Dunning-Kruger-Effekt: Was ist das? Bedeutung, Definition, Beispiele

Dunning-Kruger-Effekt Bedeutung und Definition

Als „Dunning-Kruger-Effekt“ wird der Umstand bezeichnet, dass weniger kompetente oder weniger wissende Menschen ihre Fähigkeiten oder ihr Wissen in einem bestimmten Bereich überschätzen, während sie annehmen, dass andere im gleichen Bereich weniger Wissen, weniger kompetent sind oder geringere Fähigkeiten haben.

Als Dunning-Kruger-Effekt wird die Neigung zu dieser falschen Selbsteinschätzung bezeichnet. Psychologen sprechen hier von kognitiver Verzerrung.

Dunning-Kruger-Effekt in Kurzform: Weniger kompetente Menschen überschätzen ihr Wissen oder ihre Fähigkeiten. Sie halten sich für schlau, sind es aber nicht.

Menschen, die am Dunning-Kruger-Effekt leiden, werden in der deutschen Sprache auch „Besserwisser“ genannt. Es würde über sie gesagt werden, dass sie nicht die hellste Kerze auf der Torte sind.

Der Dunning-Kruger-Effekt hat mehrere Ausprägungen:

  • Weniger kompetente Menschen überschätzen ihre Fähigkeiten oder ihr Wissen in einem bestimmten Bereich.
  • Weniger kompetente Menschen können nicht erkennen, dass andere mehr wissen oder kompetenter sind.
  • Weniger kompetente Menschen wissen nichts von ihrer Inkompetenz und von ihren Wissenslücken.
  • Weil weniger kompetente Menschen ihre Inkompetenz nicht erkennen können, können sie ihre Kompetenzen oder ihr Wissen nicht steigern.

Herkunft & Geschichte: Wie der Dunning-Kruger-Effekt entstand

Im Jahr 1999 haben der Sozialpsychologe David Dunning und die Psychologin Justin Kruger ein Paper veröffentlicht in dem sie das erste mal vom „Dunning-Kruger-Effekt“ sprachen. Das Paper heißt: „Unskilled and Unaware of it“. Du findest es hier als PDF.

Grundlage ihrer Veröffentlichung waren vorangegangene Studien, bei denen Dunning und Kruger bemerkten, dass das Selbstvertrauen ihrer Teilnehmer größer war je weniger sie wußten. Um dies herauszufinden, baten sie ihre Teilnehmer ihre eigenen Fähigkeiten und ihr Wissen in verschiedenen Bereichen einzuschätzen. (Dies waren Bereiche wie logisches Denken, Textverständnis oder strategisches Denken.) Dann nahmen die Teilnehmer an mehreren Experimenten und Tests teil, um so ihre Fähigkeiten und ihr Wissen unter Beweis zustellen. Diese Tests beinhalteten Aufgaben, wie das Verstehen von Texten oder Logik-Aufgaben.

Als Dunning und Kruger die Selbsteinschätzung mit den Ergebnissen der Tests verglichen, fiel es ihnen auf: Wer glaubte besonders viel zu wissen, schnitt schlechter ab, als andere die glaubten weniger zu wissen. Einige Menschen, die besonders gut abschnitten, neigten sogar dazu sich in der Selbsteinschätzung zu unterschätzen.

Dunning und Kruger stellen also fest: Weniger kompetente Menschen glaubten über sich selbst, dass sie über mehr Wissen und Fähigkeiten als andere verfügen. Das Gegenteil gilt jedoch nicht: Kompetentere Menschen glaubten nicht über per se sich selbst, dass sie über weniger Wissen oder Fähigkeiten verfügen.

Auch bemerkten Dunning und Kruger, dass weniger kompetente Menschen glaubten für ihre Leistung allein verantwortlich zu sein, während kompetentere Menschen glaubten, dass sie leichtere Aufgaben bekommen hatten.

Über den Dunning-Kruger-Effekt: Psychologie

Der Dunning-Kruger-Effekt existiert, weil sich die Selbstwahrnehmung von Menschen erst entwickeln muss. Je mehr ein Mensch weiß, je mehr er versteht, je mehr er über sich selbst und seine Fähigkeiten weiß, umso besser kann er sich selbst und seine Fähigkeiten einordnen. Dieses Wissen führt meist zu Demut, kann aber auch zu Zweifel führen.

Wissen über sich Selbst wird durch Feedback von anderen erworben, durch Kritik oder auch durch die Teilnahme an Tests. Auch lernt jemand etwas über sich selbst, wenn er oder sie Zeit mit Menschen verbringt, die anders sind und die Welt anders sehen.

Im schlimmsten Fall führt schlechte Selbstwahrnehmung zu Ignoranz und zu einen Übermut mit dem eine ablehnende Haltung gegen bessere Argumente oder Fakten begründet wird. Ignoranz sorgt dafür, dass ein Menschn sich nicht weiterentwickelt, weil er bewusst ablehnt, was er nicht kennt oder was ihm nicht passt.

Selbstbewusstein und Arroganz

In seinen Ausprägungen machen der Dunning-Kruger-Effekt Arroganz und Ignoranz sichtbar.

Selbstbewusst zu tun, hat sich schon immer ausgezahlt für Menschen. Heute wird dies „Fake it, till you make it“ genannt. Selbstbewusstsein wirkt beeindruckend auf andere und wird selten in Frage gestellt. Selbstbewusstsein – ob gespielt oder echt – finden Menschen gut. Selbstbewusstsein ist ein Gegenteil von Schwäche oder Unentschlossenheit. Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit wirken anziehend auf andere Menschen. Mit Selbstvertrauen, einem lauten und energie-reichen Auftreten überspielen einige ihre Unwissenheit und Inkompetenz. Dies wird teils gepaart mit Sprüchen und Floskeln.

Der Dunning-Kruger-Effekt behandelt auch die Arroganz eines Menschen. Denn es ist arrogant anzunehmen mehr zu wissen, als andere, während dies gar nicht der Fall. Doch auch dies ist eine menschliche Neigung, die verschwindet, sobald das Wissen mehr wird.

Duning-Kruger-Effekt als Paradox

Der Dunning-Kruger-Effekt ist eigentlich ein Paradox. Denn es ist paradox, dass Menschen die weniger wissen über mehr Selbstvertrauen verfügen als Menschen, die mehr wissen. Dies zeigt, dass Selbstvertrauen nicht mit dem Wissenstand korreliert oder direkt proportional ist. Damit erlaubt der Dunning-Kruger-Effekt einen besonderen Einblick in die menschliche Psyche: Viel zu Wissen ist kein Garant für Selbstvertrauen.

Auch erlaubt der Dunning-Kruger-Effekt eine besondere Schlußfolgerung: Das Leben ist eine Reise zu sich selbst. Es geht darum, sich selbst kennen zu lernen und wahres Selbstvertrauen zu erwerben.

Eine positive Folge des Dunning-Kruger-Effektes ist, dass Selbstüberschätzung abtrainiert werden kann. Denn sobald ein Mensch mehr Bildung und damit Wissen erfährt, kann er mehr über sich und seine Fähigkeiten lernen.

Dunning-Kruger-Effekt weitergedacht

Würde man den Dunning-Kruger-Effekt zu Ende denken, so dürfte nur der schlauste Mensch und der Mensch mit dem meisten Wissen in einem Bereich sein Wissen und seine Fähigkeiten einigermaßen korrekt einschätzen. Damit würden alle Menschen, die weniger wissen per se am Dunning-Kruger-Effekt leiden. Eine Folge wäre, dass der schlauste Mensch nicht kritisiert werden kann, da alle anderen am Dunning-Kruger-Effekt leiden würden.

Noch weiter gedacht, könnten alle Menschen vom Dunning-Kruger-Effekt betroffen sein, denn niemand weiß alles und niemand ist ein Universalgenie. Dies würde bedeuten, dass immer Menschen mit Wissen und Halbwissen miteinander diskutieren. Der einzige Unterschied zwischen ihnen wäre, dass der eine über mehr Wissen und Halbwissen als der andere verfügt.

Der Dunning-Kruger-Effekt würde auch bedeuten, dass Menschen keine Aussagen zu Bereichen außerhalb ihres Faches tätigten sollten, da sie dort über weniger Kompetenzen als andere verfügen.

Im Endeffekt bedeutet der Dunning-Kruger-Effekt, dass man nie auslernt und immer bereit sein sollte, etwas dazu zu lernen. Auch steht er für die Bereitschaft dem besseren Argument zu folgen und widerlegte Postionen aufzugeben.

Der Dunning-Kruger-Effekt zeigt sich im Alltag: Laute Menschen können jene sein, die besonders wenig wissen. Leise Menschen können jene sein, die besonders viel wissen. Der ideale Mensch wäre also jener, der viel Selbstvertrauen hat, ohne arrogant zu sein und viel in einem Bereich weiß. Trotzdem gilt die gegenteilige Annahme nicht, dass sehr selbstbewusste und laute Menschen automatisch am Dunning-Kruger-Effekt leiden. (Würde jemand dies anderen unterstellen, so würde er auch am Dunning-Kruger-Effekt leiden.)

Dunning-Kruger-Effekt und das Kompetenz-Modell

Das Kompetenz-Modell kennt vier Erbenen:

1. Ebene – unbewusste Inkompetenz
2. Ebene – bewusste Inkompetenz
3. Ebene – bewusste Kompetenz
4. Ebene – unbewusste Kompetenz

Menschen, die am Dunning-Kruger-Effekt leiden, befinden sich auf der ersten Ebene. Sie wissen nichts von ihrer Inkompetenz und haben daher auch keinen Drang ihr Wissen zu erweitern. Erst, wenn sie lernen, dass sie eine gewisse Inkompetenz haben, können sie sich damit die Inkompetenz bewusst machen und beginnen an ihr zu arbeiten. Geschieht das sind sie auf der zweiten Ebene der bewussten Inkompetenz. Mit etwas Zeit und erweitertem Wissen lernen sie mehr und gelangen auf die dritte Ebene der bewussten Kompetenz. Gehen nun die erworbenen Fähigkeiten und das erworbene Wissen in Fleisch und Blut über, so werden sie zur unbewussten Kompetenz. (Fahrrad fahren ist solch eine unbewusste Kompetenz. Denn niemand muss sich selbst erklären, wie er das macht oder was er als nächstes tun muss.)

Wer glaubt, dass er unbewusste Inkompetenzen hat, sollte sich für Kritik und Selbst-Erkenntnis öffnen. Das sind die Vorraussetzungen für Entwicklung.

Warum der Dunning-Kruger-Effekt anderen nicht unterstellt werden sollte

Insbesondere die Aussage, dass weniger kompetente Menschen von ihrer Inkompetenz oder ihren Wissenslücken nichts wissen, sorgt dafür, dass es gefährlich ist anderen zu unterstellen, dass bei ihnen der Dunning-Kruger-Effekt wirke.

Denn, es könnte sein, dass man selbst unter dem Dunning-Kruger-Effekt leidet, der eben dafür sorgt, dass man von seiner eigenen Inkompetenz oder eigenen Wissenslücke nichts weiß. Würde anderen also der Dunning-Kruger-Effekt unterstellt werden, so kann dies ein Ausdruck eigener Selbstüberschätzung und des Wirkens des Dunning-Kruger-Effekts sein.

Die Lösung lautet: Demut und Fragen stellen. Anstatt anderen etwas zu unterstellen, sollten Fragen gestellt werden, so dass ein Gespräch angeregt wird.

Beispiele für Dunning-Kruger-Effekt: Das deutsche Verb „verschlimmbessern“ – In bester Absicht etwas zu verbessern, sorgt jemand dafür, dass es schlechter wird.

Ein anderes Beispiel für den wirkenden Dunning-Kruger-Effekt ist der Glaube vieler Autofahrer, dass sie gute Autofahrer sind. Am Drängeln und ausbremsen sind die anderen Schuld.

Weitere Bedeutung des Dunning-Kruger-Effektes

Insbesondere im Internet und in der digitalen Kommunikation wird gern vom Dunning-Kruger-Effekt gesprochen. Dies geschieht in Internet- und Online-Diskussionen. Hier zeigt sich ein besonderer Kontrast: Während das Wissen der Welt nur einen Klick entfernt ist, verbreiten einige lieber falsche oder abstruse Ansichten, als diese zu überprüfen. Fakten zu überprüfen und falsche Behauptungen zu widerlegen, übernehmen dann andere. Auch wirkt der Dunning-Kruger-Effekt, wenn Angeber im Rahmen der Annonymität des Internets prahlen oder angeben.

Verschwörungstheoretikern, Impfgegnern und Esotherikern wird gern der Dunning-Kruger-Effekt unterstellt. Damit sollen diese diskreditiert werden. In diesem Sinne ist der Dunning-Kruger-Effekt nichts anders als die Beleidigung, dass jemand doof ist.

In Internet-Diskussionen wird der Dunning-Kruger-Effekt zu DKE abgekürzt. Als Hashtag wird er ausgeschrieben oder in Kurzform genutzt: #DKE, #DunningKrugerEffekt

Siehe auch: Nichtsgönner, Verschlimmbessern

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