Was ist der Male Gaze? Was ist der Female Gaze? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist der Male Gaze, Was ist der Female Gaze, Bedeutung, Definition, Erklärung


Male Gaze ist ein Begriff aus dem Englischen, der übersetzt „männlicher Blick“ bedeutet. Es bedeutet aus feministischer Perspektive, dass die Welt und auch die Frauen selbst, meist aus dem Blick eines weißen, hetero Mannes (Cis-Mann) gezeigt werden.

Was ist der Male Gaze? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Male Gaze ist besonders in Kunst und Literatur sichtbar, wo die Frau das Objekt der Begierde sein soll, das dem männlichen Pendant gefallen soll. Auf der Leinwand findet man drei Perspektiven des Male Gaze: die des Mannes hinter der Kamera, die der männlichen Darsteller im Film und die des männlichen Zuschauers im Publikum. Der Male Gaze zieht sich also durch die gesamte Erzählung und stellt die Frau als dem Mann nicht ebenbürtig dar. Sie wird als unterstützendes oder erotisches Objekt gezeigt, deren Wert vom männlichen Betrachter festgelegt wird.

Hintergrund und Geschichte des Male Gaze

Das Konzept des Blickes (engl. the gaze) geht auf Jean-Paul Sartre zurück, der 1943 in „Das Sein und das Nichts“ beschreibt, dass wir Menschen als Objekte betrachten können und uns selbst als das Objekt wahrnehmen können, das betrachtet wird.

Kunstkritiker John Berger zeigt in seinem dokumentarischen Werk „Ways of seeing“ von 1972 die Darstellungsweise von Frauen in der Werbung. Er offenbart dabei den Blick (franz. le regard) auf eine Frau als passives Objekt.
Filmmacherin und Theoretikerin Laura Mulvey zeigt in ihrem Essay „Visuelle Lust und narratives Kino“ von 1975, dass uns im Kino die dominante, männliche Perspektive bzw. der männliche Blick aufgedrängt werden. Die Frauen werden in einer Version gezeigt, die ideal für eine patriarchale Gesellschaft ist – der Fokus liegt oft auf ihrer Körperlichkeit.

Oft finden wir in Filmen zwei Arten von Frauen: diejenige, die das Objekt der Begierde des Hauptdarstellers darstellt und diejenige, die attraktiv für den männlichen Zuschauer ist. Meist sind Frauen auch eher Zuhörer und Bewunderer des Mannes. Diese Darstellung der Frau als passiv und des Mannes als dominant und aktiv stammt aus patriarchalen Strukturen und stärkt diese.

Der Ursprung einer patriarchalen Gesellschaft liegt darin, dass die wichtigsten Institutionen (z.B. Film, Mode, Politik, Werbung) von Männern und für Männer geschaffen wurden. Der männlichen Sichtweise wird also gleich doppelt so viel Wichtigkeit zugeschrieben; mit der Zeit werden diese von Männern kreierten Normen als allgemeine Norm angesehen (Frau = unterlegen, Mann = überlegen).

Den Male Gaze erkennen

Typische Frauencharaktere im Male Gaze sind jene, deren Hauptaufgabe es ist attraktiv zu sein. So werden auch wichtige Rollen wie Agentinnen oder Polizistinnen oft in Stöckelschuhen und engem Kleid dargestellt, meist spielen sie aber die Rolle der Helferin, des Objekts der Begierde oder die der Freundin. In Aktion sieht man sie meist nur, wenn es darum geht dem Mann einen Gefallen zu tun oder wenn es darum geht, eine Rivalin auszuschalten. Durch ihr attraktives Erscheinungsbild sollen sie eben den männlichen, hetero Zuschauer zufrieden stellen.

Ein weiblicher Charakter muss nicht unbedingt objektifziert werden, um unter der Male Gaze zu leiden. Es genügt, dass sie in ihrem passiven Dasein, den männlichen Protagonisten dazu animiert zu handeln und seine typische aktive Form einzunehmen. Zusätzlich kümmert sie sich darum seine Wunden zu pflegen, wenn der Mann aus seinem Kampf zurückkehrt und unterstützt ihn weiterhin bei all seinen Zielen. Ein weiteres Beispiel ist die Kameraführung. Wo die Kamera platziert ist und auf was sie sich richtet, sagt genauso viel über eine weibliche Darstellerin aus, wie die Beschreibung ihrer Charakterzüge im Drehbuch. So wird oft auf Slow Motion gesetzt, um alle Details des weiblichen Körpers für das männliche Publikum in Szene zu setzen. Auch die typische Rolle der Frau als Dummchen, dem es an Intelligenz fehlt, das mit ihren körperlichen Reizen aber alles wieder gut macht, ist ein klassisches Beispiel für den Male Gaze. Diese Rolle hat gar keinen Zweck im Film, außer das Lustobjekt des männlichen Hauptdarstellers und ein Blickfang für den Zuschauer zu Hause zu sein.

Male Gaze und die Konsequenzen

Wenn alle – sowohl Männer als auch Frauen – ständig ein Bild der Frau zu sehen bekommen, die objektifiziert wird, beeinflusst dies natürlich die eigene Person und die Erwartungen an sich selbst und an andere. Der Wert der Frau, ihr Körper und ihre Perzeption werden in einem komplett falschen Licht ausgestrahlt, die Frau wird auf erniedrigende und schädliche Art porträtiert.

Im Gesamtbild sorgt der Male Gaze für das Beibehalten von patriarchalen Strukturen, in denen weiße Männer den Frauen, Persons of Color und anderen Minderheiten übergeordnet werden.

Was ist der Female Gaze? Beeutung, Definition, Erklärung

Der Female Gaze ist das Gegenstück zum Male Gaze und zeigt eine weibliche Sichtweise auf Kunst und Literatur. Außerdem beschreibt er, wie Frauen im Patriarchat sich selbst und andere Frauen sehen. Eine Frau, die kein Problem damit hat als Objekt gesehen zu werden, würde also der sozialen Norm des Patriarchats entsprechen. Gleichzeitig würde ihr vorgeworfen werden, die von Männern erschaffenen Normen, zu begrüßen und sogar zu verstärken, oder sich davon einen sozialen Vorteil zu erhoffen.

Der Female Gaze bezieht sich also auf den Blick, den eine weibliche Filmmacherin einem Film gibt. Im Fokus stehen also weibliche Führungskräfte als Erzählerinnen, statt als Zuseherinnen. Dieser Blick lässt zu, dass Frauen so gesehen werden, wie sie sind, anstatt dass sie durch den Male Gaze voyeuristisch angeglotzt werden. Im Mittelpunkt steht im Female Gaze das emotionale Level, sich in Gefühle hineinversetzen können. Da die Industrie aber weitgehend vom Male Gaze geformt wurde, ist der erste Schritt des Female Gaze die Rolle der Frau vom Objekt zum Subjekt zu verschieben. Die Aufgabe der Female Gaze ist es also nicht, eine ausschließlich von Frauen und für Frauen geschaffene Welt zu kreieren, sondern Barrieren und Stereotypen zu brechen, die den Frauen von der männerdominierten Kultur auferlegt wurden und die Art, wie Minderheiten gesehen werden, zu verändern.

Zusammenfassend beschreibt der Female Gaze, wie die Welt und die Frauen in einer Welt dargestellt werden, die nicht aus männlicher Perspektive geschildert wird. Der Fokus richtet sich vom körperlichen Erscheinungsbild weg, zeigt viel mehr die Diversität der Gesellschaft und macht es sich zur Aufgabe Genres, die traditionell von Männern dominiert und definiert werden, zu verändern. Die Idee der Feministinnen ist, dass die Objektifizierung von Frauen erst nachlassen wird, sobald Frauen mehr Kontrolle bei der Produktion visueller Medien haben werden.


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Autor: Pierre von BedeutungOnline

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