Was ist „Neo-Ökologie“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Neo-Ökologie, Bedeutung, Definition, Erklärung


Neo-Ökologie bedeutet die Verbindung von ökologischem und wirtschaftlichem Handeln. Der seit den 1960er-Jahren so verstandene Konflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschonung soll aufgehoben werden. Grüne Märkte schaffen neuen Wohlstand. Dahinter steht ein neues gesellschaftliches Bewusstsein, das zu einem ressourceneffizienten und ökologischen Wirtschaften ohne Verzicht führt.

Kernansätze der Neo-Ökologie: Bedeutung, Definition

  • Erneuerbare Energien sind nicht mehr teurer, sondern günstiger als die Energien aus fossilen Brennstoffen. Damit revolutionieren sie das Marktgefüge.
  • Die Energieproduktion wird dezentraler und gelangt damit eher in die Hände von Energiegenossenschaften – weg von den Konzernen. Das liegt auch daran, dass Energie in rein technischer Hinsicht dezentral produziert wird, durch Windräder in privatem Einzelbesitz und Solarpaneele auf privaten Hausdächern.
  • Grüner Strom führt zu energetischer Autarkie. Das macht Verbraucher unabhängig von der Preisentwicklung bei Strom und Gas.
  • Eine der größten Herausforderungen der Energiewirtschaft besteht künftig in der Steuerung des sehr unregelmäßig bereitgestellten grünen Stroms. Durch die Digitalisierung der Netze ist diese Herausforderung aber zu bewältigen.
  • Der Verkehr koppelt sich von fossilen Brennstoffen ab.
  • Obgleich der Straßenverkehr umweltfreundlich wird, setzen sich immer weniger Menschen den Anstrengungen des Privatbesitzes an einem Auto aus. Sharing- und Abo-Modelle sowie der öffentliche Nahverkehr boomen. Letzterer wird in immer mehr Städten kostenlos angeboten.
  • Nicht nur das Auto, auch viele andere Konsumgüter haben als Statussymbol ausgedient. Das Streben nach Status gilt angesichts der komplexen Welt und der ökologischen Herausforderungen als obsolet (überholt). Wer mit Statussymbolen protzt, gilt als asozial.
  • Staaten reagieren mit verschärften Gesetzen auf ökologische Erfordernisse. Dieser Prozess ist schon jetzt in vollem Gange.
  • Unternehmen, die eine effiziente Ressourcennutzung realisieren können, sind die ökonomischen Gewinner. Wer in diesem Wettbewerb nicht besteht, kann aufgrund der verschärfteren Gesetzgebung nicht mehr ökonomisch wirtschaften und muss aufgeben.
  • Recycling wird ein mächtiger Wirtschaftszweig.

Wie neu ist die Neo-Ökologie?

Sie ist weniger neu, als es der Begriff vermuten lässt. Es geht schlicht um die Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Der Gedanke aber, trotz grundsätzlich wirtschaftlichen und auch wachstumsorientierten Handelns die Ressourcen zu schonen, stammt schon aus dem vorindustriellen Zeitalter. Hans Carl von Carlowitz, ein kursächsischer Oberberghauptmann, erwähnte im Jahr 1713 den Begriff der Nachhaltigkeit in einem Werk zur Baumzucht („Sylvicultura oeconomica“), das die ganzheitliche und nachhaltige Forstwirtschaft auf 432 Seiten umfassend behandelte. Carlowitz wirkte im Erzgebirge, wo er eine Ressourcenzerstörung durch Holzfäller ausmachte. Dass Bäume sehr lange wachsen und auch nachgepflanzt werden müssen, wenn man ihr Holz verwenden will, konnte schon damals vielen Menschen klar sein, doch erstens hielten sie sich aus Not und/oder Fahrlässigkeit nicht daran, zweitens begründete Carlowitz den Gedanken auch wissenschaftlich. Dementsprechend mahnte er die „… continuierliche, nachhaltende und beständige Nutzung …“ an, die er in seinem Revier wohl auch durchsetzte. Die Industrialisierung stellte dann ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Ökonomie über die Ökologie. Einen nochmaligen Schub in diese prekäre Richtung gab es nach den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Besonders ab den 1950er-Jahren wollten die Menschen konsumieren, als gäbe es kein Morgen. Als dann in Europa Gewässer durch industrielle Einleitungen komplett starben, setzte etwa um 1970 ein Umdenken ein. Der Club of Rome warnte schon damals vor den ökologischen Grenzen des Wachstums und wurde auch häufig zitiert, doch Umweltschützer hatten es extrem schwer. Dazu trug auch bei, dass es wenig technische Alternativen zum Verbrauch fossiler Brennstoffe gab. Dennoch lenkten die Staaten bereits damals um. Sie förderten die Forschung zu erneuerbaren Energien und schließlich auch deren Verwendung, so teuer dies auch noch war. In Deutschland wurde Ende 1990 das Stromeinspeisungsgesetz mit Fördersätzen für Wind- und Sonnenkraft beschlossen, aus dem im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde. Dieses kopierten zahllose Staaten der Welt (mit jeweils eigenen Fördersätzen). Der Grundgedanke des EEG ist bis heute die degressive Förderung: Erneuerbare Energien erhalten grundsätzlich einen Zuschuss, der aber sukzessive sinkt, damit die Hersteller zur Innovation und damit Kostensenkung gezwungen werden. Das gelingt weltweit, in manchen Staaten (unter anderem China) inzwischen sogar besser als in Deutschland.

Wird die Neo-Ökologie gewinnen? Bedeutung, Definition

Davon ist auszugehen, weil sie alternativlos ist. Allerdings klingeln im Jahr 2020 wegen der allseits sichtbaren Folgen des Klimawandels die Alarmglocken inzwischen in schrillsten Tönen. Doch ein Alarm ist eine Notsituation, in der wir nicht an langfristig erfolgreichen Plänen arbeiten. Diese brauchen wir aber, wenn wir die Wirtschaft mit der Umweltschonung versöhnen wollen. Daher gilt es als eine Voraussetzung für den Erfolg der Neo-Ökologie, dass ökologisches Denken entideologisiert wird. Vielleicht ist diese Intention auch der Grund für so manch eine Kritik an den sehr jungen Aktivisten von Fridays for Future. Diese mahnen sehr emotional und haben natürlich jedes Recht dazu, denn in 50 Jahren müssen sie die Folgen des Klimawandels ausbaden, während dessen Verursacher nach einem konsumfreudigen Leben glücklich verstorben sind. Doch es muss auch handfeste, technisch realisierbare und ökonomisch machbare Alternativen geben. Möglicherweise haben grüne, im Grundsatz marktwirtschaftlich orientierte Parteien das größte Potenzial, der Neo-Ökologie zu ihrem dringend benötigten Sieg zu verhelfen. Das wäre wirklich erforderlich. Denn eines steht fest: Ökologie wird nach wie vor am lautesten von fundamentalistischen Ideologen gepredigt. Es müssen aber Techniker und Wirtschaftsfachleute ans Werk, die den gordischen Knoten des scheinbaren Konflikts zwischen nachhaltiger Wirtschaft und Wohlstand zerschlagen.

Neo-Ökologie: Wir alle sind gefragt!

Fragen Sie, wen Sie möchten (außer Bolsonaro und Donald Trump): Praktisch jede und jeder versichert Ihnen, für Ökologie und nachhaltige Wirtschaft zu sein. Doch lassen diese Menschen auch oft genug ihr Auto stehen? Was sagen sie, wenn in ihrer Nachbarschaft eine Windkraftanlage gebaut wird? Benutzen sie noch Plastiktüten? Wie lange lassen sie den Wasserhahn beim Zähneputzen laufen? Fliegen sie in den Urlaub? Die Wirtschaftsunternehmen schütteln daher bei der Forderung nach ökologischem Wohlstand manchmal den Kopf, denn sie wissen einfach nicht, wie sie diesen realisieren sollen. Es kommt daher auf uns alle an. Vielleicht sollten wir überlegen, ob echt grüner Strom zum Beispiel einen Aufpreis von drei oder vier Cent auf die Kilowattstunde wert sein sollte. Viel mehr dürfte es nicht kosten, unsere Kohlekraftwerke endgültig zu ersetzen. Fliegen in den Urlaub? Es ist in Ordnung, doch es muss nicht jedes Jahr sein. Das ließe sich ganz einfach über den Preis regeln. Das Autofahren ist ein Aspekt, den wir gründlich überdenken sollten. Damit fördern wir ganz privat die Neo-Ökologie.

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