Was ist die 5D-Regel bei Aldi und anderen Supermärkten? Erklärung, Bedeutung, Definition

Was ist die 5D-Regel bei Aldi und anderen Supermärkten, Erklärung, Bedeutung, Definition


Die 5D-Regel ist ein Begriff aus der Nahrungsmittelproduktion, sie bezieht sich auf die fünf Stufen der Viehzucht. So gehören zur Wertschöpfungskette von Schweinefleisch fünf Schritte: Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Verarbeitung. Bei einer 5D-Regel werden alle fünf Schritte in Deutschland vollzogen. So soll bei 5D die komplette Produktion von Fleisch und vergleichbaren Nahrungsmitteln von der Geburt des Lebewesens bis zur Fleischverarbeitung nach dem Tod innerhalb des Landes gewährleistet werden. Das hat im Optimalfall logistische, ökonomische und ökologische Vorteile. Im Jahr 2021 kündigten mehrere Discounter, darunter Aldi an, unter anderem bei Schweinefleisch-Produkten auf 5D umzustellen.

Nahrungsproduktion – Wie genau funktioniert 5D?

Bei der Fleisch- und Nahrungsproduktion ist es durch die globalisierte Welt immer seltener geworden, dass ein Nahrungsmittel von Beginn bis Ende in einem Land hergestellt wird. Das ist die logische Konsequenz der Globalisierung. Auch in der Viehzucht kommt es in verschiedenen Stadien der Wertschöpfungskette häufig zu Importen. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Konsequenzen: Neben dem logistischen Aufwand des Imports muss die heimische Landwirtschaft so mit internationalen Unternehmen konkurrieren. Zwar im Prinzip gut für den Verbraucher, kommt es bei der Nahrungsmittelproduktion jedoch zu vergleichsweise niedrigen Preisen, die den heimischen Erzeugern schaden und auch qualitative Konsequenzen haben können. Häufig können heimische Produzenten nur schwer mit den Niedrigpreisen eines Imports konkurrieren.

5D möchte dieser Entwicklung gegensteuern. So soll das Tier von Geburt bis zur Verarbeitung in einem Land gezüchtet und in ein Produkt verwandelt werden: In dem Land, in dem es idealerweise auch als Produkt verkauft wird. 5D steht damit für die fünf Level der Wertschöpfungskette von Fleisch, die alle in Deutschland stattfinden – daher auch das D in der Abkürzung.

Gerade beim Schweinefleisch haben Discounter wie Aldi, Lidl und co. im Jahr 2021 ein Zeichen gesetzt: Die 5D-Regel soll für Schweinefleisch für die Produkte im Sortiment eingeführt werden.

Haltungswechsel – Warum Discounter und Co. auf 5D wechseln

Das Prinzip von 5D war zur Zeit der Ankündigung der Discounter im Jahr 2021 nicht der verbreitete Standard. Häufig war im Bereich des Schweinefleisches maximal die 4D-Regel gegeben: Mindestens ein Punkt der Wertschöpfungskette fand typischerweise im Ausland statt. Häufig wurden die Ferkel im Ausland geboren und dann erst in Deutschland großgezogen. Derlei internationalisierte Wertschöpfungsketten brachten die deutsche Schweinefleischproduktion in eine ökonomische Zwangslage, die in einem Preiskampf nach unten mündete. Konsequenz hatte dies auch in Teilen auf die Schweinefleischproduktion: Je günstiger das Endprodukt angeboten wird, je mehr die Weltmarktpreise im Vergleich fallen, desto höher die finanzielle Belastung für heimische Betriebe, die auf Qualität setzen und konkurrenzfähig bleiben möchten.

Dieser Entwicklung wollten die Discounter gegensteuern. 5D soll der heimischen Fleischproduktion nicht nur ökonomische Vorteile bieten, sondern auch weitaus nachhaltiger sein. So fallen viele umweltbelastende Transportwege durch die Welt weg, die Viehzucht ist vornehmlich auf regionale und nationale Logistik angewiesen. Sprich: Im Idealfall wird auch die Umweltbelastung gesenkt.

Aldi selbst hat den Schritt zum Beispiel als Haltungswechsel in der Unternehmensstrategie beschrieben. Auch andere Supermarktketten zogen nach der Ankündigung von Aldi nach, darunter auch Lidl. Das Umdenken bei Supermärkten und Discountern hat einen potenziellen Einfluss auf die Produktionsqualität von Fleisch, die Haltungsbedingungen und die Umweltbelastung. Die Priorisierung dieser Faktoren war bei Endprodukten aus der Nahrungsmittelindustrie, speziell der Fleischproduktion, nicht immer gewährleistet, dies soll 5D ändern.

5D und das Tierwohl

5D versucht einen weiteren Vorteil zu bieten: Das Tierwohl vermehrt mit einzubeziehen. Zwar kann bei einer Wertschöpfungskette, bei am Ende die Verarbeitung zum Fleisch steht, grundsätzlich das Tierwohl in Frage gestellt werden. Doch 5D soll unnötige Qualen auch beim Transport der Tiere und bei der Aufzucht verringern.

Schon lange gab es in Teilen der Gesellschaft Kritik an der Art und Weise der Viehzucht, die immer mehr in Richtung Massenproduktion und Internationalisierung setzte. Auch wenn 5D keine Antwort auf Massenproduktion ist, liefert sie eine Lösung für den immer fortschreitenden Preisdruck auf dem Weltmarkt. Supermärkte und Discounter entziehen sich damit auch in Teilen der Dynamik, das absolut günstigste Schweinefleisch vom Weltmarkt anbieten zu müssen. Stattdessen soll die etwas teurere heimische Produktion angekurbelt werden.

In einer idealen Welt könnten durch 5D also mehrere Vorteile die Konsequenz sein: ökonomische Perspektiven für die heimische Fleischproduktion, nachhaltigere und umweltfreundlichere Produktion sowie eine verstärkte Rücksichtnahme auf das Tierwohl. Da jeder Supermarkt und Discounter hier im Detail andere Strategien verfolgt, sind diese Konsequenzen aber kein verlässlicher Selbstläufer.

Zusammenfassung: 5D und die Konsequenzen

5D steht für eine Neuorientierung bei der Fleischproduktion für Supermärkte und Discounter. Alle fünf Stufen der Wertschöpfung sollen so in Deutschland stattfinden. Davon erhofft man sich Vorteile wie die Förderung der heimischen Viehzucht, kürzere Lieferketten und Verbesserung von Nachhaltigkeit und Tierwohl. Zwischen dem Konzept von 5D und der tatsächlichen Umsetzung und Wirkung liegen allerdings einige Hürden. Was in der Theorie nach verbessertem Schutz von Tieren und Umwelt klingt, muss erst in der Praxis umgesetzt werden. Ob 5D mehr ist als ein Marketingbegriff, zeigt die Zukunft.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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