Kann man einen Sturm-Namen kaufen? Wie? Anleitung, Erklärung

Kann man einen Sturm-Namen kaufen, Anleitung, Erklärung


Den Namen eines direkten Sturms kann man sich nicht kaufen, aber den eines Hoch- oder Tiefdruckgebietes. Aus Letzterem kann sich dann ein veritabler Sturm entwickeln. Die Namen vergibt in Deutschland die Freie Universität Berlin auf ihrer Seite für Wetterpaten.

Das Wichtigste zur Wetterpatenschaft in Kürze

  • Die Wetterpatenschaften sind – obgleich gar nicht mal billig – sehr begehrt.
  • Sie werden irgendwann meistens im September für das kommende Jahr vergeben. Den Termin gibt die Freie Universität schon Monate im Voraus bekannt. So wird mit Stand Februar 2022 der 7. September 2022 als Termin für den Antrag auf eine Wetterpatenschaft für das Jahr 2023 genannt.
  • Zum Termin muss der Antrag auf eine Wetterpatenschaft (lässt sich auf der Webseite der Freie Universität Berlin ausdrucken) ab 00.00 h an die Freie Universität unter +49 030 7919002 gefaxt werden. Interessenten sehen unter den Kontaktangaben der Freien Universität auch eine Mailadresse, doch unter dieser nimmt die Freie Universität keine Anträge auf Wetterpatenschaft entgegen. Es bleibt dabei: Das Fax ist mit Stand 2022 Pflicht.
  • Da pro Buchstaben des Alphabets nur etwa fünf Tief- und zwei Hochdruckgebiete benannt werden können (bei rund 130 Tief- und rund 50 Hochdruckgebieten pro Jahr), sind die Namen blitzschnell vergeben. Das bedeutet: Wer nicht sein Fax pünktlich um 00.00 h am Stichtag an die Freie Universität gesendet hat, hat keine Chance. Die Faxnummer ist aber um 00.00 h ständig besetzt. Doch ohne Hartnäckigkeit funktioniert es leider nicht, wie ein mehrjähriger Selbstversuch ergeben hat.

Warum sind die Wetterpatenschaften so begehrt?

Sie sind zum Beispiel ein sehr begehrtes Geburtstagsgeschenk für Menschen etwa ab 60, die ihr Leben lang immer mit dem Wetter befasst waren. Die Freie Universität schickt dann eine Urkunde, das Ganze ist schon sehr witzig. Der Mensch, dem das betreffende Wetter gewidmet ist, schwillt an vor Stolz, selbst wenn der nach ihm benannte Sturm gerade das Land verwüstet. Immerhin wird sein Name tagelang in den Nachrichten genannt. Dass diese Person der Wetterpate / die Wetterpatin ist, können Freunde und Verwandte auf der Webseite der Freie Universität Berlin nachlesen. Dort werden die Wetterpaten mit ihren vollen Namen (und auf Wunsch Wohnorten) genannt. Übrigens erhalten die Tief- und Hochdruckgebiete im Jahrestakt abwechselnd weibliche oder männliche Vornamen.

Wie kam die Freie Universität Berlin auf die Idee mit den Wetterpatenschaften?

Die Freie Universität Berlin betreibt eine Wettermessstation, die von Studierenden ehrenamtlich bzw. im Rahmen ihres Studiums betreut wird. Das ist aufwendig, auch die Technik kostet Geld. Daher kam man um das Jahr 2000 herum an der Freie Universität auf die Idee, diese Kosten über Wetterpatenschaften zu finanzieren – mit durchschlagendem Erfolg. Seit 2002 haben nun Privatpersonen die Möglichkeit, ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet zu taufen. Die Tradition solcher Namen ist älter: Meteorologen gehen in Deutschland schon seit 1955 so vor.

Was ist begehrter: Hoch- oder Tiefdruckgebiete?

Hochdruckgebiete klingen freundlicher, bringen meistens viel schöneres Wetter mit und sind daher etwas begehrter. Seltener sind sie auch noch (siehe oben). Doch wir raten: Nehmen Sie, was Sie kriegen können. Niemand ist Ihnen persönlich böse, wenn der Sturm mit Ihrem Namen über das Land zieht.

Außergewöhnliche Namen für das Wetter

Vor wenigen Jahren hieß ein Tiefdruckgebiet „Ailton“ nach dem ehemaligen Fußballprofi Aílton Gonçalves da Silva (in den frühen 2000er-Jahren Stürmer bei Werder Bremen). Beantragt wurde der Name vom 11-Freunde-Redakteur Tobias Ahrens, der fand, dass der Name eines Sturmtiefs ausgezeichnet zum Stürmer Ailton passt. In Oldenburg gibt es einen Verein „Oldenburgia“, der es schon mehrfach geschafft hat, eine Wetterpatenschaft zu übernehmen. Im Jahr 2005 verlieh er einem Hochdruckgebiet seinen Namen, das knapp fünf Wochen lang großen Teilen Europas zwischen Madrid und Moskau schönes Wetter bescherte. Ansonsten soll es sich nach dem Statut für die Wetterpatenschaften um persönliche Namen in ihrer originalen Schreibweise, aber beispielsweise keinesfalls um Firmen- oder Markennamen handeln. Es ist also ausgeschlossen, mit einer Wetterpatenschaft Werbung zu betreiben.

Kosten einer Wetterpatenschaft

Mit Stand 2022 kostet

  • ein Hoch 360 Euro und
  • ein Tief 240 Euro.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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