Was ist eine genderneutrale Erziehung? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist eine genderneutrale Erziehung, Bedeutung, Definition, Erklärung


Genderneutrale Erziehung wird auch als geschlechtsneutrale Erziehung bezeichnet. Bei dieser Erziehungsform werden Kinder ohne geschlechterbezogene Vorurteile und Klischees erzogen. Hintergrund der Methode ist, dass Kinder bereits im frühen Alter mit geschlechterbezogenen Rollen konfrontiert werden. Ziel der genderneutralen Erziehung ist die Kinder ohne geschlechterbezogene Vorurteile aufwachsen zu lassen, sodass sie so früh wie möglich eigenständig und geschlechtsunabhängig ihre Talente und Vorlieben erkunden können.

Was ist eine genderneutrale Erziehung? Bedeutung, Definition, Erklärung

Im Gegensatz zu dem biologischen Geschlecht wird mit dem Wort „Gender“ das soziale Geschlecht gemeint, was in der Regel durch gesellschaftliche Normen anerzogen wird. Begründet wird diese Unterscheidung mit dem Wissen, dass Kinder sich gerade nicht nur aufgrund des biologischen Geschlechts unterschiedlich entwickeln, sondern ihre Vorlieben und Fähigkeiten stark von der Erziehung abhängen. Die gesellschaftlichen Vorstellungen und Normen tragen seit jeher dazu bei, dass über die Talente und Interessen geschlechterbezogene Vorurteile herrschen.

Eltern behandeln ihre Kinder abhängig von dem biologischen Geschlecht häufig unbewusst unterschiedlich, weil sich diese Vorstellungen verfestigt haben. Dazu gehören Einrichtungen in unterschiedlichen Farben und geschlechtsabhängige Spielzeuge, die oft noch vor Geburt ausgesucht werden, ohne dass die wirklichen Vorlieben und Interessen der Kinder darauf Einfluss haben könnten.

Derartige Rollenbilder schränken die Entwicklung von Kindern in unterschiedlichen Richtungen ein. Dazu gehören Verbote und Förderungen bestimmter Vorlieben und Talente, die sich nur auf ein Geschlecht beziehen. Bekannte Beispiele sind etwa die frühen Förderungen von sportlichen Aktivitäten bei Jungen und das Einkaufen von pinken Kleidern und Haarspangen für Mädchen, unabhängig davon, ob dies der Natur des Kindes tatsächlich entspricht. Durch diese Erziehungsmethoden werden die Vorlieben und Interessen der Kinder geprägt, sodass sie in der Ausbildung ihres sozialen Geschlechts nicht frei sind.

Erziehungsmethoden neutral halten: Genderneutral bzw. geschlechtsneutral

Kernpunkt der genderneutralen Erziehung ist die Neutralität, die sich in allen Bereichen der Erziehung widerspiegelt. Das beginnt schon mit der Einrichtung des Kinderzimmers. Klassischer Weise richten immer noch viele Eltern das Kinderzimmer in blau ein, wenn sie einen Jungen erwarten und in pink, wenn sie ein Mädchen erwarten. Der genderneutralen Erziehung nach sollen Einrichtungsgegenstände und Spielsachen nicht nach einer stereotypen Farbe ausgesucht werden. Viele Eltern, die dieser Erziehungsmethode nachkommen wollen, entscheiden sich deshalb auch dafür, das Geschlecht des Kindes nicht vor Geburt zu erfahren. So soll vermieden werden, dass aufgrund von im Unterbewusstsein festgesetzter Stereotypen doch eine genderbezogene Farbe ausgesucht wird. Das Farbkonzept zieht sich durch die gesamte Erziehung hindurch. In späteren Jahren werden häufig natürliche Farben und bunt durchmischte Farben besorgt, sodass die Kinder ihre eigenen Vorlieben entwickeln können, bis sie alt genug sind, selber zu entscheiden.

Genderneutrale Erziehung bedeutet außerdem, dass die gleichen Methoden für Jungen und Mädchen angewendet werden und gleiche Ge- und Verbote gelten. So sollen verschiedene Aktivitäten ausprobiert werden und den Kindern früh die Möglichkeit gegeben werden, verschiedene Interessen zu entdecken. Die Interessen die aus eigener Neigung sichtbar werden, sollen gefördert werden, unabhängig davon, ob sie zu dem Rollenbild des Geschlechtes passen oder nicht.

Schließlich stellt auch die Vorbildfunktion der Eltern eine wichtige Rolle bei der genderneutralen Erziehung dar. Väter und Mütter versuchen durch das eigene Vorleben zu zeigen, dass es keine Aufgaben gibt, die typischerweise nur von einem Elternteil erledigt werden können. Auf die Art sollen Kinder beispielsweise lernen, dass auch Väter entgegen dem klassischen Rollenbild zuhause bleiben können, während Mütter zur Arbeit gehen oder dass Mütter handwerklich geschickt sein können, während Väter vorlesen. Die durch die Gesellschaft aufgezwungenen Rollenbilder sollen durchbrochen und eine freie Persönlichkeitsentfaltung der Kinder gefördert werden.

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