Was ist ein Altweibersommer? Wann ist er? Bedeutung, Wortherkunft und Definition erklärt

Als „Altweibersommer“ wird eine Periode von mehreren warmen und trockenen Tagen von ca. Mitte September bis Anfang Oktober bezeichnet. Der „Altweibersommer“ ist möglich, da ein Hochdruckgebiet über Osteuropa warme Luft nach Mitteleuropa bringt. Der Altweibersommer erinnert durch seine Wärme an den Sommer und wird oft als Abschied vom Sommer gesehen. Außerdem ist er dadurch gekennzeichnet, dass viele Spinnweben durch die Luft fliegen. Diese Spinnweben nutzen kleine fliegende Spinne, um zureisen.

Altweibersommer: Warum fliegen Spinnweben herum?

Kleine fliegende Spinnen wie die Baldachinspinne oder die Zwergspinne nutzen die zarten Fäden, um zu reisen und einen guten Platz für ein Netz zu finden. Dafür kletten sie auf einen hochgelegenen Punkt, lassen einen Spinnfaden austreten und wenn der richtige Wind kommt, lassen sie sich von ihm forttragen. Da die Spinnen sehr leicht sind und durch das warme Wetter die Luft aufsteigt, fliegen sie sehr hoch und weit. Die Richtung können die Spinnen nicht bestimmen.

Diese Spinnweben werden am Morgen besonders gut durch den Tau sichtbar, der sich an ihnen abgesetzt hat. Die Fäden werden auch Flugfaden im Singular und Flugfäden im Plural genannt.

Wortherkunft: Woher kommt der Ausdruck „Altweibersommer“?

„Altweibersommer“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „Alt“ und „Weibersommer“. Fangen wir mit dem „Alt“ an. Der Ausdruck „Altweibersommer“ stammt ungefähr vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals wurde das Jahr nur in Winter und Sommer eingeteilt. Die wärmeren Zeiten dazwischen hießen: Weibersommer. Warme Perioden im Frühling hießen „Junger Weibersommer“ bzw. „Jungweibersommer“. Warme Perioden im Herbst hießen „Alter Weibersommer“ bzw. „Altweibersommer“.

Das Wort „Weibersommer“ geht auf das alte deutsche Verb „weiben“ zurück. Es ist ein alter Ausdruck für das Knüpfen von Spinnweben. Er ähnelt dem Verb „weben“.

Altweibersommer und alte Frauen / Weiber

Im Volksmund erzählte man sich, dass die silbrig glänzenden Spinnweben die Haare alter Frauen seien, welche diese beim Kämen verloren hatten. In einer anderen Erzählung erinnern die Spinnfäden an das Garn, welches früher an Spinnrädern gesponnen wurde. Dies wurde meist von älteren Frauen – welche auch Weiber genannt werden – gesponnen. Dies führte auch zu einer weiteren Bedeutung: Der Altweibersommer steht für die zweite Jugend bei Frauen. Sie erblühen hier kurzzeitig, bevor der Winter beginnt.

In der germanischen Mythologie stammen die Spinnfäden von den Schicksalsgöttinnen und repräsentieren die Lebensfäden der Menschen. Diese Fäden verbinden Leib und Seele. Die Schicksalgöttinen waren alte Frauen, die aus den Fäden ein Schleppkleid webten. Weitere Bezeichnungen für die Schicksalgöttinen sind: Nornen, Metten, Moiren, Parzen. Man sagte sich damals, dass es Glück bringt, wenn die Spinnfänden hängen bleiben.

Im Christentum haben die Spinnweben ihre eigene (andere) Bedeutung: Sie sind Silberfäden, die aus Marias Mantel stammen. Diesen trug sie bei ihrer Himmelfahrt. Dieser Glaube führte dazu, dass die Fäden auch „Marienfäden“, „Mariengarn“, „Marienhaar“ und „Marienseide“ genannt wurden. (Diese Bezeichnungen sind in Süddeutschland stark verbreitet.)

Synonyme für den Altweibersommer sind:

  • Fadensommer (wegen den Spinnfäden)
  • Flugsommer
  • Frauensommer
  • Mariensommer (in Anlehnung daran, dass die Fäden aus dem Mantel Marias stammen sollen.)
  • Nachsommer
  • Witwensommer

Altweibersommer: Meteorologisch betrachtet

Der Altweibersommer ist eine meteorologische Singularität und wird auch „Witterungsregelfall“ genannt. Damit ist gemeint, dass das Wetter des Altweibersommers von den normalen Mittelwerten abweicht und dass er mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auftritt. Meteorologen gehen davon, dass ein Altweiber in 5 von 6 Jahren auftritt und sprechen von einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent.

Der Altweibersommer ist gekennzeichnet durch eine stabile, warme und trockene Wetterlage in Mitteleuropa. Dies ist möglich durch ein Hochdruckgebiet. Es führt dazu, dass tagsüber die Temperaturen über 20 Grad Celsius steigen können. Außerdem gibt es laue und warme Winde.

Typisch für den Altweibersommer sind morgendliche Nebelfelder über Flüssen und angrenzenden Gebieten. Diese verschwinden, wenn die Sonne stark genug strahlt. Nachts kühlt es sich stark ab und das Laub verfärbt sich auffallend.

Bleibt es auch im Oktober (bis Ende Oktober) lange warm, so wird davon gesprochen, dass es einen Goldenen Oktober gibt.

Was ist der Goldene Oktober?

Ein Goldener Oktober ist geprägt durch viel Sonne und warme Temperaturen. Diese werden durch Hochdruckwetterlagen verursacht. Doch nicht nur das. In einem goldenen Oktober zeigt sich der Herbst von seiner schönsten Seite: Das Laub ist bunt eingefärbt und leutet gelb, rot und gelb-rötlich.

Der Goldene Oktober ist der allerletzte Abschied vom Sommer. Denn jetzt kann es schon Bodenfrost geben und die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht werden immer größer.

Altweibersommer in anderen Sprachen und Regionen:

In den USA spricht man vom Indian Summer. In Québec spricht man vom „été indien“. Auf deutsch bedeuten beide Begriffe „Indianersommer“. Der Indian Summer ist für die Laubfärbung bekannt und berühmt.

In Schweden heißt der Altweibersommer Brittsommar (Birgitta-Sommer).

In Frankreich spricht man von „été indien“, andere Bezeichnungen sind: „été de la Saint-Martin“, “ été de la Saint-Géraud“ oder „été de la Saint-Denis“. Die Spinnfäden werden hier „Filis de la Vierge“ genannt. „Filis de la Vierge“ heißt auf deutsch: Fäden der Jungfrau Maria.

In Russland heißt er: „babje leto“.

In Finnland heißt der Altweibersommer: „Ruska-Aika“, was auf deutsch „Zeit der Braunfärbung“ bedeutet. Hier geht es insbesondere, um die Farbenpracht der Natur, welche nach dem Sommer und im Übergang zm Winter auftritt.

In der Türkei spricht man von „pastırma yazı“ – auf deutsch: „Pastırma-Sommer“. „Pastırma“ ist getrocknetes Rindfleisch, welches im späten Sommer traditionell bereitet wird.

In Japan heißt der Altweibersommer „koharu“, was auf deutsch „kleiner Frühling“ heißt.

In der Schweiz spricht man vom „Witwensommer“ oder „Witwensömmerli“.

Weiteres zum Altweibersommer:

Eine 77-jährige Darmstädterin empfand den Ausdruck „Altweibersommer“ als diskriminierend und zog 1989 vor Gericht. Sie klagte dafür, dass der Altweibersommer einen anderen Namen tragen solle, da der Name sie wegen ihrem Alter und auch wegen ihres Geschlechtes diskriminiere. Das Landgericht Darmstadt wies die Klage zurück und sah die Persönlichkeitsrechte der Frau oder von anderen älteren Frauen nicht verletzt.

Ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2000 hieß „Altweibersommer“.

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