Was ist der „Status quo“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet Status quo, Bedeutung, Definition, Erklärung


Status quo heißt auf Lateinisch „bestehender Zustand“, wobei die noch genauere (wörtliche) Übersetzung lautet: „Zustand, in dem …“ (sich ein Gebilde aktuell befindet). Der Begriff des bestehenden Zustands lässt sich auf alle erdenklichen Gebiete anwenden, so etwa auch auf physikalische Zustände. Gelegentlich wird sogar dafür die Begrifflichkeit des Status quo verwendet, das ist aber eher selten. Im heutigen Sprachgebrauch verwendet man sie eher für vertragliche Zustände, aber auch für Prozesszustände im Projektmanagement. In der Politik und im Rechtswesen ist der Status quo ein wichtiges Kriterium.

Was ist der „Status quo“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Begriff ist auf eine ganz bestimmte Weise konnotiert (mit einer unterschwelligen Bedeutung versehen): Der Status quo ist der gegenwärtigen Zustand, der als problematisch gilt, sich aber kaum ändern lässt, ohne noch größere Probleme zu schaffen. Wenn Vertragsparteien davon sprechen, den Status quo beibehalten zu wollen, haben sie slle bekannten Möglichkeiten einer Abhilfe untersucht und festgestellt, dass diese ebenfalls stark problembehaftet und daher keine Alternativen sind. Daher verharren die Parteien nun im Status quo. Politisch wurde der Begriff während des Kalten Krieges für den Ost-West-Konflikt gebraucht. Man musste sich darüber einigen, dass angesichts der militärischen Machtverhältnisse und des atomaren Bedrohungspotenzials der aktuelle Stillstand nicht zu überwinden war. Auch die damaligen politischen Grenzen schienen dem Status quo unterworfen und damit unverrückbar zu sein. Die Beschreibung war insoweit korrekt, als dass der damalige Status quo erst durch innere Veränderungen in den Ostblockstaaten aufgehoben werden konnte.

Wortherkunft: Woher kommt „Status Quo“?

Die zuerst von den antiken Römern verwendete lateinische Rechtssprache grenzte einen gegenwärtigen von einem vorherigen Zustand ab:

  • Status quo: gegenwärtiger Zustand
  • Status quo ante: vorheriger Zustand

Bedeutsam waren die Kürzel beispielsweise für die Unterscheidung von Grenzziehungen vor und nach einem Krieg. Im Laufe der Zeit und mit dem Ersatz der lateinischen Rechtssprache durch europäische Nationalsprachen verlor der Status quo ante seine semantische Bedeutung. Der Status quo blieb als Begriff jedoch erhalten.

Einsatz des Begriffes Status quo

Der häufigste Einsatz im 21. Jahrhundert dürfte im Rechtswesen stattfinden. Zwei Vertragsparteien müssen sich mit einem mühseligen Kompromiss arrangieren, suchen nach einer besseren Lösung, finden sie aber nicht und behalten daher den Status quo bei. Im Projektmanagement kann eine Phase des Projekts so bezeichnet werden, in welcher die Projektentwickler zunächst am bestehenden Zustand nichts ändern, aber so eine Änderung planen. Physiker bezeichnen manchmal den angestrebten Normalzustand im Fließgleichgewicht als Status quo.

Die Status-quo-Klausel

Für kollektive Entscheidungsverfahren, wie sie beispielsweise die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union durchführen, kann es eine Status-quo-Klausel geben. Diese besagt, dass der Status quo erhalten bleibt, wenn sich die Mitglieder nicht auf eine Veränderung einigen können. Diese Status-quo-Klausel beschreibt eigentlich in vornehmer Form ein Vetorecht für jedes einzelne Mitglied. Es kann aufgrund der Status-quo-Klausel eine Entscheidung ganz allein blockieren. Das ist bei bestimmten Entscheidungen des EU-Rats tatsächlich der Fall: Sie müssen einstimmig getroffen werden.

Anstreben des Status quo als psychologisches Phänomen

In psychologischer Hinsicht gibt es eine starke Tendenz, den Status quo aufrechtzuerhalten, die fachsprachlich als Status-quo-Verzerrung bezeichnet wird. Sie basiert darauf, dass Menschen Veränderungen weniger mögen als die Beibehaltung des bekannten, wenn auch suboptimalen Zustands. Das kann in psychologischer Hinsicht sogar ökonomisch und effizient sein, denn was die Veränderung wirklich bringt, wissen wir nicht. Diese Tendenz verhindert allerdings nicht komplett die Veränderung, kann sie aber erschweren. Menschen streben intuitiv eher die Beibehaltung des Status quo an, wenn er nicht allzu nachteilig wirkt. Das wurde durch Experimente sehr gut belegt. Man nimmt an, dass dahinter die Angst vor Verlusten steckt, die ein höheres Gewicht als die Hoffnung auf Gewinne hat. Ein Aufgeben des Status quo erscheint immer als riskant. Die meisten Menschen sind stark risikoaversiv. Das verleiht dem Status quo ein starkes Gewicht.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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