Was ist Zeitinkonsistenz? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Zeitinkonsistenz, Bedeutung, Definition, Erklärung


Als Zeitkonsistenz wird das Problem von gebrochenen Vorsätzen bezeichnet. Für die ökonomische Theorie sind gebrochene Vorsätze eine Niederlage.

Was ist Zeitinkonsistenz? Bedeutung, Definition, Erklärung

Heute wird beispielsweise entschieden, dass eine Diät persönlich den größten Nutzen bringt. Soll der Umschluss allerdings später in die Tat umgesetzt werden, so wird er verändert. So wichtig ist eine Diät dann plötzlich nicht mehr, obwohl es vorher als die richtige Entscheidung galt.
Neben der gescheiterten Diät gibt es noch viele weitere Beispiele: etwa das Rauchen aufzuhören, mit Sport anzufangen oder für das Alter vorsorgen. Am einen Tag ein fest gefasster Entschluss, am nächsten Tag schon wieder vergessen.

Die ökonomische Theorie arbeitet mit sogenannten „discounted-utility“ Modellen. Die Grundidee dahinter ist, dass Menschen den gesamten Nutzen in ihrem Leben maximieren. Sie sind also bestrebt, aus ihrem Leben das Beste herauszuholen und setzen dies auch entsprechend mit ihren Vorsätzen um. Der Bruch der Vorsätze spricht auch gegen die ökonomische Theorie, da Menschen dann eben doch nicht bereit sind, den größtmöglichen Nutzen aus ihrem Leben zu ziehen, indem sie etwa abnehmen und dadurch gesünder leben können.
Menschen ziehen den Konsum in der Gegenwart dem Konsum in der Zukunft vor. Somit diskontieren sie den späteren Konsum und zinsen ihn ab auf die Gegenwart. Er wird gewichtet mit einem Faktor, der kleiner als eins ist.

Zeitinkonsistenz: Langzeitziel Diät vs. aktuelle Entbehrungen

Die Zeitkonsistenz besagt, dass sich die Entscheidung zwischen zwei unterschiedlichen Optionen, die zeitlich variieren, nicht verändert, wenn beide Optionen um einen Zeitraum verschoben werden.
Nehmen wir an, es gibt eine Wahl zwischen den folgenden Szenarien:

  • 13 Monate auf 110,00 € warten
  • 12 Monate auf 100,00 € warten

In diesem Fall ist es natürlich besser, 13 Monate zu warten und dann 110,00 € zu erhalten. Gemeinhin wissen die Menschen dies auch, trotzdem hätten sie lieber schneller die 100,00 € als länger auf die 110,00 € zu warten. Dieses Verhalten ist Zeitinkonsistent. Denn wenn noch einen Monat länger gewartet werden würde, würde es mehr Geld geben. Dafür muss einfach nur abgewartet werden, mehr müsste nicht getan werden. Das fehlt den Menschen allerdings sehr schwer. Oft nehmen sie lieber direkt, was sie bekommen können und wollen nicht länger warten.

Auch bei einer nicht eingehaltenen Diät wird zeitinkonsistent gehandelt. Zuerst wird entschieden, dass der Nutzen der Diät größer ist als aktuelle Nachteile (die 110,00 € in den drei Monaten werden also bevorzugt). Wenn die Diät wirklich begonnen werden soll, so erscheinen die aktuellen Entbehrungen (das Verzichten auf Kalorien, Sport zu treiben) allerdings größer als der Nutzen in der Zukunft (es wird also zu den 100,00 € gegriffen).

Das Nichtumsetzen von guten Vorsätzen wird also aus traditioneller ökonomischer Perspektive als inkonsistent bezeichnet.

Zeitinkonsistenz: Das neue Modell der hyperbolischen Diskontierung

Die eben beschriebene Vorgehensweise wird von der neueren Forschung der Ökonomie mit dem Modell hyperbolischen Diskontierung zu erklären versucht.

Demnach sind Menschen sehr ungeduldig, wenn es um eine kurze Frist geht. Auf eine lange Frist hingegen sind sie geduldiger und auch bereit, einen Aufschub hinzunehmen. Bei einem langen Aufschub wird nur eine geringere Kompensation verlangt, bei einer kurzen Frist hingegen eine umso größere.

So lässt sich erklären, warum gute Vorsätze nicht eingehalten werden können. Eine Diät bedeutet einen Nutzen, der weit in der Zukunft liegt. Bis die Diät anschlägt und die Ziele erreicht sind, können Monate vergehen.
Steht man nun allerdings heute vor der Wahl, entweder eine Pizza zu essen oder darauf zu verzichten, so wirkt der zukünftige Nutzer, den die Diät einbringen soll, nicht mehr. Er entschädigt nicht auf den kurzfristigen Verzicht vom Konsum. Der Diätvorsatz wird so schnell vergessen.

Inzwischen gibt es auch noch andere alternative Theorien zu dem Thema, da nicht alle mit dem eben vorgestellten Modell einverstanden sind.
Eine Idee befasst sich mit dem Zerlegen von Entscheidung in mehrere Intervalle. Die Zeitkomponente wird in diesen Intervallen unterschiedlich stark berücksichtigt.

Der Ansatz wird als subadditive Diskontierens bezeichnet. Für einzelne Teile von einem größeren Angebot sind Menschen oftmals bereit, mehr zu zahlen, als für die Summe aller Einzelteile.

Auch für den Umgang mit dem Faktor Zeit kann diese Theorie angewandt werden. Zur Schätzung, welchen Wert eine Zahlung in einem Jahr hat. Entweder wird der Zeitraum als Jahr gesehen oder als zwölfmal ein Monat. Die Zahlung ist zwar immer die gleiche, allerdings kann die Wahrnehmung anders sein.

Beim subadditiven Diskontieren wird nämlich die Abzinsung größer, wenn das abzulaufende Jahr in zwölf Monate zerlegt wird.

Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik

Diese Ideen haben große Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik. Menschen verhalten sich oft zeitinkonsistent. Muss der Staat hier eingreifen, um ein zeitkonsistentes Verhalten zu erzwingen?
Dabei geht es vor allem um die Förderung einer privaten Altersvorsorge oder der Bekämpfung von nicht gesunden Lebensweisen.

Im Bereich der Altersvorsorge bevorzugen viele Menschen den heutigen Konsum gegenüber einer späteren, eventuellen Altersvorsorge. Sie verhalten sind zeitinkonsistent und werden dies im Alter bereuen.
Es sollte daher eine obligatorische Mindestvorsorge geschaffen werden. Dabei sollte dies mindestens existenzsichernd sein, aber auch nicht höher, um Missbrauch zu verhindern.

Eine Absicherung schafft der Staat über die Rentenversicherung, die für alle nicht selbstständig tätigen Arbeitnehmer verpflichtend ist.

Auch im staatlichen Eingriff beim Konsum gesundheitsschädlicher Substanzen, wie etwa Alkohol oder Zigaretten, wird die Zeitinkonsistenz als Argument für die Richtigkeit des staatlichen Handels angeführt.
Auch „Sündensteuern“ werden hier diskutiert. Diese sollen Menschen dazu bringen, mit ihrem zeitinkonsistenten Verhalten aufzuhören. Denn mit Rauchen, Alkohol oder Drogen zerstören wir unsere zukünftige Gesundheit für ein gutes Gefühl in der Gegenwart.
So könnten vielleicht Menschen dazu gebracht werden, mit dem Rauchen aufzuhören.

Die Zeitkonsistenz – ein kompliziertes Phänomen

Grundsätzlich ist die Zeitkonsistenz ein kompliziertes Phänomen. Es ist aber durchaus zutreffend und beschreibt viele menschliche Verhaltensweisen, die eigentlich inkonsequent und falsch sind. Oftmals wird ein Genuss in der Gegenwart dem vernünftigen Handeln für die Zukunft vorgezogen.

Trotz aller Theorie leben wir allerdings nur einmal und immer in der Gegenwart – nicht in einer fernen Zukunft. Viele Menschen leben nach dieser Devise und vergessen ihre Zukunft. Wenn sie diese dann erreicht habe, ist auch sie Gegenwart und die Fehler aus der Vergangenheit werden dann vielleicht bereut.

Wie der Mensch letztendlich handelt, ob zeitkonsistent oder zeitinkonsistent, liebt in seiner persönlichen Entscheidung. Er muss dann allerdings auch in der Zukunft mit seinen Entscheidungen in der Gegenwart leben.

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