Was ist Gaslighting? Wie funktioniert es? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Gaslighting, Wie funktioniert es, Bedeutung, Definition, Erklärung


Unter Gaslighting wird eine Form des psychischen Missbrauchs verstanden. Dabei zielt der Täter darauf ab, das Opfer in seiner Selbstsicherheit zu erschüttern. Durch Formen der Manipulation soll das Gegenüber dazu gebracht werden, seine eigene psychische Gesundheit anzuzweifeln. Ihm wird eingeredet, sein Blick auf die Realität wäre verzerrt und Erinnerungen seien falsch abgespeichert worden.

Was ist Gaslighting? Wie funktioniert es? Bedeutung, Definition, Erklärung

Seinen Ursprung hat der Begriff aus dem Stück „Gaslight“ von Patrick Hamilton. In diesem manipuliert ein Ehemann seine psychisch gesunde Frau solange bis sie glaubt, an krankhaften Halluzinationen zu leiden. Dabei muss Gaslighting nicht unbedingt von Einzelpersonen ausgehen. Auch Gruppen können sich diese Taktik zunutze machen, um Macht auszuüben.

Typische Gaslighting Techniken

Gaslighting ist ein Machtspiel. Zum Einsatz kommen verschiedene Psychotechniken, die das Ziel haben, das Opfer zu verunsichern, um sich selber zu profilieren.

Herunterspielen

Bei dieser Methode werden Gefühle, Gedanken und Wünsche systematisch kleingeredet. In Partnerschaften äußert sich dies z. B. durch Sätze wie „Du übertreibst maßlos!“ oder „Stell dich nicht so an!“. Reaktionen werden als irrational oder unangemessen dargestellt. Ziel ist es, dass Opfer darauf zu konditionieren, dass die eigene Sichtweise nicht richtig ist. Als Ausweg präsentiert der Täter seinen eigenen Standpunkt.

Diskreditieren

Möchte der Täter sich in sozialen Situationen hervorheben, dann versucht er das Opfer öffentlich zu diskreditieren. Dies geschieht zum Beispiel dann, wenn eine andere Form des Missbrauchs vertuscht werden soll. So wird öffentlich behauptet, das Opfer könne sich nicht richtig erinnern oder würde die Situation nicht richtig darstellen. Kommt es zu Gefühlsausbrüchen, so werden diese mit Sätzen wie „Die hat gerade mal wieder ihre 5 Minuten!“ abgetan. Nicht nur in Beziehungen, sondern auch im Arbeitsleben kommt diese Technik zum Einsatz um Konkurrenten aus dem Feld zu räumen.

Vom Thema ablenken

In Konfliktsituationen wird nicht auf die eigentliche Thematik eingegangen. Stattdessen wird das vorgebrachte Argument ins lächerliche gezogen. Es fallen Sätze wie „Das ist schon wieder einer deiner verrückten Ideen!“ oder „Du glaubst auch wirklich jeden Mist!“.

Abblocken

Konflikte müssen durch Worte gelöst werden. Dabei hat der Täter unterschiedliche Möglichkeiten, sich einem Gespräch zu entziehen. Dazu gehört die Diskreditierung von Argumenten, aber auch das komplette abblocken. Dabei wird so getan, als wüsste man nicht, was die andere Person überhaupt von einem möchte – obwohl man es sehr genau weiß! Typische Sätze sind: „Was willst du eigentlich von mir?“ oder „Hör auf mich zu verwirren!“

Erinnerungen anzweifeln

Bei dieser Taktik zweifelt der Täter die Fähigkeit des Opfers an, sich richtig zu erinnern. Denn: Wer sich seiner eigenen Erinnerungen nicht sicher sein kann, dem ist es unmöglich, angemessene Entscheidungen zu treffen. In romantischen Beziehungen wird dem Manipulator grundsätzlich vertraut – er hat somit leichtes Spiel. Besonders perfide ist ein Satz wie „Bist du dir sicher, dass du dich richtig erinnerst?“. Gerade wer ein besonders offener und verständnisvoller Mensch ist läuft in Gefahr, sich selbst zu hinterfragen. Wichtig ist hervorzuheben, dass der Täter keine Selbstreflexion einfordert. Es geht ihm einzig und allein darum, sein Gegenüber zu verunsichern. So kann er seine Machtposition ausbauen.

Stereotypisierung

In jeder Kultur gibt es Stereotypen. Dabei ist es für die meisten von uns schwer, sich völlig von den Erwartungen der Gesellschaft zu befreien. Im Gaslighting werden bestimmte Verhaltensweisen mit Stereotypen erklärt. Ziel ist es, das Opfer zu diskreditieren. „Mit dir kann man nicht diskutieren, wenn du deine Tage hast!“ , ist ein häufiges Beispiel.

Gaslighting: Typische Sätze:

  • „Du bist heute sehr emotional.“
  • „Du übertreibt wie immer.“
  • „So meinte ich das nicht.“
  • „Musst du das so auffassen?“

Diese Aussagen dienen dazu, Zweifel zu sähen und Unsicherheit zu erzeugen. Wer diese Sätze hört, dem oder der wird damit die Aussagekraft und Absicht abgesprochen.

Warum betreibt jemand Gaslighting?

Nicht jede vorgetragene Kritik hat etwas mit Gaslighting zu tun. Um die Definition zu erfüllen, muss der Täter die Intention verfolgen, die andere Person zu dominieren und zu kontrollieren. Ziel ist es, das Gegenüber so stark zu verunsichern, dass es auf externe Bestätigung angewiesen ist. Hier kann sich der Täter in den Vordergrund drängen und eine Lösung anbieten:

„Ja, dein Gedächtnis ist schlecht! Hör auf mich, denn ich erinnere mich besser!“
„Du schätzt Situationen falsch ein. Hör auf mich, denn ich weiß, wie man es macht!“

Nicht selten steht hinter Gaslighting eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Der Narziss ist dabei ein Mensch, der sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Er sieht sich von Natur aus anderen als überlegen an und erwartet Unterwürfigkeit. Wer als Partner, Freund oder Familienmitglied diese absurde Erwartung nicht erfüllt, wird mittels Gaslighting zur Unterordnung gezwungen. Darüber hinaus beziehen manche Menschen Freude aus der Herrschaft über andere. Nicht zuletzt füttert es das Ego an, wenn man über anderen zu thronen glaubt.


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Welche Folgen kann Gaslighting haben?

Für die emotionale Gesundheit kann Gaslighting katastrophale Folgen haben. Menschen, die in solchen Missbrauchsbeziehungen leben, werden kontinuierlich in ihrer Selbst erschüttert. In der Folge kann es passieren, dass die Opfer dem Täter vollkommen hörig werden. Wer es schafft, sich zu lösen, leidet oft noch viele Jahre unter den Spätfolgen. Es kommt dazu, dass man sich selber immer wieder hinterfragt und Probleme hat, alleine Entscheidungen zu treffen. Stattdessen wird instinktiv die Bestätigung durch Dritte gesucht. So kann es passieren, dass man in eine neue Abhängigkeitsbeziehung hineinrutscht.

Wer gelernt hat, sich selbst nicht mehr zu vertrauen, der entwickelt leicht eine Angststörung. Denn: Eine Welt, in der man nicht unabhängig leben kann, wird als bedrohlich empfunden. Die als tiefgreifend erlebte Hilflosigkeit mündet nicht selten in einer Depression. Das Opfer spürt, dass es sich nicht selber aus der erlernten Verunsicherung befreien kann und gibt auf.

Ganz egal wie lange man einem Missbrauch ausgesetzt war: Ein Trauma kann sich immer entwickeln. Wird dieses nicht bewältigt, führt dies zu einer „Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD)“. Diese äußert sich zum Beispiel in kontinuierlichen Albträumen, Flashbacks und sehr leichter Reizbarkeit.

Wie kann man auf Gaslighting reagieren?

Gaslighting ist eine besonders hinterlistige Art der psychischen Manipulation. Hinterlistig deshalb, da man als Opfer zumeist nicht glaubt, Missbrauch zu erleben. Aufgrund des Vertrauens dem Täter gegenüber fühlen Betroffene sich geneigt, ihm gute Absichten zu unterstellen. Die Tatsache, dass man kontinuierlich und systematisch manipuliert wurde, fällt oft zu spät auf. Das Entwickeln eines Bewusstseins ob der Thematik ist daher der erste Schritt zur Heilung. Dabei kann es hilfreich sein, erlebte Situationen mit guten Freunde oder der Familie zu besprechen. So wird es leichter, zu einer Einschätzung zu kommen.

Wenn Gaslighting auftritt, dann sollte man sich der Situation so schnell wie möglich entziehen. Denkbar ist es, einen Spaziergang zu unternehmen. Ein körperlicher Abstand kann dabei helfen, seine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Wichtig ist es, sich gezielt Zeit zu nehmen, um zu einer eigenen Bewertung der Situation zu gelangen. So wird man nicht automatisch in die Erzählung des anderen hineingezogen.

Es kann auch hilfreich sein, das erlebte so schnell wie möglich niederzuschreiben. Aber auch ein Videotagebuch kann helfen, Beweise zu sammeln. Diese können aber nur dazu dienen, sich selber davon zu überzeugen, ein Opfer von Gaslighting geworden zu sein. In einer Diskussion mit dem Täter sollten diese nicht vorgebracht werden. Der Grund hierfür liegt darin, dass dieser sich prinzipiell nicht überzeugen lässt. In der Folge setzt man sich den Taktiken des „Gaslighters“ nur noch mehr aus.

Gaslighting: Wie sieht der Weg zur Heilung aus?

Selbstsicherheit lässt sich leicht verlieren und schwer gewinnen. Entscheidend ist daher, die eigenen Gefühle und Gedanken stets ernst zu nehmen. Nur so kann es überhaupt gelingen, den Weg der Heilung zu beschreiten. In manchen Fällen ist es schwer, sich „Gaslightern“ zu entziehen. In Paarbeziehungen hat man sein Glück aber selbst in der Hand. In vielen Fällen ist es absolut notwendig, eine Trennung einzuleiten. Dies ist immer dann notwendig, wenn der Partner es bewusst auf eine Verunsicherung seines Gegenübers anlegt.

Manchmal stellt sich die Situation nicht eindeutig dar. Nicht immer verfügt der Täter über ein Bewusstsein darüber, dass er manipuliert. Die Beziehung kann jedoch nur dann bestehen bleiben, wenn von seiner Seite eine Gesprächsbereitschaft besteht. In einer Paartherapie können schädliche Verhaltensweisen aufgedeckt werden. Gleichzeitig wird ein Plan entwickelt, um die Beziehung auf ein gesundes Fundament zu stellen.

In jedem Fall ist es sinnvoll, als Betroffener eine Therapie anzustreben. Mit einem ausgebildeten Therapeuten zu sprechen, verschafft einen neuen Blick auf die eigene Situation. Leider können sich Opfer von Gaslighting oft nicht von selber von dem erlebten Missbrauch distanzieren. Selbst wenn der Täter das eigene Leben verlassen hat, besteht die Notwendigkeit, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Eine therapeutisch begleitete Nachsorge kann verhindern, dass schwere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder PTSD nicht entstehen – oder abgemildert werden.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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