Warum gibt es die 40 Stunden Woche? Wo kommt das Konzept her? Erklärung

Warum gibt es die 40 Stunden Woche, Wo kommt das Konzept her, Erklärung


Die 40 Stunden Woche ist im deutschsprachigen Raum und in den meisten anderen westlichen Ländern der Standard für die Wochenarbeitszeit von Angestellten. Sie entstand aus der historischen Notwendigkeit zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen und hat sich seitdem in den meisten Ländern der Welt durchgesetzt.

Während man zwar heute immer noch von der klassischen 40 Stunden Woche redet, ist dies längst nicht mehr in allen Branchen die Norm. Im Laufe der Geschichte wurde mit der Automatisierung von Prozessen und dem Blick auf bessere Arbeitsbedingungen stets die Arbeitszeit für Angestellte reduziert. Gerade in der heutigen Debatte ist eine Absenkung in den nächsten Jahren weiter denkbar.

Wie entstand das Konzept der 40 Stunden Woche? Ursprung, Geschichte

Ursprünglich ging es bei der Debatte um die Arbeitszeit von Arbeitern nicht um die Wochenarbeitszeit, sondern die Zeit, die jeden Tag mit der Arbeit verbracht wurde. Bereits im späten Mittelalter gab es einige Bestimmungen, wonach Arbeiter der Krone nur 8 Stunden am Tag mit Arbeit beschäftigt sein durften. Das hatte vor allem damit zu tun, dass die Arbeiter noch die Möglichkeit haben sollten, etwaige Feldarbeit auf ihren eigenen Höfen zu erledigen und somit ihre Abgaben leisten zu können.

Erst umfassende Gedanken über das Konzept machte man sich während der industriellen Revolution. Während 1825 in Deutschland noch rund 82 Stunden die Woche gearbeitet wurde, sank dies im Laufe der folgenden Jahre. Das hatte auch etwas damit zu tun, dass die Arbeit inzwischen eine körperliche Anstrengung mit sich brachte, in denn Erschöpfung oder sogar der Tod nicht mehr zu übersehen waren. Im Laufe des 19. Jahrhunderts waren es vor allem die industriellen Arbeiter in Großbritannien, die Forderungen nach einer Einschränkung der täglichen Arbeitszeit stellten. Tatsächlich gelang es erstmals eine 8 Stunden Grenze in einigen Branchen einzuführen – allerdings wurde zu diesem Zeitpunkt immer noch an mindestens sechs Tagen, manchmal auch sieben Tagen der Woche gearbeitet.

In Deutschland wurde 1918 und somit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erstmals der 8 Stunden Tag gesetzlich festgeschrieben. Auch damals galt der Samstag jedoch weiterhin als Arbeitstag, weswegen die Arbeiter immer noch 48 Stunden in der Woche beschäftigt waren. Der Sonntag galt nur aufgrund des Besuches in der Kirche als ein Ruhetag – damals galt es immer noch als ein heiliger Tag, an dem nur in wenigen Betrieben gearbeitet werden durfte. Mit den Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg wurde die Arbeitszeit in den deutschen Betrieben und Fabriken wieder deutlich erhöht und schließlich war man wieder bei deutlich über 50 Stunden pro Woche. Dieser Zustand hielt bis zum Ende des Krieges an.

In den USA war man bereits weiter – unter dem Eindruck der Gewerkschaften für die Bahnarbeiter und die Stahlarbeiter wurde hier bereits 1917 das erste Mal ein Gesetz verabschiedet, das die Arbeiter in einigen Branchen mit der 40 Stunden Woche beschützte. In den 1930er Jahren und kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde dann landesweit die 40 Stunden Woche als ein Standard festgesetzt, wobei vergleichsweise viel Autonomie bei den Staaten und bei den Betrieben geblieben ist, was Ausnahmeregelungen von diesem Gesetz angeht.

Die 40 Stunden Woche in Deutschland ist noch jung

In Deutschland hat das Wirtschaftswunder nach der Depression nach dem Zweiten Weltkrieg erst einmal wieder für eine Steigerung der Arbeitszeit gesorgt. In den 1950er Jahren starteten die Gewerkschaften schließlich eine Kampagne: „Samstag gehört Vati mir!“. Die Verbesserung der Bedingungen für Leben und Arbeit standen wieder mehr im Fokus der Arbeiter und der Gewerkschaften und es entstand eine breite Debatte darüber, wie viel Menschen arbeiten müssen und dürfen. Dabei hielt sich der Gesetzgeber erst einmal zurück und legte in den Gesetzen jeweils nur maximale Arbeitszeiten für den Arbeitsschutz fest. Es waren vor allem die Gewerkschaften, die hier mit den Tarifverträgen für einen Standard sorgten.

Heute definiert der Gesetzgeber verschiedene maximale Arbeitszeiten und Ruhetage. Es sind aber immer noch die Tarifverträge und die Unternehmen selbst, die die maximale Wochenarbeitszeit festlegen. Die 40 Stunden Woche gilt dabei auch deswegen als Standard, weil sie beispielsweise für Angestellte im öffentlichen Dienst festgeschrieben ist. Die größte Errungenschaft für Arbeitnehmer ist dabei der Umstand, dass der Samstag heute universell als freier Tag gilt und Menschen, die trotzdem am Wochenende arbeiten müssen, dafür wenigstens einen Aufschlag erhalten oder an anderen Tagen ihre freie Zeit bekommen.

Derweil ist die Diskussion auch in den letzten Monaten wieder begonnen worden. Es geht jetzt um die Frage, ob die 40 Stunden Woche mit den Errungenschaften der Digitalisierung und den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt noch zeitgemäß ist. In Spanien gibt es bereits ein Pilotprojekt mit einer 4 Tage Woche, in der nur noch 32 Arbeitsstunden gearbeitet werden. Den Arbeitnehmern steht es frei, dafür auf Lohn zu verzichten und weniger zu arbeiten. Wie die Entwicklung in den nächsten Jahren weitergehen wird, bleibt mit Sicherheit offen. Die geschichtliche Entwicklung zeigt aber, dass wir im Laufe der Jahre immer weniger gearbeitet haben.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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