Was ist „Schattenarbeit“? Bedeutung, Erklärung, Definition


Bei der „Schattenarbeit“ handelt es sich um ein Konzept aus der Psychologie, welches auf den schweizerischen Psychiater Carl Gustav Jung zurückgeht. Die faszinierende Idee dahinter beschäftigt sich mit den tiefliegenden, unangenehmen Aspekten der Persönlichkeit, die im Laufe der Jahre verdrängt oder verleugnet wurden. Diese sind oft der Grund für die Art und Weise unserer zwischenmenschlichen Beziehungen. Mit der „Schattenarbeit“ sollen diese verborgenen Persönlichkeitsanteile nun wieder freigelegt werden.

Die „Schattenarbeit“ wird dabei von einem erfahrenen Psychologen angewandt und gilt als eine der erfolgreichsten Errungenschaften zur Erforschung der menschlichen Psyche. Im Rahmen dieses Artikels werden wir uns eingehend mit der Frage befassen, was „Schattenarbeit“ genau bedeutet und wie sie unser Verhalten, unsere Entscheidungen und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflusst. Darüber hinaus soll eine kritische Betrachtung mit dem Thema „Schattenarbeit“ vorgenommen werden.

Begriffsdefinition von „Schattenarbeit“

Das Wort „Schattenarbeit“ kommt aus der deutschen Sprache und setzt sich aus den Wörtern „Schatten“ und „Arbeit“ zusammen. „Schatten“ dient hier als Metapher für einen kühlen, dunklen, beziehungsweise für einen überdeckten, häufig unbekannten Ort. Gemeint sind damit die verborgenen Persönlichkeitsanteile, die im Unterbewusstsein gespeichert werden. Somit liegen diese im Verborgenen und können nur durch psychologische Praktiken wiedererlangt werden. Dafür ist nun die „Arbeit“ zuständig. Denn mithilfe von „Arbeit“ an der individuellen Persönlichkeit können die verborgenen Persönlichkeitsanteile dann wieder freigelegt werden.

Die „Schattenarbeit“ ist daher als Name für ein psychologisches Konzept zu verstehen. Sie gilt als ein unter Psychologen häufig genutzte Methode zur Behandlung von Patienten. Darüber hinaus ist die „Schattenarbeit“ mittlerweile auch unter Hobbypsychologen, Hypnotiseuren sowie Persönlichkeitscoaches sehr beliebt.

Herkunft und Ursprung der „Schattenarbeit“

Der schweizerische Psychologe Carl Gustav Jung entwickelte die „Schattenarbeit“ im Laufe seiner Karriere als Psychoanalytiker. Das Konzept dahinter entstand im Rahmen seiner Arbeiten zur Analytischen Psychologie, die er in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts erstellte. Während seiner Zusammenarbeit mit Sigmund Freud und seiner späteren eigenständigen Arbeit erforschte Jung die Tiefen der menschlichen Psyche und kam zu dem Schluss, dass es einen „Schatten“, beziehungsweise eine verborgene, oft unangenehme Seite der Persönlichkeit gibt, die unser Verhalten beeinflusst. Zwischen 1920 und 1930 feilte Jung weiter am Konzept der „Schattenarbeit“, bevor dieses später ein fester Bestandteil der Analytischen Psychologie wurde. Seine Arbeiten an diesem Konzept setzte er noch bis zu seinem Tod in seiner Züricher Praxis fort.

Wie funktioniert die „Schattenarbeit“?

Die durch Jung entwickelte „Schattenarbeit“ lässt sich in den nachfolgenden Schritten umsetzen:

1. Schattenidentifikation (Reflexion, Erkennung persönlicher Vorurteile, Ängste und unliebsame Eigenschaften)
2. Bewusstwerdung (sich der Verdrängung bewusst werden, „Schatten“ erkennen und akzeptieren)
3. Konfrontation (Auseinandersetzung mit den „Schatten“, Analyse des individuellen Verhaltens zur Entscheidungsfindung)
4. Integration (Integration des „Schatten“ in das bewusste Selbst)
5. Selbstakzeptanz (Erlangung von innerer Ruhe und einer besseren Kontrolle über die eigenen Handlungen und Emotionen)

Die Schattenarbeit zielt also insgesamt darauf ab, die Selbstkenntnis zu vertiefen und ein persönliches Wachstum zu fördern.

In welchen Bereichen trifft man auf „Schattenarbeit“?

Die „Schattenarbeit“ gilt als ein bemerkenswertes Konzept des 20. Jahrhunderts und begegnet uns heute in den folgenden Bereichen des Lebens:

  • Psychotherapie
  • Hypnosetherapie
  • Persönlichkeitsentwicklung

In den folgenden Unterabschnitten sollen die oben genannten Hauptverwendungsbereiche für die „Schattenarbeit“ noch näher beschrieben werden.

Psychotherapie

In der Psychotherapie spielt die „Schattenarbeit“ eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung und Bewältigung psychischer Probleme. Psychotherapeuten verwenden die Konzepte von Carl Jung, um ihren Patienten zu helfen, verborgene, verdrängte oder gar unterdrückte Aspekte ihrer Persönlichkeit aufzudecken. Auf diese Weise können innere Konflikte besser verstanden, beziehungsweise beseitigt werden. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit dem „Schatten“ können tiefliegende Traumata, Ängste und ungelöste Probleme aufgedeckt werden, was letztendlich zu emotionaler Heilung und persönlichem Wachstum führt.

Hypnosetherapie

In der Hypnosetherapie wird die „Schattenarbeit“ ebenso häufig verwendet, um Informationen oder Erfahrungen aus dem Unterbewusstsein wiederzuerlangen. Die Hypnose selbst kann hier zunächst dabei helfen, den Zugang zum Unterbewusstsein zu erleichtern, wo viele Schattenaspekte verankert sind. Hierfür versetzen Hypnosetherapeuten ihre Patienten in einen tranceähnlichen Zustand, um auf tiefe Schichten der Psyche zuzugreifen und die Integration von Schattenaspekten zu fördern. Durch diese Methode kann man oft schneller mit der eigentlichen „Schattenarbeit“ beginnen.

Persönlichkeitsentwicklung

Persönlicher und beruflicher Erfolg sind oft eng an eine gesunde, bewusste Persönlichkeit geknüpft. In der Persönlichkeitsentwicklung dient die „Schattenarbeit“ daher dazu, ein höheres Maß an Selbstkenntnis zu erlangen und persönliches Wachstum zu ermöglichen. Auch hier setzt man sich aktiv mit den individuellen Schattenaspekten auseinander, um bestimmte Verhaltensmuster in Beziehungen sowie für Entscheidungen besser verstehen (und gegebenenfalls optimieren) zu können. Dies ermöglicht es, bewusstere und gesündere Lebenswege zu wählen und eine tiefere Selbstakzeptanz zu entwickeln.

Kritiken an der „Schattenarbeit“

Trotz ihrer Wichtigkeit für die Persönlichkeitserforschung, so erfährt die „Schattenarbeit“ seit jeher eine Fülle an Kritiken. Zu den Hauptkriterien zählen unter anderem, dass das Konzept als zu subjektiv und zu vage gilt. Es könne in den Augen der Kritiker schwierig sein, eindeutig zu definieren, welche Aspekte genau als „Schatten“ gelten. Denn dies hängt zu stark von individuellen Überzeugungen sowie Normen und Werten ab (die beispielsweise von Kultur zur Kultur stark variieren können). Weiterhin kann die „Schattenarbeit“ in einigen Fällen als zu intensiv und emotional belastend wahrgenommen werden. In manchen kann das zu einem übermäßigen Fokus auf die negativen Aspekte der Persönlichkeit führen (und damit zu einem verstärkten Gefühl der Selbstablehnung). Die „Schattenarbeit“ kann und sollte daher nur von erfahrenen Psychotherapeuten angewandt werden und beispielsweise nicht von selbsternannten Hobbypsychologen oder Persönlichkeitscoaches.

Fazit zum Thema „Schattenarbeit“ und ähnliche Begriffe aus der Psychologie

Unterm Strich stellt die „Schattenarbeit“ ein bemerkenswertes Konzept aus der Psychologie des 20. Jahrhunderts dar, welches vom schweizerischen Psychoanalytiker namens Carl Gustav Jung entwickelt wurde. Die Methode soll verborgene oder verdrängte Persönlichkeitsanteile freilegen, damit gezielter an diesen gearbeitet, beziehungsweise die Selbstakzeptanz gefördert werden können. Sie wird heute noch in zahlreichen Psychotherapiepraxen sowie bei Hypnosetherapien eingesetzt und gilt nicht zuletzt als sehr umstritten.

Mit dem Konzept der „Schattenarbeit“ sind zum Beispiel die psychologischen Begriffe „Selbstakzeptanz“ und „Selbstreflexion“ verwandt. Während die „Selbstakzeptanz“ sich auf die Fähigkeit einer Person bezieht, sich selbst und alle Aspekte seiner Persönlichkeit ohne Vorbehalte anzunehmen, so verweist die „Selbstreflexion“ auf einen Prozess des kritischen Nachdenkens über die eigenen Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen sowie Motivationen. Beide Begriffe sind ein wichtiger Teil der „Schattenarbeit“.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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