Was ist eine Digitalsucht? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist eine Digitalsucht, Bedeutung, Definition, Erklärung


Wie vom Spielen, Alkohol oder Tabletten kann man auch von digitalen Angeboten süchtig werden. Digitalsüchtige verbringen täglich viele Stunden mit Computerspielen, in Chats, auf Social-Media-Plattformen, Pornografie-Seiten oder kaufen online ein. Während Mediziner noch vor wenigen Jahren vor allem junge Menschen unter 20 Jahren gefährdet sahen, sind jetzt immer mehr Erwachsene, auch Senior:innen, von Digitalsucht betroffen.

Die wichtigsten Merkmale einer Internetsucht / Digitalsucht

Digitalsucht ist eine Abhängigkeit, die es den Betroffenen extrem schwer macht, die Geräte für einen längeren Zeitraum nicht zu nutzen. Die stundenlange Nutzung führt dazu, dass sie in eine Art Parallelwelt abtauchen und immer weniger Zeit in der realen Welt mit Freunden und Familie verbringen. Sie vernachlässigen wichtige Lebensbereiche wie soziale Kontakte, aber auch wichtige Aufgaben wie die Steuererklärung.

Die Internet- oder Online-Sucht entwickelt sich schleichend und wird daher auch vom Umfeld spät bemerkt. Sie kann so gravierende Züge annehmen, dass sie zum Verlust des Arbeitsplatzes und zum Scheitern von Beziehungen führt.

Auch Verschuldung ist eine häufige Folge der Sucht. Ist das Suchtmittel nicht verfügbar, kommt es zu Entzugserscheinungen. Die unterscheiden sich kaum von denen bei Alkohol- oder Tablettensucht. Süchtige müssen ihr Verlangen nach dem Suchtmittel sofort befriedigen. Andernfalls machen sich innerer Unruhe, Zittern, Gereiztheit und Aggressivität bemerkbar.

Was begünstigt die Internetsucht / Digitalsucht?

Aufgrund der Isolation während der Corona-Pandemie hat sich die Zahl der Onlinesüchtigen massiv erhöht. Betroffen sind alle Altersgruppen anzutreffen. Gerade ältere Menschen, die nicht mehr auf gewohnte Strukturen zurückgreifen konnten, haben mithilfe von Social Media gegen Langeweile angekämpft und schleichend die Kontrolle über ihren Internetkonsum verloren.

Es sind gerade die Vorteile des Internets, die eine Sucht begünstigen. Denn im rund um die Uhr verfügbaren World Wide Web scheinen die Möglichkeiten grenzenlos zu sein. Hinzu kommt, dass das Internet kein seelenloser Raum ist. Bei seiner Nutzung spielen auch soziale Aspekte und Gefühle eine große Rolle. Etliche Inhalte empfinden wir als angenehm, denn sie lenken uns ab, machen Spaß und entspannen. Wir erleben Zugehörigkeiten und Anerkennung. Bei Verhaltenssüchten wie der Internetsucht kommen die gleichen biochemischen Vorgänge im Gehirn zum Tragen wie bei stoffgebundenen Süchten.

Belohnungsmechanismen befeuern das Suchtverhalten. Im Social-Media-Bereich ist das besonders stark spürbar. Man freut sich über Likes und positive Kommentare und möchte immer mehr davon haben. Ein Like hat sogar messbare Folgen, wie MRT-Untersuchungen zeigen. Es setzt das Glückshormon Dopamin frei, das für Wohlbefinden sorgt. Zudem halten Social-Media-Plattformen die Illusion aufrecht, mit dem Gegenüber in einer Beziehung zu stehen. Tatsächlich hält diese Illusion der Realität nicht stand und ist keineswegs mit echten Beziehungen zu Familie, Freunden und Nachbarn vergleichbar. Vorbelastungen wie Konflikte im sozialen Umfeld oder psychische Probleme sind ebenfalls geeignet, eine Internetsucht zu begünstigen. Auch genetische Faktoren beeinflussen die ihre Entstehung.

Wie wird Digitalsucht festgestellt?

Die Universität Lübeck hat hierfür 2023 einen neuen Diagnoseschlüssel entwickelt. Der bezieht nicht nur die Zeit, die man am Bildschirm verbringt, sondern weitere Kriterien mit ein:

  • Süchtige haben Entzugserscheinungen, wenn digitalen Angebote nicht verfügbar ist
  • sie isolieren sich und verharmlosen ihr Verhalten
  • sie machen falsche Angaben über die Zeit, die sie im Internet verbringen
  • sie verlieren das Interesse an Aktivitäten im Freien und an Hobbys
  • auch offline drehen sich ihre Gedanken vorwiegend um Aktivitäten im Netz
  • sie sind massiv gefährdet, die Partner:in oder den Arbeitsplatz zu verlieren

Online-Computerspielsucht ist besonders stark verbreitet

Computerspiel-Süchtige verbringen viele Stunden am PC, häufig sogar ganze Nächte. Das wirkt sich auf den folgenden Tag aus. Die Betroffenen sind unkonzentriert, übermüdet und machen Fehler. Das führt wiederum zu Konsequenzen in Schule, Universität oder am Arbeitsplatz.

omputerspielsucht wirkt sich auch emotional negativ aus. Spielsüchtige sind häufig gereizt, neigen aber auch zu Depressionen, wenn sie ihre Sucht nicht befriedigen können.

Glücksspiel-, Videospiel- und Online-Spielsucht wurden mittlerweile von der WHO als Suchterkrankungen anerkannt und damit der Alkohol- und Kokain-Abhängigkeit gleichgestellt. Ende des Jahres 2023 soll der neue Diagnoseschlüssel deutschlandweit angewendet werden.

Wie wird Internetsucht / Digitalsucht behandelt?

Internetsüchtige haben die Kontrolle über ihr Verhalten im Netz verloren und verbringen häufig mehr als acht Stunden täglich im Netz. In der internetfreien Zeit denken sie ständig daran, was sie als nächstes online tun werden.

Eine Sucht zu bekämpfen, ist nicht leicht. Genau wie bei anderen Süchten auch haben Internetsüchtige jedoch große Vorbehalte, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch je früher sie Hilfsangebote wahrnehmen, desto größer die Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung. In der Regel ist zur Behandlung von Süchten eine längere Therapie erforderlich. Günstige Prognosen haben Internetsüchtige nach einem Aufenthalt in einer Suchtklinik, da sie hier rund um die Uhr betreut werden und die Möglichkeit eines Rückfalls gering ist.

Die Therapie ist ganzheitlich ausgerichtet und umfasst Gruppen- wie Einzelgespräche, aber auch arbeitstherapeutische Maßnahmen, um die die Zeit, die durch den Verzicht auf das Suchtmittel frei wird, sinnvoll zu füllen. Zwar werden mittlerweile auch Online-Beratungen angeboten, doch Psychotherapeuten sehen das Angebot kritisch, da auch sie keinen echten Kontakt zur Außenwelt herstellen.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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