Woher kommt der Spruch „Ist das Kunst oder kann das weg“? Erklärung

Woher kommt der Spruch, Ist das Kunst oder kann das weg, Erklärung


Die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ bezieht sich auf abstrakte Kunstobjekte, die der jeweilige Fragesteller willentlich oder unwillentlich mit einem Haufen Schrott oder profanem Müll vergleicht. In der Regel ist es eine rhetorische Frage, die auf humorvolle oder ironische Weise gestellt wird. Darüber hinaus dient sie auch als vernichtendes Urteil über ein Kunstwerk. Sowohl Journalisten als auch Kunstkritiker verwenden diese Fragestellung gerne im Zuge von Artikeln über zeitgenössische Kunst.

Woher kommt der Spruch „Ist das Kunst oder kann das weg“? Erklärung

Der Ursprung der Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ wird oftmals in Zusammenhang mit mehreren unbeabsichtigten Entsorgungen oder unbedachten Änderungen an modernen Kunstwerken gebracht. So waren es zumeist Unkundige wie Reinigungskräfte oder Hausmeister, die der Gefahr der Verwechslung unterlagen und die modernen Werke nicht als Kunstobjekte wahrnahmen, sondern Schmutz oder Müll.

Die unabsichtliche Zerstörung von zwei Werken des ehemaligen Direktors der Kunstakademie Düsseldorf und deutschen Künstlers Joseph Beuys gelten als Geburtsstunde der Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Bei einer Feier im Museum für Gegenwartskunst Morsbroich in Leverkusen im Jahr 1973 reinigten zwei SPD-Politikerinnen eine alte, als Kunstinstallation konzipierte Wanne von Beuys. Außerdem wurde 1986 in der Düsseldorfer Kunstakademie Beuys ausgestelltes Kunstobjekt mit dem Titel „Fettecke“ irrtümlich entsorgt. Unterschiedliche Quellen geben entweder den Hausmeister oder die Putzfrau der Institution als Verursacher des Missgeschicks an.

2010 benannte der deutsche Humorist Mike Krüger sein Bühnenprogramm und eines seiner Alben „Is’ das Kunst oder kann das weg?“.

Der deutsche Kunsthistoriker und Publizisten Christian Saehrendt veröffentlichte gleich zwei Bücher mit dem Haupttitel „Ist das Kunst oder kann das weg?“: 2012 erschien „Kassel. Ist das Kunst – oder kann das weg? Documenta. Geschichten, Märchen und Mythen“. Drei Jahre später folgte „Ist das Kunst oder kann das weg? Vom wahren Wert der Kunst“ in Zusammenarbeit mit dem deutschen Kreativdirektor und Autor Steen T. Kittl.

Hintergrund „Ist das Kunst oder kann das weg?“

Die mit Kupferdraht, Fett, Mullbinden und Heftpflastern versehene Badewanne stellte der Künstler Joseph Beuys erstmals in der Düsseldorfer Kunstakademie 1968 bzw. 1969 aus. Für weitere öffentliche Ausstellungen in den Jahren 1972 bis 1973 verlieh der Kunstsammler Lothar Schirmer die Wanne zusammen mit anderen Werken. So war sie Teil der Wanderausstellung „Realität – Realismus – Realität“, die in sieben städtischen Museen stattfand, darunter auch im Städtischen Museum für moderne Kunst Leverkusen, das sich im Schloss Morsbroich befindet. Die Wanne wurde immer gemeinsam mit einer Schrifttafel ausgestellt, die mit dem Vermerk versehen war, dass in jenem Trog Joseph Beuys einst als Säugling gebadet wurde. Darunter waren ebenfalls die Worte „Offenbar zu heiß“ zu lesen, welche von einer unbekannten Person hinzugefügt wurden.

Am 3. November 1973 veranstaltete der Ortsverein der SPD Leverkusen Alkenrath ein Fest im Schloss MorsbroichDort lagerten zu dieser Zeit die Wanne sowie andere Kunstwerke von Beuys, da sich die Ausstellung noch im Aufbau befand. Die SPD-Politikerinnen Marianne Klein und Hilde Müller nahmen an den Festlichkeiten im Schloss teil und suchten ein Gefäß, um die Gläser zu spülen. Sie entdeckten die scheinbar verschmutze Wanne.

Ahnungslos, dass es sich bei der Wanne mit den Mullbinden, Heftpflastern, Fettflecken und dem Draht um Kunstmaterial handelte, reinigten sie diese und nutzten das Kunstobjekt anschließend für ihr Vorhaben.

Sie erinnern sich daran wie folgt: „Wir dachten, das alte Ding könnten wir schön sauber machen und benutzen, um darin unsere Gläser zu spülen. So wie die aussah, konnten wir sie nicht gebrauchen. Deshalb haben wir die Wanne geschrubbt.“

Fazit der Redaktion: Ist das Kunst oder kann das weg?

Die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg“ zeigt, dass die Bedeutung von etwas nicht in dem etwas selbst liegt, sondern dass die Bedeutung von außen (durch Menschen) hinzugefügt wird. Die moderne Kunst lebt dies. Denn oftmals sind Kunstwerke nur als Kunstwerke erkennbar, weil sie in einem gewissen Rahmen oder Anrichtung präsentiert werden. Würden der Rahmen und die Anrichtung fehlen, so wären die Werke nicht für jeden als Kunst identifizierbar. (Damit stellt sich für die moderne Kunst eigentlich eine weitere Frage. Existiert moderne Kunst nur durch ihren Rahmen und Darstellung?)

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