Was ist Schwarz-Weiß-Denken? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Schwarz-Weiß-Denken, Bedeutung, Definition, Erklärung


Jemand, der schwarz-weiß denkt, denkt nicht in Grautönen. „Schwarz-Weiß-Denken“ bezeichnet eine Denkart, die keine Zwischentöne zulässt. Sie kennt eben nur „schwarz“ oder „weiß“. Vermutlich gibt es niemanden, der nicht schon einmal in dieser Form gedacht hat. Vielleicht im Zusammenhang mit politischen Debatten oder dann, wenn es um den Geschmack geht. In Sachen Mode oder Musik sind wir alle schnell dabei, das eine zu mögen und das andere abzulehnen.

Schwarz-Weiß-Denken ist eine Form der Engstirnigkeit. Es schränkt die eigentliche Denkleistung auf nur zwei Stränge ein. Mögliche Zwischentöne werden nicht in Betracht gezogen, weil es sie in dieser Art des Denkens schlichtweg nicht gibt.

Schwarz-weiß-Denken: Schlüsselwörter

Ein solch eng gefasstes Denken macht sich sehr häufig auch in der sprachlichen Ausdrucksweise bemerkbar. Oftmals bemerkt der Sprecher nicht, dass die Wörter, die er wählt, sein Schwarz-Weiß-Denken offenlegen. Es sind Worte wie:

  • nie, niemals, nie wieder
  • immer, jedes Mal, grundsätzlich
  • perfekt, hundertprozentig, total
  • Katastrophe, Desaster, Ruin
  • nur, alles, nichts
  • alle, jeder, niemand, keiner

Es ist nicht die gelegentliche Verwendung dieser Wörter, die auf ein solches Denken hinweist. Ein regelmäßiger, extensiver Gebrauch von Wörtern, die kein gedankliches „Vielleicht“ zulassen, lässt allerdings aufhorchen. Einige Beispiele sollen verdeutlichen, in welcher Form bestimmte Wörter ein Schwarz-Weiß-Denken verraten:

  • „Niemals wird es möglich sein, mich vom Gegenteil zu überzeugen“
  • „Nie würde ich so etwas sagen“
  • „Immer muss ich mich erklären“
  • „Jedes Mal, wenn wir diskutieren, kommt es zum Streit“
  • „Eine Eins ist perfekt“
  • „Ein total altmodischer Geschmack“
  • „Der Mann ist eine Katastrophe“
  • „Die neue Regierung ist unser Ruin“
  • „Das Ganze ist ein Desaster“

Schwarz-Weiß-Denken wird problematisch, wenn keine anderslautende Gedanken und Meinungen akzeptiert werden. Eigene, selbstkritische Gedanken können sich in einem solchen mentalen Umfeld ebenfalls nicht entwickeln. Fremde, kritische Bemerkungen werden vom Tisch gewischt. Wer schwarz-weiß denkt, hat kein Interesse an Alternativen oder keine Fähigkeit Kompromisse zu schließen.

Schwarz-weiß-Denken: Es gibt kein „Dazwischen“

Schwarz-Weiß-Denken lässt keine Zwischentöne zu. Es gibt keinen mentalen Platz für ein „Dazwischen“. Etwas ist entweder gut oder böse. Jemand ist entweder ein Freund oder ein Feind. Schattierungen gibt es in einem solchen Denken nicht.

Diese Denkweise ist potenziell gefährlich, denn sie ist unfähig zur Flexibilität und unfähig, im vermeintlich Schlechten oder Negativen auch etwas Gutes oder Positives zu erkennen. Wenn Kritik beispielsweise grundsätzlich als Feindseligkeit empfunden wird, ist die Fähigkeit zur eigenen Veränderung und zur eigenen Entwicklung stark eingeschränkt.

Eine solche Einschränkung ist auch auf politischer, gesellschaftlicher oder kultureller Ebene fatal. Denn sie trennt, distanziert und extremisiert. Dann ist nicht mehr von Parteien, sondern von Links oder Rechts und als Gegenpol von der Mitte die Rede. Das „Dazwischen“ wird ignoriert. Arbeitslose werden in die beiden Gruppen „Schmarotzer“ und „Arbeitswillige“ eingeteilt. Berufsgruppen wurden während der Corona-Pandemie – jedenfalls zeitweise – in systemrelevante und restliche unterschieden. Schwarz-Weiß-Denken ist eine Art Lagerdenken. Es gibt in dieser Denkweise kein Abwägen von Möglichkeiten.

Auf zwischenmenschlicher Ebene führt Schwarz-Weiß-Denken direkt zu einem Pauschalisieren und „Schubladendenken“. Pauschal werden Menschen als dumm oder intelligent, interessant oder langweilig, nützlich oder unwichtig, deutsch oder ausländisch kategorisiert.

Alles-oder-Nichts-Denken: Erklärung, Bedeutung, Definition

Schwarz-Weiß-Denken ist ein Alles-oder-Nichts-Denken. Ein Bisschen gibt es innerhalb dieser Denkweise ebenso wenig, wie es Grau gibt. Jemand, der auf diese Weise die Menschen meint zu verstehen, vereinfacht die Komplexität der Zwischenmenschlichkeit. Menschen sind nicht nur gut oder schlecht. Prinzipiell gute Menschen können manchmal auch böse sein und schlechte Menschen haben vielleicht auch eine gute Seite. Die Schwarz-Weiß-Denkweise verhindert ein Erkennen dieser Facetten.

Alles-oder-Nichts-Denken funktioniert genauso kategorisch wie ein Schwarz-Weiß-Denken. Diese Denkweise erwartet von einem Menschen, dass er sich klar positioniert und sich entweder komplett oder überhaupt nicht einbringt – sei es in eine Diskussion, in eine Freundschaft oder etwa auch an einem Arbeitsplatz.

Positionswechsel, halbe Sachen, ein Zögern oder ein Zweifeln ist bei einer solchen Denkweise nicht möglich und auch nicht erwünscht. Wer es tut, landet dennoch in einer der beiden Schubladen. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt nur zwei Kategorien.

Entweder-oder-Denken

Eine weitere Variante des Schwarz-Weiß-Denkens ist das Entweder-oder-Denken. Auch diese Variante kennt nur zwei Kategorien: Entweder jemand ist für oder gegen etwas. Entweder jemand ist wohlgesonnen oder feindlich. Entweder jemand ist Deutscher oder Ausländer. Entweder jemand ist politisch links oder rechts. Schattierungen werden ignoriert und eine Einteilung erfolgt in die eine oder andere Schublade.


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Schwarz-Weiß-Denken, Alles-oder-Nichts-Denken, Entweder-oder-Denken sind Denkweisen, die die Vielfalt der Möglichkeiten völlig außer Acht lassen. Häufig sind sie ein Ausdruck einer sich dahinter verbergenden Angst vor Komplexität und damit einhergehend vor Kontrollverlust.

Denken in Extremen

Schwarz-Weiß-Denken ist ein Denken in Extremen. Die Anzahl der Kategorien, in die es die Welt einteilen möchte, ist denkbar klein. Es gibt nur zwei, nämlich an den beiden äußersten Rändern der Bandbreite aller Möglichkeiten. Diese Tatsache ist für sich genommen schon ein Extrem. Diese Denkweise kennt nur schwarz oder weiß, hässlich oder schön, wertlos oder wertvoll, richtig oder falsch. Sie kennt keine Graustufen. Sie betrachtet die Menschen nicht neutral, sondern grundsätzlich wertend. Wer nicht gewinnt, ist ein Verlierer. Wer etwas falsch macht, ist ein Versager.

Wer schwarz-weiß denkt, denkt immer, es ginge um alles oder nichts oder um Leben und Tod. Während das Gegenüber einen Fehler als Fehler erkennt, ist er für einen Schwarz-Weiß-Denkenden eine Art Weltuntergang und kaum wiedergutzumachen.

Diese Denkweise beeinflusst nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen negativ. Sie hat auch für den Schwarz-Weiß-Denkenden negative Folgen. Denn er fällt seinem eigenen „Schubladendenken“ zum Opfer. Wenn er nicht zu den Besten gehört, gehört er aufgrund seiner eigenen Denkweise zu den Versagern. Wenn er in den Spiegel schaut und sich nicht schön findet, hält er sich automatisch für hässlich.

Das Zwei-Kategorien-Denken

Schwarz-Weiß-Denken ist ein Zwei-Kategorien-Denken, denn mehr Kategorien braucht es bei dieser Denkweise nicht. Es gibt nichts und niemanden, der von dieser Denkweise ausgespart wird. Der auf diese Weise Denkende packt auch sich selbst in eine von zwei Schubladen. Dabei handelt es sich um ein dysfunktionales Denkmuster, denn es führt nie zu einem Erfolg – es wird zu schlicht gedacht.

Das Zwei-Kategorien-Denken ist eine unterkomplexe, kindliche Form des Denkens und wird auch als dichotomes Denken bezeichnet. Es ist eine Schwarz-Weiß-Malerei, die negative Gefühle nach sich zieht, wenn sie den so Denkenden selbst betrifft. Zwei Beispiele für ein dichotomes Denken: „Mich verlassen alle, die ich liebe“ oder „Die Geburtstagsfeier war ganz schrecklich“.

Ein schwarz-weißes Zwei-Kategorien-Denken ist das Gegenteil von einem Sowohl-als-Auch-Denken. Letzteres ermöglicht es, Schnittmengen zu erkennen und Zweifel zuzulassen. Der letzte Platz bei einem Lauf fühlt sich für einen Schwarz-Weiß-Denker wie ein Versagen an. Für einen Sowohl-als-Auch-Denker kann sich der letzte Platz dennoch wie ein Sieg anfühlen, beispielsweise über eventuelle körperliche Einschränkungen. Schwarz-Weiß-Denken polarisiert, indem es Dinge vereinfacht und ihre Komplexität ignoriert. Es kennt nur Gewinner und Verlierer und betrachtet diese Einteilung als sachlich und den Tatsachen entsprechend. Alles andere verkompliziert alles nur unnötig. Schwarz-Weiß-Denken bleibt immer an der Oberfläche. Es kennt keine Tiefe und keinen Mittelweg.

Schwarz-Weiß-Denken ist eine Form der kognitiven Verzerrung

Schwarz-Weiß-Denken ist ein systematisch auftretender Denk- und Wahrnehmungsfehler. Die Welt wird nicht gesehen, wie sie ist: bunt, vielfältig und höchst komplex. Schwarz-weißes Denken sieht keine Nuancen, keine Zwischentöne. Die Welt wird unterkomplex wahrgenommen. Zwischenmenschliche Beziehungen und menschliche Verhaltensweisen werden in Sekundenschnelle so heruntergebrochen, dass sie in eine von zwei Schubladen passen, die sich in einer jeweiligen Situation gerade auftun: Gewinner – Verlierer, freundlich – frech, gebildet – ungebildet, Freund – Feind, richtig – falsch usw.

Diese schlichte Denkweise hat zur Folge, dass falsche Schlüsse gezogen werden, über Menschen und deren Verhalten. Gelegenheiten werden verpasst, Menschen und ihre Motive kennenzulernen. Auf diese Weise wird die eigene psychische Entwicklung boykottiert, denn Schwarz-Weiß-Denker meinen, alles zu wissen. Schließlich können sie innerhalb von Sekundenbruchteilen Menschen einschätzen, abschätzen und in einer Schublade ablegen. Eine solche Gabe – so die Denkweise – ist nicht zu verbessern. Weshalb sollte etwas komplizierter gemacht werden, als es sein muss?

Leider übersehen Schwarz-Weiß-Denker, dass sie sich aufgrund ihrer Denkweise das Leben unnötig schwer machen. Denn sie packen auch sich selbst ununterbrochen in eine von nur zwei zur Verfügung stehenden Kategorien: wenn kein Erfolg, bleibt nur Misserfolg, wenn keine Schönheit, bleibt nur Hässlichkeit, wenn keine Intelligenz, bleibt nur Dummheit, wenn keine Liebe, bleibt nur Hass.

Als Folge des Schwarz-Weiß-Denkens kommt es häufig zu Depressionen oder Angstzuständen. Es ist auf Dauer nicht möglich, den Großteil zwischenmenschlicher Möglichkeiten zu ignorieren oder so zurechtzubiegen, dass er in eine der beiden Kategorien „schwarz“ oder „weiß“ passt. Eine solche Denkweise bleibt nicht nur an der Oberfläche, sondern verschließt sich der Realität. Für Schwarz-Weiß-Denker gibt es kein „Dazwischen“.


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Autor: Pierre von BedeutungOnline

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