: Viele Menschen befürchten dann als Faulenzer betitelt und diskreditiert zu werden. Wenn Achtsamkeitsübungen und Meditationseinheiten in der breiten Gesellschaft akzeptiert sind, kann aber auch das Niksen eine Chance haben, Fuß zu fassen.

Erklärung: So gelingt das Niksen

Wie wird nun genikst? Wer allein bei dem Gedanken, sich eine Stunde am Tag Zeit für nichts zu nehmen, Bauchschmerzen bekommt, der kann auch etwas ruhiger starten. Dabei ist es hilfreich, sich bei den Kindern etwas abzuschauen. Kinder sehen die Schönheiten vor allem in den kleinen Dingen. Das kann ein unter Schmetterling sein oder ein Nachmittag auf einem Spielplatz. Kleinigkeiten lassen uns Menschen schon in frühen Jahren perfekt abschalten. Innere Ruhe kann auch dann erlangt werden, wenn die Momente des Alltags bewusster wahrgenommen werden. So kann sich also langsam und sicher an das Niksen herangetastet werden. Auf welche Art und Weise das Niksen stattfindet, ist dabei jedem selbst überlassen.

Die entspannte Muße

Wer starke Probleme damit hat, sich auf das Niksen einzulassen, kann sich an die Empfehlungen des Professors Rutt Veenhooven halten. Der niederländische Soziologe empfiehlt es, sich für einen bestimmten Zeitraum auf einen Stuhl zu setzen und aus dem Fenster zu sehen. Natürlich ohne den Computer, ohne das Handy oder eine andere Ablenkung. Laut dem Wissenschaftler sei es das Ziel, herauszufinden welche Entspannungsart am besten zu einem passt. Dabei gibt es keinen einheitlichen Ansatz für alle Menschen. Jeder muss nach dem Konzept selbst für sich herausfinden, was funktioniert und was nicht. Übrigens kann es auch eine halbautomatische Beschäftigung sein. Stricken zum Beispiel. Auch wenn dabei etwas „gemacht“ wird, dient eine solche Beschäftigung der Beruhigung. Langeweile führt zu Kreativität. Das sehen die Eltern von Kindern jede Sommerferien. Ebenso ist es nichts Neues, dass vielen Künstler, Wissenschaftlern oder Unternehmern die spannendsten und erfolgreichsten Ideen unter der Dusche kommen. Der Grund ist einfach: Im Ruhezustand schaltet das Hirn nicht komplett ab. Auch wenn wir vermeintlich gar nichts tun, verarbeitet das Gehirn die Informationen und kann dank der noch vorhandenen Rechenleistungen Probleme angehen, so Veenhoven.

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Deshalb ist Niksen sinnvoll

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in denen wir stets erreichbar sein wollen oder sein müssen. Entspannung und Abschalten haben dabei oft keinen Platz mehr im Leben. Kein Wunder also, dass psychische Erkrankungen, Burnout-Fälle und stressbedingte Erkrankungen wie Migräne immer mehr zunehmen. Ein stressiger Beruf, ein stressiger Alltag, die ständige Berieselung von Medien und der Druck, immer und überall schnell erreichbar zu sein, machen unserem Geist und dem Körper zu schaffen. Unser Gehirn ist dabei täglich vielen Eindrücken ausgesetzt. Kommt es zwischendrin nicht zur Ruhe, kann es die Erlebnisse nicht richtig verarbeiten. Unser Gehirn leistet vom frühen Morgen, bis zum späten Abend und auch während des Schlafs Hochleistungen. Schon ein paar Minuten bewusste Ruhe oder Entspannungsübungen geben unserem Hochleistungsorgan die Chance, sich zu erholen und mit neuer Energie an die nächsten Herausforderungen zu gehen.

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