Was ist der Gender Health Gap? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist der Gender Health Gap, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff “Gender Health Gap” bezieht sich auf die unterschiedliche medizinische Behandlung von Männern und Frauen und ist ein wichtiger und zu beachtender Aspekt in der modernen Medizin, der immer mehr Beachtung erhält.

Was ist der Gender Health Gap? Bedeutung, Definition, Erklärung

Biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau, ob körperlich oder psychisch, sind klar erwiesen und anerkannt. Männer haben einen anderen Stoffwechsel als Frauen, andere Hormone, andere Körpergrößen und andere Muskel-, Fett- und Knochenmasse. Diese Andersartigkeit lassen Männer anders erkranken als Frauen.

Auch die dem Körper eigenen Sexualhormone wie Östrogen bei Frauen und Testosteron bei Männern spielen eine große Rolle bei Erkrankungen, aber auch bei der Behandlung dieser durch Medikamente.

Beispielsweise läuft die Verarbeitung von einigen Stoffen im Körper einer Frau langsamer ab, die Verarbeitung anderer Stoffe wiederum schneller als dies bei Männern der Fall ist. Bezogen auf Medikamente ist also zu beachten, dass die Dosierungen bei Männern und Frauen unterschiedlich angepasst werden muss, um die gewünschten Wirkungen zu erzielen.

Gender Health Gap: Unterschiedliche Krankheitssymptome und Behandlung bei Männern und Frauen

Ein und dieselbe Erkrankung kann bei Männern und Frauen zu sehr voneinander abweichenden Symptomen führen, was das Stellen einer richtigen Diagnose und die Wahl der korrekten Behandlungsform für Mediziner erschwert.

So ist das Risiko für Frauen erhöht, an einem Herzinfarkt zu versterben, da selbst Mediziner als Hauptsymptome die für Männer relevanten kontrolliert. Das allseits bekannte Stechen in der Brust und der Schmerz, der in den Arm ausstrahlt, kommt nur beziehungsweise hauptsächlich bei Männern vor. Symptome bei Frauen sind eher starke Kopfschmerzen, Übelkeit/Erbrechen, Schweißausbrüche, unerklärliche Müdigkeit oder Schmerzen im Oberbauch. Somit landen Frauen häufig erst viel später im Krankenhaus aufgrund eines Herzinfarktes.

Auch bei psychischen Erkrankungen gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Frauen erkranken, so sagt man, beispielsweise häufiger an Depressionen, Männer häufiger an ADHS. Dies stimmt jedoch nicht ganz, denn Männer und Frauen zeigen zum Teil nur andere Symptome als das jeweils andere Geschlecht. Manche Symptome sind dominanter und andere dezenter in der Ausprägung, so dass deutlich seltener Mädchen mit ADHS diagnostiziert werden als Jungen, jedoch Frauen schneller mit einer Depression als Männer.

Ursache für den Gender Health Gap

Die tatsächliche Ursache für den Gender Health Gap liegt nun genau in dieser Art der Gleichbetrachtung der Geschlechter, obwohl signifikante Unterschiede bestehen. So werden Studien zur Einführung neuer Medikamente und anderer medizinischen Produkte häufig an hauptsächlich männlichen Probanden durchgeführt. Auch bei Tierversuchen werden im Grunde fast nur männliche Mäuse, Ratten etc. gewählt.

Begründet wird dies mit den hormonellen Schwankungen bei Probandinnen beziehungsweise weiblichen Versuchstieren, die die Teilnahme an Studien stören oder sogar unbrauchbar machen würden. Dies ist eine Argumentation, die in der Folge für Frauen Nachteile nach sich ziehen kann, da Wirkstoffe, die nur an Männern getestet wurden, bei Frauen ganz anders wirken können.

So kann eine Dosierempfehlung für ein Medikament, die an einen männlichen Patienten orientiert ist, für Frauen gar keine Wirkung haben, weil sie zu niedrig dosiert ist. Oder aber es ist eine viel zu hohe Dosierung, die starke Nebenwirkungen oder sogar eine Verschlimmerung bis hin zum Tod nach sich ziehen kann.

Es gibt auch Medikamente, die geschlechtsspezifisch sind, das heißt, die nur für Frauen oder nur für Männer bestimmt sind. Hier ergibt es wenig Sinn, diese am jeweils anderen Geschlecht zu testen.

Inzwischen hat die Medizin dieses Problem des Gender Health Gap erkannt und auch in der Politik wird man sich dessen immer bewusster. Seit einiger Zeit gibt es beispielsweise eine EU-Richtlinie, die besagt, dass bei klinischen Studien Probanden auch nach dem Kriterium auszuwählen sind, wie häufig die betreffende Krankheit beim jeweiligen Geschlecht auftritt.


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Autor: Pierre von BedeutungOnline

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