Was ist Doublespeak? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Doublespeak, Bedeutung, Definition, Erklärung


Doublespeak, im Deutschen „Doppelzüngigkeit“, ist eine Sprache mit doppeldeutigen Begriffen, die zum Zweck der Verschleierung eingesetzt werden. Ein bekannter Fall ist die Verwendung von Euphemismen (Beschönigungen) für eigentlich negative Vorgänge, beispielsweise die Begriffe „Servicing the Target“, womit eine Bombardierung gemeint ist, und „Downsizing“ für Entlassungen.

Welchen Zweck hat Doublespeak? Erklärung

Wenn Doublespeak euphemistisch daherkommt, was sehr häufig Fall ist, soll es die unangenehme bis brutale Wahrheit verschleiern. In anderen Fällen nutzt Doppelzüngigkeit Mehrdeutigkeiten der Sprache absichtlich aus oder kehrt sogar ihre Bedeutung um. Am häufigsten ist Doublespeak in der Politik bzw. in Organisationen mit einem politischen Umfeld (Unternehmen, große Vereine) anzutreffen.

Begriffsherkunft Doublespeak

Die einschlägigen Begriffe gibt es in allen Sprachen schon länger, doch im angloamerikanischen Sprachraum erreichte das Wort Doublespeak durch den Roman „1984“ von George Orwell eine größere Prominenz, obgleich Orwell es gar nicht verwendet. Bei ihm heißen die Begrifflichkeiten Newspeak und Doublethink (Neusprech und Doppeldenken), auch Doubletalk kommt vor. Kenner von Orwells Intentionen konnten seine Begrifflichkeiten, die er zugunsten eines düsteren Zukunftsszenarios verwendete, schnell mit Doublespeak assoziierten.

Der Roman „1984“ ist ein Science-Fiction-Roman, den Orwell 1946 unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges und des Einflusses von Faschismus und Stalinismus auf die großen Gesellschaften in Europa und Asien geschrieben hatte. Viele Ereignisse im Buch und das Handeln der Protagonisten lässt vor allem an den Stalinismus denken. In den Diktaturen des 20. Jahrhunderts war Doublespeak sozusagen überlebensnotwendig, doch es war auch ein Mittel der Unterdrückung.

Orwell griff das Thema in den späten 1940er-Jahren auch in Essays auf. Immer wieder stellte er fest, wie sehr politische Sprache die Realität verzerren und verschleiern kann. Damit gilt Orwells Beschreibung von politischer Sprache als wichtigste zeitgenössische Definition von Doublespeak. Andere Schriftsteller folgten seiner Auffassung, dass das politische Reden nur dazu diene, unhaltbare Zustände zu verteidigen, wozu es viele Euphemismen und trübe Unbestimmtheit verwende. Unaufrichtigkeit, so Orwell, habe inzwischen die klare Sprache fast gänzlich ersetzt. Sein Schriftstellerkollege Edward S. Herman beschreibt wesentliche Hauptmerkmale von Doublespeak in seinem Buch „Beyond Hypocrisy“:

  • wissentliche und unwissentliche Verbreitung von Lügen
  • die tiefe innere Überzeugung, mit Unwahrheiten stets besser dazustehen als mit der ungeschminkten Wahrheit
  • selektive Darstellung von Fakten
  • Kommunikation im Sinne einer ganz bestimmten Agenda
  • Ausblendung und Unterdrückung von Fakten, die nicht zu dieser Agenda passen

Funktionsweise von Doublespeak

Die beiden Wissenschaftler Noam Chomsky und Edward S. Herman belegen in ihrer Publikation „Manufacturing Consent: Political Economy of Mass Media“, wie sehr Doublespeak im Orwellschen Sinne zum wichtigsten Bestandteil einer manipulierten Sprache in den Massenmedien wurde. Voraussetzung dafür sei eine Dichotomisierung der Medienpropaganda gewesen, die also stets komplementäre Begriffe gegenüberstelle (Wesen der Dichotomie) und damit eine Doppelmoral kommuniziere, die inzwischen selbst in den Nachrichten tief verankert sei.

Als Beispiel nennen Chomsky und Herman unter anderem die Darstellung, dass Bedürftige die Sozialhilfe, mithin die Almosen des Staates, gern ausnutzen und sich damit verhätscheln lassen. In Deutschland gibt es hierfür den Begriff der sozialen Hängematte. Jedoch würden die Medien, so die beiden Wissenschaftler, praktisch nie in derselben Weise sinnlose staatliche Subventionen für die Industrie oder auch überbordende Militärausgaben anprangern, obgleich doch das Grundprinzip dasselbe sei: Der Staat verhätschele mit diesen Geldern Organisationen, die eigentlich leistungsfähig genug sein sollten, um ohne diese Hilfe zurechtzukommen.

Doublespeak in der Werbung

Werbetreibende nutzen Doublespeak, um kommerzielle Absichten zu verschleiern. Es herrscht bei Verbrauchern ein verbreitetes Unbehagen gegen Werbebotschaften, weshalb der Doublespeak von Werbetreibenden häufig als bloße Information daherkommt. Ein Beispiel ist die ausführliche Darstellung der Features von Geräten, die Begeisterung erzeugen sollen, wie eine nüchterne technische Beschreibung wirken, in Wahrheit aber die untergründige Botschaft enthalten: Kauf mich, ich bin so toll!

Der französische Sprachwissenschaftler Jacques Ellul erkennt darin die Intention, nicht in Wahrheit Informationen zu verbreiten und auch neue Meinungen durch kritische Auseinandersetzung zu schaffen, sondern möglichste Konformität beim Handeln der Verbraucher zu erreichen: Was so viele Features (Eigenschaften) hat, muss gut sein, das kaufe ich. Ellul belegt seine These mit der Arzneimittelwerbung. Er konnte nachweisen, dass zunehmender Doublespeak bei der Werbung für Aspirin (Darstellung der Wirkungsweise anstelle der vorherigen Darstellung der bloßen Vorteile) zu einem Nachfrage- und Produktionsanstieg für dieses Mittel von ~50 % zwischen 1960 und 1970 geführt hatte.

Parodien mithilfe von Doublespeak

In der Satire kann Doublespeak die Absichten von Politikern ironisch parodieren, wenn sich diese des Mittels der Verschleierung bedienen. Ein früher Schriftsteller, der dieses Mittel einsetzte, war Oscar Wilde. Auch die US-Fernsehserie „Yes Minister“ wandte dieses Mittel der Überhöhung an, das der Medienwissenschaftler Hugh Rank genauer untersuchte. Seiner Meinung nach haben die Satiriker recht genau nachgezeichnet, wie Politiker mithilfe von Doublespeak Diskussionen unterbinden und stattdessen kohärentes Denken forcieren. Sie verwenden dabei die Mittel der Assoziation und Wiederholung, welche die Satiriker so sehr überhöhen, dass der Doublespeak erkennbar wird. Auch das Herunterspielen sei bedeutsam: Immer wieder würden politische Redner Teilaspekte verharmlosen, so Rank. Dies stellten die ironischen Komödien sehr gut nach.

Doublespeak Award

Dieser Preis macht als ironische Hommage den besonders starken Doublespeak von öffentlichen Rednern deutlich. Herausgeber ist seit 1974 der NCTE (National Council of-Teachers of English). Den Preis erhalten Redner (vorrangig Politiker), deren Sprache der NCTE als

  • grob trügerisch,
  • euphemistisch,
  • ausweichend,
  • verwirrend und/oder
  • egozentrisch

identifiziert. Das US-Verteidigungsministerium bekam den Doublespeak Award 1991, 1993 und 2001. 1991 ging es um Euphemismen im Irak-Krieg, darunter Servicing the Target und auch Force Packages für Kampfflugzeuge. Politiker wurden mehrfach für Formulierungen wie „schwierige Arbeitsbeziehungen“ (Euphemismus für Streik) und „signifikanter Rückgang der Gesamtproduktion“ (für Rezession) mit dem Preis bedacht.

Der NCTE wurde 1971 im Zuge des Watergate-Skandals gegründet, der die Skepsis gegenüber den Aussagen von Politikern drastisch erhöht hatte. Die wichtigsten Anliegen des NCTE sind, einen unehrlichen Sprachgebrauch in der Werbung zu untersuchen und Kinder durch Schulung auf das Erkennen von Doublespeak vorzubereiten sowie den politischen Doublespeak zu identfizieren und seine Folgen für die öffentliche Ordnung darzustellen. Die Sensibilität für Doublespeak bzw. eine ehrliche Sprache soll damit steigen. Semantische Verzerrungen durch politische Kommentatoren, Amtsträger und Kandidaten für politische Ämter will der NCTE konsequent aufdecken.


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Autor: Pierre von BedeutungOnline

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