Was bedeutet Overthinker? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet Overthinker, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Overthinker“ ist ein relativ neues Wort in unserem Sprachgebrauch. Generell werden Menschen so bezeichnet, welche selbst über kleinste Nuancen in Sprache, Haltung oder Emotionen ihres Gegenübers (und manchmal auch ihrer selbst) nachdenken und einen tieferen Sinn in diesen Dingen erkennen wollen.

Was bedeutet Overthinker? Bedeutung, Definition, Erklärung

Mittlerweile sind laut einer Studie der Universität Michigan etwas mehr als 70% aller Erwachsenen zwischen 25 und 35 Jahren Overthinker. Sie geben an, sich lange und ausgiebig mit kleinen und großen Dingen ihres Alltags und der Umwelt zu befassen. Von den Studienteilnehmern waren mehr Frauen als Männer von diesem Phänomen betroffen.

Auf den ersten Blick scheint Overthinking gar kein Problem zu sein. Lange und ausgiebig über etwas nachzudenken ist ja auch eigentlich eine gute Sache. Immerhin fallen einem mit mehr Zeit auch mehr Lösungen ein, und man kann Dinge von verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Doch spätestens, wenn sich dies in stetiges Grübeln wandelt und man sich nur noch auf die möglichen negativen Auswirkungen konzentriert, gerät es in negative Bahnen.

Overthinker werden quasi zu Sklaven ihrer Gedanken und sind gefangen in einer Negativschleife. Eine kleine, unbewusste Handlung ihres Gesprächspartners kann zu angestrengtem Nachdenken führen, ob dieses oder jenes Verhalten eine Bedeutung hat und welche das sein könnte. War die fahrige Handbewegung eigentlich abwertend gemeint? Ist der Andere böse auf mich? Seht auf mich herab? Oder war die Geste eine Aufforderung an mich, die ich nicht verstanden habe? Wurde der Gesprächspartner somit enttäuscht? Die negativen Gedanken türmen sich zu einem Berg auf, der positive Einflüsse irgendwann ersticken kann.

Die gute Nachricht: eine so entstandene Gefühlswelt lässt sich durch das Bewusstwerden seiner Gedankenroutine wirksam reduzieren oder auch ganz beseitigen. Schnell und auf Knopfdruck lassen sie sich nicht abschalten. Versucht man dies mit aller Kraft, ist meist das Gegenteil der Fall. Erinnern Sie sich an das alte Beispiel: „Denken Sie für einen Tag nicht an blaue Elefanten!“ Indem Sie sich zur Vermeidung zwingen, stuft das Gehirn die Grübeleien erst recht als Bedrohung ein. Es beginnt, sie vor dieser „Gefahr“ zu warnen, indem es Sie immer wieder darauf aufmerksam macht. In Folge kommt es oft zu Schlaflosigkeit bei Nacht und nervöser Unruhe während des Tages. Die meisten Leute können mit Gedanken schnell abschließen, Overthinker benötigen oft Unterstützung ihres Umfeldes oder manchmal gar ärztliche Hilfe.

Woran erkennt man einen Overthinker?

Wie schon erwähnt sind Menschen mit Overthinking-Syndrom von negativen intrusiven Gedanken erfüllt. Sie erscheinen oft depressiv und sehen mögliche Folgen eines Tuns negativ, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit eines negativen Auskommens gering ist. „Aber was ist, wenn…“ ist eine häufige Antwort, wenn Sie es mit einem Betroffenen zu tun haben. Natürlich ist nicht jeder, der etwas negatives denkt, gleich ein Overthinker, aber Letzteren fällt immer etwas Negatives zu präsenten Dingen und Handlungen ein. Sie leben in ständiger Furcht, dass etwas Unerwünschtes passiert. Sie analysieren ständig die Situation, in der sie sich befinden oder in die sie geraten mögen, und sie kommen oft auf eigentlich geklärte Themen zurück. Da ihnen ihre Gedanken oft benötigte Ruhephasen rauben, wirken betroffene Menschen oft matt, antriebslos und müde. Projekte, an denen sie arbeiten, werden mit zeitlicher Versäumnis fertig, da sie Angst vor negativen Reaktionen ihrer Mitmenschen haben. Sie entwickeln oft einen negativen Perfektionismus, eine Arbeit oder eine Kreation so gut wie irgend-möglich abzuliefern. Doch selbst das beste Ergebnis ist nicht gut genug, um nicht doch Kritik auszulösen.

Was kann man gegen Overhinking tun?

Glauben Sie, einen Overthinker in Ihrem Umfeld erkannt zu haben? Hören Sie ihm erst einmal gut zu und eruieren, welches Thema ihm momentan am meisten zusetzt. Die andere Person ernst zu nehmen, ist hier wichtig. Floskeln wie „Ist doch nicht so dramatisch“ oder „Man kann sich aber auch anstellen“ sind eher kontraproduktiv. Wägen Sie jedes Argument ab und versuchen Sie, die negativen Gedankengänge mit positiven „abzufedern“ oder positive Gegenpunkte aufzustellen. Untermauern Sie diese ruhig und sachlich, ohne drängende Forderungen zu stellen. Auch Ablenkung von den Gedanken ist hilfreich. Schon ein Spaziergang an der frischen Luft oder ein Plausch in einem Café kann Ihrem Bekannten zu mehr Gelassenheit verhelfen. Dennoch sollten Sie argumentativ auf ihn eingehen. Geben Sie Beispiele, setzen Sie aber auch klar einen Schlussstrich. Erklären Sie ein oder zwei Mal Ihre Meinung und lassen Sie Nachfragen zu. Aber wiederholtes Nachfragen und „Ja aber…“ sollten Sie unterbinden. Lenken Sie das Gespräch dann auf ein anderes Thema.

Was kann ich denn tun, wenn ich selbst betroffen bin?

Erkenntnis ist auch hier der erste Schritt zur Besserung. Finden Sie, dass sie zu viel und oft über ein Thema und dessen mögliche negativen Auswirkungen nachdenken, so ist das schon ein erster Schritt.
Versuchen Sie, diese Überlegungen zu erfassen. Sehen Sie, wie viel Zeit Sie mit diesen verbringen.
Das beste Gegenmittel ist, Fakten für positive Auswirkungen zu finden und sich darauf zu konzentrieren. Ebenso ist es von enormer Wichtigkeit, Struktur in die Gedankenprozesse zu bringen. Konzentrationsübungen helfen, sich auf Wichtiges und Prioritäten zu fokussieren. Schreiben Sie auf, welche Gedanken Sie sich schon gemacht haben und zu welchen Ergebnissen Sie gekommen sind. So lassen sich Wiederholungen vermeiden. Ziehen Sie einen engen Freund oder Bekannten hinzu und teilen Sie ihm mit, was Sie bedrückt. Der Blick aus einer anderen Perspektive wirkt sich meist positiv aus. Ein weiteres Hilfsmittel ist Ablenkung. Nehmen Sie sich aus der negativen Gedankenspirale heraus. Unterbrechen Sie sie durch eine Tätigkeit, die Ihre Aufmerksamkeit erfordert und Freude bringt. Sportliche Aktivitäten wirken sich hier optimal aus, genauso wie Tätigkeiten, welche hohe Konzentration benötigen. Ein Puzzle lösen, Kreuzworträtsel, Modellbau oder selbst ein Computerspiel sind nur einige Beispiele. Sollte all das nicht helfen, sollten Sie sich professionelle, psychologische Hilfe holen. Reden Sie mit Ihrer Krankenkasse über das Problem, meist wissen deren Mitarbeiter schnell, wo Sie sich Rat holen können. Geschulte Psychologen sind in der Lage, Ihre Probleme zu erfassen und mit Ihnen Lösungen zu erarbeiten.

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