Warum ist Toilettenpapier so wichtig? Warum kaufen / hamstern alle Klopapier? Psychologie, Erklärungsversuch

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Es ist Krise und die Deutschen hamstern. Sie kaufen Toilettenpapier und Nudeln in rauen Mengen. Bei Nudeln sind Hamsterkäufe verständlich. Sie sind lange lagerbar und schmecken gut. Für Nudelsoße im Glas gilt das gleiche. Aber warum kaufen so viele übermäßig viel Toilettenpapier? Verbrauchen sie so viel?

In diesem Beitrag erfährst du erst den statistischen Toilettenpapier-Verbrauch der Deutschen. Danach wird die Psychologie und das Verhältnis der Deutschen zum Toilettengang und Klopapier erklärt.

Toilettenpapier- / Klopapier-Verbrauch pro Jahr, Monat, Tag in Deutschland

Rechtfertigt der Verbrauch, dass Toilettenpapier in rauen Mengen eingekauft, gehamstert und gehortet wird? Da stellt sich eine Frage: Wie viel Klopapierrollen verbrauchen die Deutschen im Jahr?

Laut Statista verbraucht ein Deutscher pro Jahr 134 Rollen Toilettenpapier. Nur die US-Amerikaner verbrauchen mit 141 Klopapierrollen mehr. Spanier verbrauchen 81 Rollen im Jahr. Franzosen 71 Rollen. Italiener 70 Rollen. Chinesen sogar nur 49 Rollen.

Für den Verbrauch der Spanier, Italiener und Franzosen gibt es eine Erklärung: In diesen Ländern sind Bidets verbreitet, die zur Reinigung verwendet werden. Das senkt natürlich den Toilettenpapierverbrauch. In Deutschland sind Bidets kaum verbreitet.

Klopapier-Verbrauch der Deutschen pro Woche 2,6 Rollen / pro Monat 11,2 Rollen

134 Klopapierrollen durch zwölf Monate ergibt 11,2 WC-Rollen im Monat. Der Wochenverbrauch (134/52) ergibt damit 2,6 Rollen pro Woche.

2,6 Rollen verbrauchen die wenigsten nur für Toilettengänge in der Woche. Dies lässt einen Schluß zu: Deutsche verwenden Toilettenpapier auch für andere Dinge wie z.B. Nase putzen, etwas wegwischen oder aufwischen. Auch an Karneval oder Halloween wird Toilettenpapier zweckentfremdet: Nämlich für Klopapier-Mumien.

Toilettenpapier-Mathematik

Rechtfertigt dies Toilettenpapier zu horten? Rechnen wir die Zahlen hoch.

Dauert die Coronakrise 8 Wochen so verbraucht eine Person in Deutschland im Durchschnitt 20,8 Rollen. Ein Zwei-Personen-Haushalt verbraucht demnach 41,6 Rollen. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht 83,2 Rollen Klopapier.

Dauert die Coronakrise 12 Wochen (3 Monate) so verbraucht eine Person in Deutschland 31,2 Rollen. Ein Zwei-Personen-Haushalt verbraucht demnach 62,4 Rollen. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht 124,8 Rollen Klopapier.

Dauert die Coronakrise 16 Wochen (4 Monate!) so verbraucht eine Person in Deutschland 41,6 Rollen. Ein Zwei-Personen-Haushalt verbraucht demnach 83,2 Rollen. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht 166,4 Rollen Klopapier.

In einer Toilettenpapierpackung sind im Normalfall 10 oder 20 Rollen enthalten. Mit 10 Rollen kommt eine Person in Deutschand rund 4 Wochen aus. (10/2,6 = 3,8). Mit 20 Rollen kommt eine Person in Deutschland rechnerisch rund 8 Wochen aus. (20/2,6 = 7,7)

Schlußfolgerung: Die Zahlen rechtfertigen Toilettenpapier-Hamsterkäufe. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht in 8 Wochen 83,2 Klopapierrollen, dass sind acht 10er Pakete oder vier 20er Pakete.

Doch hinter den Toilettenpapier-Hamsterkäufen steckt vermutlich kein Kalkül, sich den Weg in den Supermarkt zu sparen, sondern in den Köpfen der Deutschen passiert etwas anderes! Die Frage, warum den Deutschen das WC-Papier so wichtig, wurde noch nicht beantwortet!

Übrigens: Auf die Lebenserwartung von 80,64 Jahren in Deutschland hoch gerechnet, verbraucht ein Deutscher 10.805,76 Klopapierrollen in seinem ganzen Leben!

Toilettenpapier und Psychologie: Warum ist Klopapier so wichtig?

Die Coronakrise ist etwas Neues und Unbekanntes. Mit ihr umzugehen, muss erst gelernt werden. Viele reagieren mit Angst und fragen sich, ob die Lebensmittelversorgung stabil bleibt. Die Menschen wissen nicht, was noch kommt. Jene, die die Stabilität der Lebensmittelversorgung anzweifeln, reagieren mit Hamsterkäufen.

Toilettenpapier als Symbol für Sicherheit: Herdenverhalten, Kontrollverlust und Medien

In der Krise zeigt sich das Herdenverhalten und die Angst zu wenig abzukommen. Die Medien befeuern diese Angst, in dem sie darüber berichten, dass viel Toilettenpapier gekauft wird und dies in einigen Läden ausverkauft ist. Wer das hört, kann mit Nervosität reagieren. Wer jetzt nicht reagiert, der kriegt nichts mehr ab. (Es ist quasi ein Werther-Effekt für Klopapier.)

Hamsterkäufe sind aber auch ein Versuch, die Kontrolle zurückzugewinnen. Denn wer sich selbst versorgen kann, ist nicht auf die Versorgung durch andere angewiesen. Toilettenpapier wird damit in der Krise zum Symbol für Sicherheit.

Die Deutschen gelten als Sauberkeits-, Hygiene- und Reinlichkeitsliebendes Volk. Warum ist das so?

Toilettenpapier sorgt dafür, dass wir den Hintern oder Ausscheidungen nach dem Toilettengang nicht direkt berühren müssen. Es ist ein quasi wie ein Schutzschild vor Schmutz und verhindert, dass Kot direkt berührt wird. Jedoch ist es ein schlechtes Schutzschild, vielmehr dient es zur Beruhigung des Geistes und schützt vor Scham und Ekel. Damit ist Toilettenpapier der Schutz der Zivilisation und zeigt die Grenze zum Tier auf. Toilettenpapier schafft Abstand. (Wenn auch nur Milimeter.) Ergo: Menschen (Deutsche) berühren ihre Ausscheidungen nicht direkt mit der bloßen Hand.

Die Farbe weiß steht für Reinheit und Sauberkeit. Genau dies soll mit Toilettenpapier erzielt werden. Deswegen ist Toilettenpapier weiß.

Toilettenpapier ist damit ein Sinnbild für Sicherheit und Sauberkeit. Es bewahrt vor Scham und Ekel.

Kulturgeschichte des Toilettenpapiers und Klopapiers

In der Geschichte der Deutschen bildete sich nie heraus, dass zwischen einer Hand für die Körperreinigung und einer Hand für Nahrungsaufnahme oder Berührungen (Hände schütteln) unterschieden wurde. In Asien und dem Nahen Osten gibt es jedoch diese Unterscheidung. Die linke Hand ist zum Reinigen des Körpers da. Die rechte Hand für Berührungen. (Daher empfinden es einige Menschen aus Asien oder dem Nahen Osten als unhöflich, wenn ihnen jemand die linke Hand zur Begrüßung reicht. Denn diese Hand ist der Körperreinigung und auch dem Toilettengang vorbehalten.)

Auch verbreiteten sich Bidets nie wirklich in Deutschland. Während diese in südeuropäischen Staaten sehr beliebt sind. Das erklärt, warum Spanier, Italiener und Franzosen weniger Toilettenpapier verbrauchen.

Die Deutschen verwendeten im Lauf der Geschichte unterschiedliche Dinge zum Abwischen des Hinterns: Moos, Heu, Lumpen, Schwämme, Lappen, Stoffreste, Wolle, Altpapier und sogar Stroh. Erst als die industrielle Papierproduktion entstand, verbreitete sich Toilettenpapier. Eine zweite Entwicklung sorgte für die Verbreitung des Toilettenpapiers, denn während der industriellen Revolution verbreiteten sich wasserbetriebene Toiletten. Diese sind heute normal, lösten damals aber Latrinen und Donnerbalken ab. Die Wasserklosetts brauchten spezielles Toilettenpapier, damit die Abwasserleitungen nicht verstopften.

Toilettenpapier: Reaktionen aus dem Netz

Im Internet und in den sozialen Medien sammeln sich unzählige über das Verhältnis der Deutschen zum Toilettenpapier. Sie spielen alle darauf an, dass das Toilettenpapier zum Statussymbol und quasi Zahlungsmittel aufsteigt. (Siehe: Coronawitze)

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