Was ist ein Hedonist? Eigenschaften, Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist ein Hedonist, Eigenschaften, Bedeutung, Definition, Erklärung


Traditionell war ein Hedonist jemand, der sich zu der antiken Denkrichtung von Aristippos und Epikur hingezogen fühlte. Der moderne Begriff des Hedonismus ist deutlich schwammiger konzipiert und meint meist ein Extrem: Ein Hedonist ist demnach ein kompromissloser Lustsucher, jemand, der sich dem Genuss nicht entziehen kann. Daher muss zwischen dem ursprünglichen Konzept des Hedonismus und der Alltagsbeschreibung unterschieden werden. In beiden Konzepten spielt die Lust eine zentrale Rolle, jedoch in der klassischen Variante auf nuancierte Weise.

Was ist ein Hedonist? Eigenschaften, Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist also ein Hedonist? Akkurat wäre die Erklärung: Ein Hedonist ist ein Vertreter einer antiken philosophischen Strömung, welche Lust und Seelenruhe als Ideal präsentiert. Der Hedonismus ist allen voran eine intellektuelle Denkrichtung.

Schaut man in den gängigen Wörterbüchern nach, findet man die Hedonistin oder den Hedonisten als Menschen beschrieben, der auf seine unmittelbare Lustbefriedigung aus ist. Häufig werden in diesem Kontext auch Begriffe wie Bonvivant und Lebemann/Lebefrau verwendet. Das berühmte Cambridge Dictionary nennt auf seinem Onlineauftritt neben derlei Begriffen auch Extreme wie beach bum, party animal, playboy und sweet tooth als verwandte Begriffe. Gar wird Marquis de Sade als Beispiel bemüht.

Nach letzterer Beschreibung wäre ein Hedonist in seiner Extremform jemand, der kurzfristige Lusterfüllung wie Körperlichkeit (Playboy, Marquis de Sade), Parties (party animal) und Schlemmereien (sweet tooth) in seinen Lebensfokus stellt. Darunter fiele sicherlich auch jemand, der dem von Epikur verpönten Luxus grenzenlos frönt. Der Begriff des Hedonismus hat sich damit im schlimmsten Fall von seiner eigentlichen Bedeutung entfremdet. Bezieht man allerdings Zuschreibungen wie Lebefrau/Lebemann oder Bonvivant – also eine Art lustbezogener nuancierter Freigeist – mit ein, wird der Begriff bestenfalls schwammig. Ein Hedonist wäre nach letzterer Erkenntnis beides: Ein Vertreter der antiken Denkrichtung sowie der lustbezogene Lebemann, Playboy und Partylöwe.

An welchen Eigenschaften erkennt man einen Hedonisten?

Der ganze Vorlauf zu dieser Frage unterstreicht: Diese Antwort ist nicht einfach zu beantworten. Deswegen lässt sie sich in zwei Teilen: den klassischen (Begriff des) Hedonisten und den modernen (Begriff des) Hedonisten.

1. Klassischer Hedonist: Ein Anhänger des antiken Hedonismus wäre in der Regel ein Intellektueller, der durch rationales Denken die Bedeutung der Lust und der Seelenruhe evaluiert. Er muss selbst kein Bonvivant sein, kann es aber. Dabei kennt er auch die Grenzen der Lust durch schädliche Begierden (Luxus), die von der Seelenruhe abhalten.

2. Moderner Hedonist: Wie der Hedonist heute verstanden wird, ist er jemand, der sich von seinen Gelüsten nicht lösen kann. In seiner primitivsten Form kann er sich von seinen impulsgetriebenen Lustgefühlen nicht lösen: Als Partylöwe muss er jede Party mitnehmen, als Playboy kann er sich der Körperlichkeit nicht entziehen. Gemäßigtere Interpretationen umgreifen Begriffe wie Lebemann und Bonvivant.

Eines haben beide Ansichten jedoch gemein: Die Lust nimmt in beiden Konzepten einen zentralen Part in der Weltanschauung ein.

Überblick – Der Hedonist und seine Eigenschaften

Ein Hedonist kann zweierlei sein: Ein Anhänger einer antiken Denkströmung, die von Aristippos und Epikur wesentlich geprägt wurde sowie ein moderner Lebemann, Partygänger oder Playboy, der sich der Lust nicht entziehen kann. Der Begriff des Hedonisten hat über die Jahrhunderte eine bemerkenswerte Evolution durchgemacht: Er ist in seiner heutigen Form eine Art Karikatur seiner ursprünglichen Bedeutung geworden – oder er umgreift zumindest auf schwammige Art mehrere Konzepte. Doch das klassische wie moderne Verständnis von Hedonismus teilen die Lust als Ausgangspunkt.

Hedonismus – Der antike Ursprung

Die philosophische Strömung des Hedonismus stammt aus der Antike. Bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. lehrte Aristippos von Kyrene im antiken Griechenland eine frühe Variante dessen, was man philosophisch unter Hedonismus versteht. Dabei wurde die Lust als ein Gegenpart zum Schmerz verstanden. Das Ideal des Hedonismus war allerdings damals die Ataraxie – die umfassende Seelenruhe. Hier wird bereits klar, dass sich der frühe Hedonismus von dem unterscheidet, was heute heruntergebrochen als Hedonismus verstanden wird: Lust ist nicht alles.

Als die wohl wichtigste Persönlichkeit des antiken hedonistisch geprägten Denkens gilt Epikur. Der Denker der von 341 v. Chr. bis 271/270 v. Chr. lebte, griff die Gedanken von Aristippos auf und entwickelte sie weiter. Daraus entstand der nuancierte Epikureismus, der sich von einem zügellosen Hedonismus abwandte. Auch wenn er die Begriffe wie Lust und Ataraxie wie Aristippos in das Zentrum seiner Denkbewegung stellte, sah er zwischen beiden keine Trennlinie, sondern eine Evolution: Die Ataraxie war die höchste Form der Lust. Dabei steht die Lust hier auch der Unlust und dem Schmerz entgegen: Die Lust hilft, den Schmerz zu lindern und in einen Zustand der Seelenruhe überzugehen. Epikur geht es insbesondere um das Überwinden von Zuständen der Unlust wie Schmerz, Ängste – aber auch der falschen Begierden. Auch hier zeigt sich ein Unterschied zum modernen Verständnis: Denn neben den natürlichen Begierden sah er auch die schädlichen Begierden, darunter den Luxus, der als Sucht von der eigentlichen Seelenruhe abhält. Der antike Hedonismus war also kein Extrem, sondern eine facettenreiche und nuancierte Philosophie.

Diskrepanz – Der klassische und der moderne Hedonismus

Es wurde bereits angedeutet: Es gibt eine Diskrepanz zwischen der antiken philosophischen Strömung und der modernen Idee von einem Hedonisten als einem kompromisslosen Lustsucher. Die Frage: Was ist ein Hedonist hat also keine eindeutige Antwort.

Während der antike Hedonismus eine empirische Denkrichtung war, die mäßigend vor übertriebenen Begierden wie Luxus warnte – und sich als ein weltgewandtes Gegenmodell zu den idealistischen Platonikern positionierte – ist der moderne Begriff nicht immer positiv konnotiert: Hedonisten gelten als gierige und teils kompromisslose Sucher nach Lusterfüllung und Sinnesgenuss. Im Vergleich zum ursprünglichen antiken Hedonismus kann man hier von einer Karikatur des Hedonisten sprechen. Obwohl es fraglos Menschen auf der Welt gibt, auf welche diese Zuschreibung zutrifft.


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Tatsächlich werden auch in der modernen Sprache zwei antike Begriffe genannt, um zwei extreme Lebensphilosophien zu porträtieren: Der Hedonist und der Stoiker. Während der Hedonist nach der Lusterfüllung sucht, fühlt sich der Stoiker zur Erfüllung seiner Selbst zu einem Leben fernab des klassischen Genusses hingezogen. Dabei sind beide Philosophien in ihrem antiken Kern weitaus nuancierter als die moderne polare Darstellung. Aber es war nicht unüblich, unter rivalisierenden philosophischen Strömungen den Gegenpart zu karikieren – ihn als Extrem darzustellen. In diesem Kontext ist es denkbar, dass aus diesem Umstand unser modernes Verständnis von Hedonismus und Stoizismus abgeleitet ist.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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