Was ist der Gender Care Gap? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist der Gender Care Gap, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Gender Care Gap ist ein Indikator für die Lücke zwischen den Geschlechtern bei unbezahlter Hilfs- und Sorgearbeit. Er gilt auch als Gleichstellungsindikator. Grundsätzlich zeigt er die Zeit auf, die Frauen und Männer bei den betreffenden Arbeiten aufwenden.

Was ist der Gender Care Gap? Bedeutung, Definition, Erklärung

Die unbezahlte Hilfs- und Sorgearbeit lässt sich in vier große Gruppen aufteilen:

    • Hausarbeit
  • Kindererziehung
  • Pflege von Angehörigen
  • Ehrenamt

Insgesamt wandten Frauen in Deutschland laut jüngeren Ermittlungen bei allen genannten Tätigkeiten 52,4 % mehr Zeit als die Männer auf. Exakt diese Zahl ist das Gender Care Gap. Die Zahl ist allerdings zumindest nach den vier genannten Gruppen auszudifferenzieren. Dabei vergrößert sich die Ungerechtigkeit noch, denn die Hausarbeit und vor allem die sehr anstrengende Pflege von Angehörigen bleibt überwiegend bis ausschließlich (Pflege) bei den Frauen hängen. Um die Kindererziehung kümmern sich durchaus auch Männer, noch lieber nehmen sie ein Ehrenamt an. Beides macht durchaus Spaß und wird gesellschaftlich gewürdigt.

Warum gibt es Untersuchungen zum Gender Care Gap?

Die Ermittlung solcher Kenngrößen dient als Anhaltspunkt dafür, wie weit die Gleichberechtigung vorangeschritten oder eher unterentwickelt ist. Eine schon geläufigere Kennzahl heißt Gender Pay Gap: Das ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Der neue Indikator Gender Care Gap wurde erstmals im Zweiten Gleichstellungsbericht genannt, den die Bundesregierung 2015 vorgestellt hatte. Das Zahlenmaterial stammte aus den Jahren 2012 und 2013 (siehe weiter unten). Auf Tage gerechnet sind Frauen im Durchschnitt 87 Minuten pro Tag länger als Männer unentgeltlich für andere tätig:

  • Frauen arbeiten im Hilfs- und Sorgebereich pro Tag 4 Stunden und 13 Minuten.
  • Bei Männern sind es 2 Stunden und 46 Minuten.

Dieser Mehraufwand der Frauen hat Konsequenzen. Männer arbeiten deutlich häufiger in Vollzeitjobs als Frauen, was für Letztere wirtschaftliche Nachteile bedeutet. Sie verdienen weniger und erwerben geringere Rentenansprüche. Das bedeutet: Um die Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen, muss sie auch im Haushalt eingeführt werden.

Unterschiede beim Gender Care Gap

Es gibt einige signifikante Unterschiede bei dieser Lücke, denn sie variiert je nach Lebenssituation und Alter. Diese Unterschiede lassen sich so darstellen:

In der Altersgruppe der 30- bis 35-Jährigen ermittelt man ein Gender Care Gap von 110,6 %. Frauen leisten deutlich mehr (pro Tag 5 Stunden und 18 Minuten), Männer etwas weniger als im Gesamtdurchschnitt aller Altersgruppen (2 Stunden und 31 Minuten). Kurz und knapp bedeutet das: Frauen bekommen Kinder und werden zur Hausarbeit verdonnert, Männer kümmern sich intensiv um ihre Karriere. Wenn die Eltern schon alt sind, obliegt deren Betreuung ebenfalls den Frauen. Sie betreuen häufig sogar die Schwiegereltern, denn wegen ihrer Kinder sind sie ja ohnehin zu Hause. Die gebündelten und sehr zentralen Lebensereignisse und -entscheidungen dieser Lebensphase können stark zugunsten der Männer und zuungunsten der Frauen ausfallen. Bis zum 35. Lebensjahr stellen die meisten Menschen die entscheidenden Weichen für ihre Karriere: Sie erklimmen in einem großen Unternehmen die entscheidende Stufe, gründen Firmen oder machen ihren Doktor. Das lässt sich später kaum noch nachholen, weil es sehr viel Energie kostet.

In späteren Lebensjahren zeigen sich Männer viel kooperativer, doch sie verwenden ihre Hilfs- und Sorgearbeit oft auf ein Ehrenamt und fühlen sich großartig dabei. Frauen pflegen inzwischen bettlägerige Eltern oft bis zum Tod. Man hört äußerst selten, dass ein Mann diese undankbare Aufgabe übernimmt. Lediglich bei der Haus- und Gartenarbeit geht es etwas gerechter als in jungen Jahren zu. Die Kinder wiederum sind aus dem Haus, dieser Bereich entfällt also. Um die Enkel kümmern sich wie gewohnt etwas mehr die Omas als die Opas.

Singlefrauen wenden mehr Zeit für Hilfstätigkeiten als Singlemänner auf. Es scheint in der Natur der Frau zu liegen, etwas mehr helfen zu wollen. Die Natur des Mannes ist von größerem Egoismus geprägt.

In einem Paarhaushalt mit Kindern leisten die Mütter deutlich mehr als die Väter, es ergibt sich ein Gender Care Gap von 83,3 %. In Zeit ausgedrückt beträgt die Mehrarbeit der Mütter 2 Stunden und 30 Minuten pro Tag.

Es gibt direkte Care-Arbeit, die andere Personen mit einbezieht (Kinderbetreuung, Pflegetätigkeit), sowie unterstützende Care-Arbeit (Haushalt, Ehrenamt). Die direkte Care-Arbeit ist viel eher Sache der Frauen, was ein Gender Care Gap von 108,3 % bedeutet. Der Wert beträgt bei unterstützender Care-Arbeit nur 47,4 %, doch auch hier leisten die Frauen folglich mehr.

Gender Care Gap: Woher stammen die Daten?

Das Statistische Bundesamt ermittelte die hier vorgestellten Daten im Rahmen der dritten repräsentativen Zeitverwendungserhebung. Sie stammen aus den Jahren 2012 und 2013 und sind hier nachzulesen. Befragt wurden rund 5.000 Haushalte, die Befragten waren mindestens 18 Jahre alt.

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