Was ist der Benjamin-Button-Effekt? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist der Benjamin-Button-Effekt, Bedeutung, Definition, Erklärung


Benjamin Button war eine Filmgestalt, die 2008 von Brad Pitt verkörpert wurde. Statt immer älter zu werden, entwickelte sich Benjamin Button rückwärts. Heute verwendet man den Begriff in der Kosmetik. Es gibt den Effekt aber auch ganz real in der Natur.

Der ungewöhnliche Fall des Benjamin Button

Der Film basiert locker auf einer Erzählung des berühmten US-amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald. Benjamin wird mit der Körpergröße eines Babys und dem Aussehen eines Greises geboren. Statt zu altern, bewegt sich seine Lebensuhr rückwärts.

Nach 85 Jahren und einem ziemlich verdrehten Leben stirbt Benjamin als Baby. Zwischendurch lernt er seine große Liebe kennen und bekommt eine Tochter mit ihr. Doch ein normales Familiendasein kann er durch seine ungewöhnliche Lebensreise nicht führen.

Der Benjamin Button Effekt in der Kosmetik

Der Film traf 2008 den Nerv der Zeit. Immer mehr Menschen wünschen sich ewig jung zu sein – oder wenigstens so auszusehen. Zeitgleich findet in der Gesellschaft eine zunehmende Abwertung des Alters und dessen Merkmalen statt. Menschen geben Millionen aus, um sich durch Kosmetika oder chirurgische Eingriffe ein bestimmtes Aussehen zu verleihen.

Kaum eine andere medizinische Disziplin hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so rasant entwickelt wie die Schönheitschirurgie. Die Methoden haben sich immer weiter verfeinert und bieten heute unglaubliche Möglichkeiten. Die Kosmetikindustrie forscht intensiv, um allen Geheimnissen der Hautalterung auf die Spur zu kommen.

Inzwischen weiß man um das komplizierte Gefüge aus Fettpolstern, Feuchtigkeitsdepots, den Hormonen und der Rolle einer gesunden Ernährung sowie positiven Lebensweise. Die Schönheitschirurgie, Dermatologie sowie die Kosmetik- und Wellenessindustrie haben sich zu einem ganzheitlichen Lifestyle-Trend entwickelt.

So manch ein Mensch begibt sich mit Mitte dreißig oder ab vierzig in die Hände der Fachkräfte. Durch geglückte Behandlungen und Änderungen des Lebensstils sehen diese Menschen zehn Jahre später jünger aus, als zu Beginn der Behandlungen. Genau diesen Effekt bezeichnen die Experten auf dem Gebiet des ewigen Jungseins als den „Benjamin Button Effekt“.

Den Benjamin Button Effekt gibt es tatsächlich

Der Effekt ist bei Weitem keine Fiktion, die Umkehrung der Alterung gibt es wirklich. In der Natur sind einige Tierarten bekannt, die genau das können. Die Wissenschaftler wissen noch nicht, wie der Effekt gesteuert wird. Doch bei Bedarf können diese einfachen Tierarten den Alterungsprozess einfach umdrehen.

Die unsterbliche Qualle Turritopsis dohrnii

Diese im Mittelmeer heimische Art zählt zu den Mirko-Quallen. Ausgewachsen ist sie nur 3 Millimeter groß. Ansonsten sieht sie aus wie andere Quallen auch. Turritopsis dohrnii hat einen gallertartigen Schirm und 15 bis 30 Tentakel.

Bevor sie als fertige Qualle durchs Meer schwimmt, durchläuft sie diverse Entwicklungsstadien. Vom Ei wird sie zu einer Kaulquappe, dann zur Planulalarve und Medusa. Nach etwa sechs Wochen ist sie ausgewachsen. Normalerweise gehen diese Tiere dann einen weiteren interessanten Entwicklungsweg: Nachdem sie einige Zeit frei im Meer geschwommen sind, lassen sie sich nieder und bilden Kolonien. Dabei verändern sie ihre Struktur nochmals dramatisch. Von einem gallertartigen Tier werden sie zu festeren Gebilden, die Korallen ähneln. Dazu müssen sie sich jedoch fest auf einem geeigneten Untergrund verankern können.

Nimmt man Turritopsis dohrnii die Möglichkeit zu diesem finalen Entwicklungsschritt, leiten die Quallen den Benjamin Button Effekt ein. Durch einen unbekannten Impuls verändert sich die Struktur der Stammzellen beziehungsweise der Telomere. Im Laborversuch konnten die Quallen bis zu zehnmal die Entwicklung umkehren, gingen dann aber doch irgendwann zugrunde.

Die ewig jungen Hummer

Ein ganz ähnliches Prinzip wirkt in einigen Hummer Arten. Die haben ein besonderes Enzym, das die Zellalterung verhindert.
Die Hummer wachsen zwar, biologisch gesehen altern sie aber nicht. Trotzdem können diese Tiere nicht ewig leben. Ein anderes Problem führt schließlich zum Tod. Der Panzer der Tiere wächst nämlich nicht ewig mit.
Es scheint ganz so, als sei das Wachstum der Panzerstruktur nicht an die ewige Jugend im Inneren der Tiere angepasst. Irgendwann verenden sie, weil die zu eng gewordene Haut sie förmlich erdrückt. Trotzdem erreichen Hummer erstaunliche Lebensalter von bis zu 140 Jahren.

Benjamin Button Effekt: Die Rolle der Telomere und der Telomerase

Der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald konnte in den 1920er Jahren noch nicht viel von Genen, der DNA und den Telomeren wissen. Zu dieser Zeit muss ihm die Idee zu seiner Kurzgeschichte über den sich verjüngenden Benjamin Button wie reine Fiktion vorgekommen sein. Den Wunsch zum ewigen Leben dagegen gibt es wahrscheinlich seit Menschen denken können.

Seit der fortschreitenden Entschlüsselung des Lebens-Bauplans kommen Forscher dem Alterungsprozess zunehmend auf die Spur. Inzwischen weiß man, das am Ende jedes Zell-Chromosoms kleine Kappen sitzen – die Telomere. Mit jeder Zellteilung verkürzen sie sich etwas. Sind die Telomere aufgebraucht, kann sich die Zelle nicht mehr erneuern. Sie stirbt. Hat ein Mensch die meisten seiner lebens- und regenerationsfähigen Zellen aufgebraucht stirbt auch er.

Wer lange Telomere hat, bleibt länger gesund und altert langsamer. Ein Enzym mit dem Namen Telomerase sorgt dafür, dass die Telomere lang bleiben. Natürlich forschen Wissenschaftler weltweit an der Beeinflussung der Telomere und der Telomerase. Bisher fand man heraus, dass Dinge wie eine gesunde Ernährung, Lebensfreunde, Stressreduktion und Entspannung entscheidend auf die Bildung der Telomerase einwirken.

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