Warum sagt man „schwitzen wie ein Schwein“? Woher kommt die Redewendung? Herkunft, Erklärung, Bedeutung

Warum sagt man schwitzen wie ein Schwein, Woher kommt die Redewendung, Herkunft, Erklärung, Bedeutung


Zahlreiche Menschen kennen das Problem: Man ist an einem heißen Sommertag unterwegs und schon nach wenigen Minuten bilden sich im Bereich der Achselhöhlen unschöne Flecken auf dem T-Shirt. Bevor man auf diese peinliche, aber aus Sicht des menschlichen Körpers durchaus nützliche Nebenerscheinung angesprochen wird, wirft man lieber schnell selbst einen lockeren Spruch in die Runde. „Man, ich schwitze schon wieder wie ein Schwein“ ist hier oft zu hören. Doch schwitzen Schweine wirklich übermäßig stark? Oder hat dieser allseits bekannte Spruch vielleicht einen ganz anderen geschichtlichen Hintergrund?

Überraschender Fakt: Schweine können überhaupt nicht schwitzen

Wer den Spruch „Du schwitzt ja wie ein Schwein“ hört, könnte annehmen, dass Schweine stark schwitzen. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall, denn das niedliche Tier mit der Steckdosen-Nase schwitzt nahezu überhaupt nicht. Anders als Menschen können Schweine nicht über ihre Haut transpirieren – somit entsteht auch kein Schweiß an ihrem Körper. Ist es einem Schwein zu heiß, sucht sich dieses ein angenehm schattiges Plätzchen, um eine kleine Auszeit von der Hitze zu nehmen. Auch das Suhlen in Schlamm ist eine der liebsten Freizeitbeschäftigung von Schweinen an heißen Tagen – ein ähnliches Verhalten kennt man auch von Elefanten, die in sehr heißen Regionen der Erde leben. Doch warum werfen wir dann einem Menschen vor, dass er wie ein Schwein schwitzt, wenn dies eine Falschaussage ist?

Was das Schlachten von Schweinen mit „schwitzen wie ein Schwein“ zu tun hat

Wie die meisten deutschen Sprichwörter ist auch dieses tief in der Vergangenheit verwurzelt. Vor vielen Jahren galt das Schwein als das mit Abstand beliebteste Haustier, da es eine Vielzahl an Vorteilen mit sich brachte: Es war deutlich preiswerter in der Anschaffung als eine Kuh, im Vergleich zum Rind verbrauchte es aufgrund seiner Größe weniger Platz auf dem heimischen Hof und ganz nebenbei diente es auch noch als perfekter Fleischlieferant.

Natürlich gab es damals noch keine professionellen Schlachtanlagen, in denen Tiere geschlachtet und zu Fleisch oder Wurst verarbeitet wurden. Stattdessen griff der Bauer noch selbst zum Messer und erledigte diese (nicht gerade schöne) Aufgabe auf seinem eigenen Hof. Wie man sich gut vorstellen kann, war eine solche Schlachtung eine sehr blutige Angelegenheit, sodass sich schnell der Spruch „bluten wie ein Schwein“ etablierte.

Der Begriff „Schweiß“ stand ursprünglich mal für „Blut“

Doch was hat Blut mit Schweiß zu tun? Ein Blick in alte Geschichtsbücher zeigt, dass der Begriff „sveiti“ nicht nur für „Schweiß“, sondern auch für „Blut“ stand. Zudem gab es in einigen germanischen Sprachstufen ähnliche Formen für den Begriff „schwitzen“, der damals auch häufig mit quellendem Blut von Tieren in Verbindung gebracht wurde. Interessant ist diesbezüglich auch die Tatsache, dass das Wort Schweiß längst nicht nur in der Vergangenheit als andere Umschreibung für Blut verwendet wurde: Auch einige Jäger setzen diesen Begriff nach wie vor bei der Jagd ein. Statt von einer Blutfährte bei einem angeschossenen Tier sprechen sie beispielsweise von einer Schweißfährte – und auch der Begriff „Schweißhund“ ist hier nach wie vor stark verbreitet. Es dauerte einige Jahre, ehe der Begriff „bluten“ nach und nach durch das mittlerweile bekannte Wort „transpirieren“ ersetzt wurde – ein Begriff, der jedoch heutzutage vor allem von der Werbeindustrie verwendet wird.

Ein anderes Sprichwort, bei dem Blut und Schweiß sogar in Kombination auftreten ist „Ich schwitze Blut und Wasser“ – beispielsweise vor einer anstehenden Prüfung, die man auf gar keinen Fall vermasseln darf. Nur die wenigsten Verwender dieses Sprichworts werden sich fragen, wie man eigentlich Blut schwitzen kann – doch in Hinblick auf die Geschichte, die hinter „Ich schwitze wie ein Schwein“ steckt, dürfte auch diese Frage nun endlich beantwortet sein.

Bedeutung: „Schwitzen wie ein Schwein“

Der Hintergrund des Sprichworts „Ich schwitze wie ein Schwein“ ist sicherlich kein schöner, da viele Schweine für die Entstehung dieser Redewendung ihr Leben lassen mussten. Tatsächlich klingt „schwitzen wie ein Schwein“ aufgrund der beiden ähnlich klingenden Wörter „schwitzen“ und „Schwein“ jedoch deutlich runder als „schwitzen wie ein Pferd“, sodass es uns auch deutlich einfacher über die Lippen kommt. Verzichten würde der ein oder andere aber dennoch gern auf diesen Spruch, da er stets mit einer unschön aussehenden (und riechenden) Transpiration des Körpers verbunden ist.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

Hallo, ich bin Autor und Macher von BedeutungOnline. Bei BedeutungOnline dreht sich alles um Worte und Sprache. Denn wie wir sprechen und worüber wir sprechen, formt wie wir die Welt sehen und was uns wichtig ist. Das darzustellen, begeistert mich und deswegen schreibe ich für dich Beiträge über ausgewählte Worte, die in der deutschen Sprache gesprochen werden. Seit 2004 arbeite ich als Journalist. Ich habe Psychologie und Philosophie mit Schwerpunkt Sprache und Bedeutung studiert. Ich arbeite fast täglich an BedeutungOnline und erstelle laufend für dich neue Beiträge. Mehr über BedeutungOnline.de und mich erfährst du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert