Was sind Frugalisten? Wie leben sie? Definition, Bedeutung

Frugalisten verfolgen das Ziel möglichst früh im Leben finanziell unabhängig zu sein und/oder in Rente zu gehen. Einige Frugalisten erreichen dieses Ziel mit Anfang 30, manche mit 40 und andere später im Leben. Um das Ziel der finanziellen Unabhängigkeit möglichst früh und schnell im Leben zu erreichen, haben sie verschiedene Ansätze:

  • Ausgaben reduzieren
  • Etwas Gebrauchtes statt etwas Neues kaufen (kommt immer drauf an)
  • Große Teile vom Gehalt sparen (Einige Frugalisten sparen bis zu 70 Prozent ihres Einkommens.)
  • Günstig Wohnen
  • Günstige Lebensmittel kaufen
  • Investieren, um von Zinsen zu leben
  • Sparsam leben / Sparen
  • Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol oder Zigaretten
  • Verzicht aufs Auto, Designermöbel, Haus, Restaurantbesuche, teure Technik (Flachbildfernseher, Laptop, Smartphone)
  • Verzicht auf Partys, Shoppen, Urlaube

Unter anderem investieren Frugalisten ihr Geld in Anleihen, Fonds und Immobilien. Dadurch generieren sie Dividenden, Zinseinnahmen und Mieteinnahmen. Die Erträge nutzen Frugalisten, um ihre Sparziele schneller zu erreichen.

Der Name „Frugalisten“ leitet sich vom Wort „frugal“ ab. „Frugal“ bedeutet: einfach, schlicht, sparsam. Mehr über das Wort „frugal“ erfährst du hier. Die Bewegung der Frugalisten heißt „Frugalismus“.

Manche bezeichnen den frugalen Lebensstil als „extrem sparen“.

Worum es Frugalisten geht? Wie Frugalismus funktioniert?

Auch wenn hier oft „Verzicht“ steht, so ist damit nicht gemeint, dass Frugalisten ihre Lebensqualität reduzieren, um ihre Sparziele zu erreichen, sondern das sie sparsam und genügsam sind. Ein Frugalist verzichtet gerne und er weiß, dass er damit sein langfristiges Ziel der finanziellen Unabhängigkeit erreichen wird.

Frugalisten hinterfragen ihre Gewohnheiten. Sie fragen sich, wo sie Geld verlieren und wo sie Geld sparen können. So stellt sich z.B. die Frage: Was ist besser? Im Restaurant essen oder zu Hause sich selbst etwas kochen? Frugalisten werden diese Frage mit „zu Hause kochen“ beantworten, da sie so nicht nur Geld sparen, sondern sich sogar – im besten Fall – auch ein gesünderes Mahl zu bereiten können, da sie die Zutaten kontrollieren.

Frugalisten geht es auch nicht darum, durch teure Ausgaben etwas darzustellen. Sie finden es nicht erhebend teure Autos zu fahren oder teure Technik zu besitzen, nur um sich mit den Marken zu schmücken und etwas darzustellen. Frugalisten verzichten auf Status durch teuren Besitz.

Frugalisten und die 3-Tage-Regel

Frugalisten wenden verschiedene Regeln an, um ihre Impulse in den Griff zubekommen und Fehlkäufe zu vermeiden:

3-Tage-Regel

Die 3-Tage-Regel hat folgende Bedeutung: Sieht man etwas, dass einem gefällt und man will es sofort kaufen, so wartet man 3 Tage und stellt sich am dritten Tag folgende Frage: Will ich das jetzt wirklich kaufen?

Die 3-Tage-Regel läuft wie folgt ab:

  1. Etwas das man haben möchte, nicht sofort kaufen
  2. Nach 3-Tagen stellt man sich die Frage: Brauche ich das wirklich?

Wird die Frage mit einem innigen und kräftigen „Ja“ beantwortet, dann sollte der Gegenstand gekauft werden. Ist das „Ja“ halbherzig oder ein „Nein“, dann sollte auf den Kauf verzichtet werden.

Vorteile der 3-Tage-Regel: Wer die 3-Tage-Regel anwendet, erliegt nicht seinen Impulsen, Gelüsten oder spontanen Gefühlen. Gerade im Zeitalter der sofortigen Belohnung (Instant Gratification) und der sofortigen Lieferung wie sie Amazon anbietet, scheint jeder Impuls sofort und immer befriedigbar. Mit der 3-Tage-Regel durchbricht man diese Gewohnheit und gewinnt Freiheit zurück. Außerdem kann so eine andere Frage beantwortet werden: „Warum kaufe ich das? Hilft es gegen Stress, hilft es gegen Langeweile oder fehlt mir etwas Emotionales?“

Anmerkung: Die 3-Tage-Regel kann natürlich jeder anwenden, nicht nur Frugalisten.

Was passiert, wenn Frugalisten ihr Ziel erreicht haben?

Haben Frugalisten ihr Sparziel erreicht, dann sind sie Herr ihrer Zeit und können entscheiden, wie sie ihre Zeit verbringen. Einige arbeiten freiwillig weiter in ihrem Beruf, weil es ihnen Freude macht, andere werden selbstständig, manche werden künstlerisch aktiv.

Wie entstand die Frugalismus-Bewegung?

Der frugale Lebensstil entstand in den Jahren der Wirtschaftskrise (2008) in den USA. Einige US-Amerikaner fingen an, bewußter auf ihre Ausgaben zu achten, um sich so größere Freiheiten zu ermöglichen. Damit wollten sie nicht nur unnötige Kredite vermeiden, sondern auch früher aus dem Job-Alltag aussteigen.

Gerade der Ausstieg aus dem Arbeitsalltag – bei dem viele von 9 bis 17 Uhr im Büro sein müssen – ist für viele Frugalisten eine der größten Motivationen. Sobald sie genügend Geld gespart haben, können sie sich die Freiheit leisten auf einen festen Job zu verzichten und können sich erlauben zu arbeiten, wann sie wollen.

Frugalismus entstand auch als Gegenbewegung gegen den übermäßigen, verantwortungslosen und grenzenlosen Konsun. Außerdem ist Frugalismus eine Reaktion auf die Kreditwirtschaft. Frugalisten verzichten auf Kredite.

Weiteres zu Frugalisten

Wer einen Job hat, in dem er oder sie gut verdient, dem fällt das frugale Leben leichter. Die Einkünfte erlauben es einfach. Alleinerziehende und Geringverdiener können weniger oder gar nicht frugal leben, da ihre Finanzen dies nicht zulassen. Auch gestaltet sich der frugale Lebensstil mit Kindern schwieriger.

Bei einigen Frugalisten soll der frugale Lebensstil sogar soweit führen, dass diese auf Glühbirnen verzichten – um Strom zu sparen oder, dass diese die Toilettenspülungen reduzieren – um Wasser zu sparen. Damit zeigt sich, dass der frugale Lebensstil auch ins Geizige abrutschen kann. (Geiz = übertriebene Sparsamkeit.)

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