Warum sagt man „Klar wie Kloßbrühe“? Woher kommt die Redewendung? Wortherkunft, Bedeutung, Erklärung

Warum sagt man Klar wie Kloßbrühe, Redewendung, Wortherkunft, Bedeutung, Erklärung


Redewendungen basieren oft auf alltäglichen Dingen und nehmen gern Bezug auf Essen und Lebensmittel. Suppen und Brühen sind seit langer Zeit eine Basis der Ernährung und jeder kennt die flüssige Mahlzeit zum Löffeln. Klar wie Kloßbrühe ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, der ein Bild im Kopf erzeugt und damit die Kernaussage verdeutlicht. Ein Thema, das eindeutig und verständlich ist, kann mit dem Ausdruck „klar“ bezeichnet werde. Zur Verdeutlichung, wie einfach und durchsichtig ein Thema ist, kann der Zusatz „wie Kloßbrühe“ verwendet werden.

Von der Klostersuppe zur Kloßbrühe

Sprache ist ein stetiger Fluss und verändert sich laufend. Der heute verwendete Ausdruck Kloßbrühe geht zurück auf das Wort Klostersuppe. Mönche und Nonnen haben oft autark hinter Klostermauern gelebt. Viele verstanden sich in der Kunst der Kräuterkunde und der Zubereitung von Speisen. Die Ernährung im Kloster folgte verschiedenen Richtlinien. Sie durfte nicht der Völlerei dienen und durfte Körper und Geist nicht belasten. In den Fastenmonaten galten noch strengere Regeln. In diesen Phasen wurde die sogenannte Klostersuppe serviert. Eine klare und sehr dünne Brühe, die den Blick bis zum Boden des Tellers durchließ. Die gefüllten Schalen ließen keine Frage offen, denn Suppen wurden ohne Einlagen serviert.

„Klar wie Kloßbrühe“: Bedeutung, Erklärung, Herkunft

Der Begriff „Klar“ hat viele Bedeutungen. Es steht für eindeutig ebenso wie für durchsichtig oder Startbereit. Die Verwendung des Wortes begann wahrscheinlich im 12. Jahrhundert. Es könnte vom lateinischen „clarus“, dem Ausdruck für „hell“ abgeleitet sein. Im französischen Sprachraum verfestigte sich der Ausdruck „clair“ und in den Niederlanden das Wort „claer“.

Umgangssprachlich hat sich „klar“ als Bestätigung dafür gefestigt, dass etwas verstanden wurde. Ein komplizierter Vorgang, der das Gehirn in Nebel hüllt, wird deutlich, wenn sich der Nebel lichtet. Der Blick und der Verstand werden klar. „Klar wie Kloßbrühe“ bekräftigt und unterstützt die Aussage: „Ja, ich habe es verstanden.“

Die feine Ironie in der Redewendung „Klar wie Kloßbrühe“

Eine Redewendung greift oft gesellschaftliche Besonderheiten auf. Es gibt Sprachforscher, die in der Verwendung von „klar wie Kloßbrühe“ Scherzhaftigkeit und Ironie erkennen. Sie beziehen sich dabei auf den Vorgang, dass beim Kochen von Klößen in einer Brühe das Wasser getrübt ist. Nach dem Kochen hat die Brühe einen milchigen Charakter angenommen und das unabhängig davon, ob Fleisch- oder Kartoffelklößchen gekocht wurden. Die Verbindung von Klarheit und Kloßbrühe ist nicht vorhanden und der Ausdruck verliert dadurch an Ernsthaftigkeit. Ähnlich verhält es sich, wenn Personen von Klarheit sprechen, die eine längere Zeit zum Lernen und Verstehen benötigen. Mit der Verwendung der Redewendung wird unterschwellig zum Ausdruck gebracht, dass ein Thema sehr trivial ist. Diese Theorie ist nach der Entwicklung von der Klostersuppe zur Kloßbrühe entstanden.
Klar wie Kloßbrühe kann demzufolge verschiedenen Aussagen haben. Bei der Verwendung sind die feinen Nuancen zu beachten, die die Bedeutung verändern.

Klar wie Würstchenwasser

Im europäischen Ausland gibt es unterschiedliche Interpretationen von klaren Flüssigkeiten. Häufig bezieht sich Klarheit auf Brühe. Es gibt wenig vergleichbare Substanzen, die eine derart starke Transparenz aufweisen wie eine Suppenbrühe. Für viele Schweden verbirgt sich hinter der Redewendung jedoch das Wasser vom Würstchen erwärmen. Pippi Langstrumpf sah alles klar wie Kokosnuss, womit sie vielleicht das Wasser meinte. Für Italiener ist Klarheit hell wie Sonnenschein, Niederländer finden die Eindeutigkeit im Kandis und im englischen Sprachgebrauch ist etwas so verständlich wie ein Ei ein Ei ist.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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