Was bedeutet „gaucken“?

Das Verb „gaucken“ hat zwei Bedeutungen:

  • Überprüfen, ob jemand für die Stasi gearbeitet hat.
  • Jemanden wegen seiner Arbeit für die Stasi aus dem Amt entheben.

Das Verb „gaucken“ entstand in der Zeit, als der Pfarrer Joachim Gauck als erster die Behörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik leitete. Da der Name sehr umständlich war, wurde der Einfachheit halber „Gauck-Behörde“ gesagt.

Die „Gauck-Behörde“ gab Arbeitgebern darüber Auskunft, ob ihre Mitarbeiter für den Staatssicherheitsdienst der DDR gearbeitet haben. Wenn sich herausstellte, dass jemand ehemaliger Mitarbeiter der Stasi ist, so durfte die Person keine Anstellung im öffentlichen Dienst erhalten.
Über Personen bei denen sich herausstellte, dass sie bei der oder für die Stasi gearbeitet hatten, wurde gesagt, dass sie „gegauckt“ wurden. Man fragte sich auch „Wurdest du gegauckt?“

Gauckt der Bundespräsident?

Am 18. März 2012 wurde Joachim Gauck zum elften Bundespräsidenten der BRD gewählt. Das Verb „gaucken“ erhielt hier eine neue Bedeutung, mit Kritik an seiner Tätigkeit ausgeübt wurde. Je nachdem, wer Gauck kritisierte, wurde „gaucken“ als folgendes verstanden:

  • beschwichtigen, verschaukeln, schwafeln oder
  • unbequem sein, aufrichtig reden, ermutigen Verantwortung zuübenehmen

Super-Gauck

In Anlehnung und als Abwandlung des Ausdruck „Super-GAU“ wurde der Ausdruck „Super-Gauck“ geschaffen. Obwohl der Begriff nach Kritik an der Kandidatur und/oder Arbeit des Bundespräsidenten Joachim Gauck klingt, wurde er teils auch positiv besetzt verwendet. Als „Super-Gauck“ wurde unter anderem seine Arbeit gegen das Vergessen der Stasi-Vergangenheit und Ungerechtigkeiten in der DDR bezeichnet. Der Super-Gauck betraf jene, die sich ein Vergessen wünschten.

Gauken und Gauck-Behörde

Am 3. Oktober 1990 übernahm Joachim Gauck das Amt des Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die Stasi-Unterlagen. Als das Stasi-Unterlagen-Gesetz am 29. Dezember 1991 in Kraft trat, wurde er offiziell zum Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen. Er leitete die Behörde bis zum Jahr 2000. Ab Oktober 2000 übernahm Marianne Birthler und die Behörde wurde deswegen auch „Birthler-Behörde“ genannt. Sie leitete die Behörde bis Januar 2011. Am 28. Januar 2011 wurde Roland Jahn zum neuen Leiter der Behörde bestimmt. Im März 2011 trat er sein Amt an.

Weitere Bedeutung:

„Gauken“ ist ein norwegisches Verb, das sich vom norwegischen Substantiv „Gauk“ ableitet. „Gauk“ ist der Name des Kuckucks oder es bedeutet, dass jemand illegal Schnaps verkauft.

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