Warum haben Unwetter Frauennamen? Erklärung

Warum haben Unwetter Frauennamen, Erklärung


Eigentlich dachten sich die Amerikaner nichts Schlimmes, als sie damit begannen, Wirbelstürme nach Frauen zu benennen.

Tatsächlich war es der Wetterdienst der US-Army, der mit dieser Sitte begann. Das war während des Zweiten Weltkrieges.

Warum haben Unwetter Frauennamen? Erklärung

Taifune im Pazifik wurden mit Frauennamen in alphabetischer Reihenfolge benannt. Die Benennung vereinfachte die Kommunikation unter Wetterexperten und Angehörigen der Armee. Immerhin tauchen in dieser Region manchmal mehrere Stürme gleichzeitig auf. Namen waren eingängiger und leichter zu merken, als Nummern. Eine Verwechslung wäre für Schiffe oder Flugzeuge schnell zur Katastrophe geworden.

Nach 1953 wurde die Benennung auch für Hurrikane im Atlantik angewendet. Die Namensgebung setzte schließlich als internationaler Standard durch.

In der Folge wurden Hochdruckgebiete (Schönwetter) mit männlichen Namen besetzt und Tiefdruckgebiete (Stürme und weniger schönes Wetter) weiter mit Frauennamen.

Es ist unwahrscheinlich, dass der Wetterdienst der US-Army damals nur bösartige oder sexistische Absichten gehabt hat. Die Gewalt eines Wirbelsturms kann im übertragenen Sinne tatsächlich mit einer wütenden Frau gleichgesetzt werden.

Es ist auch verständlich, dass man zu Kriegszeiten Taifune nicht nach Männern benennen wollte. Kam eine wütende Frau am Horizont auf die Einheiten zu, war das psychologisch wahrscheinlich einfacher zu verdauen.

Später entwickelte sich aus der Tradition ein feministischer Eklat.

Unwetter-Namen: Gleichstellung der Geschlechter auch beim Wetter

Bereits 1954 übernahm auch das deutsche meteorologische Institut die Namensgebung. Benannt wurden nicht nur Stürme, sondern grundsätzlich alle Tief- und Hochdruckgebiete.

Lange Zeit war dieses Vorgehen der Meteorologen normalen Bürgern nicht bekannt. Das änderte sich schlagartig, als 1990 die Stürme Vivian und Wiebke über Deutschland hinwegfegten.

Sturm: Vivian

Zwei Tage wütete das Sturmtief über Europa. Vom 25. bis 27. Februar fegte der Orkan über Frankreich, Irland, Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Deutschland und die Schweiz hinweg. 64 Menschen kamen dabei ums Leben, 15 davon in Deutschland. Bei den Aufräumarbeiten in den großflächig zerstörten Wäldern starben weitere Menschen.

Unwetter: Wiebke

Direkt im Anschluss kam Wiebke. Vom 28. Februar bis 1. März 1990 wütete der Sturm vor allem über Deutschland, der Schweiz und Österreich. Weitere 35 Menschen starben und die Schäden schnellten in die Milliardenhöhe.

Die beiden tödlichen Damen waren der Abschluss einer ganzen Reihe von Stürme. Seit Jahresbeginn hatten 1990 bereits Daria, Herta, Judith, Nana, Ottilie und Polly über Europa getobt.

Durch die umfangreiche Berichterstattung in den Medien fiel die Namensgebung erstmals der breiten Bevölkerung auf.

Was manche mit einem Augenzwinkern sahen, war für Feministinnen ein Grund zum Aufschreien.

In der sowieso angeheizten Gleichstellungsdebatte wirkte die Benennung plötzlich diskriminierend.

Unwetter-Namen: Was Stürme mit Frauenrechte zu tun haben

Die Freiheit und Gleichstellung von Frauen ist noch keine hundert Jahre alt. Davor galten Frauen in der Gesellschaft oft noch als minderwertige Lebewesen. Männer galten als klug, leistungsfähig und zurechnungsfähig.

Frauen dagegen waren seit Jahrhunderten das Anhängsel der Männer. Sie galten als fehlbarer, schwächer, launisch und unselbstständig. Obwohl Frauen sich im Laufe des 20. Jahrhunderts in die Freiheit und Unabhängigkeit kämpften, war die Debatte in den 1990er längst nicht abgeschlossen.

Die Benachteiligung von Frauen und Müttern vor allem in der Arbeitswelt war noch allgegenwärtig. Der Feminismus erreichte neue Höhepunkte. Natürlich wollten es die kämpferischen Frauen dieser Tage nicht auf dem eigenen Geschlecht sitzen lassen, mit Schlechtwetterfronten und vernichtenden Stürmen assoziiert zu werden.

Sie zogen los und erstritten eine Änderung der Namensgebung bei der Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

Unwetter-Namen: Heute wechseln sich die Namen ab

1998 war es so weit. Seitdem wechseln sich männliche und weibliche Namen in der Wetterbenennung ab.

In ungeraden Jahren tragen die Schönwetterfronten jetzt weibliche Namen und die Schlechtwetterfronten männliche Namen.
In geraden Jahren ist die Namensgebung umgekehrt.

Die Amerikaner hatten die Praxis da schon lange geändert. Für den Pazifik und Atlantik wurden bereits seit 1978 bzw. 1979 gemischtgeschlechtliche Namen vergeben.

Unwetter-Namen: Jetzt wirbeln auch Männer über Europa

Das seither schlimmste männliche Orkantief war Lothar. Der Jahrhundertsturm verwüstete am 26. Dezember 1999 Waldgebiete und Ortschaften in Nordfrankreich, Süddeutschland, der Schweiz und Österreich. Lothar kostete 110 Menschen das Leben und erreichte Spitzengeschwindigkeiten von 270 km/h.

Es ist heute also nicht mehr richtig, dass Stürme grundsätzlich Frauennamen haben.

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