Was ist Doomscrolling? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Doomscrolling, Bedeutung, Definition, Erklärung


Doomscrolling bedeutet auf Deutsch so etwas wie „sich in die Verdammnis scrollen“ oder „sich in das Verderben scrollen“. Dieser Begriff wurde in Neuseeland zum Wort des Jahres ausgewählt. Verschiedene Neurowissenschaftler erklären, dass bei diesem Verhalten sofort auf verschiedene negative Meldungen reagiert wird und sich die Menschen nicht freimachen können. Dies betrifft heute leider viele Nutzer von Medien.

Was ist Doomscrolling? Bedeutung, Definition, Erklärung

Doomscrolling ist eine Wortschaffung aus den Begriffen „doom“ (Verderben) sowie dem Wort „scrollen“ (den Inhalt des Bildschirms verschieben). Wörtlich kann dieser Begriff nur schwerlich ins Deutsche übersetzen, am besten würde es „verdammnisblättern“ treffen. Buchstäblich beschreibt das Doomscrolling, das auch als Doomsurfing bezeichnet wird aber eher das endlose Konsumieren schlechter Nachrichten auf unterschiedlichen Medienkanälen. Dieser Begriff soll im Jahr 2018 zum ersten Mal auf der Plattform Twitter gefallen sein. Derzeit erlebt diese Verwendung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie allerdings eine Hochphase.

Weshalb Doomscrollen die Nutzer?

Unüberschaubare, bedrohliche oder neuartige Situationen können ein Gefühl von Überforderung oder Angst in den Menschen auslösen. Da diese der Ungewissheit oftmals nichts entgegensetzen können, versuchen sie es durch eine systematische Beschaffung von Informationen Herr dieser Lage zu werden. Geschichtlich gesehen macht eine solche Taktik Sinn, denn je mehr Informationen schon die Vorfahren über die Situationen hatten, welche sie einst töten konnten, umso besser standen die eigenen Überlebenschancen.

Aber die Zeiten haben sich inzwischen geändert. Bei einer komplizierten Situation wie der Corona-Pandemie, welche keine leichten Antworten zulässt und nicht in berechenbarer Zeit vorbei sein wird, kann dieser Kontrollversuch scheitern. Sicher müssen und wollen sich die Menschen informieren, um sich ein gutes Bild der täglichen Realität zu verschaffen und die Gedanken optimal einordnen zu können. Außerdem erheben mehr und mehr Nachrichten zu nichts über die Pandemie, sondern ziehen die Menschen weiter in den negativen Strudel an Emotionen.

Trifft nun der evolutionsbedingte Mechanismus der Psyche auf die süchtig machenden Funktionsweisen und Eigenschaften von Social Media, enden die Nutzer in einem Teufelskreis. Durch das sogenannte Infinite Scrolling bricht die Flut an Nachrichten nie ab, während die Menschen dem Algorithmus durch jeden Klick auf die Katastrophen signalisieren, dass sie mehr wollen. Ungeachtet der Auswirkungen auf die mentale Gesundheit gibt der Algorithmus eine schlimme Meldung nach der anderen aus, um die Menschen lange auf der Plattform halten zu können und zugleich und zur Rückkehr zu bewegen.

Die meisten Menschen glauben, in einer nicht enden wollenden Informationsflut den einen Artikel, die eine Statusnachricht oder das eine Video zu entdecken, welche sie einen Schritt voranbringt, einen Vorsprung verschafft, mit welchem sie besser vorbereitet sind als andere Menschen. Dadurch setzen diese den eigenen Körper dauerhaft einem Stress aus, umso mehr, wenn diese in Selbstisolation allein vor dem Gerät sitzen und niemanden haben, mit dem sie in einem Gespräch die Gedanken teilen und diese einordnen können. Ein endloses Scrollen wird die Menschen dann im wahrsten Sinn des Wortes zu einem Verhängnis.

Endlose Feeds verleiten die Nutzer dazu, weiter zu scrollen. Jede neue Auskunft ist dann wie eine Belohnung für sie. Ein bisschen ist dies so, wie bei Glücksspielautomaten. Dazu kommt, dass das Gehirn darauf optimiert ist, auf negative Nachrichten schneller, intensiver und besser zu reagieren.
Dafür verantwortlich ist das, was Neurowissenschaftler „Steinzeithirn“ nennen. Jener Teil des Gehirns versucht mit einer schnellen Reaktion auf die negativen Nachrichten, möglicherweise Bedrohungen, die Menschen am Leben zu erhalten. Dies ist evolutionsbiologisch bedingt.

Was kann gegen Doomscrolling unternommen werden? Maßnahmen, Tipps, Erklärung

Menschen, die glauben, sich in der negativen Spirale an Nachrichten zu befinden, sollten sich in einem ersten Schritt über ihr eigenes Verhalten gegenüber den Medien bewusst werden. Weiterhin kann es helfen, sich jene Frage zu stellen, wie sie sich nach dem Doomsurfing fühlen. Hierzu gehört vor allem die Frage, ob diese Informationsflut die Menschen bestärkt und vorangebracht oder nur hoffnungsloser und verzweifelter gemacht hat. Vor allem im letzteren Fall kann eine Beschränkung des Medienkonsums eine gute Lösung darstellen. Wenn Menschen einen Zeitrahmen von 10 bis 20 Minuten, haben in welchem sie sich auf seriösen und ausgewählten Quellen über die aktuelle Nachrichtenlage informieren, ist dies ein guter Zeitraum. Fällt es schwer, sich davon loszureißen, können die Nutzer auch auf dem Smartphone spezielle Apps zur Beschränkung der Nutzungszeit installieren. Fällt es den Nutzern also schwer, sich von den Medien loszureißen, können sie auf dem Smartphone diese Apps zur Einschränkung der Bildschirmzeit einrichten.

Zudem kann es helfen, nach einem Nachrichtenkonsum bestimmte Aktivitäten einzuplanen, welche einen guten Ausgleich schaffen können. Dies kann ein Gespräch mit vertrauten Menschen sein, um die Emotionen rationalisieren zu können, ein Spaziergang im Wald, Zeit mit der Familie oder eine sogenannte digitale Entgiftung. Wichtig ist, dass die Menschen sich einen Gegenpol zu allen negativen Ereignissen schaffen. Damit nach einem Nachrichtenkonsum noch hinreichend Zeit bleibt, um ein wenig Distanz zu dem Gelesenen zu gewinnen, sollten sich die Nutzer das Zeitfenster nicht geradewegs vor dem Zubettgehen planen. Denn eine gesunde Schlafhygiene ist für die körperliche und mentale Gesundheit wichtig und mit einem wachen Verstand fällt es einfacher, nicht den Kopf zu verlieren.

Wer glaubt, dass er in dem bekannten Teufelskreis steckt, sollte sich in einem ersten Schritt über das eigene Verhalten bewusstwerden. Die Nutzer können sich die Frage stellen, ob ihnen diese Informationsflut weiterhilft oder nur noch hoffnungsloser und verzweifelter macht.

Wahrscheinlich müssen die einzelnen Nutzer also einen guten Weg finden, mit dem neuartigen Doomscrollen umzugehen. Hierzu gibt es viele Tipps. Solche Webseiten mit konstruktiven Inhalten können hier genutzt werden, den getrennten Feed für die vielen Nachrichten und einen anderen für die schönen Dinge des Lebens haben – und vieles mehr.

Die meisten Nutzer haben dazu noch nicht wirklich den optimalen Weg zur Nutzung der Medien gefunden. Ein erster Schritt kann es daher sein, dass weniger Social Media genutzt wird. Die Psychologen empfehlen hier, wenn der Konsum an Medien ein wenig aus dem Ruder geraten ist, sollte am besten zuerst der Umfang reduziert werden. Zudem sollte die Wahl der Quellen eingeschränkt werden, also hier mehr auf Gesundheitsorganisationsseiten oder Regierungsseiten zu lesen und weniger zudem auf Live-Ticker oder soziale Medien, wo sehr schnell verschiedene Informationen kommen, um sich sachlich zu informieren. Dies sollte möglichst nicht dauernd getan werden, also sollte nicht alle zehn Minuten auf das Smartphone geguckt und dann nach neuen Informationen gesucht werden.


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