Was bedeutet „Ökozid“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet Ökozid, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Ökozid“ (Kurzform für „Vernichtung der natürlichen Wechselbeziehungen“) wird oft bei der Beschreibung regionale oder globale Ökosysteme beeinträchtigender menschengemachter Eingriffe verwendet, die massive Negativfolgen für die Lebensgrundlagen von Bevölkerungen haben.

Geschichte: Ökozid im Zweiten Indochinakrieg

Der sprachlich und thematisch in Nähe zu „Ethnozid“ und „Genozid“ stehende Begriff „Ökozid“ geht auf die seit Anfang der 1960er Jahre von den US-Streitkräften während des Zweiten Indochinakriegs (1955 – 1975) in Südvietnam, Kambodscha und Laos praktizierte Taktik zurück, durch den militärischen Einsatz von Herbiziden, wie z. B. Agent Orange, Dschungelgebiete weitflächig zu entlauben. Auf diese Weise sollten feindlichen Guerilla-Verbänden wie dem Vietcong und der Pathet Lao die vor Luftangriffen schützende Deckung durch Laubdächer genommen werden.

Allein in Vietnam sind während des Krieges 30.000 qkm Wald entlaubt worden. Die Auswirkungen dieses Masseneinsatzes von Herbiziden waren enorm: Unzählige Menschen erkrankten an Krebs und starben, Böden und Gewässer ganzer Regionen wurden dauerhaft vergiftet, Tier- und Pflanzenarten fast ganz oder gänzlich ausgerottet.

Was bedeutet „Ökozid“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der spätestens seit den 1970er Jahren in der politischen Diskussion regelmäßig verwendete Begriff „Ökozid“ hat bisher keine allgemein anerkannte Definition und auch keine rechtsverbindliche Begriffsbestimmung erfahren. So wird „Ökozid“ aktuell zur Beschreibung einer Reihe von zwar durchaus themenverwandter, aber in ihrer Aussage sich doch teilweise erheblich voneinander unterscheidender Sachverhalte eingesetzt.

Zum einen kann durch den Begriff „Ökozid“, wie beim Einsatz von Agent Orange, die langandauernde Schädigung des Erbguts der Angehörigen einer Ethnie durch Einsatz von Kampfgiften gemeint sein. Durch Agent Orange zum Beispiel sind einige kleinere Bergvölker in Vietnam in ihrem Bestand gefährdet worden.

Unter „Ökozid“ wird aber auch häufig die physische oder kulturelle Auslöschung eines Volkes durch wirtschaftlich motivierte Eingriffe in die für diese Ethnie als Nahrungsbasis und Kulturheimat lebenswichtigen Ökosysteme verstanden. Ein Beispiel dafür ist die Zerstörung weiter Teile des brasilianischen Regenwalds durch Holzeinschlag und Brandrodung. Dadurch verloren zahlreiche indigene Völker ihre wirtschaftliche und kulturelle Grundlagen.

Etliche Umweltaktivisten definieren „Ökozid“ dagegen als systematische schwerwiegende Beeinträchtigung der Natur unbeachtlich deren Folgen für Mensch und Kultur.

Im größeren Maßstab wird „Ökozid“ als eine in naher Zukunft zu erwartende Katastrophe verstanden. Die Klimaerwärmung und andere Probleme würden, falls es nicht zu einer Änderung des Kurses bezüglich dieser Problematiken käme, nach Ansicht etlicher Fachleute zu einem von ihnen „Ökozid“ genannten weltweiten Zusammenbruch führen.

Ökozid Bedeutung: Rechtliche Berücksichtigung

Es hat mehrere Anläufe auf verschiedenen Ebenen gegeben, Ökozid als Tatbestand in das internationale Strafrecht aufzunehmen. So sollten nach einem an die zuständigen UN-Kommission gerichteten, erfolglosen Vorstoß im Jahr 2010 Vernichtung oder Beschädigung von Ökosystemen dann unter Strafe gestellt werden, wenn diese Eingriffe die Wohlfahrt der betroffenen Bevölkerung erheblich beeinträchtigen würde. Diese Formulierung entsprach in etwa der Definition von „Ökozid“ im UN-Umweltübereinommen von 1977. Demnach sollte Ökozid angenommen werden, wenn monatelang auf einem Gebiet von 100 qkm und mehr durch Eingriffe in die Natur schwere Störungen für das Leben der Einwohner auftreten.

Umweltkampagnen wie die von Greta Thunberg unterstützte Aktion „Stop Ecocide“ versuchen weiterhin Ökozid unter Strafe stellen zu lassen. Sie wollen, dass endlich die Lücke geschlossen wird, die nach Ansicht der Ökoaktivisten wegen unzureichender nationaler Umweltschutz-Strafvorschriften besteht. Erst ein für alle Länder in der Welt geltendes internationales Strafgesetz gegen Ökozid würde demnach Schlupflöcher bei der Strafverfolgung verstopfen und wirksam sein.

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