Was ist der pandemische Imperativ? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist der pandemische Imperativ, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Virologe Christian Drosten formuliert den pandemischen Imperativ wie folgt: „Handle in einer Pandemie stets so, als seist du selbst positiv getestet, und Dein Gegenüber gehört einer Risikogruppe an.“

Die Idee eines pandemischen Imperativs leitet sich vom kategorischen Imperativ des deutschen Aufklärungsphilosophen Immanuel Kants ab. Immanuel Kant formulierte den kategorischen Imperativ wie folgt: „Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde!“ Der kategorische Imperativ dient als eine allgemeingültige Regel und Grundlage für moralisch gutes Verhalten.

Was ist der pandemische Imperativ? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der pandemische Imperativ ist eine allgemeingültige Verhaltensregel, damit Menschen sich in und während einer Pandemie Virus-eindämmend und nicht Virus-verbreitend verhalten. Denn der pandemische Imperativ hält Menschen dazu an, dass sie sich so verhalten, dass sie einen Virus nicht absichtlich oder unabsichtlich verbreiten.

Wer den pandemischen Imperativ befolgen will, sollte sich einfach an die empfohlenen Verhaltensweisen halten:


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Würden sich alle Menschen an den pandemischen Imperativ halten, so würde die Ausbreitung eines Virus stark verlangsamt. Dies hat zur Folge, dass weniger Menschen erkranken und das Gesundheitssystem vor Überlastung geschützt wird. (Darum geht es nämlich! Benötigen zu viele Menschen auf einmal intensivmedizinische Betreuung kommen die Krankenhäuser schnell an ihre Belastungsgrenzen. In solch einem Fall müssen Ärzte entscheiden, wer behandelt werden soll und wer nicht. Das würde bedeuten, dass Menschen, die Intensivmedizin benötigen, diese nicht erhalten würden. Siehe: Flatten the Curve)

Der pandemische Imperativ gilt nur während einer Pandemie. Vor und nach einer Pandemie gilt der pandemische Imperativ nicht.

Pandemischer Imperativ: Folgen und Verhalten

Der pandemische Imperativ kann im Sinne des kategorischen Imperativs zu folgendem Verhalten führen:

  • Ich halte Abstand zu anderen und wünsche, dass andere Abstand zu mir halten.
  • Ich trage Maske und wünsche, dass andere auch Maske tragen.
  • Ich bleibe vermehrt zu Hause und wünsche, dass andere auch vermehrt zu Hause bleiben.
  • Ich meide Menschenmengen und wünsche, dass andere auch Menschenmengen meiden.
  • Ich meide Kontakte und schränke Besuche ein. Andere sollen auch Kontakte meiden und Besuche einschränken.

Pandemischer Imperativ und Konjunktiv: Bedeutung, Definition, Erklärung

Der pandemische Imperativ kann zum pandemischen Konjunktiv umformuliert werden. Der pandemische Konjunktiv lautet: „Handle in einer Pandemie stets so, als könntest du selbst positiv sein, und Dein Gegenüber könnte immer zu einer Risikogruppe gehören.“

Der pandemische Konjunktiv thematisiert die Ungewissheit und die dauerhafte Möglichkeit, dass man bzw. jeder sich mit dem Corona-Virus infiziert haben könnte, aber nichts davon weiß. Dieses Szenario kann dazuführen, dass jemand unabsichtlich andere mit dem Virus ansteckt.

Kritik am pandemischen Imperativ:

Der pandemische Imperativ kann für gelebte Solidarität, Verantwortung und gegenseitiges Schutzinteresse stehen. Jedoch kann der pandemische Imperativ auch so interpretiert werden, dass jemand sich freiwillig und dauerhaft von der Welt isoliert, in dem er oder sie in Heimisolation geht. (Denn für Corona-positiv Geteste gilt, dass sie in Heimquarantäne gehen müssen.)

Wer den pandemischen Imperativ lebt, müsste davon ausgehen, dass er oder sie ein dauerhaftes Risiko für andere darstellt. Ferner kann der pandemische Imperativ so interpretiert werden, dass ein gelebter pandemischer Imperativ dazu führt, dass Alte, Schwache und Risikogruppen im Allgemeinen von der Gesellschaft isoliert werden.

Der pandemische Imperativ kann auch dazu führen, dass Menschen sich freiwillig in Selbstquarantäne begeben, wenn sie glauben, dass sie Corona-positiv sind. Dies kann gut und schlecht sein. Gut ist dies, wenn (z.B. an Grippe) erkrankte Menschen sich auskurieren und sich nicht zur Arbeit zwingen. Schlecht ist dies, wenn Menschen den pandemischen Imperativ ausnutzen, um z.B. nicht zur Arbeit zu müssen.

Der pandemische Imperativ kann so ausgelegt werden, dass Menschen alle Tätigkeiten – erlaubte wie verbotene – unterlassen sollen. Denn der pandemische Imperativ geht davon aus, dass jeder immer für andere eine Gefahr darstellt. Wer diese Gefahr auf Null reduzieren möchte, muss sich eben isolieren.


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Der pandemische Imperativ kann aber auch ins Absurde intepretiert werden: Würden sich alle Menschen freiwillig in Heimisolation begeben, so würde es gar keine Kontakte mehr geben. Dies hätte zur Folge, dass zwar das Virus komplett eingedämmt wird, aber auch dass gar kein Leben mehr stattfindet. (Wo es keine Begegnungen zwischen Menschen mehr gibt, ist auch keine Moral benötigt. Damit würde der pandemische Imperativ sich im Extrem selbst auflösen.)

Hand aufs Herz: Ein kategorischer oder pandemischer Imperativ stellt für das Individuum eine Handlungsgrundlage dar. Der Wunsch, dass alle Menschen sich so verhalten, ist ein Wunsch nach einer utopischen Welt und diese kann es nicht geben.

Fazit: Der pandemische Imperativ ist eine Möglichkeit mit einer Pandemie zu leben. Ob der pandemische Imperativ die moralisch beste Möglichkeit ist, muss geklärt werden.

Weitere Formulierungen für den pandemischen Imperativ

Die Redaktion von BedeutungOnline.de schlägt folgende weitere Formulierung für den pandemischen Imperativ vor:

  • „Handle so, als seist du ein Superspreader, der jederzeit und jederort ein Superspreading-Event auslösen könnte.“

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